Künstlerische Reaktionen auf dem NS Holocaust Denkmal Berlin


Facharbeit (Schule), 2017
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Wandel in der deutschen Erinnerungskultur

2 Historischer Hintergrund des Holocaust
2.1 Charakterisierung des Holocaust als singulären Genozid

3 Peter Eisenman – der Mann hinter dem Denkmal

4 Die Entwicklung des Denkmals – Initiative bis Eröffnung

5 Interpretation und Analyse des Holocaust-Mahnmal in Berlin
5.1 Differenzierung zwischen Denkmal und Mahnmal
5.2 Das Holocaust Mahnmal Berlin im Detail
5.3 Interpretation und Wirkung des Denkmals

6 Kritik am Denkmal in Teilen der Gesellschaft

7 Vandalismus und Missbrauch von Denkmälern

8 Das Holocaust Mahnmal Berlin als Verpflichtung

9 Literaturverzeichnis
9.1 Bibliografien:
9.2 Internetquellen:

10 Bildquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eingang Ghetto Lodz

Abbildung 2: Peter Eisenman

Abbildung 3: Standort Holocaust Mahnmal Berlin

Abbildung 4: Justin Trudeau beim Besuch des Denkmals

Abbildung 5:Blick auf das Mahnmal Richtung Norden

Abbildung 6:Unterschiedliche Größen der Stelen

Abbildung 7:Gang zwischen den Stelen

Abbildung 8: Fotomontage aus dem Projekt „Yolocaust“

Abbildung 9: Geschändete Grabstätten, jüdischer Friedhof Freudental

1 Wandel in der deutschen Erinnerungskultur

Unter Denkmälern verstand die deutsche Erinnerungskultur vor allem imposante Bauwerke, die an heldenhafte Taten oder große Persönlichkeiten erinnern. In Weimar befindet sich das Goethe-Schiller Denkmal[1], in Berlin die Siegessäule[2], in Leipzig das Völkerschlachtdenkmal[3] und in Hamburg ein imposantes Denkmal zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck. All diese Denkmäler erzeugen durch ihre Bauart positive Gedanken beim Betrachter. Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich diese Ansicht. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnert an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Blickt man auf das Denkmal in Berlin, werden Gedanken der Trauer, der Wut und vor allem die Frage „Warum?“ erzeugt. Keine andere Nation hat bisher ein Denkmal für die Opfer ihrer eigenen Taten gebaut.

Der Holocaust war der durch das nationalsozialistische Deutschland von 1933 bis 1945 mit eiskaltem Kalkül und „deutscher Gründlichkeit“ durchgeführte Genozid, dem sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen. Kein anderes Kapitel in der deutschen Geschichte ist dunkler als diese Zeit und trotzdem hat es die Bundesrepublik Deutschland geschafft, wenn auch verspätet, mit der Aufarbeitung dieser Zeit zu beginnen. Diese gewaltige Aufgabe ist ein Prozess, der auch 72 Jahre nach Ende des Holocaust noch nicht abgeschlossen ist.

Ein wesentlicher Teil der Aufarbeitung und des Auseinandersetzens mit dem Holocaust ist es, der Gesellschaft vor Augen zu führen, dass so etwas nie wieder passieren darf. Diese Botschaften werden in der Schule vermittelt, von Medien, von Zeitzeugen und in Form von Gedenkstätten, Denkmälern und Mahnmälern.

Das bekannteste Holocaust Mahnmal Deutschlands steht im Herzen Berlins und erstreckt sich über eine Fläche von 19 000 m2. Es wurde von 2003 bis 2005 erbaut und von dem US – amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfen. Das Mahnmal besteht aus 2711 aus Beton gefertigten Stelen. In meiner Seminararbeit werde ich erklären wie es zum Holocaust kommen konnte, Künstler und Geschichte des Mahnmals genauer beleuchten, das Werk interpretieren, den Stellenwert dieses Bauwerkes begründen sowie die Wirkung von Denkmälern auf die Gesellschaft betrachten.

2 Historischer Hintergrund des Holocaust

Die Verfolgung der Juden im damaligen „Deutschen Reich“ begann bereits im April 1933, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ende Januar 1933. Zunächst wurden jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien boykottiert. Ebenfalls wurde das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ erlassen, wodurch Juden vom Staatsdienst ausgeschlossen wurden. Durch die Verabschiedung der „Nürnberger Gesetze“[4] im Jahr 1935 spitzte sich die Situation für jüdische Mitbürger zu. Mit dem Erlass dieser Gesetze wurde die Ausübung von Antisemitismus Pflicht für jeden deutschen Bürger. Der erste „Höhepunkt“ einer Chronologie der Menschenverachtung wurde mit den Novemberprogromen[5] in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erreicht. In dieser Nacht wurden circa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben, circa 1400 Synagogen und Betstuben sowie tausende Geschäfte, Wohnungen, Häuser und Friedhöfe zerstört. Die durch diese Ausschreitungen entstandenen Schäden wurden den Opfern, den Leidtragenden, den Beraubten, nämlich den Juden, in Form einer „Sühne“[6] von einer Milliarde Reichsmark auferlegt. Zusätzlich heißt es in einer Verordnung: „§1: Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland am 8., 9. und 10. November 1938 an jüdischen Gewerbetreibenden und Wohnungen entstanden sind, sind vom jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.“ [7] Nachdem Juden aus der Wirtschaft vertrieben, jüdischen Schülern die Bildung verwehrt und Juden durch den sogenannten „Judenbann“[8] völlig aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, beschlossen viele jüdische Familien, aus dem „deutschen Reich“ zu flüchten.

Im September 1941 erreichte die Diskriminierung einen weiteren traurigen Höhepunkt. Durch den „Judenstern - Erlass“ mussten Juden in der Öffentlichkeit nun einen gelben Davidstern mit der Aufschrift „Jude“ tragen. Durch die Wahl eines religiösen Symbols als Brandmarkung ist diese Verordnung als besonders erniedrigend und menschenverachtend zu betrachten. Ab Oktober 1941 wurden Juden durch den „Zwangsarbeitererlass“ zur Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gezwungen. 1942 wurde durch die „Reichsgesetzblätter“ verkündet, dass Juden keine Haustiere mehr halten dürfen, die Wohnungen von Juden mit dem Davidstern zu kennzeichnen sind, Juden keine elektrischen Geräte, Plattenspieler, Schallplatten, Schreibmaschinen und Fahrräder besitzen dürfen usw.. Unseren jüdischen Mitbürgern wurde also jegliche Grundlage für ein menschenwürdiges Leben entzogen.

Ab 1938 wurde die Ghettoisierung der Juden durchgeführt. Zunächst wurden sie in sogenannten „Judenhäusern“[9] untergebracht, ein Jahr später folgte die systematische Ghettoisierung der Juden in osteuropäischen Ghettos[10] wie in das von Warschau, in dem bis Mai 1941 circa 550 000 Juden gefangen gehalten wurden. In den Ghettos wurden die Juden bis zur Fertigstellung der Vernichtungslager festgehalten. Die Lebensbedingungen waren katastrophal, durch mangelnde Hygiene sowie Mangelernährung starben viele bereits in den Ghettos.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eingang Ghetto Lodz

Schon in „Mein Kampf“[11] propangierte Adolf Hitler Ideen, die jüdische Bevölkerung auszurotten. So kam es mit dem Kriegsbeginn im September 1939 zu den ersten Massenerschießungen, die bis 1941 andauerten. Mit der „Endlösung der Judenfrage“[12] beauftragte Göring[13] Heydrich[14], den Chef des „Reichssicherheitshauptamts“, mit der Ausarbeitung eines Entwurfs zur Durchführung. Im Januar 1942 wurde auf der Wannseekonferenz[15] die „Endlösung der Judenfrage“ dann beschlossen. 15 hochrangige Vertreter verschiedener NS- Regierungsinstitutionen trafen sich unter der Leitung von SS – Obergruppenführer[16] Reinhard Heydrich, um die Koordination und das Zusammenarbeiten verschiedener Behörden zu optimieren. Mit dem Ziel der vollständigen Ausrottung des jüdischen Volkes kam es dann ab Frühjahr 1942 zu einer fabrikmäßigen Ermordung der Juden in Vernichtungslagern im Osten. Bis 1945 wurden so 6 Millionen Juden auf grausame Art und Weise systematisch, unter anderem mit Zyklon B[17], ermordet, bzw. vergast

2.1 Charakterisierung des Holocaust als singulären Genozid

Der Begriff der Singularität bezeichnet in Bezug auf den Holocaust Merkmale, die den Holocaust in seiner Motivation, Planung und Durchführung von anderen Genoziden in der Geschichte unterscheiden. Die Debatte über die Singularität des Holocaust entstand 1978 in den USA bei der Planung des Holocaust Memorial Museum in Washington, bei der über die Definition des Begriffs Holocaust nachgedacht wurde. Vertreter nicht-jüdischer Opfergruppen während des 2. Weltkriegs forderten die Miteinbeziehung in den Begriff des Holocaust. Nicht-jüdische Opfergruppen waren vor allem Sinti und Roma, Behinderte und Slawen. Der Völkermord an den Sinti und Roma wird als Porajmos bezeichnet, bei ihm kamen zwischen 220 000 und 500 000 Menschen ums Leben.[18]. Die Tötung behinderter Menschen wird als „Aktion T4“ bezeichnet, der rund 70 000 Menschen zum Opfer fielen.[19] Der Völkermord an den Slawen war Teil des „Generalplan-Ost“, bei dem es auch um die Lebensraumgewinnung in Osteuropa ging. Allein der Überfall auf die Sowjetunion und der dabei explizit so genannte „Hungerplan“ forderten allein 20 Millionen Menschen. Insgesamt wurden etwa 25 Millionen Slawen in Osteuropa Opfer dieses „Vernichtungsfeldzugs“. Die Komparative Genozid-Forschung lehnt die Singularität des Holocaust ab, da erst im Vergleich mit anderen Genoziden Besonderheiten feststellbar seien. Für eine Alleinstellung des Holocaust spricht, dass es sich laut Israel Gutman, einen Holocaustexperten und -überlebenden, um „einen Vernichtungsfeldzug [handelt], der sich aus der Rassenideologie ergab und nur aus diesem Grund beschlossen wurde.“ [20] Eberhard Jäckel[21], Mitinitiator des Holocaust Denkmals in Berlin, begründet die Unvergleichbarkeit des Holocaust mit der Tatsache, dass „noch nie zuvor ein Staat mit der Autorität seines verantwortlichen Führers beschlossen und angekündigt hatte, eine bestimmte Menschengruppe einschließlich der Alten, der Frauen, der Kinder und der Säuglinge möglichst restlos zu töten, und diesen Beschluss mit allen nur möglichen staatlichen Machtmitteln in die Tat umsetzte“ [22].

Es gibt sowohl Alleinstellungsmerkmale als auch vergleichbare Aspekte mit anderen Genoziden in der Geschichte. Alleidings zeigt der Holocaust in Motivation und Systematik der Durchführung charakteristische Merkmale der Singularität auf.

3 Peter Eisenman – der Mann hinter dem Denkmal

Das Holocaust Mahnmal in Berlin wurde von dem US – amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfen.

Peter David Eisenman wurde am 11. August 1932 in Newark, New Jersey geboren. Seine Wurzeln finden sich in einer assimilierten[23] deutsch – jüdischen Mittelstandsfamilie. Dies ist ein erster Hinweis darauf, warum Peter Eisenman beauftragt wurde, die Umsetzung und Planung des Projekts „Holocaust Mahnmalmal in Berlin“ zu übernehmen, da er durch seine Familie einen persönlichen Bezug zum Holocaust besitzt.

Nachdem er erfolgreich die High-School beendet hatte, fing er zunächst an, Architektur an der Cornell University in New York zu studieren. Im Zuge des Korea Krieges leistete er von 1955 bis 1957 seinen Militärdienst als Soldat eines Friedenscorps in Korea. Als er sich 1957 wieder in den Vereinigten Staaten von Amerika befand, fuhr er mit seinem Studium in Architektur fort, jedoch diesmal an einer anderen Hochschule, der Columbia University und erlangte dort 1960 seinen Master of Science[24] in Architektur.[25] Im selben Jahr fing er bereits an, als Architekt zu arbeiten. Danach startete er an der Cambridge University ein Philosophiestudium und beendete dieses 1962 erfolgreich. Im selben Jahr wurde er von der Universität Illinois von Chicago mit dem Ehrendoktor[26] der schönen Künste ausgezeichnet.[27] Peter Eisenman gründete 1967 das Institute of Architecture and Urban Studies in New York, welche er bis 1982 selbst führte.[28] Als Mitglied der Architekten - Gruppe „The New York Five“ verschrieb er sich mit vier anderen Architekten der „Reanimation“ des Bauhauses sowie des de Stijles, einer deutschen und einer niederländischen Strömung aus den 1920er und 19330er Jahren, welche sich durch Sachlichkeit, Rationalität und klaren Linien auszeichneten.[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Peter Eisenman

In den Jahren von 1982 bis 1985 besaß Eisenman Lehrstühle an renommierten Universitäten wie Cambridge und Harvard. Zu dieser Zeit war er bereits ein geschätzter Architekt, der in Projekten rund um den Globus mitarbeitete.[30] Zu seinen wichtigsten Entwürfen zählt man das „House lll“ in Connecticut von 1970, das „Biozentrum“ der Universität Frankfurt am Main sowie das „Wenxer Center for the Visual Arts“ an der Ohio State University in Columbus, welche beide im Jahr 1989 entworfen wurden.[31] Den Entwurf zum Holocaustmahnmal stellte er 1998 mit einem der bedeutendsten Bildhauern der USA, Richard Serra, vor. Durch innenpolitische Meinungsdifferenzen in Deutschland bezüglich der Umsetzung und dem Sinn eines solchen Mahnmals verzögerte sich der Bau des Werkes und wurde schließlich zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Jahr 2005 eröffnet.

4 Die Entwicklung des Denkmals – Initiative bis Eröffnung

Die Initiative für ein Denkmal der von dem nationalsozialistischen Deutschland ermordeten Juden ging von der Publizistin Lea Rosh[32] aus. In einem Bericht schildert sie, wie sie zusammen mit dem Historiker Eberhard Jäckel für eine Dokumentation der ARD[33] in Jerusalem vor der Gedenkstätte Yad Vashem standen. Jäckel war der Meinung, „es müsse auch in Deutschland ein Denkmal geben, welches an diese Tat erinnert.“[34]

1988 wurde das Denkmal durch die Bürgerinitiative Berlin e.V. initiiert. Der Weg bis zur Fertigstellung im Jahr 2005 war laut Rosh nicht einfach, da der Verein anfangs keine politischen Kontakte oder finanzielle Mittel zur Verfügung hatte. Der erste einflussreiche Befürworter war Altkanzler Willy Brandt[35], der mit seiner Aussage „Unsere Würde gebietet einen unübersehbaren Ausdruck der Erinnerung an die Ermordung der europäischen Juden“ [36] den Leitsatz für den Verein schuf. Vereinsmitglieder sammelten „bei Wind und Wetter [...] mit Unterschriftenlisten und Sammelbüchsen […] 100 000 Mark und 10 000 Unterschriften.“ [37] Neben Willy Brandt sprach sich auch der bekannte Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger [38] Günter Grass [39] als einer der ersten positiv für die Errichtung eines Denkmals aus.

Je größer der und bekannter der Verein wurde, desto lauter wurden negative Stimmen, die unter anderem wissen wollten, warum man lediglich für die ermordeten Juden und nicht auch für andere Opfergruppen ein Denkmal errichten will. Die Antwort darauf ist laut der Vereinswebsite die Tatsache, dass die vollständige Vernichtung des jüdischen Volkes Hitlers Hauptziel war und eine Opferzahl von 6 Millionen ein eigenes Denkmal „verdient“ hätte.

1990 wurde der heutige Standort im Herzen Berlins in den ehemaligen Ministergärten [40] das erste Mal vorgeschlagen. Davor wählte man als potentiellen Standort das ehemalige Gestapo [41] Gelände in Berlin – Kreuzberg.

