Die Verantwortung in der stationären Altenhilfe


Essay, 2014

6 Seiten

Anonym


Leseprobe

1. Fragestellung

Die folgende Fragestellung wird in Bezug auf Inhalte des Jonastextes: ״Theorie der Verant- wortung“[I] erörtert.

״Ist der Sozialarbeiter in der stationären Altenhilfe für seine Klienten verantwortlich und ist diese Verantwortung selbst bzw. frei gewählt?“

2. Einleitung

Sozialarbeiter müssen sich im Arbeitsalltag immer wieder gegenüber verschiedenen ״Auf- traggebem“ verantworten. Gerade diese Verantwortung bringt Sozialarbeiter manchmal in ein Spannungsfeld, welches nicht immer ganz einfach ist. Ist der Sozialarbeiter in der stati­onären Altenhilfe für die Klienten verantwortlich und ist diese Verantwortung selbst bzw. frei gewählt?

Hierzu wird der Text von Hans Jonas: ״Theorie der Verantwortung“ analysiert, beziehungs­weise die Kernpunkte herausgearbeitet und anschließend in Bezug zu der Frage erörtert. Der Text von Hans Jonas bietet eine gute Grundlage, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Er definiert verschiedene Formen von Verantwortung und auch was es heißt, unverantwortlich zu handeln. Für die Beantwortung der Frage können deshalb die Kemaussagen des Textes genutzt werden.

3. Darstellung der wichtigsten Gedanken und Argumentationsli­nie des Textes

Jonas betrachtet im ersten Abschnitt seines Textes den kausalen Zusanmienhang zwischen Ursachen und Folgen. Der kausale Zusammenhang zwischen Ursache und Folge muss klar sein. Wenn die Wirkung einer Tat schadhaft ist, dann kann der Täter für die Folge nur ver­antwortlich gemacht werden, wenn der verursachte Schaden klar und deutlich erkennbar ist. Die Tatsache der Schädigung erfordert eine Wiedergutmachung. Die Mutwilligkeit spielt da­bei keine Rolle. Auch wenn etwas unabsichtlich geschieht, reicht es, wenn der Täter der aktive Auslöser war. Weiterhin betont Jonas, dass die Kausalkette sich nicht ins unendliche ziehen darf. Wenn die Folgen nur indirekte Wirkungen auf das Handeln des Täters sind, dann kann dieser nicht zur Verantwortung gezogen werden. Der Verantwortungsbegriff, den Jonas im ersten Abschnitt definiert, beinhaltet das Ursache-Wirkungsprinzip, in welchem ein kau­saler Zusammenhang zwischen Tat und schadhafter Folge besteht. Dadurch wird deutlich, dass es um die rechtliche (juristische) Verantwortung geht. (S. 384)

Jonas betrachtet weiterhin den kausalen Zusammenhang zwischen Tat und Folge. Im Kon­trast zur rechtlichen Verantwortung nimmt er jedoch hier Bezug auf die Tat und somit auf die Moral. Dabei geht es um die Frage, warum eine Tat begangen wurde, das heißt, welche Absicht der Täter verfolgte. Dabei geht es nicht um die Wiedergutmachung der Folge, son­dem um die Bestrafung der Tat. Durch die Bestrafung der Tat wird die moralische Ordnung wieder hergestellt. Jonas definiert die moralische Verantwortung. Die Qualität der Tat ist entscheidend und führt grundlegend zur Verantwortung. (S. 384)

Beide Definitionen (rechtliche und moralische Verantwortung) beziehen sich jeweils auf be- refis Geschehenes. Die Definitionen sind retrospektiv. (S. 385)

Laut Jonas gibt es außerdem eine Definition von Verantwortung, die sich auf das noch Zu­tuende bezieht. Eine Person übernimmt die Verantwortung für eine Sache. Sobald eine Per­son Verantwortung für eine Sache übernimmt, wird ein Anspruch auf sein Handeln erhoben. Das ״Wofür“ liegt außerhalb der Person, aber innerhalb von dessen Machtbereich. ״ Macht “ wird hier verstanden, als״etwas machen können “ und wird gleichgesetzt mit Kompetenz. Das heißt, Macht ist der Tätigkeitsbereich, in dem eine Person agieren bzw. handeln kann.

In diesem Tätigkeitsbereich kann die Person Verantwortung übernehmen. Dieser Tätigkeits­bereich ist jedoch endlich. Dort wo der Tätigkeitsbereich endet, kann auch keine Verantwor­tung mehr übernommen werden. Wenn eine Person also für etwas Verantwortung über­nimmt, dann liegt das Wofür außerhalb der Person an sich, aber innerhalb dessen Macht bzw. Tätigkeitsbereiches. Die Macht der Person hat einen kausalen Bezug zur Sache und über­nimmt Verantwortung für diese. (S. 386)

