Lehrergewalt in der Schule. Eine Vergleichsstudie an Hauptschulen und Gymnasien


Bachelorarbeit, 2017
37 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Der Gewaltbegriff
2.2 Formen der Gewalt
2.2.1 Individuelle Gewalt
2.2.1.1 Physische Gewalt
2.2.1.2 Psychische Gewaltbegriff
2.2.1.3 Mobbing
2.2.2 Institutionelle bzw. strukturelle Gewalt
2.3 Erklärungsansätze und Ursachen von Gewalt
2.3.1 Psychologische Erklärungsansätze
2.3.2 Soziologische Erklärungsansätze
2.3.3 Integrative Erklärungsmodelle
2.4 Gewalt in der Schule

3 Zum Forschungsstand

4 Methodisches Vorgehen
4.1 Untersuchungskonzept
4.2 Untersuchungsmethodology

5 Ergebnisse
5.1 Bloßstellen vor der Klasse
5.2 Witzeln oder Lächerlichmachen
5.3 Negative Motivation
5.4 Ungerechtes Verhalten
5.5 Ignorieren, vernachlässigen oder missachten
5.6 Beleidigung oder Beschimpfung

6 Diskussion
6.1 Methodendiskussion
6.1.1 Reflexion der Methodenauswahl
6.1.2 Gütekriterien
6.2 Ergebnisdiskussion

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturverzeichnis
8.1 Bibliographien
8.2 Internetquellen

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Seit geraumer Zeit ist das Interesse und zeitgleich die Berichterstattung der Medien zu dem Thema Gewalt in der Schule gestiegen. Verfolgte man die Debatte, konnte man merken, dass das Interesse sich mehr und mehr auf das tabu belegte Thema der Lehrergewalt konzentriert. In renommierten Zeitschriften, wie dem Focus oder dem Stern, stehen Überschriften wie: Lehrergewalt - vertuschen und ignorieren (Focus, 2010) oder auch Schläge, Beleidigungen, Mobbing - Tabuthema Lehrergewalt (Stern, 2008).

Gerade als angehender Lehrer ist es interessant und wichtig zu wissen, was überhaupt zu der verbalen Gewalt gehört, denn viele Lehrerinnen wissen nicht, wie sie ihre Schülerinnen durch ihr Verhalten kränken und verletzen können, bzw. ist es oftmals kein gewolltes Verhalten, was man durch öffentlich machen der Kriterien von verbaler Gewalt, vermeiden könnte.

Dennoch muss gerade die Institution Schule ein Anliegen daran haben, die Lehrenden und Lernenden über die verschiedenen Gewaltformen aufzuklären und davor zu schützen. Wenn man sich an seine Schulzeit zurückerinnert, kommen einem viele Beispiele in den Kopf, in denen man sich von der Lehrkraft gedemütigt oder ignoriert gefühlt hat. Als gutes Beispiel dient hier folgendes Szenario: ״Sie wurden an die Tafel gerufen, weil Sie die Hausaufgaben vergessen haben. Dem Lehrer war völlig bewusst, dass es demütigend für Sie ist an der Tafel zu stehen und nichts zu wissen. Vielleicht haben ihre Mitschüler sogar darüber noch gelacht. Kommt es Ihnen bekannt vor? Wie Sie sehen können, verbirgt dieses Thema viele persönliche Erinnerungen an die eigene Schulzeit.

Die Forschung hat mittlerweile viel zu den Gewaltformen von Lehrergewalt und der allgemeinen Häufigkeit erforscht, allerdings gibt es kaum Untersuchungen darüber, wie die Häufigkeiten im Vergleich der Schulformen dastehen. Aufgrund dieser Tatsache habe ich mir die Frage gestellt ״Wie sieht es bei der verbalen/nonverbalen Lehrergewalt an Hauptschulen und Gymnasien im Vergleich aus ?“ Aufgrund meiner Praktika an den beiden Schulformen stelle ich die Hypothese auf, dass es am Gymnasium häufiger zu verbaler Lehrergewalt kommt, als an den Hauptschulen, da es an Gymnasien einen höheren Leistungsdruck gibt, der nicht nur den Schülern und Schülerinnen zu schaffen macht, sondern ebenfalls den Lehrern und Lehrerinnen.

Die zweite Hypothese ist, dass es an den Schulen häufiger zu nonverbalem negativem Lehrerverhalten kommt, als zu richtigen Beleidigungen und Beschimpfungen.

Da das Forschungsfeld der Gewalt so groß ist, beschäftigt sich diese Arbeit mit der psychischen bzw. verbalen Gewalt gegen Schülerinnen aus der Schülerwahrnehmung. Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird der Gewaltbegriff definiert und verschiedene Meinungen beleuchtet.

Nachdem dieser definiert ist, werden die Formen der Gewalt behandelt, welche sich in die individuelle Gewalt und die institutioneile Gewalt aufteilen. Der nächste Punkt behandelt die Erklärungsansätze und Ursachen von Gewalt, welche sich in die psychologischen und soziologischen Erklärungsansätze aufteilen lassen.

Um von dem allgemeinen Thema der Gewalt zu einem spezifischeren Themengebiet zu kommen, folgt im nächsten Punkt die Auseinandersetzung mit der Gewalt in der Schule. Daten und Fakten, sowie die Täter und Opfer von Gewalt werden dort behandelt.

Auf die theoretischen Grundlagen gestützt wurde ein Fragebogen erstellt, der die Häufigkeit der verbalen Gewalt an den verschiedenen Schulformen untersucht. Die empirische Untersuchung beginnt mit der Methodik, die sich in das Untersuchungskonzept und die Untersuchungsmethodologie teilt, um den Rahmen der Umfrage abzustecken.

Im Anschluss daran werden die Ergebnisse anhand von Diagrammen dargestellt und in die sechs Punkte zu verbaler Lehrergewalt nach Krumm geteilt. Die Aussagen werden in die Gruppen zusammengefasst.

Als abschließender Teil erfolgt eine Diskussion, die sich mit der Methode und der Interpretation der Ergebnisse beschäftigt. Eine Zusammenfassung und ein Ausblick schließen die Arbeit ab.

2 Theoretische Grundlagen

Im ersten Teil des Hauptteils geht es um die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit, damit der Gewaltbegriff eingegrenzt wird und später mit dem Begriff gearbeitet werden kann. Außerdem schaffen die Grundlagen die Basis für die Untersuchung in dieser Arbeit.

2.1 Der Gewaltbegriff

Der Begriff ״Gewalt“ ist ein großes Spektrum in der Soziologie, welches zuerst einmal entschlüsselt werden muss, um damit fachgerecht arbeiten zu können. Heitmeyer und Hagen gehen in ihrem ersten ״Internationalen Handbuch der Gewaltforschung“ auf die Schwierigkeit dieses Begriffes ein. Der Gewaltbegriff veränderte sich im historischen Verlauf sehr stark und deshalb ist es fast unmöglich eine dauerhafte Definition dieses Begriffes zu manifestieren (vgl. Hurrelmann; Bründel, 2007, s.12f).

״Neue Grenzmarkierungen von Gewalt stellen sich beispielsweise aufgrund einer höheren Sensibilität (Vergewaltigung in der Ehe) oder eines veränderten Wahrnehmungsmusters (Sitzblockade) ein. Gerade weil der Problembereich der Gewalt in besonderem Maße uneindeutig ist, ist eine erhöhte Sensibilität und Reflexibilität geboten“ (Heitmeyer; Hagen, 2002, s. 16).

Aufgrund dessen muss man sehr sensibel mit dem Begriff ״Gewalt“ umgehen. Gewalt hat immer etwas mit Aggression zu tun und ist nach einer weiten Definition von Freud eine der beiden Grundtriebe des Menschen, die als Grundlage zur Verhaltenserklärung dienen. Demnach ist Aggression eine Konsequenz des Destruktionstrieb oder Todestriebs (vgl. Martin; Martin, 2003, S.8).

