Canossa. Anfang oder Ende eines Machtkampfes?


Hausarbeit, 2017

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Gregorianische Reformbewegung

3. Dictatus Papae

4. Beginn des Konflikts
4.1. Investiturverbot von 1075
4.2. Drohung an Heinrich

5. Fastensynode von 1076
5.1. Absetzung Heinrichs
5.2. Kirchenrechtliche Begründung Gregors

6. Canossa
6.1. Der Gang nach Canossa
6.2. Die Bedeutung von Canossa0

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Auseinandersetzung zwischen Papst Gregor VII. und dem deutschen König Heinrich IV. ist wohl eines der bekanntesten Geschehnisse des Mittelalters. Der „Gang nach Canossa“ 1077 ist dabei der Höhepunkt des Streites der beiden Männer. Dieser Streit zwischen Papst Gregor VII. und Heinrich IV. wird als Investiturstreit bezeichnet und ist heutzutage ein wichtiger Gegenstand des Geschichtsunterrichts. Im Zentrum des Investiturstreits stand die Frage, wer berechtigt war Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte zu ernennen. In dieser Arbeit soll der Verlauf des Konfliktes von Ende des Jahres 1075 bis hin zum Gang nach Canossa 1077 näher betrachtet werden. Dabei gehe ich zunächst auf die Gregorianische Reformbewegung in Bezug auf Simonie, Laieninvestitur und Nikolaitismus ein. Danach werde ich mich mit dem „Dictatus Papae“ und der Stellung des Papstes beschäftigen. Als nächstes wird der Beginn des Konfliktes ausführlich dargelegt. Dabei gehe ich auf das Investiturverbot von 1075 und die Drohungen an Heinrich IV. ein. Im Anschluss folgt die Fastensynode von 1076 mit der Absetzung Heinrich IV. und der kirchenrechtlichen Begründung des Papstes. Zum Schluss gehe ich auf den Höhepunkt des Investiturstreits ein. Dabei wird der „Gang nach Canossa“ ausführlich beleuchtet und seine Bedeutung herausgearbeitet. Am Ende der Arbeit werde ich noch ein kurzes Resümee geben.

2. Die gregorianische Kirchenreform und der Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht

Von denen in Cluny und Gorze (Burgund) gelegenen Benediktinerklöster geht im 10.

Jahrhundert eine geistliche Reformbewegung aus, die zuerst das Leben im Kloster und dann das Papsttum beeinflusste. Die Reformbewegung begann nicht erst unter Papst Gregor VII. sondern auch schon während des Pontifikats Leos IX. und erstreckten sich bis zum Pontifikat Calixtus II.1 Der Kampf der Reformer richtet sich dabei gegen die Simonie, die Priesterehe und die damit verbundene Forderung nach Ehelosigkeit und ebenso gegen die Einsetzung von Bischöfen und Äbten durch weltliche Herrscher, welches als Laieninvestitur bezeichnet

wurde. Der Begriff Simonie stammt aus einem Bericht der Apostelgeschichte (Apg. 8, 18-25). Diese handelt von einem großen Zauberer, Simon Magnus, aus der Stadt Samaria, der versucht den Jüngern die Gabe des Heiligen Geistes abzukaufen. Davon abgeleitet wurde jeder Austausch von Geld, Geschenken und auch immateriellen Leistungen wie Versprechen,

Zusagen oder Schmeicheleien zum Erwerb geistlicher Handlungen und Ämter als Simonie bezeichnet.2 Simonie galt nach kirchlichen Recht als Sünde. So wurden den Beteiligten hohe Strafen, wie den Ausschluss aus der Kirche angedroht. Die Strafen und Erlässe wurden von mehreren Päpsten in karolingischen Synoden weiterverfolgt. Papst Gregor I. ließ die Simonie als Häresie einstufen und nahm Vorausleistung, wie zum Beispiel für die Segnung oder aber auch für das Begräbnis mit in den Begriff der Simonie auf. 3 Dennoch war die Simonie im Mittelalter ein weitverbreitetes Phänomen, welches nie erfolgreich bekämpft werden konnte. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Bekämpfung der Priesterehe. Die Priesterehe bezeichnete das Verhältnis eines Klerikers zu einer Frau in Form der Ehe oder des

Konkubinats und wird auch als Nikolaitismus bezeichnet.4 Die gregorianische Reform forderte für den Klerus das Zölibat. Diese Forderung wurde schon mehrmals in der Geschichte gestellt, aber kaum umgesetzt. Trotzdem wird auf mehreren Synoden beschlossen, dass die Kinder, die aus diesen Verbindungen entstehen von der Kirche nicht anerkannt werden und somit auch nicht erbberechtigt waren. So untersagte die Lateransynode von 1059 Klerikern, welche in einer Ehe lebten, den Gottesdienst zu halten und forderte das Volk auf, diese Kleriker zu meiden.5 Betrachtet man die Zeit der gregorianischen Reformbewegung im 11. Jahrhundert, so lässt sich feststellen, dass der Kampf gegen Simonie, Laieninvestitur,

Nikolaitismus und weitere Missstände stark zunahm und ebenso konsequenter geführt wurde.

3. Dictatus Papae

Für die Amtszeit Gregor VII. von 1073 bis 1085 änderte sich unsere Wahrnehmung des hochmittelalterlichen Papsttums fundamental.6 Als Papst Gregor VII. schrieb er Anfang März 1075, die 27 Thesen seiner kirchenpolitischen Einstellung nieder. In unmissverständlicher Deutlichkeit wird in den 27 Aussagen von Gregor VII. der Anspruch des Papstes und allgemein der römischen Kirche auf Prävalenz vor allen anderen christlichen Kirchen ersichtlich. Dabei wird deutlich die Unwiderrufbarkeit päpstlicher Urteile (Satz 18), deren Amtsheiligkeit (Satz 23) und der Unmöglichkeit, dass die römische Kirche jemals geirrt habe oder irren werde (Satz 22).7 Auch an der Prävalenz der geistlichen Gewalt sah Papst Gregor

VII. keinen Zweifel. Dies wird deutlich in den Leitsätzen 12 und 27: „Es ist dem Papst erlaubt, Kaiser abzusetzen8 und „Untergebene vom Treueeid gegenüber Sündern zu lösen.9 Offenbar war Gregor schon zu dieser Zeit der Meinung, dass es sein Recht war, gegebenenfalls übermäßig in die weltliche Politik einzugreifen. Das „Dictatus Papae“ war ein wesentlicher Grund für die Eskalation des Investiturstreits, welches aber keinesfalls für die Öffentlichkeit geschrieben war.

4. Beginn des Konfliktes

4.1 Investiturverbot 1075

Unter Investitur im Allgemeinen versteht man einen formalen Akt, durch den ein Laie oder ein Kleriker mit Rechten und Besitzungen ausgestattet oder in ein Amt eingesetzt wurde.10 Anhand von Papst Gregors vielseitigen Äußerungen im Schreiben vom 8. Dezember 1075 ist es sehr schwierig nachzuvollziehen, was auf der Fastensynode 1075 beschlossen wurde. Dabei stellt sich die Frage, ob Gregor VII. bereits im Februar 1075 ein Investiturverbot, sowohl für König ebenso wie alle anderen Laien erlassen hatte und dies der Auslöser für die Eskalation zwischen Papst Gregor VII. und Heinrich IV. gewesen war. Denn Heinrich IV. setzte 1075, trotz vorheriger Warnung des Papstes und gegenteiligem Versprechen seinerseits, eigenständig Tedald, einen früheren Angehörigen seiner Hofkapelle, zum neuen Bischof von Mailand ein. Gregor war erbost über das Verhalten von Heinrich IV. Grund dafür könnte das vermutete Investiturverbot von 1075 sein, von dem der Mailänder Arnulf in seiner Gesta berichtete. Dabei bezieht er sich auf die Fastensynode von 1075, die in Rom stattfand. „Der Papst […] untersagte dem König öffentlich, fortan irgendein Recht bei der Vergabe von Bistümern zu haben, und schließt alle Laienpersonen von den Investituren der Kirche aus. Obendrein verkündet er im Hinblick auf alle Ratgeber des Königs die Verhängung des Anathems, was er schon dem König selbst angedroht hatte, wenn er nicht bald diesem Beschluss gehorcht.“11 Ob das Investiturverbot 1075 schon ausgesprochen wurde ist in der Forschung äußerst umstritten. Johannes Laudage ist von der Überlieferung des Invetiturverbots von 1075 überzeugt und sieht die Bestätigung darin, dass Gregor VII. die mailändische Angelegenheit offensichtlich von Anfang an als juristischen Präzedenzfall ansah.12 Dabei geht Laudage fest davon aus, dass dieser Vorfall den Streit zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. ebnete.

4.2 Drohungen an Heinrich

Gregor VII. machte Heinrich IV. schwere Vorwürfe wegen Heinrichs andauernden Umgang mit den schon von Papst Alexander II. gebannten Ratgebern und der Verhaltensweise in der Mailänder Sache in einem Brief am 8. Dezember 1075. Ebenso kritisierte Gregor die Einsetzung von Bischöfen in Fermo und Spoleto. 13 Er ermahnte Heinrich abermals zum Gehorsam gegenüber Gott und dem apostolischen Stuhl und kam erneut auf die Beschlüsse der vergangenen Fastensynode 1075 in Rom zu sprechen. Entweder er unterwirft sich schnell dem päpstlichen Willen, oder ihm drohte statt einer Kaiserkrönung der Kirchenbann und dadurch der Verlust der Königsherrschaft.14 Gleiches hatte Papst Gregor VII. schon Phillipp von Frankreich angedroht. Die Drohung fiel gerade zu dieser Zeit auf sehr unfruchtbaren Boden. Heinrich IV. hatte nach seinem Sieg über die aufständischen Sachsen kurz zuvor einen Hoftag gefeiert und dort verkündet, dass sein erst zweijähriger Sohn Konrad zu seinem Nachfolger gewählt wurde.15 Heinrich wird zu dieser Zeit, vor allem durch den Sieg über die Aufstände, sehr selbstsicher gewesen sein. Zimmermann gibt einen passenden Überblick übe Heinrichs Sicht zu dieser Zeit: „Von inneren Feinden und vielen Schwierigkeiten befreit, sah Heinrich seine und seiner Dynastie Herrschaft gefestigt, sich selbst als Herr eines auf lange befriedeten Reiches und glaubte sich der unwandelbaren Treue seiner Untertanen sicher.“16

5. Fastensynode von 1076

5.1 Absetzung Heinrich IV.

Mit dem Wormser Konkordat 1076 bestritt Heinrich IV. die Rechtmäßigkeit von Gregors

Würde als Papst. Dabei verbündete er sich mit den romfeindlichen Bischöfen und man befand das Hildebrand niemals rechtens Papst gewesen sei.17 Dieser Protest kam aber etwas zu spät, da man Gregor schon drei Jahre lang als Papst anerkannt hatte. Damit fehlte eine glaubwürdige Grundlage. Aber warum wandte sich die Mehrheit der deutschen und oberitalienischen Bischöfe gegen ihn? Werner Goez ist der Meinung, dass es aus der „Erbitterung über das Kirchenregiment, welches unter dem neuen Pontifex noch härter geworden war“18 entstanden ist. Heinrich hatte ein Schreiben an Gregor verfasst, indem er ihn auffordert vom Stuhl Petri herabzusteigen. Durch den Angriff von Heinrich IV., welchem sich Gregor gewiss nicht beugen wollte, musste er darauf reagieren. Gregor reagierte in nie dagewesener Härte. Er erklärte auf der Fastensynode 1076 in Rom, dass Heinrich IV. abgesetzt ist, da sich Heinrich mit ungeheurem Hochmut gegen die römische Kirche aufgelehnt habe, sprach er ihm die Herrschaft über Deutschland und Italien ab, löste alle Christen von ihrem Treueeid und untersagte ihnen, diesem König künftig zu dienen.19 Weil Heinrich daraufhin immer noch nicht bereit war, wie ein Christ zu gehorchen und dienen, belegte der Papst ihn mit einem Bann. Mit diesen Strafen hob Gregor VII. den Streit auf eine ganz neue Ebene. Mit dieser Reaktion zeigte Papst Gregor VII., dass er das „Dictatus Papae“ tatsächlich anwenden will. Dass der Kaiser Päpste absetzen oder zur Amtsaufgabe zwingen konnte, hatte Heinrich III. sehr zum Wohle des Reformpapsttum 1076 eindrucksvoll bewiesen, dass aber ein Papst einem gesalbten König und zukünftigen Kaiser die Herrschaft absprach, die eidliche Bindung des Volkes an ihn löste und ihn exkommunizierte, war ein Novum.20 Denn tatsächlich war Gregors Reaktion nicht nur beispiellos, sie übertraf die Erwartungen, ja überhaupt das Vorstellungsvermögen der allermeisten Zeitgenossen, auch seiner Anhänger.21

