Aufbau diagnostischer Kompetenzen bei angehenden Lehrkräften

Fallarbeit im Modul Diagnostik, Förderung, Beratung


Hausarbeit, 2018

11 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil A) Anonymisierte Personenbeschreibung

Teil B) Ableitung einer diagnostischen Fragestellung und Untersuchungshypothesen

Teil C) Hypothetische Auswahl und Begründung von diagnostischen Methoden

Teil D) Untersuchungsbericht
1. Beschreibung der Testsituation
2. Verhaltensbeobachtung
3. Ergebnistabelle
4. Inhaltliche Interpretation der Ergebnisse

Teil E) Fördervorschläge

Teil F) Kritische Reflexion aller Schritte der Fallarbeit

Literaturverzeichnis

Teil A) Anonymisierte Personenbeschreibung

Das Erstgespräch mit dem Untersuchungskind wurde am 23.07.2018 um 13 Uhr in der Wohnung der Eltern, im gut aufgeräumten Kinderzimmer, durchgeführt. Der Schüler Felix (Name geändert) ist 12 Jahre alt und wurde am 30. August 2005 geboren. Zusammen wohnt er mit seiner Familie (Mutter, Vater, eine Schwester und zwei Brüder) in einer Altbauwohnung in Leipzig. Nach den Sommerferien wird er in die 7. Klasse versetzt werden.

Jetzt gerade in den Ferien, sagt er mir, nehme er sich viel Zeit für sich und spiele oft mit seinem Handy oder der PlayStation. Ein normaler Schultag hingegen bestehe meist aus sieben Stunden. Er besuche keine Arbeitsgemeinschaften. Den Weg zur Schule und zurück fahre er mit der Tram, das dauere meistens eine viertel Stunde. Nachdem er zuhause ankomme, gehe der Schüler oft raus ins Freie, treffe sich mit seinen Freunden oder gehe seinem Hobby des Fußballspielens in einem Verein nach.

Die Frage nach dem Lieblingsfach beantwortet er mit Sport. Gut gefalle ihm daran, dass man nicht nur „rumsitze“, sondern sich auch bewegen könne. Auf die Frage der Selbsteinschätzung in diesem Fach sagt er, dass ihm das schwer falle. Später antwortet er jedoch, dass er eine gute Ausdauer und auch Kraft habe. Ein Schulfach was Felix ebenfalls gefalle, sei Kunst. Hier könne man der Fantasie freien Lauf lassen. Mathe hingegen sei sein einziges Fach, was ihm gar nicht liege. Hierbei falle es ihm schwer dem Unterricht zu folgen und die Lehrerin sei auch nicht sein „Fall“. Generell betont er mehrfach, dass es auf die Lehrer ankomme, ob ein Fach schön wäre oder nicht. Von der Mutter habe ich ebenso erfahren, dass neben Mathe auch Englisch und Geschichte schwierige Fächer seien.

Das Klassenklima beschreibt das Untersuchungskind als „normal“. In der Klasse gebe es wohl „Grüppchen“, aber keiner werde gemobbt. Auf die Frage, ob er sich gut aufgehoben fühle, antwortet er mit ja und lächelt dabei ein wenig. Schulische Aufgaben bewältige er oftmals alleine und frage selten seine Mitschüler. Wenn das doch der Fall sein solle, dann sei sein bester Freund ein Ansprechpartner.

Felix sagt, es sei wichtig in die Schule zu gehen, um später einen guten Job zu bekommen. Auch aus diesem Grund sei er bemüht, keine Fehltage zu haben. Außerdem lerne das Untersuchungskind für gute Noten und für ein gutes Zeugnis. Unterstützung bei dem Lernprozess erhalte er durch eine private Nachhilfe zuhause. Hierbei komme jede Woche für 90 Minuten eine Studentin und übe mit ihm jeweils für anstehende Tests und Klassenarbeiten. Hilfe für die Schule bekomme er auch von seinem Vater und manchmal von der Schwester. Obwohl es bei guten Noten keine Belohnung gebe, erfreue es trotz allem die Eltern. Bei nicht so guten Leistungen schimpfe der Vater auch mal ein bisschen. Er nehme es Felix schließlich nicht sehr übel und sage, dass er es beim nächsten Mal besser machen solle.

Auf Tests und Klassenarbeiten, sagt er mir, bereite er sich nur mit dem Durchlesen des Hefters vor. Außerdem fange er bei Klassenarbeiten eine Woche zuvor mit Lernen an und bei Tests circa drei Tage. Das Abfragen finde dann meist durch die Nachhilfekraft oder am Vorabend durch die Eltern statt. Wenn das Untersuchungskind dann bemerke, dass das Wissen noch nicht ausreichend sei, dann lese es sich das Ganze eben nochmal durch. Auf die Frage wie man eine schwere Aufgabe in einem Fach löst, was man nicht gern macht, antwortet Felix, dass er die Lehrkraft um Hilfe bitte. Das komme nur sehr selten vor und er versuche oftmals das Problem allein zu lösen.

In Bezug auf die Motivation in der Schule antwortet das Untersuchungskind „eher nicht so“. Motiviert sei er vor allem in seinen Lieblingsfächern Kunst und Sport. Dies liege zum Großteil aber an den Lehrpersonen. Wenn sie den Unterricht interessant gestalten, dann sei Felix auch motivierter zuzuhören. Sonst sei das eher nicht die Regel. Bei der Antwort auf die Frage, wie er sich vor Tests und Klassenarbeiten fühle, überlegt er etwas länger. Er antwortet nach einer Weile mit „normal“. Dies sei vor allem der Fall, wenn er gut vorher lerne. Jedoch sagt Felix, dass er manchmal aufgeregt sei, wenn er sich unsicher fühle und wenn nicht genug Zeit zum Lernen gewesen sei.

Teil B) Ableitung einer diagnostischen Fragestellung und Untersuchungshypothesen

Auffällig ist, dass der Schüler besonders im naturwissenschaftlichen Fach Mathematik Probleme zeigt. Es könnte sein, dass in diesem Unterrichtsfach falsche Strategien angewendet werden. Dies kann als Diagnoseanlass für eine diagnostische Untersuchung dienen.

Die diagnostische Fragestellung ist also wie Lernstrategien einzuschätzen sind und ob sie einen direkten Einfluss auf die Schwierigkeiten des Schülers im Fach Mathematik haben.

Zur theoretischen Einordnung des abgeleiteten Diagnoseanlasses kann das „Schichtenmodell der Schulleistung“ (Hesse & Latzko, 2017) herangezogen werden. Dazu sollten zur Diagnostik stets zuerst die proximalen Faktoren der Schulleistung einbezogen werden, da diese einen direkten Einfluss auf die Schulleistung haben. Strategien beeinflussen damit grundlegend die Schulleistung. Dies wird auch im INVO-Modell (Hasselhorn & Gold, 2009) deutlich, indem Strategien und metakognitive Regulation, neben anderen individuellen Voraussetzungen, zum erfolgreichen Lernen direkt beitragen. In Folge des Erstgesprächs sehe ich hier den entscheidenden Faktor zur Begründung des Problems im Fach Mathematik. Wissenschaftliche Grundlage ist der Kognitivismus, welcher Fragen des Wissenserwerbs und der Wissensrepräsentation nachgeht und aufzeigt, dass der Erwerb neuen Wissens ein gewisses Maß an Wiederholung und Übung mit Hilfe der richtigen Strategien bedarf.

Zur Überprüfung der Problemstellung können anhand der theoretischen Einordnung der diagnostischen Fragestellung folgende Untersuchungshypothesen abgeleitet werden:

1) Die Entwicklung von Lernstrategien ist unterdurchschnittlich.
2) Die Nutzung mathematikspezifischer Lernstrategien ist unterdurchschnittlich.

Teil C) Hypothetische Auswahl und Begründung von diagnostischen Methoden

Zur Kontrolle der aufgestellten Hypothesen ist es wichtig, dass adäquate diagnostische Methoden und Verfahren ausgewählt und eingesetzt werden. In Bezug auf Lernstrategien muss gesagt werden, dass eine Beobachtung gewinnbringender wäre als ein Test oder ein Gespräch, da hiermit nur das Wissen über Lernstrategien abgefragt wird, aber nicht die eigentliche Fähigkeit zur Nutzung. Da jedoch in diesem Modul die Arbeit mit standardisierten Testverfahren im Vordergrund steht, habe ich mich für die Auswahl des MAESTRA 5-6+ (Mathematisches Strategiewissen für fünfte und sechste Klassen) und dem LAVI (Lern- und Arbeitsverhaltensinventar) entschieden.

Hierzu möchte ich nun beide Tests vergleichen und aufzeigen für welchen Test ich mich schlussendlich, zur Überprüfung der Hypothesen, entschieden habe. In vielen Punkten stimmen die zu erfüllenden Kriterien bei den Tests überein und deshalb soll es nun hauptsächlich um die Unterschiede gehen.

Zum theoretischen Hintergrund lässt sich sagen, dass das LAVI für Schüler der Klassen 5-10 konzipiert wurde und die Schularten Hauptschule, Realschule und Gymnasium einschließt. Das MAESTRA 5-6+ lässt sich für Schüler des zweiten Halbjahres der Klasse 5 bis zum ersten Halbjahr der Klasse 7 anwenden. Hierbei werden Gymnasium, Realschule, Hauptschule und Sekundarschule miteingeschlossen. Eine Besonderheit liegt in der Durchführung. Die Auswertungsobjektivität liegt bei beiden Testverfahren vor, jedoch finden bei dem LAVI Schablonen und bei dem MAESTRA 5-6+ ein Auswertungsbogen Verwendung. Bei der statistischen Analyse zu Reliabilität und Validität sind bei beiden Testverfahren, im Bereich der Reliabilität, die Interne Konsistenz und die Retestreliabilität gegeben. Hierbei liegen die Reliabilitäten auch jeweils über 0.70. Zur Validität lassen sich bei beiden Tests Angaben zur Kriteriumsvalidität machen. Dabei kann man jedoch von einer niedrigen bis mittelhohen Validität beim MAESTRA 5-6+ sprechen, wobei die Kriteriumsvalidität bei dem LAVI im mittleren bis hohen Bereich liegt. Besonders im Bereich der Normierung lässt sich wahrscheinlich der größte Unterschied ausmachen. Das LAVI erschien 1998 und wurde bis dahin nicht wieder überprüft. Die neueste Auflage des MAESTRA 5-6+ stammt aus dem Jahr 2014 und ist damit noch jünger als 8 Jahre. Eine Einzel- oder Gruppentestung ist in beiden Fällen möglich und die durchschnittliche Dauer des Tests beträgt bei dem LAVI 30 Minuten und bei dem MAESTRA 5-6+ circa elf.

[...]

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Details

Titel
Aufbau diagnostischer Kompetenzen bei angehenden Lehrkräften
Untertitel
Fallarbeit im Modul Diagnostik, Förderung, Beratung
Hochschule
Universität Leipzig  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Diagnostik, Förderung, Beratung
Note
2.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V446152
ISBN (eBook)
9783668837867
ISBN (Buch)
9783668837874
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BIWI 06, Fallarbeit, AVEM
Arbeit zitieren
Stephanie Mütterlein (Autor), 2018, Aufbau diagnostischer Kompetenzen bei angehenden Lehrkräften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446152

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