UNESCO Weltkulturerbe. Welche Auswirkungen bringt eine Ernennung zum Kulturerbe mit sich?


Hausarbeit, 2014
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Das Konzept der Welterbekonvention
1.3 Das Aufnahmeverfahren der Welterbeliste
1.4 Die Aufnahmekriterien für die Stätte des Weltkulturerbes

2 Die Auswirkungen des Welterbetitels
2.1 Die UNESCO-Kommission – Wege zum Schutz des Welterbes
2.2 Gewinnung von lokalen und internationalen Interesse durch das Welterbesiegel
2.3 Die Entstehung eines internationalen Netzwerkes

3 Auswirkungen des Welterbestatus auf den Tourismus
3.1 Das Spannungsverhältnis zwischen Kulturerbe und Denkmalschutz

4 Zerstörung eines Weltkulturerbes am Beispiel der Buddha Statuen in Afghanistan
4.1 Die Globale Strategie

5 Die Liste des gefährdeten Erbes der Welt

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Hinführung zum Thema

„Since wars begin in the minds of men, it is in the minds of men that the defenses of peace must be constructed.“

Der erste Satz der UNESCO Verfassung, der auch zu ihrem Leitspruch wurde, widerspiegelt die Erfahrung, die die Gründungsstaaten der UNESCO aus dem Schrecken des zweiten Weltkrieges zogen. Der Boden, auf dem Frieden erwächst, besteht nicht aus wirtschaftlichen und politischen Vereinbarungen zwischen den einzelnen Regierungen, sondern der Gedanke von Frieden muss in den Köpfen der Menschen, „in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden“ (Kulturweit o.J.). Wenn dies gelingt, ist die Voraussetzung erfüllt, um einen friedlichen und nachhaltigen Lebensraum für die Menschheit zu schaffen. Damit dieses Ziel erreicht und weltweiten Frieden ermöglichen wird, hat sich die „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“ (kurz: UNESCO), als eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen am 16. November 1945 in London gegründet (Tauschek 2013). Laut Tauschek (2013) führte die Erkenntnis, dass Kultur- und Naturgüter nicht mehr nur durch traditionelle Ursachen wie z.B. kriegerischen Auseinandersetzungen gefährdet seien, sondern auch durch die rasante Veränderung von sozio-ökonomischen Lebensbedingungen dazu, dass die UNESCO als Reaktion das Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (oder auch kurz: Welterbekonvention) 1972 verabschiedete.

Gelobt wird das Konzept der UNESCO von der DUK (2009) als „das international bedeutendste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde“. Auch der universelle Begriff und der Gemeinschaftsgedanke wird gerne gesehen, aber welche Auswirkungen bringt eine Aufnahme in die Welterbeliste wirklich mit sich? In dieser Arbeit soll eingangs das Konzept der Welterbekonvention näher beleuchtet werden, um anschließend auf die möglichen positiven, wie auch negativen Folgen einzugehen. Einen Schwerpunkt werde ich auf die Frage setzen, welche Auswirkungen der Welterbetitel auf den Tourismus hat. Des Weiteren werde ich am Beispiel der Buddha Statuen in Bamiyan zeigen, wie sich die globale Vernetzung durch das Welterbekonzept negativ auf ein Denkmal auswirken kann. Zum Ende dieser Hausarbeit findet eine Untersuchung über die Liste des gefährdeten Erbes der Welt statt und welche Rolle diese spielt. Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Überblick des Welterbekonzepts zu schaffen und neben der meist propagierten Erfolgsgeschichte auch die Schattenseiten zum Vorschein zu bringen.

1.2. Das Konzept der Welterbekonvention

Im Zentrum der Welterbekonvention steht die „Idee des gemeinsamen Menschheitserbes“ (Bernecker, Eschig, Klein, Viviani-Schaerer 2009) oder wie der Präambel der Welterbekonvention zu entnehmen ist, die Berücksichtigung „that parts of the cultural and natural heritage are of outstanding interest and therefore need to be preserved as part of the world heritage of mankind as a whole“ (UNESCO 2005, S.9). Dies beinhaltet, dass herausragende Kultur- und Naturstätte wie z.B. die Ruinen von Aksum, die Oper von Sydney oder die Museumsinsel Berlin nicht dem Staat gehören, in dessen Territorium sie sich befinden, sondern der gesamten Menschheit. Daraus ergibt sich die Folgerung, dass wenn eines dieser wertvollen Natur- oder Kulturgüter zerstört oder verfällt, es ein Verlust für alle Völker der Welt darstellt und laut der Konvention eine weltweite Gefahr bedeutet, die zur Verarmung an kultureller Diversität führt (Tauschek 2013). Da diese Einbuße die ganze Menschheit betrifft, muss sich auch die gesamte Weltbevölkerung gemeinsam für den Schutz und Instandhaltung des Welterbes verantwortlich fühlen.

Aus Sicht der Konvention besteht ein Kulturerbe aus einzelnen Gebäuden, mehreren Gebäudekomplexen oder aus größeren Stätten und das Naturerbe hingegen beinhaltet geologische, biologische sowie andere natürliche Formation oder auch spezifische Naturlandschaften (Tauschek 2013). Mit der Unterzeichnung der Konvention verpflichten sich die Vertragspartner, die sich innerhalb ihrer Landesgrenze gelegenen Kultur- und Naturdenkmäler zu schützen und für die folgenden Generationen zu erhalten (Isar 2011). Wesentlich zur Verwirklichung der Welterbekonvention beigetragen, hat das 1992 von der UNESCO gegründete Welterbezentrum in Paris, das auch das ständige Sekretariat des Welterbekomitees ist (Schlünkes 2009). Durch das Welterbeprogramm entsteht ein Kooperationsprogramm zwischen Staaten aus aller Welt, die über jegliche Kulturgrenzen hinweg miteinander arbeiten. Es wird ein Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen geschaffen und ein Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt der Welt hergestellt (DUK 2009).

Das Augenmerk wird neben der Förderung von Frieden und der kulturellen Diversität auf den Schutz der Denkmäler auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene gelegt, wobei sich laut Tauschek (2013) im Laufe der Zeit die Gründe hierfür veränderten. Zu Beginn erhielten globale Denkmalschutzmaßnahmen ihren Antrieb und ihre Legitimation durch kriegerische Auseinandersetzungen. Diese Motivation wurde jedoch zunehmend durch die Faktoren Umwelteinflüsse, Globalisierung und ökonomische sowie sozio-politische Transformationen als zerstörerische Gewalten ersetzt (vgl. Tauschek 2013, S. 96). Aktuell umfasst die Welterbeliste 1007 Denkmäler (779 Kultur-, 197 Naturdenkmäler und 31, die sowohl dem Kultur-, wie auch dem Naturerben angehören) in 161 Ländern (UNESCO 2014). Zu den Kulturdenkmälern, die derzeit verzeichnet sind gehören unter anderem Städteensembles, Industriedenkmäler, Monumente der Technikgeschichte, Baudenkmäler und wichtige Gedenkstätten (vgl. Schlünkes 2009).

