Welche neue finanzielle Erlössituation ergibt sich durch Implementierung eines neuen Wirkfeldes in einer chirurgischen Praxis?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungsfrage und Ziel der Arbeit
1.2 Struktur und Aufbau der Arbeit

2 Die finanzielle Situation kassenärztlicher chirurgischer Praxen
2.1 Einnahmequellen
2.2 Bewertung der wissenschaftlichen Lage
2.3 Betriebskosten

3 Aufbau einer Liposuktionseinheit
3.1 Räumliche Struktur
3.2 Personelle Struktur

4 Die Vermarktung von Selbstzahlerleistungen
4.1 Gesetzliche Regelungen
4.2 Werbemaßnahmen
4.2.1 Werbung im Internet
4.2.2 Werbung innerhalb der Praxisräume

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Situation der Praxisinhaber hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert. Laut dem Jahresbericht des Zi-Praxis-Panels (ZIPP) hat sich die Gesamtlage in Praxen grundsätzlich verbessert. Dazu wurden 5.006 Praxen befragt, also ca. 5 % der Gesamtheit aller Praxen. Steigende Betriebskosten werden durch die steigende Einnahmensituation kompensiert. Es werden weiterhin Überschüsse erwirtschaftet. Allerdinge sehen sich Praxisinhaber darüber hinaus steigenden Ausgaben von 19,5 % (ZIPP 2015, S. 16) im Personalbereich gegenüber, sodass eine weitere Reduzierung der Kosten erstrebenswert ist. Dies kann ein Grund für sinkende Investitionen sein (ZIPP 2015, S. 15), welche langfristig sowohl die wirtschaftliche Situation der Praxen als auch die Qualität der medizinischen Behandlung schmälern können. Eine Möglichkeit, mit der Praxisinhaber versuchen, aus diesem Dilemma zu entkommen, ist das Anbieten nichtkassenärztlicher Leistungen für Selbstzahler.

1.1 Forschungsfrage und Ziel der Arbeit

Inwiefern das Angebot nichtkassenärztlicher Leistungen sich für Praxen lohnen kann, muss im Einzelfall betrachtet werden. Die vorliegende Abhandlung hat dabei chirurgische Praxen mit dem zusätzlichen Leistungsspektrum Liposuktion, also einer Fettabsaugung mittels KanüleTechnik, betrachtet. Aus diesem Grunde wird nachfolgend die Lage chirurgischer Praxen im Hinblick auf Einnahmen- und Ausgabensituation detaillierter betrachtet. Folgende Forschungsfrage steht dabei im Fokus:

Kann das Verfahren der Liposuktion, dessen Kosten ausschließlich vom Patienten getragen werden, eine nennenswerte Einnahmequelle für chirurgische Praxen sein?

Das Ziel der Arbeit ist es somit, zu betrachten, welche apparativen, personellen und räumlichenAnforderungen erfüllt sein müssen, sowie Einnahmen und Ausgaben zu beleuchten, umschlussendlich zu einer Empfehlung für das Vorgehen zu kommen und die Forschungsfrage zubeantworten.

1.2 Struktur und Aufbau der Arbeit

Nach dem einleitenden, ersten Kapitel befasst sich das zweite Kapitel mit den finanziellenGegebenheiten kassenärztlicher chirurgischer Praxen, um darauf aufbauend im dritten Kapiteldie Notwendigkeiten beim Aufbau einer Liposuktionseinheit zu prüfen. Des Weiteren werdenim vierten Kapitel die verschiedenen Möglichkeiten der Patientengewinnung betrachtet, dadiese bei nichtkassenärztlichen Leistungen von besonderer Bedeutung sind. Die daraus folgenden Ergebnisse sind als Fazit im fünften Kapitel ausgeführt. Außer Acht gelassen wird in dieser Abhandlung ausdrücklich die ethische Betrachtung der Thematik Liposuktion als operativer Eingriff trotz fehlender medizinischer Notwendigkeit.

2 Die finanzielle Situation kassenärztlicher chirurgischer Praxen

Die Situation chirurgischer Ärztinnen und Ärzte hat sich in den letzten zehn Jahrenverschlechtert. Aus diesem Grund suchen Praxisinhaber nach Wegen und Methoden, dieEinnahmensituation zu verbessern. Neben Zusatzleistungen für gesetzlich und privatversicherte Patienten gehören dazu auch immer öfter medizinische Angebote, die von keinerKrankenkasse getragen werden. Die Patienten begleichen hier die Kosten für die Behandlungselbst. Insgesamt haben Praxen mit operierender Tätigkeit im Vergleich zu konservativ tätigenPraxen weiterhin eine höhere Einnahmenstruktur, die es ermöglichen sollte, rentableInvestitionen zu tätigen.

2.1 Einnahmequellen

Die Gesamteinnahmen umfassen die Einnahmen durch gesetzlich und privat versichertePatienten, berufsgenossenschaftliche und individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) sowie Vergütungen von Krankenhäusern oder Tätigkeiten als Gutachter.Zusätzliche Einnahmen durch anderweitige Tätigkeiten oder Vermietungen von Räumen sowieAusleihen von Personal spielen nur eine untergeordnete Rolle (ZIPP 2015, S. 27).

Die kassenärztlichen Einnahmequellen stellen den Hauptanteil der Einnahmen dar. Im Schnittkonnten Praxen verglichen mit 2011 ihre Einnahmen um 10,2 % auf 302.500 Euro steigern. DieEinnahmen aus dem kassenärztlichen Bereich stiegen sogar um 12,2 % im Vergleich zu 2011.

Die Entwicklung im privatärztlichen Bereich verläuft dagegen deutlich schleppender.Lediglich eine Steigerung von 4,3 % im Vergleich zu 2011 konnte hier verzeichnet werden.Darüber hinaus ist die Anzahl der Privatpatienten für einen Praxisinhaber kaum steuerbar.

Eine weitere Möglichkeit, die Einnahmen zu steigern, ist es, Leistungen anzubieten, die nichtvon der (gesetzlichen und privaten) Krankenversicherung übernommen werden - sogenannte Selbstzahlerleistungen. Die Anzahl der Patienten, die angaben, dazu bereit zu sein, lag im Jahre2004 bei 43 %. Werden die Unentschlossenen dazugerechnet, lag der Wert der Patienten, diezu Zuzahlungen bereit bzw. eventuell bereit waren, bereits bei 88 %. Somit kann hier von einermöglichen Zusatzeinnahme ausgegangen werden (Jordt & Girr &Weiland 2006, S. 5), die auf bereits vorhandene Strukturen und Ressourcen wie Personal, Räume, Know-how und Geräte zurückgreifen kann. Es entsteht eine verbesserte Auslastung bei teilweise geringen Investitionskosten. Im Hinblick auf das Einrichten einer Liposuktionseinheit werden nachfolgend Möglichkeiten und Investitionen gesondert dargelegt.

Bei den Einnahmen aus der Unfallversicherung liegt eine deutliche Steigerung um 20 % vor. Im Durchschnitt macht dieser Art der ärztlichen Einnahmen jedoch nur ca. 1 % aus, sodass eine deutliche Steigerung hier nichtsdestotrotz nur geringe Relevanz hat.

2.2 Bewertung der wissenschaftlichen Lage

Insgesamt entwickelten sich die Bewertungen zur aktuellen wirtschaftlichen Situation und denErwartungen im Hinblick auf die zukünftigen Jahre zwischen 2014 und 2016 positiv.Ausgehend von den im Zi-Praxis-Panel erfragten Daten, lässt sich ein sogenannter Klimaindexerrechnen. Dies ist ein subjektiver Gradmesser der wirtschaftlichen Situation einerseits und dererwarteten wirtschaftlichen Entwicklungen andererseits. Er kann somit alsZufriedenheitsmesser betrachtet werden. Im Jahr 2016 zeigte sich, dass Praxisinhaber mithöherem technischen Einsatz und den damit einhergehenden höheren Praxisinvestitionenskeptischere Erwartungshaltungen bezüglich der wirtschaftlichen Situation haben. Dies gilt,obwohl die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in diesen Fachgebieten insgesamt gut ist.Darüber hinaus beurteilen Landpraxen ihre Lage positiver als Praxen in der Stadt und derenUmland. Regional betrachtet, wird die Lage im Osten Deutschlands am positivsten beurteilt.Ein grundlegender Unterschied zwischen Praxen mit und ohne operativer Tätigkeit konnte nichtfestgestellt werden (ZIPP 2016, S. 18). Dagegen war der Einfluss von Alter und Geschlechtnachweisbar.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass sich die wirtschaftliche Situation für die meistenPraxen so gestaltet, dass Zusatzeinnahmen eine notwendige und ernst zu nehmende Option sind.Entscheidend ist die Frage, welche Zusatzleitungen rentabel und gut ins jeweilige Fachgebietintegrierbar sind.

2.3 Betriebskosten

Für die Betrachtung der wirtschaftlichen Situation sind neben den Einnahmen auch die Ausgaben wesentlich. Darunter werden alle Ereignisse verstanden, die dazu führen, dass das Geldvermögen reduziert wird (Wöhe & Döring 2008, S. 1007).

Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die anfallenden Ausgaben. Die wichtigsten Kostenfaktoren werden nachfolgend kurz erläutert werden.

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Darstellung der Betriebskosten. Quelle: eigene Abbildung in Anlehnung an Wöhe & Döring 2008, S. 1008

Die Personalkosten machen den größten Teil der Betriebskosten aus. Hierbei sind Reinigungs-und Praxispersonal sowie angestellte Ärzte und das Gehalt des Inhabers zusammengefasst.Weitere Personalkosten können durch die Betreuung der EDV oder eine Fachkraft für Hygieneentstehen.

Die Kosten für Miete und anfallende Nebenkosten sind ein weiterer wesentlicher Kostenfaktor. Hierzu zählen sowohl Miet- als auch Finanzierungskosten einer Immobilie sowie Kosten für Wasser, Strom, Abwasser, Heizung, Stellplätze und Sondermüllentsorgung.

Der Praxisbedarf fasst die Kosten für Verbrauchsgüter zusammen, die im Praxisalltag benötigt werden. Verbrauchsmaterial, das zur Diagnostik und Hygiene benötigt wird, fällt ebenso darunter wie Injektions-, Operations- und Infusionsmaterial. Schlussendlich tauchen in dieser Kategorie auch Kosten für Toilettenpapier, Seife, Papierhandtücher, Toner etc. auf.

Zur Klärung der Rentabilität sind die anfallenden Investitionskosten ein wesentliches Entscheidungskriterium, das ebenfalls beleuchtet werden muss. Investitionskosten sind definiert als Kosten für erworbene Sachen, die im Zusammenhang mit der Praxis stehen. Die Investitionen können mit Eigen- oder Fremdkapital getätigt werden. Immer findet dabei eine Reduzierung des Geldvermögens statt. Investitionen können über Kredite oder Fördermittel der KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) finanziert werden.

Die Grenzen zwischen den Ausgabenkategorien sind häufig fließend. So kann ein neuesUltraschallgerät sowohl unter Geräte/Praxisausstattung als auch unter Investitionen eingeordnetwerden. Letztendlich geht um das Wahren des Überblicks und einer Einnahmen-Ausgaben-Situation, die wirtschaftlich und persönlich zufriedenstellend und nachhaltig erfolgreich ist.

Nachfolgend wird errechnet, ob und - wenn ja - in welchem Umfang sich die Investition in eine Liposuktionseinheit als rentabel erweist. Dafür werden sowohl die Investitionskosten als auch die Liquidität berücksichtigt.

2.4 Liquiditätsrechnung

Auch in einer bereits bestehenden chirurgischen Praxis fallen beim Aufbau einerLiposuktionseinheit Investitionskosten für Neuanschaffungen und erweiterte Räumlichkeitenan.

Die Investitionskosten erzeugen einen Finanzierungsaufwand, der sich durch Absetzung für Abnutzung (AfA) steuerlich als Ersparnis auswirkt (Weber & Kabst 2010; S. 14).

Neben den Investitionskosten müssen die erwarteten Ergebnisse abzüglich der Betriebskosten betrachtet werden. Neben den Finanzierungskosten fallen unter anderem weitere Betriebskosten an:

x Personalkostenx Raumkosten x Beratungskosten (Steuerberater, Anwalt, Marketing) x Betriebsmittel (Material, Labor, Verwaltung) (Oberborbeck 1994, S. 203).

Die Einnahmen werden dabei um die Betriebskosten reduziert, um den vorläufigenPraxisüberschuss zu errechnen. Sie werden wiederum um die Steuerzahlungen gekürzt, sodassdie Nettoeinkünfte ermittelt werden können. Davon werden fällige Kreditraten, z. B. fürNeuanschaffungen, abgezogen. Die Nettoeinkünfte werden um die möglichen Abschreibungenerhöht. Als Ergebnis liegt nun die freie Liquidität vor (Hutzschenreuther 2009, S. 34). Dieskann als Nettoeinkommen des Arztes betrachtet werden, von dem nun dieLebenshaltungskosten bestritten werden müssen. Hier müssen auch Vorsorgekosten und dieKrankenversicherung einberechnet werden. Realisierbar ist die Investition, wenn nach Abzugaller privaten Kosten schwarze Zahlen geschrieben werden. Lohnend im Sinne derWirtschaftlichkeit ist die Investition, wenn die Liquidität hoch genug ist. Es entsteht eineLiquiditätsüberdeckung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Welche neue finanzielle Erlössituation ergibt sich durch Implementierung eines neuen Wirkfeldes in einer chirurgischen Praxis?
Hochschule
Hochschule Wismar  (Wirtschatswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V444041
ISBN (eBook)
9783668814943
ISBN (Buch)
9783668814950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmanagent Gesundheitswesen Liposuktion
Arbeit zitieren
Reiner Osenar (Autor), 2018, Welche neue finanzielle Erlössituation ergibt sich durch Implementierung eines neuen Wirkfeldes in einer chirurgischen Praxis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444041

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Welche neue finanzielle Erlössituation ergibt sich durch Implementierung eines neuen Wirkfeldes in einer chirurgischen Praxis?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden