Finanzierungmöglichkeiten von Start-Up-Unternehmen


Hausarbeit, 2018
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Definition Start-Up
2.2 Phasen einer Untemehmensgründung
2.3 Instrumente der Finanzierung

3. Staatliche Förderung
3.1 Begriffserklärung Staatliche Förderung
3.2 Chancen der staatlichen Förderung
3.3 Risiken der staatlichen Förderung

4. Business Angel
4.1 Begriffserklärung Business Angel
4.2 Chancen der Finanzierung durch Business Angel
4.3 Risiken der Finanzierung durch Business Angel

5. Methode -10­

6. Vorbereitung der Methode
6.1 Vorstellung des Fragebogens
6.2 Untersuchungsbeteiligte
6.3 Untersuchungssetting -11­

7. Durchführung Interview vom 29.12.2017

8. Evaluation der Methode

9. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen einer Untemehmensgründung

Abbildung 2: Finanzierung des Start-Ups

1. Einleitung

Es ist der Traum vieler Menschen. Die Gründung eines eigenen Unternehmens und damit die Unabhängigkeit, sein eigener Chef sein1. War vor einigen Jahren das Ziel vieler Men­schen eine Karriere bei einem großen Konzern, so ist bei der heutigen Generation der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit deutlich im Vordergrund. Die­sen Wunsch gedenken viele durch den Gang in die Selbstständigkeit zu erreichen. Unter­nehmensgründungen ermöglichen ein Höchstmaß an Selbstverwirklichung, Entfaltungs­möglichkeiten und Unabhängigkeit. Zudem lassen sich mit einem erfolgreichen Ge­schäftsmodell in kurzer Zeit erhebliche Gewinne generieren.2

Bevor man allerdings die Erfolge erzielen kann, muss sich der Unternehmensgründer Ge­danken über die Finanzierung seines Unternehmens machen. Die Finanzierung aus eige­nen Mitteln hat für viele Gründer eine hohe Bedeutung, da sich zwei Drittel der Gründer daraus finanzieren. Die Finanzierung eines Start-Ups aus eigenen Mitteln stößt aber schnell an ihre Grenzen, oftmals entsteht bereits zu Beginn ein hoher Kapitalbedarf, den der Gründer alleine selten tragen kann. Es gilt Investoren für seine Ideen zu begeistern und deren Interesse für ein Investment zu wecken.3 Welche Chancen und Risiken hat in diesem Fall ein Unternehmer bei bestimmten Finanzierungsmöglichkeiten zu erwarten?

Diese Seminararbeit beschreibt die Finanzierungsmöglichkeiten von Start-Ups in der Gründungsphase. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die staatliche Förderung als Fremdkapital und die Außenfinanzierung durch Business Angels als Eigenkapital gelegt. Dies geschieht durch passende Literatur der Themengebiete Business Angels und staatli­che Förderung und deren Analyse. Um die Ergebnisse der Literaturrecherche zu verifi­zieren und ergänzen, wird mit Hilfe eines Interviews mit dem Unternehmen IWICE Han­del GmbH die Theorie mit der Praxis verknüpft und in einem eigenen Gliederungspunkt evaluiert.4 Die Literaturrecherche dient dabei als Basis für das Interview. Bei Start-Ups handelt es sich um heterogene Unternehmen, wodurch individuelle Erfahrungen und Ein­schätzungen wichtige Informationen darstellen. Die Finanzierungsmöglichkeiten über Business Angels und Eigenkapital wurden gewählt, da diese die gängigsten Finanzie­rungsmethoden für Start-Ups in Deutschland darstellen.5

2. Grundlagen

2.1 Definition Start-Up

Zunächst bedarf es der Definition des Begriffs Start-Up. Im Duden wird lediglich Start­up als neu gegründetes Unternehmen definiert6. Der Deutsche Start-Up Monitor definiert Start-Ups genauer unter Berücksichtigung von drei Kriterien. Demnach sind Start-Ups jünger als zehn Jahre, sind mit ihrer Technologie oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ und haben oder streben ein signifikantes Umsatz- und Mitarbeiterwachstum an. Sind diese drei Kriterien erfüllt, handelt es sich um ein Start-Up Unternehmen.7

2.2 Phasen einer Unternehmensgründung

Um ein Start-Up zu gründen bedarf es der richtigen Finanzierungsform. Während des Prozesses der Gründung müssen die Gründer die Kriterien festlegen, welche sie erreichen möchten oder welche sie akzeptieren können.8 Zur Kapitalbeschaffung dient den Grün­dern die Erstellung eines Business-Plans als Grundlage um den Geldgebern ein Konzept vorstellen zu können.9 Die Gründung eines Start-Ups lässt sich in verschiedene Phasen einteilen. Zur Untemehmensgründung muss ein Unternehmen Kapital aufbringen. Damit dies gelingt, ist es notwendig den entsprechenden Finanzierungsstrategien bereits früh Aufmerksamkeit entgegenzubringen, damit eine Umsetzung der Gründungsidee erfolgen kann.10

Die Untemehmensgründung ist in verschiedene Phasen unterteilt, welchen Finanzie­rungsphasen zugeordnet werden können. Als Untemehmensphasen lassen sich die Early Stages, Expansion Stages und Later Stages nennen. Die Early Stages bezeichnen die Frühgründungsphasen, welcher als Finanziemngsphasen die Pre-Seed-Phase und die Start-Up-Phase zuordnen lassen.11 In der Pre-Seed-Phase entwickelt der Gründer sein Konzept und in der Frühphase Stehen die Finanzierungsmittel im Vordergrund12.

Zu den Expansion Stages gehört die Wachstumsphase und die Bridge-Phase. Die Later- Stage beinhaltet den Exit. In der folgenden Abbildung werden diese Phasen dargestellt.13

Abbildung 1: Phasen einer Unternehmensgründung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hahn, c., Grundsätze, 2014, s. 27

2.3 Instrumente der Finanzierung

Bei der Finanzierung eines Start-Ups stellt sich die Frage nach der Finanzmittelherkunft. Dabei wird zwischen Innen- und Außenfinanzierung unterschieden. Die Innenfinanzie­rung beschreibt die Freisetzung von finanziellen Mitteln. Ein Unternehmen kann hierbei beispielsweise Gewinne einbehalten (Bindung der finanziellen Mittel aus dem Umsatz­prozess) oder die Mittel werden durch Vermögensumschichtung freigesetzt. Bei der Au­ßenfinanzierung hingegen kommen Maßnahmen zum Tragen, welche dem Unternehmen zusätzliches Kapital zuführen, unabhängig von den laufenden Geschäftstätigkeiten. Als Gegenleistung zu der Bereitstellung des Kapitals erhalten die Kapitalgeber bestimmte Gläubiger- oder Eigentümerrechte.14 In der folgenden Abbildung wird die Abgrenzung zwischen Innen- und Außenfinanzierung dargestellt. Zur Innenfmanzierung gehört unter anderem das Bootstrapping, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Gründer sich ausschließlich durch ihr Erspartes und Unterstützung durch Familie und Freunde finan­zieren. Die Außenfinanzierung lässt sich in Eigenkapital, Mezzanine-Kapital und Fremd­kapital einteilen.15 Zur Eigenkapitalfmanzierung gehört das Kapital der Gründer selbst, sowie Investitionen durch Venture Capital, Private Equity und die Finanzierung durch Business Angels.16 Venture Capital ist eine Beteiligungsfinanzierung mit hohen Invest­mentsummen, welche sich sowohl durch große Verlustrisiken als auch große Gewinn­chancen charakterisieren17. Mezzanine-Kapital ist eine Zwischenform der Eigenkapital- und Fremdkapitalfmanzierung18. Zu den Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen des Fremdkapitals gehören Darlehen und die öffentliche Förderung19.

Abbildung 2: Finanzierung des Start-Ups

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hahn, c., Finanzstruktur, 2014, s. 34

Um die Thematik von verschiedenen Seiten zu beleuchten, wird im Folgenden die staat­liche Förderung als Instrument des Fremdkapitals und der Business Angel als Instrument des Eigenkapitals dargestellt.

3. Staatliche Förderung

3.1 Begriffserklärung Staatliche Förderung

Der Grundsteinlegung für später folgende Investitionsmöglichkeiten durch Venture-Ca­pital oder andere Finanzierungsformen dient vor allem die staatliche Förderung.20 Diese wurden durch die Politik eingeführt, da die Bedeutsamkeit von Neugründungen von Un­ternehmen und die Innovationen im deutschen Wirtschaftsraum zunimmt.21 Die Angebote hängen vom jeweiligen Land ab und entwickeln sich in verschiedene Richtungen. Es gibt staatliche Zuschüsse, welche nicht zurückgezahlt werden müssen, aber auch Darlehen mit guten Konditionen oder Kredite, welche nach einer gewissen Laufzeit ganz oder teilweise zurückgezahlt werden müssen. Diese Vergünstigungen sollen die finanzielle Belastung des Unternehmens senken und zu mehr Investitionen verleiten.22 In Deutschland werden Förderprogramme vorzugsweise durch Darlehen zu günstigen Konditionen angeboten.23 Die KfW Bankengruppe dient der staatlichen Förderung in Deutschland mit Kreditverga­ben. Sie ist eine internationale Förderbank und kann durch die Bezuschussung durch Bun­desmittel die Kredite im Vergleich zu anderen Banken günstig anbieten.24 Andere Förde­rungen sind nicht zurückzuzahlende Zuschüsse, Beteiligungen und Bürgschaften. Diese werden durch andere Partner des Bundes bereitgestellt.25 Als nicht zurückzuzahlender Zuschuss bietet die Bundesagentur für Arbeit für Arbeitslose, die sich selbstständig ma­chen möchten, um aus der Arbeitslosigkeit heraus zu kommen, einen Gründungszuschuss an, welcher im Rahmen der aktiven Arbeitsförderung gezahlt wird.26 Bei der staatlichen Beteiligungsförderung gibt das Unternehmen hingegen Anteile an Investoren ab, welche beispielsweise als Lead-Investoren das Eigenkapital für das Unternehmen tragen wer­den.27 Im Jahr 2017 wurden 34,7 Prozent der Start-Up Gründungen in Deutschland durch staatliche Förderungen finanziert.28 Auffällig ist, dass im Gegensatz dazu in Österreich 55,4 Prozent der Start-Up Unternehmen mit der Finanzierung durch staatliche Mittel im Jahr 2016 gegründet wurden.29 In Österreich gibt es verschiedene Bundesförderungen. Hierzu gehört im Allgemeinen die Förderung durch Beratung. Im Finanzsektor steht die Bereitstellung von Finanzmitteln ohne Gegenleistung oder unter der Bedingung von Kon­ditionen und Rückzahlungsvereinbarungen im Fokus. Hierdurch wird der im Vergleich zu Deutschland höhere Anteil verdeutlicht. Die Unternehmen können die Zuschüsse ohne Gegenleistung erhalten.30 Die Möglichkeiten der staatlichen Förderung sind vielfältig und der Gründer muss aufgrund seines Businessplans die geeigneten Kapitalbeschaffungs­wege finden. Die durch die staatliche Förderung generierten Gründungsgelder bilden in vielen Fällen die Grundlage, um in folgenden Finanzierungsschritten Investoren eine ge­wisse Sicherheit zu bieten. Staatliche Förderungen dienen jedoch nicht nur in der Grün­dungsphase als Finanzierungshilfe, da es Fördermöglichkeiten gibt die in mehreren Pha­sen des Unternehmens beantragt werden können.31

3.2 Chancen der staatlichen Förderung

Durch Eigenkapital der Gründer und Zuschüsse durch Familie und Freunde können Start­ups selten aus eigener Kraft wachsen. Daher wurden neben verschiedenen Fremdfinan­zierungsmöglichkeiten staatliche Förderungen in verschiedenen Formen eingeführt, um die Unternehmen zu unterstützen. Die staatliche Förderung ist vorteilhaft, da die Gründer ohne Abgabe von Unternehmensanteilen Kapital zur Gründung erhalten können. Das An­tragsverfahren ist in einigen Bereichen aufwendig, jedoch erleichtert es den Unterneh­mensaufbau.32 Zudem ist ein großer Vorteil, auch bei Finanzierungsmitteln mit Rückzah­lungsvereinbarungen, dass das Geld langfristig zur Verfügung steht und die Unternehmen verlässlich planen können, da die Konditionen von Anfang an feststehen.33

Im Vordergrund steht, dass ein Wachstum durch weitere Investoren angetrieben werden kann, da die Kapitalgrundlage dem Zugang zu weiteren Kapitalgebern eröffnet. Hierzu bedarf es einem geeigneten Finanzierungskonzept, in welchem die staatliche Förderung ein Bestandteil sein kann.34 Als weiterer Förderungspunkt des Staates lässt sich das För­derprogramm INVEST nennen, bei welchem der Staat den Investoren, in diesem Fall den Business Angels, unter der Voraussetzung, dass sie sich mindestens mit 10.000 Euro am Start-Up Unternehmen beteiligen, 20 Prozent ihrer Investitionen steuerfrei erstattet. Hier­durch werden verschiedene Finanzierungszweige berücksichtigt, wodurch das Unterneh­men indirekt gefördert wird.35

3.3 Risiken der staatlichen Förderung

Das Antragsverfahren ist in einigen Bereichen aufwendig und bürokratisch. Dennoch er­halten die Gründer relativ einfach das Kapital, das sie zur Umsetzung ihrer Gründungs­idee benötigen.36 Einige Fördermöglichkeiten können nur in Anspruch genommen wer­den, wenn sie vor oder zu Beginn der Gründung beantragt werden. Es ist zwingend not­wendig, sich daher frühzeitig mit der Analyse der Finanzbedarfe zu beschäftigen.37 Die Fördermöglichkeiten, welche als Kredit zur Verfügung gestellt werden oder andere An­sprüche an den Gründer stellen, können einen hohen Aufwand mit sich bringen.38

4. Business Angel

4.1 Begriffserklärung Business Angel

Business Angels sind Investoren, die risikotragendes Privatvermögen vorzugsweise in Start-Ups und Junguntemehmen einbringen.39 Sie zählen zu informellen Privatinvesto­ren, die im Gegensatz zu formellen, direkt, das heißt ohne Involvierung von Venture- Capital-Gesellschaften oder anderen Anlegern, Eigenkapital investieren.40 Im Gegenzug erhalten sie บทtemehmensanteile und Wertzuwachse41. Bildhaft gesprochen, charakteri­sieren sich Business Angels wie Engel durch zwei Flügel42. Der erste Flügel symbolisiert die Kapitalüberlassung, deren Höhe durchschnittlich zwischen 50.000 und 100.000 Euro beträgt43. Der zweite Flügel stellt das immaterielle Kapital dar, welches der Investor durch unternehmerische Erfahrung, Know-how und vorhandenen Kontakten zur Verfü­gung stellt44. Dieser Zusatznutzen grenzt die Angels von passiven Privatinvestoren ab, die lediglich Kapital überlassen45. Das Ziel ist ihr Investment zu vermehren, weshalb sie sich bevorzugt in der Early Stage, der Frühphase der Unternehmensgründung, beteili­gen46. Ihre Motivation begründet sich nicht ausschließlich im monetären Bereich, sondern vielmehr im Interesse an innovativen Ideen47. Spaß, der Unterstützung junger Unterneh­men und der Einbringung von Erfahrungen48. Im Jahr 2017 haben ca. 21,3 Prozent der deutschen Start-Ups die Finanzierungquelle Business Angels gewählt. Sie hat somit die größte Bedeutung nach eigenen Mitteln und staatlichen Förderungen.49

