Die Historia von D. Johann Fausten. Eine Kontrafaktur zur Heiligen Schrift?


Bachelorarbeit, 2017
52 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textuberlieferung, Editionsgeschichte und Quellen

3. Zeit der Veroffentlichung

4. Der historische Faust

5. Antilegende und Kontrafaktur

6. Textanalyse
6.1 Das Leben Jesu - Das Leben Doktor Johann Faustus'
6.1.1 Geburt vnd Studij
6.1.2 Abwendung von Gott und Teufelsbuhlschaft
6.1.2 Die Jungerschaft
6.1.3 Beischlaf und Ehe
6.1.4 Verzweiflung, Tod und Auferstehung
6.1.5 Die Wunder
6.2 Weiteres
6.2.1 Die Holle
6.2.2 Die Zehn Gebote und Sieben Todsunden
6.2.3 Zahlensymbolik

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Wohl kaum ein anderer Text des 16. Jahrhunderts wurde ofter erwahnt und rezipiert als das deutsche Volksbuch1 Historia von D. Johann Fausten 2. Nunmehr vierhundert Jahre ist es alt und gehort genauso lange zum deutschen Selbstverstandnis. Kein anderes Werk der Zeit hat mehr Erwartungshaltungen an und mehr Forschungsinteresse auf sich gezogen als die Historia.3 Ihr erstes Erscheinen in der literarischen Offentlichkeit ist mit der Buchmesse in Frankfurt am Main vom Herbst 1587 datierbar. Wurde sie zunachst tatsachlich noch als Verfallsprodukt verschrien, musste sie schon kurze Zeit spater mehrfach nachgedruckt werden. Hatte sie nicht die ungeheure Wirkung und Faszination der Figur des Teufelsbundners und seines Schicksals dargestellt, so hatte man sie vermutlich ohne groBe Beachtung als kunstlose Kompilation zu den Volksbuchern gesehen.

Als Verleger der Historia nannte sich Johann Spies4, geburtig aus Oberursel in der Grafschaft Konigstein im Taunus. Der Autor des Textes bleibt anonym und wird in der Widmungsrede Spies' lediglich als ein „guter Freundt von Speyer“5 benannt. In den Jahren von 1582 bis 1585 war Spies in Heidelberg tatig gewesen, zu einer Zeit, als die calvinistische Pfalz unter Ludwig VI. ins streng lutherische Lager wechselte und ihre Unterschrift unter das Bekenntnis des orthodoxen Luthertums, die Konkordienformel, gesetzt hatte.6 Spies selbst trat als Drucker des Konkordienbuchs hervor und sein Verlagsprogramm blieb lutherisch ausgerichtet. So darf man meinen, dass auch die Historia den Geist des Luthertums atmet. In der Vorred an den Christlichen Leser heiBt es:

Damit aber alle Christen / ja alle vernunfftige Menschen den Teuffel vnd sein Furnemmen desto besser kennen / vnnd sich darfur huten lernen / so hab ich mit Raht etlicher gelehrter vnd verstendiger Leut das schrecklich Exempel D. Johann Fausti / was sein Zauberwerck fur ein abscheuwilch End genommen / fur die Augen stelle / sind mit fleib vmbgangen vnnd aubgelassen worden die formae coniurationum / vnnd was sonst darin airgerlich seyn mochte /vnnd allein das gesetzt / was jederman zur Warnung vnnd Besserung dienen mag. Das wo llest du Christlicher Leser zum besten verstehen / vnd Christlich gebrauchen / auch in kurtzem deb Lateinischen Exemplars von mir gewertig seyn. Hiemit Gott befolen.7

Der Autor macht seine Intention schon auf dem Titelblatt deutlich. Er mochte ein Mahnmal setzen, das den Leser an seine christliche Pflicht erinnert und aufzeigt, dass ein Teufelspakt zu einer unaufloslichen Allianz mit dem Teufel und zu eigener Verdammung fuhrt. So gilt die Historia als protestantische Warnliteratur, denn sie suggeriert, dass jeder, der wie Faustus sein Heil in die Vernunft setzt, sich dem Teufel verschreibt und an Gottes Gnade zweifelt, in die Holle fahrt.

Der historische Kontext hat seinen Ursprung in der revolutionaren Entwicklung des beginnenden 16. Jahrhunderts, denn es erwachst aus der fruhkapitalistischen Epoche des Reformationszeitalters. Die Historia wird abgefasst in einer Zeit der „gesellschaftlich- wirtschaftlichen Stagnation, einer nach-revolutionaren Periode, als das Luthertum schon nicht mehr als Trager des gesellschaftlichen Fortschritts bezeichnet werden kann.“8 In Faustus, dem weitbeschreyten Zauberer, an dessen wirkliches Auftreten sich vielerorts Anekdoten und Legenden knupfen, erinnern sich die Zeitgenossen und sehen in ihm einen Ausweg aus ihrer Lage, in die sie gesellschaftliche und geschichtliche Ereignisse, darunter zum Beispiel die Bauernkriege, gebracht haben. Verwunderlich sollte es also nicht sein, dass das Volk nach einem Ausweg sucht, um sich aus einer solchen Situation zu befreien. Diese Auswegsgestalt ist Faust9, der sich aus dieser Situation mithilfe des Teufels befreit. So verbindet sich die Warnung an den glaubigen Christen mit der bekannten und bewunderten Faustgestalt. Das Ergebnis ist die Historia von D. Johann Fausten, welche damit den Nerv der Zeit getroffen hat und zu einem „Best- und Longseller“10 wird.

Die Frage warum die Historia einen solchen Anklang fand, ist weniger schwer zu beantworten als die Frage nach dem Wie. Hierbei geht es nicht nur um die Artistik des Erzahlens, sondern um Erlosung und Verdammnis. Der nachdruckliche Hinweis auf das Exempel Christi fur die Deutung der Schlussszene ist von besonderem Interesse. Wahrend Jesus Christus, der Erloser, aufersteht, dient er damit als Gegenbild von Faustus, der als Teufelsbundner als UnerlOster in die Holle fahrt. In dem Sammelband Schlusseltexte der deutschen Literatur erkennt Gunter Hess, dass Faustus schon in der Vorred der Historia als „Exempel des Anti-Christ, d.h. gegen das Exempel Christi“n eingefuhrt worden ist. Damit knupft er an die Forschungsergebnisse Friedrich Ohlys an, der die Historia 1972 erstmals als Legendenkontrafaktur bezeichnet. 2003 wird diese These von Andreas KraB erweitert. Dieser behauptet, die Historia sei eine Kontrafaktur, verweise aber nicht auf eine der genannten Heiligenlegenden, welche Ohly benannt hat, sondern auf das Leben Jesu. Es mag wohl an der mangelnden Bearbeitung einer Analyse zu dieser These liegen, dass sich der Terminus der Kontrafaktur, im Besonderen auf die Heilige Schrift und das Lebens Jesu, bisher nicht durchgesetzt hat und an Allgemeingultigkeit gewonnen hat. Dieser Aufgabe mochte ich mich in der vorliegenden Arbeit widmen und die Fragestellung voranstellen, ob die Historia von D. Johann Fausten von 1587 eine Kontrafaktur zur Heiligen Schrift und zum Leben Jesu darzustellen versucht.

Um mogliche Antworten auf die Frage zu finden, ob der historische Kontext die potentielle Kontrafaktur beeinflusst hat und zu ihrem Entstehen beigetragen hat, wird sich der erste Teil hauptsachlich mit der Entstehung und deren historischen Zeitraum befassen. Unabdingbar ist es dabei, einen Blick auf den historischen Faust und die Legendenbildung zu werfen. Das darauffolgende Kapitel wird sich ausfuhrlich mit der bisherigen Forschung zu der Fragestellung befassen und versuchen, die verwendeten Begriffe in erschienen Forschungsarbeiten zu differenzieren, um eine Definition einer Kontrafaktur zu schaffen und ahnliche Begriffe abzugrenzen. Vorrangig wird zur Darstellung des vorliegenden Sujets zwar auf neuere Forschung verwiesen, hinreichende Berucksichtigung findet jedoch auch die Literatur alterer Jahrgange. Die anschlieBende Analyse wird sich im ersten Teil dem Leben Jesu widmen und die Historia von D. Johann Fausten auf kontrafaktische Elemente in Bezug dazu untersuchen. Sonstige Gegenentwurfe, die sich in der Historia finden lassen, werden in dem folgenden Teil dargestellt. Diese beziehen sich dabei weniger auf das Leben Jesu, als auf die Heilige Schrift selbst. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und ausgewertet.11

2. Textuberlieferung, Editionsgeschichte und Quellen

Die Entstehung des Faustbuchs liegt weitestgehend im Dunkeln. Die Geschichten uber den beruhmten Zauberer, der in der ersten Jahrhunderthalfte an verschiedenen Ort bezeugt war, ist hauptsachlich mundlich verbreitet worden.

In den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts muss es ein „begabter Romanschreiber oder ein exzeptenfroher Anekdotensammler“12 gewesen sein, der verbreitete Geschichten uber Faustus zusammen mit verwandten Erzahlungen zu einer Vita geformt hat und die Historia vnd Geschicht Doctor Johannis Faust 13 j schrieb. Diese verloren gegangene Fassung seines Werks gilt als die Vorlage fur die beiden alteren Faustbucher.14 Ihre Existenz geht schon daraus hervor, dass etwa zeitgleich mit oder kurz vor dem Erscheinen des Druckes von Spies in Nurnberg eine Handschrift entstanden ist, die offenbar auf eine fruhere Quelle zuruckging. Diese Fassung, welche 1890 von Gustav Milchsack entdeckt wurde, stimmt in groBen Teilen mit der editio princeps uberein.15 Auf diese Vorlage berufen sich sowohl die Wolfenbutteler Handschrift (W) als auch der Spies Druck (A1 -Druck). Allerdings trug dies eher zur Irritation als zur Klarung der Abhangigkeitsverhaltnisse bei.16 Beide Fassungen evozieren, dass es eine lateinische Vorlage gegeben habe. Am Ende seiner Vorred an den Christlichen Leser kundigt Spies an, dass „in kurtzem des Lateinischen Exemplars von mir gewertig seyn.“17 In der Vorrede der Wolfenbutteler Handschrift heiBt es, der Verfasser habe den vorliegenden Text „auss dem Lateinischen jnn das Teutsch zu Transferiern“18 versucht.

Von der im Jahr 1587 vom Verleger Spies gedruckten Historia von D. Johann Fausten leiten sich alle spateren Faustbucher ab.19 Der Erstdruck wurde schon 1587/1588 mehrfach nachgedruckt. Ebenfalls 1587 erschien ein um 8 Kapitel erweiterter Druck, ebenfalls bei Spies, welcher bekannte Zauberschwanke auf Faustus ubertragt (B-Druck). Eine weitere um funf Erfurter und eine Leipziger Geschichte vermehrte Ausgabe von 1587, der C-Druck, wurde nach Jan-Dirk Muller am erfolgreichsten.

Das wahrscheinlich altere ist die sogenannte Wolfenbutteler Handschrift, welche mit der Bemerkung: „Ist von Widmens Leben Fausti, Hamburg 1599 in quarto, ganzlich verschieden“ ins Handschriftenregister von 1783 aufgenommen wurde. Widmann erganzte die Historia um umfangreiche theologische und moraldidaktische Kommentare. Des Weiteren wurde die Historia in Tubingen 1587/1588 in ein Versdrama umgearbeitet, ebenso erschien sie in Lubeck bei Balhorn im gleichen Jahr auf Niederdeutsch. 1593 kam als Fortsetzung die Geschichte von Faustus' Famulus Christoph Wagner, Das Wagnerbuch 20, heraus.

Um noch einmal das Wichtigste zusammenzufassen: Von einer deutschen Urfassung wurden die Wolfenbutteler Handschrift sowie auch die Widman Bearbeitung abgeleitet; die Wolfenbutteler Fassung hat zum Spieschen Faustbuch gefuhrt. Die Entwicklung, die Henning in eine Graphik umsetzte, durfte demnach so aussehen21:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Historia des Buchdruckers Johann Spies mit dem vollstandigen Titel Historia von D. Johann Fausten /dem weitbeschreyten Zauberer undSchwartzku nstler / Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine benandte zeit verschrieben / Was er hierzwischen fur seltsame Abenthewer gesehen / selbs angerichtet vnd getrieben / bifi er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen /Mehrertheils aufi seinen eygenen hinderlassenen Schriften / allen hochtragenden f rwitzigen / vnd Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel / abscheuwlichen Exempel / uns treuhertziger Warnung zusammen gezogen / vnd in Druck verfertigt. Jacobi IIII. Seydt Gott vnterthanig / widerstehet dem Teufel / so fleuhet er von euch. 22 Cum Gratia et Privelegio. Gedruckt zu Franckfurt amMayn, durch Johann Spies. MDLXXXVII (Abb. 1) erschien 1587 in seiner Offizin zur Herbstmesse. Nach Ausweis der Vorrede hatte sie ein guter Freund von

Speyer verfasst. Moglicherweise ist dies nur eine Fiktion, hinter der sich der Drucker selbst verbirgt. Der strenge Lutheraner Spies war 1581 bis 1585 als Drucker in Heidelberg tatig, musste aber nach Ruckkehr der anti-lutherischen Partei unter Johann Kasimir nach Frankfurt siedeln. Das Programm seiner Offizin ist strikt auf lutherische Traktatliteratur ausgerichtet. Der Autor muss verbreitete Geschichten uber Faustus mit verwandten Erzahlungen zu einer Vita geformt haben, in der er zugleich die „schillernde Gestalt strenger theologischer Deutung unterzog.“23 Ferner hat das Faustbuch aus einer ganze Reihe von Buchern, die seit 1490 erschienen sind, geschopft. Das Anfertigen von Auszugen und die Ubernahme von Textstellen im Mittelalter und der Fruhzeit des Buchdruckes ist, so Henning, ein deutliches Zeichen von Belesenheit.24 Ein GroBteil dieser Werke ist durch Forschungsergebnisse von Milchsack, Ellinger, Szamatolski und weitere bekannt geworden. Man kann demnach mit Sicherheit sagen, dass der anonyme Autor fur seine Zeit eine auBerordentliche Bildung besessen haben muss. Detaillierte Ortsbeschreibungen entlehnte der Redaktor geografischen Kompendien, unter diesen befindet sich auch die Schedel'sche Weltchronik.25 26 Nach Henning konnten Texte wie Eulenspiegel, Fortuna, Narrenschiff und Schimpf und Ernst als literarische Vorbilder festgestellt werden.27 Mephistophiles agiert im Rahmen der reformatorischen Teufelslehre, welche die reale Macht des Teufels in der Welt deutlich macht, aber in der Betonung der Allmacht Gottes diesem Dualismus Grenzen setzt. Daher ist die Historia nur mit Kenntnis der reformatorischen Theologie und deren Schriften zu entschlusseln.28

Der Autor des Werks muss Kenntnis uber die verschiedensten Literaturgattungen und mundlichen Erzahlungen gehabt haben. Diese Quellen benutzt er sehr frei, dichtet sie um und schmuckt sie aus. Seit Milchsack ist allerdings klar, dass das Faustbuch nicht eine bloBe Sammlung zauberischer Anekdoten und Sagen ist29, sondern ein nach einheitlichem Plan aufgebautes Werk.30 Dabei ging es ihm nicht darum, eine Biographie uber den historischen Faust zu erstellen, auch wenn die Historia den Eindruck macht, von einer historischen Person zu handeln. Sie wird ausgewiesen als zuverlassige und umfassende Lebensbeschreibung, die auf Dokumente zuruckgreifen kann. Solche Aufzeichnungen wie der Teufelspakt oder Faustus' Briefe sollen den Anspruch auf dokumentarisch nachweisbare Faktenwahrheit erheben. Der Verfasser sammelte seine Geschichten und verknupfte sie mit jenen anderer Theurgen. Das Zusammentragen der verschiedensten Vorlagen diente dem Zweck, so Henning, „das Schicksal eines Menschen, der sich dem Teufel verbunden hat, und sein nicht aufzuhaltendes boses Ende“31 dazustellen.

3. Zeit der Veroffentlichung

Als mehrfach nachgedruckter Bestseller scheint das Faustbuch den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Wes Geistes Kind der Verfasser war, daruber schien der uberwiegenden Mehrzahl der Forscher ein Zweifel kaum erlaubt. So schreibt schon Goethe: ,,Die Geschichte von Faust wurde nach Wittenberg32 verlegt, also in das Herz des Protestantismus, und gewifi von Protestanten selbst. "33 Fraglich bleibt dennoch, warum das schlichte Warnexempel auf solche Resonanz stieB. Im Anschluss an die Arbeiten der Goethe-Philologie hat die Forschung nach den Grunden der Faszination des Faustbuches gefragt. Jan-Dirk Muller arbeitet zwei Hauptrichtungen heraus, die sich unterscheiden lassen. Zum einen kann man im Helden der Historia Zuge entdecken, die auf Goethes Protagonisten vorausweisen oder man kann den Text als protestantisches Erbauungsbuch lesen. In beiden Fallen sind die Rollen jedoch klar verteilt: „Faustus steht fur den Aufbruch zu etwas Neuem, sein Scheitern fur die beharrenden Krafte, die die Entfaltung des Neuen behindern.“34 In Faustus sind zwei Motive miteinander verknupft. Zum einen die Wissbegierde, zum andere die Teufelsbuhlschaft. In der Historia wird dieser Furwitz als gottferne curiositas, ein Zeichen menschlicher superbia, denunziert.35 Curiositas ist fest verknupft mit dem sinnlichen, vor allem sexuellen Begehren, cupiditas. Anders als seine mittelalterlichen Vorganger der bekannten Teufelsbundner kann sich Faust nicht aus seinem

Teufelspakt losen und ist zur Holle bestimmt. Seine Judas Rew36 allein reicht nicht aus, da er an Gottes Gnade zweifelt. Faustus schlieBt seine Rettung selbst aus, indem er seine Schuld fur zu groB und die Gnade Gottes gleichzeitig als zu gering einschatzt, um ihm seine Sunden vergeben zu konnen. Der theologische Grundsatz der Kirchen sola fide, welcher aus der Reformation hervorgegangen ist, wird damit nicht erfullt.37 Dies zeigt wohl, dass die Historia ein strikt von der Religion dominiertes Weltbild bestarkt. Als Warnschrift macht sie dem Leser deutlich, dass der Abfall von der Orthodoxie zum Teufel fuhre. Die Zauberey und damit der VerstoB gegen das erste Gebot ist die radikalste Art und Weise des Abfalls von Gott. Muller arbeitet heraus, dass Abgotterey vnd Gotzendienst eine Rebellion gegen die gottliche Allmacht und damit gegen die von Gott gesetzte Sozialordnung ist. Faustus' Wissbegierde hat demnach weniger mit dem Aufbruch in die neuen Wissenschaften zu tun, sondern sein Furwitz gilt dem, was den Menschen verborgen bleiben soll. Ein solcher Erfindergeist ist pragend fur die Epoche Faustus'. Gleichbedeutend sind kriegerische Auseinandersetzungen, der Aufbruch in die Neue Welt und gleichzeitig die Ruckkehr zur Antike durch Renaissance und Humanismus, „das Leiden Christi und das Motiv des Totentanzes neben dem Garten der Luste und der ohne Pruderie ausgemalten Vorstellung sexueller Libertinage“38

Dass Faustus kein Intellektueller, sondern ein Zauberer ist, der ins Zeitalter der Hexenverfolgung gehort, hat Frank Baron in diesem Zusammenhang herausgearbeitet.39 Der Erstdruck der Historia wurde wahrscheinlich durch die Diskussion uber die Hexenverfolgung angeregt, wie sie sich in Augustins Lercheimers Christlich bedencken vnd Zauberey (1585)40 findet. Das Thema der Hexenverfolgung wird in der Historia allerdings mit keinem Wort erwahnt. Barons Beobachtung macht auf die gemeinsame Basis in der zeitgenossischen Furcht vor dem Teufel aufmerksam. „Auch das Faustbuch sucht den Glauben an die Ubiquitat teuflischer Machenschaften zu schuren, wie sie hinter dem Hexenwahn steht.“41 In beiden Fallen soll durch die Eliminierung derer, die als „Abweichler“42 erscheinen, diese Furcht bewaltigt werden. In der Realitat durch das Strafrecht, in der Historia durch den Teufel selbst.

Unuberwindlich ist es also, die Historia in einen historischen Kontext zu setzen. Seit den 1930ern ist man davon abgekommen, dass 16. Jahrhundert als das „Faustische Jahrhundert“ zu benennen, in dem sich die Gestalt des Magiers zu einem „deutschen Sonderweg“ materialisiert.43 Sicher ist jedoch, dass das Werk von einer Konfiguration erzahlt, in der sich viele, sogar gegensatzliche zeitgenossische Tendenzen kreuzen. Als eine januskopfige Zeit charakterisiert Mahal die sechs Jahrzehnte zwischen 1480 und 1540. Die Zeit um Faustus war auf ganz besonders starke Weise zerrissen. Die Menschen stehen zwischen alt und neu, zwischen Religion und Wissenschaften. So ist die Historia kein Zufallsprodukt, sondern die Reaktion auf die Umbruche ihrer Zeit.

In der Fruhen Neuzeit entsteht eine untrennbare Linie zwischen Wissenschaft und Glaube. Mitunter am bedeutendsten ist die Behauptung von Kopernikus im Jahre 1453, die Erde drehe sich um die Sonne. Damit setzte er den Grundstein fur das, was sich zweihundert Jahre spater zwischen Galileo Galilei und der romisch-katholischen Kirche vollzieht: Die Spaltung von Wissenschaft und Christentum. Nach der Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus im Jahre 1492 wird die europaische Kultur uber die Grenzen Europas expandiert. Aber nicht nur die Wissenschaft und derlei Fortschritte bedrohte die christliche Welt.

Schon Gustav Milchsack hatte verschiedene Passagen der Historia als stark von der theologischen Sprache Luthers gepragt erkannt und belegt. Auch ohne jede Nennung wird zweifellos davon ausgegangen, dass besonders Luthers Tischreden44 als Intertext und Pratext der Historia von herausragender Bedeutung waren.45

1483 wird Luther geboren. An einem durch keine besondere Sternenkonstellation herausgehobenen Tag. Spater wird von katholischer Seite korrigiert, dass er den „astrologischen Pragestempel eines Unheilbringers verpasst bekommt.“46 Zwei Jahre vorher wird in Spanien die Inquisition eingefuhrt. Circa zwanzig Jahre spater, nachdem er durch den Protest gegen den Ablass, den er 1517 in Thesen formulierte, zu einer Personlichkeit wird, die im Mittelpunkt kirchlicher Auseinandersetzungen stand, wird er zum Ketzer erklart. Verunsicherung pragte die

Menschen dieser Zeit, deren Leben sich maBgeblich durch die christlichen Lehren bestimmt wurde. Die Reformation ist nicht nur Ausloser fur die Spaltung der Christenheit, sondern auch fur die gesellschaftspolitischen Entwicklungen verantwortlich. So soll die Reformation sowie das mittelalterliche-feudalistische System die Ursachen der Bauernkriege von 1522-1525 sein. Auch der DreiBigjahrige, der letztlich wohl viele Ursachen haben mag, begann zunachst als Auseinandersetzung zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union.

In den ersten dreiBig Jahren Luthers Lebens deutete nichts auf seine besondere, weltgeschichtliche Rolle hin. Erst das einschneidende Erlebnis eines Gewitters in Stotternheim, einem Ort in der Nahe von Erfurt, in der sich der junge Student in Todesgefahr wahnt, verandert seine Lebensgeschichte grundlegend. In seiner Not gelobt er: „Hilf, heilige Anna, ich will ein Monch werden!“ 1505 im Alter von 22 Jahren tritt er in den Orden der Augustinereremiten in Erfurt ein. Die bloBe Angst um sein Leben hatte ihn wohl dorthin gefuhrt. Im Alter von 29 Jahren wird er zum Dr. theol. Promoviert und von dort an halt er an der Wittenberger Universitat theologische Vorlesungen und fungiert als Prediger an der Stadtkirche. Unter dem Einfluss mystischer spatmittelalterlicher Theologie, Augustins und des Apostels Paulus hat Luther nach und nach eine Theologie entwickelt, in deren Zentrum die Rechtfertigung des Sunders allein aus Gottes Gnade und allein durch den Glauben ohne jeden menschlichen Verdienst stand.47 1517 formulierte er 95 Thesen zum Protest gegen den Ablass. Rasch folgte darauf ein gegen ihn gefuhrter Ketzereiprozess, der durch die Kaiserwahlen ins Stocken geriet und erst wahrend den theologischen Auseinandersetzung durch Disputationen in Heidelberg (1518) und Leipzig (1519) immer scharfere Konturen annahm. Die Heilige Schrift sollte nach Luther als einzige Quelle der christlichen Lehre gelten und infolge dessen, erklarte er das Papsttum zum Antichrist.48 Nach Luther muss kein Ablass49 erkauft werden, da das Seelenheil der Menschen mit dem Blut Jesu Christi teuer erkauft worden ist. Zu seinen fundamentalen Entdeckungen gehort die Sundhaftigkeit des Menschen, der ihn von Gott wegfuhrt. Sunde ist eine Selbstliebe, die groBer ist als die Liebe zu Gott, daher ist sie keine verkehrte Tat, sondern ein boser, verkehrter Affekt.50 So radikal er nach dem Zeugnis der Schrift von der Sunde spricht, so radikal muss auch von der Gnade Gottes gesprochen werden. Gott urteilt, aber nicht so wie es ein Sunder verdient hatte. Trotz allem darf er auf Begnadigung hoffen.

Nicht nur im Kontext der Reformation, sondern auch der Hexenverfolgung kann die Historia gelesen werden. In der jungeren Forschung ist diese These zunachst, wie bereits erwahnt, von Frank Baron vertreten worden, der uberzeugt ist, dass die Hexenverfolgung der entscheidende Katalysator fur das Entstehen der Faustsage war. Protestantische Exempelsammlungen und die AuBerungen Luthers im Prozess der Umgestaltung der Faustfigur von einem PossenreiBer zu einem Teufelsbundner soll eine entscheidende Rolle gespielt haben. Diese hatten Faustus uberhaupt erst mit dem Teufel und Zauberei in Verbindung gebracht. Im De Praestigiis Daemonum von Johann Weiers und Augustin Lercheimers Christlich Bedencken von Zauberey sei sie weiterentwickelt worden51:

Er war immer noch der teuflische Zauberer, wie ihn Luther bezeichnete, aber jetzt gehorte er einer ganz bestimmten neu definierten Zauberer-Kategorie an, die Weier mit heftiger Polemik angriff. Im Gegensatz zu den Hexen, die unwissend und unschuldig waren, sah Weier die gelehrten Zauberer wie Faustus und Trithemius als die groBen Sunder, die trotz ihres reichen Wissens sich der Hilfe des Teufels bedienten.52

Fragebogen, die in Hexenprozessen zusammen mit Folter benutzt wurden, ergaben oft Gestandnisse uber eine neue Art des Teufelspakts.53 Der Einfluss solcher Gestandnisse und die Nachricht uber die brutalen Exekutionen von Hexen spiegeln sich in zeitgenossischen Zeitungen wider. Solche Anekdoten fanden ihren Weg in Witekinds Polemik gegen gelehrte Zauberer. Diese Arbeit wiederum war entscheidend fur die Entstehung des Faustbuchs. Faustus' Verdammung erschien als eine ernste Warnung und als das radikale, neue Merkmal der alten Geschichten des Teufelspakts. Christopher Marlowes Drama uber Faustus54, basierend auf einer Ubersetzung des Faustbuchs, behalt die Radikalitat des Faustpakts bei.

Luther hat einerseits ein groBes Arsenal von zauberischen Handlungen fur moglich und fur verwerflich sowie strafbar gehalten. Dass auch Luther von der Existenz von Hexen, Hexerei und Teufelsbuhlschaft uberzeugt war, zeigt seine Predigt vom 6. Mai 1526:

Es ist ein uberaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getotet werden, denn sie richten viel Schaden an [...] Sie konnen ein Kind verzaubern [...] Auch konnen sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Korper verzehrt wird [...] Schaden fugen sie namlich an Korpern und Seelen zu, sie verabreichen Tranke und Beschworungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwustungen im Haus, auf dem Acker, uber eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie

mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann [...] Die Zauberinnen sollen getotet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Rauber, Morder [...] Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getotet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.55

Erste Verurteilungen von Hexen gab es im 13. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Inquisition. Die Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1530 und 1532 verfugt in ihrem 109. Artikel Straff der zauberey, dass "so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachtheyl zufugt, soll man straffen vom leben zum todt, vnnd man soll solche straff mit dem fewer thun." Die Halsgerichtsordnung versuchte die Folter streng zu reglementieren, denn der Beweis der Schuld galt nur bei einem Gestandnis des Angeklagten als gefuhrt, welches ohne Folter wiederholt werden musste. Dieser Vorsatz wurde allerdings in der Praxis oft missachtet und man griff auf den Hexenhammer zuruck, der von „Unterbrechung“ und „Fortfuhrung“ der Folter sprach, um eine ergebnislos abgebrochene Folter wieder aufnehmen zu konnen. Der Malleus Maleficarum56 wurde 1486 von Heinrich Kramer veroffentlicht und beschreibt darin systematisch den Ursprung, die Wirkung und die Bekampfung von Hexerei. Vor allem der amerikanische Literaturwissenschaftler Frank Baron hat den Zusammenhang zwischen dem Grund der Veroffentlichung der Historia und den Hexenprozessen herausgearbeitet.57

4. Der historische Faust

Hans Henning hat in seinem 1959 veroffentlichten Aufsatz uber Faust als historische Gestalt bereits darauf hingewiesen, dass der Versuch, Fausts Lebensweg genauer darzustellen, ein problematisches Unterfangen sei.58 Es existieren nur wenige verlassliche Quellen uber die Person hinter der Legende, den historischen Doktor Faust. Insgesamt sind es nicht mehr als neun zeitgenossische Zeugnisse, welche uber Georg oder Jorg Faust berichten und keine von diesen vermeldet etwas uber Zeit und Ort seiner Geburt seines Todes.

