Migrationshintergrund und Gewalt an Schulen. Betrachtung einer Studie zwischen 1994 und 2004


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
21 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Gewaltbegriff
2.1 Enger Gewaltbegriff
2.2 Weiter Gewaltbegriff

3. Die Begriffe „Migration“ und „Migrationshintergrund“
3.1 Migration
3.2 Migrationshintergrund

4. Studie: Migrationshintergrund und Gewalt
4.1 Rahmenbedingungen
4.2. Gewaltindizes
4.3 Gewaltindizes nach Staatsangehörigkeit
4.4 Gewaltindizes nach Migrationshintergrund
4.5 Gewaltindizes nach Migrationshintergrund mit kontrollierten Hintergrundvariablen
4.6 Fazit

5. Verknüpfung

6. Literatur- und Bildverzeichnis
6.1 Literaturangaben
6.2 Internetquellen
6.2 Bildquellen

7. Anhang

1. Einleitung

Gewalt hat viele Erscheinungsformen. In der heutigen Zeit ist sie bereits ein fester Bestandteil in Radio, Fernsehen und Nachrichten. Zumeist handelt es sich dabei um Berichte über Mord, Missbrauch oder Krieg, die weit weg erscheinen. Doch auch direkt in unseren Schulen ist Gewalt ein alltägliches Phänomen, mit dem besonders wir als angehende Lehrer früher oder später konfrontiert sein werden.[1]

Fragte man einen beliebigen Menschen danach, ob er wisse, was „Gewalt“ denn sei, würde diese Person sicher zustimmend antworten.

Der Begriff „Gewalt“ ist jedoch nicht so einfach zu fassen, wie es auf Anhieb scheinen mag. Gewalt wird oft stark subjektiv wahrgenommen, ein Umstand der vielen Menschen nicht bewusst ist.

Im Gespräch beispielsweise wird meist davon ausgegangen, dass klar sei, was mit „Gewalt“ gemeint ist und, dass dieses Verständnis des Gewaltbegriffs vom gegenüber geteilt würde und allgemein gültig sei. Das ist jedoch nicht der Fall, vielmehr ist festzustellen, dass der Gewaltbegriff oft „ungenau und zweideutig“[2] ist und die Bewertung einer Handlung als „Gewalt“ oder „keine Gewalt“ sozialer Interpretation unterliegt[3]. Das Verständnis von „Gewalt“ ist meist bereits von Mensch zu Mensch unterschiedlich, hier haben oft mediale Zuschreibungen von Gewalthandeln, der kulturelle Hintergrund und persönliche Erfahrungen einen entscheidenden Einfluss auf das Begriffsverständnis.[4]

Daher ist es für die vorliegende Arbeit erst einmal notwendig, den Gewaltbegriff zu präzisieren, um im Folgenden auf die vorliegenden Studien zum Thema Gewalt in der Schule in Zusammenhang mit Migrationshintergrund näher einzugehen.

Auch der Begriff „Migrationshintergrund“ bedarf einer Präzisierung und soll daher im Laufe dieser Arbeit genauer betrachtet werden, um eventuelle Missverständnisse und Unklarheiten von vornherein auszuschließen.

Schlussendlich soll nach separater Betrachtung der beiden Studien ein Vergleich stattfinden, um entstandene Trends im Laufe der Zeit aufzeigen zu können und daraus resultierende Maßnahmen und Schlüsse für die Zukunft ziehen zu können.

2. Der Gewaltbegriff

Um den Gewaltbegriff zu systematisieren, liegen zwei Definitionsbreiten vor, die enge und die weite Definition von Gewalt. Im Folgenden beziehe ich mich auf die entsprechenden Definitionen aus „Schülergewalt als Schulproblem“[5].

2.1 Enger Gewaltbegriff

Beim engen Gewaltbegriff ist Gewalt personal und direkt zu verstehen. Das heißt, in einem Konflikt wird zumindest von einer Person physische oder psychische Gewalt ausgeübt.

Hierbei sind körperliche Angriffe, verbale Attacken oder Vandalismus mögliche Gewaltformen, die von einer Person ausgeführt werden und sich gegen eine andere Person oder Sache richten können. Es besteht eine Täter – Opfer – Beziehung.

2.2 Weiter Gewaltbegriff

Im Gegensatz zum engen Gewaltbegriff wird beim weiten Gewaltbegriff die Gewalt nicht von einer konkreten Person ausgeführt sondern von Institutionen wie dem Staat oder der Schule. Die Gewalt ist nonpersonal und indirekt.

Nonpersonale Gewalt ist oft nicht wie ein Faustschlag ins Gesicht auf den ersten Blick zu erkennen.

Die Taktierung des Tages ebenso wie der Notendruck und der vorgegebene Stoffplan fallen in den Bereich der institutionell ausgeführten Gewalt.

3. Die Begriffe „Migration“ und „Migrationshintergrund“

3.1 Migration

Unter Migration versteht man den „auf Dauer angelegten bzw. dauerhaft werdenden Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen“[6]. Wie schon im Seminar „Interkulturelle Pädagogik“ deutlich wurde[7], ist Migration also nicht per se ein Wechsel von einem Land in ein anderes, sondern noch einmal zu unterscheiden in Binnenmigration, bei der eine Wanderung innerhalb nationaler Grenzen stattfindet und in Außenmigration, bei der die Wanderung über nationale Grenzen hinweg stattfindet.

Für die vorliegende Untersuchung wird jedoch vor allen Dingen die Außenmigration von Bedeutung sein.

