Die Politik Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürsts als Statthalter im Reichsland Elsass-Lothringen


Ausarbeitung, 2017
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Quellenkritische Einführung

3. Biographische Eckdaten

4. Der Statthalter für das Reichsland Elsass-Lothringen

5. Schlussbemerkung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst wurde 1885 zum Statthalter im Reichs- land Elsass-Lothringen berufen. Das Elsass und Teile Lothringens wurden 1871 an das Deutsche Kaiserreich annektiert und durch ein Gesetz zum Reichsland Elsass- Lothringen. Das Reichsland stand bis 1879 unter der Leitung sowie Verwaltung des Bundesrates und des Deutschen Kaisers in Berlin. Danach oblag dies der Verantwor- tung eines Vertreters des deutschen Potentaten in Form einer Statthalterschaft. Insge- samt wird die Politik des Deutschen Kaiserreiches bezüglich des annektierten Gebietes oftmals als Schaukelpolitik zwischen Härte und weichem Ausgleich beschrieben.1

In diesem Zusammenhang soll herausgearbeitet werden, welche Politik Hohenlohe- Schillingsfürst während seiner Tätigkeit als Statthalter im Reichland verfolgte. Hierbei sollen zur Verortung in dem Gesamtkontext biographische Eckdaten skizziert werden. Dabei wird unter anderem das biographische Werk von dem Historiker Volker Stal- mann genutzt. Im Anschluss wird die von Hohenlohe-Schillingsfürst verfolgte Politikli- nie während der Zeit seiner Statthalterschaft im Reichsland anhand einiger signifikanter Geschehnisse näher ausgeführt. Aufgrund des begrenzten Rahmens wird keine ausführ- liche Interpretation der Quelle geboten werden und somit wird sich lediglich auf einzel- ne Quellenabschnitte konzentriert.

2. Quellenkritische Einführung

Als Quelle dienen die beiden Bände ‚Denkwürdigkeiten des Fürsten Chlodwig zu Ho- henlohe-Schillingsfürst‘, die posthum im Auftrag seines Sohnes Alexander zu Hohenlo- he-Schillingsfürst von Friedrich Curtius 1907 herausgegeben wurden. Darin enthalten ist das von dem Fürsten selbstverfassten Journal sowie Abschriften von Berichten und Briefe, welche der Fürst zurückgelegt hatte. Von dem Herausgeber wurden nicht mehr als Notizen hinzugefügt, die dem allgemeinen Verständnis dienlich sein sollen.2

Man muss bei dieser Quelle beachten, dass es sich um ein Selbstzeugnis handelt und bei der Bearbeitung der Quelle die Motive und der Hintergrund der Person berücksichtigt werden müssen. Es ist wichtig den Subjektivismus des Verfassers und Herausgebers im analytischen Hintergrund zu haben. Da Hohenlohe-Schillingsfürst die Veröffentlichung beabsichtig hatte und nach seinem Tod, durch Sichtung von seinem Sohn und dem He-

rausgeber, veröffentlicht wurde, besteht die Gefahr der Verfälschung durch die jeweili-

ge Bearbeitung. Diese Quelle ist meiner Meinung nach trotzdem relativ authentisch, da dort versucht wird, ein ganzheitliches Bild des Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst zu zeichnen und hierbei sogar Konversationen mit zu dem Zeitpunkt noch lebenden sowie amtierenden Persönlichkeiten veröffentlicht wurden und bewegt sich damit in dem Be- reich der subjektiven bzw. existenziellen Wahrheit. Außerdem zeigt ein solches Doku- ment meist die tatsächlichen Beweggründe für Entscheidungen als Akten an. Trotzdem ist es relevant zu berücksichtigen, dass sich in Selbstzeugnissen, die Personen oft anders darstellen als ihre Umwelt sie wahrnimmt oder die Akten es darstellen.3

2. Biographische Eckdaten

Der Jurist, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, wurde am 31. März 1819 in Rotenburg an der Fulda geboren und starb am 06. Juli 1901 in Bad Ragaz. Seine Eltern waren Prinzessin Constanze zu Hohenlohe-Langenburg und Franz Joseph zu Hohenlo- he-Schillingsfürst. Der süddeutsche Aristokrat heiratete 1847 Prinzessin Marie zu Sayn- Wittgenstein-Berleburg und hatte 2 Töchter und 3 Söhne, einer von ihnen war Alexan- der von Hohenlohe-Schillingsfürst.4 Seine Familie, die eine bedeutungsvolle ökonomi- sche Stellung einnahm, hatte innerhalb des Deutschen Bundes, im Kaiserreich und in der Habsburgermonarchie sowie im befreundeten Ausland großen Einfluss und war mit einigen mächtigen deutschen Fürstenhäusern sowie der deutschen Kaiserin verwandt.5 Seine konfessionsoffene Erziehung legte wahrscheinlich den Grundstein für seine poli- tische Aufgeschlossenheit und Liberalität. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass sich Hohenlohe-Schillingsfürst mit einer politisch nationalliberalen Einstellung, im Ge- gensatz zu anderen süddeutschen politischen Sprechern, für eine Einigung mit dem Norddeutschen Bund und damit stark für die Reichsgründung einsetzte.6

Seine politische Laufbahn begann er als Gesandter 1848 in Athen und setzte diese Tä- tigkeit ab 1849 in London fort. 1866 wurde er als bayrischer Ministerpräsident und Mi- nister des Auswärtigen berufen. Darauf war er von 1871 bis 1877 Reichstagsabgeordne- ter der Liberalen Reichspartei (LRP) und später der Deutschen Reichspartei (DRP).7 Von 1874 war Hohenlohe-Schillingfürst deutscher Botschafter in Paris bis er 1885 Stat- thalter im Reichsland Elsass-Lothringen wurde. In beiden Stellungen versuchte er sich in der Position eines Vermittlers hinsichtlich der Verbesserung der Beziehung zwischen Frankreich und dem Deutschen Kaiserreich. Am 29. Oktober 1894 wurde er von Kaiser Wilhelm II. zum Reichskanzler und preußischem Ministerpräsidenten ernannt.8

„Der mit ihm verwandte Kaiser nannte ihn auch ‚Onkel Chlodwig‘, was rasch in die Öffentlichkeit drang und von da an zu seinem Beinamen wurde, ein Beiname, der den ersten Eindruck eines netten, alten Mannes vermittelte, den man nicht sonderlich ernst zu nehmen brauchte.“9 Neben der Hervorhebung seiner negativen Aspekte als Politiker, wie beispielsweise seine mangelnde Eloquenz, Führungsschwäche sowie geringem Durchsetzungsvermögen, wurde er ebenso durch die positiven Faktoren wie diplomati- schen Fähigkeit, zurückhaltender Charakter und taktischer Finesse charakterisiert.10

3. Der Statthalter für das Reichsland Elsass-Lothringen

Fraglich ist, ob die eben genannten Aspekte auch auf seine Statthalterschaft ebenso zu Tage traten oder ob er vielmehr ein Sinnbild der Schaukelpolitik Berlins hinsichtlich des Reichslandes war. Die von ihm verfolgte Politik und die in dem Zusammenhang signifikanten Geschehnisse im Reichsland während seiner Statthalterschaft sollen nachfolgend ausgeführt werden.

Als Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst im November 1885 in das Statthalter- palais in Straßburg einzog und seine Arbeit als Statthalter des Reichslandes begann, nahm er dort einen politisch sehr einflussreichen Posten ein. „Das Statthalteramt war nicht nur der best bezahlte Beamtenposten im Deutschen Kaiserreich, sondern auch ein quasi-herrschaftliches Amt […].“11 Der Statthalterposten wurde nicht in der Position als Verwaltungsbeamter definiert, sondern vielmehr als kaiserlicher Stellvertreter. Aller- dings konnte man in dieser Position politisch nicht gegen die Regierung in Berlin han- deln. Dieser Zustand ist der Situation geschuldet, dass die politische Basis des Statthal- ters allein dem Kaiser und seinen Ratgebern oblag. Im Prinzip vermochte Hohenlohe- Schillingsfürst kaum etwas gegen das Ansinnen Berlins und dessen Schaukelpolitik ausrichten.12

„Hohenlohe stand von Beginn an im Schatten seines überaus angesehenen Vorgängers Manteuffel, der die Rolle des kommandierenden Generals und des zivilen Statthalters in Personalunion vereint hatte.“13 Das Vertrauen der Bewohner des Reichslandes zu ge- winnen gelang Manteuffel als erstem Statthalter wesentlich besser als seinen Nachfol- gern.14 Hohenlohe-Schillingsfürst bemühte sich die Sicherheitsinteressen Berlins zu vertreten, aber auch das Reichsland vor einer harten Integrationspolitik zu bewahren und dabei die Spannungen zwischen den Einwohnern des Reichslandes und dem Deut- schen Kaiserreich abzubauen, wie z.B. für das Streben der Annektierten nach Gleichbe- rechtigung einen Weg zu finden. Der Wahlerfolg der Gemeinderatswahlen von 1886 bestätigte die Versöhnungspolitik, da überwiegend regierungsfreundliche Abgeordnete gewählt wurden. Diese Euphorie hielt allerdings nicht lange an. Der deutliche Erfolg der politischen Opposition in den Reichstagswahlen 1887 zeigte klar, dass die anfängliche sanfte Ausgleichspolitik angeblich nicht fruchtete.15 Das Wahlergebnis mag an der all- gemeinen politischen Stimmung gelegen haben, die einen erneuten Krieg zwischen Frankreich und Deutschland befürchtete. Desweiteren könnte man als Grund sehen, dass sich weiterhin zahlreiche Bewohner des Reichslandes mit Frankreich verbunden fühlten. Außerdem mag es, laut Hohenlohe-Schillingfürst, ebenso an den Berliner Eigenmäch- tigkeiten wie die Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern der reichsländischen Protestpar- tei die „Patriotenliga“ gelegen haben.16

[...]


1 Vgl. hierzu bereits: Vogler, Bernard: Die Geschichte des Elsass, Stuttgart 2012, S. 158-163.

2 Vgl. hierzu bereits: Hohenlohe-Schillingsfürst, Fürst Chlodwig zu: Denkwürdigkeiten (Bd. 1), Stuttgart u. Leipzig 1907, S. V-VII.

3 Vgl. hierzu bereits: Henning, Eckart: Selbstzeugnisse, in: Beck, Friedrich/Henning, Eckart (Hgg.): Die archivalischen Quellen. Mi einer Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, Wien u.a. 52012, S. 140-142; Fuchs-Heinritz, Werner: Biographische Forschung. Eine Einführung in Praxis und Methoden, Berlin 32005, S.147- 151.

4 Vgl.: Hohenlohe-Schillingsfürst: Denkwürdigkeiten (Bd. 1), S. 1-3, 36; Richter, Günter: HohenloheSchillingsfürst, Fürst zu, in: Historische Kommission bei der bayrischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Berlin 1972, S. 487.

5 Vgl. hierzu bereits: Stalmann: Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingfürst 1819-1901. Ein deutscher Reichskanzler, Paderborn 2009, S. 15-16; Neitzel, Sönke: Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1819-1901), in: Fröhlich, Michael (Hg.): Das Kaiserreich. Portrait einer Epoche in Biographien, Dar- mstadt 2001, S. 78-79.

6 Vgl. hierzu bereits: Neitzel: Chlodwig, S. 79.

7 Vgl. hierzu bereits: Richter: Hohenlohe-Schillingsfürst, S. 488; Stalmann: Fürst, S. 35; Neitzel: Chlod- wig, S.79.

8 Vgl. hierzu bereits: Hohenlohe Schillingfürst, in: Herzfeld, Prof. Dr. Hans (Hg.): Geschichte in Gestalten F-K (Bd. 2), Frankfurt am Main 1981, S.214-215; Neitzel: Chlodwig, S. 80-82.

9 Stalmann: Fürst, S. 11.

10 Vgl. hierzu bereits: Ebd., S. 19-21.

11 Ebd., S. 20.

12 Vgl. hierzu bereits: Fisch, Stefan: Das Elsass im deutschen Kaiserreich (1870/71-1918), in: Erbe, Michael (Hg.): Das Elsass. Historische Landschaft im Wandel der Zeiten, Stuttgart 2002, S. 129, Wehler, Hans-Ulrich: Krisenherde des Kaiserreichs 1871-1918. Studien zur deutschen Sozial- und Verfassungsgeschichte, Göttingen 21979, S. 36-39.

13 Neitzel: Chlodwig, S.81.

14 Wehler: Krisenherde, S. 39.

15 Vgl. hierzu bereits: Stalman: Fürst, S.171-176; Hiery, Hermann: Reichstagswahlen im Reichsland. Ein Beitrag zur Landesgeschichte von Elsaß-Lothringen und zur Wahlgeschichte des Deutschen Reiches 1871-1918, Düsseldorf 1986, S.241-242.

16 Vgl.: Hohenlohe-Schillingfürst: Denkwürdigkeiten (Bd. 2), S.407-413; hierzu bereits auch: Hiery: Reichstagswahlen, S.220-222.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Politik Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürsts als Statthalter im Reichsland Elsass-Lothringen
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V429868
ISBN (eBook)
9783668752177
ISBN (Buch)
9783668752184
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politik, chlodwig, hohenlohe-schillingsfürsts, statthalter, reichsland, elsass-lothringen
Arbeit zitieren
Alica Saathoff (Autor), 2017, Die Politik Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürsts als Statthalter im Reichsland Elsass-Lothringen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429868

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Politik Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürsts als Statthalter im Reichsland Elsass-Lothringen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden