Wie passen wohltätiges und "terroristisches" Wirken in Wohltätigkeitsorganisationen zusammen?

Eine Untersuchung zur Hamas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Islamische Wohltätigkeit
1.1. Zakat, Sadaqa und Waqf

2. Hamas
2.1. Entstehungsgeschichte
2.2. Ideologie und Umsetzung
2.3. Wohltätigkeit und Wirken

3. Terrorismus
3.1. Hamas

Fazit

Literaturliste

Einleitung

In folgender Hausarbeit setze ich mich mit der Fragestellung auseinander, inwiefern Wohltätigkeit und „terroristisches“ Wirken in Wohltätigkeitsorganisationen zusammenpassen. Hierzu beziehe ich mich im Genaueren auf die Hamas, anhand welcher ich die Gründe für diesen zuerst als Widerspruch erscheinenden Zwiespalt darlegen werde.

Zunächst definiere ich zusammenfassend den Begriff der islamischen Wohltätigkeit, dabei gehe ich auf die drei wichtigsten Begriffe in der Wohltätigkeit, die Zakat, die Sadaqa und die Waqf ein und definiere diese genauer.

Darauffolgend gehe ich auf die islamische Wohltätigkeitsorganisation „Hamas“ ein. Dabei lege ich ihre Entstehungsgeschichte, ihre Ideologie anhand ihrer Gründungscharta und ihr wohltätiges Wirken dar.

Des Weiteren befasse ich mich mit dem Begriff des Terrorismus, wobei ich diesen zunächst definieren und dann auf die militärischen Aktionen der Hamas eingehen werde.

Schließlich gehe ich auf die zu Beginn gestellte Fragestellung ein. Dabei betrachte ich das wohltätige und gewaltsame Vorgehen der Hamas und setze diese beiden in Verbindung zu einander. Außerdem gehe ich auf die geschichtliche Entwicklung der Hamas und ihre Ideologie ein und wäge ab, inwiefern ihr Agieren ein terroristisches Agieren ist oder als Befreiungskampf bezeichnet werden kann und inwieweit dies mit den wohltätigen Unterstützungen der Organisation vereinbar und erklärbar ist.

1. Islamische Wohltätigkeit

Im Nachfolgenden werde ich die drei Begriffe Zakat, Sadaqa und Waqf definieren. Des Weiteren gehe ich, im Zuge der Definition von Zakat, kurz auf die Personengruppen ein, welche als Bedürftige bezeichnet werden.

1.1. Zakat, Sadaqa und Waqf

Die islamische Wohltätigkeit baut auf den drei wichtigsten Praktiken, der Zakat, der Sadaqa und der Waqf auf.

Dabei bildet Zakat die dritte Säule der fünf Säulen des Islams. Sie verpflichte wohlhabende Muslime dazu, Bedürftigen einen bestimmten Anteil ihres Besitzes abzugeben.[1] Die Zakat sei eine obligatorische und institutionelle Steuer, welche im Gesetz verankert sei[2] und als Almosensteuer einmal im Jahr eingesammelt würde. Dabei läge der Prozentsatz jener Steuer bei 2,5%. Dieser Prozentsatz würde von den Gütern, welche über die Zeitspanne von 354 Tagen, also einem Mondjahr, angesammelt wurden, abgerechnet.[3] Jene Abgabe sei ab dem Zeitpunkt verpflichtend, ab dem die Pubertät erreicht habe, man als mündig erklärt würde und ein Mondjahr lang einen Besitz angesammelt habe, welcher größer als der Nisab sei. Der Nisab sei dabei ein Mindestbetrag, der in 85 Gramm Gold bestimmt werde. Die zakatpflichtigen Vermögen seien Geld und Kapitalanagen, Gold, Silber und Immobilien. Persönliche Besitztümer wie es das eigene Haus, das Auto oder Möbel seien, würden dabei nicht mit einberechnet und Schulden die eine Person habe, würden von dem zakatpflichtigem Vermögen abgezogen.[4]

Die Personengruppen die die Zakat erhalten seien dabei von Allah bestimmt:

„Die gesammelte Zakat ist für die Armen; die Mittellosen; diejenigen, die sie einsammeln; um die Herzen der Leute nahe zu bringen; für die Befreiung von Sklaven; die Verschuldeten; die Ausgabe auf dem Wege Allahs und die Reisenden. Dies ist eine Vorschrift von Allah.“[5]

Allgemein wird gesagt, dass die Zakat, welche an Bedürftige gegeben würde, das Vermögen und das Herz reinige.[6]

Anders als Zakat sei Sadaqa keine verpflichtende Spende und würde daher auch als freiwillige und spontane Wohltätigkeit bezeichnet.[7] Dabei gäbe man einen Teil seines Besitzes, ohne damit zu prahlen oder eine Gegenleistung zu erwarten ab, dies solle den Glauben und den eigenen Charakter stärken. Gespendet würde dabei an die selbe Gruppe von Bedürftigen, an die man auch beim Zakat spende. Dabei ginge es nicht nur um Sachspenden, auch körperliche und geistige Unterstützung und Hilfe würde als Sadaqa bezeichnet, denn „jede gute Tat ist eine Sadaqa"[8].[9]

Eine Sadaqa Dschariya oder auch Waqf genannt sei eine fromme Stiftung und gehöre zu den „besten Spenden“[10]. Als Waqf würde zum Beispiel der Bau eines Krankenhauses, einer Schule oder eine Sachspende, welche einer bedürftigen Person den Weg in eine Selbstständigkeit ermöglicht, bezeichnet. Somit sei sie eine dauerhafte Spende und Menschen könnten einen andauernden Nutzen aus ihr ziehen.[11] Werde ein Gebäude oder Land von einer Familie gespendet, so würde ein Verwalter eingesetzt, welcher meist der Spender selbst oder ein Familienmitglied sei. An diesen Verwalter würde dann ein Anteil des Ertrags, welches durch das Waqf erwirtschaftet werde und meist bei 10-15% lege, ausgezahlt und der andere Prozentteil des Ertrages würde an Bedürftige gespendet. Das Waqf gehöre allerdings nicht dem Verwalter, denn jene Sachspende würde an Gott gespendet. Deshalb könne es auch nicht mehr enteignet werden, wodurch eine Einnahmequelle für eine Familie über Generationen entstünde, die nicht verloren gehen könne. Waqfs würden gesetzlich registriert, was einige Zeit lang in mündlicher Form geschehen sei und dann in schriftlicher Form durch das Ausstellen einer Urkunde geschehe.[12] In der Vergangenheit beständen große Teile des öffentlichen Raumes aus Waqfs, was ihnen eine große Autonomie und Macht gegeben habe und wodurch eine Konkurrenz zwischen Waqfs und Herrschenden entstanden sei.[13]

2. Hamas

Im Nachfolgenden gehe ich auf die Hamas ein. Dazu betrachte ich zunächst ihre Entstehungsgeschichte, wobei ich mich auf die Zeitspanne ab dem Zeitpunkt der Gründung der Muslimbruderschaft bis hin zu der Entstehung der Hamas aus dieser heraus beziehen werde. Dabei setze ich mich mit den wichtigsten Ereignissen in diesem Zeitraum auseinander.

Des Weiteren beziehe ich mich auf die Ideologie der Hamas, welche ich anhand der Charta, die 1988 veröffentlicht wurde, darlege.

Letztendlich gehe ich auf das wohltätige Agieren der Hamas und den von ihr aus der Wohltätigkeit gezogenem Nutzen ein.

2.1. Entstehungsgeschichte

In den späten 1940er Jahren gründete die Muslimbruderschaft viele neue Niederlassungen in Palästina. Eine dieser Niederlassungen gründete sich im Mai des Jahres 1946 in Jerusalem. Zu der Eröffnung dieser Niederlassung, zu der mehr als 1.000 Menschen kamen, wurde verkündet, dass die Verletzung der Rechte der Araber in Palästina eine Bedrohung für alle Muslime sei. Unter den Teilnehmern waren viele, die sich in den Jahren 1936 bis 1939 am arabischen Aufstand in Palästina beteiligt hatten.[14]

Als im Jahr 1947 die Vereinigten Staaten verkündeten, Palästina in einen jüdischen und einen palästinensisch-arabischen Staat zu teilen und der jüdischen Minderheit dabei 56% des Landes zugeteilt werden sollte, sprach sich die arabische Führung, anders als die jüdische, gegen dieses Vorgehen aus. Trotz dessen kam es zu einer Teilung des Gebietes, was die palästinensischen Führer nicht akzeptierten. Daraufhin bereiteten sich die zionistischen bewaffneten Gruppen auf ihre neue Staatlichkeit vor, doch die arabische Führung versicherte den Palästinensern, dass sie nicht aus ihren Häusern zu flüchten bräuchten und von ihnen beschützt würden. Gleichzeitig begann sich die Muslimbruderschaft für den Dschihad zu organisieren und gewann islamische Kämpfer aus Ägypten für sich. Im Jahr 1948 kam es dann zum Palästinakrieg, welcher von den arabischen Armeen verloren wurde. Zum Ende des Krieges im Jahr 1949 besaßen die Araber nur noch die Hälfte des Landes, welches ihnen bei Akzeptanz des Vertrages der Teilung zugesprochen worden wären und es gab 726.000 Flüchtlinge, welche in den Gazastreifen und das Westjordanland flohen. In diesen Gebieten gab es keine größeren Moscheen und die Anzahl der Muslimbrüder war für die zu unterstützende Flüchtlingsbevölkerung zu klein. Daher versuchten sie ihre Bewegung aufzubauen, indem sie ein Netzwerk für religiöse Erziehung aufbauten, in welchem sie den Islam lehrten und sich für eine Rückkehr in ihr verlorenes Heimatland aussprachen. Ihr Ziel war es, durch die Gewinnung neuer Mitglieder die in Israel eroberten Gebiete wieder zurückzugewinnen.[15]

Einer der Flüchtlinge war Ahmed Yassin, welcher später der Gründer und spirituelle Führer der Hamas wurde.[16] Einige streng gläubige Muslime, die sich unter den Flüchtlingen befanden, konnten davon überzeugt werden, dass nur durch Glauben, Geduld und die Nutzung von Waffen eine Rückkehr in ihre einstige Heimat möglich sei.[17]

Die Jahre unmittelbar nach dem Krieg seien entscheidend für die Entstehung und Entwicklung eines kollektiven Sein-Gefühls unter den Palästinensern gewesen. Dabei wurde die Besinnung auf religiöse Werte im Jahr 1952 von einer Welle des arabischen Nationalismus überschwemmt:

„Growing consciousness of an identity shaped through turmoil, statelessness and the experience of becoming refugees bound the people together through nationalism, not religion, and in ways which transcended the newly created borders which kept them apart from their lands, families and levehoods.“[18]

Dieses nationale arabische Sein-Gefühl, sowie die Razzien gegen Islamisten in den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren im ägyptisch kontrollierten Gaza seien einige der Gründe gewesen, weswegen die Bewegung der Muslimbruderschaft zurückgedrängt wurde. Darauf reagierten sie mit der Errichtung von Militärzellen, in welchen sie neue Rekruten bewarben. Jene erhielten eine rudimentäre, paramilitärische Ausbildung und die Zusicherung, dass der Islam die Lösung für ihre miserable Existenz als Flüchtlinge sei: „We believed in Allah and our faith to turn us to the jihad against the Jewish state“[19]. Sie glaubten, dass nur der Islam sie befreien könne und so hielten sie als Flüchtlinge und potenzielle Mudschahidin, als islamische Kämpfer, zusammen.[20]

Nachdem im Juni 1967 der Sechstagekrieg stattfand und Israel weitere Gebiete der Palästinenser, wie unter anderem den Gazastreifen besetzt hatte, wurden Tausende erneut zu Flüchtlingen. Nutzte die Muslimbruderschaft die neue Reorganisation der Palästinenser aus um sich dort weiter aus zu breiten. Sie begann gezielt Moscheen und Koranschulen aufzubauen und fokussierte sich darauf die Gesellschaft zu islamisieren. Zusätzlich wurde durch das Einführen einer neuen islamischen Mode ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt.[21]

[...]


[1] Stillman, Norman A. (2006): „Charity and Social Service in Medieval Islam“. In: Hawting, Gerald (Hg.): The Development of Islamic Ritual. Aldershot: Ashgate, 211-222. Insbes. S. 106.

[2] Vgl. ebd. S. 106.

[3] Farschid, Olaf (2012): Zakat in der Islamischen Ökonomik. Zur Normenbildung im Islam. Würzburg: Ergon. Insbes. S. 57.

[4] Islamic Relief (2018): „Was ist die Zakat?“. Elektronisches Dokument: https://www.islamicrelief.de/spende/was-ist-die-zakat/ (zuletzt abgerufen: 15.08.2018).

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd.

[7] Stillman, Norman A. (2006): „Charity and Social Service in Medieval Islam“. In: Hawting, Gerald (Hg.): The Development of Islamic Ritual. Aldershot: Ashgate, 211-222. Insbes. S. 106.

[8] Islamic Relief (2018): „Sadaqa - Allgemeine Spende“. Elektronisches Dokument: https://www.islamicrelief.de/spende/sadaqa/ (zuletzt abgerufen: 15.08.2018).

[9] Vgl. ebd.

[10] Islamic Relief (2018): „Sadaqa - Allgemeine Spende“. Elektronisches Dokument: https://www.islamicrelief.de/spende/sadaqa/ (zuletzt abgerufen: 15.08.2018).

[11] Vgl. ebd.

[12] Singer, Amy (2008): Charity in Islamic Societies. Cambridge: Cambridge University Press. Insbes. S. 93ff.

[13] Vgl. ebd. S. 103ff.

[14] Milton-Edwards, Beverley und Stephen Farrell (2010): Hamas. The Islamic Resistance Movement. Cambridge: Polity Press. Insbes. S. 32.

[15] Vgl. ebd. S. 33.

[16] Vgl. ebd. S. 33.

[17] Vgl. ebd. S. 34.

[18] Milton-Edwards, Beverley und Stephen Farrell (2010): Hamas. The Islamic Resistance Movement. Cambridge: Polity Press. Insbes. S. 34.

[19] Vgl. ebd. S. 35.

[20] Vgl. ebd. S. 35.

[21] Vgl. ebd. S. 38.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wie passen wohltätiges und "terroristisches" Wirken in Wohltätigkeitsorganisationen zusammen?
Untertitel
Eine Untersuchung zur Hamas
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Praktiken der Wohltätigkeit in der islamischen Welt und der muslimischen Diaspora
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V446177
ISBN (eBook)
9783668827806
ISBN (Buch)
9783668827813
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wohltätigkeit, Hamas, Diaspora, Islam, Ethnologie, Terrorismus
Arbeit zitieren
Katharina Weilmünster (Autor), 2018, Wie passen wohltätiges und "terroristisches" Wirken in Wohltätigkeitsorganisationen zusammen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446177

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