Nationaler und internationaler Kreuzfahrtmarkt 2018. Zahlen, Daten und Entwicklungen der letzten Jahre


Fachbuch, 2018
65 Seiten, Note: Fachbuch

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1 Struktur, Ziel und Aufbau dieses Buches
1.1 Einleitung
1.2 Vorgehensweise

2 Grundlegendes zur Kreuzschifffahrt und Marktanalyse
2.1 Terminologische Festlegungen und Abgrenzungen
2.1.1 Definitionen zum Thema Kreuzfahrten
2.1.2 Zur Einteilung der Schiffe in Kategorien
2.1.2.1 Einteilung nach Aspekten der Schiffsgröße
2.1.2.2 Einteilung nach Ausstattung, Komfort und Service
2.2 Historischer Rückblick
2.3 Gegenwärtige Situation und kurzer Marktüberblick
2.3.1 Konzentrationen und Kooperationen in der Kreuzfahrtbranche
2.3.2 Aktuelle Zahlen und Daten 2017 und ausgewählte Vergleichswerte der letzten Jahre
2.3.2.1 Zum internationalen Markt
2.3.2.2 Zum nationalen Markt

3 Betriebswirtschaftliche Besonderheiten und relevante Aspekte von Kreuzfahrtunternehmen
3.1 Personelle Aspekte
3.1.1 Zur hohen Personalintensität auf Kreuzfahrtschiffen und zahlenmäßiger Mitarbeiterproduktivität
3.1.2 Ansätze zur Bedeutung des starren Personalbestands
3.2 Zum Problem des hohen Fixkostenblocks

4 Angebotsseitige Kategorisierung von Passagierschiffen nach Douglas Ward
4.1 Kriterien und Bewertungsschema
4.2 Ergebnisse der Evaluation 2018
4.2.1 Ergebnisse nach Schiffsgrößen und Zielgruppen
4.2.2 Herausragende Bewertungen

5 Produktpolitische Positionierung
5.1 Grundlagen und Abgrenzungen
5.1.1 Das Innovationsmanagement
5.1.2 Das Management bereits am Markt etablierter Produkte
5.1.3 Das Markenmanagement
5.2 Notwendigkeit der produktpolitischen Positionierung in der Kreuzfahrtbranche
5.3 Praktische Umsetzung am Kreuzfahrtmarkt
5.3.1 Festlegung des Produktes und Wahl der Schiffsphilosophie
5.3.2 Positionierung im Sternesegment
5.3.3 Serviceleistungen
5.3.3.1 Pre-Cruise-Services
5.3.3.2 In-Cruise-Services
5.3.3.2.1 Beherbergungs- und gastronomische Leistungen
5.3.3.2.2 Entertainment und Landausflüge
5.3.3.2.3 Non-Cruise-Business an Bord
5.3.3.3 Post-Cruise-Services
5.3.4 Angebot der Destinationen und Routen
5.3.4.1 Typische Routen klassischer Kreuzfahrtschiffe
5.3.4.2 Bevorzugte Routen von Club- und Funschiffen
5.3.4.3 Besonderheiten des Routings bei Kreuzfahrten im unteren Sternesegment
5.4 Exkurs: Kurzeitiges Bestehen im Low-Cost Sektor am Beispiel EasyCruise

6 Ausgewählte Ansätze zur Ertragsverbesserung und MarketingStrategien
6.1 Konzentrationstendenzen
6.2 Ausflaggung
6.3 Privatinseln im Besitz von Kreuzfahrtunternehmen
6.4 Preispolitische Maßnahmen
6.5 Produkt-Markt-Strategien

7 Umweltaspekte
7.1 Schadstoffemission
7.2 Müllproblematik

8 Probleme und Tendenzen der Kreuzfahrtindustrie
8.1 Aktuelle Branchensituation
8.2 Zukünftige Kapazität der Weltkreuzfahrtflotte

9 Schlußbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Struktur, Ziel und Aufbau dieses Buches

1.1 Einleitung

Kaum eine andere Form des Reisens wird so häufig mit dem Begriff „Traumreise“ assoziiert wie eine Kreuzfahrt. Und keine andere Form des Reisens wird mit so viel Abenteuer, Sehnsucht und Entdeckertum in Verbindung gebracht.

Die Kreuzfahrt, früher ein Nischenprodukt mit elitärem Image, hat sich zu einer Reise- und Urlaubsform für den Massenmarkt entwickelt. Kein Bereich des Tourismus konnte in den Jahren, in denen die Kreuzfahrt in den Massenmarkt integriert wurde, höhere Zuwachsraten verzeichnen und hat vergleichbar innovative Ideen und Konzepte auf den Markt gebracht.

Auch heute warten Kreuzfahrtneubauten mit immer ausgefalleneren Konzepten auf – die Schiffe sind nicht mehr nur eine Kleinstadt auf dem Wasser, sondern auch Erlebnis- und Abenteuerpark.

Kreuzfahrten weisen in vielen Aspekten herausragende Attribute auf, die das Reisen auf Kreuzfahrtschiffen so einzigartig und besonders machen. Einige davon werden hier im Überblick dargestellt.

Die Nutzung der meisten Transportmittel, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, beruht auf einer derivativen, also einer abgeleiteten Nachfrage. Das bedeutet, dass die Ortsveränderung nicht um ihrer selbst wegen stattfindet, sondern die Ankunft am Zielort zu der entsprechenden Transportnachfrage geführt hat.

Die Nachfrage nach einer Kreuzfahrt hingegen hat fast immer einen originären Charakter. Das heißt, dass der Transport, also der Aufenthalt und die Leistungen an Bord mitsamt der vollzogenen Ortsveränderung, bereits die Motivation der Reise beinhaltet. Diese Tatsache reduziert den intermodalen Wettbewerb, d.h. den Wettbewerb zwischen Verkehrsträgern von Schiene, Straße, Luft und Wasser bei Kreuzfahrten auf ein Minimum.

Einzigartig bei dieser Form des Reisens ist auch die Vielfalt der bereisten Ziele. In kurzer Zeit werden auf komfortabelste Weise unterschiedliche Destinationen angelaufen, die auf dem Land- und Luftweg nur mit großem logistischem Aufwand bereist werden können. Beispiele hierfür sind hier kleine Karibikinseln oder auch das Kreuzfahrtgebiet Spitzbergen.

Manche Ziele, die mitunter von großer touristischer Bedeutung sind, können auch gar nicht anders als auf dem Wasserweg bereist werden oder würden ihre wasserseitig vorhandene Attraktivität verlieren. Hier sind z.B. die Inside-Passage oder die Norwegischen Fjorde zu nennen. Auch der Panama-Kanal wäre ohne die Durchquerung per Schiff touristisch relativ uninteressant.

Eine weitere Besonderheit liegt in der Vielfalt von Funktionen, die ein Kreuzfahrtunternehmen innehat und die Kreuzfahrt dadurch zu einem derart diversifizierten Produkt werden lässt, welches in kaum einer anderen Urlaubs- und Reiseform zu finden ist.

Kreuzfahrtunternehmen sind Verkehrsunternehmen, Reiseveranstalter, Hotel- und Gastronomiebetriebe in einem. Hinzu kommt verstärkt die Funktion der Eventagentur – sowohl an Bord als auch bei Landgängen.

Aufgrund der aufgeführten Faktoren, die sich auch erst im Zeitablauf der letzten Jahre entwickelt haben, bietet sich die Kreuzfahrt als Reiseform für eine heterogene Nachfragegruppe an.

Sprachprobleme tauchen bei Wahl des richtigen Schiffes nur im geringen Ausmaß auf und die körperlichen Anstrengungen dieser Reiseform sind minimal. Aufgrund der Vielzahl von Destinationen und Schiffen offerieren Kreuzfahrtveranstalter heutzutage Schiffsreisen, die nahezu jeden Geschmack treffen.

So sind in den letzten Jahren viele neue Schiffe, Ideen und Konzeptionen in den Markt eingetreten. Die klassische Kreuzfahrt in ihrer bisherigen Form ist in vielen Aspekten, vor allem die Produktpolitik betreffend, diversifiziert worden. Mittlerweile gibt es - national und international - schwimmende Clubanlagen, preisgünstige Mittelklasseschiffe und auch Kurzkreuzfahrten zum Austesten dieser Reiseform. Auch ein Low-Cost-Schiff mit äußerst preisaggressiven Tarifen bot einige Jahre Reisen im Mittelmeer und der Karibik an, ist jedoch inzwischen aus dem Markt ausgetreten.[1]

Trotzdem ist und bleibt die Kreuzfahrt als Urlaubsform etwas Besonderes – und zählt auch heute noch zu den Reisen, die als Inbegriff von Luxus, Genuss und dem Flair der großen weiten Welt gelten.

Damit wird deutlich, dass die Kreuzfahrt sich von anderen Urlaubsformen markant abhebt. Die aufgeführten Faktoren sind für eine Kreuzfahrt von basaler Natur, als Gesamtprodukt betrachtet jedoch stellen sie im Wesentlichen die „USP“, die „Unique Selling Proposition“ von Kreuzfahrten dar.[2]

1.2 Vorgehensweise

Die einzelnen Kapitel dieser Arbeit sind aufeinander aufbauend gestaltet. Zu Beginn wird Grundsätzliches zum Thema Kreuzfahrten behandelt, wie z.B. Abgrenzungen, Definitionen und die Entstehungsgeschichte.

Eine darauf folgende kurze Skizzierung der aktuellen Situation gibt Aufschluss über das Marktvolumen, sowie einige Eckdaten und den heutigen Stand der Branchenstruktur.

Einige betriebswirtschaftliche Besonderheiten und relevante Aspekte der Kreuzfahrtbranche runden die ersten Kapitel ab. Auf dieser Basis folgt daraufhin die angebotsseitige Kategorisierung der Branche (Kapitel 4).

Anschließend werden relevante Aspekte und Differenzierungsmöglichkeiten der produktpolitischen Positionierung und das Leistungsangebot der Kreuzfahrtindustrie vorgestellt. Es folgen aktuelle Probleme der Branche, fernerhin positive und negative Tendenzen und Prognosen.

Den Abschluss bilden Erläuterungen von ausgewählten Ansätzen zur Verbesserung der anbieterseitigen Ertragslage.

2 Grundlegendes zur Kreuzschifffahrt und Marktanalyse

Kreuzfahrten werden in vielfältiger Form und Art angeboten. Es existieren Kreuzfahrten auf Hochsee- und auf Flussschiffen. Ebenfalls zu Kreuzfahrten im weiteren Sinn zählen Küstenfahrten (z.B. Hurtigruten) und Linienfahrten im Transatlantikdienst (z.B. Schiffe der Flotte von Cunard Lines).

Linienverbindungen mit kürzeren Distanzen sollen hier aufgrund des Fährcharakters unbeachtet bleiben, genau wie Frachtschiffe, die auch vereinzelt Passagiere befördern. Ebenso bleiben Nischenprodukte wie Kreuzfahrtschiffe für Residenten (Schiff „The World“) hier ohne Betrachtung.

Im Folgenden soll vertiefend auf das Produkt der Hochseekreuzfahrt eingegangen werden. Hierzu zählen sowohl Kreuzfahrten ohne spezielle Charakterisierung als auch Reisen, die als Studienkreuzfahrten und Themenreisen durchgeführt werden. Expeditionskreuzfahrten können teilweise zu dieser Kategorie hinzugezählt werden, sind aber oft nicht eindeutig abzugrenzen.[3] In den Statistiken der folgenden Kapitel sind teilweise auch Schiffe enthalten, die nur bestimmte Regionen befahren, wie z.B. die norwegischen Hurtigruten.

2.1 Terminologische Festlegungen und Abgrenzungen

2.1.1 Definitionen zum Thema Kreuzfahrten

Definitionen und Begriffsabgrenzungen zum Thema Kreuzfahrten bleiben oft recht oberflächlich und beziehen sich häufig nur auf Teilaspekte der Kreuzfahrt auf einem Hochseeschiff. Häufig anzutreffende Definitionen beinhalten die Punkte, dass Kreuzfahrten Schiffsurlaubsreisen mit Pauschalreisecharakter sind, bei denen auf einer festgelegten Route verschiedene Häfen angelaufen werden. Die Passagiere haben dabei die Möglichkeit zur Teilnahme an Landausflügen mit entsprechendem Besichtigungsprogramm.[4]

Diese Aspekte treffen zwar basale Elemente jeder Kreuzfahrt, lassen jedoch wichtige Aspekte unberührt. Daher besteht die Notwendigkeit, die Begriffsabgrenzungen umfassender zu gestalten, auch um neuere Konzeptionen zu inkludieren.

Daher sollte eine umfassende Definition auch die folgenden Aspekte berücksichtigen: eine Reise auf ein einem Kreuzfahrtschiff beinhaltet ebenfalls die Transportleistung, also die vollzogene Ortsveränderung, Leistungen der Hotellerie und Gastronomie. Eine Kreuzfahrt ist eine Reise, bei der ein Element in der Bildung, Unterhaltung und Begegnung liegt. Ferner ist zu betonen, dass eine Kreuzfahrt bzw. das Schiff auch als eigene Urlaubsdestination angesehen werden kann, da von den Passagieren nicht (mehr) das vordringliche Ziel verfolgt wird, an einem Ort anzukommen, sondern auf dem Kreuzfahrtschiff unterwegs zu sein.[5]

Ein möglicher Definitionsansatz für Hochseekreuzfahrten könnte sein:

Eine Kreuzfahrt ist eine Urlaubsreise auf einem Hochseeschiff, bei der mehrere Häfen angelaufen werden. Die Passagiere haben dort die Möglichkeit zu Landausflügen. Eine Kreuzfahrt beinhaltet auch Verpflegung, Unterhaltung und die Teilnahme am Bordleben, das entsprechend der Philosophie des Schiffes gestaltet ist. Ebenso enthalten ist die vollzogene Ortsveränderung, die in der Regel aus originärer Nachfrage resultiert.

2.1.2 Zur Einteilung der Schiffe in Kategorien

Die Weltkreuzfahrtflotte besteht aus aktuell über 300 Schiffen. Im Jahr 2017 haben 25,8 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt unternommen. Die „Cruise Lines International Association“ rechnet für 2018 mit einem weiteren Wachstum auf 27,2 Millionen.[6] Für 2018 sind weltweit 17 neue Schiffe geplant. Diese Kreuzfahrtschiffe sind in ihren Attributen natürlich nicht alle gleich, sondern offerieren ein ganzes Spektrum an unterschiedlichen Angeboten. Durch diese Vielzahl erscheint es sinnvoll, Schiffe gleicher oder sehr ähnlicher Merkmale zu Gruppen zusammen zu fassen.

Bei der Einteilung von Kreuzfahrtschiffen in Kategorien gibt es unterschiedliche Ansätze. Unterteilungen in die Philosophie der Schiffe sind nur teilweise sinnvoll. So kann ein klassischer Oceanliner, der eher linienmäßig verkehrt, auch als Schiff mit Studienreisefocus genutzt werden. Unterteilungen dieser Art betreffen den service- und themenorientierten Schwerpunkt der Schiffe und sind damit jederzeit veränderbar, sofern es sich nicht um bestimmte Facilitäten wie z.B. den Kletterpark eines Funships handelt.

Die Unterteilung nach Antriebsart der Schiffe (z.B. Segelyacht, Motorschiff, Turbinenschiff) soll hier keine Anwendung finden, da diese Unterscheidung für das Produkt Kreuzfahrt bei dieser Arbeit wenig relevant ist. Nachfolgend sind zwei Einteilungskriterien für die Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen aufgeführt, die die Schiffe klar abgrenzbar charakterisieren.

2.1.2.1 Einteilung nach Aspekten der Schiffsgröße

Die Größe eines Schiffes wird in Bruttoraumzahl bestimmt. Diese ist eine dimensionslose Zahl und errechnet sich nach einer festen Formel aus dem Volumen des seefest abgeschlossenen Innenraumes eines Schiffes.[7]

Die Bruttoraumzahl korreliert mit der Anzahl der Passagiere, die ein Schiff aufnehmen kann. Das zur Zeit (Jungfernfahrt April 2018) größte Schiff der Welt ist die „Symphony of the Seas“ von Royal Caribbean Cruises Ltd. mit einer Bruttoraumzahl von 230.000 und einer maximalen Passagierkapazität von 6.700 Personen.

Das Maß der Bruttoregistertonne (BRT) hingegen wird international seit 1994 nicht mehr verwendet.

Die Einteilung nach Schiffgrößen folgt auch hier dem Trend der immer größer werdenden Kreuzfahrtschiffe. Vor rund zehn Jahren erfolgte die Größenkategorisierung noch wie dargestellt:[8]

Abb.1: Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen anhand Passagierkapazität und BRZ 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle: Eigene Darstellung nach Ward, 2005, S. 150 und eigene Recherchen bei Kreuzfahrtanbietern.

Mittlerweile wurden die Größenkategorien auf die seit einigen Jahren auf dem Markt existierenden Mega-Linern angepasst. Ward orientiert sich in seiner aktuellen Ausgabe des jährlich erscheinenden „Complete Guide to Cruising and Cruise Ships“ nur noch an der Passagierkapazität als Kennzahl.

Aufgrund der immer größeren Individualisierung des Marktsegmentes kann die BRZ nur als grobe Zuordnung betrachtet werden. Im Luxussegment befindet sich eine sehr große PSR (Passenger Space Ratio), ebenso werden sämtliche Facilitäten der Freizeitgestaltung auf den Resortschiffen wie Eisbahn, Kletterparcours und Wasserpark mit in die PSR eingerechnet. Klassische Schiffe, die dieses überbordende Freizeitangebot nicht haben, weisen somit eine kleinere PSR auf, wenngleich die Kabinen durchaus wesentlich größer sein können.

Abb.2: Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen anhand Passagierkapazität und BRZ 2018

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle: Eigene Darstellung nach Ward, 2018 und eigene Recherchen bei Kreuzfahrtanbietern.

Anhand dieser Änderung der Größenkategorisierung wird deutlich, welcher Gigantismus auf dem Kreuzfahrtmarkt entstanden ist. 2004 zählte ein Schiff, welches mehr als 1.200 Betten besaß, bereits zu der Kategorie Resort-Schiff.

Noch nicht einmal 20 Jahre später muss ein Schiff schon über 2.500 Passagiere (also mehr als das Doppelte) fassen, um in die Kategorie zu fallen.[9]

2.1.2.2 Einteilung nach Ausstattung, Komfort und Service

Eine andere Form der Unterteilung erfolgt nach der Leistungskategorie in Bezug auf die Ausstattung und Dienstleistungsqualität. Diese ist ähnlich den Hotelklassifizierungen nach Sternen und lässt sich in fünf Kategorien einteilen.[10]

Obwohl die Dienstleistungsqualität natürlich variabel sein kann, ist eine hohe Korrelation zwischen der Ausstattung eines Schiffes und der gebotenen Dienstleistung anzutreffen.

Abb.3: Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen anhand Ausstattung, Komfort und Service

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle: Eigene Darstellung nach Ward und Informationen von Kreuzfahrtanbietern.

2.2 Historischer Rückblick

Die eigentliche Idee der Kreuzfahrt war aus der Not heraus geboren. Ende des 19. Jahrhunderts stand der Großteil der Passagierschiffe im Dienste der Linienreedereien, die sowohl kontinental als auch interkontinental operierten. Diese komfortablen Schiffe waren in den Sommermonaten gut ausgelastet, im Winter jedoch war die Buchungslage sehr schlecht. Daraus resultierend wurde nach einer Möglichkeit gesucht, die kostenintensiven Schiffe und die Besatzung auch in den buchungsschwachen Wintermonaten zu beschäftigen.

Albert Ballin, der damalige Direktor der HAPAG (Hamburg-Amerikanische-Paketfahrt-Aktiengesellschaft), fand einen Ausweg aus diesem betriebswirtschaftlichen Problem und legte damit den Grundstein zur Kreuzfahrt in der heutigen Form. Ballin veranstaltete die erste Vergnügungskreuzfahrt, die als „Orient-Excursion“ ausgeschrieben war. Am 22. Januar 1891 stach die „TS Augusta Victoria“ mit 241 Passagieren internationaler Herkunft an Bord von Cuxhaven aus in See. Diese erste Kreuzfahrt der HAPAG verlief über britische, portugiesische und italienische Häfen, über Jaffa (heute Tel Aviv-Jaffa) und Beirut.

Aufgrund des Erfolges der Reise und der resultierenden Nachfrage konnte im Jahre 1894 von der HAPAG die nächste Kreuzfahrt, eine Nordlandreise, veranstaltet werden. Diese wurde wieder mit der „TS Augusta Victoria“ durchgeführt. Zwei Jahre später brach das Schwesternschiff „TS Columbia“ sogar zu einer Kreuzfahrt zu den westindischen Inseln (Karibik) auf.[11]

Die Idee von Albert Ballin und seinem Unternehmen erwies sich in den folgenden Jahren als so zugkräftig, dass auch andere Reedereien und Schiffseigner seinem Beispiel folgten und mit ihren Linienschiffen erste Kreuzfahrten veranstalteten.

Der Niedergang der Linienschifffahrt wurde in den Wirtschaftswunderjahren Deutschlands durch die Entwicklung und den Einsatz von Flugzeugen als Massenverkehrsmittel für weite Distanzen ausgelöst.[12] Zu diesem Zeitpunkt mussten sich die Schiffsunternehmer von ihrem Kerngeschäft lösen und die Schiffe entsprechend den Ansprüchen der Kreuzfahrtgäste umrüsten.

Von nun an begann in Europa und Nordamerika ein rasantes Wachstum in der Kreuzfahrtbranche. Ein Anstieg der Passagierzahlen im zweistelligen Bereich konnte generiert werden, was einen Bauboom an Kreuzfahrtschiffen in den Werften hervorrief.

Ein wesentlicher Einbruch der progressiv steigenden Branche erfolgte zu Beginn der Achtziger Jahre. Die Verknappung der Rohölfördermenge führte zu einer Explosion des Ölpreises auf dem Weltmarkt, was eklatante Auswirkungen auf die Kreuzfahrtbranche hatte. Die Preise für Kreuzfahrten stiegen Jahr für Jahr, den negativen Höhepunkt dieser Preisexplosion bildete das Jahr 1982. In diesem Jahr betrug die Steigerung der Kreuzfahrttarife 35% im weltweiten Durchschnitt. Erst vier Jahre später verlangsamte sich dieser Preisauftrieb und ein Ende dieser Rezession war in Sicht.[13]

Von nun an belebte sich der internationale Kreuzfahrtmarkt zusehends. Europäische Reedereien und Kreuzfahrtveranstalter generierten immer höhere Umsätze und konnten somit immer neuere Schiffe kaufen und in Dienst stellen.

Der amerikanische Markt konsolidierte sich insofern, dass überproportional viele Routen in die Karibik nachgefragt wurden. Der Quellmarkt bestand hier vor allem aus Passagieren von der Ostküste der USA. Bis dato fuhren die Schiffe größtenteils ab dem Basishafen New York, was aber aus mehreren Gründen nicht optimal war.

Die Seestrecke bis zur Destination Karibik war relativ lang, und aufgrund von kaltem, schlechtem Wetter und rauer See eher unangenehm. Hinzu kamen die hohen Liegekosten in New York. Um dies zu umgehen, errichteten die Reedereien Ende der Achtziger und zu Beginn der Neunziger Jahre Hauptquartiere in Florida, vor allem in Miami und Ft. Lauderdale. Dies hat sich als dauerhafte Entscheidung erwiesen, denn auch heute noch sticht ein Großteil der Kreuzfahrtschiffe, die in der Karibik kreuzen, von Südflorida aus in See.[14]

2.3 Gegenwärtige Situation und kurzer Marktüberblick

Der Kreuzfahrtmarkt befindet sich seit über 20 Jahren in einer Wachstums- und Veränderungsphase wie nie zuvor. Die Branche hat in den letzten Jahren bis zu zweistellige Zuwächse an Umsatz und Passagierzahlen verbuchen können.[15]

Der Umbruch der Branche zeigt sich sowohl im Entstehen neuartiger Konzeptionen wie auch im veränderten Strukturschema der Reedereien und Veranstalter der Weltflotte an Kreuzfahrtschiffen.

2.3.1 Konzentrationen und Kooperationen in der Kreuzfahrtbranche

Auf dem nationalen und internationalen Markt existieren überwiegend in Konzerne integrierte Kreuzfahrtunternehmen. Häufig erfolgt die Einbindung europäischer Reedereien und Veranstalter in nordamerikanische Kreuzfahrtunternehmen.

Konzentrationen

Unter Konzentration werden Unternehmenszusammenschlüsse im engeren Sinn (Fusion) sowie der Mehrheitserwerb am Grund- oder Hauptkapital bestehender Unternehmen (Konzernbildung) verstanden.[16] Auf dem weltweiten Kreuzfahrtmarkt ist eine starke Konzentration erkennbar. Die die Weltflotte dominierenden Unternehmen gehören nur drei Mutterkonzernen an.

