Orientierung in der Traumwelt. Errungenschaften der Traumdeutung im 20. Jahrhundert


Seminararbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung.

1. Eine Einführung in die Traumdeutungsarbeit
1.1 Über die Funktion von Träumen.
1.2 Die Definition des Begriffes ‚Symbol‘

2. Die Traumdeutungsansätze am Anfang des 20. Jahrhunderts.
2.1 Sigmund Freud und die freie Assoziation.
2.2 Traum als spontane Selbstdarstellung des Unbewussten nach C.G. Jung.

3. Die Symbolik in Träumen als indirekte Orientierung.
3.1 Die Freud’sche Symbolhaftigkeit im Traum..
3.2 Der Archetypus in der Traumsymbolik von C.G. Jung.

4. Das Luzide Träumen nach LaBerge und Rheingold als direkte Orientierung.

5. Fazit

6. Bibliographie.

0.Einleitung

Träume beschäftigen die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Warum träumen wir? Warum träumen wir genau das, was wir träumen? Haben unsere Träume eine spezielle Bedeutung ? Der Mensch ist festgefahren in der Idee, alles logisch erklären zu können. Der Prozess des Träumens war für viele Jahre der Menschheitsgeschichte ein großes Mysterium, weshalb die diversesten Deutungen in diese Prozesse gelegt wurden. Hierbei handelt es sich nicht um die Träume, die mit Wünschen gleichzusetzen sind. Es geht um den Prozess, der sich in der menschlichen Psyche während des Schlafs ausprägt. In einigen Religionen und Völkern wurden Träume als prophetisch angesehen. Der Grund für das Träumen war also Gott oder eine göttliche, übernatürliche Instanz. Besonders Priester, Okkultisten, Schamane, Mystiker, Ärzte, aber auch Dichter und Philosophen haben sich mit dem Mysterium des Traums beschäftigt. Bisher konnten immer noch keine unanfechtbaren Begründungen dafür gefunden werden, warum wir überhaupt träumen. Die meisten wissenschaftlichen Annäherungen basieren auf Hypothesen, untermauert von Beispielen. Es wird deutlich, dass der Traum wohl mit eine der komplexesten Welten ist, der der Mensch beinahe täglich ausgesetzt ist. Die folgende Ausarbeitung soll darstellen inwiefern eine Orientierung in dieser komplexen Welt möglich ist, in der unsere physikalischen Grenzen des Wachbewusstseins, wie jener von Raum und Zeit, nicht existieren. Im Gegensatz zu abergläubischen Ansätzen, welche sich auf die übernatürliche Prophezeiung im Traum berufen, fingen die Menschen in den letzten Jahrhunderten an, die Dinge kritischer zu sehen. Es ist schlichtweg nicht möglich, dass jeder Mensch göttliche Hinweise in der Nacht bekommt, wie er sein Leben zu leben hat. Darüber hinaus ist es nicht ungewöhnlich, dass man im Traum Erlebnisse vom Vortag verarbeitet oder von etwas träumt, was einen selbst momentan sehr beschäftigt. Mit der Arbeit der Traumdeutung von Sigmund Freud begann eine Ära, in der die Menschen anfingen, einen anderen Sinn im Traum zu suchen, oder generell einen Sinn zu suchen. In der Traumdeutung, nicht nur von Sigmund Freud, sondern auch in der vorangegangenen, übernatürlich geprägten Traumdeutung von Naturvölkern oder Esoterikern, steht der Symbolismus im Fokus. Dieser Symbolismus gilt auch in dieser Ausarbeitung als erster Anhaltspunkt für eine Orientierung in der Traumwelt. Um diese Arbeit sinngemäß zu verfolgen, beginne ich damit wissenschaftliche Ansätze zur Funktion der Träume zu liefern, wobei die Namen, welche auch im Zentrum dieser Arbeit stehen, Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, bereits auftauchen werden. Danach folgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Definition des Begriffes Symbol, da die Symbolik unsere Orientierung im Traum ermöglichen soll. Danach werde ich die Besonderheiten der Traumdeutungsarbeit von C.G. Jung und Sigmund Freud betrachten und mit der Symbolik in Verbindung bringen. Jung’s Traum und Traumdeutung sowie Freud’s Die Traumdeutung werden dabei im Mittelpunkt der Ausarbeitung stehen. Die Orientierungsoption der Traumdeutung durch Symbole ist erst nach dem Traum möglich, weshalb keine zeitnahe Orientierung während des Traums stattfinden kann. Diese Gedanken zur indirekten Orientierung nach dem Traum werde ich ebenfalls untersuchen und ob eine Orientierung überhaupt möglich ist, da im Allgemeinen die Beziehung des Wachbewusstseins zum Traumbewusstsein sehr verworren ist. Abschließend untersuche ich die Alternative des luziden Träumens, in dem ich mich auf das wohl berühmteste Werk zu dieser Thematik Exploring the World of Lucid Dreaming von Stephen LaBerge und Howard Rheingold stütze. Hierbei möchte ich untersuchen, ob diese Art des Träumens den Weg einer Alternative darstellt und ob dabei auch der Sinn und die Funktion des Träumens bestehen bleibt.

1.Eine Einführung in die Traumdeutungsarbeit

Träume sind nicht nur Gegenstand der Psychologie, Medizin und Philosophie. Wie bereits erwähnt beschäftigten sich auch Dichter und Literaten mit dem Mysterium der Träume, so auch in der revolutionären US-amerikanischen TV-Serie Twin Peaks. Die Serie bestach mit der surrealistischen Handlung, welche sich hauptsächlich durch die Träume des Protagonisten Dale Cooper äußert. Während Cooper selbst auf der Suche nach der Bedeutung seiner Träume ist, sagt er zu einer weiteren Protagonistin: „Acetylcholine Neuronen beschießen das Vorderhirn mit Impulsen von sehr hoher Voltzahl; diese Impulse werden zu Bildern, diese Bilder werden zu Träumen, aber niemand weiß wieso wir gerade diese Bilder dazu benutzen.“ (Dale Cooper, Twin Peaks)

Das Lexikon für Neurowissenschaft schreibt über Träume, dass sie „mehr oder weniger zusammenhängende Empfindungen und Vorstellungen während des Schlafs [sind], die häufig einen bizarren Charakter besitzen und Halluzinationen ähneln.“ (Spektrum Akademischer Verlag 2000) Im Traumbewusstsein sieht man Dinge, welche per se nicht existieren, bringt Menschen, Orte und Zeiten durcheinander und in die verworrensten Zusammenhänge und hält bestimmte Sachverhalte für unanfechtbar, welche im Wachbewusstsein schlichtweg logisch nicht nachvollziehbar sind (vgl. ebd.). In den letzten Jahren wurden viele Entdeckungen zu dem Traumzustand gemacht, woran der wissenschaftliche Fortschritt nicht ganz unbeteiligt ist. In diversesten Tests und Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass im Gehirn während des Schlafens wesentlich unterschiedliche Prozesse von statten gehen als im Wachzustand, wobei man den Schlaf noch in den Traumschlaf und den traumlosen Tiefschlaf unterscheiden muss. Im Wachzustand werden die höheren Hirnregionen mit den Neurotransmittern Noradrenalin und Serotonin vom Hirnstamm überflutet, hingegen im Traumschlaf werden andere Transmitter ausgeschüttet: Acetylcholin und Dopamin (vgl. ebd.). Positronenemissionstomographien (PET-Studien) konnten noch mehr Licht ins Dunkel der Traumwelt bringen. Im Traumschlaf arbeiten die mittleren Verarbeitungszentren der Großhirnrinde isoliert von Sinneseingängen und jene Regionen im Hirn, die für höhere geistige Tätigkeiten zuständig sind (vgl. ebd.). Diese Erkenntnisse erklären, weshalb die Träume so sind, wie sie sind und was genau während des Träumens im Hirn abläuft. Die Funktion von Träumen ist jedoch noch immer relativ unerforscht und verstanden, weshalb ich die bekanntesten Hypothesen im Folgenden verständlich darstellen werde.

