Über den Begriff des Bewusstseins bei René Descartes


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Bewusstseinsbegriff in der Philosophie

3. Die Verwendung des Begriffs bei Descartes

4. Bewertung

5. Resümee

6. Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ausgehend von der Wichtigkeit des Begriffs ״Bewusstsein“ wurde ich beim Lesen der ״Meditationes de prima philosophia“ von René Descartes darauf aufmerksam, wie häufig er Selbigen verwendet. Dabei stellten sich mir folgende Fragen:

In welchem Kontext erscheint der Begriff? Was bedeutet er in dem konstruierten Zusammenhang? Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen und zu welcher Problematik führen diese?

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit diesen Fragestellungen vertieft auseinandersetzen. Es liegen hierbei lediglich die ersten zwei Meditationen des Gesamtwerks zugrunde, um eine möglichst gründliche Untersuchung durchführen zu können. Als Leitfaden und auch zur Unterstützung meiner Thesen werde ich einige Sekundärtexte heranziehen.

Zunächst wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung des Bewusstseinsbegriffs in der Philosophie gegeben, um eine inhaltliche Vergleichsmöglichkeit zu der Verwendung bei Descartes zu erhalten. Nur so kann herausgestellt werden, ob und wie sich der Begriff bei Descartes unterscheidet, bzw. wie Descartes mit seinen Meditationen zur heutigen Deutung des Bewusstseinsbegriffs beigetragen haben könnte.

Der Hauptteil der Arbeit wird einige Zitate aus den ersten zwei Meditationen von Descartes sowie deren Interpretation enthalten. Um das vorliegende Textmaterial so gründlich wie möglich untersuchen zu können, wurden hierbei nur die ersten beiden Meditationen zugrunde gelegt.

Schlussendlich werden die herausgearbeiteten Erkenntnisse zusammengefasst und bewertet.

2. Der Bewusstseinsbegriff in der Philosophie

Der Begriff des Bewusstseins findet bereits in den Anfängen der Philosophie Erwähnung: Im alten Rom verwendeten Cicero und Seneca die lateinische Entsprechung von ״Bewusstsein“ [conscientia], Sie erschien damals in einer Form, die inhaltlich am ehesten dem heutzutage als ״Gewissen“ bezeichneten Begriff ähnelt.[1]

Die erste Erwähnung in deutscher Sprache findet sich bei Christian Wolff im Jahr 1719, als er erstmalig von ״Bewust seyn“ schrieb und damit dem lateinischen Begriff ״conscientia“ ein deutschsprachiges Ebenbild schaffte.[2] Seitdem findet sich der Begriff (oder sein Adjektiv ״bewusst“) in einigen philosophischen Werken, ist gegenständ zahlreicher Auseinandersetzungen, wobei die jeweilig zugesprochenen Bedeutungen stark voneinander abweichen können.

Über die Bedeutung des ursprünglichen lateinischen Begriffs setzte sich die Philosophie im Laufe der Zeit hinweg, doch selbst heutzutage gibt es keine ״einzig wahre“ Definition für den Begriff des Bewusstseins. Dennoch existieren einige Erklärungstheorien. Eine bekannte Metapher bezüglich des Bewusstseins ist beispielsweise das Bild einer Bühne: Dieses beschreibt eine beleuchtete Bühne und einen Zuschauerraum, welcher im Dunklen liegt. Das Bildnis besagt, dass auf der Bühne im Licht alle bewussten Prozesse stattfinden, die genau deshalb bewusst sein müssen, weil sie dem Zuschauer, der im Dunklen sitzt, nicht entgehen können.[3] Ob dieses Bildnis mit dem Bewusstseinsbegriff bei Descartes zusammenpasst, wird in einem folgenden Abschnitt erläutert.

Trotz der Uneinigkeit und Schwierigkeit, die das Bewusstsein als Phänomen des menschlichen Daseins mit sich bringt, existieren einige Ausarbeitungen, die eine umfangreiche Betrachtung des Begriffs ermöglichen und in viele Denkrichtungen ausschweifen. In der Enzyklopädie der Philosophie[4] zum Beispiel nennt und erläutert

der Philosoph Thomas Metzinger unterschiedliche Deutungs- und

Verwendungsformen des Bewusstseinsbegriffs, die ich als sehr umfassend und terffend erachte und daher im Folgenden kurz sinngemäß aufführen werde. Metzinger unterteilt das Bewusstsein demnach in fünf unterschiedliche Kategorien:

Das Bewusstsein als...

...Indikator für den Zustand des Wachseins

...Indikator für den Bezug eines Objekts auf andere Objekte

...Indikator für die Kontrolle über das eigene Verhalten

...Indikator für die Aufmerksamkeit auf die eigenen mentalen Zustände

...Indikator für die eigene Erkenntnis über das eigene Existieren

Die Tatsache, dass einem einzigen Begriff fünf unterschiedliche Definitionen unterstellt werden und auch die Bedeutung der Interpretationen zeigen nochmals deutlich die Problematik mit der Verwendung des Begriffs auf. Ein weiteres Indiz hierfür schafft Metzinger mit dem Hinweis, dass in einigen Sprachen kein inhaltliches Äquivalent zu dem ausführlichen Konzept des Bewusstseins existiert, obwohl es in allen Interpretationen doch sehr gewöhnliche und grundständige Zustände beschreibt.[5] Dies bekräftigt einerseits nochmals die Daseinsberechtigung der unterschiedlichen Definitionen und bestätigt die Wichtigkeit des Begriffs, gleichzeitig demonstriert es auch die erforderliche Vorsicht, mit dem Begriff umzugehen.

Das Bewusstsein nimmt auch in den Neurowissenschaften eine wichtige Rolle ein. Wurde in der Philosophie jedoch so gut wie möglich versucht zu erklären, worum es sich bei dem Begriff handeln kann, gibt es auf der naturwissenschaftlichen Ebene (bislang) keine exakten Erkenntnisse. Ein auf diesem Gebiet forschender Neurowissenschaftler konstituierte hierzu treffend, dass das Bewusstsein ״eins der rätselhaftesten Charakteristika des Universums“ ist.[6]

3. Die Verwendung des Begriffs bei Descartes

Ob die erforderliche Vorsicht im Umgang mit dem Bewusstseinsbegriff zu Lebzeiten von Descartes (1596 - 1650) bereits aktuell war, ist fraglich. Sicher ist, dass es vor seinen Ausführungen bereits andere Philosophen gab, die den Begriff verwendeten.

In der ersten Meditation erwähnt Descartes den Begriff des Bewusstseins zunächst innerhalb seines Traumarguments, welches beschreibt, dass die Unterscheidung von Wach- und Schlafzustand für Descartes absolut anzweifelbar ist.

Jetzt aber schaue ich sicherlich mit ganz wachen Augen auf dieses Papier. Dieser Kopf, den ich bewege, ist nicht vom Schlaf befangen. Mit Überlegung und Bewußtsein Strecke ich diese Hand aus und habe Empfindungen dabei. So deutlich würde ich nichts im Schlaf erleben.[7]

Meiner Ansicht nach entspricht hier die Bedeutung des Bewusstseinsbegriffs laut Descartes dem Indikator für die Kontrolle über das eigene Verhalten. Denn genau anhand dieses Indikators argumentiert er für den merklichen Unterschied zwischen Wach- und Schlafzustand. Auf diesen Aspekt werde ich in einem späteren Abschnitt nochmals eingehen.

Ausgehend von den o.g. Interpretationen des Begriffs erscheint das Bewusstsein weiter als Indikator für den Bezug eines Objekts auf andere Objekte:

Wenngleich daher auch Augen, Kopf, Hände und ähnliches im allgemeinen bloße Einbildungen sein könnten, muß man doch aus ebendemselben Grunde wie oben anerkennen, daß notwendigerweise wenigstens irgend etwas anderes noch Einfacheres und Allgemeineres wirklich sein müsse, aus dem - gleich wie aus den wirklichen Farben - alle jene wahren oder unwahren Bilder von Dingen gebildet werden, die in unserem Bewußtsein vorhanden sind.[8]

[...]


[1] Vgl. Nietzsche Research Group (2004), s. 349

[2] Vgl. Kemmerlig (1996), s. 91

[3] Ebd.

[4] Vgl. Metzinger (2010), s. 172 ff.

[5] Vgl. Metzinger (2010), s. 172 ff.

[6] Vgl. Pontes (2013)

[7] Descartes (1983), s. 38

[8] Ebd., s. 39

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Über den Begriff des Bewusstseins bei René Descartes
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V441292
ISBN (eBook)
9783668797208
ISBN (Buch)
9783668797215
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewusstsein, Definition, Descartes, Meditationen, Erklärung, Philosophie, Metaphysik, Metzinger
Arbeit zitieren
Wiebke Harlis (Autor), 2015, Über den Begriff des Bewusstseins bei René Descartes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441292

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