Neben der Kompetenz/ Macht etwas zu tun, kommt das Verantwortungsgefühl hinzu. Es entwickelt sich ein bejahendes Verantwortungsgefühl, welches eine Person verspürt, wenn eine Person diese Macht für die Sache besitzt. Abschließend stellt Jonas fest, wenn eine Per­son Verantwortung übernimmt und ein Verantwortungsgefühl dafür entwickelt, das nicht das Selbst betrifft, dann wird von Zukunftsverantwortung gesprochen. (S. 387)

״Nur wer Verantwortung hat, kann unverantwortlich handeln.“ (Jonas 1984, s. 387) Der Au­tor begründet das mit dem Treueverhältnis von Verantwortung. Besitzt eine Person die Macht über eine Sache, so schließt dies die Pflicht mit ein für diese Sache Verantwortung zu über­nehmen. Wenn sich eine Person der Verantwortung nicht bewusst ist, diese ignoriert und die Pflicht vernachlässigt, dann ist das ein Bruch des Treueverhältnisses. Somit besteht Unver­antwortlichkeit. Unverantwortlichkeit ist nach Jonas die Ausübung der Macht ohne Be­obachtung der Pflicht. Jonas bringt hier das Beispiel vom Familienvater, der im Casino zockt. In diesem Fall handelt der Familienvater unverantwortlich, weil er eine natürlich an­dauernde und umfassende Verantwortung für Familie und Kinder hat. Ein Autofahrer, der mit weiteren Personen im Auto waghalsig fahrt handelt ebenfalls unverantwortlich, weil er andere Passagiere gefährdet. (S. 387f.)

Im weiteren Verlauf des Textes geht Jonas darauf ein, dass Verantwortung immer ein nicht­umkehrbares Verhältnis hat. Deshalb ergibt Verantwortung zwischen zwei Ebenbürtigen we­nig Sinn. Die Zweck-Bruderschaft ist dem Zweck gegenüber verantwortlich und eine natür- liehe Verantwortung tritt unter Ebenbürtigen (Brüdern) erst ein, wenn einer Hilfe bedarf. Aufgrund der Hilfebedürftigkeit kommt es zu einer Ungleichverteilung der Macht. Derje­nige, der Macht hat, kann Verantwortung für die andere Person übernehmen aber nicht um­gekehrt. (S. 388)

Der Autor geht nun auf die natürliche und die vertragliche/ künstliche Verantwortung ein. Die natürliche Verantwortung ist global (umfassend für alles), unwiderruflich und unkünd­bar. Sie ist von keiner vorherigen Zustimmung abhängig und deshalb offensichtlich naturge­geben. Ein Beispiel flir die natürliche Verantwortung ist das Verhältnis von Eltern zum Kind. Die Verantwortung der Eltern gegenüber dem Kind ist naturgegeben, weil das Kind in einem natürlichen Akt gezeugt wurde. Die Eltern sind für das Kind verantwortlich und weder das Kind noch die Eltern können das widerrufen oder kündigen. (S. 389)

Die künstliche, vertragliche Verantwortung hingegen entsteht erst durch den Auftrag bzw. einer stillschweigenden Vereinbarung von den beteiligten Parteien. Die Verantwortung ergibt sich dabei aus der Ungleichverteilung der Macht, also aus der Kompetenz. Die künstliche Verantwortung wird durch Inhalt und Zeit umschrieben und hat Elemente der Wahl. Das heißt diejenige Person, die die Verantwortung trägt, hat diese nur für einen bestimmten Zeit­raum und auch nur für eine bestimmte Sache. Im Gegensatz zur natürlichen Verantwortung ist hier ein Widerruf bzw. ein Rücktritt möglich. Die Pflicht zur Verantwortung ergibt sich aus dem Vertrag bzw. Auftrag. (S. 389)

Nach Jonas existiert auch noch die selbstgewählte Verantwortung. Die selbstgewählte Ver­antwortung ist frei gewählt. Die Sache, für die Verantwortung übernommen wird, liegt nicht automatisch im Machtbereich einer Person. Die Macht wird durch die Wahl erlangt und ist ausschlaggebend, um die Verantwortung anzuzeigen und auszuüben. Die Person übernimmt die Verantwortung ungefragt, ohne Not und ohne Auftrag oder Abkommen. Jonas erklärt dies am Beispiel eines Politikers, der gewählt wird und dadurch verantwortlich für das Volk und die öffentliche Sache wird. Der Politiker ist dadurch verpflichtet flir die Verantwortung und die Sache einzustehen. Sobald Verantwortung übernommen wird, dann wird aus der ״Macht über“ ein ״etwas machen für“. (S. 390)

[...]


[I] Jonas, Hans: Theorie der Verantwortung. In: Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt a. M. 1984: Surkamp (stb 1085) s. 172ff.)

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Verantwortung in der stationären Altenhilfe
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart  (Sozialwesen)
Jahr
2014
Seiten
6
Katalognummer
V442143
ISBN (eBook)
9783668803596
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verantwortung, Essay, stationäre Altenhilfe, Altenheim, Ethik, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Jonas, Sozialarbeiter, Altenhilfe
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Verantwortung in der stationären Altenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/442143

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Verantwortung in der stationären Altenhilfe



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden