Eine Untersuchung des Einflusses der Kontakthäufigkeit und der wirtschaftlichen Lage auf die Ausländerablehnung und eines moderierenden Effekts durch die Herkunft


Hausarbeit, 2017

32 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

2.1 Theoretische Grundlagen

2.1.1 Ausländerablehnung

2.1.2 Kontakthypothese

2.1.3 Konflikthypothese

2.2 Forschungsstand

2.3 Hypothesen

2.4 Theoretische Modellübersicht

3. Empirisch-statistische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

3.1. Datengrundlage, Stichprobe und Vorgehensweise

3.2. Operationalisierung und Variablen

3.3. Statistisches Modell

3.4. Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse

4. Fazit und kritische Betrachtung

I. Literaturverzeichnis

II. Anhang

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Theoretische Modellübersicht

Abbildung 2: Statistisches Modell

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Modellzusammenfassung

Multivariate Regression mit abhängiger Variable V_Auslaenderablehnung, unabhängigen Variablen V_Kontakt und V_Wirtschaftliche_Lage sowie den Kontrollvariablen

Tabelle 2: Koeffiziententabelle

Multivariate Regression mit abhängiger Variable V_Auslaenderablehnung, unabhängigen Variablen V_Kontakt und V_Wirtschaftliche_Lage sowie den Kontrollvariablen

Tabelle 3: Koeffiziententabelle

Multivariate Regression mit abhängiger Variable V_Auslaenderablehnung, unabhängigen Variablen V_Kontakt und V_Wirtschaftliche_Lage sowie den Kontrollvariablen. Gesplittet nach der Variable V_Ost

1. Einleitung

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland gab es zahlreiche Einwanderungswellen, welche die Bevölkerungs- und Sozialstruktur deutlich beeinflusst haben (vgl. Siegert & Kogan 2010: vi). Integration ist als ein zweiseitiger Prozess zu verstehen, welcher zum einen von der Integrationsbereitschaft der zugewanderten Gruppe und zum anderen von den Bemühungen der Aufnahmegesellschaft beeinflusst wird. Gerade im Kontext der Integration wirkt eine ausländerablehnende Einstellung der einheimischen Bevölkerung als ein hemmender Faktor (vgl. Siegert & Kogan 2010: vii). Aus diesem Grund wird im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit insbesondere die ausländerablehnende Einstellung der Aufnahmegesellschaft fokussiert. In Bezug auf die Einstellung der einheimischen Bevölkerung gegenüber Ausländern lässt sich in Deutschland eine Besonderheit beobachten: Die Fremdenfeindlichkeit ist in Ostdeutschland im Durchschnitt höher, als in Westdeutschland (vgl. Baur et al. 2010: 2). Für diesen Unterschied werden häufig eine schlechtere wirtschaftliche Lage und der geringere Ausländeranteil in Ostdeutschland bzw. die damit verbundene Kontakthäufigkeit herangezogen (vgl. vgl. Baur et al. 2010: 14 ff.). Im Rahmen dieser Arbeit werden deshalb die beiden Regionen (Ost/West) mit Mikrodaten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften bezüglich der beiden möglichen Ursachen - Kontakthäufigkeit und wirtschaftliche Lage - einer ausländerablehnenden Einstellung untersucht. Es stellt sich die zentrale Frage, ob die unterschiedlichen Gelegenheitsstrukturen auf der Makroebene in Ost- und Westdeutschland (Kontaktmöglichkeit, wirtschaftliche Lage) einen Einfluss auf die Ausländerablehnung haben.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei übergeordnete Teile, einer theoretischen Betrachtung (Kapitel 2) und einer empirischen-statistischen Betrachtung (Kapitel 3). Zu Beginn werden die definitorischen Grundlagen gelegt, indem das Konzept der Ausländerablehnung, die Kontakthypothese und die Konflikthypothese dargestellt werden. Folgend wird der Forschungsstand bezüglich des Einflusses der Kontakthäufigkeit und wirtschaftlichen Lage in Ost- und Westdeutschland auf die Ausländerablehnung präsentiert, daran anknüpfend die Hypothesen formuliert und ein theoretisches Modell abgeleitet. In der empirisch-statistischen Betrachtung werden zuerst die Datengrundlage, Stichprobe und methodische Vorgehensweise vorgestellt, ehe nachfolgend die Operationalisierung der Variablen dargelegt wird. Danach soll das statistische Modell, welches als grundlegende Übersicht für die Regressionsanalyse dienen soll, visualisiert werden. Durch die Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse kann überprüft werden, inwiefern die Hypothesen durch die Regressionsanalyse bestätigt oder widerlegt werden können. Ein Überblick über die Ergebnisse sowie eine kritische Betrachtung dieser wird im Rahmen des Fazits gegeben.

2. Theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

Die theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes ist in zwei übergeordnete Teile untergliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen von Ausländerablehnung, der Kontakt- und Konflikthypothese. Im zweiten Teil wird das theoretische Modell fokussiert und in diesem Kontext zunächst der Forschungsstand bezüglich der Kontakt- und Konflikthypothese im Ost-West-Vergleich dargestellt. Anschließend werden die Hypothesen und eine abschließende Modellübersicht der theoretischen Betrachtung vorgestellt.

2.1. Theoretische Grundlagen

Der präzisen Definition zentraler Begrifflichkeiten kommt in der Forschung eine besondere Bedeutung zu. Da diese als Grundlage für die Messung des Untersuchungsgegenstandes dienen, muss zunächst eine Abgrenzung und Definition der zentralen Begrifflichkeiten erfolgen (vgl. Popper 1989: 59).

2.1.1. Ausländerablehnung

Unter dem Begriff Ausländerablehnung wird ein zeitlich relativ stabiles Einstellungsmuster verstanden, welches sich auf die Ablehnung einer anderen fremden Gruppe, also Personen mit einer ausländischen Herkunft, durch Personen mit einer inländischen Herkunft (Einheimische) bezieht (vgl. Grob 2005: 33 f.). Für Personen mit einer ausländerablehnenden Einstellung handelt es sich bei ausländischen Personen um eine „(…) unerwünschte Personengruppen, die mit sekundären Argumenten der ökonomischen Konkurrenz oder der kulturellen Nichtanpassung von der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden sollen“ (Grob 2005: 34).

Akteure unterscheiden zwischen Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlen (Ingroups) und Gruppen, welchen sie nicht angehören (Outgroups). Die Mitgliedschaft zu einer Gruppe ist gekennzeichnet durch ein Wir-Gefühl und eine interne Gruppenhomogenität hinsichtlich Normen, Werten und Einstellungen. Die Normen, Werte und Einstellungen andere Gruppen wirken dabei entweder befremdlich oder sind nicht bekannt (vgl. Allport 1954: 29 ff.). Dementsprechend konstruieren ausländerablehnende Personen durch eine Definition der eigenen Gruppe (Ingroup) und eine gezielte Abgrenzung von nicht einheimischen bzw. Personen mit einer ausländischen Herkunft (Outgroup) eine kollektive Kategorie, welcher ein bestimmter prekärer Status und weitere negative sowie vorurteilsbehaftete Merkmale zugeschrieben werden (vgl. Grob 2005: 34).

Hoffmann und Even verstehen unter Ausländerablehnung eine gezielte Verweigerung der Gleichberechtigung von Ausländern mit Inländern, solange sich die Ausländer nicht an die Inländeridentität angepasst haben (vgl. Hoffmann & Even 1984: 179 f.). Diese Gleichberechtigung kann sich dabei sowohl auf geltende Rechte oder Gesetze als auch auf die Teilhabe an Ressourcen (u. a. Bildung, Arbeit) beziehen. Ausländerablehnung kann sich in diesem Zusammenhang durch ablehnende Einstellungen oder aber auch durch aggressives Verhalten äußern.

Das Konzept der Ausländerablehnung stellt somit eine operationale Fassung der Fremdenfeindlichkeit dar und bezieht sich demgegenüber nicht auf die weit gefasste Gruppe fremder Personen, sondern im Speziellen auf Ausländer (vgl. Silbermann & Hüsers 1995: 6 f.). Die Erklärungsansätze für Ausländerablehnung sind in der Forschung sehr vielseitig und reichen von einer Orientierung an sozialpsychologischen Modellen, individualpsychologischen Modellen und evolutionsbiologischen Modellen bis hin zu einer Erklärung durch historische, politische und ökonomische Prozesse (vgl. Wagner et al. 2000: 15 f.). Nachfolgend werden insbesondere die Konflikt- und Kontakthypothese näher fokussiert, um zwei zentrale Erklärungsansätze der Ausländerablehnung zu beschreiben.

2.1.2. Kontakthypothese

Die Kontakthypothese wurde 1954 von Allport entwickelt und geht davon aus, dass die Häufigkeit des Kontaktes zwischen Mitgliedern zweier Gruppen, also beispielsweise der einheimischen Bevölkerung und ethnischen Minoritäten, durch Abbau von Vorurteilen zu einer Reduktion der gegenseitigen Ablehnung führt (vgl. Allport 1954: 261 f.).

