Unterschiedliche Auffassungen von Privatsphäre und Datenschutz in unterschiedlichen Kulturen

Ein interkultureller Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich in Bezug auf Google


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,3

Nadja Tisserand (Autor)


Leseprobe

Inhalt
1. Einleitung ... 2
2. Privatsphäre und Datenschutz ... 2
2.1.
Deutschland ... 4
2.2.
Vergleich mit Frankreich ... 5
3. Umgang mit Google ... 7
3.1.
Deutschland ... 8
3.2.
Vergleich mit Frankreich ... 9
4. Fazit ... 10
Literaturverzeichnis ... 12

2
1. Einleitung
Das Thema Datenschutz ist seit einigen Jahren ein wichtiger Inhalt vieler politischer Debatten. Nicht
zuletzt seit dem von dem amerikanischen Whistleblower Edward Snowden aufgedeckten NSA-
Skandal, bei dem die Öffentlichkeit von der riesigen Datensammlung des US-amerikanischen Ge-
heimdienstes erfuhr, wird es auch immer wieder von Medien aufgegriffen. Im digitalen Zeitalter, in
dem die Bevölkerung aufgrund eines nahezu endlosen Angebots an Informationen, Angeboten und
sozialen Netzwerken das Internets kaum noch entbehren kann, fehlt trotz allem noch immer ein klares
Bewusstsein darüber, dass man beim Surfen im Internet mehr persönliche Daten über sich preisgibt als
man möglicherweise bisher dachte (Reppesgaard 2010:31). Aus diesem Grund sehen viele Staaten den
Schutz der Daten ihrer Bürger im Internet als immer wichtiger und die ,,Privatsphäre" als ein zu schüt-
zendes Gut an. Wie ernst der Schutz dieser Daten in Europa genommen wird, zeigt unter anderem die
neue EU-Datenschutzverordnung, die ab Mai 2018 einheitlich für alle Länder der Europäischen Union
gelten wird (Witybul 2016:5). In der Vergangenheit hat sich vor allem bei der Datenverarbeitung im
Internet abgezeichnet, dass die EU und viele ihrer Mitgliedstaaten ihre Datenschutzgesetze oftmals
gegen US-amerikanische Online-Großunternehmen durchsetzen müssen, die in ihrem Heimatland
weniger strengen Regularien unterworfen sind (Reppesgaard 2010:138). Die Amerikaner gehen anders
mit ihrer Privatsphäre und folglich auch mit ihrem Datenschutz um, was bei Europäern oft auf Unver-
ständnis trifft, aber keinesfalls bedeutet, dass die Amerikaner keine bestimmte Vorstellung davon ha-
ben, was genau Privatsphäre ist (Altman 2010: o.S.). Wenn man Altmans Theorie, dass die Entwick-
lung einer bestimmten Auffassung von Privatsphäre universell in allen Kulturen stattfindet (Altman
2010: o.S.), als Grundlage nimmt, stellt sich die Frage, welche Faktoren zur Bildung dieser definierten
Privatsphäre in unterschiedlichen Kulturen beitragen und wie diese gesetzlich im Datenschutz reflek-
tiert wird. In der folgenden Arbeit soll dieser Frage anhand eines interkulturellen Vergleichs zwischen
Frankreich und Deutschland nachgegangen werden. Sowohl durch eine Untersuchung der gesellschaft-
lichen als auch der politischen Definition von Privatsphäre, mit dem Schwerpunkt des zivilen Daten-
schutzes im Internet, soll erforscht werden, in welchem Maße sich die unterschiedlichen Auffassungen
von Privatsphäre beider Länder entwickelt haben und unterscheiden. Wie sich Datenschutz in Frank-
reich und Deutschland konkret im Internet äußert, soll am Beispiel des Umgangs beider Länder mit
dem US-amerikanischen Unternehmen Google Inc. aufgezeigt werden.
2. Privatsphäre und Datenschutz
Der Begriff ,,Privatsphäre" beschreibt ein Konzept, das sich nicht ganz in einer allumfassenden Defini-
tion beschreiben lässt. Wer im Duden nachschlägt, findet dort die aktuelle Erklärung ,,ganz persönli-
cher Bereich" (Duden, Privatsphäre, o.J.: o.S.), 1983 erklärte W.A. Parent, dass man Privatsphäre erst
definieren kann, wenn man sie klar von anderen Konzepten abgrenzt und beschreibt sie als ,,das Nicht-
Kennen von nicht-dokumentierten Informationen über einen anderen
1
" (Parent 1983:269). Christian
Heller wiederum beschreibt sie 2011 in Post-Privacy als ,,frei vom Diktat durch andere" und als einen
1
Übersetzung der Autorin aus dem Englischen

3
,,Ort der Freiheit" (Heller 2011:26). Während alle Definitionen einen Ort oder einen Zustand be-
schreiben, in den kein Fremder eindringen kann und in dem ein Individuum selbst entscheiden kann,
welche Informationen er oder sie preisgeben oder vor den Augen anderer verbergen möchte, kann man
deutlich erkennen, dass keine Definition einen genauen Aufschluss darauf gibt, wann genau eine Pri-
vatsphäre vollkommen ist bzw. ab welchem Augenblick man von einem klaren Verlust von Pri-
vatsphäre sprechen kann. Beispielweise ist unklar, wie Heller das ,,Diktat" durch andere definiert und
,,der ganz persönliche Bereich" im Duden nimmt keinen Bezug darauf, was dieser Bereich genau um-
fasst.
Der Grund für die Schwierigkeit, Privatsphäre klar zu definieren, liegt in ihrer einerseits individuellen
als auch historischen Entwicklung (Heller 2011:26). Denn das Bedürfnis nach der ,,Privatheit" von
Personen und Gesellschaften verändert sich im Laufe der Geschichte durch technische sowie juristi-
sche Entwicklungen (Bayraktar 2017:8). In Europa waren die Menschen beispielsweise im prä-
industriellen Zeitalter allein durch die Art und Weise ihres Zusammenlebens in kleineren Gemeinden
und größeren Familien dazu gezwungen, gegenseitig mehr von sich preiszugeben (Heller 2011:26).
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich in europäischen Ländern das Konzept des ,,Privaten" im
Haushalt und des abgeschirmten Bereichs durch, wie wir es heute kennen. Bedingt durch den wach-
senden Luxus in sozial schwächeren Schichten, der es schließlich mehr Menschen erlaubte, ein behü-
tetes Leben hinter den eigenen vier Wänden zu führen, hielt das Konzept der ,,Privatsphäre" Einzug in
die Gesellschaft (ibid.:42). Ein weiterer Faktor, der später insbesondere in westlichen Staaten die Be-
deutung von Privatsphäre vor allem der Regierung gegenüber beeinflusste, waren kommunistische
Überwachungsstaaten wie die UdSSR und die DDR. Privatsphäre wurde zu einem Gut, das eng mit
Freiheit und einer demokratischen Gesellschaft verflochten war, zu einem ,,Selbstbestimmungsrecht
gegen einen übermächtigen Staat". (ibid.:42-43)
Diese Beobachtung lässt deutlich erkennen was Altman (2010: o.S.) beschreibt: Menschen und Kultu-
ren haben zu jedem Zeitpunkt eine Vorstellung von Privatsphäre, ordnen dieser aber situationsbedingt
unterschiedliche Bedeutungen zu, wie zum Beispiel das Symbol der Freiheit in streng überwachten
Regimes (Heller 2011:43). Inwieweit diese Bedeutungen sich noch heute im interkulturellen Kontext
unterscheiden, wird ersichtlich, wenn man verschiedene Gesetze zum Schutz der Privatsphäre, insbe-
sondere Datenschutzgesetze, unterschiedlicher Länder betrachtet.
Datenschutzgesetze sollen ,,den Bürger vor Beeinträchtigungen seiner Privatsphäre durch unbefugte
Erhebung und Weitergabe von Daten, die seine Person betreffen" schützen (Duden, Datenschutz, o.J:
o.S.). Wo die Bürger jedoch im 20. Jahrhundert noch vorrangig vor unbefugter Datenerhebung durch
den Staat geschützt werden sollten (Taraz 2016:100), hat sich die Bedrohung der Privatsphäre über die
letzten Jahre ins Internet verlagert (Heller 2011:83). Vor fünfzig Jahren war hauptsächlich der Staat an
den persönlichen Informationen, politischen Neigungen und Interessen der Bevölkerung interessiert;
heute gelten Nutzerdaten als das kostbarste Handelsgut für unzählige Online-Unternehmen, um durch

