Trump vs. Hillary. Sinnbild einer sich verändernden Gesellschaft?


Facharbeit (Schule), 2017
35 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kandidaten und ihre Wähler im Porträt
2.1 Hillary Clinton – Verkörperung des „Establishments“
2.2 Donald Trump – Symbolfigur des modernen Nationalismus
2.3 Die Gesellschaft spaltet sich an der Wahl

3. Zwei unterschiedliche Gesellschaften
3.1 Ein Blick in die Geschichte
3.1.1 1950 bis 1980: Der Boom
3.1.2 1980 bis 2016: Deindustrialisierung, soziale Ungleichheit, Armut
3.1.3 Heute: Feindbild Globalisierung
3.2 Trumps Amerika: Die Bewegung der Unzufriedenen
3.3 Hillarys Amerika: Fortschritt, Globalisierung, Multikulturalismus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Bücher
5.2 Zeitschriften
5.3 Internetquellen
5.4 Sonstige Quellen

6. Abbildungsverzeichnis

7. Anhang
7.1 Weiterführende Literatur

1. Einleitung

Trump versus Hillary, Make America great again versus Stronger together – der US-Wahlkampf war wohl eines der prägendsten Ereignisse des Jahres 2016. Kaum etwas dominiert die Medien so sehr wie das Duell um das Weiße Haus. In amerikanischen wie in deutschen Zeitungen wurde der Wahlkampf als „looming battle for the soul of America“[1] dramatisiert: Einerseits der Republikaner Donald Trump, der durch provokante Aussagen die Weltöffentlichkeit in seinen Bann zieht, andererseits die liberale Demokratin Hillary Clinton, heroisiert als Bollwerk gegen den wachsenden Populismus. Entgegen aller Erwartungen entschied Trump die Wahl am 9. November 2016 für sich – und schockierte damit die Weltöffentlichkeit. In Deutschland rechneten viele mit einem Sieg der Demokratin. Das belegt eine Statistik, derer zufolge im September 2016 72% der Deutschen Hillary vorne sahen, Trump hingegen nur 17%![2]

Umso mehr beschäftigt die westliche Welt nun, wie das Phänomen Trump zu erklären ist. Diese Facharbeit setzt sich mit den Ursachen des Wahlsiegs auseinander und analysiert die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, die durch das Duell der beiden Kandidaten symbolisch zum Ausdruck gebracht wird. „Trump versus Hillary“ offenbart eine tief verunsicherte Nation, die in Globalisierungsverlierer und -gewinner zerrissen ist. Der Unmut der Verlierer wird verschärft durch die Minderheitspolitik Amerikas in den vergangenen Jahren, die die Weißen zunehmend vernachlässigte. Trump ist Anführer dieser Bewegung der Unzufriedenen und Katalysator des Hasses auf Globalisierung und Multikulturalismus.

2. Die Kandidaten und ihre Wähler im Porträt

2.1 Hillary Clinton – Verkörperung des „Establishments“

Die beiden Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein: Hillary Clinton, eine liberal-progressive Demokratin, steht Donald Trump gegenüber, einem „zeitgemäße[n] Faschist[en]“[3]. Hillary ist Symbol einer globalisierten Welt unter amerikanischer Führung. Sie steht für das interventionistische Amerika, das durch militärische Präsenz demokratische Werte in der Welt verbreitet – ganz im Sinne des american exceptionalism [4]. Dieser Anspruch geht mit einem großen Engagement in internationalen Institutionen und Abkommen einher; liberale Vorstellungen wie Freihandel, Klimaschutz und Abbau der Nuklearwaffen sind wichtige Elemente ihrer Politik. Der Experte für Außen- und Sicherheitspolitik, Dr. Patrick Keller, schreibt: „Clinton steht für eine Haltung, in der internationale Kontakte, der Austausch von Ideen, Gütern, Finanzen und auch Menschen über Grenzen hinweg den Interessen und Werten der USA entsprechen“[5]. Er ordnet sie als liberale Internationalistin in der Tradition Woodrow Wilsons ein und zieht Parallelen zu dessen Interventionspolitik im Ersten Weltkrieg. Gleichzeitig steht Hillary für ein offenes, multikulturelles Amerika, dessen Identität auf dem amerikanischen Leitspruch „E pluribus unum“ („Aus vielen eins“) fußt: Amerikas Stärke resultiere demnach aus seiner ethnischen Vielfältigkeit und Diversität.[6] Hillarys Slogan Stronger Together [7] symbolisiert ihre aufgeschlossene Haltung zu ethnischen Minderheiten; im Wahlkampf betonte sie immer wieder, wie sehr sie alle Ethnien des Landes wertschätze. Stronger Together kann darüber hinaus als Betonung ihrer intensiven Zusammen arbeit mit anderen Nationen interpretiert werden. Im Gegensatz zum Geschäftsmann Donald Trump verfügt Hillary Clinton durch ihre Tätigkeiten als Abgeordnete, später First Lady und dann Außenministerin bereits über Erfahrung in der Politik. Deshalb gilt sie in den USA als Verkörperung der etablierten politischen Klasse – des sogenannten Establishments.[8]

