Wahrheit und Lüge nach Friedrich Nietzsche

Ein Vergleich zur heutigen Sicht


Hausarbeit, 2018

9 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nietzches Sicht auf ״Wahrheit und Lüge“ im Vergleich mit den heutigen Ansichten

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jeder Mensch ist das Wesen seiner eigenen geistigen Sphäre, er sieht die Welt aus der Sicht seiner eigenen Weltanschauung und nicht die ״wahre“ Welt. Konstruiert er sich seine eigene Welt, so kann das für den außenstehenden nach einer ״lüge“ aussehen, da sich die Weltansicht von jedem Menschen unterscheidet, jeder in seiner selbst konstruierten Welt lebt.

Es gibt allerdings Gesellschaftliche Normen auf die wir uns geeinigt habe, diese bezeichnen wir im Gemeinhin als ״Wahrheit“, weicht der einzelne von diesen Gesellschaftsnormen ab so bezeichnen wir es als ״Lüge“ Aber wie kam es dazu? Und kann man jedes Gesellschaftskonforme Verhalten als das richtige Verhalten werten? Alles andere als falsch?

Was ist also ״Wahrheit“? Was ist ״Lüge“?

Die Frage nach Wahrheit und Lüge hat den Menschen schon immer Beschäftigt, so auch den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche. Die Frage nach der Wahrheit ist eine der spannendsten Fragen überhaupt, sie beschäftigt den Großteil der Gesellschaft, so auch mich, deshalb habe ich mich für dieses Thema entschieden.

In dem mir vorliegenden Text beschäftigt sich Friedrich Nietzsche mit den Themen Wahrheit und Lüge.

Es reizt mich sehr die Abgrenzung zwischen ״Wahrheit“ und ״Lüge“ zu erforschen und herauszuarbeiten wie Nietzsches Ansicht von Wahrheit und Lüge mit unserer heutigen Ansicht noch übereinstimmt.

Welche Unterschiede gibt es?

Was ist neu dazugekonmien oder vielleicht weggefallen? Wozu sind Lügen gut? Warum gibt es Wahrheit?

All diesen Fragen werde ich mich in der folgenden Hausarbeit widmen und näher auf die einzelne Fragestellung eingehen.

Ich werde Ereignisse aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft als Beispiele heranziehen.

In einem Fazit werde ich mich kritisch mit dem von mir herausgearbeitet Erkenntnissen auseinandersetzten und anhand von Leitfragen wie: Welche Aussagekraft, welchen Erklärungswert hat Nietzsches Theorie in Bezug auf das heutige gesellschaftliche Leben? und Wie kann man Nietzsches Theorie über Wahrheit und Lügen auf unser heutiges Gesellschaftsbild übertragen? auseinandersetzen.

2 Nietzches Sicht auf ״Wahrheit und Lüge“ im Vergleich mit den heutigen Ansichten.

Für Nietzches Sicht auf Wahrheit und Lüge müssen wir erst begreifen wie er den Menschen sieht. Er sieht den Menschen als ein Wesen, das über sich selbst denkt in einer herausragenden Position zu sein, durch seine geistigen Eigenschaften. Seinen Intellekt aber doch nur für Täuschung und Verstellung nutzt.

Nietzsche, Friedrich (1873): über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, aus dem Nachlaß ״Der Intellekt, als ein Mittel zur Erhaltung des Individuums, entfaltet seine Hauptkräfte in der Verstellung; denn diese ist das Mittel, durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einen Kampf um die Existenz mit Hömem oder scharfen Raubtier-Gebiß zu führen versagt ist.“

Er beschreibt den Menschen als ein Wesen, das sich selbst an der obersten Stelle der Existenz auf Erden sieht und damit einer Selbstüberschätzung unterliegt. Damit der Mensch friedlich miteinander leben kann, musste er sich auf eine ״Wahrheit“ einigen um nach ihr Leben zu können. Darin sieht Nietzsche keinen Trieb zur Wahrheitsliebe, sondern lediglich die Notwendigkeit sich in einem verbindlich festgelegten System zu verständigen, um sich sicher untereinander fühlen zu können. So ist diese Art der Wahrheit keine moralische Wahrheitsliebe, sondern ein gesellschaftliches Phänomen um das Zusammenleben zu Regeln. Fixiert wurde dieses System in der Sprache. Es gibt sprachliche Regeln und Begriffe. Der Mensch, der die Wahrheit sagt, hält sich an diese. Der Mensch der die Lüge spricht, umgeht, ändert oder verbiegt das System.

Nietzsche, Friedrich (1873): über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, aus dem Nachlaß ״Jetzt wird nämlich das fixiert, was von nun an ״Wahrheit“ sein soll, das heißt, es wird eine geleichmäßige gültige und verbindliche Bezeichnung der Dinge erfunden, und die Gesetzgebung der Sprache gibt auch die ersten Gesetzte der Wahrheit: denn es entsteht hier zum ersten Male der Kontrast von Wahrheit und Lüge. Der Lügner gebraucht die gültigen Bezeichnungen, die Worte, um das Unwirkliche als wirklich erscheinen zu machen; er sagt zum Beispiel ״ich bin reich“, während für seinen Zustand grade ״arm“ die richtige Bezeichnung wäre“

Aber Nietzche denkt nicht, dass die sprachlichen Konventionen die Wahrheit im Sinne einer Abbildung der Wirklichkeit ausdrücken. Die Worte sind nur Abbildungen von Nervenreizen, die über das Auge das Gehirn erreichen und von dort umgewandelt werden.

Nietzsche, Friedrich (1873): über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, aus dem Nachlaß ״Was ist ein Wort? Die Abbildung eines Nervenreizes in Lauten.“

Der Mensch erfindet Worte, für das was er sieht, nicht für das was wirklich ist, denn das kann er überhaupt nicht ausmachen. Jeder Nervenreiz ist subjektiv. So werden Worte Metaphern für das unbekannte und wichtig um sich verständigen zu können.

Der Mensch glaubt an etwas, weil er es oft genug gesagt oder gehört hat, er erschuf sich die ״Wahrheit“ durch ständiges Wiederholen von ״Wahrheiten“ auf die sich der Mensch durch die ihm auferlegten Konventionen geeinigt hat und vergessen hat, dass es einst nur eine Momentaufnahme war, die genau eine Sache beschreiben sollte, nun aber verallgemeinert wird. So werden Wörter für die Beschreibung eines Zustandes erfunden und dann immer weiter der Verallgemeinerung unterworfen, dass sie zu vielen Zuständen zu passen scheinen, auch wenn sie nur für die Beschreibung eines Augenblicks geschaffen wurden.

Nietzsche, Friedrich (1873): über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, aus dem Nachlaß ״Was ist also Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauch einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind.“

Da die Wahrheit als notwendige Bedingung für die Existenz der Menschen miteinander gesehen wird und ein System entstanden ist, in dem man Wahrheit von der Lüge trennen kann, so kann man davon ausgehen, dass durch die immerwährende Gewöhnung der Menschen an diesen Prozess des Schaffens der ״Wahrheit“ durch Sprache, ein Gefühl der Moralität entstanden ist, der Glaube daran, dass die Wahrheit etwas, erstrebenswertes, Gutes darstellt, etwas was man erreichen möchte und wovon abzuweichen schändlich ist.

Das ist die eigentliche Liebe zur Wahrheit, ein Wunsch in das System zu passen.

Nietzsche, Friedrich (1873): über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, aus dem Nachlaß ״Er[...] kommt eben durch diese Unbewusstheit, eben durch dies Vergessen zum Gefühl der Wahrheit. An dem Gefühl verpflichtet zu sein, ein Ding als ״rot“, ein anderes als ״kalt“, ein drittes als ״stumm“ zu bezeichnen, erwacht ein moralische auf Wahrheit sich beziehende Regung: aus dem Gegensatz des Lügners, dem niemand traut, den alle ausschließen, demonstriert sich der Mensch das Ehrwürdige, zutrauliche und Nützliche der Wahrheit.“

Anders ist es in der Kunst, dort wird ein Platz geschaffen für die Phantasie und dem Individuellen, dem was man sonst ״Lüge“ nennen würde.

Nietzsche, Friedrich (1873): über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, aus dem Nachlaß ״Der Mensch selbst aber hat einen unbesiegbaren Hang, sich täuschen zu lassen, und ist wie bezaubert vor Glück, wenn der Rhapsode ihm epische Märchen wie wahr erzählt oder der Schauspieler im Schauspiel den König noch königlicher agiert, als ihn die Wirklichkeit zeigt.“

Etwas was der Vemunftmensch auf Dauer nicht kann, denn er will Sicherheit, die im ständig wachsendem, reagierendem der schöpferischen intuitiven Kräfte nicht zu finden ist. So lebt der Mensch immer in einem Kampf zwischen Vernunft und Intuition.

Auch heute noch leben wir nach dem verbindlich festgelegten System der Sprache Wir haben mit Hilfe der Sprache Gesetze geschaffen um unsere Gesellschaft sicherer zu machen, was sie gleichzeitig auf vorhersehbarer macht. Jeder Mensch ist bestrebt sich an die Gesetzte seiner Gesellschaft zu halten und nach ihnen zu handeln. Handelt er nicht im Sinne dieser Gesetzgebung, erhält er eine Strafe, die vorher in der Gesetzgebung festgelegt ist.

In Deutschland stehen alle Grundrechte des Menschen im ״Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“. Dort ist unter anderem auch geregelt wie jeder Mensch in der Bundesrepublik Deutschland zu behandeln ist.

Artikel 1 des Grundgesetzes: 1)״) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und veräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. []“

Artikel 2 des Grundgesetzes: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt

Laut Nietzsche fühlen wir uns moralisch gut, wenn wir uns an die von uns geschaffene ״Wahrheit“ halten, wir können mit dieser ״Wahrheit“ in Frieden mit anderen Zusammenleben und davon ausgehen, dass jeder Mensch solange er sich daran hält in einer gerechten Welt lebt.

So ist dieser Wille nach der von uns geschaffenen ״Wahrheit“ zu leben, sogar Teil unseres Grundgesetztes.

Das Grundgesetz versprich eine Gleichbehandlung aller. Es setzt sich dafür ein das wir in Frieden miteinander leben können aber auch wie der Mensch zu behandeln ist, wenn es sich nicht mehr nach unserem moralischen Kodex verhält, seine Würde ist und bleibt unantastbar. Für die Bestrafung dieser ״Lügner“, gibt es Strafgesetze, in dem festgehalten ist, was in unserer Gesellschaft nicht tolerierbar ist und bei welchem Verhalten es welche Konsequenz nach sich zieht. In der ZPO im Paragraph 138 ist sogar festgehalten, dass vor Gericht die Wahrheit gesprochen werden muss. 1)״) Die Parteien haben ihre Erklärungen über tatsächliche Umstände vollständig und der Wahrheit gemäß abzugeben. [..]“

In unserer heutigen Gesellschaft wird schon den Kindern beigebracht, dass die Wahrheit das einzig richtige ist. Sei es im Kindergarten durch die Fabel vom Hirtenjungen und dem Wolf, aus der man die Moral lernen soll ״Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“ (vgl. Worley, Rob M. (2010): The Boy who cried Wolf, North Mankato: Magic Wagon)

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Wahrheit und Lüge nach Friedrich Nietzsche
Untertitel
Ein Vergleich zur heutigen Sicht
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Fake News
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
9
Katalognummer
V441533
ISBN (eBook)
9783668800656
ISBN (Buch)
9783668800663
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nietzsche, Wahrheit und Lüge, Fake News, heute Sichtweise Wahrheit und Lüge
Arbeit zitieren
Lara Hoffmeister (Autor), 2018, Wahrheit und Lüge nach Friedrich Nietzsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441533

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wahrheit und Lüge nach Friedrich Nietzsche



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden