Mediendiskurs Islam und der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt seitens Migranten


Hausarbeit, 2017
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mediendiskurs Islam
2.1 Der Islam in den Medien
2.2 Vom Migrant zum Moslem

3 Islamophobe Tendenzen in der Gesellschaft
3.1 Messung und Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungen

4 Der Zugang zum Arbeitsmarkt
4.1 Benachteiligungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt

5 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit einer Anzahl von ungefähr 17 Millionen Menschen und damit einem Anteil von ca. 21% an der deutschen Gesamtbevölkerung bilden die Migranten einen großen Pool an arbeitsfähi-gen Menschen für den deutschen Arbeitsmarkt. Unter den Migranten finden sich wiederum ca. 4,3 Millionen Muslime (vgl. Brinkmann u.a. 2016: 205), welche somit fast ein Drittel der in Deutschland lebenden Migranten ausmachen. Aufgrund der Tatsache, dass Migranten auf-grund ihrer sozialen Herkunft bereits seit Jahren beim Zugang zum Arbeitsmarkt benachteiligt werden (vgl. Keim 2003: 9; Rieble u.a. 2012: 58; Schneiders u.a. 2009: 157 ff.), gilt es den-noch herauszufinden, wie sich die Lage der Migranten aktuell entwickelt um Prognosen für die Zukunft zuverlässiger treffen zu können. Aufgrund der Intensivierung und Verdichtung des Mediendiskurses bezüglich dem Islam sowie der parallel wachsenden Anzahl an Musli-men unter den Migranten (vgl. Wendekamm 2015: 209; Schneiders u.a. 2009: 102), gilt es gezielter zu untersuchen, welche Veränderungen die mediale Darstellung der Muslime in der deutschen Gesellschaft hervorruft und inwiefern diese mit einem verändertem Zugang der Migranten zum Arbeitsmarkt einhergeht. Aufgrund dessen erweist sich eine Beantwortung der folgenden implizierten Forschungsfrage als sinnvoll:

Inwiefern beeinflusst der deutsche Mediendiskurs bezüglich des Islam den Zugang zum deut-schen Arbeitsmarkt seitens der Migranten?

Die Beantwortung der Forschungsfrage soll ferner dazu dienen, ähnliche Phänomene in ande-ren Staaten transparenter nachzuvollziehen. Zur sinnvollen Beantwortung der vorliegenden Forschungsfrage bedarf es deshalb einer strukturierten Vorgehensweise mit themenbasierter Literatur. Im ersten Kapitel soll zunächst die aktuelle mediale Situation des Islam dargestellt werden, um eine Basis bieten zu können auf der die Forschungsfrage bearbeitet werden kann. Anschließend soll geklärt werden inwiefern eine Unterscheidung von Muslimen und Migran-ten im medialen Diskurs stattfindet, um festzustellen, ob und inwiefern Migranten bereits als Repräsentanten von Muslimen gelten. Im dritten Kapitel soll dem Aspekt der Ausgrenzung von Migranten und Muslimen in der deutschen Gesellschaft nachgegangen werden, um folg-lich Rückschlüsse über signifikante Veränderungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt vorneh-men zu können. Im Schlussteil werden letztlich die Kernelemente zur Beantwortung der For-schungsfrage zusammengefasst aufgegriffen, um die Fragestellung abgerundet beantworten zu können.

Literaturtechnisch wird bezüglich der Darstellung des Islam auf eine große Bandbreite an Quellen zurückgegriffen. Vor allem Beiträge von Kai Hafez wie zum Beispiel aus dem Sam-melband „Islamfeindlichkeit“ (Schneiders u.a. 2009) sollen beachtet werden, da er als Politik-und Medienwissenschaftler sich seit Jahren mit der Darstellung des Islam in den deutschen und internationalen Medien befasst. Zur Situation der Migranten und Muslime wird unteran-derem auf gegenwärtige Quellen wie z.B. auf den Sammelband „Einwanderungsgesellschaft Deutschland“ (Brinkmann u.a. 2016) sowie auf ein breites Feld an quantitativen Studien Be-zug genommen, um auch statistische Auswertungen berücksichtigen zu können. Darunter haben sich vor allem die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS u.a. 2010) sowie die Studie zu Rechtsextremen Einstellungen in Deutschland (Zick u.a. 2016) und die Europäische ENAR-Studie (ENAR u.a. 2014) aufgrund ihrer Aktualität bewährt. Aber auch qualitative sowie anderweitige Studien wie z.B. die „Deutsch-Türkische Integration am Arbeitsplatz“ (Rieble u.a. 2012) von Onur Sertkol oder „Die Wahrnehmung von Migration als Bedrohung“ (Wendekamm 2015) werden für die Situation von Migranten und Muslimen berücksichtigt, um vielfältige Perspektiven beleuchten zu können.

2 Mediendiskurs Islam

Im folgenden Kapitel soll zunächst das aktuelle Bild des Islam in der Medienlandschaft analy-siert werden, um eine Basis schaffen zu können, auf der im nächsten Kapitel die Ausgrenzung von Muslimen nachvollziehbar analysiert werden soll. Zudem soll in diesem Kapitel erläutert werden, ob und inwiefern eine Verschiebung des Migrantenthemas hin zum Islam im öffentli-chen Diskurs stattgefunden hat und immer noch stattfindet. Dadurch soll erkannt werden, ob Migranten mittlerweile als Repräsentanten von Muslimen gelten.

2.1 Der Islam in den Medien

Viele prominente Persönlichkeiten und Institutionen haben vor Verzerrungen des Islambildes in der westlichen Öffentlichkeit schon lange gewarnt, denn zahlreiche Studien haben mit ver-schiedenen Methoden islamophobe Tendenzen in den westlichen Medienberichterstattungen erfassen können (vgl. Schneiders u.a. 2009: 99; Al-Hamarneh u.a. 2008: 429 ff.). Es fällt zwar auf, dass die deutsche Medienlandschaft keine propagandistische Einheitlichkeit aufweist und es an einer aggressiven Handlungsdimension fehlt, jedoch ist ein Bestehen alter Klischees des Islam sowie nur eine gelegentliche Differenzierungen des Islambildes charakterisierend für den Mediendiskurs. Seit mehr als 1400 Jahren wird größtenteils negativ über den Islam ge-schrieben und es scheint im aktuellen Diskurs keine Abwendung davon zu geben (vgl. Schneiders u.a. 2009: 99 f.). Doch nicht nur von Medienwissenschaftlern wird dies festge-stellt, auch die deutsche Bevölkerung spürt, dass Ausländer und Ausländerinnen in den Medi-en klischeehaft dargestellt werden. So ergab die forsa-Umfrage vom Juni 2011, dass 48% der Bürger diese Meinung vertreten (vgl. Faist u.a. 2012: 64). Vor allem Themen wie Ehrenmor-de, die Unterdrückung der Frau sowie Zwangsehen zeichnen die Medienlandschaft (vgl. Es-posito u.a. 2011: 34). Die verstärkte klischeehafte Thematisierung von Muslimen und dem Islam seit 9/11 haben das Bild des Islam in Deutschland zudem wesentlich verdüstert. Eine bereits vor dem 9/11 bestehende, jedoch geringfügige islamophobe Einstellung im öffentli-chen Diskurs erlebte eine Verstärkung nach der Verdichtung der Themen bezüglich des Islam. Selbst wenn es in bestimmten Ereignissen keinen Hang zu Schaden oder Aggression gibt die in Zusammenhang mit Terrorismus stehen könnten, wird trotz fehlender Beweise von Musli-men als mögliche islamistische Terroristen gesprochen. Viele Warnungen vor vermeintlich in Deutschland lebenden und einwandernden Extremisten zeichnen somit den Mediendiskurs. Minoritätengruppen wie die Muslime werden somit Überrepräsentiert und in stigmatisieren-den Rollen angezeigt (vgl. Wendekamm 2015: 209 ff.).

Es ist nachgewiesen das bei der Analyse von Bildern und Argumentationen in den großen deutschen Print- und elektronischen Medien bis heute ein hochgradig selektives sowie negativ behaftetes Islambild zu finden ist. Nach dem Medienwissenschaftler Kai Hafez gilt die irani-sche Revolution von 1978 als der Beginn für den Fokus auf den Islam durch die deutschen Medien. Also noch vor den Anschlägen 2001 in den Vereinigten Staaten, soll eine Fokussie-rung auf den Islam stattgefunden haben (vgl. Schneiders u.a. 2009: 102 f.). Die Medien wei-sen außerdem eine mangelnde Differenzierung bei Themen wie Fundamentalismus, Extre-mismus und politischem Islam auf. Bis 1990 sind etwa die Hälfte aller Beiträge zum Islam im Kontext von Gewalt und/oder Terrorismus erschienen, so eine Langzeituntersuchung der deutschen überregionalen Presse (vgl. Hafez 2002: 92 ff.). Zudem ist der Anteil seit 2001 ge-stiegen. Nahezu 80 Prozent aller Sendungen und Beiträge bei öffentlich-rechtlichen Magazin-sendungen weisen negative Themen wie Terrorismus, religiöse Intoleranz oder auch Frauen-unterdrückung auf. Gewaltfreie Widerstände seitens Muslimen sind selten Thema, im Gegen-teil, vor allem auf Selbstmordattentate liegt ein großer Fokus (vgl. Schneiders u.a. 2009: 103 ff.). Besonders Der Spiegel weißt mit dem seit 2007 erschienen Titel „Mekka Deutschland – Die stille Islamisierung“ und anderen zahlreichen Beispielen einen großen Hang zu negativ konnotierten Themen bezüglich dem Islam auf. Aber auch Sender wie ARD und ZDF wiesen 2005 und 2006 bis zu 81% negativ konnotierte, sowie nur 19% neutrale oder positive Islamt-hemen auf (vgl. Holze u.a. 2015: 21 f.). Neben der überwiegenden Anzahl an negativen Isl-amthemen herrschen auch Berichte über das Verhältnis von europäischen Ländern zum Islam. So hat die Bild-Zeitung z.B. vermehrt Titel wie „Knickt unsere Justiz vor dem Islam ein?“ veröffentlicht. Deutschland wird dadurch sozusagen als potenzieller Verlierer gegenüber dem Gegner Islam assoziiert (vgl. Schneiders 2009: 328).

2.2 Vom Migrant zum Moslem

Wie bereits erwähnt fand seit der iranischen Revolution, sowie seit dem 11. September 2001 ein erhöhter Fokus auf den Islam in den Medien statt. Zuvor geläufige Migrantenthemen wie Fremdenfeindlichkeit und Staatsbürgerschaft werden nach 9/11 durch Themen wie Terror und Kriminalität überholt (vgl. Wendekamm 2015: 209). Während vor 9/11 der Fokus auf der Nationalität der Migranten war, verschob sich dieser also auf die Religion der Migranten. Ins-gesamt folgte damit eine Wandlung vom bedrohlichen Ausländer hin zur Gefahr durch is-lamistische Extremisten. Dadurch wurde der Islam zunehmend als Bedrohung wahrgenom-men womit öffentlich ein Diskurs über die Vereinbarkeit dieser mit der deutschen Gesell-schaft angeschoben wurde. Die Religionszugehörigkeit wurde somit als zentrales Thema für Integrationsprobleme der Migranten (vgl. Wendekamm 2015: 214 f. + 237 f.). Besonders be-troffen von der bereits negativen Einstellung gegenüber Einwanderung sind somit zusätzlich die muslimischen Migranten, welche einen Großteil aller Migranten ausmachen. Probleme und Herausforderungen werden dadurch auf Zuwanderer aus dem islamischen Kreis projiziert (vgl. Schneiders u.a. 2009: 127). Der deutsche Politikwissenschaftler Dieter Obernhöfer spricht deshalb in dem Sammelband Islamfeindlichkeit 2009 der Vermutung zu, das der „Aus-länder mit all seinen negativen Konnotationen in der deutschen Geschichte auf den Begriff der ‚Muslime‘ überzugehen scheint.“ (Schneiders u.a. 2009: 128). Sämtliche soziostrukturel-len Erscheinungen die vorher mit dem Ausländer zusammengestellt wurden, unterlagen dadurch eher einer religiösen Konnotation. Doch nicht nur der Wandel vom Migrant zum Moslem fand statt, auch der Fokus auf die Geschlechterverhältnisse und auf das Bild der Frau im Islam nahm zu (vgl. Faist u.a. 2012: 55). Neben den Medien und der nichtmuslimischen Bevölkerung befassen sich auch zunehmend Muslime selbst mehr mit dem Islam. Aufgrund der vielen Diskussionen nach dem 11. September setzen diese sich mehr mit dem Islam ausei- nander und identifizieren sich folglich in der deutschen Gesellschaft teilweise stärker als Mus-lime und nicht als Migranten (vgl. Lübcke u.a. 2007: 19 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Mediendiskurs Islam und der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt seitens Migranten
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Sozialwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V436470
ISBN (eBook)
9783668771567
ISBN (Buch)
9783668771574
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Islam, Islam in den Medien, Medien und Islam, Islam und Medien, Migranten, Migranten in Deutschland, Arbeitsmarkt, Diskriminierung, deutscher Arbeitsmarkt
Arbeit zitieren
Haci Yunus Erdal (Autor), 2017, Mediendiskurs Islam und der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt seitens Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436470

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