3.2 Migrationshintergrund

Um etwas über den Migrationshintergrund einer Person zu erfahren reicht es nicht aus, ausschließlich deren Staatsangehörigkeit zu betrachten.[8]

Bedenkt man, dass in Deutschland 20% aller Bürger einen Migrationshintergrund haben, jedoch nur 9% Ausländer[9] in Deutschland leben, wird diese Tatsache noch einmal deutlicher.

Um deren Migrationserfahrung in vollem Umfang zu erschließen, sind neben der Staatsangehörigkeit auch Variablen wie die im Elternhaus überwiegend gesprochene Sprache, sowie das Migrationsverhalten der Eltern und Großeltern zu betrachten.

In den hier bearbeiteten Studien ist eine Einteilung in drei Generationen erfolgt. Es wurde unterschieden zwischen Schülerinnen und Schülern[10] die selbst gewandert sind (Migranten 1. Generation), Schülern deren Eltern gewandert sind (Migranten 2. Generation) und Schülern in deren Vergangenheit lediglich die Großeltern migriert sind (Migranten 3. Generation).[11]

4. Studie: Migrationshintergrund und Gewalt

4.1 Rahmenbedingungen

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine Langzeitstudie, bei der 1994, 1999 und zuletzt 2004 in einer standardisierten Befragung Daten zum Thema Gewalt an Schulen erhoben wurden.[12]

Jedoch wurde lediglich bei der letzten Erhebung 2004 ein umfangreiches Modul zur Identifikation von Schülern mit Migrationshintergrund implementiert. In den vorangegangenen Jahren wurde der Migrationshintergrund lediglich über die Staatsangehörigkeit operationalisiert, was, wie bereits in Kapitel 3.2 beschrieben, nur unzulängliche Informationen über die Migrationserfahrung eines Schülers liefert. Deshalb sind bei dieser Studie lediglich Momentaufnahmen der Situation im Jahr 2004, jedoch keine Vergleiche mit den vorangegangenen Jahren 1994 und 1999 möglich.

Die Befragung erfolgte an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen in Bayern, die befragten Schüler waren im Alter von 10 bis 21 Jahren.

4.2. Gewaltindizes

Die für die Analyse der Gewalthäufigkeit errechneten standardisierten Indizes geben die Gewalthäufigkeit an Schulen auf einer Skala von 0 (= überhaupt keine Gewalt) bis 10 (= das maximale Ausmaß der Gewalt) wieder. Die 23 Items auf denen die Indizes basieren, möchte ich der Klarheit wegen hier noch einmal aufführen[13].

Verbale Gewalt:

- „Einen Mitschüler beschimpft“
- „Mit der Clique laut über eine andere Clique hergezogen“
- „Einen Mitschüler so angeschrien, dass er weinen musste“
Physische Gewalt:
- „Einen Mitschüler geschlagen, der provoziert hat“
- „Aus einer Rauferei mit einem Mitschüler eine Schlägerei gemacht“
- „Unsere Clique hat sich mit einer anderen Clique geprügelt“
- „Mit der Clique einen Mitschüler verprügelt“
- „Mich so mit einem Schüler geprügelt, dass uns weder Lehrer noch Mitschüler
trennen konnten“
- „Auf einen Mitschüler eingetreten, der in einer Prügelei zu Boden gegangen war“
- „Mit einer Clique einen ausländischen Schüler verprügelt“
- „Einen Lehrer geschlagen“
- „Einen Mitschüler so geschlagen, dass dieser zum Arzt musste“
Gewalt gegen Sachen:
- „Fahrräder, Schultaschen, Bücher etc. von Mitschülern beschädigt“
- „Einem Lehrer Luft aus den Reifen gelassen“
- „In der Schule Mauern, Türen usw. bemalt“
- „In der Schüle Türen, Fenster, Toiletten etc. beschädigt“
- „Einem Lehrer die Reifen am Auto oder Fahrrad etc. zerstochen“
Psychische Gewalt:
- „Mitschülern Geld, Kleidung, Schultasche, Fahrrad etc. weggenommen“
- „Einen Schüler gezwungen, Geld oder etwas (Wertvolles) zu überlassen (Jacke)“
- „Einem Mitschüler Prügel angedroht, damit er macht, was ich sage“
- „Zusammen mit anderen einen Mitschüler angemacht“
- „Einen Lehrer bedroht, damit er macht, was du willst“
- „Einen Mitschüler mit einer Waffe bedroht“

[...]


[1] vgl. Fuchs, Lamnek u.a. 2009, S. 23 ff.

[2] vgl. Borkowski u.a. 1983, S. 50

[3] vgl. Honig 1985, S. 90

[4] vgl. Heitmeyer u.a. 1998, S. 18

[5] Tillmann u.a. 2000, S. 19 - 23

[6] Treibel 2011, S. 21

[7] Verknüpfung

[8] vgl. Fuchs, Lamnek u.a. 2009, S. 212

[9] vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland 2012

[10] Im Folgenden verwende ich den Begriff „Schüler“ für beide Geschlechter

[11] Fuchs, Lamnek u.a. 2009, S. 211 - 227

[12] Eine Kopie des Fragebogens finden Sie im Anhang

[13] vgl. Fuchs, Lamnek u.a. 2009, S. 92-93

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Migrationshintergrund und Gewalt an Schulen. Betrachtung einer Studie zwischen 1994 und 2004
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V439032
ISBN (eBook)
9783668789098
ISBN (Buch)
9783668789104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
migrationshintergrund, gewalt, schulen, betrachtung, studie
Arbeit zitieren
Nina Keffer (Autor), 2014, Migrationshintergrund und Gewalt an Schulen. Betrachtung einer Studie zwischen 1994 und 2004, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439032

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