Pusztasziszkó. Gräber der Bronzezeit in Österreich und Ungarn


Referat (Ausarbeitung), 2004
70 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

I. EINFÜHRUNG

II. DAS FUNDMATERIAL
II.1. Der Bestattungsritus
II. 2. Die Gräbergruppen
II. 3. Die Beigaben: Typologie / Tabelle

III. DIE UMGEBENDEN KULTUREN
III. 1. Die Füzesabony Kultur
III. 2. Die Hatvan Kultur

IV. DIE CHRONOLOGISCHE STELLUNG DES GRÄBERFELDES

SCHLUSSFOLGERUNG

BIBLIOGRAPHIE

ANHANG

Fundort Pusztaszikszó in der Umgebung der Gemeinde Füzesabony nordwestlich von der Gemeinde Füzesabony.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. EINFÜHRUNG

Mein Referat ist grundsätzlich auf dem Aufsatz von F. Kőszegi (s. Bibliographie) aufgebaut. Es ist die einzige Arbeit über das Gräberfeld von Pusztaszikszó. Einige Gräberzeichnungen und die abgebildeten Beigaben aus diesem Aufsatz habe ich für meine Bearbeitung des Themas verwendet.

Obwohl die Funde und Befunde nicht sehr umfangreich sind, soll versucht werden, das spärliche Material aus den Gräbern von Pusztasziszkó aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um für die hier repräsentierte kleine Gesellschaft, durch eine soziale Struktur-Analyse mehr Informationen für die mittlere Bronzezeit zu gewinnen. Wichtig wäre auch festzustellen, ob und im welchen Umfang Handelsbeziehungen der Pusztaszikszó-Gesellschaft zu den benachbarten Kulturen, wie Füzesabony, Hatvan oder Ottomány funktionierten. Welche Handlungsmöglichkeiten gab es für die Menschen in der Region?

„Die Sozialstruktur (…) ist nichts anderes als die vorauszusetzende, im Geschichts- und Zivilisationsprozeß herausgebildete und sich im sozialen und kulturellen Wandel verändernde Gegebenheit menschlicher Handlungsbedingungen.“ (Reinhold 1992, 559).

Die Fragestellung

Die teleologische Fragestellung aus dem Bereich der sozialen Struktur könnte übertrieben klingen - Eine soziologische Studie in diesem Umfang wird hier jedoch nicht beabsichtigt.

Gewichtige Antworte aber sind nur möglich, wenn wir auf das ausgegrabene archäologische Material Rücksicht nehmen.

Man kann sich fragen wie die Bevölkerungsstruktur (Männer, Frauen, Kinder) zu beurteilen wäre; wie sah die Familienbildung (Conubium) aus; wie war die Relation zwischen den Generationen?

Wie schätzt man das ökonomische System in der gegebenen Umwelt? Welche Tätigkeiten wurden ausgeübt und welche Formen der Produktion, wichtig für die Entwicklung der Gesellschaft, werden nachweisbar?

Wie waren die Machtverhältnisse innerhalb dieser Gesellschaft und damit verbunden mit der Verteilung der wichtigen Ressourcen und die Entstehung einer sozialen Ungleichheit: - Vorherrschende Familien- und Verwandtschaftsstrukturen

Wie war die Gesellschaftsstruktur? Mit welchem Gesellschaftstyp haben wir es zu tun?

In der sozialen Struktur wurden theoretische Versuche unternommen, eine Typisierung von Gesellschaften, begrifflich zu definieren: z. B. A. Comte spricht von eine statischen oder dynamischen Gesellschaft; H. Spencer über eine militärische/industrielle Gesellschaft; James S. Coleman von einer asymmetrischen Gesellschaft oder von einer Gesellschaft auf der Basis von organischer oder mechanischer Solidarität bei E. Durkheim (Reinhold 1992, 559f.).