Erstmals aktenkundig wird Faust 1507, und zwar in einem Brief vom 20. August, den Johannes Trithemius, fruherer Abt von Sponheim bei Kreuznach, an den Heidelberger Mathematiker und Hofastrologen Johann Virdung schreibt. Dieser hatte Faust eingeladen und erwartete ihn mit „grofiem Verlangen .“59Trithemius mochte ihn davon abbringen, bezeichnet Faust -obwohl er doch selbst bei magischen Praktiken ertappt worden war und von seinen eigenen Monchen aus dem Sponheimer Kloster vertrieben worden war- als Angeber, Scharlatan, Gotteslasterer und Paderasten.60 61 Sein Brief vom 20.08.1507 verfolgte keinen anderen Zweck als sich zum „kirchentreuen Aufspurer“62 Fausts zu stilisieren. In acht weiteren Quellen taucht Fausts Name auf, in denen unter anderem davon berichtet wird, dass ein Prahler beobachtet wurde, dessen dubioser Ruf sich schon herumgesprochen hatte63, er in Kammerrechnungen gelistet wird64 (Abb. 2) oder man vor ihm als betrugerischen Arzt im Index Sanitatis 1539 warnt. Keines dieser neun zeitgenossischen Zeugnisse, die bei Mahal im Detail erlautert werden, kommt aber auf den Geburtsort von Faust zu sprechen. Erst nahezu ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod wird Knittlingen als sein Geburtsort genannt. 1563 gibt Johann Manlius, einem aus dem frankischen Ansbach stammenden Schuler Philipp Melanchthons in Wittenberg, einen Satz seines Lehrers wieder: „Ich habe einen gekennet / mit namen Faustus von Kundlingen (ist ein kleines stettlein/ nicht weit von meinem Vatterland) derselbige da er zu Crockaw in die Schul gieng / da hatte er die Zaubery gelernet“65 Diese vorgebliche Kurzbiographie Fausts verlegt den Todesort in ein „Dorf in Wirtenberger landt.“66 Neben Knittlingen sind noch einige weitere Platze genannt worden, an denen Faust zur Welt gekommen sei. Darunter befinden sich vor allem Rod bei Weimar und Sontwendel. Orte, die man der Historia von 1587 und Georg Rudolff Widmans Faustbuch von 1599 entlehnte. Des Weiteren wird Rimlich genannt, welches in der Historia als Faustus' Sterbeort genannt wird, Weimar, das niedersachsische Helmstedt bei Kneitlingen, dem Geburtsort Till Eulenspiegels, und Heidelberg.

Frank Baron vermutet hinter Dr. Johann Faustus den Alchemisten, Astrologen und Wunderheiler Johann Georg Faust, der um 1466 geboren und um 1540 in Staufen im Breisgau

[...]


1 Zum Begriff des Volksbuchs: Kreutzer, Hans Joachim: Der Mythos vom Volksbuch, Stuttgart: Metzler Verlag, 1977.

2 Zitiert wird nach folgender Ausgabe: Fussel, Stephan / Kreuzer, Hans Joachim (Hgg.): Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1587. Kritische Ausgabe. Mit den Zusatztexten der Wolfenbutteler Handschrift und der zeitgenossischen Drucke. Bibliographisch erganzte Ausgabe, Stuttgart: Reclam 2006. (folgend nur noch zitiert mit Historia).

Vollstandiger Titel: Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkunstler, Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine benandte zeit verschrieben. Was er hierzwischen fur seltsame Abenthewer gesehen, selbs angerichtet vnd getrieben, bifi er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrertheils auh seinen eygenen hinderlassenen Schriften, allen hochtragenden furwitzigen, vnd Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel, abscheuwlichen Exempel, uns treuhertziger Warnung zusammen gezogen, vnd in Druck verfertigt. Jacobi IIII. Seydt Gott vnterthanig, widerstehet dem Teuffel, so fleuhet er von euch. Cum Gratia et Privelegio. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, durch Johann Spies. MDLXXXVII.

3 Historia ist die generelle Bezeichnung fur eine empirische und der Wahrheitstreue verpflichtete Vorgehensweise zur Erfassung des Faktischen. Mit diesem Terminus der Historia wird erklart, dass es sich um einen wahrhaftigen und tatsachengetreuen Bericht handele, dessen oberster Referenzpunkt die Geschichte, nicht die Literatur sei. Eine solche Ausstattung eines fiktionalen Textes ist im 15. und 16. Jahrhundert nicht selten. Die legendarischen Erzahlungen von den protestantischen Martyrern und Bekennern wurden Exempla oder Historien genannt und galten als wahrhaftige Erzahlungen und Beispiele eines vorbildlichen Lebens.

4 Ahnliche Schreibweisen seines Namens sind auch Spiefi und Spiess. Auf dem Titelblatt nennt sich der Drucker allerdings Spies (Abb. 1).

5 Zit. Historia, S. 15.

6 Vgl. Rohls, Jan: Historia von D. Johann Fausten. Der lutherische Roman und seine literarische Wirkung, in: Rohls, Jan / Wenz, Gunther (Hgg.): Munchener Theologische Forschungen, Bd. 2, Gottingen: V&R unipress 2004, S. 27.

7 Zit. Historia, S. 12.

8 Zit. Henning, Hans: Faust-Variationen. Beitrage zur Editionsgeschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Munchen: K. G. Saur 1993, S. 60.

9 Vgl. ebd., S. 59.

10 Zit. Muller, Jan-Dirk: Das Faustbuch in den konfessionellen Konflikten des 16. Jahrhunderts. Vorgetragen in der Sitzung vom 11. Januar 2013, Munchen: C.H. Beck 2014, S. 8.

