Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland. Sind wir heute eigentlich noch schuld?


Essay, 2016
3 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

70 Jahre fern und doch so nah

Holocaust- Sind wir heute eigentlich noch schuld?

von Annika Königs

Sind wir heute noch am Holocaust schuld? Diese Frage klingt im ersten Moment sehr vorwurfsvoll gegenüber denen, welche erst lange nach der Zeit des Holocaust geboren sind. Wieso sollte ich, wo ich erst 1996 geboren bin, am Holocaust schuld sein? Das wäre schon äußerst dramatisch. Klar, diejenigen, die 1938 geboren sind, beispielsweise mein Großvater, welcher heute noch lebt, war damals noch ein Kind, der selbst unter den Folgen des Krieges zu leiden hatte. So wird es vielen, welche zur Zeit des Holocaust geboren sind, und heute noch leben, ähnlich gehen. Sie waren zu jung, um eine Mitschuld tragen zu können. Sie konnten das nicht verstehen, was da vor sich ging. Die meisten Eltern haben ihren Kindern auch nicht alles erzählt, um sie zu schützen. Dennoch lässt sich sagen, dass die Frage, ob wir uns heutzutage noch verantwortlich für den Holocaust fühlen, eigentlich berechtigt und nachvollziehbar ist. Das Thema ist dafür heute einfach noch viel zu aktuell, um es aus den Augen zu verlieren und es ruhen zu lassen. Egal ob die Schülerinnen und Schüler den Holocaust in der Schule in fast jeder Klassenstufe durchnehmen, oder ob mindestens alle 14 Tage ein Spielfilm über dieses Thema im Fernsehprogramm zu finden ist, die Geschichte des Holocaust schläft nie. Und das sollte sie auch keineswegs. Der Holocaust ist viel zu prägnant in unserer Zeitgeschichte, um ihn vergessen zu können. Daher weiß auch jeder, was es mit dem Holocaust auf sich hat. Sollte jedenfalls so sein. Trotzdem möchte ich einen Überblick über die Zeit des Holocaust schaffen, um dann weiter in die Beantwortung der Frage einzusteigen. Der Holocaust begann am 31.1.1933 mit Hitlers Machtergreifung, der dann mit den Nürnberger Gesetzen (1934) seine Vertiefung fand. Schon 1933 entstand das erste Konzentrationslager in Dachau. Neben Juden wurden auch Sinti und Roma, Homosexuelle und politische Gegner inhaftiert. Dort erfuhren sie eine abscheuliche unmenschliche Behandlung, unterstützt durch Massenmorde jeglicher Art. Laut einer amerikanischen Studie von 2013, soll es insgesamt 42.500 Konzentrationslager, während des Holocaust gegeben haben, was eine äußerst erschreckende unbegreifliche Anzahl wiederspiegelt. Das schlimmste Konzentrationslager war Auschwitz, welches nicht unbegründet als Synonym des Holocaust verwendet wird. Es war eine für uns heute absolut nicht mehr vorstellbare grausame Zeit. Unschuldige starben, wurden gefoltert und auch psychisch bis ans Limit getrieben. Abgesehen von den Konzentrationslagern, wurden die Juden auch in ihrem normalen Alltagsleben schikaniert und terrorisiert. Sie wurden vollständig aus der Gesellschaft ausgegrenzt und verwiesen. Sie mussten ihre Berufe niederlegen und in ihrer eigenen zerstörten Welt leben. Sie hatten keinerlei Rechte mehr und mussten sich zu viel Leid gefallen lassen. Am 9. November 1938 dann ein offizieller gewaltsamer Eingriff, die Reichspogromnacht . Nach dieser Nacht flohen noch einige Juden aus Deutschland, die die Gefahr vorher noch nicht vollständig erkannt hatten. In der gesamten Zeit von 1933- 1945 mussten in etwa 6 Millionen Juden ihr Leben hinter sich lassen. Basierend auf diesen verheerenden und gleichzeitig prägenden Fakten, denke ich lässt sich die Frage leichter beantworten. Aufgrund dessen, dass der Holocaust von deutschem Boden ausging, kann man sagen, dass wir, diejenigen, welche heute noch auf diesem Boden leben dürfen, schon eine gewisse Verantwortung dem Holocaust entgegenbringen sollten. Zwar würde ich nicht unbedingt sagen, dass wir schuld sind, sondern uns eher schuldig fühlen sollten, für das was unsere Vorfahren den zahlreichen Unschuldigen angetan haben. An dieser Stelle möchte ich von Halina Birkenbaum zitieren, welche als eine der wenigen Auschwitz- Überlebenden gilt. Sie sagte: „ Ein Sohn kann nicht schuldig sein, wenn der Vater ein Mörder ist. Aber auf ihm klebt ein Fleck. Ein junger Deutscher hat eine Verantwortung, nie so zu sein, wie die Verbrecher damals. Als Sohn eines Mörders muss er noch mehr als alle anderen tun, damit er zeigen kann, dass er ein ehrlicher Mensch ist, dass er nie jemanden verfolgen, nie jemanden umbringen wird. Wer stolz auf Goethe, Schiller oder Beethoven ist, muss auch Schande empfinden für Hitler.“ Diesen Worten kann ich mich persönlich eigentlich nur anschließen. Sie hat mit ihrer Formulierung es genau auf den Punkt gebracht und lässt uns so an ihren Gedanken teilhaben. Halina Birkenbaum hat durchaus Recht, wenn sie sagt, dass wir Nachfahren eine Schande für Hitler empfinden sollen. Wer Taten von Hitler verehrt sollte sich meiner Meinung nach mehr als nur schuldig fühlen. Wir Deutschen haben, wie Halina Birkenbaum schon sagt, eine noch größere Verantwortung dafür, dass wir niemals so einen Fehler begehen, wie unsere Vorfahren. Daher ist es äußerst wichtig, dass jeder ausführlich über das Thema Holocaust informiert ist, und uns dementsprechend für das, was unsere Vorfahren sich geleistet haben eine tiefe Scham empfinden. Diese Scham soll uns gleichzeitig vor einer sogenannten Wiederholungstat beschützen. Also kann man sagen, dass wir uns nicht mehr, für das was geschehen ist, schuldig fühlen müssen oder eine Schuld mittragen, sondern eher dass wir uns schuldig fühlen müssen, wenn wir das Vergangene nicht als Ernst erachten und es auf die leichte Schulter nehmen. Insbesondere in der letzten Zeit, hat es sich in unserer Gesellschafft leider gezeigt, dass viele anscheinend die Vergangenheit aus den Augen verloren haben und sie nicht ernst nehmen. Sowas führt dann zu Fremdenfeindlichkeit, welche in diesem Fall Aktuell den Flüchtlingen gilt. Wieder wird Unschuldigen Leid zugefügt. Das Vorgehen trifft bei mir vollkommen auf Unverständnis. Sie haben in ihrem Heimatland schon genug Leid erfahren, da muss man sie doch nicht noch hier in Deutschland angreifen und zu Nichte machen. Wozu soll das noch führen? Aber die Initiative geht von genau solchen Parteien aus, diese der damaligen NSDAP gleich zu setzen sind. Daran merkt man doch wieder, dass Aufklärung über die Vergangenheit mehr als wichtig erachtet werden muss. Die Eltern haben gegenüber ihren Kindern eine gewisse Verantwortung, dass sie nicht nur aus Schutz Stillschweigen bewahren, sondern sie über jede Einzelheit aufklären, wenn das nicht schon in der Schule der Fall war. Die Zeit des Holocaust verfolgt uns bis heute, also sollten wir alle dafür sorgen, dass keiner mehr Ungewissheit dem Thema gegenüber bringen kann. Das ist in der Vergangenheit schon zu oft passiert. Jeder sollte wissen, welche verheerenden Folgen ein solches Vorgehen, wie zum Beispiel dieses der AfD nach sich ziehen kann. Sie sollen sich nicht aufgrund von Unwissen solchen Parteien anschließen. Klar spielt da auch der Faktor Angst vor dem selbst ausgestoßen werden eine Rolle, aber auch das war durchaus schon in der Vergangenheit der Fall. Wer sich heutzutage solchen Parteien anschließt, sollte sich meiner Meinung nach auch für die damaligen Verhältnisse verantwortlich fühlen, weil genau wegen solchen Menschen wurden auch die Juden unschuldig verurteilt. Das der AfD Politiker Björn Höcke als Geschichtslehrer, trotzdem solche Ziele verfolgt ist für mich unbegreiflich und für unsere Gesellschaft fatal. Umso mehr steht es in unserer Pflicht, die Vergangenheit nicht ruhen zu lassen, sondern sie umso mehr zu hinterfragen und sie in die heutige Zeit einzugliedern. Abschließend kann ich zu der gestellten Frage, ob wir heutzutage noch schuld am Holocaust sind, nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten kann, weil es darauf ankommt um welche Menschen es sich handelt und aus welcher Perspektive man die Frage betrachtet. Letztendlich sollte jeder für sich selbst wissen, ob er sich die Schuld aufbürgen möchte oder nicht. Da haben wir eigentlich nicht das Recht dazu darüber zu urteilen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland. Sind wir heute eigentlich noch schuld?
Veranstaltung
LK Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
3
Katalognummer
V428681
ISBN (eBook)
9783668889101
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufarbeitung, holocaust, deutschland, sind
Arbeit zitieren
Annika Königs (Autor), 2016, Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland. Sind wir heute eigentlich noch schuld?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428681

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland. Sind wir heute eigentlich noch schuld?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden