Produktlebenszyklen und Nachhaltigkeit. Untersuchung von Produktcharakteristika und Interdependenzen


Seminararbeit, 2017
28 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Produktlebenszyklen auf dem Textilmarkt
2.1 Definition Produktlebenszyklus
2.2 Fast Fashion
2.3 Slow Fashion

3 Charakteristika der Faserproduktion und Recyclingmöglichkeiten
3.1 Naturfasern
3.1.1 Pflanzenfasern
3.1.2 Fasern tierischen Ursprungs
3.1.3 Verwendung
3.1.4 Möglichkeiten einer nachhaltigen Produktion von Naturfasern
3.2 Chemiefasern
3.2.1 Fasern aus natürlichen Polymeren
3.2.2 Fasern aus synthetischen Polymeren
3.2.3 Garantierung von Nachhaltigkeit und Recycling von Chemiefasern
3.3 Nichttextile Rohstoffe
3.3.1 Leder
3.3.2 Metalle

4 Bestandteile von Textilien

5 Möglichkeiten einer umweltverträglichen und nachhaltigen Textilproduktion

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: 5 Phasen des Produktlebenszyklus

Abbildung 2: Produkte aus Elasthan

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Klassen von Hilfs- und Ausrüstungsmitteln für Bekleidungstextilien ohne Bezug zur Färbung.

1 Einleitung

Der Titel der Arbeit lautet: „Produktlebenszyklen und Nachhaltigkeit: Untersuchung von Produktcharakteristika und Interdependenzen.“ Dabei geht es um die Fragen, inwieweit Produktlebenszyklen, Produktionsprozess sowie das Recycling von Textilwaren möglichst umweltschonend und nachhaltig bewerkstelligt werden können. Besonders die Recyclingmöglichkeiten der verschiedenen verwendeten Fasersorten sind dabei von Interesse.

Wie in der Arbeit noch gezeigt wird, gibt es für nachhaltiges und ökologisch sinnvolles Produzieren von Textilien vor allem zwei Probleme: die Problematik des „Fast Fashion“, also der relativ kurzen Modezyklen für modische Kleidungsartikel, die oft aus Kostengründen auch noch sehr billig und unter problematischen sozialen wie ökologischen Bedingungen in Billiglohnländern hergestellt werden; und zum zweiten das Problem der oft sehr problematischen Verwendung von Chemiefasern, die nicht selten bei der Produktion hohe Mengen an Abwässern und Chemikalien als „Nebenprodukte“ verursachen und zudem auch für die Konsumenten selbst aus gesundheitlichen Gründen gefährlich sind (z. B. Krebsgefährdung, Hautunverträglichkeit usw.). Jedoch kann der Anbau z. B. von Baumwolle aus ökologischer Sicht ebenso hochproblematisch sein, weil dies mit einem hohen Einsatz von Chemikalien verbunden ist. Ebenso muss die soziale Situation der Anbauer selbst dringend noch verbessert werden.

Wie man sieht, gibt es noch etliche Schwierigkeiten zu bewältigen, bevor man von wirklich sozial verantwortlicher und nachhaltiger wie ökologisch unbedenklicher Textilproduktion reden kann.

Deshalb ist diese Arbeit so aufgeteilt, um all diese Aspekte angemessen zu thematisieren: Kapitel 2 unterscheidet die Produktionslebenszyklen auf dem Textilmarkt, „Fast Fashion“ sowie „Low Fashion“. Kapitel 3 zählt die Charakteristika der Faserproduktion und deren Recyclingmöglichkeiten auf, und zwar bei Naturfasern, Chemiefasern sowie nichttextilen Rohstoffen (Leder und Metall). Kapitel 4 widmet sich den Bestandteilen von Textilien. Kapitel 5 fasst die Möglichkeiten einer nachhaltigen und umweltverträglichen Textilproduktion nochmals zusammen.

2 Produktlebenszyklen auf dem Textilmarkt

2.1 Definition Produktlebenszyklus

Unter einem Produktlebenszyklus versteht man den „Lebenslauf“ eines Produktes im Zeitverlauf, und zwar von der Markteinführung bis hin zum Marktaustritt. Der Produktlebenszyklus wird i. d. R. in fünf Phasen unterschieden.

Je nach der Phase, in der ein Produkt sich befindet, ist dieses Erzeugnis für ein Unternehmen unterschiedlich erfolgreich bzw. wertvoll und kann jeweils durch bestimmte Maßnahmen und Methoden unterstützt werden. Solche Maßnahmen haben die Bewandtnis, dazu beizutragen, dass sich etwa bestimmte Phasen auch verlängern oder verkürzen lassen, je nach dem und wie es gewünscht wird.[1]

Die fünf Phasen des Produktlebenszyklus lassen sich grafisch wie folgt darstellen:[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: 5 Phasen des Produktlebenszyklus.

Im Folgenden seien diese einzelnen Phasen noch erläutert.

1. Einführung

Diese Phase umfasst den Markteintritt von einem neu entwickelten Produkt. Es geht in dieser Phase vor allen Dingen darum, einen möglichst hohen Bekanntheitsgrad für dieses neue Erzeugnis zu erzielen. Erreichen kann man dies meistens durch Werbe-, Marketing- oder PR-(Public Relations-)Maßnahmen.

In dieser Anfangsphase ist die Nachfrage wegen der geringen Bekanntheit der neuen Ware noch relativ gering, oder ist es (noch) nicht möglich, sämtlichen Kundenwünschen aufgrund von Produktions- oder Lieferengpässen gerecht zu werden. Das Ende der Einführungsphase ist geschafft, wenn der sog. Break Even Point erreicht wird, d. h., die Bekanntheitsschwelle wird überschritten und Gewinne generiert.

2. Wachstum

Wenn die Maßnahmen der Einführungsphase erfolgreich gewesen sind, wächst die Nachfrage nach dem Produkt. In der Phase fängt das Unternehmen an, mit dem neu eingeführten Produkt Gewinne zu erwirtschaften. Die Bekanntheit ist dann gleichfalls größer, was wiederum für steigende Verkaufszahlen sorgt.

Öfters werden in dieser Phase auch erste Preisanpassungen vorgenommen. Spätestens dann, wenn das Produkt in den Massenmarkt kommt, wird außerdem die Konkurrenz des Unternehmens auf das jeweilige Produkt aufmerksam. Die Konkurrenten beginnen, gleichwertige Konkurrenzprodukte herzustellen, was die Wettbewerbssituation verstärkt.

3. Reife

In dieser Phase erzielt das Unternehmen seinen höchsten Umsatz mit dem Produkt. Diese Phase ist meistens die längste im Produktlebenszyklus; sie hat zudem die höchsten Gewinne zur Konsequenz. Jedoch allmählich treten immer mehr Mitbewerber auf den Plan.

In einem späteren Phasenverlauf sinken allerdings die Marktanteile und der Gewinn wieder. Die Unternehmen versuchen dann mitunter, mithilfe von Produktvariationen oder verstärkten Marketing- bzw. Werbemaßnahmen dem absinkenden Gewinn oder dem reduzierten Absatz entgegenzuwirken. Gleichfalls werden u. U. Produktionsrationalisierungen oder solche im Vertrieb vorgenommen, womit die Kosten gesenkt werden können.

4. Sättigung

Wenn ein Produkt längere Zeit auf dem Markt sich befindet, dann wird die Wahrscheinlichkeit immer größer, dass der Markt ab einem bestimmten Zeitpunkt seinen Sättigungsgrad erreicht hat. Ab diesem Zeitpunkt findet praktisch kein Marktwachstum mehr statt; dementsprechend sinken die Gewinne. Das Ende erreicht die Sättigungsphase dann, wenn sich mit dem Produkt überhaupt keine Gewinne mehr erzielen lassen.

5. Rückgang

Wenn ein Produkt die Sättigungsphase erreicht bzw. durchlaufen hat, reduzieren sich die Verkäufe in starkem Ausmaß. Wie schon angedeutet, sind Gewinne jetzt kaum noch möglich, weil der Markt einem generellen Schrumpfungsprozess unterliegt. Auch Marketingmaßnahmen haben dann kaum noch Sinn.

Unternehmen verfügen in dieser Endphase i. d. R. über zwei Möglichkeiten:

- Entweder sie nehmen in dieser Phase das Produkt vom Markt (Produktelimination). In diesem Fall kann der Produktlebenszyklus praktisch als abgeschlossen gelten.
- Zum anderen kann das Unternehmen versuchen, einen sog. Relaunch zu starten. Dazu wird das Produkt stark modifiziert, oder es wird ein neu ausgerichtetes Erzeugnis auf den Markt gebracht. Im besten Fall durchläuft dann das neu „designte“ Produkt erneut einen kompletten Produktlebenszyklus.[3]

2.2 Fast Fashion

Die deutsche Textilindustrie beschäftigte 2015 etwas mehr als 130.000 Arbeitnehmer und erzielte dabei einen Umsatz von ca. 31 Mrd. €. Die Textilbranche subsumiert dabei die folgenden Sparten:

- Mode- und Bekleidungstextilien
- Heim- und Haustextilien
- Technische Textilien
- Schuhe sowie Lederwaren.

Technische Textilien werden von ungefähr 600 Firmen produziert und erzielen allein 50 % des Gesamtumsatzes der Branche (Stand: 2015). Die Exportquote der Textilindustrie ist überdurchschnittlich, selbst beim „Exportweltmeister“ Deutschland. Das Wachstum betrug 2015 ca. 3,4 %. Aufgrund der z. T. sehr umfangreichen Auslandsproduktion und ebenso aus statistischen Gründen dürfte jedoch der Umsatz noch höher liegen.

Die Zahlen lassen erkennen, dass die deutsche Textilindustrie die Umstellung von der herkömmlichen Garn- und Stoffproduktion zur High-Tech-Industrie recht erfolgreich bewältigt hat.[4]

Es gibt im Textilbereich zwei Arten von Produktlebenszyklen, die man Fast Fashion und Slow Fashion nennt. Es sei zuerst auf Fast Fashion eingegangen.[5]

Für „Fast Fashion“ existiert keine einheitliche Definition. Einerseits versteht man darunter das rasche Kopieren von Modetrends und Laufstegmodellen, andererseits wird darunter die hohe Anzahl von (Sub-)Kollektionen und Auslieferungsterminen verstanden. Fast Fashion steht damit im Kontrast zur zeitgenössischen Slow Fashion-Bewegung, die die nachhaltige und entschleunigte Mode darstellen soll sowie eine „faire“ Produktion unterstützt. In der Fachsprache der Textilhersteller versteht man unter „Fast Fashion“ das Fast-Follower- oder Copy-Cat-Verhalten von Unternehmen wie bspw. H & M, Zara, ASOS.com oder Forever21, welche im Verlauf von nur wenigen Wochen auf der Basis des Quick-Response-Ansatzes die allerneuesten Modelle bekannter Designer und Stars aus der Modebranche zu signifikant günstigeren Preisen feilbieten. In der Zwischenzeit werden sechs bis acht Mal pro Jahr die Kollektionen ausgetauscht bzw. gewechselt. Dazu muss man hinzufügen, dass Bestseller aus den eigenen Sortimenten in relativer kurzer Zeit nachproduziert werden, die Ladenpräsentation gewechselt wird oder mitunter auch nur bekannte Schnitte in neuen Farben herausgebracht werden.

Laut einer Greenpeace-Studie stellt Zara die führende Fast Fashion-Marke dar. Sie ist in der Lage, innerhalb eines Zeitraums von nur sieben bis 30 Tagen eine Bekleidungslinie zusammenstellen und gut verkäufliche Bestseller innerhalb von lediglich fünf Tagen nachzuliefern. Die Vorlaufzeiten für die Produktion belaufen sich so nur noch auf wenige Wochen. Aus diesem Grund sind die Unternehmen gezwungen, die Stoffe schon im Vorhinein zu disponieren sowie in ausgewählten Produktgruppen entweder näher am Absatzmarkt herzustellen oder aber teurere Transportwege einzukalkulieren. Dies hat zur Konsequenz, dass, durch den Produktionsdruck bedingt, die Lieferanten immer kürzere bzw. kurzfristigere Liefertermine einhalten müssen und damit Lohnkürzungen und wenig ethische Praktiken einzuführen gezwungen sind.

