Machiavellis umstrittene Theorie des Machterhalt als Konsequenz seiner Anthropologie


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Untersuchung
1.2 Abgrenzung des Themas

2. Machiavellis Anthropologie als Konsequenz seines Lebens
2.1 Historische Lebensumstände
2.2 Machiavellis Leben und politische Erfahrungen
2.3 Machiavellis Anthropologie (ambizione)

3. Machiavellis Theorie des Machterhalts (Mittel)
3.1 virtù
3.2 fortuna und occasione
3.3 Die Verdrängung der Moral aus der Politik

4. Die Rezeption Machiavellis
4.1 Rezeptionsvarianten
4.2 Probleme und Gefahren der Auslegung

5. Schluss

6. Literatur

7. Zusammenverfassung/Abstract

1. Einleitung

1.1 Gegenstand der Untersuchung

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema „Machiavellis umstrittene Theorie des Machterhalts als Konsequenz seiner Anthropologie“ beschäftigen. Ausgehend von einer Betrachtung seiner politischen Erfahrungen als Gesandter an verschiedenen Fürsten- und Königshöfen Europas, werde ich mich mit der Anthropologie Machiavellis auseinandersetzen.

Darauf aufbauend werde ich auf Machiavellis Theorie des Machterhalts und auf die Gefahren und Probleme, die diese vor allem in der Rezeption, mit sich bringt eingehen. Dabei wird auch die Frage nach einer Politik ohne Moral oder einer Trennung von Moral und Politik eine Rolle spielen. Ich werde dabei zeigen, dass sich Machiavellis Vorstellungen, immer ausgehend von seinen eigenen politischen Erfahrungen, vom politischen Handeln nicht auf eine unmoralische Politik beziehen. Vielmehr liegt sein Augenmerk, entgegen der weit verbreiteten Meinung seiner Kritiker, auf einer von moralischen Vorstellungen befreiten und damit handlungsfähigeren Politik zur Beseitigung der politischen Krise in Italien.

Ich werde dabei die historischen Umstände nicht in ihrem ganzen Ausmaß schildern, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Schließen werde ich meine Arbeit mit einem Fazit und dabei versuchen meine persönliche Meinung hinsichtlich der Fragestellung darzustellen.

1.2 Abgrenzung des Themas

Für die Bearbeitung des Themas werde ich mich vor allem Machiavellis sicherlich bekanntestes Werk heranziehen, den Fürst (Il Principe). Ich werde mich dabei auf die Reclam Taschenbuchausgabe beschränken und auch die Übersetzung dieser Ausgabe nicht infrage stellen, da ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten anstellen kann. Da dies zu weit über meine Fragestellung hinausgehen würde.

Innerhalb meiner Arbeit werde ich nicht explizit auf den Inhalt dieses Werkes eingehen, sondern es vielmehr nur dann heranziehen, wenn es zur Erarbeitung wichtiger Erkenntnisse innerhalb meiner Fragestellung dient. Eine Gesamtdarstellung oder einen kurzen Abriss des gesamten Inhalts werde ich daher nicht liefern.

Darüber hinaus werde ich mich mit der Sekundärliteratur auseinandersetzen. Hierbei werde ich mich vorwiegend auf Herfried Münkler und Frank Deppe stützen, diese jedoch immer wieder anhand der Äußerungen Machiavellis überprüfen.

2. Machiavellis Anthropologie als Konsequenz seines Lebens

Am Anfang meiner Arbeit möchte ich zunächst erst einmal einen kurzen Überblick über die Lebensumstände Machiavellis im Italien des beginnenden 16.Jahrhunderts geben. Dann folgt eine knappe Einordnungen seiner gesellschaftlichen Position sowie seiner politischen Erfahrungen. Dieses erscheint mir hinsichtlich möglicher Erklärungsansätze seines Menschenbildes und darauf aufbauend seiner Theorien für unumgehbar. Denn die persönliche Erfahrungen Machiavellis haben meiner Meinung nach einen sehr entscheidenden Einfluss auf die Herausbildung seiner Anthropologie und Ideen gehabt.

2.1 Historische Lebensumstände

Zu Lebzeiten Machiavellis existierten im heutigen Nationalstaat Italien viele kleine Fürstentümer und Stadtstaaten, die sich zu mehr oder weniger labilen Bündnissen zusammenschlossen.

In Florenz herrschte das Geschlecht der Medici, welches sich über die Jahre eine Art Monarchie aufgebaut, und so die Republik aufgeweicht hatte. Hinzu kam, das rasche Ende des inneritalienischen Gleichgewichts nach dem Italienfeldzug Karls VIII. Nun konnte keiner der größeren Teilstaaten, ohne die Hilfe ausländischer Mächte, die Vorherrschaft erringen. Nach dem Tod Lorenzo des Prächtigen de’Medici und der Machtübernahme seines Sohnes Piero änderte sich die Situation in Florenz. Denn bedrängt durch Lorenzo, suchte Mailand Unterstützung in Frankreich und öffnete diesem damit den Weg nach Italien. Die dadurch eingeleitete „Totalisierung des Krieges […] [löste]schockartige Ängste vor den hereinbrechenden ‚Barbaren’“[1] bei der sich gerade in der Blüte befindenden italienischen Renaissance aus.

In Florenz wurde die Familie Medici aus der Stadt getrieben und der Bußprediger Girolamo Savonarola rief 1494 die theokratische Republik, mitsamt neuer Verfassung, aus. Da dieser nur über Reformeifer, nicht aber über ausreichende Waffen und Macht verfügte, wurde er 1498 öffentlich als Ketzer verbrannt. Die Republik Florenz wurde gemäßigter und versuchte sich auf dem „Kampfplatz ausländischer Mächte“[2] zu behaupten. Ihr wichtigstes Ziel blieb die Rückeroberung Pisas, das als Hafen vor allem von wirtschaftlichem Interesse für die Stadt war. Dieses gelang schließlich 1509 mit Hilfe der florentinischen Bürgermiliz, welche aber versagte als spanische Truppen die Stadt Florenz 1512 angriffen. Dadurch gelang es den Medici erneut in Florenz einzuziehen und wieder eine unangefochtene Herrschaft aufzubauen. Im Jahre 1527, kurz vor dem Tode Machiavellis, wurden diese jedoch erneut gestürzt und in Florenz nochmals eine kurzlebige Republik errichtet.

2.2 Machiavellis Leben und politische Erfahrungen

Niccolò Machiavelli wurde am 3.Mai 1469 in Florenz als Sohn eines Rechtsgelehrten geboren. Seine Familie, die ursprünglich zu den vornehmen Guelfen gehörte, war durch Verfolgung und Auswanderung verarmt. So konnte sich „der junge Niccolò [zwar] solide Kenntnisse des Lateinischen sowie der Literatur der römischen Antike“[3] aneignen, ein tieferes und gründlicheres Studium aber blieb ihm versagt. Dennoch wurde er 1498, im Alter von neunundzwanzig Jahren, zum Sekretär der „Zweiten Kanzlei“, einer Art Kriegs- und Innenministerium, ernannt[4]. Machiavellis aktive politische Karriere dauerte nur 14 Jahre an, denn auf Grund der erneuten Machtübernahme der Medici 1512, wurde Machiavelli aller seiner politischen Ämter enthoben.

Während seiner Zeit als „Diener der Republik“, hatte er zahlreiche Reisen als Gesandter und Vermittler unternommen, so unter anderem auch nach Frankreich und in viele Fürstentümer des zersplitterten Italiens. Dadurch konnte Machiavelli seinen Gesichtskreis für damalige Verhältnisse sehr weit ausdehnen und die politische Realität in persona miterleben. Besonders seine Reise zu Cesare Borgia in Jahre 1502 schien ihn nachhaltiger zu beeindrucken. Denn Borgia schaffte es seine Macht mit einer skrupellosen Handlungsweise, die vor keiner Grausamkeit zurückschreckte und jeden Widerstand gegen seine Person, auch in den eigenen Reihen, brach, zu sichern.

Der Höhepunkt seiner politischen Laufbahn, wenn auch nicht wirklich gewürdigt, war aber die Rückeroberung Pisas. Denn mit Hilfe der von Machiavelli aufgestellten Bürgermiliz gelang es Florenz die abtrünnige Stadt wieder einzunehmen.

Nach der Enthebung aus allen seinen politischen Ämtern 1512 und der Beschuldigung Teil einer Verschwörung gegen die neuen Machthaber, die Medici, zu sein, zog es Machiavelli aufs Land ins Exil. Dort schrieb er nach seinen „vierzehn Jahre[n] Beteiligung an der Macht […][in den] vierzehn Jahre[n] erzwungener Muße […] sein politisches, historisches und literarisches Werk“[5], darunter „Il Principe“, „Discorsi“ sowie „Istorie Fiorentine“. Er versuchte zwar noch mehrmals unter Medici und auch kurz vor seinem Tod nochmals in der Politik Fußzufassen, jedoch waren seine Versuche nicht von Erfolg gekrönt.

[...]


[1] Machiavelli, Niccolò, Il Principe – Der Fürst, Reclam, München, 1986, S. 233

[2] Machiavelli, Niccolò, Il Principe – Der Fürst, Reclam, München, 1986, S. 234

[3] Niccolò Machiavelli, Il Principe – Der Fürst, Reclam, München, 1986, S. 231

[4] Vergleiche Hans-Joachim Diesner, Niccolò Machiavelli – Mensch, Macht, Politik und Staat im 16. Jahrhun- dert, Studienverlag Dr.N.Brockmeyer,, Bochum, 1988, S.20

[5] Niccolò Machiavelli, Il Principe – Der Fürst, Reclam, München, 1986, S.236

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Machiavellis umstrittene Theorie des Machterhalt als Konsequenz seiner Anthropologie
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V42691
ISBN (eBook)
9783638406758
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavellis, Theorie, Machterhalt, Konsequenz, Anthropologie
Arbeit zitieren
Josephine Schwebler (Autor:in), 2003, Machiavellis umstrittene Theorie des Machterhalt als Konsequenz seiner Anthropologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42691

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Machiavellis umstrittene Theorie des Machterhalt als Konsequenz seiner Anthropologie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden