Gesellschaft in der Fernsehserie "True Blood". Darstellung des Vampirs als Allegorie für eine Minderheit


Bachelorarbeit, 2017

48 Seiten, Note: 12 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der Vampir als Allegorie für eine Minderheit
1.1 Politik der American Vampire League
1.2 Subkultur der Vampire
1.3 Bill Compton, der bürgerliche Vampir

2 Beziehung zwischen Mensch und Vampir
2.1 Der Vampir als Objekt der Begierde und der Lust
2.2 Der Mensch als „Fangbanger“ und „Pet“
2.2 Liebe und Hass

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der ersten Staffel der US-ameri­kanischen Fernsehserie True Blood und der Darstellung des Vampirs als Allegorie für eine Minderheit. Auf welche Weise ist die Serie eine Parabel für soziale Miss­stände und welche filmsprachlichen Mittel werden hierbei benutzt? Anhand ausge­wählter Szenen der jeweilig relevanten Episoden wird die Gesellschaft in True Blood analysiert und schließlich die Frage beantwortet, wie der Vampir als kulturelle bezie­hungsweise sexuelle Minderheit lebt. Für diese Thematik habe ich lediglich die erste Staffel ausgewählt, da in dieser die gesellschaftlichen Zustände besonders gut wie­dergegeben werden, was in den darauffolgenden Staffeln verblasst. Um außerdem ein qualitativ gutes und tiefgründiges Ergebnis zu bekommen, ist es von Vorteil, an­hand weniger ausgewählter, aber wichtiger Szenen das Gesellschaftsbild zu analysie­ren. Die filmsprachlichen Untersuchungen erfolgen mithilfe der Szenenprotokollen nach Werner Faulstich mit dementsprechenden Zeitangaben und kurzen Stichpunk­ten zur Handlung, dem Dialog, den Geräuschen und der Kamera. Dazu kommen Screenshots mit Zeitangaben für weitere detaillierte Erklärungen hinzu.

Die erste Staffel der Serie handelt von der jungen Kellnerin Sookie Stackhouse, die aufgrund telepathischer Fähigkeiten die Gedanken anderer Leute lesen kann. Doch als sie dem fremden Vampir Bill Compton begegnet, scheint sich ihr Leben zu verän­dern, denn seine Gedanken kann sie nicht lesen. Jedoch verliebt sie sich in ihn, wor­auf ihre Freunde und Familie nicht erfreut reagieren. Vampire haben sich geoutet und können dank synthetisch hergestelltem Blut in der Mehrheitsgesellschaft unserer heutigen Zeit leben. Doch in der kleinen Stadt Bon Temps im Staate Louisiana sind die Bewohner gegenüber den Vampiren misstrauisch und feindselig. Auch die politi­sche Bürgerrechtsbewegung der American Vampire League stößt auf Widerstände. Das Zusammenleben zwischen Menschen und Vampiren gestaltet sich somit als schwierig. Menschen missachten Vampire und diese wiederum weigern sich, ihren alten Lebensstil aufzugeben und verweilen weiterhin im Untergrund. Trotz allem wollen Sookie und Bill zusammen sein. Hinzu kommt auch noch ein Serienmörder, der die kleine Stadt unsicher macht und seine Jagd auf Frauen, die mit Vampiren ver­kehren, beginnt.

Schon im Vorspann wird deutlich, was den Zuschauer erwarten wird. Zum Song Bad Things von Jace Everett sieht man Aufnahmen von den Sümpfen, Landschaften, Tie­ren und Menschen Louisianas. Alligatoren, Opossums und Schlangen, fast archiva­risch wirkende Bilder von Kirchen, Ku-Klux-Klan-Mitgliedern und nackt tanzenden Frauen deuten an, was die Serie ausmacht. Sei es die Suche nach dem Sinn des Le­bens in Religion, die Sehnsucht nach Intimität oder die Grausamkeit hinter ver­schlossenen Türen – Tabubrüche, Gewalt, Sex und Direktheit sind Bestandteil der Handlung und der Figuren. Die Thematik lebt von Gegensätzen und Vergleichen der verschiedenen Gesellschaften von Menschen und Vampiren und verbindet sie dabei mit der amerikanischen Geschichte mit all ihren Facetten.

Während der Bearbeitung meiner Fragestellung werde ich wenig Bezug zu der allge­meinen Darstellung des Vampirs in Film und Literatur nehmen. Relevante Szenen, die ich herausgesucht habe, dienen einem Vergleich zwischen Vampir- und Mehr­heitsgesellschaft. Eine genaue Analyse der Handlung wird nicht im Detail darge­stellt. Figuren und ihre Charaktere werden je nach ihrer Wichtigkeit vertieft.

Zunächst werde ich mich der Gruppe der Vampire als Allegorie für eine Minderheit widmen. Im Vordergrund steht hierbei die Politik der Bürgerrechtsbewegung der American Vampire League und ihrer Ziele. Was sind die Merkmale und Absichten der Vampire? Und über welche Repräsentation verfügen sie? Danach kommt eine Er­läuterung der Subkultur der Vampire und ob sie als eigenständige Gruppe gewisse Normen und Werte besitzen. Um hier näher ins Detail gehen zu können, ist eine Vor­stellung des Vampirs Bill Compton wichtig. Warum sitzt er als moderater und zivili­sierter Vampir zwischen den Stühlen? Und was zeichnet seine seelische Ambivalenz aus? Nach diesem Abschnitt beschäftige ich mich mit den Beziehungen zwischen Menschen und Vampiren. Inwieweit ist der Vampir ein Objekt der Begierde? Und wie wird der Mensch von Vampiren gesehen? Schließlich komme ich zum letzten Punkt meiner Bachelorarbeit. Dieser beschäftigt sich mit den einfachen Emotionen Liebe und Hass und ihrer direkten, tabulosen Darstellung. Die sozialen Missstände, die sich aus der Serie hinaus universell übertragen lassen, haben ihren Höhepunkt im Umgang der Menschen und Vampire untereinander. Während der Bearbeitung mei­nes Themas werde ich Vergleiche zu aktuellen Problematiken aufführen und am Ende daraus ein Fazit ziehen.

1 Der Vampir als Allegorie für eine Minderheit

In Film und Literatur wird der Vampir vor allem als bösartige Kreatur dargestellt. Er hat das starke Bedürfnis nach menschlichem Blut und empfindet keinerlei moralische Verpflichtungen. Ein Gewissen besitzt er schon gar nicht. Dennoch hat sich seit dem 20. Jahrhundert ein Wandel gezeigt. Statt der einfältigen und simplen Monstrosität steht nun der Vampir als Individuum im Vordergrund. Der moderne Vampir braucht kein menschliches Blut zum Überleben.[1] Somit wird das Monster in ihm zivilisiert. Auch in der Serie True Blood ist das Monster im Vampir – zumindest auf dem ersten Blick – eingedämmt, da durch synthetisches Blut die Kreaturen der Nacht in der Lage sind, unabhängig vom menschlichen Blut zu leben. Dadurch ist ihr Coming Out in der Gesellschaft ermöglicht worden – doch mit welchen Konsequenzen? Im Vor­spann der Serie erblickt der Zuschauer ein Schild mit der Aufschrift „God Hates Fangs“, also „Gott hasst Reißzähne“. Dies ist eine Anspielung auf den homophoben und religiös geprägten Spruch „God Hates Fags“, übersetzt „Gott hasst Schwuchteln“. Radikalfundamentalistische Gruppierungen wie die Westboro Baptist Church in den USA, sind der Auffassung, dass die Bibel gleichgeschlechtliche Be­ziehungen verneint und sie mit dem Tode zu bestrafen sind.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. Nr. 1: Der Auftakt zur Serie stellt allegorisch den religiösen Hass auf Homosexuelle dar.[3]

Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Gruppe der Vampire als Allegorie für eine kulturelle beziehungsweise sexuelle Minderheit. Was sind ihre Merkmale und Absichten? Wie werden sie öffentlich repräsentiert? Und wie reagiert die Mehr­heit auf ihre Existenz?

1.1 Politik der American Vampire League

Schon in der Pilotfolge der ersten Staffel wird der Zuschauer mit der Bürgerrechtsbe­wegung der Vampire bekannt gemacht. Leitende Figur ist die Vampirfrau Nan Flanagan, die repräsentativ für die politische Ausrichtung ihrer Artgenossen steht. Als Figur taucht sie lediglich in Interviews auf. Ihr erster Auftritt in einer Fernsehs­how mit dem US-amerikanischen Moderator Bill Maher macht ihre Ziele und Ab­sichten klar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nan Flanagan redet positiv von Vampiren und wirkt zivilisiert, moderat, intelligent und selbstbestimmt. Trotz anfänglicher Kritik beantwortet sie souverän die Fragen und plädiert für ein tolerantes und offenes Zusammenleben. Menschen hätten nichts mehr zu befürchten und sollten den Vampir als aktives und selbstständiges Mitglied der Gesellschaft akzeptieren.

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Abb. Nr. 2: Nan Flanagan im cremefarbenen Anzug: Ein konservatives und repräsentatives Auftreten.[4]

Auffallend an dieser Szene ist der Tankstellenwirt, dessen Kleidung Furcht und Misstrauen hervorruft. Der Zuschauer stellt sich die Frage, ob es sich bei ihm um einen Vampir handeln könnte. Geschickt kontrolliert die Kamera die Szene, indem sie ihn als fremd und mysteriös darstellt. Als ein Pärchen den Laden betritt und den Tankstellenwirt nach Vampirblut fragt, bedroht er sie zunächst. Doch letztendlich entpuppt sich dies als schlechter Scherz. Wer darüber nicht lachen kann, ist der Mann, der zu Beginn die Tankstelle betreten hat. Er fährt seine Fangzähne aus – und versetzt dadurch nicht nur das Pärchen und den Tankstellenwirt in Angst, sondern auch den erschrockenen Zuschauer, der mit dieser Wende nicht gerechnet hat. Und letztendlich symbolisiert dies die Absichten Flanagans und das Spiel mit Vorurteilen. Ein unauffälliger Mann, der konform in der Gesellschaft lebt, stellt sich als Vampir heraus. Die Kreaturen der Nacht leben mitten in der Mehrheitsgesellschaft und ihre Rückkehr in den Untergrund ist unausweichlich.

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Abb. Nr. 3: Mit Tarnhemd und Südstaaten-Flagge auf der Kappe – der fremde Vampir in un­gewohnter Kleidung mit TruBlood in den Händen.[5]

Somit existiert deutlich eine Allegorie, also eine „[…] Veranschaulichung […]“[6] des Vampirs als Minderheit. Die „[…] gewollte, intendierte Anregung zur Reflexion […]“[7] gesellschaftlicher Zustände wird schon zu Beginn deutlich. Hierbei ist es auch relevant, sich das Genre von True Blood anzuschauen. Neben einfachen Drama- und Soapelementen finden sich außerdem Merkmale des Horrors. Die Betonung liegt auf der Begegnung mit einem mysteriösen Monster, was zu Schock und Angst führt:

„Das Fremde […] ist hautnah und bricht ins Wohlbekannte […] ein. Es bedroht das alte Ich, es stört die gewohnte Identität, es zerschlägt die wohlige Geborgenheit.“[8]

Eine Flucht ist nicht mehr möglich. Der Vampir ist in die Mehrheitsgesellschaft ein­gedrungen und scheint das Zusammenleben zu stören. Doch trotz des Horrors bleibt eine politische Dimension enthalten. Mithilfe von Figuren wie Flanagan entsteht eine Verbindung zu den „[…] civil rights issues […]“[9] von Afroamerikanern und Homo­sexuellen in der US-amerikanischen Geschichte. Der Vampir als stigmatisiertes Indi­viduum ist somit Teil einer Unterdrückung. Doch was ist ein Stigma? Ein Stigma ist eine Art „[…] Kategorisierung von Personen und den kompletten Satz von Attribu­ten, die man für die Mitglieder jeder dieser Kategorien als gewöhnlich und natürlich empfindet.“[10] Diese Vorstellung von jener stigmatisierten Person ist eine „[…] virtu­elle soziale Identität […]“[11], denn sie muss nicht zwangsläufig die wahren Eigen­schaften darstellen. Es gibt Stigmata der „[…] unnatürlichen Leidenschaften […] und Unehrenhaftigkeit […]“[12] wie zum Beispiel Homosexualität, aber auch weitere wie die der „[…] phylogenetischen Stigmata von Rasse, Nation und Religion.“[13] Der Vampir hat hierbei sein eigenes Stigma, das allegorisch für Homosexualität, aber auch für eine Rasse oder Religion stehen kann.

Um näher auf die Politik der American Vampire League einzugehen, folgt ein Proto­koll aus der zweiten Episode. In dieser Szene diskutiert Flanagan mit einem politi­schen und religiösen Gegner:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz des Konflikts bleibt Flanagan gefasst und appelliert weiterhin auf die Rechte der Vampire und ihre Gleichstellung. Deutlich ist hier wieder die religiös begründete Abneigung gegenüber dem Vampir. Hinter dem liberalen Verständnis von Flanagan steckt ein typisches Streben von Minderheiten nach Unabhängigkeit. Dadurch erfolgt eine Integration „[…] in die Kultur der Mehrheit […].“[14] Die Minderheit kann nun in Kontakt mit dem Rest der Gesellschaft treten. Flanagan versichert, dass Vampire da­bei keine Hintergedanken hegen, sondern lediglich partizipieren wollen. Doch Reverend Newlin hat hierfür kein Verständnis. Seine Abneigung erinnert an den Hass gegenüber Homosexuellen in Religionen, vor allem bei konservativen Christen, Muslimen und Juden. Interessant sind hierbei seine Vergleiche mit dem Teufel. Da gleichgeschlechtliche Beziehungen angeblich gegen die Schöpfung Gottes verstoßen, sind sie armselig und voller Sünde. Das Streben nach Toleranz und grundlegenden Menschenrechten wird oftmals als Propaganda und perverse Gefahr gesehen.[15] Gene­rell stammen solche negative Ansichten „[…] größtenteils aus einer Vergangenheit, in der Homosexualität als Sünde, Verbrechen und Krankheit galt.“[16] Während Flanagan eine emanzipatorische und demokratische Haltung pflegt, empfindet der Zuschauer Reverend Newlin als altmodisch, intolerant und in der alten Zeit stehenge­blieben.

Die Vampire als Minderheit scheinen wie andere stigmatisierte Gruppen in einer Art Partei zusammenzukommen, um sich zu repräsentieren und für ihre Interessen einzu­stehen.[17] Personen wie Flanagan „[…] vertreten die Sache der Stigmatisierten, und wenn sie selbst Artgenossen der Gruppe sind, liefern sie ein lebendes Modell von völlig normaler Leistungsfähigkeit und sind damit Helden der Anpassung […]“.[18] Durch das synthetische Blut sind die Vampire in der Lage, ihre alte Lebensweise zu liberalisieren und abzulehnen.[19] Die mediale Repräsentation Flanagans ist ein Appell für Toleranz und Verständnis. Doch das Auftreten hat einen oberflächlichen Beige­schmack. Denn trotz dieser Reden sind Vampire immer noch Feindseligkeiten ausge­setzt. Gerade in diesen medial aufbereiteten Szene wird die eigentliche Problematik erläutert:

True Blood positions itself as a loose but obvious allegory about the mainstream ac­ceptance of so-called ,alternative lifestyles' – it's about tolerance and integration of many kinds […].“[20]

Die Darstellung in den Medien scheint nur darauf abzuzielen, Toleranz zu erzwin­gen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik existiert nicht. Auf der einen Seite gibt es Flanagans extreme Befürwortung und auf der anderen die radikale Ablehnung politischer Gegner.

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Abb. Nr. 4: Der mediale Hype um Vampire als Profilierung, an dem auch Prominente teilnehmen.[21]

Auch die Vampire selbst schauen dem politischen Diskurs im Fernsehen zu. Dort fin­det er auch meistens statt ohne jeglichen Bezug zur aktuellen Gegenwart und den wirklichen Problemen. Eddie, der homosexuelle Vampir, schaut in der achten Episo­de einen Auftritt des Vampirhassers Reverend Steve Newlin:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch hier wird wie bei den Auftritten Flanagans eine Extremposition dargestellt. Die Thematik erinnert an aktuelle Probleme der Transgender-Bathroom-Issues. In Newlins Monolog werden Vampire als Gefahr für die Sicherheit von Menschen an öffentlichen Plätzen gesehen. Sie könnten Kinder angreifen. Auch gegenüber Trans­sexuellen herrscht in den USA ein solches Klima. Die stigmatisierte Minderheit wird mit Pädophilen und Sexstraftätern gleichgesetzt und sei deshalb aus öffentlichen Räumen auszugrenzen. Solche Diskussionen werden mit Angst geführt:

