Titel und ihre Übersetzung im Verhältnis zum Inhalt der jeweiligen Texte


Bachelorarbeit, 2014
36 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

ZUM BEGRIFF „TITEL“
Titel und Verhältnis zum Inhalt
Besonderheiten eines Titels
Titel als metakommunikative Einheiten und als Name

FUNKTIONEN VON TITELN
Appellfunktion
Ausdrucksfunktion von Titeln
Darstellungsfunktion
Distinktive Funktion von Titeln
Phatische Funktion
Ökonomische Funktion

ALLGEMEINE ÜBERSETZUNG VON TITELN
Äquivalenzbegriff
Äquivalenztypen

FUNKTIONEN VON TITELN
Appellfunktion
Ausdrucksfunktion von Titeln
Darstellungsfunktion
Distinktive Funktion von Titeln
Phatische Funktion
Ökonomische Funktion

ALLGEMEINE ÜBERSETZUNG VON TITELN
Äquivalenzbegriff
Äquivalenztypen

GÄNGIGSTE STRATEGIEN BEIM ÜBERSETZEN VON TITELN
Das Weglassen eines Elements
Das Hinzufügen eines Elements
Entlehnung
Lehnübersetzung
Transposition
Titelinnovation

ÜBERSETZUNGSPROBLEME
Kulturpaarspezifische Übersetzungsprobleme
Pragmatische Übersetzungsprobleme
Sprachenpaarspezifische Übersetzungsprobleme

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

INTERNETQUELLEN

1 Einleitung

Ein Titel macht noch kein Buch. Dennoch sind Titel oft das Einzige, woran man sich erinnert, wenn man zum Beispiel an eine klassische Literatur denkt, weil sie nicht von ihren Ко-Texten zu trennen sind. Faust von Goethe, l'Avare von Molière, Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt, Die Räuber von Friedrich Schiller oder Harry Potter von J.K. Rowling etc. All dies sind Titel, die symbolisch für bestimmte Autoren Stehen und die auch nach Jahrzehnten noch im Gedächtnis der Leser fest verankert sind. Gute Titel tragen dazu bei, dass man sich für längere Zeit an eine alte Literatur oder an alte Texte erinnert. Viele Menschen kennen Buch-oder Texttitel, ohne deren Ко-Texte gelesen zu haben und erahnen dennoch die Wichtigkeit ihrer Inhalte. Trotz allem erfährt jeder Leser früher oder später wie irreführend Titel sein können, weil sie oft die Erwartungen der Leser nicht erfüllen. Man wird positiv oder negativ von einem Text oder Buch überrascht, entweder weil der Titel auf den ersten Blick zu viel verspricht und man vom Inhalt im Nach­hinein enttäuscht wird oder der Titel spricht zunächst nicht an, beim Lesen begeis­tert das Werk aber zunehmend.

Titel und Überschriften Stehen also in einem engen Verhältnis zu ihren jeweiligen Inhalten. Sie sind vergleichbar mit einem Schlüssel, der die Tür zum Inhalt eines Werks öffnet. Wer einmal versucht hat einen Titel zu übersetzen, der weiß, dass dies nicht immer einfach ist, denn man wird mit verschiedenen übersetzungsprob­lernen konfrontiert, die nicht leicht zu lösen sind. Beispielsweise gilt es beim über­setzen von Titeln und Überschriften vor allem textinterne Faktoren zu berücksichti­gen, wie das Verhältnis zwischen Titel und dazugehörigem Ко-Text, die spezifi- sehen Merkmale der Ausgangs- und Zielkultur, oder sprachenpaarspezifische As­pekte.

All diese Themen werden in dem Buch: Einführung in das funktionale übersetzen von Christiane Nord (1993), eines der Werke auf die ich mich bei meiner Arbeit stützen werde, behandelt. Nord (1993) spricht in ihrer Arbeit neben dem funktiona­len Übersetzungskonzept auch typische Merkmale von Titeln und Überschriften an und stellt Übersetzungsprobleme dar. Weitere Werke, auf die ich mich stütze, sind zum Beispiel Der literarische Titel von Arnold Rothe (1986), Titel - Text - Kontext - Randbezirke des Textes: Festschrift für Arnold Rothe zum 65. Geburtstag von Jochen Mecke (2000), Translation von Medien-Titeln von Regine Bouchehri (2012) und andere. Diese Werke haben mir geholfen meine Fragestellung zu bearbeiten.

Kernproblem sind Herausforderungen bei der, Übersetzung von typischen Titeln unter Berücksichtigung ihres engen Bezugs zum Textinhalt. Im Folgenden werden verschiedene Übersetzungsprobleme, mit denen ein Übersetzer beim übersetzen von Titeln konfrontiert ist dargestellt, analysiert und schließlich einige für die Translation typische übersetzungsstrategische typische Entscheidungen präsentiert.

Zunächst gilt es zu klären: Was ist ein Titel'1 Welche Funktionen hat ein Titel? In welchem Verhältnis steht er zu seinem Ко-Text (Inhalt)? Wie soll diese kommuni­kative Einheit übersetzt werden? Wörtlich oder lieber frei? Was sind die wichtigs­ten Übersetzungsprobleme und welche Übersetzungsstrategien Stehen dem über­setzenden zur Verfügung?

Übersetzte Titel werden meistens kritisiert und nicht geschätzt, weil sie angeblich ihrem Original nicht entsprechen. Ziel meiner Arbeit ist es, anhand einer ausführli­chen Analyse von Eigenschaften, Besonderheiten und Funktionen eines Titels so­wie Problemen beim übersetzen von Titeln und Überschriften zu zeigen, wie kom­plex die Titeltranslation doch ist.

Meine Korpusanalyse, die ich nicht in einem separaten Teil untersuche, sondern in der gesamten Arbeit mitgeführt habe, besteht aus Original- sowie übersetzten Titeln von verschiedenen Autoren. Die Arbeit ist folgendermaßen strukturiert: Als erstes werden relevante Eigenschaften und Funktionen des Titels dargestellt, danach wer­de ich das Verhältnis von Titel und Inhalt näher beschreiben um, anschließend auf den Begriff der ״Äquivalenz“ einzugehen. Im zweiten und letzten Teil der Arbeit werde ich mich den Problemen und Vorgehensweisen bei der Übersetzung von Ti- tein widmen.

2. Zum Begriff ״Titel“

Wie seine Äquivalente in anderen Sprachen geht das deutsche Wort "Titel" ebenso wie Französisch "titre" , Spanisch "título", Englisch "title" oder portugiesisch " título" auf lateinisch "titulus" zurück. In der Antike bezeichnete ״titulus“ eine Auf­schrift eines Pergamentstreifens, ähnlich einem Lesezeichen, am oberen Rand einer Buchrolle. Diese Aufschrift, die im Griechischen σιλλυβος, (Syllabus) und im La­teinischen zunächst Index und später Titulus genannt wurde, diente dazu den Inhalt eines Manuskripts zu identifizieren. Auf ihm waren Verfasser und Inhalt des Textes vermerkt. Im Mittelalter wurden diese ursprünglichen Titelangaben am Schluss eines Textes vermerkt und erst später rückten sie an den Textanfang. ״Titulus“ be- zeichnete ebenfalls im spätantiken Latein die grobe Zusammenfassung eines Textes oder eines Kapitels.

Im heutigen Gebrauch des Wortes, ist ein Titel ein kennzeichnender "Name eines Buches, einer Schrift oder eines Werkes der Musik oder bildenden Kunst - auch das Titelblatt (eines Buches) oder eine Überschrift -innerhalb eines Textes- werden als Titel bezeichnet1 Der Titel ist meistens kurz und dient der Bezeichnung eines länge­ren Textes (Ко-Text). Die Rolle des Bezeichners hat er mit jedem Namen gemein­sam. Deswegen kann man ihn auch als ״Namen des Textes“ ansehen2. Optisch kann man Titel und Überschriften daran erkennen, dass sie auf Bucheinbänden, Titelblät­tern oder über einem Ко-Text Stehen. Sie sind heute viel näher am Text, zeigen jedoch einige formale Veränderungen. Sie sind länger und deskriptiver und mit einer manchmal komplexen Syntax ausgestattet. Der Titel besteht oft nicht mehr nur aus einem Wort oder Element, er variiert je nach Autor, Gattung oder Verlag. Einige Fachleute haben sich darüber geäußert, wie ein Titel zu sein hat. Nach Harsdörffer (1648:6) soll er ״in wenigen Worten bestehen“, für Barda (1804:134), der sich ebenfalls mit dem Verhältnis von Titel und Inhalt befasst hat, muss er für ״ VerständlichkeitKlarheit und Deutlichkeit" sorgen3. Hellwig (1984:2) äußert sich zu den Funktionen von Titeln wie folgt:

1) Der Titel informiert über den pragmatischen Stellenwert des Ko-Textes.
2) Der Titel informiert über den Inhalt des Ko-Textes.
2) Der Titel kann eine Interpretationshilfe zum Ко-Text darstellen.
4) Der Titel grenzt den Ко-Text äußerlich von anderen ab.
5) Abschnitts- und Kapiteltitel markieren Gliederungseinheiten eines längeren Textes.
6) Durch Setzen als Überschrift wird der Titel dem Ко-Text zngeordnet.

2.1 Titel und Verhältnis zum Inhalt

Um das Verhältnis zwischen Titel und Inhalt zu erklären, möchte ich zunächst auf eine Analyse von Nord (1993) eingehen. Darin stützt sie sich auf die Textualitäts- merkmale von Beaugrande und Dressier (1981) um zu zeigen, dass Titeln Textsta­tus zugesprochen werden kann. Das Resultat ihrer Analyse war, dass Titel Kohäsi­on, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und In- tertextualität aufweisen.4 Sie fährt fort, indem sie die Isolierbarkeit und Selbstän­digkeit von Titeln anspricht. Der Titel ist nach Nord potentiell isolierbar und nicht durch Anaphora bzw. Kataphora mit dem Ко-Text verbunden.

Man kann das Verhältnis zwischen Titel und ihren Ко-Texten grob etwa so erklä­ren: Ein Titel ist eine Beschreibung des Ko-Textes, er fungiert als ein Element, das Auskunft über den zugehörigen Ко-Text gibt. Er handelt von ihm und nimmt Be­zug auf ihn. Diese Eigenschaften werden Titel und Überschrift zugesprochen. Aber was ist mit Textzusammenfassungen, Rezensionen, oder Textkommentaren, den sogenannten komplementären Texten? Diese informieren ebenfalls über den Ko­Text, geben Auskunft über ihn und machen sein Thema deutlich, bewegen sich also auch auf metatextlicher Ebene mit ihrem Ко-Text. Der einzige Unterschied ist, dass der Titel seine Funktion, Titel zu sein, nicht ohne einen Ко-text erfüllen kann wäh­rend der Textkommentar unabhängig vom kommentierten Text seine Kommentar­funktion erfüllen kann.

2.2 Besonderheiten eines Titels

Im Allgemeinen kann man Titel nach den Eigenschaften, die bei der ersten Betrach­tung ins Auge fallen, kategorisieren. Es gibt kurze Titel, die aus einem einzigen Wort bestehen wie zum Beispiel Germinal von Emile Zola, Faust von Goethe; es gibt lange Titel bestehend aus mehreren Wörtern wie zum Beispiel A la recherche du temps perdu (Marcel Proust ) oder Wie Jappe und Do Escobar sich prügelten (Thomas Mann). Manchmal enthält ein Titel Zahlen wie zum Beispiel " Le 14 Juil- leť (Romain Rolland). Andere Titel enthalten Eigennamen wie Mahatma Gandhi (Romain Rolland). Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen implizitem und explizitem Titel. Sie werden im Folgenden näher betrachtet.

2.2.1 Explizite Titel

Diese Titel Stehen im engen Verhältnis mit dem Inhalt ihrer Ко-Texte. Sie sind aus­sagekräftig hinsichtlich der wichtigsten Ereignisse des Textes und dürfen deshalb beim Übersetzen nur minimal verändert werden. Als Beispiel eines expliziten Titels möchte ich das Buch Löcher5 nennen. In dem Buch wird oft auf den Titel Bezug genommen. Auf Seite 20 zum ersten Mal :

Du hast jeden Tag ein Loch zu graben, auch samstags und sonntags. Jedes Loch muss fünf Fuß tiefsein und auch ein Durchmesser von fünf Fuß haben...

Seite 37: ...Der See war so übersät mit Löchern und Erdhaufen, dass Stanley an Aufnahmen vom Mond denken musste...