Zwischenzeitlich schließen sich ebenso Luxusmarken wie Chanel, Louis Vuitton oder Squire diesem Trend zum Fast Fashion an, um mit zusätzlichen Kollektionen als aktuell und relevant wahrgenommen zu werden. Damit die Konsumenten die Marken auch tatsächlich registrieren, setzen Modeunternehmen im unteren bis mittleren Preissegmentbereich sehr oft angesagte Models, sehr bekannte Fotografen und Kooperationen mit berühmten Designern ein.[6]

Die Nachteile von Fast Fashion liegen freilich auf der Hand:

„Zum einen haben heutzutage deutsche Verbraucher, laut Greenpeace, vier Mal so viel Kleidung im Kleiderschrank wie noch im Jahre 1980. Darunter befinden sich jedoch im Schnitt 20 Teile, die nie getragen werden. Auch die Kombination aus schlechter Qualität und niedrigen Preisen führt zu einer kürzeren Nutzungsdauer der Kleider und fördert die Wegwerfmentalität … Zum anderen, was vielen Verbrauchern nicht bewusst ist: Die Massenproduktion – in Deutschland werden pro Jahr über 800.000 Tonnen Textilien importiert – erfordert einen hohen Chemikalieneinsatz in den meist asiatischen Herstellungsländern.“ [7]

2.3 Slow Fashion

Darunter wird die nachhaltige, entschleunigte und bewusste Mode verstanden, die sich zur schnelllebigen Fast Fashion-Mode in bewussten Gegensatz setzt. Für diesen Zweck wird bspw. Kleidung eingesetzt, die entweder aus Biostoffen oder recycelten Materialien besteht. Oft sind es Produkte von kleineren Labels, die auf lokaler Ebene produzieren. Es sind aber auch oft Stücke, die eine längere Lebensdauer haben und so schnell nicht aus der Mode kommen. Das Prinzip heißt: seltener, aber bewusster Shoppen gehen. Dies ist das Gegenteil zur Wegwerfmentalität der Fast Fashion-Produktion. Dies wird auch „Sustainable Fashion“, nachhaltige Mode, genannt. Diese Bewegung wird geradezu als revolutionär angesehen. Es ermutigt die Konsumenten, sich wirklich um die Qualität der Ware zu kümmern, was wiederum mit Qualitäts- und Umweltbewusstsein einhergeht. Außerdem werden so faire Löhne garantiert.

Damit verbunden sind oft Öko-Zertifizierungen, z. B. „Fairtrade“ oder „Global Organic Textile Standard (GOTS)“.

Der deutsche Modeschöpfer und Designer Michael Michalsky hält Slow Fashion als Nachhaltigkeitstrend für einen Makrotrend, der sich auf längere Sicht in der Gesellschaft durchsetzen wird. Ein Nachteil dieser Öko- und Fairtrade-Mode ist allerdings ihr relativ hoher Preis, der viele Verbraucher noch abschreckt.[8]

3 Charakteristika der Faserproduktion und Recyclingmöglichkeiten

3.1 Naturfasern

3.1.1 Pflanzenfasern

Pflanzenfasern stellen relativ robuste Naturfasern dar, welche eine Vielzahl von spezifischen Eigenschaften aufweisen. Der gewichtigste Vorteil von Pflanzenfasern ist, dass sie biologisch abgebaut werden können und damit verhältnismäßig umweltfreundlich handhabbar sind. Unter die Pflanzenfasern zählt man u. a. die Sorten Arenga und Naturfibre.

Arenga z. B. ist eine Faser, die eine hohe Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Öl aufweist. Verwendung findet Arenga vor allem im Einsatz als Hof-, Reinigungs-und Rohreinigungsbesen.

Naturfibre ist Naturfaser mit gelber Farbe, welche eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Laugen, Säuren und Hitze aufweist. Auch sog. Bassine zählen zu den Naturfasern.[9]

So verschiedenartig die Ursprünge unterschiedlicher Pflanzenfasern auch sind, sie sind ohne weitere chemische Umwandlungsreaktionen direkt verwendbar. Sie differieren damit von synthetisch produzierten Chemiefasern.

Die Eigenschaften der Pflanzenfasern sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Zu den Samenfasern gehören u. a. Baumwolle, Kapok, Pappelflaum sowie Akon. Diese eignen sich besonders für die Herstellung von Kleidung. Bastfasern werden aus Bambus, Brennnessel, Jute, Hanf, Kenaf, Leinen, Hopfen oder Ramie extrahiert. Blattfasern werden aus Abacá, Ananas, Caroá, Curauá, Henequen, Macambira und Sisal gewonnen. Fruchtfasern stammen von der Kokospalme her.[10]

3.1.2 Fasern tierischen Ursprungs

Fasern tierischen Ursprungs bestehen vorwiegend aus Wolle und Seide, jedoch darüber hinaus auch aus Fasern, die aus Sekreten gewonnen werden. Für die Nutzung für Textilien eigenen sich insbesondere Schurwolle, Alpaka, Lama, Angora, Kamelhaar, Kaschmir, Merinowolle sowie Mohair.[11]

Diese alle gehören zu den Wollsorten und feinen Tierhaaren. Tierhaare der gröberen Sorte sind etwa Rinder und Rosshaar; ebenfalls zählen die Ziegenhaare dazu. Dazu muss man auch verschiedene Sorten der Seide rechnen, welches ein exquisiter Stoff ist, den sich früher nur Wohlhabende Personen leisten konnten. Seide hat sehr gute Eigenschaften um für luxuriöse Kleidung verwendet zu werden.[12]

3.1.3 Verwendung

Es gibt zahlreiche Textilien, die aus natürlichen Fasern hergestellt werden. Alle Arten von Kleidung, von den Socken über T-Shirts und Pullovern, sowie Hosen und Jacken. Außerdem werden sie als Ausgangsmaterialien für Taue, Seile, Tücher und Netze für die Schifffahrt benutzt. Zudem werden darüber hinaus technische Vliese und Gewebe für Naturdämmstoffe sowie Spezialpapiere produziert. Ferner existieren Kunststoffe, welche mittels Naturfasern verstärkt werden. Diese verstärkten Kunststoffe werden vor allen Dingen sowohl in der Möbel- als auch in der Automobilindustrie eingesetzt, und ebenso für spezifische Spezialanwendungen, zu denen u. a. Haushaltsgeräte, Kosmetikprodukte oder Schleifscheiben zählen.

„Fasern natürlichen Ursprungs werden hauptsächlich für die Fertigung von Textilien genutzt. In Deutschland gibt es nur eine kleine heimische Produktion von Naturfasern und auch die Textilien-Produktion findet vornehmlich andernorts statt. Den größten Anteil der importierten Fasern sowohl als Faser als auch als fertig produziertes Textilprodukt stellt die Baumwolle, gefolgt von Jute.“ [13]

Einen verhältnismäßig großen Markt stellen ferner nicht gewebte Textilien dar. Diese Fasern werden in erster Linie in der Automobilindustrie verwendet und werden für diesen Zweck importiert. Sie werden vor allen Dingen für Türinnenverkleidungen, Dachhimmel, Sitzpolster und andere Autoutensilien gebraucht. Die Baumwolle ist auch hier vorherrschend, noch vor Flachs, exotischen Fasern sowie Hanf. Ebenso benötigen Naturdämmstoffe und Spezialpapiere zwecks Erstellung Fasern natürlichen Ursprungs als Rohmaterial. Zu den Spezialpapieren zählen bspw. Kaffeepads, Kaffeefilter, Teebeutel, Zigarettenpapier sowie auch technische Filter.[14]

3.1.4 Möglichkeiten einer nachhaltigen Produktion von Naturfasern

- Hier kann z. B. der kontrolliert biologische Baumwollanbau (kbA) abhelfen. Dieser wird durch FAIRTRADE- sowie GOTS-Zertifizierungen garantiert. Diese Siegel gewährleisten angemessene Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Produzenten. Das GOTS-Siegel garantiert obendrein hohe Umwelt- und Sozialstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- Im Falle von Wolle ist die kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT) ein Ausweg. Dieses Zertifikat ist für eine Tierhaltung bestimmt, die artgerecht und im Einklang mit der Natur erfolgt.
- Bei Flachs bzw. Leinen kommt der kontrolliert biologische Flachsanbau (kbA) zum Zuge. Hier wird grundsätzlich auf Pestizide und chemische Düngemittel verzichtet.
- Hanf wird vereinzelt schon gemäß der Bio-Richtlinien kontrolliert und zertifiziert (kbA) angebaut und verwendet. Die Fasern des Hanfs weisen dabei eine hohe Reißfestigkeit auf.[15]

3.2 Chemiefasern

3.2.1 Fasern aus natürlichen Polymeren

Zu natürlichen Polymeren gehören die Vielfachzucker, die Proteine, Lignin, Naturkautschuk sowie Asphalt. Die Rohstoffe, die von Tieren oder Pflanzen herstammen, differieren je nach chemischer Beschaffenheit bzw. Aufbau. Pflanzliche Rohstoffe sind die Grundlage von Polymere aus Vielfachzuckern, den sog. Polysacchariden. Dabei werden die Zuckermoleküle zu langen, kettenförmigen Verbindungen verknüpft, Dazu gehören die Stärke sowie die Cellulose. Tierische Rohstoffe stellen die Herkunft bestimmter Eiweiße dar. Hier schließen sich Aminosäuren zu in Spiralform aufgerollten Ketten zusammen. Wolle und Seide sind grundlegend im chemischen Aufbau von Baumwolle und Leinen verschieden.[16]

Chemiefasern aus natürlichen Polymeren werden eingeordnet in drei große Gruppen:

- Zellulosische Chemiefasern: Diese werden aus natürlicher Zellulose hergestellt, welche aus den Hölzern von Eukalyptus, Pinie, Buchenholz oder Bambus gewonnen wird.
- Alginatfaser: Diese Fasern werden aus unterschiedlichen Algenarten gewonnen. Für die Textilherstellung sind sie allerdings ohne Bedeutung, weil diese Fasern relativ unbeständig sind und sich sogar bereits in Seifenlauge auflösen. Solche Fasern finden am ehesten noch in der Medizin Verwendung.
- Gummifasern: Sie werden aus Kautschuk hergestellt, der den Pflanzen- oder Milchsaft aus tropischen Bäumen aus der Gattung der Wolfsmilchgewächse darstellt. Heute wird Gummi allerdings in erster Linie künstlich produziert.[17]

Chemiefasern haben gegenüber Naturfasern die Eigenschaft, eine höhere Reiß- und Scheuerfestigkeit aufzuweisen. Sie sind zudem in den meisten Fällen knitterarm, wasser-, licht- und wetterfest. Durch Hinzugabe von fein verteiltem Titandioxid für die Spinnlösung oder auch Spinnschmelze ergeben sich hell- oder tiefmatte sowie mittels Zusatz von Pigmentfarbstoffen spinngefärbte Produkte. Aus Düsenöffnungen ersponnene Profilfasern auf der Grundlage von Polyamid und Polyester haben erhöhte Haftfähigkeit zum Resultat; außerdem weisen sie einen Glanz- und Glitzereffekt auf. Mithilfe von chemischen und physikalischen Veränderungen werden Spezialtypen generiert, bspw. auf Viskosebasis das Cordreyon für textile Einlagen von Autoreifen sowie die polynosischen Fasern inklusive hohem Nassmodul für mehr technische Zwecke und Aufgaben. Durch die Modifikation der molekularen Struktur oder vermittels des zusätzlichen Einbaues von Additiven werden Polyamidfasern mit konstanten antistatischen Eigenschaften sowie aus unterschiedlichen Polymeren Bikomponentenfasern mit stabiler Kräuselung gewonnen. Das Texturieren der synthetischen Filamentgarne erhielt im Laufe der Zeit eine größere Bedeutung, und zwar für die Produktion größerer und elastischer Kräuselgarne sowie für die Herstellung von wollähnlichen Hochbauschgarnen. Die so erzeugten Textilien aus dem Bereich der Unter- und Oberbekleidung weisen eine sehr gute Formbeständigkeit, erhöhte Wärmehaltung sowie optimierten Feuchtigkeitstransport auf. Auf technischem Gebiet werden die diversen Arten der Chemiefasern für die folgenden Produkte verwandt:

- Autoreifen, Treibriemen, Transportbänder, Seile, Gurte, Schläuche, Planen, Schutzanzüge, Elektrische Isolierungen, Kunststoffarmierungen usw.

Noch ein Wort zur Wirtschaftlichkeit von Chemiefasern aus natürlichen Polymeren: Die Produktion der ganzen Welt betreffs Chemiefasern betrug z. B. 1999 29,5 Millionen Tonnen; die Produktion in Deutschland im gleichen Jahr etwa eine Million Tonnen. Der Anteil der USA, Japan und Westeuropa an der Weltproduktion von Chemiefasern ist in den letzten Jahren gesunken; inzwischen werden ca. 2/3 der Weltproduktion in Staaten in Fernost hergestellt.[18]

[...]


[1] Vgl. Betriebswirtschaft-lernen.net, Produktlebenszyklus, 2017, URL: http://www.betriebswirtschaft-lernen.net/erklaerung/produktlebenszyklus/ (Download: 24. 5. 2017).

[2] Vgl. ebd., Abb. URL: http://www.betriebswirtschaft-lernen.net/wp-content/themes/supportdesk/images/produktlebenszyklus-marketing.gif (Download: 24. 5. 2017).

[3] Vgl. ebd., Abb. URL: http://www.betriebswirtschaft-lernen.net/wp-content/themes/supportdesk/images/produktlebenszyklus-marketing.gif (Download: 24. 5. 2017).
Vgl. auch: D. Specht, Lebenszyklus, Wiesbaden o. J., URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/lebenszyklus.html (Download: 24. 5. 2017).
A. Mittermeier (GeVestor), Produktlebenszyklus Definition: Der Lebensweg eines Produktes, 6. 5. 2013, URL: http://www.gevestor.de/details/produktlebenszyklus-definition-der-lebensweg-eines-produktes-647018.html (Download: 24. 5. 2017).

[4] Vgl. TechTex, Deutsche Textilien sind mehr als Kleidung von der Stange, 2016, S. 5, URL: http://www.stfi.de/fileadmin/futureTEX/TechTex_Studie_ro.pdf (Download: 24. 5. 2017).

[5] Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit, Fast Fashion Definition, letzte Aktualisierung: 18. 6. 2015, URL: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/fast_fashion_definition_2012.htm (Download: 24. 5. 2017).

[6] Lexikon der Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit in der Modebranche, 6. 12. 2016, URL: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltigkeit_in_der_modebranche_1764.htm (Download: 24. 5. 2017).

[7] Lexikon der Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit in der Modebranche, 6. 12. 2016, URL: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltigkeit_in_der_modebranche_1764.htm (Download: 24. 5. 2017).

[8] Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit in der Modebranche, 6. 12. 2016, URL: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltigkeit_in_der_modebranche_1764.htm (Download: 24. 5. 2017)..
Vgl. auch: B. May, Slow Fashion - Konzept für eine neue Modekultur, o. J., URL: https://www.getchanged.net/de/magazin/hintergrund/fair-fashion-facts-was-heisst-eigentlich-slow-fashion-4038.html?page=2.2 (Download: 24. 5. 2017).
M. Dickson/C. Cataldi/C. Grover, The Slow Fashion Movement. Essay, 24. 10. 2016, URL: https://www.notjustalabel.com/editorial/slow-fashion-movement (Download: 24. 5. 2017).

[9] Vgl. Gebrüder Erfurth OHG, Pflanzenfasern – Naturfibre und andere Pflanzenfasern, Wendeburg 2017, URL: http://www.erfurth-ersehof.de/pflanzenfasern.php (Download: 28. 5. 2017),

[10] Vgl. Textilie.com, Naturfasern, 2017, URL: http://www.textilie.com/textilrohstoffe/naturfasern/ (Download: 28. 5. 2017).

[11] Vgl. Textilie.com, Naturfasern, 2017, URL: http://www.textilie.com/textilrohstoffe/naturfasern/ (Download: 28. 5. 2017).

[12] Vgl. Textilie.com, Naturfasern, 2017, URL: http://www.textilie.com/textilrohstoffe/tierische-rohstoffe/seide/ (Download: 28. 5. 2017).

[13] Vgl. Textilie.com, Naturfasern, 2017, URL: http://www.textilie.com/textilrohstoffe/naturfasern/ (Download: 28. 5. 2017).

[14] Vgl. Textilie.com, Naturfasern, 2017, URL: http://www.textilie.com/textilrohstoffe/naturfasern/ (Download: 28. 5. 2017),

Universität Hamburg, Naturfasern (natural fibres), Hamburg o. J., URL: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/hlex/konzepte/l5/l521.htm (Download: 28. 5. 2017).
Vgl. auch: Bigtex.de, Textilkunde: Behalten Sie den Überblick über die wichtigsten Textilarten!, 14. 5. 2017, URL: https://www.bigtex.de/magazin/textilkunde-alles-rund-um-fasern-und-stoffe/a-5086/ (Download: 28. 5. 2017).

[15] Vgl. Siebenblau, Nachhaltige Textilfasern, Berlin o. J., URL: http://www.siebenblau.de/Wissenswertes-rund-um-kbA-und-fairtrade-Baumwolle/Die-Besonderheiten-von-Naturfasern (Download: 11. 6. 2017).

[16] Vgl. T. Seilnacht, Natürliche Polymere, o. J:, URL: http://www.seilnacht.com/Lexikon/k_natur.html (Download: 4. 6. 2017).

[17] Vgl. M. L. Weisenfeld, Chemiefasern aus natürlichen Polymeren, 18. 2. 2014, URL: https://kissendirekt.de/blog/chemiefasern-aus-natuerlichen-polymeren (Download: 4. 6. 2017).

[18] Vgl. M. L. Weisenfeld, Chemiefasern aus natürlichen Polymeren, 18. 2. 2014, URL: https://kissendirekt.de/blog/chemiefasern-aus-natuerlichen-polymeren (Download: 4. 6. 2017).
Vgl. auch: Textilie.com, Chemiefasern, 2017, URL: http://www.textilie.com/textilrohstoffe/kunst-und-chemiefasern/ (Download: 4. 6. 2017). Vgl. auch: Industrievereinigung Chemiefasern e. V., Grundlagen der Chemiefasern, Frankfurt/M. o. J a., URL: https://www.ivc-ev.de/live/index.php?page_id=50 (Download: 4. 6. 2017).
Industrievereinigung Chemiefasern e. V., Chemiefasern – Ein Beitrag zur ökologischen Zukunft, Frankfurt/M. o. J. b, URL: https://www.ivc-ev.de/live/index.php?page_id=189 (Download: 4. 6. 2017).

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Produktlebenszyklen und Nachhaltigkeit. Untersuchung von Produktcharakteristika und Interdependenzen
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V446804
ISBN (eBook)
9783668826847
ISBN (Buch)
9783668826854
Sprache
Deutsch
Schlagworte
produktlebenszyklen, nachhaltigkeit, untersuchung, produktcharakteristika, interdependenzen
Arbeit zitieren
Alexej Dzjubin (Autor), 2017, Produktlebenszyklen und Nachhaltigkeit. Untersuchung von Produktcharakteristika und Interdependenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446804

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