Aufgrund der Komplexität dieses Begriffes gibt es zahlreiche Erläuterungen und Definitionen zum Thema Gewalt.

״Ursprünglich bedeutet Gewalt die Ausübung physischen Zwangs, um Widerstand zu brechen“ (Nunner-Winkeler, 2004, S.21) und meint mit der Definition ausschließlich die körperliche Gewalt. Nach dieser Begriffserklärung ist Gewalt eine Teilmenge von körperlichen Aggressionen. Erst der Soziologe

Johan Galtung führte einen weiten Gewaltbegriff ein und definierte alle Ereignisse als Gewalt, ״[...] wenn Menschen so beeinflußt werden, daß ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung“ (Galtung, 1975, S.9). Heutzutage gebraucht man den Begriff Gewalt als Oberbegriff, der sich in vielen Formen, wie Z.B. psychische und physische Gewalt, verbale und nonverbale Gewalt, sexuelle Gewalt usw. spezifiziert (vgl. Martin;Martin, 2003, s. 9).

Um einer Handlung einen negativen Charakter zuzuschreiben, muss eine Person einer anderen absichtlich und mit vollem Wissen Schmerzen oder einen Schaden zufügen. Nach Olweus kommt neben der Komponente der physischen Gewalt, also körperliche Schäden, auch die psychische Gewalt zum Tragen (vgl. Olweus, 2002, S.22).

Laut Olweus liegt Gewalt allerdings nur dann vor, wenn es zwischen dem Täter/ den Tätern und dem Opfer/ den Opfern ein Machtgefälle gibt.

Die Täter befinden sich in einer höheren Position als die Opfer, wie man es auch in Schulen wiederfindet und somit ein Abhängigkeitsverhältnis vorliegt (vgl. Olweus, 2002, s.22f.).

.Zusammengefasst kann man Gewalt also als ״[...] eine zielgerichtete, direkte, physische oder soziale Schädigung, deren Illegalität in der gesellschaftlichen Beurteilung Merkmalen des Täters, des Opfers und der sozialen Kontroll Instanzen unterliegt“ (Fuchs; Lamnek; Luedtke, 1996, s. 14) bezeichnen.

2.2 Formen von Gewalt

Nach Klaus Hurrelmann und Heidrun Bründel kann man Gewalt grob in zwei große Gruppen einteilen: die individuelle Gewalt und die institutioneile Gewalt (vgl. Hurrelmann;Bründel, 2007, s.17f.).

In der Literatur findet man viele Unterteilungen, die von dieser abweichen. Da sich die Arbeit mit Lehrergewalt beschäftigt, wird allerdings diese Unterteilung als effizient erachtet, da die individuelle und strukturelle bzw. institutioneile Gewalt die häufigsten Anwendungsformen in der Schule darstellen. Die Unterteilung dient als Sortierung der vielen Definitionen und soll den Begriff der Lehrergewalt deutlich und konkret machen (vgl. Imbusch, 2002, S.45).

2.2.1 Individuelle Gewalt

Individuelle Gewalt geht von einzelnen Tätern aus, die die Gewalt im privaten Bereich vollziehen, also abgeschottet von der Öffentlichkeit. Häufig treten diese Tathandlungen in der Partnerschaft, Familie oder Freundeskreis auf und bleiben oftmals unentdeckt.

Allerdings findet man die individuelle Gewalt auch zunehmend häufiger in der Schule wieder, welche dann von den Eltern etc. an die Öffentlichkeit getragen werden (vgl. Hurrelmann; Bründel, 2007, s.17f.). Im Bereich der Schule findet man alle möglichen Formen von ״[...] körperlicher, psychischer, verbaler, sexueller, geschlechtsfeindlicher und fremdenfeindlicher sowie rassistischer Gewalt [...]“ (Hurrelmann; Bründel, 2007, S.18).