1.3. Das Aufnahmeverfahren der Welterbeliste

Die Entscheidung, welche Kultur- oder Naturstätte der Welterbeliste neu hinzugefügt werden sollen, trifft jährlich das von der UNESCO eingerichtete zwischenstaatliche Welterbekomitee (Schlünkes 2009, S.16). Dieses wird von der Generalversammlung gewählt und setzt sich zusammen aus 21 Vertretern. Der erste Schritt zur Aufnahme in die Welterbeliste ist das Einreichen sogenannter tentative lists (Vorschlagslisten). Dieser Vorgang erfolgt durch die einzelnen Mitgliedsstaaten, die auch für die Erfassung und Bestimmung der zur Aufnahme geeigneten Kultur- und Naturgüter in den eigenen Landesgrenzen zuständig sind. Nach Einreichung der Anträge führen Experten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS) und der Weltnaturschutzunion (IUCN) eine Evaluierung durch, die als Basis für die Entscheidungsfindung gilt (Schlünkes 2009). Das Welterbekomitee überprüft auf Grundlage dieser, ob die vorgeschlagenen Stätte, die von der Welterbekonvention festgelegten Kriterien erfüllen (vgl. UNESCO). Laut Bendix (2009) treffen im Rahmen der Sitzungen des Komitees sehr unterschiedliche Akteure aufeinander, die weder über eine gemeinsame Sprache verfügen, noch den selben kulturellen Hintergrund besitzen. Mithilfe einer Ethnographie dieser Sitzungen, kann aufgezeigt werden, dass hinter dem Aus- und Verhandeln des Kulturerbes häufig verschleierte politische Prozesse zu finden sind (vgl. Schmitt 2009). Als Ergebnis des Prozesses erhoffen sich die Akteure meist nicht das Produkt eines durchdachten und in sich schlüssigen Programms zum Wohle der Menschheit, sondern vielmehr „die Manifestation nationalstaatlicher Interessen in einer internationalen Arena“ (Tauschek 2013, S. 102).

1.4. Die Aufnahmekriterien für die Stätte des Weltkulturerbes

Um seine Kultur- und Naturstätte mit dem restlichen Welterbe in eine Reihe stellen zu können, müssen die in der Konvention festgelegten Kriterien erfüllt werden. Der verlangte „außergewöhnliche universelle Wert“ (Tauschek 2013, S.105) ist dabei das maßgebliche Auswahlkriterium, dass das Gut nachweisen muss. Dieser wird erfüllt, wenn die Welterbestätten, laut einem Auszug der Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt, den insgesamt zehn Kriterien entsprechen. Wesentlich sind dabei die übergreifenden Eigenschaften der Einzigartigkeit, der Integrität (Unversehrtheit) und der Authentizität, also die historische Echtheit der Stätte (vgl. UNESCO o.J.).

„Angemeldete Güter sollten daher:

(i) ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft darstellen;
(ii) für einen Zeitraum oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen;
(iii) ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur darstellen;
(iv) ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Geschichte der Menschheit versinnbildlichen;
(v) ein hervorragendes Beispiel einer überlieferten menschlichen Siedlungsform, Boden- oder Meeresnutzung darstellen, die für eine oder mehrere bestimmte Kulturen typisch ist, oder der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt, insbesondere, wenn diese unter dem Druck unaufhaltsamen Wandels vom Untergang bedroht wird;
(vi) in unmittelbarer oder erkennbarer Weise mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft sein. (Das Komitee ist der Ansicht, dass dieses Kriterium in der Regel nur in Verbindung mit anderen Kriterien angewandt werden sollte);
(vii) überragenden Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung aufweisen;
(viii) außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte darstellen, einschließlich der Entwicklung des Lebens, wesentlicher im Gang befindlicher geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen oder wesentlicher geomorphologischer oder physiographischer Merkmale;
(ix) außergewöhnliche Beispiele bedeutender im Gang befindlicher ökologischer und biologischer Prozesse in der Evolution und Entwicklung von Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeres-Ökosystemen sowie Pflanzen- und Tiergesellschaften darstellen;
(x) die für die In-situ-Erhaltung der biologischen Vielfalt bedeutendsten und typischsten Lebensräume enthalten, einschließlich solcher, die bedrohte Arten enthalten, welche aus wissenschaftlichen Gründen oder ihrer Erhaltung wegen von außergewöhnlichem universellem Wert sind.“ (DUK).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
UNESCO Weltkulturerbe. Welche Auswirkungen bringt eine Ernennung zum Kulturerbe mit sich?
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V427371
ISBN (eBook)
9783668713871
ISBN (Buch)
9783668713888
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unesco, weltkulturerbe, welche, auswirkungen, ernennung, kulturerbe
Arbeit zitieren
Kristin Jost (Autor), 2014, UNESCO Weltkulturerbe. Welche Auswirkungen bringt eine Ernennung zum Kulturerbe mit sich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427371

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