Bedingungsloses Grundeinkommen und die Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle


Bachelorarbeit, 2018

87 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Anmerkungen und Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung und Abstract

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Das bedingungslose Grundeinkommen
2.1.1 Ausgangssituation
2.1.2 Definition eines bedingungslosen Grundeinkommens
2.2 Die Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle
2.2.1 Bedeutung der Arbeit
2.2.2 Charakteristika guter und unangemessener Arbeit

3. Herleitung der Forschungsfrage
3.1 Forschungsstand: Auswirkungen eines BGE auf die Vorstellung des Arbeitsideals
3.2 Forschungsfrage und Hypothesen

4. Methode
4.1 Studiendesign
4.2 Stichprobe
4.3 Variablen und Skalen
4.4 Pretest
4.5 Durchführung
4.6 Statistische Auswertung

5. Ergebnisse und Diskussion
5.1 Ergebnisse
5.1.1 Verringerung der Wochenarbeitszeit
5.1.2 Zunahme der Wichtigkeit von Ressourcen
5.1.3 Abnahme der Wichtigkeit von Belastungen
5.2 Interpretation und Implikation

6. Reflexion

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhang
A. Fragebogen
B. Pretest-Ergebnis
C. Auswertung

Anmerkungen und Abkürzungsverzeichnis

Um von Beginn an Lesefluss und Verständnis sicherzustellen, erläutert dieses Kapitel Abkürzungen und Anmerkungen zu Bezeichnungen. Abkürzungen werden dabei nicht konjungiert, z. B. bleibt das BGE im Genitiv in dieser Schreibweise und verändert sich nicht zu „des BGEs“. Für die Übersichtlichkeit wird in dieser Arbeit bei Personenbezeichnungen auf die Genderschreibweise verzichtet und lediglich die männliche Schreibweise genutzt. Dabei sind jedoch alle Geschlechter gemeint und es soll niemand ausgegrenzt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung und Abstract

Das deutsche Sozialsystem baut darauf auf, dass möglichst viele Erwerbstätige einzahlen und gleichzeitig möglichst wenige Bedürftige, wie z. B. Senioren, Leistungen daraus beziehen müssen. Allerdings sorgen Automatisierungsprozesse für immer mehr Erwerbslose und simultan der demografische Wandel für einen immer höheren Rentneranteil. Um die Arbeitstätigkeit als Basis der Existenzsicherung abzulösen, werden vermehrt Konzepte eines existenzsichernden, monatlich vom Staat gezahlten Einkommens für jeden Bürger, unabhängig von seinem Verdienst und seiner Erwerbstätigkeit, diskutiert. Mit einem solchen bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) hätte jeder Empfänger die freie Wahl, ob er arbeitet, was wiederum die Anforderungen an die Erwerbstätigkeit verändern könnte. Um dieser Vermutung nachzugehen, wurden 156 deutsche, nicht-selbstständige Beschäftigte mittels Online-Fragebogen zu ihrer Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle aktuell und unter einem BGE befragt. Demnach reduzieren Arbeitnehmer ihre wöchentliche Arbeitszeit um 5 Stunden. Außerdem werden motivierende Ressourcen im BGE-Szenario wichtiger und demotivierende Belastungen unwichtiger. Trotz mangelnder Generalisierbarkeit repliziert die Studie den bisherigen Forschungsstand und schafft eine Grundlage für weitere Studien.

Stichworte: Bedingungsloses Grundeinkommen, ideale Arbeitsstelle, Arbeitsideal, Ressourcen, Belastungen The German welfare system is designed to be ideally financed by a high number of employed people in order to provide for just few people in need, such as elderly people, who are dependent on these benefits. Certainly, reasons for more and more unemployed people are increasing numbers of automation processes as well as a rising percentage of retirees caused by the demographic change. To replace the employment as the base of livelihood security, increasingly concepts for a monthly paid income, offered to every citizen and financed by the government, are currently discussed. Furthermore, it would be paid independently from a person’s earned income and status of employment. Such an “unconditional basic income” (UBI) would offer every adult free choice whether to work or not. This could also change the workplaces’ requirements. For pursuing this assumption, 156 German, non-self-employed workers were asked about their idea of an ideal job - under current circumstances as well as with an UBI - by an online-survey. The analysis reveals that employees would reduce their weekly working time by 5 hours. Furthermore, motivating resources would be more important and demotivating strains less relevant. Despite limited generalisability, the current state of research could be replicated and provides a foundation for further studies.

Key words: universal basic income, ideal of workplace, resources, strains

1. Einleitung

Was wäre, wenn Maschinen und Algorithmen die ganze Arbeit erledigen würden und der Mensch frei hätte? Viele verschiedene Fachrichtungen sagen Trends voraus, die das künftige gesellschaftliche Zusammenleben grundlegend verändern. Einerseits werden bis zu 47 % der aktuellen Berufe in den nächsten 10 bis 20 Jahren automatisiert (Frey & Osborne, 2013, S. 44; Bonin, Gregory & Zierahn, 2015, S. 14) und nehmen somit vielen Erwerbstätigen die Grundlage der gesellschaftlichen Teilhabe: den Arbeitsplatz. Diese bekommen andererseits von der Rentner-Generation Druck, das Sozialsystem weiterhin zu finanzieren (Sesselmeier, 2006, S. 26 f.). Durch den demographischen Wandel zahlen also immer weniger Menschen ein, während eine immer größere Anzahl daraus Leistungen bezieht (Pack, Buck, Kistler & Mendius, 2000, S. 11).

Die zurzeit am meisten diskutierte und am besten entwickelte Lösung des dargestellten Problems ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Es gibt kaum eine Personengruppe, die noch keinen Beitrag zu dieser oder einer ähnlichen Idee geleistet hat. Unternehmer, wie Elon Musk und Götz Werner, plädieren z. B. für die finanzielle staatliche Grundsicherung eines jeden Bürgers, damit seine Arbeitskraft flexibel nach Bedarf in der Wirtschaft einsetzbar ist (Clifford, 2016, S. 1; Werner, Eichhorn & Friedrich, 2012, S. 10). Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht spricht ebenfalls die eigenständige Gestaltung der Erwerbstätigkeit jedes Individuums für das BGE. Eine Erwerbsperson könnte demnach frei und selbst entscheiden, wo, wann, wie viel und unter welchen Bedingungen sie arbeitet (Straubhaar, 2008, S. 1). Aus der Politik haben sich ebenfalls einige Modelle entwickelt: So schlagen Grüne, Linke und CDU jeweils vor, die Grundsicherung mit der Einkommenssteuer zu verrechnen, wenn der Empfänger erwerbstätig ist (Hohenleitner & Straubhaar, 2008, S. 30, 62, 84). Aus der öffentlichen Debatte heraus formierten sich sogar einige Bürger zu einer eigenen Partei, mit dem Namen Bündnis Grundeinkommen (Bündnis Grundeinkommen - Die Grundeinkommenspartei, o. D.), und einer Initiative, die durch Crowdfunding 12-monatige Grundeinkommen verlost (Mein Grundeinkommen e. V., o. D.). Die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas lässt sich bereits jetzt mit vergangen und aktuellen Experimenten in Indien, Kanada, den USA und Finnland belegen.