1.1Über die Funktion von Träumen

Die Professorin für Psychologie an der Universität in Zürich, Verena Kast, setzte sich bei ihrem Werk Träume – Die geheimnisvolle Sprach des Unbewussten unter anderem mit Ernest Hartmann’s Hypothese zur Funktion von Träumen auseinander, dass Träume eine Verbindung herstellen – mehr als im Wachbewusstsein (vgl. Kast 2012, S. 46). In dem im Traum oftmals Personen, Zeiten und Orte vermischt werden, Gedächtnismaterial mit Fantasien kombiniert wird oder gar mehrere Träume zusammenhängen, hat der Traum nach Hartmann eine verdichtende Funktion (vgl. ebd., S. 46). Hartmann vergleicht den Traum mit dem neuronalen Netz, welches Verbindungen schafft und Lernen ermöglicht. Kast schreibt wortwörtlich: „Alles was geschieht, im Wachen oder im Träumen, bewirkt, dass einige neuronale Verbindungen ‚angeschaltet‘ werden, einige Verbindungen mehr betont, andere schwächer betont werden. Das Träumen nun stellt in höherem Maße Verbindungen her als im Wachen.“ (ebd., S. 47). Dabei seien Emotionen für diese Verbindungen im Träumen verantwortlich. Dass Emotionen eine große Rolle während des Träumens spielen beweisen auch die bereits erwähnten PET-Studien. Beim Träumen sind die Bahnen zwischen extrastriären Cortex und limbischen System aktiv und arbeiten geschlossen zusammen (vgl. Spektrum Akademischer Verlag 2000). Der extrastriäre Cortex ist dem primären visuellen Cortex nachgeschaltet, welcher im Wachzustand die aufgenommenen visuellen Reize vom Auge empfängt und diese an den extrastriären Cortex weiterleitet, wo diese Sinnesreize mit anderen verrechnet werden (vgl. ebd.). Das limbische System, insbesondere die Amygdala, sind für die Emotionen verantwortlich (vgl. ebd.). Hartmann stellt die Behauptung auf, dass Träume dazu da sind, extreme emotionale Erfahrungen in diese Netze zu integrieren und mit zunehmenden Querverbindungen abzuschwächen (vgl. Kast 2012, S. 48). Das Gehirn hat – wie Hartmann beschreibt – die Tendenz zur Harmonisierung, weshalb stark emotionale Erregungen im Traum neutralisiert werden sollen (vgl. ebd., S.48). Es wird deutlich, dass nach Hartmann der Traum eine Art therapeutische Funktion hat.

Sigmund Freud hingegen formuliert in seiner Traumdeutung eine völlig andere Hypothese zur Funktion von Träumen. Er beschreibt den Traum als eine Wunscherfüllung (vgl. Freud 2014, S. 140). Dabei sei der Traum ein „vollgültiges psychisches Phänomen“ (ebd., S. 140). Diese Wunscherfüllung sei einzureihen in den Zusammenhang der Aktionen des Wachzustandes, welche uns besser zugänglich sind (vgl. ebd., S. 140). Das träumende Wunscherfüllen nimmt den Platz des Handelns im Wachzustand ein, woraus eine Art befriedigendes Gefühl nach dem Traum resultiert. Nach Freud seien alle Träume Wunschträume (vgl. ebd., S. 152), was für den Normalbürger sicher etwas befremdlich erscheint. Freud verweist darauf, dass man sich nicht auf den manifesten, sondern auf den latenten Trauminhalt konzentrieren muss, um den darin eingebetteten Wunsch erkennen zu können (vgl. ebd., S. 153). Der manifeste Trauminhalt ist dabei das, was man im Traum in Bildern sieht. Das kann mitunter sehr peinlich, unangenehm oder angsteinflößend sein. Der latente Trauminhalt hingegen, wird erst nach einer adäquaten Deutung des manifesten Trauminhalts sichtbar und in diesem latenten Trauminhalt verbirgt sich der Wunsch. Warum einige Wunschträume als Alpträume enden, erklärt Freud dadurch, dass im Bewusstsein zwei Instanzen existieren, welche die Offenbarung des Wunsches regulieren. Die erste Instanz bildet den Wunsch aus und die zweite Instanz übt eine Art Zensur aus, wodurch der Wunsch im Traum als entstellt angesehen werden könnte (vgl. ebd., S. 160f.). Über die Zensur bzw. Verkleidung, welche von der zweiten Instanz ausgeübt wird, sagt Freud:

„[…] es gibt bei jedem Menschen Wünsche, die er anderen nicht mitteilen möchte, und Wünsche, die er sich selbst nicht eingestehen will. Andererseits finden wir uns berechtigt, den Unlustcharakter all dieser Träume mit der Tatsache der Traumentstellung in Zusammenhang zu bringen und zu schließen, diese Träume seien darum so entstellt und die Wunscherfüllung in ihnen bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, weil ein Widerwillen, eine Verdrängungsabsicht gegen das Thema des Traums […] besteht.“ (ebd., S. 179)