Als Grundvoraussetzung für den Kontakt zwischen zwei Gruppen sind Kontaktmöglichkeiten zu nennen, welche sich in allen Bereichen des Lebens entwickeln können. In diesem Zusammenhang spielt nicht nur das Vorhandensein beider Gruppen im räumlichen Kontext eine Rolle, sondern auch eine kooperative Kontaktbereitschaft (vgl. Allport 1954: 261 ff.). Die Art des Kontaktes kann dabei sehr facettenreich ausfallen und inkludiert dementsprechend unterschiedliche Konsequenzen für eine Reduktion der Vorurteile.

Als relevante Einflusskriterien werden die Quantität und Qualität des Kontakts, der Status bzw. die Rollen der beteiligten Personen, die Kontaktatmosphäre und individuelle Faktoren der Persönlichkeit aufgeführt (vgl. Baur et al. 2010: 4 f.). Bezogen auf das Kriterium Qualität und Quantität des Kontakts kann festgehalten werden, dass die Reduktion von Vorurteilen umso stärker ist, je häufiger, länger und intensiver der Kontakt empfunden wird. Nach Pettigrew haben langfristig ausgerichtete Beziehungen, welche von Vertrauen geprägt sind, einen stärkeren Effekt als kurzfristig ausgerichtete Beziehungen, welchen es an Vertrauen mangelt (vgl. Pettigrew 1998: 76). Der Status der Beteiligten bezieht sich auf hierarchische Asymmetrien und die damit verbundene Kooperationsbereitschaft der Beteiligten. Im Allgemeinen werden Vorurteile eher abgebaut, wenn sich beide Parteien auf Augenhöhe befinden (vgl. Baur et al. 2010: 4). Die Kontaktatmosphäre beschreibt den Kontexteffekt der Kontaktsituation und hat maßgeblich Einfluss auf das Verhalten der beteiligten Personen. Findet der Kontakt auf freiwilliger Ebene statt und sind keine negativen Sanktionen durch andere Personen zu erwarten, so können Vorurteile deutlich einfacher reduziert werden. Individuelle Eigenschaften der Persönlichkeit wie beispielsweise eine aggressive Einstellung oder auch Ängstlichkeit wirken hemmend auf die Reduktion von Vorurteilen. Andere Eigenschaften wie Offenheit und ein freundliches Verhalten haben dagegen einen positiven Effekt (vgl. Baur et al. 2010: 4 f.).

Allport geht im Rahmen der aufgeführten Einflusskriterien von einem multiplikativen Effekt aus und verdeutlicht damit, dass alle Einflusskriterien eine wichtige Rolle für die Reduktion von Vorurteilen haben (vgl. Allport 1954: 281). Pettigrew konnte 2006 allerdings nachweisen, dass Kontakt das Vorhandensein von Vorurteilen auch dann verringert, wenn nicht alle Bedingungen optimal gestaltet sind (vgl. Pettigrew & Tropp 2006).

Die Wirkung des Kontakts zwischen zwei Gruppen auf die Ausländerablehnung basiert auf einer Dekategorisierung, bei welcher etwas über das andere Individuum gelernt wird (beispielsweise Persönlichkeitseigenschaften oder kulturelle Hintergründe) und dieses Individuum somit aus der unbekannten Outgroup herausgelöst wird. Wird der Kontakt als positiv wahrgenommen und werden vorhandene Vorurteile nicht bestätigt, werden die Berührungsängste zwischen den beiden beteiligten Personen genommen und dadurch die Weichen für einen weiteren Kontakt gelegt. Durch den wiederholten Kontakt findet eine neue Bewertung der anderen Gruppe und damit einhergehend eine Reduktion von Vorurteilen statt (vgl. Pettigrew 1998: 80 f.). Dementsprechend wird gemäß der Kontakthypothese eine durch Kontakt ausgelöste Neubewertung der anderen Gruppe zu einer Verringerung der Ausländerablehnung führen.

2.1.3 Konflikthypothese

Ausgangspunkt der Konflikthypothese ist das hierarchische Verhältnis zwischen Gruppen und deren Position zueinander (vgl. Baur et al. 2010: 6). Zur Entstehung von Vorurteilen kommt es laut Blumer im Rahmen der Konflikthypothese aufgrund von vier zentralen Empfindungen:

Die übergeordnete Gruppe hat das Gefühl der eigenen Überlegenheit.

Die übergeordnete Gruppe geht davon aus, dass ihr Privilegien und Vorrechte zustehen.

Die übergeordnete Gruppe empfindet andere Gruppen als fremd und anders.

Die übergeordnete Gruppe hat Angst, dass andere Gruppen die eigene Position gefährden (vgl. Blumer 1958: 3-6).

Aus den Vorurteilen entwickeln sich feindselige Einstellungen als Reaktion auf die wahrgenommene Bedrohung durch andere Gruppen. Auf der individuellen Ebene fürchten Vertreter der übergeordneten Gruppe einen Verlust der eigenen Ressourcen (beispielsweise Einbuße von finanziellen Ressourcen aufgrund eines Arbeitsplatzverlustes). Insbesondere Personen mit einem geringen sozioökonomischen Status neigen dazu, sich durch andere Gruppen bedroht zu fühlen (vgl. Baur et al. 2010: S. 6). Auf kollektiver Ebene werden bestehende Vorrechte bzw. Privilegien, die Ressourcenverteilung innerhalb der Gruppe und die kollektive Identität als gefährdet angesehen. In diesem Zusammenhang spielt die kulturelle, nationale und ethnische Homogenität der Gruppe eine große Rolle (vgl. Baur et al. 2010: 6 f.).

Für die Entwicklung feindseliger Einstellungen sind auf der Makroebene zwei Faktoren von besonderer Bedeutung. Zum einen spielt die Größe der übergeordneten Gruppe im Verhältnis zur untergeordneten Gruppe eine große Rolle. Zum anderen zeigt sich, dass vor allem eine schlechte wirtschaftliche Lage einen Anstieg der wahrgenommenen Bedrohung der einheimischen Bevölkerung durch Minoritäten bedingt (vgl. Blalock 1967: 70 ff.).

2.2 Forschungsstand

Nachdem in einem ersten Schritt die theoretischen Überlegungen dargestellt wurden, werden im Folgenden zentrale empirische Ergebnisse präsentiert. Sowohl die Kontakthypothese (u. a. Baur et al. 2010; Esser & Ganter 1999; Pettigrew 1997 & 1998) als auch die Konflikthypothese (u. a. Baur et al. 2010; Blumer 1958; Blalock 1967; McLarren 2003) wurden bisher in zahlreichen Studien bestätigt. Da im Rahmen dieser Arbeit der Einfluss der wirtschaftlichen Lage und der Kontakthäufigkeit auf die Ausländerablehnung im Ost-West-Vergleich betrachtet wird, wird im Folgenden insbesondere auf Studien eingegangen, welche eine differenzierte Betrachtung zwischen Ost- und Westdeutschland ermöglichen.

In Ostdeutschland zeigt sich in nahezu allen Studien ein höheres Ausmaß an Ausländerablehnung als in Westdeutschland (vgl. Baur et al. 2010: S. 14). Alba und Johnson haben festgestellt, dass in Ostdeutschland negative Vorurteile gegenüber Ausländern deutlich weiter verbreitet sind, als dies in Westdeutschland der Fall ist (vgl. Alba & Johnson 2000). Bezogen auf die Entwicklung der Ausländerfeindlichkeit im Rahmen der Adoleszenzphase lässt sich festhalten, dass die manifestierte Ausländerablehnung bei ostdeutschen Jugendlichen höher ist als bei westdeutschen Jugendlichen (vgl. Urban & Singelmann 1997: 43).

Endrikat, van Dick und Wagner führen die Ost-West-Differenzen bezüglich der Ausländerablehnung auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und damit verbundene Kontakthäufigkeit zurück. Die Autoren argumentieren, dass der niedrigere Ausländeranteil in Ostdeutschland die Kontaktwahrscheinlichkeit deutlich reduziert und dadurch Vorurteile nicht abgebaut werden können (vgl. Wagner et al. 2002). Urban und Mayerl weisen in diesem Zusammenhang nach, dass der lokale Ausländeranteil als ein selektiver Moderator auf die Ausländerablehnung wirkt und dementsprechend ein hoher lokaler Ausländeranteil im Kontext des direkten Wohnumfeldes zu einer Verringerung von ausländerablehnenden Einstellungen führt (vgl. Urban & Mayerl 2006: 76 f.). Im Durchschnitt verfügen Ostdeutsche über weniger ausländische Kontakte im beruflichen und privaten Umfeld als Westdeutsche (vgl. Baur et al. 2010: 17). Eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung weist einen höheren Kontakteffekt für die ostdeutschen Gebiete nach. Demnach reduziert sich das Ausmaß der Ausländerablehnung durch Kontakt in Ostdeutschland stärker als in Westdeutschland, was unter anderem durch den allgemein höheren Anteil an Ausländerablehnung erklärt werden kann (vgl. Becker 2007: 75).

Der höhere Anteil arbeitsloser und einkommensschwacher Personen in Ostdeutschland wird als Erklärungshintergrund für die Konflikthypothese herangezogen (vgl. Baur et al. 2010: 17 f.). Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote im August 2017 in Ostdeutschland bei 7,4 % und ist damit 2,1 Prozentpunkte höher als in den alten Bundesländern (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017). Bezogen auf die Verdienstrelation und den Anteil der Personen im Niedriglohnsektor zeigen sich ähnliche Differenzen. So lag im Jahr 2014 der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde bei 14,08 Euro, in Westdeutschland dagegen bei 17,96 Euro (vgl. Statistisches Bundesamt 2017: 24). Der Anteil an Beschäftigten im Niedriglohnsektor ist in Ostdeutschland fast doppelt so hoch wie in Westdeutschland (vgl. Statistisches Bundesamt 2017: 12). Diese Faktoren verdeutlichen eine schlechtere wirtschaftliche Lage in den neuen Bundesländern und implizieren dadurch einen geringeren sozioökonomischen Status. In Bezug auf die Konflikthypothese weisen Wagner et al. nach, dass das Gefühl einer stärkeren ökonomischen Benachteiligung in Ostdeutschland einen signifikanten Einfluss auf die Ausländerablehnung hat und dieser Effekt unter Berücksichtigung der Kontakthäufigkeit stabil bleibt (vgl. Wagner et al. 2003). In diesem Zusammenhang können sowohl die Kontakt- als auch Konflikthypothese im Kontext einer Ost- West-Differenz in Bezug auf Ausländerablehnung bestätigt werden.

2.3 Hypothesen

Auf Basis der im Vorfeld behandelten theoretischen Konzepte und des Forschungsstandes werden im Folgenden Hypothesen abgeleitet. Die erste Hypothese bezieht sich auf den angenommenen Einfluss der Kontakthäufigkeit der einheimischen Bevölkerung mit Ausländern auf die Ausländerablehnung. Angenommen wird, dass die Anzahl der Kontakte die Ausländerablehnung reduziert. In diesem Zusammenhang soll auch der Unterschied zwischen den Gesellschaftsgruppen der Ost- und Westdeutschen berücksichtigt werden. Da in Ostdeutschland die Ausländerablehnung im Allgemeinen höher ausfällt, soll der Kontakteffekt, welcher unter anderem von Becker festgestellt wurde, überprüft werden. Angenommen wird, dass dieser Effekt in Ostdeutschland höher ausfällt als in Westdeutschland.

H1a: Zu je mehr ausländischen Personen Kontakt besteht, desto geringer ist das Ausmaß der Ausländerablehnung.

H1b: Wenn eine Person in Ostdeutschland lebt, dann verstärkt sich der negative Effekt der Kontakthäufigkeit auf die Ausländerablehnung (Moderatorhypothese).

Im Rahmen der zweiten Hypothese soll die Konflikthypothese auf Basis der wirtschaftlichen Lage überprüft werden. Angenommen wird, dass eine positiv wahrgenommene wirtschaftliche Lage zu einer geringeren Ausländerablehnung führt. Da in Ostdeutschland die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen schlechter empfunden wird, soll zudem der Einfluss des Umfeldes (Ost/West) auf die Stärke des Effekts überprüft werden. Es wird davon ausgegangen, dass der Effekt in Ostdeutschland stärker ausfällt als in Westdeutschland.

H2a: Je besser die wirtschaftliche Lage einer Person, desto geringer ist das Ausmaß der Ausländerablehnung.

H2b: Wenn eine Person in Ostdeutschland lebt, dann verstärkt sich der negative Effekt der wirtschaftlichen Lage auf die Ausländerablehnung (Moderatorhypothese).

2.4 Theoretische Modellübersicht

Aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen lässt sich folgende Modellübersicht ableiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Theoretische Modellübersicht.

[...]


Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Eine Untersuchung des Einflusses der Kontakthäufigkeit und der wirtschaftlichen Lage auf die Ausländerablehnung und eines moderierenden Effekts durch die Herkunft
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V421192
ISBN (eBook)
9783668687974
ISBN (Buch)
9783668687981
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausländerablehnung, Kontakthypothese, Konflikthypothese, Moderatoreffekt, Herkunft, wirtschaftliche Lage, Kontakthäufigkeit, Fremdenfeindlichkeit, SPSS, Regressionsanalyse, Regression, Empirische Analyse, Moderatoranalyse
Arbeit zitieren
Timo Blauth (Autor), 2017, Eine Untersuchung des Einflusses der Kontakthäufigkeit und der wirtschaftlichen Lage auf die Ausländerablehnung und eines moderierenden Effekts durch die Herkunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421192

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