Abb. 4: Konzentration von Kreuzfahrtunternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle: Eigene Darstellung nach Ward und Publikationen der Veranstalter

Kooperation/Strategische Allianzen

Ebenso finden sich auf dem Kreuzfahrtmarkt strategische Allianzen.

Als strategische Allianz wird eine Form der zwischenbetrieblichen Kooperation bezeichnet. Diese Kooperation basiert auf der Erhaltung der rechtlichen Selbständigkeit der Partnerunternehmen und der Verlagerung von Teilen der Entscheidungsautonomie an die Kooperationsinstanz. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausrichtung auf Erreichung bestimmter Ziele.[17]

Hier haben sich in den letzten Jahren deutliche Änderungen ergeben. Z.B. gab es zu Beginn der 2000er Jahre noch diverse Kooperationen, als Beispiel sei hier die „Exclusive-Collection“ genannt, an der neun Kreuzfahrtunternehmen beteiligt waren. Diese Kooperation positionierte sich am Markt als Selektion der luxuriösesten Schiffe weltweit. Die beteiligten Unternehmen, deren Philosophie und Positionierung sich jeweils unterschieden, hatten sich unter dem Dach der „Ships of Excellence“ zusammengeschlossen.[18]

[...]


[1] Vgl. Kap. 5.4. Low-Cost-Schiffsreisen zählen der Definition nach nicht zu Kreuzfahrten, vgl. Kap. 2.1.1. Die anbieterseitige Positionierung jedoch erfolgt als Kreuzfahrt, vgl. Kap. 6.4.

[2] USP = Unique Selling Proposition ist ein strategischer Wettbewerbsvorteil bzw. deutlich erkennbarer Produktvorteil. Vgl. Schmalen, 1996, S. 352, S. 483. Nach Dettmer et al., 1999, S. 144 wurde der Begriff der USP 1923 von einer New Yorker Werbeagentur geprägt.

[3] Z.B. zählen die Expeditionsschiffe „Hanseatic“ und „Bremen“ von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten auf dem deutschen Markt zu Kreuzfahrten.

[4] Vgl. Baumann & Mundt, Reiseveranstaltung, 2000, S. 289 ff.; Pompl, 1997,

S. 288; Schroeder, 2002, S. 201.

[5] Vgl. Schäfer, 1998, S. 8.

[6] Vgl. Ward 2016 S. 6/7 und CLIA Deutschland, Pressemitteilungen vom 15.12.2017 und 07.02.2018.

[7] Vgl. Schifffahrtslexikon.

[8] Vgl.Kap. 4.

[9] Die Passagierkapazität entspricht in der Branche die Anzahl der vollwertigen, unteren Betten. Herausklappbare Pullmanbetten werden hier nicht berücksichtigt.

[10] Vgl. auch Kap. 4.

[11] Vgl. Mundt, Reiseveranstaltung, 2000, S. 283 f.; Schäfer, 1997, S. 47 ff.

[12] Vgl. Pompl, 1997, S. 288.

[13] Vgl. Hockmann, 1993, S. 31.

[14] Vgl. Hockmann, 1993, S. 32.

[15] Vgl. Anhang - Relevante Daten des deutschen Kreuzfahrtmarktes 2000 – 2017.

[16] Vgl. Grochla/Wittmann, 1993, Teilbd. I, S. 1342.

[17] Vgl. Grochla /Wittmann, 1993, Teilbd. 3, S. 4064.

[18] Vgl. Internetseite Ships of Excellence, Stand 2004.

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
Nationaler und internationaler Kreuzfahrtmarkt 2018. Zahlen, Daten und Entwicklungen der letzten Jahre
Note
Fachbuch
Autor
Jahr
2018
Seiten
65
Katalognummer
V433137
ISBN (eBook)
9783668754386
ISBN (Buch)
9783668754393
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reisen, Schiff, Kreuzfahrt, Markt, Urlaub, National, International, Daten, Tourismus, Traumreise, Meer, See
Arbeit zitieren
Dipl.Betriebswirtin(FH) Alexa Ilgner (Autor), 2018, Nationaler und internationaler Kreuzfahrtmarkt 2018. Zahlen, Daten und Entwicklungen der letzten Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433137

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