Afghanistan. Konsequenzen der RS-Mission auf die zivil-militärische Zusammenarbeit


Hausarbeit, 2018
15 Seiten

Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis:
1.
Einleitung ... 3
2.
Zivil-Militärische Zusammenarbeit ... 4
2.1 Begriffsdefinition ... 4
2.2 RS-Mission: Aufgaben, Ausgestaltung und Ziele ... 5
2.3 Unterschiede zwischen ziviler und militärischer Entwicklungszusammenarbeit und daraus
entstehende Probleme ... 6
2.4 Ergebnisse und Folgen der RS-Mission ... 9
3.
Schluss: Möglichkeiten der effektiven Entwicklungszusammenarbeit ... 12
4.
Literaturverzeichnis ... 13

3
1. Einleitung
Wenn Sie davon ausgehen, dass mit Militär Afghanistan stabiler würde ­ das haben wir jetzt
13 Jahre versucht und nicht erreicht. Wieso sollen wir das in den nächsten zwei Jahren mit
einem Bruchteil der Truppen erreichen? Wir sollten Ende dieses Jahres gehen und zwar
ganz. (Thomas Ruttig, 2014)
1
Kritiker, wie Thomas Ruttig, und Befürworter des Afghanistan-Einsatzes streiten seit
Jahren über seine Sinnhaftigkeit und Zielerfüllung. Gerade in Bezug auf die
Entwicklungszusammenarbeit durch das Militär, also eine zivil-militärische Hilfe, wird
heftig diskutiert, da sie statt friedensfördernde auch konfliktverschärfende und
-verlängernde Mechanismen haben kann.
2
Außerdem sehen Kritiker die Neutralität der
humanitären, zivilen Entwicklungshilfe im Zusammenhang mit dem Militär gefährdet.
Gerade nach 9/11 tendiert die Entwicklungs- und Außenpolitik Europas und der USA zur
Militarisierung, um durch eine Intervention eine Konflikteskalation zu verhindern und den
Frieden zu fördern. In Afghanistan wurde dies durch die UN-ISAF Mission und NATO-
Resolut Support Mission (RS-Mission) umgesetzt, worauf in Punkt zwei näher
eingegangen wird.
In dieser Hausarbeit soll analysiert werden, welche Konsequenzen die NATO-RS-Mission
im destabilen Afghanistan im Bezug auf die zivil-militärische Kooperation hat und warum
sie als kontrovers zu betrachten ist. Hierbei werden die Mandatsaufgaben ihrer Erfüllung
gegenübergestellt und das Gesamtkonzept des Bündnisses betrachtet.
Hinzugezogen werden außerdem Entwicklungsansätze inklusive deren Wirkungsanalysen
zum Vergleich des zivil-militärischen ,,Do no Harm" und des rein zivilen ,,Reflecting on
Peace Practice" Ansatzes. Miteinbezogen werden auch die Haupttypen der
Friedensförderung, die Theorien aufstellen wann und wie Konflikte bestmöglich gelöst
werden können.
1
Ruttig, Thomas. ,,Thomas Ruttig über Afghanistan". Afghanistan Zhaghdablai, 22. November 2014.
https://thruttig.wordpress.com/2014/11/22/in-afghanistan-bleiben-oder-abziehen-gedanken-zum-welt-
interview- von-tom-koenigs/. (zuletzt aufgerufen am 19. Februar 2018)
2
Zdunnek, Gabriele. ,,Wirkungen von Friedensförderung, Entwicklungszusammenarbeit und Militarisierung -
Konzepte und Praxis in Afghanistan". Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt
122­ 123 (2011), S. 179.

4
2. Zivil-Militärische Zusammenarbeit
2.1 Begriffsdefinition
Zivil-militärische Zusammenarbeit ,,[...] ist die Koordination und Kooperation zur
Unterstützung des militärischen Auftrags zwischen dem NATO-Kommandeur und zivilen
Akteuren, die Bevölkerung vor Ort und lokale Autoritäten ebenso eingeschlossen, wie
nationale, internationale und Nicht-Regierungsorganisationen und Behörden." (IMI, 2005)
3
Im Rahmen des Militärs werden dabei zivile Kooperationen geschlossen, da keine rein
militärische Konfliktlösung von Dauer ist. Die zivilen Organisationen sichern das
Überleben der Soldaten und verbessern die Lebenssituation der Menschen vor Ort, da hier
mit dem entwicklungspolitischen Aufbau und der Versorgung des Landes angesetzt werden
kann.
4
Beispiele hierfür sind der Medikamenten- und Materialtransport, sowie die
medizinische Versorgung. In Afghanistan liegt der Schwerpunkt allerdings auf dem Aufbau
der effektiven Polizeiarbeit, was das Land stärken und die NATO - Militärkooperation
unterstützen soll.
Andererseits kann diese Zusammenarbeit in Krisengebieten problematisch sein, da
humanitäre, meist Nicht-Regierungsorganisationen, andere Ziele verfolgen als das Militär.
Dieses versucht oft die NGOs in seine militärischen Vorgänge miteinzubeziehen.
5
Hierbei wird zwischen der direkten und der indirekten Friedensförderung unterschieden. Zu
einer direkten gehören Konfliktmanagement, Entwaffnung und Reintegration, was zumeist
in den Aufgabenbereich der Armee fällt. Bei der indirekten Friedensförderung ist die sozio-
ökonomische Entwicklung, ,,good governance", der Aufbau einer stabilen Justiz und des
Sicherheitssektors eingeschlossen.
6
Hierfür ist die Kooperation der zivil-militärischen
Entwicklungshilfe wichtig, um die Sicherheitspolitik Afghanistans zu entmilitarisieren und
mehr Ressourcen für die zivile Konfliktbearbeitung zu Verfügung zu stellen.
Ein Mangel an ressortübergreifender Planung ist hier allerdings von großem Nachteil, da die
Hilfsgüter so keine vollständige Wirkung entwickeln können.
3
Pflüger, Tobias. ,,Zivil-militärische Zusammenarbeit". IMI-Magazin, Februar 2005. http://www.imi-
online.de/download/TP-CIMIC.pdf, S. 10.
4
ebd. S. 11.
5
ebd., S. 13.
6
Zdunnek, Gabriele. ,,Wirkungen von Friedensförderung, Entwicklungszusammenarbeit und Militarisierung -
Konzepte und Praxis in Afghanistan". Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt
122­ 123 (2011), S. 178.

5
2.2 RS-Mission: Aufgaben, Ausgestaltung und Ziele
Die Folgemission der UN-ISAF Mission ist die am 01. Januar 2015 in Kraft getretene,
NATO geführte Resolute Support Mission. Das Ziel des Einsatzes ist die Stabilisierung
Afghanistans, weshalb sich das Mandat der 13.000 Soldaten weitgehend auf das Training
der nationalen Sicherheitskräfte und die Verfahrensregelung mit politischer Beratung
beschränkt.
7
Beratung und Ausbildung der nationalen Sicherheitskräfte, die die Polizei wie auch das
afghanische Militär einschließen, sind allerdings nur ein kleiner Teil der zu erfüllenden
Aufgaben der NATO Soldaten. Sicherung, Schutz sowie Führungs- und
Logistikunterstützung, aber auch Aufklärung, Überwachung und das militärische
Nachrichtenwesen gehören zu ihren Aufgaben. Eine weitere Funktion ist die
sanitätsdienstliche Versorgung und humanitäre Hilfe im Rahmen zivil-militärischer
Zusammenarbeit.
8
Ein Schritt der Stabilitätssicherung wurde bereits erreicht, da die 350.000 afghanischen
Sicherheitskräfte die Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen konnten.
9
Andererseits verbessert sich die sicherheitspolitische Lage nur sehr langsam, Anschläge
und kriegsähnliche Handlungen blockieren die zivile Entwicklungszusammenarbeit,
weshalb diese nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich ist.
10
Das Bundeswehr Mandat soll 2018 deshalb von 980 auf 1300 Soldaten aufgestockt
werden.
11
7
NATO. ,,Resolute Support Mission in Afghanistan", 10. November 2017.
https://www.nato.int/cps/en/natohq/topics_113694.htm. (zuletzt aufgerufen am 19. Februar 2018)
8
"Der Einsatz in Afghanistan", 19. Dezember 2016.
http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/a/einsatzbw/start/aktuelle_einsaetze/afghanistan/info_isaf/!ut/p/z1/
hU5PC4IwHP0sHbzuNxTLuq2MKIQCjXSXmLqmsZzM5fr4GZ6CpHd7f3lAIQXasL4WzNSqYXLgGZ1f
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SEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922DTUA0IE50OSCD3G32. (zuletzt aufgerufen am 19. Februar 2018)
9
ebd. (zuletzt aufgerufen am 19. Februar 2018)
10
tagesschau. ,,Kämpfe, Anschläge, Entführungsgefahr", 6. März 2018.
http://www.tagesschau.de/inland/afghanistan-bericht-der-bundesregierung-101.html. (zuletzt aufgerufen am 22.
Februar 2018)
11
ebd.

6
2.3 Unterschiede zwischen ziviler und militärischer Entwicklungszusammenarbeit und
daraus entstehende Probleme
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, kann die Intervention in Krisengebieten durch eine
zivil-militärische statt eine rein humanitäre Entwicklungshilfe oft konfliktverschärfend,
statt friedensfördernde Auswirkungen haben, weshalb ein Plan zur Planung, Durchführung
und Evaluierung eingehalten werden muss.
12
Dieser ist nach einer politischen,
ökonomischen und sozialen Entwicklung der menschlichen Sicherheit bzw. der
Notwendigkeit einer Militarisierung zur Friedensentwicklung ausgelegt.
13
Eine Möglichkeit hierfür ist der konfliktsensible ,,Do no Harm" Ansatz, bei dem die
Wirkung der Entwicklungszusammenarbeit reflektiert wird, um die sozio-ökonomische
Situation zu verbessern.
Bei diesem Schema wird schon im Vorfeld untersucht, welchen Einfluss die zivil-
militärische Intervention auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der einheimischen
Gruppen und das Land im Allgemeinen hat.
14
Hierzu stellt Mary Anderson ein Analyseschema auf, was auch die Möglichkeit der
Intervention im Konfliktkontext bestimmt:
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Als erstes muss der Konfliktkontext analysiert werden, um als nächstes trennende
Faktoren (,,dividers") zwischen den Gruppen zu analysieren, die ökonomischer,
struktureller, politischer oder sozialer Herkunft sein können. Diese schaffen Spannungen
und erhöhen das Konfliktpotential. Im nächsten Schritt können verbindende Merkmale
(,,connectors") herausgestellt werden, die Gruppen zusammenbringen, weshalb auf ihnen
Frieden aufgebaut werden kann. Die negativen, trennenden Einflüsse müssen weitgehend
verhindert, die positiven hingegen maximiert werden.
Des Weiteren müssen die Hilfsorganisationen inklusive ihrer Projekte auf Mandat,
Finanzierung und Organisationsstruktur untersucht werden, damit ihre Wirkung auf
trennende und verbindende, also friedensfördernde Eigenschaften dargelegt werden kann.
Organisationen der bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit haben einen
12
Zdunnek, Gabriele. ,,Wirkungen von Friedensförderung, Entwicklungszusammenarbeit und Militarisierung -
Konzepte und Praxis in Afghanistan". Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt
122­ 123 (2011), S. 179.
13
ebd., S. 182.
14
CDA. ,,Do no harm: a brief introduction from CDA". Cambridge, o. J.
http://cdacollaborative.org/wordpress/wp-content/uploads/2018/01/Do-No-Harm-A-Brief-Introduction-from-
CDA.pdf. (zuletzt aufgerufen am 24. Februar 2018)
15
Zdunnek, Gabriele. ,,Wirkungen von Friedensförderung, Entwicklungszusammenarbeit und Militarisierung -
Konzepte und Praxis in Afghanistan". Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt
122­ 123 (2011), S. 180f.
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Details

Titel
Afghanistan. Konsequenzen der RS-Mission auf die zivil-militärische Zusammenarbeit
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Einführung in die Politikwissenschaft
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V432257
ISBN (eBook)
9783668743977
ISBN (Buch)
9783668743984
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
afghanistan, konsequenzen, rs-mission, zusammenarbeit
Arbeit zitieren
Isabell Mitschke (Autor), 2018, Afghanistan. Konsequenzen der RS-Mission auf die zivil-militärische Zusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432257

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