Fundorte Pusztaszikszó und Füzesabony im Karpazenbecken

Kőszegi hat keine Karte für die Lokalisierung von Pusztaszikszó angebracht. Die Suche nach dem Ort war durch die Tatsache erschwert, dass der Ort bei den anderen Autoren, z. B. István Bóna (Die mittl. Bronzezeit Ungarns, 144, 149) als Szikszópuszta angegeben wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Plan Gräberfeld in Pusztaszikszó. Auf einer kleinen Erhebung, einem Hügel, wo eine Schottergrube erschlossen worden war, waren menschliche Knochen und bronzezeitliche Funde entdeckt worden. Hier sind in den Jahren von 1957 bis 1959 Bergungsgrabungen ausgeführt wurden. Während der drei Jahre Fundbergung wurden etwa dreißig Gräber freigelegt. Einige Gräber waren schon im Laufe des Schotterabbaues zerstört worden.

GRÄBERFELD VON PUSZTASZIKSZÓ

unten: differenziert nach Linker- und Rechterhocker

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arbeitsmethode. Keine spektakulären Funde: Keine Waffen, keine Werkzeuge, kein Schmuck, meistens nur eine Tasse, eine Kanne und ein Schüssel. Eine Ausnahme bilden die Gräber Nr. 10 mit vier bronzenen Nadeln und die Gräber 7, 12, 16 und 30 mit je einer Nadel.

Es liegen keine anthropologischen Untersuchungen vor. Keine Plünderung, keine Entleerung oder ähnliches.

Aus diesen wenigen Elementen soll ein Versuch unternommen werden, die sozialen Verhältnisse dieser Gruppe zu erschließen.

Bei aufmerksamer Betrachtung der Zeichnungen gewinnt man den Eindruck, dass nicht immer die Ausrichtung der Gräber auf dem gesamten Plan des Gräberfeldes mit den einzelnen Grab-zeichnungen übereinstimmen. Um eine richtige Vorstellung der Gräberrichtungen zu gewinnen, habe ich die im Aufsatz von F. Köszegí abgebildeten Gräberzeichnungen ausgerichtet, dass der angezeichnete Pfeil immer den Norden nach, nach oben zeigt, so dass die Ausrichtung der Gräber eine deutliche Relation untereinander ausweisen könnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. DAS FUNDMATERIAL

II.1. Der Bestattungsritus

Die Bestattungsriten sind von den Veränderungen in Wirtschafts- und Sozialenleben beeinflusst. Handel und Handwerk geraten immer mehr in die Hand einige Familien oder Sippen, die aber noch keine drastischen sozialen Unterschiede, ich meine keine Absonderung einer Oberschicht, auf dem Gräberfeld anzeigen. In der Spätbronzezeit nahm die Zahl der Metallbeigaben zu.

In Pusztaszikszó sind die beiden bronzezeitlich-spezifischen Bestattungsarten vertreten: die Körper- und die Brandbestattung. Die Körperbestattung wird nach einem birituellen, geschlechtdifferen-zierten Ritus praktiziert. Die Verstorbenen wurden überwiegend in der Hockerlage bestattet, auf der linken oder rechten Seite. Die Rückenlage oder die gestreckte Rückenlage kam selten in der ungarischen Bronzezeit vor (z. B. in der frühen Hügelgräberkultur).

Mit wenigen Ausnahmen ist der alte Bestattungsritus – Männer mit dem Kopf nach Süden bzw. nach S – O, Frauen mit dem Kopf nach Norden bzw. Nach N – W, beide mit dem orientierten Gesicht, d. h. mit Blick nach Osten streng beibehalten.

Die Hockerstellung ist gemäßigt. Die Beine sind zwischen 45° bis 90° angewinkelt, mehrheitlich aber um 60°; in keinem Fall aber ganz angezogen. Deswegen haben die Gräber größere Maße: eine Länge zwischen 80 bis 200 cm. Die Arme sind in den Ellenbogen angewinkelt und meist vor das Gesicht gezogen.

Die Ausrichtung des Hockers nach W – O (Männer) bzw, O – W (Frauen) mit Blick

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nach Süden, die man auch bei anderen Gräberfeldern der Füzesabony-Kultur beobachtet, gehört zu einer früheren Phase der Kultur.

Von insgesamt ausgegrabenen 30 Gräbern sind 23 Körpergräber und 7 sind Brandgräber. Die zerstörten Gräber – auf dem Plan x1, x2, x3, x4 und x5 waren auch Körpergräber, teilte der Ausgräber mit.

30 Gräber --------------100%

23 Körpergräber------- 76,66%

7 Brandgräber-------- 23,33%

wenn auch die Gräber x1, x2, x3, x4 und x5 zu den Körpergräber gezählt werden, dann ergibt sich die folgenden Zahlen:

35 Gräber ---------------100%

28 Körpergräber---------80%

7 Brandgräber----------20%

Für 22 Gräber konnte genau die Art und Weise der Bestattung festgestellt werden, eines von den zerstörten Gräbern läßt das nicht mehr bestimmen.

Obwohl im Grab 15 nur Reste von Schädel und der Armknochen vorgefunden wurden, war es jedoch möglich zu schließen, dass mit einem rechten Hocker zu rechnen war. Im Grab 12 war das Skelett in einem zerstörten Zustand und mehr auf dem Rücken liegend, aber man konnte feststellen, dass es ursprünglich ein linker Hocker war. Eine ähnliche Situation lag im Falle des Grabes 28, wo das Skelett auf dem Rücken lag, vor. Die Gräber 7 und 26 zeigten eine stärkere Hockerlage als die anderen Skelette.

Die Handknochen waren bis vor den Gesichtsschädel angezogen.

Durch eine Orientierung nach der aufgehenden Sonne, bei den verschiedenen Jahreszeiten stattgefundenen Beisetzungen, vermutet der Autor eine Erklärung für die leichten Abweichungen der Grabachse.

Gräberausrichtung: allgemein Richtung N –W für Frauen (Linker Hocker) und S – O für Männer (Rechter Hocker) mit einigen Abweichungen (s. auch die Grafik):

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Brandgräber: a) Brandschüttungsgräber (Gefäße mit Nahrung) – sind spezifisch für die Bestattungsritus der Ottomány Kultur (I. Bóna, 120).

b) „Brandbestattung war während der frühen und der mittleren Bronzezeit im Karpatenbecken die einzige Bestattungsart einzelner Kulturen (z. B. der Hatvaner Kultur, des Volkes der inkrustierten Keramik), und von 12 Jh. v. Chr. an aller spätbronzezeitlichen Kulturen.“[1]

„Die Urnenformen der Brandgräber von Pusztaszikszó – so Kőszegi – können wir im Gräberfeld von Majcichov und in Mannersdorf, doch bereits in einem Hügelgräbermilieu verfolgen.“ (Kőszegi, 139).

Die Urnenbestattungen sind auch kennzeichnend für eine frühere Periode. Kőszegi meint, dass die Brandgräber nicht als Bestattungsritus von der Hatvan Kultur übernommen wurden, oder von Resten der Träger der Hatvaner Kultur weitergeführt wurden, sondern mit dem Angriff der Hügel-gräberkultur-Träger in Verbindung gebracht werden müßten. Ausdrücklich sagt er: „Den Brandritus hingegen, dies im Kreis der bronzezeitlichen Kulturen des Karpatenbeckens ziemlich allgemeine Bestattungsform (meine Hervorhebung), können wir als Ergebnis der im Kreis von Koszider entstandenen neuen Verbindungen auswerten.“ Gerade das Gräberfeld von Pusztaszikszó ist ein Beweis für eine frühere Verschmelzung: kleinere flüchtende Gruppen der Magyaráder Kultur, die ihr Asyl im Kreis der Füzesabonyer fanden (Kőszegi, 141).

István Bóna dagegen betrachtet die Urnengräber als Einfluß der „Grundbevölkerung“, nämlich der Hatvaner-Kultur-Träger. Form und Verzierung der Urnen haben Hatvan-Charakter – „die in ihnen bestatten Toten sind wahrscheinlich Angehörige bzw. Reste der Hatvan-Bevölkerung.“ (I. Bóna, 151)[2]

So will er eine Kontinuität in der Entwicklung der Füzesabony Kultur in der Umgebung der Hatvaner Bevölkerung beschreiben. Kőszegi sieht einen Unterschied zwischen den Hatvaner Brandgräbern, die in den Schichten der Anfangsphase der Füzesabony Kultur noch zu finden sind, und den in Pusztaszikszó entdeckten Brandgräbern. Weiter, meint Kőszegi, dass die Hatvaner Population durch die Verschmelzung mit den Füzesabony-Kultur-Menschen ihren Brandbestat-tungsritus ganz aufgegeben hatten und an die neue Körperbestattung angepaßt haben. Den „neuen“ Brandbestattungsritus betrachtet Kőszegi als ein historisches Ereignis in einer Durchbruchphase und vielleicht gebunden an Einflüsse aus den benachbarten Kulturen.

Was bedeutet es, daß in Pusztaszikszó nur ein Kindergrab gefunden wurde?

Tibor Kovacs spricht von einer hohen Kindersterblichkeit – besonders hoch war die Säuglings-sterblichkeit – in der Füzesabony Kulturzeit. Bei einer Gesamtzahl der Gräber sollte die prozentuale Verteilung so aussehen:

Männergräber 15 – 25 %

Frauengräber 30 – 40 %

Kindergräber 40 – 60 %

Grabformen

Die Größe des Grabes war der Größe des Toten entsprechend angepaßt. Die Grube der Körpergräber war viereckig mit leicht abgerundeten Ecken. Die Grube der Brandgräber war viel kleiner, oval oder viereckig. Die Tiefe der Gräber betrug zwischen 80 und 180 cm. Die meisten Körpergräber waren jedoch in einer Tiefe von 100 bis 150 cm zu finden. Die Gruben der Brandgräber waren weniger tief: 40 bis 90 cm, durchschnittlich eine Tiefe von 50 cm.

Gräbertiefe: Männer zw. 100 und 180 cm

Frauen zw. 80 und 160 cm

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II. 2. Die Gräbergruppen

Plan des Gräberfeldes. Das Gräberfeld war nach einem System angelegt. Die Gräber waren entweder reihenweise oder in kreisrunden, ovalen Formen angeordnet.

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F. Kőszegi beobachtete wie „die Skelett- und Brandgräber in Pusztaszikszó in unregelmäßigen Reihen einander“ abwechselten. Solche Gräbergruppen, wie in Megyaszó beobachtet wurden, konnten hier nicht abgesondert werden.“[3]

I. Bóna widerspricht: „In Megyaszó bildet eine gewisse Anzahl von Gräbern jeweils eine Gruppe. Innerhalb der Gruppen konnte eine ziemlich regelmäßige Reihenbestattung beobachtet werden (Taf. 165, 10-12). Ähnliche Beobachtungen machte Kőszegi in Füzesabony- Szikszópuszta.“ (sic!)(meine Hervorhebung)[4].

Allgemeines

Üblicherweise gehörten in der Bronzezeit zu einer Siedlung mehrere Gräberfelder, die in einer Entfernung von 500 bis 1500 m von der Siedlung angelegt worden waren.[5] In der früheren Periode der Füzesabony Kultur waren die kleinen Gruppen von 5 – 6 Gräber in einer Reihe angeordnet, während in der späteren Phase dieser Kultur die Gräbergruppen in einer ovalen Form angelegt waren. Die Bestattungen weisen keine gesonderte Stellung einer Führungsschicht auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Bild zeigt Gräber in Megyaszó als Reihenbestattung (Abb. von Gräbern in Megyaszó bei I. Bóna).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

oben: Megyaszó, Reihengräber (I. Bona)

GRÄBERGRUPPE 2

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Grab 25

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Grab 24

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Grab 29

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Grab 23 (fiktiv)

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Grab 28

GRÄBERGRUPPE 4A

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Grab 10

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Grab 14 (fiktiv)

GRÄBERGRUPPE 4C

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Grab 13

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Grab 6

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Grab 7

GRÄBERGRUPPE 4D

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Grab 17

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Grab 16

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Grab 5

II. 3. Die Beigaben: Typologie / Tabelle

Die Grabbeigaben haben uns ermöglicht, dass das Gräberfeld von Pusztaszikszkó in den Komplex der Füzesabony-Kultur einzuordnen.

Die Beigaben geben uns ein Zeichensystem zur Charakterisierung des Verstorbenen und die Beigabenkombination gibt uns Kunde über das Alter und Geschlecht.

Geben uns Art und Zahl der Beigaben tatsächlich einen Hinweis auf Lebensalter und Geschlecht der Bestatteten? Was bekamen als Beigaben in Pusztaszikszó die Männer, was bekamen die Frauen? Ein Kind können wir schon differenzieren. Es bekam nur einen kleinen Becher.

Im Allgemeinen waren die Gräber überwiegend mit 2 – 3 Gefäßen ausgestattet. Aber es gibt Gräber mit fünf Gefäßen oder nur mit einem. In einigen Gräbern waren neben den Gefäßen auch Bronzenadeln zu finden, nämlich in fünf Linkerhocker N – W ausgerichteten Gräbern, d. h. Frauengräbern. Die Bronzenadel wurde unter den Unterkiefer und zwischen die Fingerknochen gelegt, während die Gefäße besonders bei den Füssen und in der Beckenregion deponiert wurden.

Zwei Gräber, nämlich Grab 26 und 18 waren ohne Beigaben.

Die Brandgräber enthielten 2 - 3 kleinere Gefäße. Zwei Brandbestattungen waren Urnengräber bzw. Brandschüttungsgräber. Es kam jedoch vor, dass keine kalzinierten Reste von Knochen nachge-wiesen werden konnten.

Die Urnengräber erinnern an die vorangehende Hatvan Kultur oder Ottomány Kultur, aber Köszegí bestreitet eine direkte Verbindung der Füzesabony Kultur zu der Hatvan Kultur. Das Gegenteil behauptet I. Bóna[6].

Weil keine anthropologische Untersuchung vorliegt, ist es schwierig, die Beigaben mit einem bestimmten Alter des Toten in Verbindung zu bringen.

Metallfunde

Metallobjekte sind fast kaum vorhanden. Nur einige einfache Heft- und Kegelkopfnadeln/ Doppel-konische Nadeln, die in fünf Gräber (Nr. 7, 10, 12, 16 und 30), je einen Stück, enthalten sind. Nur Grab 10 allein hat vier Nadeln, zwei Kegelkopfnadeln und zwei Heftnadeln. „Da die Bronzebeigaben in allen fünf Fällen neben dem auf der linken Seite gelegenen Skelett waren, kann man annehmen, dass sie einem weiblichen Kleidungsstück angehört hatten.“[7] (Reichtum oder besondere Auszeichnung?)

Nadeln (Taf. XXIV 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7) – Der Gebrauch der Nadel mit Kegelkopf verlief nur kurzere Zeit. Der Nadeltypus der Füzesabony Kultur ist geschweift und tordiert. „Der Kopf ist in jeden Fall durchbohrt, oft mit eingeritzten Linien verziert“. „Der Nadeltypus ist auch in den frühzeitigen Gruppen der in weiterem Kreis verbreiteten Hügelgräberkultur, wenn auch in etwas veränderter Form, nicht unbekannt. Diese sind samt den Kugelkopfnadeltypen für die Lanquaid-Phase der süddeutschen Hügelgräber charakteristisch.“ (Kőszegi, 123). Die Kegelkopfnadel war in erster Linie in der entwickelten Phase der Füzesabony Kultur eine allgemein gebrauchte Form, obwohl sie an den anderen Fundorten fehlt. Es wäre möglich, dass sie eine Variante der Kugelkopfnadel darstellt.

Typologie der gefässe von pusztaszikszó.

I. Eine bedeutende Gruppe von Gefäßen bilden die Kannen mit bauchigem, trichterförmigem Hals und geschweiftem Henkel. Untertypen dieser Gruppe sind durch die Ornamentik zu unterscheiden. Eine charakteristische Form für die ganze Füzesabony Kultur stellten die schlankere Kanne mit geschweiftem Hals oder gedrungene, tassenförmige mit kurzem Hals dar. Wie z. B. Gefäße, die auf dem Bauch eine Spiralbuckelornamentik haben, die gewöhnlich von einer eingeritzten Linie umrahmt ist. Beigaben der Gräber 3 und 10: Taf. XV, Taf. XVII 5 und die der Gräber 7, 17 und 22: Taf. XVI 8, Taf. XXI 2, Taf. XXVI 1. Parallel herumlaufende Einritzungen sind manchmal auf dem Hals angebracht, aber auch Punktreihen-Verzierungen fehlen nicht.

F. Köszegí präsentiert besonders drei einhenkeligen Kannen als die schönsten der Füzesabony Kultur: Taf. XV 1; Taf. XVII 5; Taf. XXVI 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grab 3, a

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grab 10, a

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Grab 22, c

Diese Art von Gefäßen mit oder ohne Standring sind stark auch in der Siedlung vertreten[8] und auch in anderen Stätten der Füzesabony Kultur.

I.1 . Eine frühere Form dieser Kanne sieht tonnenförmig aus und mit einer kaum betonten Spiral-ornamentik. Sie stammt aus der Siedlung Barca, die auch zu Füzesabony Kultur gehört, aus dem Horizont II.[9]

I.2. Die entwickelten Exemplare dieser Typenserie der Kanne aus der Endphase der Kultur erschienen in den mitelbronzezeitlichen benachbarten Kulturen.

II. Eine charakteristische Kannenform des Gräberfeldes von Pusztaszikszó und gleichzeitig für die ganze Kultur ist die Kanne mit hohem Henkel, trichterförmigem Hals und gedrücktem Bauch, der wie ein Turban mit schrägen, scharfen Kannelüren bedeckt ist (Taf. XV 6; Taf. XVII 1; Taf. XXI 6).

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Grab 5, a

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Grab 9, b

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Streufund, b

Die Kannelüren am Bauch sind von parallel verlaufenden Einritzungen oder aus Punkten bestehenden Reihen begleitet (Taf. XXII 1; Taf. XVIII 7; Taf. XXVI 6). Die Dekoration am Hals besteht aus parallel ringsherumlaufenden Einritzungen (Taf. XXII 1; Taf. XXVI 6). Es kommt vor, dass bei einigen Exemplaren der Mündungsrand einen schnauzenförmigen Abguß bildet (Taf. XXII 1; Taf. XXVI 6).

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Grab 11, a

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Grab 24, c

In dieser Form und ähnlich verziert erschienen auch Tassen. Diese Form ist nicht überall anzutreffen, häufig jedoch in der Siedlung von Füzesabony selbst und in seiner Umgebung, und auch im Gebiet der Gylavarsánd-Ottomany Kultur. Sie verträt als typisch, sowohl die Kanne als auch die kleinen tassenförmigen Exemplare, die entwickelte Phase der Kultur , Zeit in der sie sehr verbreitet wurde.

[...]


[1] Tibor Kovács, Die Bronzezeit in Ungarn, 59.

[2] I. Bóna, Die Mittlere Bronzezeit Ungarns und ihre Südöstlichen Beziehungen, Budapest 1975.

[3] F. Kőszegi, Mittelbronzezeitliches Gräberfeld in Pusztaszikszó. In: Acta Archaeologica Hungaricae, Tomus XX (Budapest 1968), 101 – 141, hier 115.

[4] I. Bóna, Die Mittlere Bronzezeit., 149.

[5] Tibor Kovács, 61.

[6] István Bóna, Die Mittlere Bronzezeit Ungarns und ihre Südöstlichen Beziehungen, (Budapest 1975), 151.

[7] F. Köszegi, AAH XX, 1968, 123.

[8] I. Bóna, Bericht..., Taf. 44 14.

[9] s. Anm. 17 bei Kőszegi

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Pusztasziszkó. Gräber der Bronzezeit in Österreich und Ungarn
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Prähistorische Archäologie)
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
70
Katalognummer
V430866
ISBN (eBook)
9783668737198
Dateigröße
6280 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pusztasziszkó, gräber, bronzezeit, österreich, ungarn
Arbeit zitieren
Magister Artium Jon Mincu (Autor), 2004, Pusztasziszkó. Gräber der Bronzezeit in Österreich und Ungarn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430866

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