4.2 Chancen der Finanzierung durch Business Angel

Start-Ups stehen oft vor der Frage, wie sie die Finanzierung ihres jungen, innovativen Unternehmens sicherstellen sollen. Eigene Mittel der Gründer und Unterstützungen von Familie und Freunden sind aufgrund der erforderlichen Investitionshöhe schnell ausge­schöpft. Für den Erhalt von Bankenkredite müssen Sicherheiten gestellt werden, die bei jungen Unternehmen fehlen. Eine Lösung dieser Problematik bietet die Finanzierung durch Business Angels. Sie hilft dem Start-Up, die Finanzierung aus eigenen Mitteln und weiterführender Unterstützung zu überbrücken und die Kapitallücke, sogenannte Equity Gap, zu schließen.50 Das Unternehmen hat die Möglichkeit, an schnell verfügbares Kapi- tai zu gelangen, da die Mittel meist kurzfristig innerhalb von zwei Monaten unbürokra­tisch vom Investor erbracht werden.51 Zudem beteiligen sie sich auch mit geringen Sum­men am Unternehmen und es wird typischerweise keine laufende Verzinsung für das be­reitgestellte Kapital verlangt52. Business Angel haben aufgrund der Einbringung ihres Privatvermögens und dem daraus resultierenden Risiko ein Interesse an dem Erfolg des Unternehmens und engagieren sich persönlich für dessen Wachstum. Der Mehrwert der Beteiligung liegt in der Unterstützung und Hilfestellung des Business Angels durch seine Managementerfahrungen und seinem Know-how. Des Weiteren verfügt er über ein Netz­werk aus vielfältigen Kontakten, die gerade zu Beginn des Unternehmensaufbaus wert­voll sind.53 Aus bestehenden Beziehungen zu weiteren Kapitalgebem, können sich Folge­finanzierungen für das Start-Up ergeben54.

4.3 Risiken der Finanzierung durch Business Angel

Entscheiden sich Start-Ups für die Finanzierung durch Business Angels, haben sie an­fangs Geduld aufzubringen. Einen geeigneten Business Angel zu finden, kostet Zeit und oftmals mehrere Anläufe.55 Zudem sind diese meist regional aufgestellt56, wodurch die Auswahl begrenzt ist. Suchen Start-Ups zu früh oder mit einer schlecht vorbereiteten Ge­schäftsidee den Kontakt, besteht die Gefahr, dass dies durch die dichte Vernetzung schnell kommuniziert wird und weitere mögliche Investoren ausbleiben. Ein weiteres Ri­siko ist auf Business Devils zu treffen. Business Devils geben vor Business Angels zu sein, besitzen jedoch nicht das erwartete und benötigte Know-how oder arbeiten gegen die Interessen des Unternehmens.57 Der Unternehmenswert und die erfolgreiche Umset­zung der Geschäftsidee des Start-Ups sind in der Gründungphase kaum prognostizierbar. Im Gegenzug zum tragenden Risiko verlangen Business Angels vom Gründer einen Teil der unternehmerischen Freiheit und Unabhängigkeit. Sie fordern Mitbestimmungs-, Kon­troll- und Informationsrechte, sowie hohe Geschäftsanteile für eine vergleichsweise nied­rige Investmentsumme.58 Finanzierungen durch Business Angels kennzeichnen sich zum einen dadurch, dass sie mit einer Dauer von vier bis sechs Jahren relativ kurzweilig sind59. Zum anderen verbleibt es meist bei einem einmaligen Investment60. Entscheidet sich der Business Angel die Beteiligung aufzugeben, also seinen geplanten Exit zu vollziehen, gestaltet es sich für den Unternehmensgründer schwierig, die Anteile von ihm am Unter­nehmen, deren Wert nach Einbringung meist weiter gestiegen ist, ab- oder zurückzukau­fen. Buyouts, der Börsengang oder Verkauf des Unternehmens sind verbleibende Mög­lichkeiten der Unternehmung.61

5. Methode

In der Forschung wird zwischen der quantitativen Forschung und der qualitativen For­schung unterschieden. In der quantitativen Forschung werden Zahlen und deren Verglei­che erhoben und ausgewertet.62 Die qualitative Forschung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und findet unter anderem in der Sozialwissenschaft Anwendung63. Im Gegensatz zur quantitativen Forschung bringt die qualitative Forschung einen nahen Bezug zur Praxis, indem die Lebenswelten aus der Sicht der handelnden Menschen be­schrieben werden. Sie hat den Nutzen, eine Erkenntnis der sozialen Wirklichkeit zu schaf­fen und bestimmte Muster und Abläufe darzustellen.64

Gütekriterien überprüfen die qualitative Forschungsmethode, indem durch die Reliabilität und die Validität die Methode auf ihre Tauglichkeit kontrolliert wird65. Die Reliabilität, also die Überprüfung der Zuverlässigkeit, hat den Nutzen, dass durch wiederholte Mes­sungen die Theorie zum selben Ergebnis führt66. Unter Validität, also der Gültigkeit, wird verstanden, dass eine inhaltliche Übereinstimmung der Messung vorhanden ist67.

Für die Untersuchung der Forschungsfrage wurde die qualitative Forschungsmethode des Interviews ausgewählt. Im Vergleich zu anderen Methoden ist es einfacher einzelne Per­sonen zu befragen und aus dem Interview produzierte Texte auszuwerten.68

6. Vorbereitung der Methode

6.1 Vorstellung des Fragebogens

Der Interviewfragebogen umfasst zwölf Fragen und wurde halb standardi siert formuliert. Zu Beginn des Fragebogens werden drei Eingangsfragen gestellt, um grundsätzliche In­formationen zum Start-Up Unternehmen zu erhalten. Anschließend wird durch die vierte Frage ein Übergang zur Finanzierung des Start-Ups geschaffen.

Im weiteren Verlauf wird auf die Finanzierung des Start-Ups in der Gründungsphase ein­gegangen. Dort sind Fragen zu den Finanzierungsformen enthalten, bei welchen auf die Chancen und Risiken eingegangen wird. Die letzten beiden Fragen veranschaulichen die Erfahrungen der Gründer für andere Start-Ups.

6.2 Untersuchungsbeteiligte

Für das Interview wurde ein Interviewpartner ausgewählt, der bereits Erfahrungen in der Gründung und die daraus entstehende Finanzierung eines Start-Ups gesammelt hat.

Frau Johanne Köhler wurde 1993 geboren und lebt in Hamburg. Sie ist Gründerin des Start-Ups IWICE Handels GmbH in Klagenfurt und ist bis vor kurzem neben zwei wei­teren Geschäftsführern dort als Geschäftsführerin tätig gewesen.

6.3 Untersuchungssetting

Das Interview mit dem Interviewpartner wurde am 29.12.2017 telefonisch durchgeführt. Der Fragebogen wurde zwei Wochen zuvor per E-Mail mit der Terminbestätigung ver­sandt. Zu Beginn des Gesprächs fand eine Begrüßung statt. Frau Köhler teilte mit, dass die Firma IWICE Handel GmbH vor kurzem verkauft wurde und sie beim Käufer der Firma als Geschäftsführerin eingestiegen ist. Im Anschluss wurde das Interview mit einer Gesamtlänge von 23 Minuten durchgeführt. Für den Interviewfragebogen wurde eine Zeit von 17 Minuten benötigt.

7. Durchführung Interview vom 29.12.2017

Frau Köhler hat alle Fragen ohne große Bedenkzeit beantwortet. Die Firma IWICE Han­dels GmbH wurde Anfang 2016 in Österreich gegründet69. Die Grundidee ein Proteineis

[...]


1 Vgl. O.V., Umfrage der Bertelsmannstiftung, 2014, o.s.

2 Vgl. Hahn, c., Einleitung Finanzierung, 2014, s. 3.

3 Vgl. Portisch, พ., Untemehmenslebenszyklus, 2016, s. 128.

4 Vgl. Mišoch, s., Interview verifizieren Punkt 4.5.1,2015, o.s.

5 Vgl. Statista, Verteilung von Start-Ups, 2018, o.s.

6 Vgl. Duden, Definition Start-Up, 2017, o.s.

7 Vgl. Kensbrock, J., et al., Deutscher Start-Up Monitor 2017, 2017, s. 8.

8 Vgl. Nathusius, K., Finanzierungsinstrumente, 2003, s. 162.

9 Vgl. Jann, M., Gründerservice, 2018, s. 69.

10 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 37.

11 Vgl. Hahn, c., Grundsätze, 2014, s. 27.

12 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 37.

13 Vgl. Hahn, c., Grundsätze, 2014, s. 27.

14 Vgl. Pape, บ., Finanzierung und Investition, 2015, s. 34.

15 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 43 f.

16 Vgl. Hahn, c., Finanzstruktur, 2014, s. 34.

17 Vgl. Börner, C., Grichnik, D., Gründungs- und Wachstumsfinanzierung, 2005, s. 90.

18 Vgl. Hahn, c., Finanzstruktur, 2014, s. 39.

19 Vgl. Hahn, c., Finanzstruktur, 2014, s. 34.

20 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 30.