Seite 78: Das dritte Loch war das schwerste. Aber genauso war es mit dem vierten Loch.6

2.2.2 Implizite Titel

Bei dieser Art von Titeln, wird auf das Verhältnis Titel - Ко-Text nicht explizit hingewiesen. Implizite Titel enthalten oft Metaphern, Anspielungen, Vergleiche etc. und erscheinen dem Leser deshalb mehrdeutig. Als Beispiel kann man das Buch Feuerherz von Senait G. Mehari nehmen.

Feuerherz ist eine Autobiographie. Das Buch erzählt die erschütternde Geschichte von Senait, einer Äthiopierin, deren Vater fliehen und die Familie alleine zurück lassen musste. Weil die alleinerziehende Mutter überfordert ist, setzt sie ihr Baby Senait in einem Koffer aus, der glücklicherweise von einer aufmerksamen und gü­tigen Nachbarin gefunden wird. Senaits Mutter bekommt daraufhin eine sechsjähri­ge Freiheitsstrafe und Senait selbst wächst währenddessen in einem Waisenhaus auf. Einige Jahre später kehrt die damals fünfjährige Senait zu ihrer Familie zurück. Allerdings lässt der nächste Schicksalsschlag nicht lange auf sich warten. Sie wird von ihrer Familie im Lager einer Guerillaorganisation zurück gelassen, wo sie ge­meinsam mit anderen Kindern zur Soldatin gedrillt wird. Es folgen harte Jahre, bis ein Onkel Senait und ihren Schwestern Anfang der 80er Jahre zur Flucht in den Sudan verhilft. Im Jahr 1987 gelingt es Senait, ihrem Vater zu folgen, der mittler­weile in Deutschland lebt.

Die Metapher ״Feuerherz“ ist eine Anspielung auf die schwierigen Erlebnisse, de­nen Senait konfrontiert war, und gleichzeitig steht sie für ihren Mut, diese Schwie­rigkeiten durchgestanden zu haben. Der Titel ist insofern implizit, weil er zwar auf den Inhalt hinweist aber dieser nicht explizit genannt wird, im Gegensatz zu dem expliziten Titel ״Die Löcher“, wo in vielen Passagen des Buches auch der Titel erwähnt wird.

Laut Newmark (1998: 57) werden Titel in die folgenden drei Kategorien klassifi­ziert: deskriptive, anspielende und

2.2.3 Deskriptive Titel

Sie drücken knapp die Handlung des Werkes und die Gedanken des Autors aus. Sie informieren auch sachlich über die Inhalte des Ko-Textes.

2.2.4 ״Anspielende“ Titel

Sie haben einen metaphorischen Zusammenhang mit der Handlung des Ko-Textes. Sie werden dem deskriptiven Titel untergeordnet, zumal wenn es bei diesen um kulturell bedingte Konnotationen handelt. Newmark(1998: 156-157) schlägt vor, diese Titel auf zwei Arten zu übersetzen: Entweder Wort für Wort oder mit einer metaphorischen Übersetzung.

Als Beispiel kann man Le mythe de Sisphe (The Myth of Sisyphus, El mito de Sisifo, Il mito di Sisifo) von Albert Camus nennen, wo auf eine Figur der griechischen My­thologie, Sisyphos, hingewiesen wird.

2.2.5 Informative Titel

Newmark ordnet diesen den Zeitungsartikeln zu. Beispielsweise lautet der Titel eines Zeitungsartikels aus dem FAZ wie folgt: Asiens Schidden laufen aus dem Ruder- Die Schuldenquote in China ist gefährlich hoch. Aber noch übler sieht es in Südkorea, Singapur oder Hongkong aus. In Japan sowieso )Christian Geinitz).

Der Informationsgehalt des Titels dieses Zeitungsartikels ist dermaßen reich, dass er als kurze Zusammenfassung des Geschehens im Artikel gelten könnte. Ähnlich ist es mit folgendem Titel aus Le Monde: L'offensive de la Russie à l'extérieur con­traste avec la santé de son économie (Sylvie Kauffmann); oder Die Akteure auf den Finanzmärkten in Moskau sind stark verunsichert. Unternehmensanleihen werden nicht mehr emittiert. Und die Regierung will keinen Präzedenzfall schaffen (Ben­jamin Triebe).

Diese verschiedenen Formen des Titels mögen Unterschiede in Bezug auf ihre Formen und Inhalten aufweisen, eins haben sie dennoch gemeinsam: sie füngieren als metakommunikative Einheiten, die den Übergang zum jeweiligen Inhalt herstel­len und zugleich etwas über diesen aussagen.

2.3 Titel als metakommunikative Einheiten und als Name

Titel sind an erster Stelle Zeichen, die auf etwas Sprachliches verweisen, in diesem Fall auf einen Buchinhalt bzw. Ко-text. Sie geben eine erste Information über den von den Rezipienten erwarteten Ко-Text. Da dieser optisch nicht direkt ein Teil des

Textes ist, sondern über ihm steht und als Kontaktobjekt zwischen Sender und Empfänger steht, fungiert er als metakommunikative Einheit, die die Brücke zu dem jeweiligen Text herstellt. Manche Autoren wie zum Beispiel Raibie (1977) bezeichnen ihn als " Hypersatz"7, weil er als Satz oder Wort über dem Erzählten steht. Er richtet die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt und löst bei ihm be­stimmte Erwartungen aus, noch bevor er den Text gelesen hat. Überschriften wer­den auch über Abschnitte oder Kapitel eines längeren Textes gesetzt. In der Regel zeigen sie den Inhalt des nachfolgenden Textteils an.

Außer der metakommunikativen Funktion haben eine Überschrift oder ein Titel wie bereits oben erwähnt, die Funktion eines Personennamens. Nehmen wir beispiel­weise die Fragen:

1. Hast du " Der Besuch der alten Dame" gemocht? oder
2. Ist "Faust" heute erschienen?

In diesen Kontexten erinnert der Gebrauch der Titel an Eigennamen. Man kann beispielweise in Satz 2.: Ist Faust heute erschienen? Faust (Das Buch von Goethe) durch einen Eigennamen Z.B. Hans ersetzen (Ist Hans heute erschienen?) und der Satz würde genauso Sinn machen. Wie der Eigenname die Funktion hat, Auskunft über einen Namensträger zu geben, so hat der Titel die Funktion, Auskunft über einen Titelträger zu geben. Insofern kann man den Titel als Namen betrachten. An­dererseits fällt es auf, dass die Interrogativsätze 1. und 2. ihre grammatikalische und inhaltliche Korrektheit verlieren, sobald man sie nicht kursiv schreibt oder keine Anführungszeichen setzt.

Ist Faust heute erschienen? wäre also grammatikalisch falsch, wenn man das Buch Faust damit meint. Bei Ersetzung des Titels durch Eigennamen (ist "Hans" heute erschienen?) müssen die Anführungszeichen allerdings wegfallen, weil die Ver­Wendung von Anführungszeichen ein Zeichen dafür ist, dass der darin eingeschlos­sene Begriff auf sich selbst referieren soll.

[...]


1 Brockhaus Band 27: 483.

2 Hoek, Leo H: La Marque du titre: dispositifs sémiotiques d'une pratique textuelle, La Haye: Mou­ton, 1981: 206.

3 Rothe, Arnold: Der literarische Titel: Funktionen, Formen, Geschichte, Frankfurt am Main : Klos­termann 1986 :16.

4 Nord, Christiane: Einführung in das funktionale übersetzen : am Beispiel von Titeln und über­schriften, Tübingen; Basel : Francke, 1993: 44ff.

5 Sachar, Louis: Löcher, Basel: Beltz Verlag 1998

6 Vgl. Sachar 1998: 20-78.

7 Vgl. Raibie 1979 : 102ff.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Titel und ihre Übersetzung im Verhältnis zum Inhalt der jeweiligen Texte
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
36
Katalognummer
V446871
ISBN (eBook)
9783668859012
ISBN (Buch)
9783668859029
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Übersetzen Dolmetschen Translationswissenschaft Bamf Titel Buch Film, Dolmetscher, Deutsch, Film, Bamf, Flüchtlinge, Buch, Buchtitel, Filmtitel
Arbeit zitieren
Nourou Esso Ouro-Doni (Autor), 2014, Titel und ihre Übersetzung im Verhältnis zum Inhalt der jeweiligen Texte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446871

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