Ein BGE würde den Arbeitszwang zur Existenzsicherung auflösen. Unternehmen, deren Tätigkeiten zunächst nicht automatisiert werden können, müssen noch mehr um passende Fachkräfte kämpfen, als sie es jetzt schon im aktuellen „war for talents“ tun. Deshalb werden optimale Arbeitsbedingungen immer wichtiger. Während in der jetzigen Arbeitswelt die Sicherheit des Arbeitsplatzes mit Abstand am wichtigsten ist (Gaspar & Hollmann, 2015, S. 12), verliert dieses Kriterium unter einem BGE vermutlich an Bedeutung. Kann sich eine gefragte Fachkraft schon heute die Arbeitsstelle frei aussuchen, würde das Grundeinkommen viel mehr Menschen diese Entscheidungsfreiheit geben. BGE-Empfänger hätten damit sogar die freie Wahl, ob und wie viel Stunden sie arbeiten wollen, da finanzielle Grundbedürfnisse nicht mehr alleine durch die Arbeit befriedigt werden müssen. Deshalb stellt diese Studie die Beschäftigten in den Mittelpunkt. Von dieser Ausgangssituation aus stehen Unternehmen vor der Herausforderung, passende Mitarbeiter zu finden. Deshalb gilt es zu erforschen:

Wie verändert sich die Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle von deutschen Beschäftigten, wenn alle deutschen Staatsbürger ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten?

Da die Arbeitnehmer im Mittelpunkt dieser Forschungsarbeit stehen, geht es um die Eigenschaften, die diese Personengruppe ihrem persönlichen Arbeitsideal zuordnet. Dabei basiert die Methode auf dem aktuellen Forschungsstand und gibt eine Auswahl an Kriterien zur Wichtigkeits- Bewertung.

2. Theorie

Diese Thesis beginnt zunächst mit der Ausgangssituation des bedingungslosen Grundeinkommens, um die grundsätzlichen Hintergründe zu verstehen. Anschließend definiert sie das BGE, welche Bedeutung die Arbeit aktuell hat und ordnet Eigenschaften in gute oder unangemessen Arbeit ein. Bevor die Autorin das Arbeitsideal und das bedingungslose Grundeinkommen verbindet, werden die Bereiche getrennt voneinander beleuchtet.

2.1 Das bedingungslose Grundeinkommen

Um das Konzept eines BGE zu verstehen, beschreibt dieses Kapitel die Ausgangssituation. An dieses Verständnis knüpft die Autorin mit der Entwicklung des BGE selbst und der in dieser Studie verwendeten Definition an.

2.1.1 Ausgangssituation.

Aktuell trifft eine Welt, in der Arbeit zur gesellschaftlichen Akzeptanz notwendig ist, auf Trends, durch die viele ihren Arbeitsplatz verlieren. Zudem stellt der demographische Wandel für die wenigen, verbleibenden Erwerbstätigen eine zusätzliche Belastung dar. Um an der Gesellschaft teilhaben zu können, braucht man in der Regel Geld für Wohnung, Lebensmittel, Mobilität und Unterhaltung. Dieses erhält man zwischen Schulabschluss und Rentenbeginn als arbeitsfähiger Erwachsener vor allem im Rahmen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung von Unternehmen, dem Staat oder als Selbstständiger von Kunden, indem man Arbeitszeit gegen Einkommen tauscht. Ausnahmen dieser Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit sind die Kinderbetreuung, die mit Elternzeit und -geld gefördert wird, und die eigene Ausbildung (Förderung z. B. durch Kindergeld, BAföG). Außerhalb der Ausnahmen muss somit jeder, der nicht arbeitsunfähig ist, an der Arbeitsteilung partizipieren. Fällt einmal der Arbeitsplatz weg, werden Erwerbstätige im deutschen Sozialstaat durch eine Grundsicherung aufgefangen. Das Arbeitslosengeld greift.

Im Falle der Arbeitslosigkeit ist dann jedoch die staatliche Hilfe an die Mühe des Empfängers geknüpft, seinen Zustand so bald wie möglich zu verlassen. Können Arbeitssuchende ihre Anstrengungen, eine Anstellung zu finden, nicht nachweisen, wird ihr Arbeitslosengeld gekürzt (§ 138 (4) SGB III). Diese Sanktionen und die Bezeichnung von Arbeitslosen als Arbeitssuchende implizieren ebenfalls, dass der Normalzustand die Erwerbstätigkeit ist. Diesen gesellschaftlichen Druck spüren vor allem Menschen nach einem Arbeitsplatz-Verlust, denn damit gehen häufig psychische Erkrankungen einher (Kieselbach & Beelmann, 2006, S. 452). Bereits befristete Beschäftigungen bereiten den Betroffenen finanzielle Sorgen und führen zu Unsicherheit (Jones et al., 2013, S. 8). Diese wiederum haben häufig weitreichende Folgen, wie familiäre Probleme, und ziehen das Wohlbefinden der Kinder in Mitleidenschaft (ebd.). Dem entgegen wirken staatliche Absicherungsmodelle bei Arbeitslosigkeit nur bedingt (Carr & Chung, 2014, S. 385). Neben der Vermeidung der unangenehmen Arbeitslosigkeit (negative Verstärkung nach Skinners operanter Konditionierung) streben die meisten Menschen nach den angenehmen Effekten der Erwerbstätigkeit (positive Verstärkung nach Skinners operanter Konditionierung), wie z. B. Verbindlichkeit, soziale Kontakte, Verfolgung gemeinsamer Ziele (ebd.). Demnach ist also jede Person grundsätzlich sowohl extrinsisch als auch intrinsisch motiviert, zu arbeiten.

Bisher ist es der überwiegenden Mehrheit hierzulande möglich erwerbstätig zu sein, wie die niedrige Arbeitslosigkeit zeigt (Bundesagentur für Arbeit, 2017, S. 1). Allerdings prophezeien Zukunftstrends, dass immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stehen werden. Roboter und Computer können demnach künftig viele Tätigkeiten übernehmen. Nach dem World Economic Forum werden Digitalisierung und Automatisierung in den nächsten Jahrzehnten mehr Arbeitsplätze ersetzen als neue schaffen (World Economic Forum, 2016, S. 3). In Deutschland selbst wird laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in den nächsten 10 bis 20 Jahren ungefähr jeder achte Arbeitsplatz (12 %) mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisiert (Bonin et al., 2015, S. 14). Der sinkende Bedarf an Arbeitskräften betrifft vor allem Bürokaufleute und Handwerker (ebd., S. 8). In anderen Berufen existieren bereits jetzt regional branchenspezifische Engpässe in der Besetzung. Die Job-Vermittlungsagentur StepStone wertete mittels Fachkräfteindex die Veränderung der Stellenanzeigen nach Berufsfeldern aus und kam zu dem Ergebnis, dass vor allem im Gesundheitsbereich (Pfleger, Arzthelfer, Ärzte) und in MINT-Berufen (Naturwissenschaften, technische Berufe, IT, Ingenieure) ein Mangel an Fachpersonal herrscht (Helmrich et al., 2012, S. 9). Nicht nur die fachlichen, sondern auch die persönlichen Fähigkeiten machen passende Mitarbeiter aus. Solche „Talente“ werden somit aktuell schon stark nachgefragt (McGregor & Hamm, 2006, S. 1), sodass man mittlerweile von einem Krieg, dem „war for talents“, spricht (Beechler & Woodward, 2009, S. 274). Ein Talent sticht dabei mit besonderen Fertigkeiten als bester aus der Gruppe heraus (ebd.), was wiederum die Konkurrenz erhöht statt das Ziel der Vollbeschäftigung zu erreichen.

Gleichzeitig gibt es eine demographische Entwicklung hin zu weniger Erwerbstätigen und mehr Menschen im Ruhestand (Pack et al., 2000, S. 11). So wird das Erwerbspersonenpotenzial laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) um etwa 6 Mio. auf 39,5 Mio. Personen sinken (Fuchs et al., 2016, S. 30). Der Wandel könnte zwar auf den ersten Blick die geringere Job- Anzahl kompensieren, aber er führt zusätzlich zu einer größeren Belastung des Sozialsystems. Dies hat geringere Einnahmen von Beitragszahlern und höhere Ausgaben für Renten und medizinische Versorgung der älteren Bevölkerung zur Folge. Daraus entsteht das Dilemma in der aktuellen Struktur, dass eine der beiden Gruppen weniger Mittel zur Verfügung hat. Entweder zahlen die Arbeitnehmer mehr ein, um die Mehrkosten zu decken, oder es leben mehr Rentner am Existenzminimum.

Als Antwort auf den strukturellen Wandel und die künftigen Herausforderungen schlagen Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker und Bürgerinitiativen ein bedingungsloses Grundeinkommen vor. So soll auch das Mittel zur eigenen Grundsicherung, zur sozialen Anerkennung und gesellschaftlichen Teilhabe nicht mehr von der (begrenzt zugänglichen) Erwerbstätigkeit abhängen, sondern für die „bloße Existenz“ gegeben sein. Beispielsweise beziehen einige Stimmen aus der Wirtschaft als Unterstützer klar Stellung zum BGE, wie z. B. der Gründer und CEO von Tesla, SpaceX und SolarCity Elon Musk (Clifford, 2016) und der Venture Capitalist Roy Bahat (Bahat, 2015), und finanzieren Forschungsprojekte, um genaue Effekte herauszufinden. Das BGE hat allerdings auch Gegner aus diesem Fachbereich, wie dem ehemaligen Personalvorstand der Telekom Thomas Sattelberger (Sattelberger, 2017). Viele der Befürworter und Gegner befördern die Frage nach der Sinnhaftigkeit des BGE in die öffentliche Diskussion. Allerdings tragen sie nicht zur theoretischen Weiterentwicklung des Konstrukts eines BGE bei und werden deshalb in dieser Arbeit lediglich zur Verdeutlichung der Relevanz genannt. Um zu klären, was genau mit dem BGE gemeint ist, folgt nun eine ausführliche Erläuterung.

2.1.2 Definition eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Zum ersten Mal tauchte ein grundsicherndes Einkommen ohne Arbeitsvoraussetzung ungefähr 700 v. Chr. im antiken Sparta auf (Wagner, 2009, S. 4). Zum Leben Notwendiges wurde jedem Mitglied der Gemeinschaft gestellt (ebd.). Anfang des 20. Jahrhunderts verstand man darunter ein detailliertes Konzept:

A certain small income, sufficient for necessities, should be secured for all, whether they work or not and that a larger income, as much larger as might be warranted by the total amount of commodities produced, should be given to those who are willing to engage in some work which the community recognizes as useful. (Russel, 1918, S. 10) Seitdem definiert sich das bedingungslose Grundeinkommen durch die (für Notwendiges genügende) Höhe, die Unabhängigkeit (von der Erwerbstätigkeit) und die Basisfunktion, durch die das (für den gemeinschaftlichen Nutzen) erarbeitete Einkommen zusätzlich zählt.

Innerhalb der letzten 20 Jahre erhielt diese Definition weitere Kriterien. So fügte der Philosoph und Ökonom Philippe van Parijs gemeinsam mit dem Soziologen und Politologen Yannick Vanderborght dem BGE konkretere Subjekte hinzu. Demnach wird es von einer politischen Gemeinschaft finanziert und nur an dessen Beteiligte ausgezahlt (Vanderborght & van Parijs, 2005, S. 14). An der Stelle, an der Russell die zur damaligen Zeit ausreichend allgemein benannte Unabhängigkeit von der Arbeit zur Bedingungslosigkeit seines Konzepts macht, schließen Vanderborght und van Parijs zusätzlich das aus, was aktuelle Staatsleistungen von Erwerbslosen verlangen (ebd.). Die Bedingungslosigkeit umgeht somit die „Bedürftigkeitsprüfung“ und den Zwang einer Gegenleistung des Grundeinkommen-Empfängers (ebd.), wie z. B. sich nachweislich auf sämtliche freie Arbeitsstellen bewerben zu müssen (van Parijs, 2016, S. 12). Aus diesem Verständnis heraus gründete van Parijs bereits 1983 gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern das Basic Income Earth Network, das regelmäßig Studien zum BGE im Journal Basic Income Studies veröffentlicht (Basic Income Earth Network, o. D.). Dieses Netzwerk zeichnet den Rahmen eines BGE genauer, indem es beispielhaft Kriterien für ein Pilot-Projekt benennt. Die Zahlung soll in einem gleichen, kurzen Intervall regelmäßig (z. B. monatlich) stattfinden und direkt verfügbar sein (z. B. Banküberweisung). Dabei ist sie unabhängig von Bedingungen, wie der Höhe des Arbeitseinkommens (ungezielt) und dem moralischen Verständnis, es zu „verdienen“ (unselektiert), und individuell statt für die ganze Familie zu erbringen. (Standing, 2012, S. 135 f.)

Aus der anthropologischen Perspektive des Soziologen Sascha Liebermann erhalten zur Gleichheit und Gerechtigkeit Personen jeden Alters den gleichen Betrag. Dies umfasst also Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Liebermann argumentiert, dass so von Geburt an Freiheit gewährt ist, da für die eigene Bildung Neugierde und eigene Interessen den Zwang zur „Arbeitsmarkttauglichkeit“ ersetzen. Daraus abgeleitet müsste sich das Bildungssystem dem anpassen und jedem individuell die Möglichkeit für eigene Erfahrungen bieten. (Liebermann, 2006, S. 1)

Wirtschaftswissenschaftler, wie der ehemalige Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI Thomas Straubhaar, ergänzen die Beschreibung eines BGE um volkswirtschaftliche Faktoren. Begründet durch eine neue Umverteilung für mehr Gerechtigkeit werden die Grundeinkommen aus Steuern finanziert. Dabei zeichnen die HWWI-Wissenschaftler Ingrid Hohenleitner und Straubhaar das Bild umfassender und passen Sozialsystem und Arbeitsmarkt-Regulation entsprechend an. Was bisher als sozialer Schutz von Kranken (Krankenversicherung), Arbeitssuchenden (Arbeitslosengeld), Kindern (Kindergeld) und Arbeitnehmern (Kündigungsschutz, Tarifverträge, Mindestlöhne) gilt, fällt mit dem Ende des Verdienstzwangs weg. Dafür unterstützen geregelte Abfindungsbedingungen und frei verhandelbare Gehälter die Erwerbstätigkeit. (Hohenleitner & Straubhaar, 2008, S. 20 f.)

Politiker orientieren sich ebenfalls am aktuellen Sozialsystem. Sowohl Grüne und Linke als auch CDU garantieren jedem Bürger den jeweiligen Betrag und passen daran die Einkommenssteuer an, wenn der BGE-Empfänger arbeitet (ebd., S. 30, 62, 84). Das solidarische Bürgergeld des ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) konkretisierte dieses Konzept der negativen Einkommenssteuer im Rahmen einer Weiterentwicklung mit dem Institut für neue soziale Antworten (INSA). Demnach berechnet sich der Anspruch bzw. die Steuer zunächst aus 25 % des Einkommens minus 500 € monatlich. Entspricht der Prozentsatz einem geringeren Wert als 500 €, erhält die Person das Saldo als Bürgergeld. Andersherum werden alle Einkünfte über diesen Betrag (24.000 € jährlich) hinaus entsprechend versteuert. Den aktuellen Spitzensteuersatz ersetzt dabei eine 50-%-ige Versteuerung des Einkommens über 250.000 € im Jahr. (Althaus & Binkert, 2017, S. 2)

Neben den Wissenschaftlern und Politikern argumentieren auch einige Unternehmer für das BGE. Der Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm Götz Werner ist einer der starken Vorantreiber für ein Grundeinkommen. Werner und Kollegen erweitern in dem Sammelband „Das Grundeinkommen“ die Definition um den Finanzierungsaspekt. Sie benennen den Staat als Grundeinkommensgeber, da dieser der Sammel- und Verteilungsverantwortliche für die politische Gemeinschaft ist (Werner et al., 2012, S. 10 f.). Des Weiteren gilt als Teil der Empfänger-Gruppe, wer dem BGE-gebenden Staat angehört oder von ihm explizit dazu berechtigt wurde (ebd.). Dieser Umstand ist im Hinblick auf das Staatenbündnis EU relevant, da man zwar in das BGE-Land einreisen, dort leben und arbeiten kann, aber nicht automatisch das Grundeinkommen erhält. Noch mehr betrifft die Beschränkung die Zuwanderung, bei der nicht klar ist, ob die Migranten als Teil der Gemeinschaft ein Recht auf ein Grundeinkommen haben (sollten). Die Grundlage dafür müsste ein für das BGE geschaffenes Gesetz bilden (ebd.). Nach Werner und Kollegen erhält das Wort „bedingungslos“ einige extra aufgelistete, für bisherige staatliche Förderungen relevante Kategorien (z. B. unabhängig von Alter, Geschlecht, Familienstand, eigenem Finanzstatus, Wohlverhalten; ebd.). Für den Leserfluss werden Grundeinkommen und bedingungsloses Grundeinkommen synonym verwendet, jedoch ist beides frei von den beschriebenen Bedingungen zu verstehen.

Auch zur Höhe des BGEs ergänzen die Autoren, dass es nicht nur die Existenz sichern, sondern das zum Leben und zur soziokulturellen Teilnahme benötigte Minimum und die Armutsrisikogrenze übertreffen soll (ebd.). In dieser Arbeit orientiert sich die Höhe eines BGE deshalb an den Festlegungen der oben genannten Mindestsicherung. In Deutschland wird diese anhand der Armutsrisikoschwelle mit 60 % des Medians aller Nettoäquivalenzeinkommen berechnet (Bundesamt für Arbeit und Soziales, 2017, S. 549). Mit zuletzt jährlichen 20.668 € (Statistisches Bundesamt, 2016) liegt die Armutsrisikogrenze bei 1.033,40 € pro Monat. Anders als die Bundesregierung empfiehlt das europäische Parlament die Warenkorb-Methode, in der die zur Existenz notwendigen Produkte, wie z. B. Lebensmittel und Kleidung, berechnet werden (Daerden, 2011, S. 10). Zuzüglich der Kosten für Unterkunft und Heizung von durchschnittlich 300 € ergibt sich demnach ein monatliches Mindesteinkommen von 1.034 € (Blaschke, 2016) und ist der deutschen Berechnung der Armutsrisikogrenze sehr nahe. Ein BGE müsste also aktuell über dieser Schwelle liegen.

Damit Kinder nicht von der Grundsicherung ihrer Eltern zehren, ist das Kinder- Grundeinkommen getrennt davon zu sehen. Die Unabhängigkeit vom Alter des BGE-erhaltenden Mitglieds ist insofern ungerecht, als dass Kinder in der Regel mit mindestens einem Erwachsenen in einem Haushalt leben. Damit fallen die existenzsichernden Wohnkosten der Familie pro Bewohner geringer aus (Hohenleitner & Straubhaar, 2008, S. 37 f.). Deshalb sollte sich der Betrag für Kinder dem anpassen (ebd.). Zur Höhe des Kinder-BGE gibt es mehrere Vorschläge. Der langjährige Verfechter des BGE Scott Santens plädiert dabei für 350 $ monatlich (Santens, 2017). Dieser Dollar- Betrag lässt sich allerdings nur eingeschränkt auf den deutschen Kontext übertragen, da Kaufkraft und Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden müssen. Hohenleitner und Straubhaar schlagen die Hälfte des Grundeinkommens für Erwachsene als Betrag für Kinder vor (300 € von 600 €) und bezuschussen beide Altersgruppen mit einem freiwillig investierbaren Beitrag zur Krankenversicherung von 200 € (Hohenleitner & Straubhaar, 2008, S. 93). Berechnet man den Betrag von den grundsichernden Kosten für Kinder aus, bilden die durchschnittlichen Konsumausgaben von Familien für Kinder eine Basis. So geben Eltern zwischen 328 Euro (einkommensschwache Haushalte) und 900 € (einkommensstarke Haushalte) monatlich für ihren Nachwuchs aus (Statistisches Bundesamt, 2014, S. 7). Dies entspricht laut den Berechnungen des Statistischen Bundesamts etwa ein Fünftel des jeweiligen Haushaltseinkommens (ebd.). Bei einem Grundeinkommen von 1.000 € für Erwachsene bekämen Kinder somit mindestens 250 €. Nach dieser Darstellung des bedingungslosen Grundeinkommens folgt nun die Beschreibung des zweiten Teilbereichs.

2.2 Die Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle

Wie sich Beschäftigte ihre ideale Arbeitsstelle vorstellen, spiegelt sich zuerst in der Bedeutung wieder, wie wichtig ihnen Arbeit generell im Vergleich zu anderen Lebensbereichen ist. Anschließend wird diese Wichtigkeit in einzelne Kriterien aufgespaltet.

