Praktische Medienarbeit in der Grundschule. Literaturverfilmungen im Deutschunterricht


Hausarbeit, 2017
30 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mediensituation heute
2.1 Kinder und Medien
2.2 Medien im Umfeld Schule
2.3 Medienkompetenz
2.3.1 Dimensionen der Medienkompetenz
2.3.2 Anknüpfungspunkte in der Grundschule
2.3.3 Probleme in der schulischen Umsetzung
2.3.4 Umsetzungsformen in der Grundschule

3. Medium Film
3.1 Begriff ״Film“
3.2 Leistungsbereiche des Mediums Film in der Schule
3.3 Filmwahrnehmung von Kindern
3.4 Merkmale eines guten Kinderfilms

4. Buch und Film im schulischen Rahmen
4.1 Wertung von Buch und Film heute
4.2 Verhältnis von Buch und Film

5. Emil und die Detektive
5.1 Überblick: Buch-Autor-Verfilmung
5.2 Gründe zur Wahl von ״Emil und die Detektive“ (1931)
5.2.1 Themenfelder
5.2.2 Kriterienkatalog

6. Praktische Überlegungen zur Medienarbeit mit ״Emil und die Detektive“
6.1 Didaktisch-methodische Vorüberlegungen
6.2 Praktische Medienarbeit mit Text und Film
6.2.1 Allgemeine Unterrichtsbeispiele
6.2.2 Entwerfen von Themenstationen - ״Früher und Heute“
6.3 Außerschulische Lernorte

7. Schluss

8. Verzeichnis
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Bildquellen

9. Anhang

1. Einleitung

Kinder heutzutage leben in einer Welt voller Medien, aus der Filme nicht mehr wegzudenken sind. Grundschüler haben in der Regel bis zu ihrem sechsten Lebensjahr bereits unzählige stunden vor dem Fernseher verbracht und zeigen dennoch eine ungebrochene Begeisterung für die bewegten Bilder.

Literaturverfilmungen als Teile der Lebenswelt der Kinder bieten daher im Deutschunterricht einen sinnvollen Ansatzpunkt für praktische Medienarbeit und eröffnen in diesem Bereich viele Möglichkeiten. Bevor diese jedoch anhand von Beispielen konkretisiert werden, muss zuerst auf die theoretischen Grundlagen eingegangen werden.

Daher soll zunächst eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Mediensituation stattfinden, die nie so sehr in der Kritik stand wie in diesen Tagen, um dann die wichtigsten medienpädagogischen Begrifflichkeiten und Hintergründe zu erläutern, auf denen diese Arbeit aufbaut. Außerdem sollen Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung von Medienarbeit in der Schule aufgezeigt werden.

Anschließend werden in der vorliegenden Arbeit die Medien Film und Buch thematisiert mit besonderem Hinblick auf das Verhältnis von Buch und Film vor dem Hintergrund des Deutschunterrichts.

Im Anschluss soll der praktische Teil der Arbeit am Beispiel der Literaturverfilmung ״Emil und die Detektive“ folgen. Dabei werden zunächst Aspekte von Buch und Verfilmung dargestellt und die Auswahl dieser Buch-Film-Kombination begründet. Des Weiteren werden verschiedene Umsetzungsbeispiele für die Arbeit mit dem Buch ״Emil und die Detektive“ in Kombination mit der Literaturverfilmung von 1931 mit ihren Chancen und Grenzen aufgezeigt.

Schließlich soll noch kurz auf mögliche außerschulische Lernorte und deren Möglichkeiten hingewiesen werden.

2. Mediensituation heute

2.1 Kinder und Medien

Medien sind heutzutage ein fester Bestandteil unserer Lebenswelt und auch aus dem Alltag von Grundschulkindern nicht mehr wegzudenken. Nicht selten dominieren Medien die Freizeitgestaltung von Kindern bereits.

Unter Medien versteht man in Anlehnung an Maier[1] technische Hilfsmittel, die Informationen gestalten, austauschen und verbreiten und der Kommunikation dienen. Umgangssprachlich spricht man meist dann von Medien, wenn visuelle, auditive oder audiovisuelle Kommunikationsmittel gemeint sind, wie Fernsehen oder Zeitungen[2].