11Zit. Hess, Gunter: Historia von D. Johann Fausten. Uber die Faszination eines Textes ohne Autor, in: Klein, Dorothea / Schneider, Sabine M. (Hgg.): Lekturen fur das 21. Jahrhundert. Schlusseltexte der deutschen Literatur von 1200 bis 1990, Wurzburg: Konigshausen & Neumann 2000, S. 96.

12 Zit. Haile, Harry G.: Das Faustbuch nach der Wolfenbutteler Handschrift, in: Binder, Wolfgang / Moser, Hugo/ Stammler, Wolfgang (Hgg.): Philologische Studien und Quellen: Berlin: Erich Schmidt Verlag 1963, S. 9.

13 Mit der Bezeichnung als Historia wird bereits im Titel gezeigt, dass Faustus' Vita als wahrhaftiger Bericht verstanden werden soll. Eine solche Selbstauszeichnung ist bei Romanen des 15. Und 16. Jahrhunderts durchaus gelaufig. Vgl. Muller, Jan-Dirk: Volksbuch / Prosaroman im 15. / 16. Jahrhundert. Perspektiven der Forschung, in; IASL, Sonderheft 1: Forschungsreferate (1985), S. 1-28. Einer der Kennzeichen einer Historia ist es demnach, sich auf hinterlassene Dokumente, Augenzeugenberichte oder ahnliches zu berufen.

14 Vgl. Haile 1963, S. 9.

15 Vgl. Munkler, Marina: Narrative Ambiguitaten. Die Faustbucher des 16. bis 18. Jahrhunderts, in: Jussen, Bernhard / Kiening, Christian / Kruger, Klaus / Steinmetz, Willibald (Hgg.): Historische Semantik, Bd. 15, Gottingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, S. 149.

16 Vgl. Munkler 2011, S. 150.

17 Zit. Historia, S. 12.

18 Zit. Wolfenbutteler Handschrift, ed. Haile 1963, S. 27.

19 Zum Spieh'schen Verlagsprogramm und die Unterschiede der Druckfassungen vgl. Baron, Frank: Faustus on Trial. The Origins of Johann Spies's „Historia“ in an Age of Witch Hunting, in: Berns, Jorg Jochen / Fruhsorge, Gotthardt / Garber, Klaus / Kuhlmann, Wilhelm / Muller, Jan-Dirk (Hgg.) Fruhe Neuzeit, Bd. 9, Tubingen: Niemeyer 1992 und Munkler 2011, S. 153-160.

20 Gunther, Mahal / Ehrenfeuchter (Hgg.): Das Wagnerbuch von 1593, 2 Bande. Bd. 1: Faksimiledruck des Exemplars der Bayerischen Staatsbibliothek Munchen, Bd. 2: Zeilenkommentar, Nachwort und Register, Tubingen / Basel: Francke 2005.

21 Vgl. Henning 1993, S. 73.

22 Vgl. Jak 4,7.

23 Zit. Muller, Jan-Dirk: Romane des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach den Erstdrucken mit samtlichen Holzschnitten, in: Harms, Wolfgang / Wiedemann, Conrad / Worstbrock, Franz-Josef (Hgg.): Bibliothek der fruhen Neuzeit. Erste Abteilung Literatur im Zeitalter des Humanismus und der Reformation, Bd. 1, Frankfurt a. M.: Deutscher Klassik Verlag 1990, S. 1321.

24 Vgl. Henning 1993, S. 60.

25 Fussel, Stephan (Hg.): Hartmann Schedel. Weltchronik 1493. Faksimiledruck und kommentierte Gesamtausgabe, Koln: Taschen Verlag 2001.

26 Vgl. Fussel, Stephan: Faust-Historia, in: Kuhlmann, Wilhelm (Hg.): Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2., vollstandig uberarbeitete Auflage, Bd. 3, Berlin: Walter de Gruyter 2008, S. 386.

27 Vgl. Henning 1993, S. 61.

28 Vgl. Fussel 2008, S. 386.

29 Vgl. Henning 1993, S. 39.

30Vgl. ebd., S. 39f.

31 Vgl. ebd., S. 65.

32 Hauptwirkstatte Luthers. Hier veroffentlichte Luther seine 95 Thesen, verbrannte die kanonischen Rechte und die Bannandrohungsbulle des Papstes, hier wurden die Lutherbibel, der kleine und grofie Katechismus sowie weitere Schriften verfasst.

33 Vgl. Wolff, Eugen: Faust und Luther. Ein Beitrag zur Entstehung der Faust-Dichtung, Halle a.S.: Niemeyer 1912, S. 12.

34 Zit. Muller, Jan-Dirk: Das Faustbuch in den konfessionellen Konflikten des 16. Jahrhunderts. Vorgetragen in der Sitzung vom 11. Januar 2013, Munchen: C.H. Beck 2014, S. 10.

35 Vgl. ebd., S. 11.

36 Zit. Historia, Marginalie, S. 121.

37 Konsens der Forschung ist, dass der Untergang Faustus' protestantisch, aus seiner Ablehnung der lutherischen Rechtfertigungslehre zu erklaren ist. Vgl. Schmidt, Erich: Faust und Luther, in: Sitzungsberichte der Preuhischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 25, 1896, S. 567-591.

38 Zit. Mahal, Gunther: Die Spuren eines geheimnisvollen Lebens, Bern / Munchen: Scherz 1980, S. 41.

39 Baron, Frank: Faustus on Trial. The Origins of Johann Spies's „Historia“ in an Age of Witch Hunting, in: Berns, Jorg Jochen / Fruhsorge, Gotthardt / Garber, Klaus / Kuhlmann, Wilhelm / Muller, Jan-Dirk (Hgg.) Fruhe Neuzeit, Bd. 9, Tubingen: Niemeyer 1992 und Munkler 2011.

40 Baron, Frank: Herman Witekinds Christlich bedencken und die Entstehung des Faustbuchs von 1587, in: Kiesant, Knut / Roloff, Hans-Gert (Hgg.): Studium Litterarum. Studien und Texte zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 17, Berlin: Weidler 2009.

41 Zit. Muller 2014, S. 15.

42 Zit. ebd., S. 15.

43 Vgl. Muller bezeichnet folgenden Sammelband als Spatling dieser Auffassung: Laan, James M. / Weeks, Andrew (Hgg.): The Faustian Century. German Literature and Culture in the Age of Luther and Fastus, Rochester/ New York: Camden House 2013.

44 Luther, Martin: 2. Abt.: Tischreden, WA, Bd. 1-6.

45 Luther erwahnte Faustus nur an einer einzigen Stelle und nahm ihn als Exempel dafur, dass der Teufel nichts gegen ihn ausrichten konnte: „Da vber Tisch zu abends eines Schwartzkunstlers Faustus genant gedacht war / saget Doctor Matinus ernstlich / der Teufel gebraucht der Zauberer dienst wider mich nicht / hette er mir gekont vnd vermicht schaden zu thun / er hette es lange getan.“ Zit. Aurifaber, Johannes: Tischreden oder Colloquia Doc. Mart: Luthers / So er in vielen Jaren / gegen gelarten Leuten / auch frembden Gesten / vnd seinen Tischgesellen gefuret / Nach den Heubtstucken vnserer Christlichen Lere/ zusammen getragen. Gedruckt zu Eisleben / bey Urban Graubisch 1566. Faksimiledruck der Originalausgabe 1566 aus dem Besitz der Universitatsbibliothek Leipzig. Mit einem Nachwort von Helmut Junghans, Wiesbaden: Drei Lilien 1981.

46 Zit. Mahal 1980, S. 41.

47 Vgl. Leppin, Volker: Martin Luther, in: Gersmann, Gudrun / Moeller, Katrin/ Schmidt, Jurgen-Michael (Hgg.): Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, in: historicum.net.

URL: https://www.historicum.net/purl/45zs3/ (zuletzt eingesehen am 03.12.2016)

48 Auf ahnliche Weise wird der Papst und die Vatikanstadt auch in der Historia dargestellt: „Defigleichen sahe er viel Heydnische verworffene Tempel [...]. Doct. Faustus sahe auch darinnen alle seines gleichen / als vbermut/ stoltz / Hochmut / Vermessenheit / fressen / sauffen / Hurerey / Ehebruch / vvnd alles Gottlose Wesen defi Bapsts vnd seines Geschmeifi.“ Zit. Historia, S. 62.

49 „Der Bapst beredet das Gesinde / es were eine verdampte Seele / vnd bete vmb Ablafi.“ Zit. Historia, S. 62.

50 Vgl. Lexutt, Athina: Luther, Koln / Weimar / Wien: Bohlau 2008.

51 Vgl. Munkler 2011, S. 198-199.

52 Zit. Baron, Frank: Die Hexenprozesse und die Entstehung des Faustbuchs, in: Auernheimer, Richard / Baron, Frank (Hgg.): Das Faustbuch von 1587, S. 66.

53 Hille, Iris: Der Teufelspakt in fruhneuzeitlichen Vehorprotokollen. Standardisierung und Regionalisierung im Fruhneuhochdeutschen, Berlin: De Gruyter 2009.

54 Marlowe, Christopher: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Ubersetzt von Wilhelm Muller, Munchen Eugen Rentsch Verlag 1911.

55 Zit. Martin Luther Predigt 6. Mai 1526, Weimarer Ausgabe 16, S. 551ff.

56 Jerouscheck, Gunter / Behringer, Wolfgang: Heinrich Kramer (Institoris). Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum. Neu aus dem Lateinischen ubertragen, herausgegeben und eingeleitet von Gunter Jerouscheck und Wolfgang Behringer, 11. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag 2015.

57 Baron, Frank: Die Hexenprozesse und die Entstehung des Faustbuchs, in: Auernheimer, Richard / Baron, Frank (Hgg.): Das Faustbuch von 1587.

58 Vgl. Henning 1993, S. 11.

59 Vgl. Mahal 1980, S. 64.

60 Vgl. Mahal, Gunther: Faust. Und Faust. Der Teufelsbundler in Knittlingen und Maulbronn, Tubingen: Attempo 1997, S. 14.

61 Originaltext: Magister Sabellicus, Faustus iunior, fons necromanticorum, astrologus, magus secundus, chiromanticus, agromanticus, pyromanticus, in hydra arte secundus.

62 Zit. ebd., S. 14.

63 Brief des Mutianius Rufus an Heinrich Urbanus, 1513 (Frankfurt / Main, Stadt und Universitatsbibliothek): „Vor acht Tagen kam ein Chiromant nach Erfurt, namens Georgius Faustus Helmitheus Hedelbergensis, ein blofier Prahler und Narr. Seine Kunst, wie die aller Wahrsager, ist eitel, und eine solche Physiognomie leichter als eine Wasserspinne. Die Dummen sind voller Bewunderung. Gegen ihn sollten sich die Theologen erheben, statt dass sie den Philosophen Reuchlin zu vernichten suchen. Ich horte ihn im Wirtshaus schwatzen; ich habe seine Anmafiung nicht gestraft; denn was kummert mich fremde Torheit.“ Ubersetzung nach Mahal 1980, S. 91.

64 Faust taucht in der Kammerrechnung des Bamberger Bischofs Georg III, Schenk von Limpurg, als Honorarempfanger von zehn Gulden auf.

65 Zit. Mahal 1997, S. 23.

66 Vgl. Mahal, Gunther: Faust starb in Staufen. Nachforschungen uber ein verschwiegenes Faktum, Vaihingen / Enz: Wilfried Melchior 1986, S. 23.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Die Historia von D. Johann Fausten. Eine Kontrafaktur zur Heiligen Schrift?
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
52
Katalognummer
V417835
ISBN (eBook)
9783668669055
ISBN (Buch)
9783668669062
Dateigröße
1210 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
faust, mediävistik, historia, dr. fausten, ältere deutsche literatur, faustus, zauberei, mittelalter, teufel
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Anonym, 2017, Die Historia von D. Johann Fausten. Eine Kontrafaktur zur Heiligen Schrift?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417835

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