Zusammenfassend schreibt Freud selbst über die Funktion, dass „[d]er Traum […] die (verkleidete) Erfüllung eines (unterdrückten, verdrängten) Wunsches [sei]“ (ebd., S. 179). Man kann daraus schließen, dass Freud davon ausgeht, dass im Traum die Erlebnisse oder Gegebenheiten erlebt werden können und sollen, vor denen man sich möglicherweise im Wachzustand schämt, doch die individuelle Begierde sich dennoch danach sehnt. Um eine Ausgeglichenheit zu behalten, versuche das Hirn sich durch Fantasie im Traum die Befriedigung zu beschaffen, nach der es sich sehnt. Die Freud’schen Ausarbeitungen zu diesen versteckten Wünschen, eröffnen sich in Symbolen von oftmals sexuellem oder destruktivem Charakter.

Bevor ich zu der Definition von Symbolen übergehe, muss noch zusätzlich die zentrale Ansicht von C.G. Jung zu der Funktion von Träumen betrachtet werden. Jung beschreibt den Traum als „ein Überbleibsel einer eigenartigen psychischen Tätigkeit, welche während des Schlafes stattfindet“ (Jung 2015a, S. 89). Da der Traum trotzdem ein vollwertiges psychisches Gebilde sei, ist dieser gesetzmäßig das Resultat von vorangegangenen psychischen Inhalten, wobei das Unbewusste offenbart wird (vgl. ebd., S. 90). Bei der Gegenüberstellung zu der Freud’schen Betrachtungsweise schreibt Jung, dass sowohl Freud als auch Jung selbst mit den gleichen dargestellten Materialien arbeiten, sie jedoch in einer anderen Art und Weise interpretieren (vgl. ebd., S. 94). Jung versucht deutlich zu machen, dass er in den Träumen eine Ausbalancierung des Unbewussten sieht und dass diejenigen Gedanken und Neigungen der Persönlichkeit, welche im Wachleben zu wenig ausgelebt werden können andeutungsweise im Schlaf zum Ausdruck kommen, in jenem der Bewusstseinsprozess weitestgehend ausgeschaltet sei (vgl. ebd., S. 96). Daraus könnte sich eine moralische Funktion des Traumes ableiten lassen, da man im Traum unmoralische Begierden oder Persönlichkeitszüge ausleben kann, damit man sie im Wachzustand nicht verspürt. Jung macht aber deutlich, dass die moralische Funktion eher sekundär ist. Es gäbe zwei primäre Funktionen: die kompensatorische und die prospektive. Die kompensatorische Funktion sei nach Jung unbedingt notwendig zum geordneten Handeln, er beschreibt es wie folgt:

„Wie es im bewußten Überlegungsprozeß unerläßlich ist, daß wir uns möglichst alle Seiten und Konsequenzen eines Problems klarmachen, um die richtige Lösung zu finden, so setzt sich dieser Prozeß auch automatisch in den mehr oder weniger bewußtlosen Schlafzustand fort, wo, wie es nach den bisherigen Erfahrungen scheint, all diejenigen Gesichtspunkte, wenigstens andeutungsweise, dem Träumenden einfallen, welche am Tage ungenügend oder gar nicht gewürdigt wurden, das heißt relativ unbewußt waren.“ (ebd., S. 96f.)

Die prospektive Funktion von Träumen ist nach Jung die Verschmelzung von unbewussten Gefühlen und Gedanken mit unbewussten Erinnerungsspuren. Daraus resultiert auch die Annahme Träume seien prophetisch, denn dabei kombiniert man im Voraus Wahrscheinlichkeiten mit konkreten Erfahrungen, die zusammentreffen könnten (vgl. Kast 2012, S. 107). Die wichtigste Funktion nach Jung ist jedoch die kompensatorische.

1.2Die Definition des Begriffes ‚Symbol‘

Freud schreibt in seinem Hauptwerk zur Traumdeutung, „[d]ie Symbolik gehört nicht dem Traume zu eigen an, sondern dem unbewussten Vorstellen, speziell des Volkes und ist im Folklore, in den Mythen, Sagen, Redensarten, in der Spruchweisheit und in den umlaufenden Witzen eines Volkes vollständiger als im Traume aufzufinden.“ (Freud 2014, S. 372) Daraus ergibt sich, dass vorerst eine Definition des Wortes ‚Symbol‘ von Nöten ist. Das Wort an sich wird in keinem einheitlichen Kontext verwendet, und die Inhalte, welche es umfasst, variieren deshalb sehr stark. Symbole werden in Literatur, Religion, Kunst, aber auch im Straßenverkehr oder auf Chemikalien verwendet. ‚Symbol‘ stammt von dem griechischen Substantiv ‚ symbolon ‘, welches wiederrum von dem griechischen Verb ‚ symballein ‘ abgeleitet ist (vgl. Kurz 2004, S. 73). Das Verbum bedeutet so viel wie ‚zusammenfügen, zusammenwerfen‘, aber auch ‚versammeln, vergleichen‘. Daraus ergeben sich diverseste Richtungen, in denen der Begriff ‚Symbol‘ verwendet werden kann. In der Allegorese der Stoa wird das Symbolische mit dem Allegorischen gleichgesetzt, weshalb ‚Symbol‘ seitdem für etwas Rätselhaftes, Ominöses gehalten werden kann, wessen Bedeutung zunächst noch erschlossen werden muss (vgl. ebd., S. 73). In diesem Kontext kann und soll auch die Symbolik in Träumen verstanden werden. Die Bilder, welche während des Traumzustandes im Kopf entstehen, enthalten oftmals Symbole im manifesten Trauminhalt, wodurch der latente Trauminhalt erkannt werden kann. Die Symbolik existiert schon seit Menschen gedenken, und ist deshalb auch sehr wandelbar. Für die Symbole im Traum existiert kein wissenschaftlich begründetes Lexikon, welches besagt, welches Bild welche Bedeutung hat. Im Traumkontext bewegt man sich auf einem sehr vagen Terrain, im Gegensatz zu beispielsweise chemische Symbolen. Der Unterschied besteht darin, dass diese Symbolik vom Menschen geschaffen und in ein universales und international verständliches System gebracht wurde. Bilder die einem im Traum erscheinen wurden nicht aus einem geordneten System heraus gewählt, es erscheint eher willkürlich. Doch resultierend aus der Tatsache, dass Symbole im Traum der bisher einzige Anhaltspunkt ist um Träume zu deuten beziehungsweise sich nachträglich in der eigenen Traumwelt orientieren zu können, macht diese Willkürlichkeit in der Symbolik die Traumdeutung enorm schwierig.

2.Die Traumdeutungsansätze am Anfang des 20. Jahrhunderts

Jahrhunderte lang werden bereits Traumbücher konsultiert um herauszufinden, was die eigenen Träume bedeuten. Diese Traumbücher enthielten vor allem Traumsymbole, welche eine zukunftsweisende Bedeutung haben sollten. Besonders in Bereichen der Esoterik sind diese Traumdeutungsbücher noch heute ein Verkaufsschlager. Jedoch haben Traumdeutungsbücher einen schlechten Ruf, da Esoterik generell oft als „Hokuspokus“ abgestempelt wird. In der Antike wurden Träume als göttliche oder dämonische Einflüsse gesehen, welche eine Botschaft übermitteln sollte oder das Individuum mit den Bildern in Versuchung führte. Seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert wurden sämtliche Formen von Wahrsagerei als Aberglaube deklariert, weshalb man auch in der Traumdeutung einen anderen Sinn als den bereits angenommenen suchte. Doch der Traum stellte für die Wissenschaft noch immer ein großes Rätsel dar, möglicherweise sogar umso mehr durch die Abwendung vom Aberglauben. Mit Sigmund Freud als Vorreiter der wissenschaftlichen Annäherung an die Bedeutung von Träumen, erhielt das Interesse an der Traumdeutungsarbeit seit dem 20. Jahrhundert einen enormen Aufschwung. Sigmund Freud und Carl Gustav Jung als Wegbereiter der Psychoanalyse, welche zeitweise in engem Briefkontakt standen und großen Respekt voreinander hatten, entwickelten zwei verschiedene Wege zur Traumdeutung, wobei man bemerken muss, dass C.G, Jung sich sehr stark an Freud’s Theorien lehnte und diese – ohne Kritik üben zu wollen – innovierte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Orientierung in der Traumwelt. Errungenschaften der Traumdeutung im 20. Jahrhundert
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Orientierung in komplexen Welten
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V418367
ISBN (eBook)
9783668674431
ISBN (Buch)
9783668674448
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traum, Träume, Sigmund Freud, Carl Gustav Jung, Luzides Träumen, Klarträumen, Symbol, Symbolik, Traumdeutung
Arbeit zitieren
Verena Odrig (Autor), 2016, Orientierung in der Traumwelt. Errungenschaften der Traumdeutung im 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418367

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