Die Regierung Kohl sprach sich 1992 dann positiv für ein Denkmal aus und versprach, Teile der ehemaligen Ministergärten bereit zu stellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Standort Holocaust Mahnmal Berlin

Der erste Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Denkmals fand 1994 statt. Christine Jackob - Marks [42] , Hella Rolfes [43] , Hans Scheib [44] und Reinhard Stangl [45] erhielten für ihren Entwurf, eine Namensplatte mit Vor- und Nachnamen der Opfer auszuarbeiten den ersten Platz. Die Umsetzung wurde durch den CDU – Politiker und damaligen Bundeskanzler Helmuth Kohl verhindert. Die Bundesregierung begründete ihren Standpunkt mit der Tatsache, dass „wichtige Argumente [formuliert worden sind], die zu einer Prüfung und zu einem Überdenken der Vorgaben anregten, um den weiteren Prozess kreativer gestalten zu können.“ [46]

1996 kam es zu einem zweiten Design Wettbewerb, zu dem 25 zum Teil international hoch angesehene Künstler eingeladen waren. Die fünfköpfige Findungskommission empfahl neben dem Entwurf Eisenmann/Serra den Entwurf der deutschen Architektin Gesine Weinmiller. Insgesamt kamen vier Entwürfe in die engere Auswahl. In einer öffentlichen und heiß diskutierten Debatte stellte sich der Entwurf Eisenmann/Serra als Favorit heraus. Der auf Wunsch des Bundeskanzlers überarbeitete Entwurf wurde 1998 vorgelegt. Im selben Jahr zog sich Serra, da er mit den von Kohl gewünschten Änderungen nicht zufrieden war, aus dem Projekt zurück. 1998 kam das Projekt 1998 durch den Wahlkampf und dem damit verbundenen Regierungswechsel zum Stillstand. Die neu gewählte grün – rote Regierung [47] beschloss im Oktober ´98, den Bundestag über die Umsetzung des Entwurfes abstimmen zu lassen. Nach mehreren Debatten beschloss man am 25. Juni 1999 schließlich den Bau des Denkmals. Der Umfang des Denkmals sollte zusätzlich durch einen „Ort der Information“ ergänzt werden. 7 Monate später, im Januar 2000 wird der symbolische Baubeginn der Erinnerungsstätte gefeiert. Peter Eisenmann wurde neben der Gestaltung des Denkmals mit einer Machbarkeitsstudie der unterirdischen Informationsstätte beauftragt, dessen Gestaltung Dagmar von Wilcken [48] übernahm. Im April 2003 kam es nach langen Planungen zum Baubeginn des Denkmals, im Oktober 2003 nach der Montage erster Betonstelen zu einer öffentlichen Diskussion über die Rolle der Firma Degussa im Bauvorhaben. Degussa wurde damit beauftragt, einen Grafitti Schutzlack für die Betonstelen sowie Betonverflüssiger für die Fundamente zu liefern. [49] Zu einer öffentlichen Diskussion kam es, da das Unternehmen Anteile der Firma Degesch [50] besaß, die während des 2. Weltkriegs Zyklon B für das NS – Regime herstellte. Zyklon B war das Giftgas, welches von 1942 bis 1944 in Konzentrationslagern für die Vergasung von Juden genutzt wurde. Der Großteil des Gases wurde jedoch für die Entwesung [51] der Lager verwendet. Zyklon B wirkt auf warmblütige [52] Lebewesen 22-mal so stark wie auf kaltblütige [53] . Man fand heraus, dass 4kg des Gases bereits ausreichen um 1000 Menschen zu ermorden. [54] Degussa wurde trotz der dunklen Vergangenheit nicht vom Projekt ausgeschlossen, man argumentierte damit, dass das heutige Degussa nicht mehr das aus der NS Zeit sei. Es waren bereits Produkte von Degussa verbaut und die Suche nach einem neuen Partner hätte den zeitlichen und finanziellen Rahmen gesprengt. [55]

Nach der Montage der Hälfte der 2711 Betonstelen sowie der Fertigstellung der Kassettendecke [56] des unterirdischen Informationsortes wurde am 12. Juli 2004 zusammen mit Peter Eisenmann das Richtfest gefeiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Justin Trudeau beim Besuch des Denkmals

Am 10. Mai 20015 wurde das Denkmal nach einer Bau- und Entwicklungszeit von 17 Jahren feierlich mit 1200 Gästen aus dem In- und Ausland eröffnet. Das öffentliche Interesse war so groß, dass die Eröffnung live auf ARD, ZDF[57] und Phoenix[58] übertragen wurde. Zwei Tage später wurde das Denkmal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bis Ende 2005 besuchten bereits 350 000 Menschen das Denkmal. Neben privaten Besuchern wird das Mahnmal auch von wichtigen in- und ausländischen Politikern besucht. So besuchte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu zusammen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2007 das Stelenfeld, zuvor hatte der australische Premierminister Kevin Rudd das Denkmal besucht.[59] Im Februar 2017 besuchte der kanadische Premierminister Justin Trudeau zusammen mit Merkel das Denkmal.

Die Gesamtkosten für die Umsetzung des Denkmals belaufen sich auf ca. 67,6 Millionen Euro, von denen 27,6 Millionen Euro für die Baukosten und 40 Millionen für das Grundstück in Berlin - Mitte abfallen. Der Erhalt des Denkmals kostet jährlich ca. 2,1 Millionen Euro. Diese Kosten wurden und werden aus dem Bundeshaushalt finanziert.[60]

Das Denkmal ist heute einer der bedeutendsten Orte in Berlin. Innerhalb von 10 Jahren besuchten mehr als 5 Millionen Menschen den unterirdischen Informationsort und mehr als 10 Millionen Menschen gingen durch das Stelenfeld.[61]

5 Interpretation und Analyse des Holocaust-Mahnmal in Berlin

5.1 Differenzierung zwischen Denkmal und Mahnmal

Worin liegt der Unterschied zwischen einem Denkmal und einem Mahnmal? In vielen Berichten, sei es in Zeitungen oder dem Internet, wird mal vom Holocaust Denkmal und mal vom Holocaust Mahnmal in Berlin gesprochen.

Deshalb müssen wir uns fragen: Welche Merkmale besitzt ein Denkmal?

Die Stiftung Denkmal definiert folgendermaßen: „Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff Denkmal plastische Werke, die zur Wahrung des Andenkens an eine Person, eine Personengruppe oder ein historisches Ereignis errichtet wurden. Mit einem Denkmal werden im öffentlichen Raum Gedenkorte geschaffen oder Gedächtnisorte markiert. Denkmäler können je nach Anlass unterschiedliche Erinnerungshaltungen provozieren.“ [62] Nach dieser Definition liegt es nahe, dass es sich in Berlin um ein Denkmal handelt. Zu den Denkmälern zählen neben Skulpturen auch Bauwerke und besondere Böden. Man muss also bereits im Oberbegriff „Denkmal“ differenzieren. Die Besonderheit eines Mahnmals ist, dass es sich „durch einen zusätzlichen, moralisch weitgehenden Anspruch [auszeichnet]. Sie richten an ihre Adressaten nicht nur die Aufforderung, der Opfer zu gedenken, sondern die vorausgegangenen Ereignisse selbst als Mahnung oder Appell aufzufassen, die sich im Prinzip an die Menschheit als Ganzes richtet.“ [63] Genau betrachtet handelt es sich in Berlin also um ein Mahnmal, da eindeutig ein Appell und eine Mahnung an die Menschheit gerichtet wird. Von einem Denkmal zu sprechen ist jedoch nicht falsch.

5.2 Das Holocaust Mahnmal Berlin im Detail

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5:Blick auf das Mahnmal Richtung Norden

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wurde von dem US – amerikanischen Architekten Peter Eisenmann entworfen und von 2003 bis 2005 erbaut. Errichtet wurde es im Gedenken an die 6 Millionen im Holocaust ermordeten Juden.

[...]


[1] Thueringen.info.de

[2] Berlin.de

[3] Völkerschlachtdenkmal.de

[4] „Nürnberger Rassegesetze“ zum Schutz der „arischen Rasse“

[5] Wikipedia.de/Novemberpogrome 1938

[6] Duden.de/Suehne

[7] Zitat Seite 185 aus „Hannah Vogt - Schuld oder Verhängnis“

[8] Juden wurde verboten bestimmte Bezirke zu betreten und ins Kino, Museum und Theater zu gehen

[9] Wikipedia.de/Judenhaus

[10] Duden.de/Ghetto

[11] Wikipedia.de/Mein Kampf

[12] Wikipedia.de/Endlösung der Judenfrage

[13] Dhm.de/Hermann Goering

[14] Dhm.de/Reinhard Heydrich

[15] Dhm.de/Wannseekonferenz

[16] Wikipedia.de/Obergruppenführer

[17] Wikipedia.de/Zyklon B

[18] Br.de/Sinti Roma Verfolgung Vernichtung

[19] Psychiatriegeschichte.uni-hd.de/Hohendorf

[20] Wikipedia.de/Holocaustforschung, Zitat Israel Gutman

[21] Deutscher Historiker und Publizist

[22] Wikipedia.de/Holocaustforschung, Zitat Eberhard Jäckel

[23] Lebensgeschichten.net

[24] Master/Magister: Akademischer Grad

[25] Floornature.de/Peter Eisenman

[26] Eine ehrenhalber verliehene Auszeichnung einer Universität oder Fakultät, die für besondere akademische oder wissenschaftliche Verdienste verliehen wird

[27] Floornature.de/Peter Eisenman

[28] Wikipedia.de/Institute for Architecture and Urban Studies

[29] Slideshare.net/the New York five

[30] Whoswho.de/Peter Eisenman

[31] Whoswho.de/Peter Eisenman

[32] deutsche Fernsehjournalistin, Autorin und Publizistin

[33] Erstes deutsches Fernsehen

[34] Holocaust Denkmal Brlin.de/Index19

[35] deutscher SPD-Politiker; von 1969 bis 1974 Bundeskanzler der BRD

[36] Holocaust Denkmal Berlin.de/wie alles begann - eine Bürgerinitiative aus Berlin gibt den Anstoß, Zitat

[37] Holocaust Denkmal Berlin.de/wie alles begann - eine Bürgerinitiative aus Berlin gibt den Anstoß, Zitat

[38] Wikipedia.de/Nobelpreis für Literatur

[39] International anerkannter deutscher Schriftsteller der Nachkriegsliteratur

[40] Wikipedia.de/Ministergärten

[41] Geheime Staatspolizei, Geheimpolizei Hitlers

[42] Deutsche Künstlerin, wohnhaft in Berlin und Ibiza

[43] Deutsche Architektin aus Berlin

[44] Deutscher Bildhauer und Grafiker

[45] Deutscher Maler aus Berlin

[46] hgb-leipzig.de/Mahnmal; Spiegel.de/Print/d-9202175

[47] Rot-grün meint SPD und Grüne

[48] Deutsche Austellungsgestalterin

[49] Deutschlandradio.de/Degussa wird nicht vom Bau des Holocaust Mahnmals ausgeschlossen

[50] Deutsche Gesellschaft zur Schädlingsbekämpfung m.b.H.

[51] Vernichten tierischer Schädlinge

[52] Säugetiere, Vögel

[53] Wirbellose Tiere, Reptilien und alles außer Säugetieren und Vögeln

[54] Wikipedia.de/Zyklon B_Verwendung in Konzentrationslagern

[55] Deutschlandradio.de/Degussa wird nicht vom Bau des Holocaust Mahnmals ausgeschlossen

[56] Aufweisen von Kastenförmigen Vertiefungen in regelmäßigen Abstand an Unterseite

[57] Zweites deutsches Fernsehen

[58] Öffentlich-rechtlicher Fernsehsender

[59] Stiftung Denkmal.de/Geschichte des Denkmals

[60] Berlinstadtservice.de/Holocaust Denkmal

[61] Bundesregierung.de/Besucherrekord Holocaust Mahnmal

[62] Stiftung Denkmal.de/Öffentlichkeitsarbeit/Arbeitsblatt_Erinnerungsorte

[63] Stiftung Denkmal.de/ Öffentlichkeitsarbeit/Arbeitsblatt_Erinnerungsorte

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Künstlerische Reaktionen auf dem NS Holocaust Denkmal Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
33
Katalognummer
V441137
ISBN (eBook)
9783668795174
ISBN (Buch)
9783668795181
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Holocaust, Kunst, Nationalsozialismus, Rechtsextrem, Hitler, Berlin, Politik
Arbeit zitieren
Leon Tardy (Autor), 2017, Künstlerische Reaktionen auf dem NS Holocaust Denkmal Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441137

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