„This is a modern-day witch hunt: trans people are being targeted as the source of problems that existed long before our so-called ,tipping point'. Public anxiety about privacy in shared spaces such as restrooms and locker rooms is due to far more sub­stantial factors – this was an issue long before we walked through the door.“[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Letztendlich geht es um die Angst des Menschen vor dem Eingriff eines fremden Angreifers, der die gewohnte Umgebung stört. Minderheiten dienen hierbei als Sün­denbock.

Abb. Nr. 5: Der harmlose und bequeme Vampir Eddie schaut Fernsehen und kann über die Anschuldigungen Newlins nur lachend den Kopf schütteln.[23]

Es stellt sich die Frage, wie der Vampir lebt und ob es wirklich eine Befürchtung geben sollte. Dies bearbeite ich im folgenden Kapitel.

1.2 Subkultur der Vampire

Unter einer Subkultur versteht man „[…] eine relativ eigenständige Kultureinheit in­nerhalb eines größeren Kulturganzen, die Teile der Gesamtkultur enthält, dazu aber neue […] Elemente entwickelt.“[24] Vampire waren einmal Menschen und sind erst im Laufe ihres Lebens zu Blutsaugern geworden. Dies zeigt, dass sie der Kultur der Menschen nicht ganz fremd sind. Generell haben solche Kreise „[…] kein festes Zentrum oder klar gezogene Grenzen.“[25] Dennoch scheinen Vampire anders zu leben – auch die junge Protagonistin Sookie bemerkt dies, als sie zum ersten Mal gemein­sam mit Bill die Vampirbar Fangtasia in der vierten Episode besucht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dem ersten Blick scheint die Vampirbar wie eine Attraktion für Touristen zu sein. Unheimlich, mysteriös, merkwürdig, aber auch künstlich und geschauspielert. Alles wirkt durchdacht und ordentlich dekoriert. Doch einige der Menschen, die in der Bar sind, suchen als sogenannte Fangbanger den Kontakt zu Vampiren.

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Abb. Nr. 6: Ein Fanshop mitten in der Bar für menschliche Besucher.[26]

Die viele nackte Haut, das Tanzgelage und die Lederoutfits wirken fremd. Die Besu­cher scheinen sich dahinter zu verbergen. Auch in Pams Andeutungen über jungfräu­liche Unschuld lassen erahnen, dass die Bar eins sexueller Treffpunkt ist. Sie wirkt dabei wie ein Bühnenbild. Es finden sich „[…] Möbelstücke, Dekorationselemente, Versatzstücke, […], Requisiten und Kulissen für menschliches Handeln […].“[27] Das gedämmte Licht und die rotweine Wand, die schwarzen Outfits und das dunkle Ma­ke-Up wirken allesamt wie aus einem Schauspiel. Aus Sookies naiver Perspektive wirkt das Theater geheimnisvoll und unverständlich. Das Ensemble der Fangbanger und Vampire ist eine „[…] enge Zusammenarbeit […]“[28]. Die Figuren spielen somit eine eigene Fassade vor. Es herrschen Regeln, die Außenstehende nicht verstehen. Und desto mehr die Fassade des Fangtasia als Attraktion bröckelt, desto mehr zeigt sich die wahre Natur dahinter.

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Abb. Nr. 7: Neil (rechts vorne) als Fangbanger. Geschminkt und in Leder kann er hier sei­nen Bedürfnissen nachkommen. Beim Augenkontakt mit Sookie meidet er einen Zusammen­stoß.[29]

Die Bar erinnert nicht umsonst an Homosexuellenbars:

[...]


[1] Vgl. Wrann, Alfons: Historie und Aberglaube – Anspruch und triviale Unterhaltung. Überblick über die Kultur- und Fernsehgeschichte des Vampires. In: Dunkle Helden. Vampire als Spiegelbild religiöser Diskurse in Film und TV. Hrsg. von Christian Feichtinger und Theresia Heimerl. Marburg: Schüren Verlag 2011. S. 22.

[2] Queer Voices, Huffingtonpost: Jonathan Phelps, Westboro Baptist Church Member, Declares Gays Should 'Absolutely' Be Put To Death. http://www.huffingtonpost.com/2012/10/10/jonathan-phelps-westboro-baptist-church-homosexuals-death-penalty_n_1955938.html (31.01.2017).

[3] True Blood: Die komplette erste Staffel. HBO Home Box Office 2009. Episode 1. TC: 00:05:06.

[4] True Blood: Episode 1. TC: 00:01:09.

[5] Ebd. TC: 00:03:52.

[6] Schweikle, Prof. Dr. Günther: Allegorie. In: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. 2. überarbeitete Aufl. Hrsg. von Günther u. Irmgard Schweikle. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung 1990. S. 9.

[7] Ebd. S. 9.

[8] Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse. 3. Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2013. S. 45.

[9] Rudell, Caroline u. Brigid Cherry: More Than Cold And Heartless: The Southern Gothic Milieu Of True Blood. In: True Blood. Investigating Vampires And Southern Gothic. Hrsg. von Brigid Cherry. London/New York: I.B. Tauris & Co Ltd 2012. S. 40.

[10] Goffman, Erving: Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. 22. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag 2014. S. 9 – 10.

[11] Ebd. S. 10.

[12] Ebd. S. 13

[13] Ebd. S. 13.

[14] Kymlicka, Will: Multikulturalismus und Demokratie. Über Minderheiten in Staaten und Nationen. Hamburg: Rotbuch Verlag 1999. S. 29.

[15] Vgl. Özoguz, Dr. Yavuz: Liebesverschmelzung. Sexualität im Islam. Bremen: Eslamica 2013. S. 193.

[16] Hekma, Gert: Die schwul-lesbische Welt: 1980 bis zur Gegenwart. In: Gleich und anders. Eine globale Geschichte der Homosexualität. Hrsg. von Robert Aldrich. Hamburg: Murmann Verlag 2006. S. 346.

[17] Vgl. Goffman: Stigma. S. 35.

[18] Ebd. S. 36.

[19] Vgl. Kymlicka: Multikulturalismus und Demokratie. S. 37.

[20] Tyree, J.M.: Warm-Blooded: True Blood and Let The Right One In. In: Film Quarterly 63 (2009). http://www.jstor.org/stable/10.1525/fq.2009.63.2.31 (14.11.2016). S. 32.

[21] True Blood: Episode 2. TC: 00:07:55.

[22] Jones, Zinnia: Bathrooms And Locker Rooms: The Transgender Witch Hunt (Gender Analysis 17). http://genderanalysis.net/2016/03/bathrooms-and-locker-rooms-the-transgender-witch-hunt-gender-analysis-17/ (31.01.2017).

[23] True Blood: Episode 8. TC: 00:52:31.

[24] Der grosse Brockhaus in einem Band. 4. aktualisierte und überarbeitete Aufl. Gütersloh/München: F.A. Brockhaus 2010. S. 997.

[25] Kymlicka: Multikulturalismus und Demokratie. S. 35.

[26] True Blood: Episode 4. TC: 00:33:25.

[27] Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. 15. Aufl. München/Berlin: Piper Verlag 2015. S. 23.

[28] Ebd. S. 73.

[29] True Blood: Episode 4. TC: 00:32:40.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Gesellschaft in der Fernsehserie "True Blood". Darstellung des Vampirs als Allegorie für eine Minderheit
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Thesis
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2017
Seiten
48
Katalognummer
V433480
ISBN (eBook)
9783668756618
ISBN (Buch)
9783668756625
Dateigröße
8127 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
True Blood, Serienanalyse, Filmanalyse, Gesellschaft, Thesis, Vampir, Alan Ball
Arbeit zitieren
Ilyas Kilic (Autor), 2017, Gesellschaft in der Fernsehserie "True Blood". Darstellung des Vampirs als Allegorie für eine Minderheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433480

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