Unterschiede des neoklassichen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen


Research Paper (undergraduate), 2018
15 Pages, Grade: 1,3
Anonymous

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Begriffe und Grundlagen
2.1. Paradigma
2.2. Neoklassische Ökonomie
2.3. Heterodoxe Ökonomie

3 Kritische Auseinandersetzung
3.1. Kritik am vorherrschenden Paradigma
3.2. Alternative Wirtschaftstheorien

4 Fazit und Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas

It is time for economic to evolve!“[1]

Die Auseinandersetzung mit der neoklassischen Ökonomie, der bis heute vorherr­sehenden volkswirtschaftlichen Denkschule der Wirtschaftswissenschaften, beschäftigt sowohl Kritiker als auch Befürworter bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun­derts. Dass das Thema seine Aktualität bis in das 21. Jahrhundert hinein nicht verloren hat, bekräftigt die oben genannte Forderung. Besonders in Folge der Finanz- und Wirt­Schaftskrise in den Jahren 2007-2009[2] und der Eurokrise 2010[3] verstärkte sich die De­batte auch in breiten Teilen der Bevölkerung erneut, wie es möglich ist, dass Krisen mit diesem Ausmaß auf die gesamte Weltwirtschaft, mit Ausnahme von wenigen Ökono­men, nicht vorhergesehen werden konnten und es auch nicht zügig gelang, adäquate Maßnahmen zu entwickeln, um den Problemen entgegenzuwirken.

Besonders Studenten auf der ganzen Welt sind von den Argumenten der neoklassi- sehen Ökonomie nicht vollends überzeugt und möchten erreichen, dass an Universita- ten auch alternative Lehrangebote geschaffen werden und setzen sich daher für eine heterodoxe Ökonomie ein. Vor diesem Hintergrund gründete sich am 16. Mai 2011 die ״World Economics Association (WEA)“. In Deutschland fordert eine Initiative von Studie­renden der pluralen Ökonomie, einem Ableger der WEA, in einem offenen Brief unter anderem eine Theorien- und Methodenvielfalt in Forschung und Lehre, Integration plu­raler Lehrbücher in das Studium und eine Besetzung von mindestens 20% der Lehr­Stühle mit heterodoxen Ökonomen bzw. Ökonominnen.[4]

Dem gegenüber stehen die Befürworter der neoklassischen Ökonomie, die den Kritikern vorwerfen, dass die von ihnen vorgetragenen Bedenken auf Missverständnissen und Unkenntnis beruhen. Die Befürworter argumentieren, dass der neoklassische Mainstream nicht davon ausgeht, dass die Idealbedingungen stets erfüllt sind, sondern die Bedingungen als Vergleichsmaßstab betrachtet werden, um Marktfehler zu analy- sieren.[5]

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Auf Grund der aktuellen Relevanz des Themas verfolgt die Arbeit das Ziel, aufzuzeigen, wodurch die Unterschiede zwischen den Denkschulen der neoklassischen und hetero- doxen Ökonomie begründet sind. Dazu ist es erforderlich, sich kritisch mit den ver­schiedenen Argumenten auseinanderzusetzen und diese einzuordnen. Darauf aufbau­end sollen diverse Alternativen zur neoklassischen Ökonomie erörtert werden.

Hierzu ist die Arbeit in vier Kapitel untergliedert. Um für die thematisierte Problemstel­lung einen Einstieg zu formulieren, werden in Kapitel 2 zunächst begriffliche Grundla­gen theoretisch erläutert. Diese beziehen sich auf die Begriffe ״Paradigma“, ״neoklassi- sehe Ökonomie“ sowie ״heterodoxe Ökonomie“.

Im Folgenden wird in Kapitel 3, dem Hauptteil der Arbeit, zunächst die Kritik am vor­herrschenden Paradigma untersucht. Im Anschluss daran folgen Ausführungen zu zwei alternativen Wirtschaftstheorien.

Die Untersuchung beenden wird Kapitel 4 mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse sowie einem kritischen Fazit zu den geäußerten Schwerpunkten des As­signments

2 Begriffe und Grundlagen

2.1. Paradigma

Im Thema des Assignments und in der Einleitung wurde der Begriff ״Paradigma“ bereits erwähnt, ohne diesen jedoch bisher näher zu beschreiben. Daher ist es wichtig, zu­nächst zu definieren, was unter ״Paradigma“ verstanden wird. Als Begründer des Para­digmenbegriffs gilt der US-amerikanische Wissenschaftsphilosoph Thomas Samuel Kuhn (1922-1996). Dieser bezeichnete ein Paradigma als allgemein anerkannte wis­senschaftliche Leistung, die für eine gewisse Zeit einer Gemeinschaft maßgebende Probleme und Lösungen liefert. Ein Paradigma ist das, was den Mitgliedern einer wis­senschaftlichen Gemeinschaft gemeinsam ist und umgekehrt besteht eine wissen­schaftliche Gemeinschaft aus Menschen, die ein Paradigma teilen. Der Übergang von einem alten Paradigma zu einem neuen Paradigma wird als wissenschaftliche Revoluti­on bezeichnet.[6]

2.2. Neoklassische Ökonomie

Ausgehend vom erläuterten Paradigmenbegriff im Allgemeinen, kann dieser nun auf die neoklassische Ökonomie, die auch als orthodoxe Ökonomie oder Mainstream­Ökonomie bezeichnet werden kann, im Speziellen angewandt werden.

Ihren Ursprung hat die neoklassische Ökonomie in der marginalistischen Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie folgte damit auf die klassische National­Ökonomie, welche durch das Erscheinen von Adam Smith's ״An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nation“ im Jahr 1776 begründet wurde und seine wesentli­Chen Prinzipen in der Abstinenz des Staates, dem Prinzip des Selbstinteresses, der These von der Tendenz zum Gleichgewicht sowie dem Problem der Einkommensvertei­lung hatte.[7] Außerdem setzt die klassische Nationalökonomie darauf, dass Preise durch die Schwierigkeit der Produktion bestimmt wurden. Als Pioniere der neoklassischen Ökonomie gelten die Briten William Stanley Jevons (1835-1882) und Alfred Marshall (1842-1924) sowie der Österreicher Carl Menger (1840-1921) und der Franzose Léon Walras (1834-1910), die zeitgleich und unabhängig voneinander verschiedene Erklä­rungsansätze für der Neoklassik entwickelten. Wichtige Merkmale des neoklassischen Paradigmas sind die optimale Verteilung der Ressourcen (Allokation), die Konzepte der Grenzproduktivität und des Grenznutzens (Gossen'sche Gesetze, Marginalprinzip), das Bestehen von Gleichgewichten sowie die Maximierung des Gewinns für die Unterneh- men einerseits und andererseits des Nutzens für die Haushalte Dabei setzen diese Charakteristika bei den Entscheidungs- und Optimierungsprozessen stets voraus, dass es sich um vollkommene Märkte handelt und der Mensch grundsätz- lieh rational handelt (homo oeconomicus). Vollkommene Märkte sind gekennzeichnet durch die Nutzenmaximierung der Konsumenten, unendlich große Reaktionsgeschwin­digkeit, vollkommene Markttransparenz, Homogenität der Güter und nicht vorhandene staatliche Eingriffe.[8] [9] [10] Ausgehend von den Merkmalen eines vollkommenen Marktes be­schreibt das Konstrukt des homo oeconomicus den Menschen vereinfacht als Optim ie- rer unter Nebenbedingungen und setzt dieses Verhalten mit Rationalität gleich. Ein Ak­teur, der seinen Nutzen nicht maximiert, handelt somit laut Definition irrational. Daher werden auch alle staatlichen Eingriffe als überflüssig betrachtet. Des Weiteren bildet das Konzept des methodologischen Individualismus einen Eckpfeiler der neoklassi- sehen Ökonomie. Dieser besagt, dass alle ökonomischen Phänomene durch individuel­le Handlungen erklärt werden müssen und sich der Markt selbst regelt, da es immer Individuen sind, die Entscheidungen treffen und handeln.[10]

Die Grundannahmen zu vollkommenen Märkten und dem homo oeconomicus werden zusammenfassend als vollständige Rationalität bezeichnet. Ausgehend von der voll­ständigen Rationalität und der damit verbundenen Berechenbarkeit der Akteure stützt sich die neoklassische Ökonomie auf eine Vielzahl von mathematischen Modellen, mit denen sich Gleichgewichtsanalysen erstellen lassen.[11]

2.3. Heterodoxe Ökonomie

Nachdem das neoklassische Paradigma erörtert wurde, sollen nun Ausführungen zur heterodoxen Ökonomie folgen, um Unterschiede zwischen den verschiedenen Ansät­zen der Denkschulen hervorzuheben.

Auch für den Begriff der heterodoxen Ökonomie existieren in der Literatur verschiedene Synonyme, u.a. plurale Ökonomie oder nicht-orthodoxe Ökonomie. Im Gegensatz zur neoklassischen Ökonomie, unter der eine bestimmte wirtschaftswissenschaftliche Rieh- tung verstanden wird, bezeichnet die heterodoxe Ökonomie als überbegriff verschiede­ne ökonomische Theorien und Denkschulen, die sich abseits der neoklassischen Öko­nomie befinden und somit als Gegenbewegung zum vorherrschenden Paradigma be­zeichnet werden können. Trotzdem werden die heterodoxen Strömungen nicht aus­schließlich als Gegenbewegung sondern auch als jeweils eigenständige Alternativen angesehen: ״Heterodox economics is not defined in negative, oppositional terms or as a dual to mainstream economics but as a positive alternative of it. So if mainstream eco- normes disappeared, heterodox economics would be unaffected”.[13]

Wichtige Prinzipien der heterodoxen Ökonomie sind die Pluralität der Denkschulen, Be­achtung sozialer Phänomene, Interdisziplinarität sowie die Ablehnung mathematisch­formaler Deduktion als alleinige Methode.[14] Somit versucht die heterodoxe Ökonomie einen neuen Blickwinkel auf bekannte Probleme zu schaffen, um eigene Analysen und Lösungsansätze zu entwickeln. Zu den Ansätzen der heterodoxen Ökonomie zählen zum Beispiel Feministische Ökonomik, Experimentelle Ökonomik, Institutionenökono­mik, Komplexitätsökonomik, Keynesianische Ökonomik, ökologische Ökonomik oder Marxistische Ökonomik. Alle Theorien eint, dass sie die neoklassische Ökonomie in deren Grundsätzen ablehnen. Da der homo oeconomicus kein Bestandteil eines hete- rodoxen Ansatzes ist und stattdessen von anderen Menschenbildern ausgegangen wird, ist auch der Anteil an mathematischen Berechnungen deutlich geringer.

3 Kritische Auseinandersetzung

3.1. Kritik am vorherrschenden Paradigma

Nachdem sowohl die neoklassische als auch die heterodoxe Ökonomie begrifflich ein­gegrenzt und erläutert wurden, soll nun auf die bestehende Kritik am vorherrschenden Paradigma eingegangen werden. Wie bereits in der Einleitung kurz erwähnt, streiten Volkswirte seit mehreren Jahrhunderten über die verschiedenen Methoden- und For­schungsansätze der neoklassischen Ökonomie. Die Kritik bezieht sich dabei auf die wesentlichen Merkmale der neoklassischen Ökonomie; die starke Verwendung von ma­thematischen Modellen und die damit einhergehende Annahme von Gesetzmäßigkeiten im sozialen Verhalten der Menschen (homo oeconomicus) sowie die Voraussetzung einer vollständigen Rationalität.

Zurückzuführen ist die Einführung der mathematischen Modelle auf Léon Walras. Die­ser führte bereits im Jahr 1881, bei der Debatte, ob es sich bei der Wirtschaftslehre um eine Wissenschaft handelt oder nicht, folgendes aus:

״So angesehen erscheint die Theorie der Preisbestimmung der wirtschaftlichen Güter oder die reine Volkswirtschaftslehre deutlich mit dem Charakter einer eigentlichen und zwar physisch-mathematischen Wissenschaft. Da die reine Ökonomik bzw. die Theorie des Tauschs und des Tauschwertes, d.h. die Theorie des sozialen Wohlstands betrach­tet durch sich selbst, eine mathematische Wissenschaft ist wie die Mechanik oder die Hydrodynamik, (...) sollten die Ökonomen nicht davor zurückschrecken, die Methoden und die Sprache der Mathematik zu verwenden.“[15]

Dabei haben mathematische Modelle den Anspruch, abstrakte, idealisierte Abbilder der von ihnen beschriebenen Aspekte der Wirklichkeit zu sein. Kritiker sehen genau hier eine Schwachstelle in der neoklassischen Ökonomie, da deren Modelle dem mathema­tischen Anspruch nicht gerecht werden, weil es sich nicht um Abstraktionen oder Ideal¡- sierungen handelt, sondern um Spezialfälle, die fälschlich für das Ganze genommen werden. Somit wird eine Exaktheit angenommen, die in Wahrheit gar nicht vorhanden ist.[16]

[...]


[1] Forderung von studierenden der Harvard University, 07. November 2011.

[2] Die globale Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise in den USA begann, hat fast überall auf der Welt zur Rezession geführt.

[3] Krise der Europäischen Währungsunion, die eine Staatsschulden- und Bankenkrise umfasst.

[4] Offener Brief von studierenden und Lehrenden der Volkswirtschaftslehre, veröffentlicht am 11.09.2012 in Göttingen.

[5] Vgl. Sinn (2014), s. 26.

[6] Vgl. Kuhn (1962), s. 10ff.

[7] Vgl. Stavenhagen (1969)

[8] Vgl. Söllner (2012), s. 42.

[9] Vgl. Cezanne (2005), s. 156.

[10] Vgl. Söllner (2012), S.43.

[11] Vgl. Lüthy, s. 106ff.

[12] Vgl. Lawson (2005), s. 483ff.

[13] Vgl. Lee (2012), s. 339.

[14] Vgl. Hirte/Thieme (2013), s. 13.

[15] Walras (1881), s. 3.

[16] Vgl. Ortlieb (2004), s. 12.

Excerpt out of 15 pages

Details

Title
Unterschiede des neoklassichen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen
College
AKAD University of Applied Sciences Stuttgart
Grade
1,3
Year
2018
Pages
15
Catalog Number
V441767
ISBN (eBook)
9783668800694
ISBN (Book)
9783668800700
Language
German
Tags
Ökonomie, Neoklassizismus, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaft, WEA
Quote paper
Anonymous, 2018, Unterschiede des neoklassichen Paradigmas zu nicht-orthodoxen Ansätzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441767

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