Sharing Economy in der Modebranche. Des einen Müll ist des anderen Must Have


Hausarbeit, 2017

49 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Relevanz des Themas
1.2. Struktur der Arbeit

2. Sharing Economy als alternative Konsumform
2.1. Definition der Sharing Economy
2.2. Entstehungsfaktoren
2.2.1. Ökonomischer Aspekt
2.2.2. Ökologischer Aspekt
2.2.3. Technologischer Aspekt

3. Formen der Sharing Economy
3.1. Redistributionsmärkte
3.2. Produkt- Dienstleistungssysteme
3.3. Kollaborativer Lebensstil

4. Die Nutzer der Sharing Economy

5. Wie Unternehmen von der Sharing Economy profitieren

6. Kritik an der Sharing Economy

7. Fazit

Quellenverzeichnis

Kurzfassung

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Bandbreite der Sharing Economy

Abb. 2: Bedeutung privater Tausch- und Verleih-Börsen für die Umwelt

Abb. 3: Bekanntheit und Nutzung des Geschäftsmodells "Sharing Economy"

Abb. 4: Online Plattform Kleiderkreisel

Abb. 5: Konzept der PSS

Abb. 6: Online Plattform Kleiderei

Abb. 7: Online Plattform Meisterclass

Abb. 8: Geschlecht & Alter der Nutzer

Abb. 9: Tätigkeit der Nutzer

Abb. 10: Bekanntheitsgrad des Begriffs "Sharing Economy"

Abb. 11: Beziehung zur Mode

Abb. 12: Nichts zum Anziehen trotz vollem Kleiderschrank

Abb. 13: Kaufverhalten der Nutzer

Abb. 14: Nutzung von Kleiderkreisel

Abb. 15: Einfluss von Kleiderkreisel auf den Einzelhandelsmarkt

Abb. 16: Gründe für die Nutzung von Kleiderkreisel

Abb. 17: Aspekt der Nachhaltigkeit

Abb. 18: Zukunftsaussicht der Sharing Economy

Abb. 19: Zukünftige Bedeutung der Sharing Economy

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Durch die Einleitung soll dem Leser das zu behandelnde Thema vorgestellt und ein generelles Verständnis über die Bedeutsamkeit der Sharing Economy vermittelt werden. Im Anschluss wird der genaue Aufbau und die Zielsetzung der Arbeit erläutert.

1.1. Relevanz des Themas

Heutzutage, gerade in Westeuropa, wird Kleidung immer mehr zur Wegwerfware und ist nur ein Brandbeschleuniger im angeheizten Konsumfeuer. Die Deutschen kaufen billig und viel, das Gekaufte wird selten oder nie getragen und schnell weggeworfen. Angekurbelt wird dieses Verhalten von Textilgiganten wie H&M oder Zara, die im Wochen-Rhythmus neue Billigkollektionen in die Läden bringen.[1]

Es wird mehr gekauft als benötigt wird und trotzdem hat ein Großteil das Gefühl nichts zum Anziehen zu haben. Kleidungsstücke werden oft nur noch gekauft, weil eine Modebloggerin sie gestern in ihrer Instagram Story getragen hat, bei einem selber hängen sie dann ungenutzt im Kleiderschrank.