2.2 Donald Trump – Symbolfigur des modernen Nationalismus

Donald J. Trump ist dagegen der wohl erste US-Präsident der Geschichte, der bewusst nicht als Politiker angetreten ist, sondern als „Anti-Politiker“[9], der selbst noch nie ein politisches Amt ausübte. Nicht durch inhaltliche Stärke und politische Weitsicht, sondern durch charismatisches Auftreten überzeugt er seine Wähler. Trumps Weltanschauung bildet eine fundamentale Opposition zu den Clintons. Er handelt und denkt nach dem Grundsatz „America First“[10]. Amerika solle keine internationale Führungsrolle übernehmen und sich nicht in die Belange anderer Staaten einmischen. Stattdessen propagiert Trump ein Amerika, das sich vollständig aus internationalen Konflikten zurückzieht, die Globalisierung zurückdreht und sich ausschließlich auf sich selbst konzentriert – Abschottung.[11] Sein Slogan Make America Great Again [12] symbolisiert diesen Anspruch. Amerika solle wieder großartig werden, indem es sich allein mit sich selbst beschäftige. Patrick Keller analysiert: „Aus seiner [Trumps] Sicht ist Amerika ein Land, das gut […] allein zurecht kommt. Er ist gegenüber Handel und internationalen Kontakten nur insofern aufgeschlossen, wie sie ökonomische Vorteile für seine Kernwählerschaft, die weiße Arbeiterklasse, bringen.“[13]

Innenpolitisch verspricht Trump, Amerika „wieder reich zu machen“[14]. Erklärtes Ziel ist es, neue Jobs zu schaffen. Dazu erwägt er Investitionsprogramme und Steuererleichterungen[15] sowie den Wiederaufbau der Kohle- und Stahlindustrie.[16] Er fordert zudem ein Einreiseverbot für Muslime, eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko und den Abbau der Klimaschutzprogramme.[17]

2.3 Die Gesellschaft spaltet sich an der Wahl

In Interviews und Umfragen kurz nach der Wahl zeichnete sich folgendes Bild über die Wählerschaft ab: Die Mehrheit der Clinton-Wähler ist weiblich, unter 45 Jahre alt, wenig religiös, liberal und mehrheitlich dunkelhäutig. Auffällig ist, dass Hillary zumeist von College-Absolventen aus Großstädten mit einem Einkommensstatus von unter 50 000 Dollar bzw. über 200 000 Dollar gewählt wurde. 83% ihrer Wähler sehen die Wirtschaft in guten Händen. Handel und Globalisierung betrachten sie als vorteilhaft für den Arbeitsmarkt.