2.2.1.1 Physische Gewalt

Physische Gewalt ist mit körperlicher Gewalt gleichzusetzen und bedingt somit immer Schmerzen oder Verletzungen, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet. Physische Gewalt kann sich auch gegen Sachen oder Gegenstände von anderen richten, was mit Zerstörung, Vandalismus oder Beschädigung gleichzusetzen ist. Das Ausmaß von physischer Gewalt ist riesig und reicht von einem Schubser bis hin zu Tritten oder Schlägen und sexuellen Misshandlungen. Da diese Form von Gewalt keine überlegenden Machtmittel voraussetzt, ist sie jederzeit und von jedem einzusetzen.

Die Folge der physischen Gewalt ist immer eine Verletzbarkeit des menschlichen Körpers und ist deshalb so häufig vertreten, wenn es um Gewaltakte geht (vgl. Imbusch, 2002, S.38). Im Gegensatz zur psychischen Gewalt sind die Kennzeichen der physischen Gewalt in der Regel äußerlich sichtbar und somit für Außenstehende schneller und deutlicher zu erkennen.

2.2.1.2 Psychische Gewalt

״Psychische Gewalt ist die Schädigung und Verletzung eines oder mehrerer Menschen durch Abwendung, Ablehnung, Abwertung, Entzug von Vertrauen, Entmutigung und Erpressung“ (Hurrelmann; Bründel, 2007, S.19).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im größten Teil mit der psychischen bzw. der verbalen Gewalt und deshalb muss definiert werden, unter welchen Vorstellungen der Begriff verwendet wird. Tillmann (1999) definiert das ganz klar und sagt, dass es der eigenen Sichtweise unterliegt, ob ein vorliegendes Geschehen zum Gewaltakt zählt oder eben nicht. Besonders bei der psychischen Gewalt ist diese genaue Definition von Nöten, die man im Gegensatz zu der physischen Gewalt nicht eingrenzen kann. ״Denn während beispielsweise eine Äusserung von der einen Person bereits als verbale Attacke gewertet wird, interpretiert eine andere diese vielleicht lediglich als Frotzelei und kontert schlagfertig. Konkrete Handlungen oder Zustände können also höchst unterschiedlichen Interpretationen unterliegen“ (Rackwitz,2005, S.5).

Um deshalb eine Eingrenzung vornehmen zu können, stützt sich diese Arbeit auf die Definition von Krumm und Eckstein, die verbale Gewalt folgendermaßen eingrenzen (vgl. Krumm; Eckstein, 2001, s. 5f.): ״bloßstellen vor der Klasse״über die Schülerin witzeln oder lächerlich machen״negative Motivation ״ungerechtes Verhalten bei Z.B. Notengebung״Ignorieren, vernachlässigen oder missachten״Beschimpfung oder Beleidigung Bei der psychischen Gewalt bzw. der verbalen Gewalt sind im Gegensatz zu der physischen Gewalt die Schäden kaum sichtbar, allerdings aber schwieriger zu heilen. Bei den Opfern von psychischer Gewalt kann ein zerbrochenes Selbst die Folge sein und kann bis zu Suizid führen.

Als diesem Grund ist es besonders wichtig, dass über psychische Gewalt geschrieben und gesprochen wird. Der nächste Punkt ist auch eine Unterform von der psychischen Gewalt.

2.2.1.3 Mobbing

Ein weiterer Begriff, der auch von psychischer Gewalt kaum zu trennen ist, ist das Mobbing. Ein Wort, welches man im Alltag immer häufiger hört und selbst benutzt.

Man könnte sagen, dass es zu einem Modewort geworden ist, von dem aber viele nicht genau wissen, wie man es anwendet. Aufgrund der Aktualität des Begriffes in den Medien, besteht die Gefahr, dass Mobbing schnell mit Konflikten im Alltag verwechselt wird (vgl. Leyman, 1993b, S.17; Resch, 1994, S.93). Das Ziel einer Begriffsbestimmung muss dementsprechend sein, dass man Mobbing von alltäglichen Konflikten unterscheidet. Es gibt einige Definitionen von Leymann, Zuschlag und der Gesellschaft gegen psychologischen Stress und Mobbing e. V.

Diese Definitionen ernteten in der Wissenschaft allerdings viel Kritik und deshalb stützt sich die vorliegende Arbeit auf die Definition von Niedl:

Unter Mobbing am Arbeitsplatz werden Handlungen einer Gruppe oder eines Individuums verstanden, denen von einer Person, die diese Handlungen als gegen sie gerichtet wahrnimmt, ein feindseliger, demütigender oder einschüchternder Charakter zugeschrieben wird. Die Handlungen müssen Häufig auftreten und über einen längeren Zeitraum andauern. Die betroffene Person muss zudem aufgrund wahrgenommener sozialer, ökonomischer, physischer Charakteristika außerstande sein, sich zu wehren oder dieser Situation zu entkommen (Niedl, 1995a, S.23)

Niedl definiert im Gegensatz zu den vorher genannten Personen die einzelnen Tatbestände genauer. Außerdem nimmt er den Aspekt des subjektiven Gesichtspunktes mit hinein. Die feindseligen Handlungen müssen von dem Betroffenen als Mobbing wahrgenommen werden und dabei ist es unwichtig, welche Auffassung andere Personen in der Umgebung von diesem Tatbestand haben. Die individuelle Grenze der Wahrnehmung verschiebt sich also von Person zu Person.

Gerade in der Schule findet man zahlreiche Mobbinghandlungen und deshalb ist es für Lehrer und Lehrerinnen so wichtig, die Relevanz und die möglichen Folgen von Mobbing zu kennen, um situativ angebracht handeln zu können.

2.2.2. Institutioneile bzw. strukturelle Gewalt

Strukturelle Gewalt ist eine Unterform der institutioneilen Gewalt und hat meistens einen wertenden Charakter. Im Gegensatz zu der als legitim angesehenen Ordnungsgewalt, ist die strukturelle Gewalt illegitim, weil sie nicht zu der Förderung der Opfer führt, sondern Unterdrückung als Ziel hat. Gerade in Beschäftigungsverhältnissen oder in Bildungseinrichtungen, wie den Schulen, kommt es häufig zu dieser Art von Gewalt, weil es zu einem Abhängigkeitsverhältnis der Opfer vom Täter und einem Machtverhältnis des Täters zum Opfer kommt.

Um den Begriff der strukturellen Gewalt zu legitimieren tritt häufig der Begriff der symbolischen Gewalt (vgl. Hurrelmann; Bründel, 2007, s.20f.).

2.3 Erklärungsansätze und Ursachen von Gewalt

Es gibt in der Literatur verschiedene Erklärungsansätze und Ursachen von Gewalt, die sich nach Wilfried Schubarth in drei Gruppen einteilen lassen: die psychologischen Erklärungsansätze, die soziologischen Erklärungsansätze und die integrativen Erklärungsmodelle. Diese Ansätze unterteilen sich in weitere Theorien, die in dieser Arbeit im nächsten Punkt kurz erläutert werden.

2.3.1 Psychologische Erklärungsansätze

Bei den psychologischen Erklärungsansätzen findet man mehrere Ansätze, mit denen man auch in der Schule manche Gewalttaten erklären kann. Sie gehen nicht nur auf die Jugendgewalt ein, sondern auch auf die, von Vorgesetzten, welche für diese Arbeit von Bedeutung sind, um sich Verhaltensweisen von Lehrern und Lehrerinnen erklären zu können.

Zu den psychologischen Theorien zählen unter anderem die Trieb- und Instinkttheorie, deren bekanntesten Vertreter Sigmund Freud und Konrad Lorenz sind. ״Während der Trieb bei Freud letztlich auf Selbstvernichtung gerichtet ist (״Todestrieb“) und nur durch den ״Sexualtrieb“ nach außen gelenkt wird, ist er bei Lorenz ein spezifischer, gegen die Artgenossen gerichteter Kampftrieb“ (Schubarth, 2010, S.22). Die Grundlage dieser Theorie ist die angeborene Aggression bei Lebewesen. Durch Versuche bei Tieren ist festgestellt worden, ״[...] dass durch bestimmte Reize instinktives aggressives Verhalten hervorgerufen wird.“(Schubarth, 2010, s.22).

Obwohl die Triebtheorie auf viel Negation stößt, gibt es Parallelen bei der menschlichen Aggressivität in der Schule, denn die Aggression sorgt unter anderem für die Herstellung der Rangordnung einer Gesellschaft, welche wir auch in den Schulen vorfinden. Schülerinnen und Lehrerinnen leben in der Schule in einem Abhängigkeitsverhältnis, welches durch Ignoranz von Schülern/innen zu aggressiven Handlungen führen kann (vgl. Schubarth, 2010, s.22f.).

Eine weitere Theorie ist die Frustrationstheorie, welche auch zu den psychologischen Erklärungsansätzen zählt. Die Grundannahme ist, dass Aggression reaktiv erfolgt und die Wahrscheinlichkeit von Aggression erhöht. Heutzutage weiß man, dass Frustration nicht immer zu Aggression führen muss, sondern dass auch Ignoranz oder Resignation eine Folge von Frustrationserlebnissen sein kann.

Auch diese Theorie ist in der Schule bei Schülern/innen und Lehrern/innen zu finden. Denn Frustration gehört in jedem Lebensraum zum Alltag und deshalb müssen Schülerinnen und Lehrerinnen lernen, mit Frustration umzugehen, sodass diese nicht in Aggression umschlägt (vgl. Schubarth, 2002, s.23f.).

Eine ganz andere Theorie bezieht sich auf die ״Aggression als Folge von Lernprozessen“ (Schubarth, 2002, S.24).

Die Lerntheorie unterteilt sich in Lernen am Modell, Lernen am Erfolg bzw. Misserfolg und kognitives Lernen (vgl. Nolting, 1997, s.). Bei der Lerntheorie geht es zusammenfassend darum, dass Menschen durch Z.B. nachmachen lernen.

In einem Beispiel heißt es, dass Kindern ein Video gezeigt wurde, indem ein Erwachsener ein aggressives Verhalten als Folge gezeigt hat. Als Reaktion auf dieses Video reagierten die Kinder deutlicher aggressiver, als ihnen ein Spielzeug weggenommen wurde. Beim Lernen am Erfolg bzw. Misserfolg entsteht Aggression durch positive Rückmeldung auf aggressives Verhalten.

Im Gegensatz zum Lernen am Modell, werden keine neuen Verhaltensweisen erlernt, sondern das Lebewesen lernt aus seinem vorherigen Verhalten. Wenn eine negative Reaktion auf aggressives Verhalten erfolgt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das aggressive Verhalten nicht noch einmal auftritt. Beim kognitiven Lernen werden aggressionsrelevante Denkweisen und Begriffe erlernt, die über die Entstehung von Aggression entscheiden (vgl. Schubarth, 2002, s. 24f.).

Schubarth geht auch auf das für diese Arbeit relevante Thema der Lehrergewalt ein, denn wenn ein Lehrer einen Schülerinnen verbal verletzt, lebt er somit ein Modell vor, dass sich Aggression in manchen Lebensweisen lohnt und dass man durch Aggression gegen Schwächere auch durchkommt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Lehrergewalt in der Schule. Eine Vergleichsstudie an Hauptschulen und Gymnasien
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
1,8
Autor
Jahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V437187
ISBN (eBook)
9783668780194
ISBN (Buch)
9783668780200
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehrer, Gewalt, Schule, Hauptschule, Gymnasium, Vergleich, Mobbing, Beleidigung, Schüler
Arbeit zitieren
Pauline Langbecker (Autor), 2017, Lehrergewalt in der Schule. Eine Vergleichsstudie an Hauptschulen und Gymnasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437187

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