Das hat auch eine Studie von Greenpeace bestätigt, nach der eine Person im Alter zwischen 18 und 69 Jahren im Durchschnitt um die 95 Kleidungsstücke besitzt, von denen 40 Prozent selten oder sogar nie getragen werden. Nachdem man nach einer gewissen Zeit dann einsieht, dass man das Kleidungsstück die letzten drei Jahre nicht getragen und wahrscheinlich auch die nächsten drei Jahre nicht tragen wird, landen sie im Müll. Alternativen zum Mülleimer, wie beispielsweise das Verkaufen oder Tauschen der Kleidung, sind den meisten Leuten noch unbekannt. 83 Prozent der Befragten haben solche Alternativen noch nie genutzt. Im Bekanntenkreis kommt das Tauschen von Bekleidung für die Konsumenten schon eher in Frage. Der Grad der Verbreitung alternativer Besitz- und Konsumformen ist wesentlich für die Einschätzung der grundsätzlichen gesellschaftlichen Relevanz des Themas. Zumindest ein Viertel der jüngeren Generation hat bereits Kleider getauscht, weshalb damit gerechnet werden kann, dass heute und in naher Zukunft das Tauschen von Kleidern gerade für junge Leute nichts Untypisches mehr sein und sich der Trend verbreiten wird.[2] Und genau dafür steht die Sharing Economy, für eine Ökonomie des Teilens. Statt das ein Produkt gekauft, benutzt und weggeworfen wird, wird ein ungewünschtes oder ungebrauchtes Produkt in einer Sharing Economy untereinander verliehen, getauscht, wiederverwertet oder recycelt. Massenproduktion, Ressourcenverschwendung und die daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf die Umwelt sind nur einige wenige Gründe, weshalb es notwendig ist, über alternative Konsummodelle nachzudenken, um eine bessere Zukunft für den Planeten und die Menschheit zu gewährleisten.

Laut der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) verbraucht jeder Deutsche mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm jährlich eigentlich zustehen würden. Wenn sich daran nichts ändert, bräuchte man im Jahr 2030 zwei Planeten, um den Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Im Jahre 2016 waren bereits im August in Deutschland die Menge an natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. In Deutschland liegt der Faktor für die Überlastung der Biokapazität der Erde durch den Menschen bei 1,6. Man würde also schon heute 1,6 Erden benötigen, um den Ressourcenbedarf der Menschheit zu decken, wenn alle Staaten das gleiche Konsumverhalten wie Deutschland aufzeigen würden.[3] Die Sharing Economy bietet mit ihrem Konzept einen Lösungsweg aus dieser Situation und ist deshalb zur Zeit in aller Munde. Teilen meint in dem Zusammenhang der Sharing Economy aber mehr als nur das Teilen von Backzutaten mit dem Nachbarn. Durch die neuen Technologien wird dem Teilen eine ganz neue Bedeutung zugeschrieben. Dank „Netflix“ und „Spotify“ muss man beispielsweise die neuesten Filme und Musikalben nicht mehr kaufen, sondern erhält Zugriff darauf im Internet. Und Musik und Filme sind nicht das Einzige, was geteilt wird, das Spektrum der Sharing Economy reicht von Werkzeug und Bekleidung bis hin zu Autos und Häusern. Voraussetzung für die Sharing Economy ist ein gewisses Maß an Vertrauen, da mit wildfremden Menschen aus aller Welt geteilt und getauscht wird. Das Web 2.0. schafft Abhilfe, indem dem Konsumenten beispielsweise Bewertungssysteme zur Verfügung stehen. Die Modelle der Sharing Economy reichen von Flohmärkten bis hin zu professionellen Vermittlungsplattformen. Dabei hat der Besitz von Dingen nur noch einen geringen Stellenwert für die Konsumenten und wird stattdessen viel mehr als Last angesehen. Wirtschaftswissenschaftler prophezeien, dass die Sharing Economy in den nächsten Jahren einen erheblichen Einfluss auf die Industrie haben und die traditionelle Wirtschaft eventuell sogar ersetzen wird.

Schon im Jahr 2011, als die Sharing Economy noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stand, war die Bewegung schon im Time Magazine unter den 10 Dingen, die die Welt verändern werden, aufgelistet.[4]

1.2. Struktur der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht ob die Ökonomie des Teilens uns tatsächlich die Möglichkeit bietet eine neue Wirtschaftsform aufzubauen, in der Nachhaltigkeit über Besitz steht oder ob die Sharing Economy nur ein Trend ist, der nach ein paar Jahren wieder an Bedeutung verlieren wird. Da die Sharing Economy ein sehr umfassendes Thema darstellt und ein breites Feld umfasst, welches den Rahmen einer Studienarbeit sprengen würde, wird in der wissenschaftlichen Arbeit ein gesondertes Augenmerk auf die Sharing Economy in der Mode Branche gelegt.

Um dem Leser ein allgemeines Wissen über die Thematik zu verschaffen, widmet sich der erste Teil dieser Arbeit den theoretischen Grundlagen der Sharing Economy. Zu Beginn der Arbeit wird der Begriff der Sharing Economy erläutert. Angetrieben wurde die Bewegung der Sharing Economy von den neuen sozialen Medien und einem gesteigerten Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein. Diese Faktoren, die zu der Entstehung der Sharing Economy beigetragen haben, werden im Zuge dieser Arbeit näher beleuchtet. Des Weiteren werden die unterschiedlichen Formen der Sharing Economy gemäß Rachel Botsman und Roo Rogers aufgezeigt. Die Autoren unterscheiden drei verschiedene Typen der Sharing Economy, worunter die Redistributionsmärkte, die Produkt-Dienstleistungssysteme und die kollaborativen Lebensstile fallen. Damit der Leser die Unterschiede dieser Geschäftsmodelle besser nachvollziehen kann, wird jede der drei Formen mit einem Beispiel einer Online-Plattform aus der Modebranche untermauert. Kleiderkreisel als Redistributionsmarkt, die Kleiderei als Produkt-Dienstleistungssystem und Meisterclass als ein Modell des kollaborativen Lebensstils werden vorgestellt. Das vierte Kapitel befasst sich mit einer empirischen Untersuchung zur Sharing Economy, um dem Leser einen Einblick über die Beweggründe der Nutzer zur Verwendung der Sharing Economy Angebote, zu gewähren. Dazu wurden Mitglieder der Online Plattform Kleiderkreisel über die Thematik der Sharing Economy befragt. Ziel dieser Befragung war es, die bereits oben genannte Forschungsfrage zu beantworten, nämlich ob die Sharing Economy tatsächlich eine günstigere, nachhaltigere Alternative zu dem konventionellen Konsumsystem darstellt oder ob andere Intentionen zur Nutzung der Sharing Economy Systeme beitragen. Online Plattformen wie Kleiderkreisel sind allerdings nicht mehr die Einzigen, die dem Konsumenten die Werte der Sharing Economy übermitteln möchten. Auch große Unternehmen wie H&M (Hennes&Mauritz) oder Marks & Spencer haben die Werte der Sharing Economy bereits in ihre Unternehmensstrategie aufgenommen und möchten diese ihren Kunden nahe bringen. Inwiefern sie das tun und was für die Unternehmen dabei rausspringt, wird im fünften Kapitel genauer untersucht. Um die Ausgangsfrage, ob die Sharing Economy tatsächlich zu einem nachhaltigeren Wirtschaftssystem führt, nochmals zu vertiefen, wird die Sharing Economy zum Ende der Arbeit unter einem kritischen Blickwinkel betrachtet. Dabei wird auch auf alternative Konsum- und Geschäftsmodelle außerhalb des Konsumfeldes Bekleidung eingegangen, wie zum Beispiel Mobilität und Wohnen. Untersucht wird, ob die Firmen, die sich mit Sharing Economy befassen, tatsächlich so idealistisch eingestellt sind, wie es scheinen mag oder ob sich hinter den großen Konzernen wie Airbnb (Airbed & Breakfast) und Uber unbedachte Gefahren für den Nutzer verbürgen. Im Schlussteil werden die aus der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und anhand dieser ein Blick auf die zukünftige Entwicklung wirtschaftlichen Handelns geworfen.

2. Sharing Economy als alternative Konsumform

Im Internet kursieren die unterschiedlichsten Begriffe wie „Collaborative Consumption“, „Ökonomie des Teilens“ oder auch „Sharing Economy“.

Eine allgemeingültige Definition gibt es für diese Begriffe bisher nicht. Ziel dieses Kapitels ist daher vielmehr, dem Leser ein grundsätzliches Verständnis über die Bewegung der Sharing Economy zu vermitteln. Neben einem Definitionsversuch wird in diesem Kapitel auch auf die Entstehung der Sharing Economy eingegangen.

2.1. Definition der Sharing Economy

„Sharing Economy (auch ‚Shared Economy‘ oder ‚Share Economy‘) heißt wörtlich übersetzt ‚Wirtschaft des Teilens‘ und bezeichnet die gemeinschaftliche Nutzung von Gütern.“[5]

Gemeinsam ist den unterschiedlichsten Begriffen, dass sie für Konsummodelle stehen, die ihre Priorität auf den Erwerb von Nutzungs-, statt auf den Erwerb von Eigentumsrechten setzen. Verfügbare Ressourcen werden effizient genutzt, indem geteilt, getauscht, aufgewertet, verliehen und selbst gemacht wird. Diese Modelle finden häufig Anwendung in Konsumfeldern, die mit der Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse verbunden sind, wie beispielsweise Mobilität, Wohnen und Ernährung.[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bandbreite der Sharing Economy

Quelle: online: Fech et al., (2015)

Erstmals trat der Begriff der Sharing Economy in den 80er Jahren in dem Buch „The share economy: Conquering Stagflation“ des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Martin Weitzmann auf. Martin Weitzmann war der Annahme, dass sich der Wohlstand aller Marktteilnehmer erhöhe, je mehr untereinander geteilt werden würde.[7] Auch heute noch ist der Grundgedanke der Sharing Economy der Gleiche.

Aber warum wird überall von Innovation und einer Transformation des Konsumverhaltens gesprochen? Geteilt haben wir doch auch schon vor hundert Jahren.

Richtig, das haben wir. Teilen ist kein grundlegend neuer Gedanke. Seit Jahrzenten werden Maschinen in landwirtschaftlichen Genossenschaften geteilt. Seit Jahrhunderten gibt es Bibliotheken, in denen Bücher entliehen werden können und auch gegenseitiges Teilen unter Nachbarn ist für jeden eine selbstverständliche Angelegenheit. Aber die Idee eigene Güter zu teilen oder zu vermieten, hat in den letzten Jahren noch einmal erheblich an Zulauf gefunden.[8]

Grund für das Ausbreiten der Aktivitäten der Sharing Economy ist der Wunsch nachhaltiger und suffizienter zu leben und zu wirtschaften. Die Konsumpräferenzen haben sich geändert und ein Großteil ist bereit, auf Eigentum zu verzichten, wenn dadurch die Ökonomie gestärkt werden kann. Die Konsumenten können in den Konsum- und Geschäftsmodellen in unterschiedliche Rollen schlüpfen und sowohl Anbietende als auch Suchende sein.[9]

Allen bekannt sind wahrscheinlich die zwei größten Vorreiter der Sharing Economy: Airbnb und Uber, aber auch in der Mode Branche hat sich die Sharing Economy bereits etabliert, worauf in dieser Arbeit der Fokus gesetzt wird.

2.2. Entstehungsfaktoren

Eine Bewegung, wie die der Sharing Economy entsteht nicht von heute auf morgen.

Unterschiedliche Faktoren, die in diesem Kapitel betrachtet werden, sind Auslöser dafür gewesen.

2.2.1. Ökonomischer Aspekt

Auch wenn es mittlerweile schon ein paar Jahre her ist, gilt die Finanzkrise im Jahre 2008 als ein Auslöser für das Zustandekommen der Sharing Economy. Als der Kapitalismus seine Schwächen zeigte, die Haushalte aufgrund von jahrelangem Konsum verschuldet waren und die Leute Angst vor einer weiteren großen Depression hatten, begannen Sie Ihr Kaufverhalten und Besitzdenken zu hinterfragen.[10]

Die Folge war ein Wertewandel, der die Menschen dazu bewegte, ihr Eigentum anders wahrzunehmen und effizienter zu nutzen.

Das Vertrauen in traditionelle Geschäftsmodelle und Unternehmen war nach der Finanzkrise gebrochen, was den Startschuss für die Sharing Economy bedeutete, da sich diese von den Geschäftsmodellen der traditionellen Unternehmen differenzierte und so das Vertrauen der Menschen gewann. Die Sharing Economy konnte die Forderung der Gesellschaft, die Bedürfnisse der Verbraucher stärker einzubeziehen, erfüllen und wurde so empfänglicher für den Verbraucher.[11]

Heute wird nicht mehr in Mein-Dein-Kategorien gedacht, die Gesellschaft hat ein „Wir-Gefühl“ erschaffen, man löst sich von profitorientierten Unternehmen und Dienstleistern und wird selbst zum Anbieter ungenutzter Ressourcen.

2.2.2. Ökologischer Aspekt

Ein weiterer Aspekt, der die Sharing Economy antreibt, ist das neue Bewusstsein der Verbraucher gegenüber der Umwelt. Das schier unaufhaltsame und stetig steigende Verlangen nach Konsumgütern zieht schwerwiegende Folgen für die Umwelt mit sich.

Da die Bekleidungsbranche zu den fünf Konsumbranchen zählt, für die die privaten Haushalte das meiste Geld ausgeben, hat auch sie einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt.[12] Fast Fashion, Pestizide, Abfälle und Wasserverschmutzung sind die Folge der stetig steigenden Nachfrage nach Konsumgütern und der damit einhergehenden Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt. Diese ökologische Krise macht es unbedingt notwendig über alternative Konsummodelle nachzudenken.

Gerade in der Bekleidungsbranche wird der Großteil, von dem, was wir konsumieren, global produziert, transportiert, konsumiert und anschließend entsorgt. Der Lebenszyklus von Bekleidung entlang der Wertschöpfungskette wird häufig außer Acht gelassen, wodurch weltweit die natürlichen Ressourcen beansprucht und die Umwelt belastet wird.[13]

Die Sharing Economy ermöglicht es, durch geringere Neuproduktion Rohstoffe und Materialien, fossile Brennstoffe, Energie u.v.m. einzusparen, indem geteilt statt neu gekauft, produziert und transportiert wird.

Dass diese eigentumslosen Konsumkonzepte zu einer geringeren Umweltbelastung beitragen können, wird von dem Großteil der Verbraucher bereits befürwortet, wie eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung gezeigt hat, nach der 81 Prozent den ökologischen Nutzen hinter der Sharing Economy erkennen.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Bedeutung privater Tausch- und Verleih-Börsen für die Umwelt

Abb.2: Bedeutung privater Tausch- und Verleih-Börsen für die Umwelt

Quelle: online: GfK Verein, (2015)

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich dies auch bewahrheitet, indem jeder seinen Beitrag leistet, um die Nachhaltigkeit zu stärken. Inwiefern der ökologische Aspekt tatsächlich in der Sharing Economy zum Tragen kommt, wird anhand der Untersuchungsergebnisse einer Umfrage auf Kleiderkreisel in dem vierten Kapitel dieser Arbeit nochmals aufgeführt und untersucht.

2.2.3. Technologischer Aspekt

Heutzutage findet das Tauschen und Nutzen von Ressourcen nicht mehr nur im kleinen Kreis - zwischen Freunden oder Nachbarn- statt, vielmehr besteht durch die Verbreitung und Verfügbarkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien die Möglichkeit mit Fremden aus aller Welt in Kontakt zu treten und zu teilen.

Voraussetzung dafür ist, dass Anbietende und Nachfrager über ein mobiles Internet, Apps, Smartphones etc. verfügen und eine Kommunikationsplattform besteht, die den Verbrauchern ermöglicht in Kontakt zu treten und die Vermittlung koordiniert.[15]

Wenn die technologischen Voraussetzungen erfüllt sind, wird geteilt, was geteilt werden kann: Werkzeug, Autos, Essen, sogar Häuser. Wer also in den Urlaub fährt, gibt sein Haus online zur Untervermietung frei und sucht sich stattdessen aus hunderten von Angeboten eine Unterkunft in seinem Urlaubsziel. Wer gerne in Gesellschaft ist, der lädt Fremde zu sich nach Hause zum Essen ein oder leiht sich für einen Tag einen Hund, sogar das ist heute möglich.