Besonders Kindern mit wenig Entfaltungsmöglichkeiten in ihrem sozialökonomischen Umfeld bieten Medien eine attraktive Alternativwelt[3], sodass Medienpräferenzen von Kindern stark situationsspezifisch sein können. Dabei nutzen Kinder heutzutage ein weit umfangreicheres Medienangebot als noch vor wenigen Jahren. Die ״typischen“ Kindermedien Fernsehen und Buch wurden ergänzt durch Computer und Telekommunikationsmedien wie Handy oder Tablet mit immer breiterem Programmangebot von speziell für Kinder und Jugendliche entwickelten Inhalten bis hin zu simulierten Gewalt- und Horrorszenarien[4]. In solch einer vielfältigen Medienumwelt aufzuwachsen stellt Kindern zwangsweise vor eine Wahl, bei der sie letztendlich immer der Beeinflussung einzelner Medien unterliegen[5].

Medien sind längst nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken und Kinder begegnen ihnen ohne Angst und Vorbehalte. Dabei bieten Medien, entgegen dem gängigen Vorurteil, nicht nur Spaß und Unterhaltung, sondern erfüllen auch soziale, emotionale und informative Funktionen, die keineswegs immer zu Passivität und Konsumverhalten führen[6]. Medien können ebenfalls Anlass für Gespräche und gemeinsame Aktivitäten sein, sie können Tipps und Hilfen zur Gestaltung der eigenen Persönlichkeit geben und bei der Identitätsfindung helfen[7].

Medien werden heute wie in Zukunft unsere gesellschaftliche Wirklichkeit prägen. Die immer komplexer werdende Medienlandschaft bedingt aber auch, dass sich ein verantwortungsvoller, persönlichkeits- und gesellschaftsfördernder Umgang mit Medien nicht von selbst einstellt, sondern macht eine medienpädagogische Unterstützung unerlässlich. Insofern ist die heutige Mediensituation eine immer größere Herausforderung, die es auch und besonders in der Schule zu bewältigen gilt[8].

2.2 Medien im Umfeld Schule

Im Laufe der letzten Jahre haben Schulen besagte Herausforderungen zunehmend angenommen und setzen sich verstärkt gegen negative Medieneinflüsse ein, indem sie, angesichts der Mediatisierung der kindlichen Lebenswelt, verstärkt an medienpädagogischen Konzepten arbeiten. So stellt die Medienarbeit mehr und mehr eine Kernaufgabe der Schule dar[9].

Medien haben im Umfeld Schule eine doppelte Rolle, sie dienen zum einen der Unterrichtsgestaltung, können aber auch selbst Gegenstand des Unterrichts sein[10]. In dieser Arbeit soll der Film primārais Medium und Gegenstand des Unterrichts betrachtet werden, ist aber bei ״Emil und die Detektive“ in Hinblick auf die Vermittlung von Informationen über eine Kindheit in früheren Zeiten auch ein Lernmittel.

Verfolgt man Diskussionen über die heutige Medienwelt, kann man von begeisterter Zustimmung bis hin zur Warnung vor schlimmsten Gefahren jede denkbare Einstellung zum Einfluss elektronische Medien finden. Auch Schule muss sich zwischen diesen beiden Polen positionieren, muss zwischen Vor- und Nachteilen abwägen um schlussendlich die passenden Konzepte für den Unterricht festzulegen und umzusetzen. Dabei muss oberstes Ziel die Vermittlung und Förderung von Medienkompetenz sein.

2.3 Medienkompetenz

Der Begriff bzw. das Konzept der Medienkompetenz wurde in den letzten Jahren vielfach von Medienpädagogen aufgegriffen und in unterschiedlichen Kontexten verwendet.

Was Medienkompetenz bedeutet und in welchem Kontext der Begriff für diese Arbeit verwendet wird, soll nun im Folgenden erläutert werden. Dabei wird besonders auf die Interpretation von Tulodziecki Bezug genommen, der sich mit Medienpädagogik im schulischen Kontext beschäftigt.

2.3.1 Dimensionen der Medienkompetenz

Nach Tulodziecki kann man Medienkompetenz in fünf Dimensionen unterteilen. Demnach ist Medienkompetenz ״die Fähigkeit...

- Medienangebote sinnvoll auszuwählen und zu nutzen,
- eigene Medienbeiträge zu gestalten und zu verbreiten,
- Mediengestaltungen zu verstehen und zu bewerten,
- Medieneinflüsse zu erkennen und aufzuarbeiten und
- Bedingungen der Medienproduktion und Medienverbreitung zu durchschauen und zu bewerten“[11].