21 Vgl. Rulând, T., Finanzierung, 2010, o.s.

22 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 33.

23 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Förderprogramme, 2018, o. s.

24 Vgl. KfW, Inländische Förderung, 2017, o.s.

25 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Förderprogramme, 2018, o. s.

26 Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Existenzgründung, 2014, o.s.

27 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 30.

28 Vgl. Statista, Verteilung von Start-Ups, 2018, o.s.

29 Vgl. Statista, Start-Ups Österreich, 2018, o.s.

30 Vgl. Jann, M., Gründerservice, 2018, s. 78 ff.

31 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 63.

32 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 33.

33 Vgl. Deutsche Bank, Start-Up Finanzierung, 2018, o. s.

34 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 63.

35 Vgl. BMWi, Wagniszuschuss, 2018, o.s.

36 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 63.

37 Vgl. Kollmann, T., E-Entrepreneurship, 2016, s. 208.

38 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 65.

39 Vgl. Raueiser, T., Strategien, 2007, s. 18 f.; Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 46.

40 Vgl. Klandt, H., Krafft, L, Bedeutung von Business Angels, 2003, s. 301.

41 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 46.

42 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 20.

43 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Gründung vorbereiten, O.J., o. s.

44 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 46.

45 Vgl. Brettel, M., Business Angels, 2005, s. 235.

46 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 55.

47 Vgl. Kollmann, T., Kuckertz, A., E-Venture-Capital, 2003, s. 21.

48 Vgl. Klandt, H., Krafft, L, Bedeutung von Business Angels, 2003, s. 301.

49 Vgl. Statista, Verteilung von Start-Ups, 2018, o.s.

50 Vgl. Klandt, H. et al., Vademecum für Untemehmensgründer, 2001, s. 11 f.

51 Vgl. Müller, c. et al, Gründungsfinanzierung, 2016, s. 230.

52 Vgl. Klandt, H. et al., Vademecum für บทtemehmensgründer, 2001, s. 5, 18.

53 Vgl. Brettel, M. et ai, Der informelle Beteiligungskapitalmarkt, 2000, s. 106 f.

54 Vgl. Business Angels Netzwerk Deutschland e.v., Angel Finanzierung, 2018, o.s.

55 Vgl. Business Angels Netzwerk Deutschland e.v., Angel Finanzierung, 2018, o.s.

56 Vgl. Klandt, H., Krafft, L., Bedeutung von Business Angels, 2003, s. 315.

57 Vgl. Business Angels Netzwerk Deutschland e.v, Angel Finanzierung, 2018, o.s.

58 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 55.

59 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Gründung vorbereiten, O.J., o. s.

60 Vgl. Hahn, c., Kapitalgeber, 2014, s. 55.

61 Vgl. Brettel, M., Business Angels, 2005, s. 256 f.

62 Vgl. Mayring, p., Qualitative Inhaltsanalyse, 2010, s. 17.

63 Vgl. Flick, บ., von Kardorff E., Steinke, ƒ., Qualitative Forschung, 2015, s. 13.

64 Vgl. Flick, บ., von Kardorff, E., Steinke, ƒ., Qualitative Forschung, 2015, s. 14.

65 Vgl. Mayring, p., Qualitative Inhaltsanalyse, 2010, s. 123.

66 Vgl. Mayring, p., Qualitative Inhaltsanalyse, 2010, s. 123.

67 Vgl. Mayring, p., Qualitative Inhaltsanalyse, 2010, s. 124.

68 Vgl. Lamneck, s., Krell, c., Qualitative Sozialforschung, 2016, s. 313.

69 Vgl. Interview,1 Anhang I, 2017, s. 16.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Finanzierungmöglichkeiten von Start-Up-Unternehmen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
26
Katalognummer
V444178
ISBN (eBook)
9783668837225
ISBN (Buch)
9783668837232
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finance, Investition, Finanzierung und Investition, Business Angels, Staatliche Finanzierung, Start-Up, Experteninterview, Wissenschaftliche qualitative Methodik
Arbeit zitieren
Alexander Kuschel (Autor), 2018, Finanzierungmöglichkeiten von Start-Up-Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444178

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