2.2.1 Bedeutung der Arbeit.

Welchen Stellenwert die Arbeit für deutsche Arbeitnehmer aktuell hat, erforschten beispielsweise die Bertelsmann Stiftung und der GfK Verein 2015 im Rahmen einer Kooperationsstudie. In einer Online-Umfrage befragten die Forscher 1.062 in Deutschland lebende Erwerbstätige im Alter zwischen 18 und 60 Jahren (Gaspar & Hollmann, 2015, S. 2). Die Teilnehmer bewerteten verschiedene Lebensbereiche, indem sie insgesamt 100 Punkte auf diese verteilten (ebd., S. 3). Die Auswertung ergab, dass Arbeit für fast alle Altersgruppen und Geschlechter direkt nach dem engen sozialen Umfeld (M = 39) auf dem zweiten Platz steht (M = 34). Die 18- bis 29-Jährigen stellten die Erwerbstätigkeit sogar auf die gleiche Ebene wie ihre Familien und Partner (jeweils M = 35). Arbeit hat also eine große Bedeutung für die meisten deutschen Arbeitnehmer.

In der internationalen Vergleichs-Studie des Meaning of Working (MOW) International Research Team interviewten Forscher in acht Ländern insgesamt fast 9.000 Personen zu zentralen Arbeitswerten, sozialen Normen, der Wichtigkeit von Arbeitszielen und weiteren damit verbundenen Themen (z. B. die „one million dollar question“; MOW International Research Team, 1987, S. 2). Für deutsche Beschäftigte ist Arbeit demnach im Vergleich mit den anderen Ländern weniger zentral im Leben (MOW International Research Team, 1987, S. 84). Die soziale Norm des Pflichtgefühls gegenüber der Gesellschaft („obligation“) allerdings ist hierzulande nur von mittlerer Bedeutung (T = 50; siehe Abbildung 2.1; ebd., S. 96). Einen überdurchschnittlich hohen Anspruch haben Deutsche an die Arbeitnehmerrechte und, dass jedem die Möglichkeit der Weiterbildung und der Arbeit gegeben wird („entitlement“; siehe Abbildung 2.1; T = 52; ebd.). Aufgrund der unterschiedlichen Vorstellungen der Arbeitsbedeutung bezieht sich diese Studie auf deutsche Arbeitnehmer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Vergleich der Länder in sozialen Normen (MOW International Research Team, 1987, S. 96)

Dabei ist es wichtig festzustellen, dass der finanzielle Rahmen ausreichen sollte, um davon leben zu können (Kleinhenz, 1998, S. 258). Darüber hinaus macht das Einkommen einen Teil der Arbeitsmotivation aus (MOW International Research Team, 1987, Appendix A3.0; Morse & Weiss, 1955, S. 191). Da die Mehrheit der Befragten bei ausreichendem Geldgewinn weiter arbeiten würde, ist der Anteil der nicht-finanziellen Faktoren größer als die finanzielle Motivation zu arbeiten (non- financial employment commitment, NEC; Morse & Weiss, 1955, S. 191; Paulsen, 2008, S. 10 f.). NEC besteht aus positiven und negativen Gründen, die Arbeit nicht zu beenden. Menschen wollen beschäftigt bleiben, weil die Erwerbstätigkeit sie gesund hält, ihnen gefällt und ihnen eine Daseinsberechtigung gibt (Morse & Weiss, 1955, S. 192). Ohne Arbeitsstelle würden sie sich verloren fühlen, verrückt werden, könnten nicht untätig sein und fühlten sich gelangweilt (ebd.).

2.2.2 Charakteristika guter und unangemessener Arbeit.

Zu den Rahmenbedingungen des Arbeitsideals gehört zunächst die Arbeitszeit. Da die tatsächlichen von den gewünschten wöchentlichen Arbeitsstunden um 3,2 Stunden abweichen (Sopp & Wagner, 2017, S. 8), liegt das Augenmerk auf der Wochenarbeitszeit (WAZ), wenn Arbeitnehmer frei wählen könnten. Demnach wünschen sich Beschäftigte im ehemaligen Westdeutschland eine WAZ von 33,5 Stunden und im ehemaligen Ostdeutschland von 35,6 Stunden (ebd., S. 4). Hätten Arbeitnehmer also die Wahl, würden sie bereits ohne BGE ihre Arbeitszeit reduzieren, um auf ihr Ideal zu kommen.

Die genaueren Kriterien der idealen Arbeitsstelle lassen sich laut der MOW-Studie mithilfe der Faktoranalyse von Arbeitszielen in vier Dimensionen einteilen. Den deutschen Teilnehmern war auf einer Skala von 1 bis 10 („am wichtigsten“) die Ausdrucks-Kategorie („expressive“) mit interessanter Arbeit, Passung der Stelle auf die eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen, großer Vielfalt und viel Autonomie wichtig (M = 6.18; MOW International Research Team, 1987, S. 118 ff.). Noch wichtiger als diese intrinsischen Faktoren bewerteten sie die extrinsische ökonomische Dimension (M = 6.59) mit guter Bezahlung, guten Aufstiegsmöglichkeiten und einer sehr sicheren Arbeitsstelle (ebd.). Die Komfort-Faktoren „gute körperliche Arbeitsbedingungen“ und „konventionelle Arbeitszeiten“ (M = 5.05) und die Lern- und Entwicklungsdimension mit der Möglichkeit Neues zu lernen (M = 4.72) stehen zwar in der Reihenfolge hinter den ersten beiden Gruppen, allerdings weicht ihre Wichtigkeit nur gering von den anderen ab. Besonders ausgeprägt sind die Facetten

„Autonomie am Arbeitsplatz“, „der passende Einsatz der Fähigkeiten bei der Arbeit“ und „interessante Tätigkeiten“ (ebd., S. 137).

Zu diesen intrinsischen und extrinsischen Facetten ergänzen die Sozialpsychologen Maria Ros, Shalom Schwartz und Shoshana Surkiss das Arbeitsideal um inter- und intrapersonelle Werte (Ros, Schwartz & Surkiss, 1999, S. 59). Eine soziale Dimension zeigt, dass Arbeit als Vehikel zu positiven sozialen Beziehungen und Teilhabe an der Gesellschaft (self-transcendence) genutzt wird, wie z. B. beim „(sozialen) Kontakt mit Kollegen“ (ebd., S. 59 f.). Weniger zur Selbst-Transzendenz und mehr zur Selbstaufwertung tragen die Prestige-Faktoren bei. Mit der Autorität, Entscheidungen über andere zu treffen, und prestigereicher, hochgeschätzter Arbeit wollen Menschen ihren Status unter Beweis stellen (ebd.). Gesammelt und kategorisiert können die Werte, die bei der Wahl der Arbeitsstelle wichtig sind, somit voneinander abgegrenzt werden.

Auf einer 10-Punkte-Skala zwischen „absolut unwichtig“ (1) und „äußerst wichtig“ (10) berechneten die Forscher der Bertelsmann Stiftung und des GfK Vereins den Anteil derjenigen, die die zwei besten Skalenbewertungen (9 und 10) angaben (Top2Box-Verfahren; Gaspar, persönl. Mitteilung, 14.12.2017; Gaspar & Castaldi, 2015, S. 30). Demnach sind für mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen die „Sicherheit des Arbeitsplatzes“, „Eigenständigkeit und Selbstbestimmung bei der Arbeit“, „Berücksichtigung individueller Arbeitszeiten“ und die „Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen“ sehr wichtig (Gaspar & Castaldi, 2015, S. 30). Diese Ergebnisse zeigen, dass Sicherheit und Autonomie weiterhin am ausschlaggebendsten für Arbeitszufriedenheit und -motivation sind. Dazu kommen nun der Entwicklung des Sozialsystems seit der MOW-Studie 1987 entsprechend neue Aspekte hinzu. Für jeweils weniger als 33 % der Befragten sind ein „überdurchschnittlich hoher Verdienst, Angebote und Vorsorgeleistungen f. d. Gesundheit, attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten, fachliche und/oder disziplinarische Führung eines Teams, sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten / Karrierechancen, die Möglichkeit, viel Verantwortung zu übernehmen, attraktive materielle Zusatzleistungen, besondere Angebote für die Mobilität, (Engagement des Unternehmens) für Umweltschutz / Soziales, ruhige Beschäftigung ohne neue Anforderungen (und ein) international tätiges Unternehmen“ wichtig (ebd.). Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Alters- und Bildungsgruppen. Der Abstand zwischen den Geschlechtern ist bei der Berücksichtigung individueller Arbeitszeitwünsche am größten, da diese 48 % der weiblichen und 34 % der männlichen Erwerbstätigen sehr wichtig ist (ebd.). In den Alterskategorien unterscheiden sich die beiden erhobenen Gruppen in logischen Tendenzen. Während den 40- bis 60-Jährigen eine sichere Anstellung (68 % zu 60 %) und Angebote zur Gesundheit (34 % zu 27 %) wichtiger als den 18- bis 39-Jährigen sind, haben individuelle Arbeitszeiten (37 % zu 45 %) und Aufstiegschancen (17 % zu 27 %) für die Jüngeren einen höheren Stellenwert (ebd., S. 31). Der Bildungsgrad differenziert insofern, als dass für Beschäftigte mit Hochschulreife oder -abschluss das berufliche Weiterkommen eine höhere Bedeutung hat (32 %) als für diejenigen mit niedriger oder mittlerer Bildung (21 %; ebd., S. 32).

Um die Kriterien des Arbeitsideals gewinnbringend zu anzupassen, gilt es herauszufinden, welche Folgen ihre Manipulation haben kann. Zunächst ist die bekannteste Grundlage zu nennen: Herzbergs Zwei-Faktoren-Modell der Arbeitszufriedenheit. Frederick Herzberg und seine Kollegen unterteilen Zufriedenheit und Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz in zwei unterschiedliche Dimensionen. Hygienefaktoren (dissatisfier) können vor allem unzufrieden machen, wenn sie nicht vorhanden sind, und maximal zu einem nicht unzufriedenen, neutralen Zustand führen. Beschäftigte nehmen sie vor allem dann wahr, wenn sie sich über sie ärgern, und wollen sie präventiv vermeiden. Dazu zählen die rahmenbezogenen Faktoren, wie interpersonelle Beziehungen zu den untergeordneten, gleichen und übergeordneten Ebenen, Supervision, Status, Gehalt, Richtlinien und Organisation im Unternehmen, Arbeitsbedingungen, Arbeitsplatz-Sicherheit und Persönliches. Falls Motivatoren (satisfier) nicht vorhanden sind, tragen sie im schlimmsten Fall zum neutralen Ausbleiben von Zufriedenheit bei. Im höheren Ausmaß können sie vor allem zu Zufriedenheit führen und damit motivieren. Motivatoren dienen vor allem zur Selbstverwirklichung und sind aufgabengezogenen, wie Erfolg, Wertschätzung, Arbeit an sich, Verantwortung, Förderung und Möglichkeiten zu wachsen. (Herzberg, Mausner & Snyderman, 1959, S. 80 f.)

Innerhalb der letzten 60 Jahre kritisierten Forscher das Zwei-Faktoren-Modell, da es kaum repliziert werden konnte und Studien darüber methodische Fehler aufwiesen (Ewen, et al., 1966, S. 547; Graen, 1966, S. 553; King, 1970, S. 29). So wurde auch die Unabhängigkeit der beiden Skalen zur jeweils anderen Richtung der Zufriedenheit nicht nachgewiesen, weshalb man davon ausgeht, dass Motivatoren auch unzufrieden und Hygienefaktoren auch zufrieden machen können. Allerdings lassen sich durchaus Erkenntnisse herauskristallisieren. So beeinflussen die intrinsischen Motivatoren generell stärker Zufriedenheit und Unzufriedenheit als Hygienefaktoren es tun (Ewen et al., 1966, S. 547; Bassett-Jones & Lloyd, 2005, S. 940 f.). Daraus entwickelten sich reliablere und validere Theorien und entsprechende Methoden, wie den Ressourcen und Belastungen nach der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA).

Um ein Instrument zur Messung der Arbeitsqualität aus Sicht der Arbeitnehmer zu entwickeln, gab der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) diese Forschung 2006 in Auftrag. Damit soll in regelmäßigen Abständen die Arbeitsqualität der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Deutschland gemessen werden. Aus den bewerteten Kriterien wird der DGB-Index „Gute Arbeit“ errechnet. Dieser Index definiert gute Arbeit mit „Arbeitsbedingungen, die von den Beschäftigten als entwicklungsförderlich und belastungsarm beschrieben werden, und Einkommensbedingungen, die als angemessen und leistungsgerecht empfunden werden“ (Fuchs, 2008, S. 3). Das Instrument dafür ist ein durch die INQA-Studie „Was ist Gute Arbeit?“ erstellter und seitdem stetig weiterentwickelter Fragebogen. Um ein umfängliches Bild darstellen zu können, bestehen die abgefragten Themen aus verschiedenen arbeitswissenschaftlichen Konstrukten zu guter und unzumutbarer Arbeitsqualität. Dabei haben Belastungen, Einkommenssicherung und Ressourcen unterschiedliche Einflüsse auf die wahrgenommene Qualität der Arbeit (siehe Abbildung 2.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Modell der Beziehung zwischen Belastungen, Ressourcen und Existenzsicherung im Rahmen der Erwerbstätigkeit (Fuchs et al., 2006, S. 18)

Der erste Themenbereich meint mit Belastungen alle äußerlichen Einflüsse, die individuell als belastend wahrgenommen werden (ebd., S. 7). Zu diesem genutzten aktuellen Forschungsstand zählen neben den von Herzberg und Kollegen als Hygienefaktoren bezeichneten Kriterien weitere Aspekte. Unter Belastungen verstehen die INQA-Forscher zusätzlich zu hohe oder niedrige Arbeitsanforderungen, wobei diesen Faktor über 30 % der Befragten als belastend wahrnehmen (Fuchs & Bielenski, 2006, S. 21). Ebenso negativ kann sich die Gerechtigkeit und Sicherheit des Einkommens auf die wahrgenommene Qualität der Arbeit auswirken. So kann ein niedriges Einkommen zu mehr Sorgen führen, wie man sein Leben bestreiten soll (Fuchs, 2008, S. 17). „Unzumutbare Arbeit“ umfasst also fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten, hohe Belastungen und eine unfaire Entlohnung (Fuchs et al., 2006, S. 8).

Anders als Belastungen fungieren Ressourcen als Basis, wie gut Arbeit erledigt werden kann (ebd.). Da sie eine Art Puffer darstellen, gehören sie zu den Moderatorvariablen, die die Arbeitsqualität von außen beeinflussen und wie Herzbergs Motivatoren eher förderlich wirken (ebd.). Fuchs ergänzt die motivierenden Faktoren nach Herzberg um die Ressourcen-Facetten „soziale Unterstützung durch Kolleg/innen“ und „Möglichkeiten für Abwechslung / Kreativität in der Arbeit“ (Fuchs & Bielenski, 2006, S. 18). Können sich Arbeitnehmer beruflich und sozial entwickeln und entfalten, fühlen kaum unangenehme Belastungen und nehmen ihr Einkommen als angemessen wahr, so sprechen Fuchs und Kollegen von der „Guten Arbeit“ (Fuchs et al., 2006, S. 8). Zuletzt attestierte der DGB in den Unternehmen in Deutschland eine mittelmäßig gute Arbeitsqualität von 63 von 100 Punkten (DGB, 2017, S. 14). Während in der INQA-Studie 100 Punkte als vollkommen gute Arbeit gelten, ist in dieser Bachelorthesis von der idealen Arbeitsstelle die Rede. Die genaue Bedeutung der Theorie in dieser Studie wird im Methoden-Kapitel 4 näher erläutert. Nachdem nun das Verständnis des bedingungslosen Grundeinkommens und des Arbeitsideals näher erläutert wurde, verbindet das folgende Kapitel die beiden Themen und führt damit zur Fragestellung und den zugrundeliegenden Hypothesen.

3. Herleitung der Forschungsfrage

Wenn Arbeitnehmer nach idealer Arbeit und Selbstverwirklichung streben, müssen sie ihre finanzielle Absicherung in die Arbeitsplatz-Wahl mit einbeziehen. Mit einer staatlichen, voraussetzungslosen Grundsicherung könnte diese Entscheidung finanziell unabhängiger sein. Erwerbstätige entscheiden frei, ob sie die gegebenen Arbeitsbedingungen akzeptieren wollen oder nicht. Deshalb ist es notwendig, menschliche Arbeit attraktiver für passende Mitarbeiter zu gestalten. Für solche Herausforderungen der Unternehmen ist also zunächst herauszufinden, welche Konsequenzen das BGE auf das Ideal einer Arbeitsstelle hat. Daraus resultieren anschließend Fragestellung und Hypothesen.

3.1 Forschungsstand: Auswirkungen eines BGE auf die Vorstellung des Arbeitsideals

Das BGE birgt je nach Sichtweise Chancen und Risiken für den Arbeitsmarkt. Da diese Thesis die individuelle Vorstellung untersucht, konzentriert sie sich auf die individualpsychologischen Aspekte der Auswirkungen eines BGE auf das Arbeitsideal. Aus dem Subjekt, um dessen Vorstellung es geht, werden Selbstständige ausgeschlossen, da die „freie Wahl“, wie viel man arbeitet, bei dieser Personengruppe größer ist als bei Angestellten. Zwar erhalten auch selbstständig Erwerbstätige für ihre Arbeit Einkünfte, allerdings haben diese andere Möglichkeiten ihren Arbeitsalltag zu gestalten und ihre Entscheidung für ein unabhängiges Erwerbsleben ist bereits ohne BGE gefallen. Deshalb beschränkt sich der Begriff der „Arbeit“ in dieser Studie auf die nicht-selbstständige Erwerbsarbeit. Damit ist immer eine finanzielle Gegenleistung, wie dem Gehalt, für die dem Arbeitgeber bereitgestellte Arbeitskraft verbunden. Auch freiwilliges Engagement ist aus der Definition ausgeschlossen, weil dieses unabhängig vom Einkommen und aus weiteren Beweggründen ausgeführt wird. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann sich generell auf die Wahl, ob und wie lange man arbeitet, auswirken. Trifft eine Person die Entscheidung für die Erwerbsarbeit, hat sie ohne finanziellen Druck die freie Wahl, sich eine Stelle mit den ihr wichtigen Arbeitskriterien auszusuchen.

Kritiker des BGE befürchten einen Rückgang der Erwerbsarbeit, wenn jeder ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten würde (Spannagel, 2015, S. 16). Anhand der Forschung zum Arbeitswillen kann diese Annahme annähernd geprüft werden. Mit der sogenannten one million dollar question stellten Wissenschaftler 1987 Arbeitnehmern die Frage, ob sie bei einem Lotteriegewinn von einer Million Dollar ihre Arbeitsstelle aufgeben, wechseln oder behalten würden. Dem MOW International Research Team zufolge hätten fast 70 % der Befragten in Deutschland in der gleichen oder in einer anderen Beschäftigung weitergearbeitet (MOW International Research Team, 1987, Appendix A3.0). Seitdem hat der Arbeitswillen der Deutschen zugenommen. So fanden die Bertelsmann Stiftung und die Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung e. V. (GfK Verein) 2015 heraus, dass 81 % ihre Arbeit sicher bzw. unentschieden trotz eines hohen Geldgewinns nicht aufgeben würden (Gaspar & Hollmann, 2015, S. 5).

Die Interpretation solcher Entscheidungen aufgrund eines Lotteriegewinns kann nur eingeschränkt auf die Situation eines BGE übertragen werden, da die beiden Szenarien unterschiedliche Lebensstile ermöglichen. Während man sich mit einer Million Euro viel Luxus auf einmal leisten kann, garantiert ein regelmäßiges, aber geringes Grundeinkommen lediglich die Existenz monatlich aufs Neue. Außerdem sollte laut der Gerechtigkeitsforschung beachtet werden, dass Losglück internalisiert als verdient wahrgenommen wird und der Gewinner glaubt, sein (Arbeits)Soll erfüllt zu haben (Lerner, 1980, S. 187). Infolge dessen würde er eher daran denken, nicht mehr arbeiten zu müssen und seine Arbeit aufzugeben. Dennoch lassen sich ähnliche Zusammenhänge zu den Effekten auf die Erwerbstätigkeit feststellen. So lässt sich das BGE zuverlässiger mit einem sehr hohen Arbeitslosengeld testen. Auf der Entscheidungsgrundlage, ob die Befragten im Falle einer sehr hohen finanziellen Absicherung bei Arbeitslosigkeit arbeiten würden, bleibt die Arbeitsbereitschaft trotzdem hoch (73 %; Gaspar & Hollmann, 2015, S. 7).

Seit den 1960er Jahren wurden mehrere garantierte Einkommen im Feld getestet und Umfragen zu hypothetischem Verhalten durchgeführt. Die Studien fanden in unterschiedlichen Kulturen statt und kamen zu ähnlichen Ergebnissen für die Erwerbsarbeit. Generell erwarten etwa 2/5 der deutschen Beschäftigten, dass mit einem BGE Arbeitsanreize wegfallen (40 %) und deshalb weniger Menschen arbeiten würden (45 %; Haigner, Jenewein, Schneider & Wakolbinger, 2012, S. 203). Differenziert betrachtet gibt es noch eine Zwischenstufe zur Beendigung der Erwerbstätigkeit. Im Rahmen einer Studie wurden 2012 1.283 Schweizer nach ihrem hypothetischen Verhalten unter einem BGE befragt. Da sie finanziell unabhängig sind, haben mehr als ein Drittel vor, ihre Stelle generell (40 % der Befürworter, B, und 38 % der Nicht-Befürworter, N) und ihr Anstellungsverhältnis hin zur Selbstständigkeit (37 % B, 41 % N) zu verändern (Ketterer, Bossard, Neufeind & Wehner, 2013, S. 23). Fast ein Fünftel (19 % B, 13 % N) will den Arbeitgeber wechseln (ebd.). Die Vermutung, dass mehr Beschäftigte ihre Arbeit aufgeben, kann der Schweizer Studie zufolge nur mit einem geringen Rückgang der Erwerbstätigen bestätigt werden. Demzufolge würden lediglich 7 % der Befürworter und doppelt so viele Nicht-Befürworter (14 %) keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen (ebd.). Im Gegensatz zu diesem hypothetischen Verhalten im BGE-Szenario sagen die Forschungen der one million dollar question in der Gewinnspiel-Situation eine höhere Zahl (ca. 30 %) voraus (vgl. Kapitel 2.2). Es ist somit davon auszugehen, dass die meisten Beschäftigten weiterarbeiten, wenn sie ein BGE erhalten.

Die absolute Anzahl arbeitender Menschen ist nicht mit der kumulierten geleisteten Arbeitszeit gleichzusetzen. Die Arbeitsbereitschaft gilt hier genauer als zeitlicher Anteil der Erwerbstätigkeit an den gesamten wachen Stunden einer Erwerbsperson. Sowohl Umfragen als auch Feld-Experimente ergeben, dass die meisten Beschäftigten ihre Arbeitszeit reduzieren wollen (Gray, 2017, S. 4; Hum & Simpson, 1993, S. 280). Mehr als 60 % der BGE Befürworter (64 %) und auch der Nicht-Befürworter (63 %) würden demnach ihr Arbeitspensum reduzieren (Ketterer et al., 2013, S. 23). In Stunden ausgedrückt bedeutet das laut einer 2010 durchgeführten deutschen Befragung von 2.100 Personen (Haigner et al., 2012, S. 195 f.) durchschnittlich 4 Stunden weniger Arbeit von Erwerbstätigen (ebd., S. 204 ff.). Allerdings hätten Arbeitslose gerne 18,6 Stunden und Hausfrauen und -männer 6,3 Stunden mehr wöchentliche Arbeitszeit (ebd.). Dieses Verhalten lässt sich auch außerhalb hypothetischer Vorhaben in den tatsächlich durchgeführten Experimenten beobachten. So verringerten die Versuchspersonen in vier nordamerikanischen Studien ihre Arbeitszeit, während sie ein Grundeinkommen erhalten haben (Levine, 2005, S. 99; Hum & Simpson, 1993, S. 279). Die Feld- Studien fanden zwischen 1968 und 1980 in verschiedenen US-Bundesstaaten statt und zählen zu den ersten großen wissenschaftlichen Sozialexperimenten in der Grundeinkommens-Forschung (Forget, 2011, S. 285 f.). Sie testeten die Negative Income Tax als eine vom Einkommen abhängige Grundsicherung, sodass jedem arbeitenden und arbeitslosen Teilnehmer ein bestimmter Mindestbetrag sicher ist (Levine, 2005, S. 94). Wer wann weniger arbeitet hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Beispielsweise würden Frauen diese Möglichkeit häufiger in Anspruch nehmen als Männer (Hum & Simpson, 1993, S. 280). Zusätzlich ist eine weitere Entwicklung zu beobachten. Wie in den Umfragen angedeutet entschieden sich tatsächlich mehr Menschen für die Selbstständigkeit (Standing, 2013, S. 26). Das indische Feldexperiment umfasste alle Einwohner jeden Alters aus acht Dörfern einer Region (ebd., S. 24).

Zur Vollständigkeit soll hier auch genannt werden, dass die Befunde zum Großteil aus wohlhabenden Industrieländern stammen. Eine gewisse basale Sicherung der Grundbedürfnisse ist also bereits durch die dortige Infrastruktur und das Vermögenssystem vorhanden. Wird ein BGE in Entwicklungsländern eingeführt, so nutzen es die Teilnehmer nicht unbedingt zur Arbeitsbeendigung oder Investition in die eigene Weiterbildung, sondern zunächst einmal um unerfüllte grundsichernde Bedürfnisse zu erfüllen. Im indischen Experiment verwendeten beispielsweise viele Versuchspersonen das Geld, um ihr Haus zu reparieren oder Basis-Impfungen für ihre Familie zu finanzieren (Standing, 2013, S. 25). Da die Ergebnisse dieser Bachelorarbeit zur Gestaltung einer idealen Arbeitsstelle möglichst genaue Informationen geben sollen, konzentriert sich die Autorin auf die westliche Arbeitswelt, insbesondere die in Deutschland.

Wenn nun weniger Mitglieder einer Gesellschaft arbeiten und zusätzlich weniger Stunden für Unternehmen erwerbstätig sein wollen, muss das arbeitsteilige System vermutlich noch mehr um passende Fachkräfte werben und seine Arbeitsbedingungen auf diese ausrichten. Müssen sie nicht mehr wegen der gesellschaftlichen Teilhabe und finanziellen Absicherung arbeiten, können sie sich freier entscheiden, unter welchen Bedingungen sie beschäftigt sein wollen. Der Einfluss eines BGE auf den Arbeitsmarkt macht sich beispielsweise in der Verteilung der Berufe bemerkbar. Im kanadischen Experiment über das Mindesteinkommen MINCOME in den 1970er Jahren schlossen beispielsweise unter den 12.500 Versuchspersonen mehr Menschen eine weiterführende Schule ab (Forget, 2011, S. 290 f.). Die oben beschriebenen Eigenschaften einer idealen Arbeitsstelle verschieben sich ebenfalls. Laut der Schweizer Umfrage kann sich mehr als ein Viertel (30 % Befürworter, 24 % Nicht-Befürworter) vorstellen, mehr Geld für ihre berufliche Weiterbildung auszugeben, wenn sie ein BGE erhielten (Ketterer et al., 2013, S. 23). Auf Basis des aktuellen Forschungsstands wird im Folgenden die Forschungsfrage mit entsprechenden Hypothesen entwickelt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Bedingungsloses Grundeinkommen und die Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
87
Katalognummer
V430927
ISBN (eBook)
9783668738492
ISBN (Buch)
9783668738508
Dateigröße
5472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsideal, Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, UBI, Mitarbeiter, Zufriedenheit, Motivation, Arbeitsplatz, Herzberg
Arbeit zitieren
Melanie Postler (Autor), 2018, Bedingungsloses Grundeinkommen und die Vorstellung einer idealen Arbeitsstelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430927

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