Bisher war das Teilen und Tauschen mit zu hohen Transaktionskosten verbunden, weshalb die Gebrauchtgütermärkte regional beschränkt waren. Das hat sich durch die Zunahme an Internetnutzern und die Vergrößerung der Marktteilnehmeranzahl allerdings grundlegend verändert. Durch das Web 2.0. und die internetgestützten Handelsmodelle (wie z.B. Tauschbörsen) können Anbieter und Nachfrager einfacher denn je und mit erheblich niedrigeren Transaktionskosten zusammen geführt werden. Der Verbraucher ist außerdem nicht mehr bloß Konsument, sondern wechselt von der Konsumentenrolle in die Verkäuferrolle. Man spricht hierbei auch von einem „Prosumer“, also einem Konsument der selbst zum Anbieter von Produkten wird und somit Aufgaben eines Produzenten übernimmt.[16]

Da die Generation Y, die mit den neuesten Technologien aufgewachsen ist, das Internet am häufigsten nutzt, sind auch die jüngeren Leute diejenigen, denen die Sharing Economy ein Begriff ist.

Was die Generation Y von den bisherigen Generationen unterscheidet, ist ihr Wunsch zu kollaborieren, ihr Altruismus und ihre sich verändernde Beziehung zu dem Konsum. All das sind Faktoren, die das Potenzial haben die Sharing Economy voranzubringen und das traditionelle Konsumverhalten zu verabschieden.[17]

Das hat auch die Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung gezeigt, nach der die Nutzung von Sharing Economy Angeboten unter den jüngsten Befragten am höchsten ist.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Bekanntheit und Nutzung des Geschäftsmodells "Sharing Economy"

Quelle: online: GfK Verein, (2015)

Für den Großteil der Konsumenten ist Eigentum altmodisch geworden. Die heutige Welt ist schnelllebig, geprägt von permanenten Innovationen und immer kürzeren Lebenszyklen von Produkten. Eigentum ist etwas, was dort nicht mehr rein passt. Die rasanten technischen Fortschritte und die aktuellen ökonomischen Aktivitäten haben zu einem Wandel des Besitzdenkens geführt. Für viele Konsumenten macht es keinen Sinn mehr Eigentum anzuhäufen, in einer Umgebung in der sich Produkte und Dienstleistungen in halsbrecherischer Geschwindigkeit ablösen, viel wichtiger ist ihnen stattdessen der Zugang zu diesen Produkten und Dienstleistungen.[19]

3. Formen der Sharing Economy

Sharing Economy ist nicht gleich Sharing Economy.

Es gibt verschiedene Formen des kollaborativen Konsums, die sich in ihrer Reife, Größe und auch in der Absicht die hinter dem Konzept steckt, unterscheiden.[20]

In diesem Kapitel werden die Formen aus der Sichtweise von Rachel Botsman und Roo Rogers dargestellt und mit jeweils einem Beispiel aus der Mode Branche untermauert.

3.1. Redistributionsmärkte

Die erste Form der Sharing Economy Konzepte ist die der Redistributionsmärkte („Redistribution Markets“). Für die RM bilden die sozialen Netzwerke den Grundstein und ermöglichen es Produkte, die von einem Konsument nicht mehr gebraucht, genutzt oder gewollt werden, einem anderen Konsumenten zu übermitteln. Getreu dem Motto: Des einen Müll ist des anderen Must-Have wird verkauft, verschenkt oder getauscht. Die RM möchten die Verbraucher außerdem dazu bewegen, die Lebensdauer eines Produktes zu verlängern, indem ein bereits gebrauchtes Produkt recycelt, wiederverwendet oder repariert wird. Damit sollen sowohl Ressourcen gespart, in dem nicht mehr viel Neues produziert werden muss, als auch das Müllaufkommen reduziert werden, in dem Produkte, die im Grunde noch brauchbar sind, nicht frühzeitig im Müll landen.[21]