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Auswertung und zielgerichtete Werbung ihre kommerziellen Ziele zu erreichen (Papacharissi 2010:42-
43). Das Internet stellt Regierungen und Datenschützer vor ein großes Problem: Es findet ein Hoheits-
verlust im Internet statt (Heller 2011:83), da nicht alle Unternehmen ihren Sitz im selben Land haben
und aus diesem Grund nicht alle den gleichen Datenschutzgesetzen unterworfen sind, ihre Dienstleis-
tungen aber von vielen Ländern aus zugänglich sind. Heller beschreibt das Internet aus diesem Grund
als ,,gefährliche Gegenmacht, die der Staat längst als solche erkannt hat." (ibid.) Im folgenden Ver-
gleich zwischen Deutschland und Frankreich wird die Entwicklung der unterschiedlichen Auffassung
von Privatsphäre und Datenschutz beider Länder untersucht und beleuchtet, wie sie mit den wachsen-
den datenschutzrechtlichen Herausforderungen im Internet umgehen.
2.1. Deutschland
Das Konzept der Privatsphäre in Deutschland hat sich stark aus historischen Ereignissen heraus entwi-
ckelt (Bamberger/Deidle 2013:1569). In Deutschland ist Datenschutz nicht nur ein bedeutsames The-
ma, weil das erste offizielle Datenschutzgesetz schon 1970 in Hessen verabschiedet wurde (Heller
2011:75), sondern auch, weil sich die Bundesrepublik bemüht, die Privatsphäre seiner Bürger als
wichtiges Gut zu erhalten und ihren Schutz im Grundgesetz (Art.2 Abs. 1i. V. m. Art. 1 Abs. 1) veran-
kert hat (Bayraktar 2017:142). Der Begriff ,,Privatsphäre" gibt Aufschluss darüber, dass das Private im
Leben des Einzelnen im wahrsten Sinne des Wortes als eine Sphäre, also als ein räumlich abgetrennter
Bereich, zu betrachten ist, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hat (Bennet 1992:27). Diese Defi-
nition von Privatsphäre wurde in Deutschland historisch wesentlich vom Holocaust durch das NS-
Regime beeinflusst (Bamberger/Deidle 2013:1569), in welchem Datensammlungen eine große Rolle
bei der Massentötung von Juden spielten. Die damalige ,,Verdatung von Menschen machte es leicht,
sie zu kontrollieren [und] zu unterwerfen. (Heller 2011:75)."
Privatsphäre wird von Deutschen demzufolge nicht nur als das Recht des Einzelnen auf einen privaten,
vor den Augen anderer verborgenen Bereich gesehen, sondern ist in einen weiteren, ethischen Rah-
men, der mit dem Erhalt menschlicher Würde im Zusammenhang steht, eingebettet (Bamber-
ger/Deidle 2013:1566).
Gleichzeitig verlässt man sich in Deutschland beim Schutz der Privatsphäre sehr auf den Staat
(ibid.:1568). Bei Befragungen im Rahmen einer vergleichenden Studie zum Datenschutz in europäi-
schen Unternehmen gaben deutsche Mitarbeiter an, dass vor allem Datenschutzgesetze den Grundstein
für den Schutz der Privatsphäre in Deutschland bilden (ibid.). Das Grundgesetz legt dementsprechend
fest, dass das Privatleben eines deutschen Bürgers geachtet und eine persönliche Lebenssphäre sowie
das Recht auf information-elle Selbstbestimmung garantiert werden muss (Bayraktar 2017:142).
Das Bundesdatenschutzgesetz regelt seit 1977, wie mit persönlichen Daten verfahren werden soll,
wobei die Betonung nicht auf dem Schutz der Daten, sondern deutlich auf dem Schutz der Bürger liegt
Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Unterschiedliche Auffassungen von Privatsphäre und Datenschutz in unterschiedlichen Kulturen
Untertitel
Ein interkultureller Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich in Bezug auf Google
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (ITMK)
Veranstaltung
Proseminar- Privacy Matters
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V431013
ISBN (eBook)
9783668742772
ISBN (Buch)
9783668742789
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
privacy, google, datenschutz, data protection, privatsphäre, interkulturell, kulturanalyse, frankreich, deutschland, proseminar, vie privée, vergleich
Arbeit zitieren
Nadja Tisserand (Autor), 2018, Unterschiedliche Auffassungen von Privatsphäre und Datenschutz in unterschiedlichen Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431013

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