Versteht man diese Dimensionen als medienpädagogische Felder, kann man sie als Konstrukt für Medienarbeit in der Schule mit Inhalten füllen. Besagte Dimensionen bzw. Felder sind miteinander eng verknüpft und bedingen sich teilweise gegenseitig bzw. beziehen sich aufeinander und umfassen das gesamte Medienspektrum.

2.3.2 Anknüpfungspunkte in der Grundschule

Wie kann man nun in der Grundschule angesichts des noch jungen Alters der Schüler[12] mit diesen fünf Feldern arbeiten und kann man es überhaupt? Und wenn ja, in welchem Umfang?

Bedenkt man die Ausführungen aus 2.1 und 2.2 zur heutigen Mediensituation muss klar sein, dass auch in der Grundschule schon Medienkompetenz vermittelt werden muss. Auch die JIM 2015, eine Studie die seit 1998 jährlich die Mediennutzung Jugendlicher im Alter von zwölf bis 19 Jahren in Deutschland untersucht, bestätigt diese Erkenntnis. Laut Studie sind in 99% der befragten Haushalte Handys oder Smartphones vorhanden, 98% besitzen einen Computer oder Laptop, 96% davon mit Internetzugang und ganze 97% der Haushalte besitzen ein Fernsehgerät (vgl. Tab.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es steht also außer Frage, dass in der Grundschule das Fundament für die spätere Medienkompetenz gelegt werden muss. Dabei ist entscheidend, dass die Medienarbeit in der Grundschule dem Alter der Schüler angemessen ist. Es können beispielsweise besonders der Austausch über Medienerfahrungen und das Sprechen über die eigenen Gefühle, Vorstellungen und Erwartungen in Bezug auf Mediennutzung thematisiert werden.

Füllt man nun in Anlehnung an Tulodzieckis Dimensionen die Felder der Medienkompetenz mit Inhalten, können folgenden für die Grundschule relevante Themenbereiche genannt werden:

- Reflektiertes Auswahlen von Medien für verschiedene Nutzungsarten (informieren, lernen, spielen, gestalten, unterhalten)
- Gestalten eigener, medialer Beiträge
- Verstehen und Bewerten von medialen Beiträgen in Bezug auf Darstellung, Technik und Gestaltungsabsichten
- Erkennen und Bewältigen von durch Medien geweckten Gefühlen, Erwartungen und Verhalten

2.3.3 Probleme in der schulischen Umsetzung

Betrachtet man den Schulalltag in Bezug auf die medienpädagogische Arbeit, fällt auf, dass bislang nur eine geringe Umsetzung in der Praxis gelingt. Dies hat unter anderem schulorganisatorische Gründe. Einer dieser Gründe ist das Fehlen eines eigenständigen Faches der Medienerziehung. So muss Medienkompetenz nebenbei erfolgen und in den regulären Unterricht mit einfließen. Hier kann das Fach Deutsch seinen Anteil leisten, da sinnvoll neben schriftlichen Texten auch (audio-) visuelle Produkte genutzt werden können.

Als ebenfalls problematisch kann sich die Heterogenität der Klassen herausstellen, wenn die sozioökonomischen Unterschiede der Schüler die gemeinsame Medienarbeit erschweren[13].

Auch sind viele Lehrer häufig schlecht ausgebildet und können oftmals selbst, besonders im technischen Bereich, nicht kompetent mit Medien umgehen oder sind von den neuen Telekommunikationsmedien gänzlich überfordert.

Schließlich scheitert eine erfolgreiche Medienarbeit auch nicht selten an der mangelhaften Ausstattung der Schulen.

Insgesamt muss man also feststellen, dass man bei der Medienerziehung in der Praxis oft an Grenzen stößt, Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Medienkompetenz also klar erkennbar sind.

2.3.4 Umsetzungsformen in der Grundschule

Trotz aller Widrigkeiten kann und muss die Medienerziehung fest in den schulischen Alltag integriert werden. Dies ist besonders durch verschiedene Unterrichtskonzepte und -formen möglich, die an dieser stelle kurz genannt werden sollen.

Dazu gehört zum Beispiel die Projektform des Unterrichts, hierbei steht offenes, flexibles, ganzheitliches und prozessorientiertes Lernen im Vordergrund.

Das Projekt basiert auf intrinsischer Motivation, also der Motivation, die in der Sache selbst liegt und bei der Kinder freiwillig und mit Interesse arbeiten und lernen[14].

Ebenfalls geeignet ist ein intégratives Konzept, dessen Ziel es ist, die üblichen starren Schulstrukturen wie die Einteilung in Klassen, Altersgruppen oder Unterrichtsfächer aufzubrechen und so übergreifendes, verknüpftes und kooperatives Lernen zu fördern[15].

Als ein ״Königsweg medienpädagogischer Arbeit“ bezeichnet Thiele[16] die produktive Medienarbeit, bei der es in der Praxis vor allem darum geht, dass Schüler lernen mithilfe (audio-) visueller Medien bestimmte, persönliche Anliegen, Interessen oder Gefühle zu vermitteln, kurzum Medien zur kreativen Artikulation zu nutzen.

3. Medium Film

Heutzutage ist kaum mehr vorstellbar, dass Kinder ohne filmische Vorerfahrungen in die Schule kommen. Meist haben sie bereits viele stunden ihres Lebens mit Fernsehsendungen, Filmabenden oder Kinobesuchen verbracht und können ihren Filmkonsum schon nach eigenen Präferenzen steuern[17].

Dies kann leider auch dazu führen, dass Kinder altersunangemessene Inhalte über Filme aufnehmen, die sie nicht aufarbeiten können. Zudem kann die Bilderflut Kinder um eigene Erfahrungen bringen und zu einem Realitätsverlust führen. Daher ist filmpädagogische Arbeit an der Schule ein wichtiger stützfeiler, um Schülern dabei zu helfen, der medialen Überforderung entgegenzuwirken und mehr primäre Erfahrungen zu ermöglichen.

Bevor in dieser Arbeit weiter auf die Medienarbeit mit Filmen in der Schule eingegangen wird, sollen zunächst noch ein paar grundlegende Fragen zum Medium Film sowie Begrifflichkeiten geklärt werden.

3.1 Begriff ״Film“

Der Begriff ״Film“ wird umgangssprachliche für verschiedene Inhalte verwendet und kann beispielsweise, je nach Gesprächssituation, nur für eine bestimmte Filmart oder einen Film auf einem bestimmten Speichermedium stehen.

Wenn in dieser Arbeit von ״Film“ die Rede ist, ist immer der Kinderfilm basierend auf literarischer Vorlage, auch (kinder-) literarischer Film, Literaturverfilmung oder Kinderbuch-Verfilmung gemeint. Für die Arbeit können die feinen Unterschiede zwischen den Begrifflichkeiten außer Acht gelassen werden.

Auch ist in dieser Arbeit mit ״Film“ immer der Spielfilm gemeint, der im Besonderen für Kinder ein Eintauchen in verschiedene Erlebniswelten ermöglicht und Zugang zu ganz unterschiedlichen Welten und Themen bietet[18]. Vor allem zeitgenössische Filme, wie auch ״Emil und die Detektive“ von 1931, eignen sich, um deren Entstehungszeiten lebhaft an Schüler heranzutragen.

[...]


[1] vgl. Maier 1998, s. 14

[2] vgl. Schaub/Zenke 2000, s. 380

[3] vgl. Süss 2000, s. 30

[4] vgl. Tulodziecki 2000, s. 17

[5] vgl. Daum u.a. 1993, s. 8, 10

[6] vgl. Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 1995, s. 9f, 12

[7] vgl. Maier 1998, s. 20f

[8] vgl. Tulodziecki 2000, s. 17

[9] vgl. Bertelsmann Stiftung 2001, s. 11

[10] vgl. Maier 1998, s. 29

[11] Tulodziecki 2001, s. 6

[12] Im Folgenden verwende ich den Begriff ״Schüler“ für die männliche und weibliche Form, es sind also immer Schüler und Schülerinnen gemeint.

[13] vgl. BLK 1995, s. 20

[14] vgl. Baacke 1999, s. 91

[15] vgl. BLK 1995, s. 21

[16] Thiele 1999, s. 63

[17] vgl. Ernst2000, s. 19

[18] vgl. Ehlers/Hütte 1998, s. 3

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Praktische Medienarbeit in der Grundschule. Literaturverfilmungen im Deutschunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V439033
ISBN (eBook)
9783668789951
ISBN (Buch)
9783668789968
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praktische, medienarbeit, grundschule, literaturverfilmungen, deutschunterricht
Arbeit zitieren
Nina Keffer (Autor), 2017, Praktische Medienarbeit in der Grundschule. Literaturverfilmungen im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439033

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