Der typische Trump-Wähler hingegen ist männlich, älter als 45, christlich-evangelikal, konservativ und weiß. Viele haben keinen College-Abschluss und stammen aus ländlichen Regionen. Die meisten kommen aus der Mittel- und Unterschicht, nur wenige aus der oberen Einkommensschicht. Die Politik halten sie für fehlgeleitet. Die finanzielle Lage habe sich massiv verschlechtert, Handel und Globalisierung nähmen den Amerikanern ihre Arbeitsplätze.[18]

Hillarys Wählerschicht besteht einerseits aus einer wohlhabenden, gebildeten, jüngeren Generation aus den Großstädten, die mit der Globalisierung aufgewachsen ist, und andererseits aus den ethnischen Minderheiten Amerikas. Trumps Wählerklientel ist die ländliche, weiße Mittelschicht; sie ist konservativ und richtet ihr Leben an christlichen Werten aus. Sie sieht sich als Opfer der Globalisierung. Die Problematik, die sich hieraus ergibt, ist eine ideologische, geografische und ökonomische Spaltung der amerikanischen Wählerschicht an zwei fundamental unterschiedlichen Kandidaten.

3. Zwei unterschiedliche Gesellschaften

3.1 Ein Blick in die Geschichte

3.1.1 1950 bis 1980: Der Boom

Um diese Spaltung zu verstehen, hilft ein Blick in die Geschichte der Vereinigten Staaten. Einen Hinweis liefert der populäre Slogan Trumps: Make America Great Again. Hinter dem Spruch steht das Versprechen, Amerika wieder großartig zu machen. Dies impliziert, dass Amerika bereits großartig gewesen sein muss. Auf welche Zeit Trump anspielt, lässt sich anhand einer Statistik des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center erklären, welche die Zufriedenheit der Amerikaner mit ihrer Regierung von 1958 bis 2015 darstellt: Das Vertrauen in die Regierung war demnach von 1958 bis 1970 am höchsten (1964: 80%); seitdem fiel es konstant und erreichte nur noch zweimal Höchstwerte (1991: 45%, 2001: 55%), die jedoch nie das Maximum der ersten beiden Jahrzehnte erreichten. In den Jahren 2009 bis 2015 war das Vertrauen in die amerikanische Regierung niedriger als je zuvor (2015: 20%).[19] Folglich gilt: Wenn Trump von Make America Great Again spricht, erinnert er an die 50er und 60er Jahre – dem Golden Age of Capitalism [20]. Sein Wahlerfolg spiegelt den Vertrauensverlust der Amerikaner in die Politik nach den 1960er Jahren wider.

George Packer beschreibt den Wandel von 1960 bis heute als innere „Abwicklung“[21] amerikanischer Institutionen, die die zunehmende Entfremdung von Volk und Regierung bewirke: „[E]ines Tages [war] ein Punkt in der Geschichte erreicht [...], an dem das Land […] unwiderruflich verändert war. Wer um 1960 oder später geboren wurde, hat sein gesamtes Erwachsenenleben im Taumel dieser Abwicklung verbracht. Er musste mit ansehen, wie Bauwerke und Institutionen […] in der gewaltigen Landschaft wie Salzsäulen zerfielen“[22].

Was charakterisierte die 1950er und 60er Jahre als das Golden Age of Capitalism ? „[T]he 1960s were a period of general prosperity, the brightest years of the golden age“[23], sagt Ökonom Stephen A. Marglin. Während des Golden Age verzeichneten die USA den höchsten realen BIP-Zuwachs der Nachkriegszeit (1961 bis 1970: 4,2%)[24] und stetige Exportüberschüsse,[25] 1968 befand sich die Auslastung des Produktionspotenzials mit fast 90% auf einem Höchststand.[26] Die Arbeitslosigkeit fiel von 1958 bis 1969 von 6,8% auf 3,5%.[27] Die Industrialisierung erfuhr einen Boom. Laut einer Analyse des Ökonomen Hervé Boulhol belaufe sich der Beitrag des industriellen Sektors zum nominalen BIP 1970 noch auf mehr als 22%, Industrien beschäftigten mehr als 24% der gesamten Arbeiterschaft – umgerechnet etwa 20 Millionen Arbeiter.[28] Zusammengelegt mit dem primären Sektor hätten beide fast 50% der gesamten Arbeiterschaft beschäftigt und mehr als 40% zum BIP beigetragen.[29] Am wichtigsten für die amerikanische Produktion waren heimische Autoindustrien wie Ford, General Motors und Chrysler.[30] Der Kleinunternehmer Dean Price sagt dazu: „Unser Land ist damals […] so wohlhabend gewesen, wie es nie wieder sein wird“[31]. Fazit: Das Amerika des Industriebooms in der Nachkriegszeit war geprägt durch einen starken Produktionssektor und Exportüberschüsse; bis in die 70er Jahre beschäftigten Industrien noch einen Großteil der Arbeiterschicht.

[...]


[1] Smith, David: Hillary Clinton vs. Donald Trump, Absatz 1, 27.12.2016.

[2] s. Anhang, s. Abbildung 1.

[3] Turner, Fred: Trump. Ein zeitgemäßer Faschist, Absatz 1, 28.12.2016.

[4] Der american exceptionalism ist eine in den 20er Jahren entstandene Theorie, dass Amerika unter den westlichen Industrieländern eine hervorgehobene (exceptional) Rolle einnehme, dessen Aufgabe es sei, liberale Werte in der Welt zu verteidigen und zu verbreiten. Geprägt wurde sie durch den Interventionismus Woodrow Wilsons im Ersten Weltkrieg.

[5] Keller, Patrick: Globalisierung versus Nationalismus, S. 65, Absatz 1.

[6] Vgl. Schultheis, Emily: Hillary Clinton. "America is once again at a moment of reckoning“, Absatz 4, 28.12.2016.

[7] Vgl. Keith, Tamara: How 'Stronger Together' Became Clinton's Response To 'Make America Great Again', Absatz 1, 28.12.2016.

[8] Vgl. Fedewa, Lawrence: Trump vs. Clinton and the Establishment, Absatz 1, 28.12.2016.

[9] Fras, Damir: Präsidentschaftskandidat Donald Trump, Absatz 1, 29.12.2016.

[10] o.V.: Full text. Donald Trump 2016 RNC draft speech transcript, Absatz 31, 29.12.2016.

[11] Vgl. Mutter, Dominik u. Wittig, Peter: Heißer Herbst, S. 15, Absatz 4.

[12] Conway, Madeline: Trump's inaugural slogan, Absatz 1, 29.12.2016.

[13] Keller, Patrick: Globalisierung versus Nationalismus, S. 65, Absatz 2.

[14] Moons, Michelle: Trump Lays Out Plan to ‘Make America Wealthy Again’, Absatz 1, 29.12.2016.

[15] Vgl. o.V.: Trump will Steuern für Millionen Amerikaner auf Null senken, Absatz 1-5, 30.12.2016.

[16] Vgl. o.V.: These Companies Think Donald Trump Can Make Coal Great Again, Absatz 1-5, 30.12.2016.

[17] Vgl. o.V.: Seven Donald Trump policies that could change the US, Absatz 19-23, 30.12.2016.

[18] s. Anhang, s. Abbildungen 2-11.

[19] s. Anhang, s. Abbildung 12.

[20] Marglin, Stephen A. u. a.: The Golden Age of Capitalism, S. 4, Absatz 2.

[21] Packer, George: Die Abwicklung, S. 1, Absatz 1.

[22] Ebd., S.1f.

[23] Marglin, Stephen A. u.a.: The Golden Age of Capitalism, S. 11, Absatz 3.

[24] s. Anhang, s. Abbildung 13.

[25] s. Anhang, s. Abbildung 14.

[26] s. Anhang, s. Abbildung 15.

[27] s. Anhang, s. Abbildung 16.

[28] s. Anhang, s. Abbildung 17.

[29] Johnston, Louis D.: History lessons, Absatz 11-12, 02.1.2017.

[30] Vgl. o.V.: The two worlds of deindustrialisation, Absatz 1-7, 02.01.2017.

[31] Packer, George: Die Abwicklung, S. 16. Absatz 1.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Trump vs. Hillary. Sinnbild einer sich verändernden Gesellschaft?
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
35
Katalognummer
V448676
ISBN (eBook)
9783668834583
ISBN (Buch)
9783668834590
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Politik, Wahlkampf, USA, Trump, Clinton, Gesellschaftswandel, Globalisierung, Nationalismus
Arbeit zitieren
Adrian Grimpe (Autor), 2017, Trump vs. Hillary. Sinnbild einer sich verändernden Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448676

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