5.2 Kirchenrechtliche Begründung des Papstes

Gregor begründet sein Vorgehen mit der Macht der Binde- und Lösegewalt. Wenn ihm als Vertreter des Apostel Paulus die Binde- und Lösegewalt im geistlichen Bereich zu Teil wird, dann sicherlich auch im Weltlichen. „Mit letzter Entschlossenheit wird dadurch die Schranke, die bis dahin die geistliche Gewalt begrenzt hatte, niedergerissen. Die Binde- und Lösegewalt des Papstes erstreckt sich nun auf den gesamten Bereich des menschlichen Lebens.“22 Gregor

[...]


1 Struve, Tilman. Gregorianische Reform, in: Lexikon des Mittelalters. Band IV., München 1989, S.1686. 3

2 Zey, Claudia. Der Investiturstreit. München. 2017.S. 28.

3 Schieffer, Rudolf, Simonie, in: Theologische Realenzyklopädie. Band XXXI., Berlin/New York 2000, S.277.

4 Beulertz, Stephan. Nikolaitismus, Nikolaiten, in: Lexikon des Mittelalters. Band VI., München/Zürich 1993, S.1164.

5 Ebd., S.1164-1165.

6 Zey, Claudia. Der Investiturstreit. München. 2017. S. 28. 4

7 Zey, Claudia. Der Investiturstreit. München. 2017.

8 Ebd., S.52

9 Ebd., S.52 10 Ebd., S. 29.

11 von Mailand, Arnulf: Gesta archiepiscoporum Mediolanensium. Hrsg: Bethmann/Wattenbach. In: MGH SS 8

S. 1-31. Hannover, 1848. S.27.

12 Laudage, Johannes: Gregorianische Reform und Investiturstreit. In Erträge der Forschung, Band 282. Darmstadt. 1993. S. 38.

13 Vgl, Zey, Claudia: Der Investiturstreit. München, 2017. S.55.

14 Zimmermann, Harald: Der Canossagang von 1077. Wirkungen und Wirklichkeit. In: Akademie der Wissenschaften und der Literatur. 1975. S.24.

15 Vgl. Ebd., S.24

16 Ebd., S.24.

17 Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122. Stuttgart. 2008. S. 125f.

18 Ebd., S. 126.

19 Zey, Claudia: Der Investiturstreit. München, 2017. S.58.

20 Ebd., S.59.

21 Schieffer, Rudolf: Gregor VII. - ein Versuch über die historische Größe. In: Historisches Jahrbuch 97/98. Münster. 1978. S.96.

22 Tellenbach, Gerd: Libertas. Kirche und Weltordnung im Zeitalter des Investiturstreits. Stuttgart, 1996. S.181. 7

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Canossa. Anfang oder Ende eines Machtkampfes?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V418554
ISBN (eBook)
9783668675735
ISBN (Buch)
9783668675742
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht, Canossa, Anfang, Ende, Politik, Geschichte
Arbeit zitieren
Anna Stieberitz (Autor), 2017, Canossa. Anfang oder Ende eines Machtkampfes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418554

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