Ein Beispiel für ein Redistributionsmarkt aus der Mode Branche ist Kleiderkreisel, die wohl bekannteste Online-Handelsplattform für Gebrauchsgüter im Bereich Bekleidung. Bei Kleiderkreisel kann verkauft, gekauft, getauscht und verschenkt werden. Weltweit zählt Kleiderkreisel bereits 12 Millionen Mitglieder und etwa 20 Millionen eingestellte Kleidungsstücke, was 20.000 mal mehr Kleidungsstücke sind, als ein durchschnittlicher Online-Shop enthält. Unter dem Slogan „ Unsere Mission: Wir machen Secondhand zur ersten Wahl – weltweit“ erfüllt Kleiderkreisel die Absicht der RM, nämlich den Produktlebenszyklus von Bekleidung hochzuhalten.[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Online Plattform Kleiderkreisel

Quelle: online: Kleiderkreisel, (o.J.)

Das Unternehmen wurde im Jahre 2008 von Susanne Richter, Sophie Utikal und Martin Huber, in Anlehnung an das litauische Geschäftsmodell „manodrabuziai.lt“ von Justas Janaukas, gegründet. Tochtergesellschaften existieren in zehn Ländern, darunter in den USA, in Frankreich, Niederlande, Spanien u.v.m.. Deutschland ist unter diesen die größte Online-Plattform mit Sitz in München. Der Großteil der Kleiderkreisel-Nutzer ist weiblich, worauf auch die erheblich höhere Anzahl an Damenmode im Shop zurückzuführen ist (~19 Millionen von ca. 20 Millionen Kleidungsstücken). Nutzerinnen sind vorwiegend junge Frauen, im Alter von 14-24 Jahren. Jedoch wurde neben Kleiderkreisel im Jahre 2012 auch Mamikreisel ins Leben gerufen, womit eine andere Altersgruppe angesprochen wird. Heute ist Kleiderkreisel nicht mehr bloß eine Handelsplattform, sondern hat sich immer mehr zu einem sozialen Netzwerk entwickelt. Die Nutzer/innen beschreiben sich selbst als Kreisler/innen und sind alle Mitglied der Community. Im Forum wird sich nicht mehr nur über Mode ausgetauscht, sondern es wird in unterschiedlichen Rubriken, die sowohl das Studium, Fitness & Sport, Gefühle und sogar die Politik betreffen, über unterschiedlichste Themen geschrieben. Außerdem gibt es den Kleiderkreisel Club, durch den man als Mitglied an Kleiderkreisel Events wie Tausch-Partys und vielen anderen Aktionen teilnehmen kann. Neben dem sozialen Aspekt wird der Sicherheitsaspekt nicht außer Acht gelassen. Um den Nutzern Sicherheit zu gewährleisten, wurde 2015 der „Kreisel-Sicher-Service“ eingeführt, der ein versicherten Einkauf und einen umfassenden Support während des Transaktionsprozesses verspricht.

Susanne Richter, die Gründerin von Kleiderkreisel beschrieb Kleiderkreisel in einem Interview als ein Lebensgefühl, in dem das Prinzip des kollaborativen Konsums vollends ausgelebt werden kann.[23]

Inwieweit Kleiderkreisel tatsächlich Aspekte des kollaborativen Konsums und der Sharing Economy umfasst, wird an einem späteren Punkt der Arbeit noch einmal genauer beleuchtet.

[...]


[1] vgl. online: Wahnbaeck/Groth (2015), S. 1 ; online: Hammer (2015)

[2] vgl. online: Wahnbaeck/Groth (2015), S. 3 f.

[3] vgl. online: Beu (2016)

[4] vgl. online: Walsh (2011)

[5] online: Haese (2015), S.1

[6] vgl. Hagen/Rückert-John (2016), S. 5 f.

[7] vgl. online: van der Touw/Gross (2015)

[8] vgl. online: Walz (2015), S.3

[9] vgl. Hagen/Rückert-John (2016), S. 6

[10] vgl. online: Fech et al. (2015)

[11] vgl. online: Dervojeda et al. (2013), S. 4 (eig. Übers.)

[12] vgl. online: Destatis (2017)

[13] vgl. online: Umwelt Bundesamt (2016)

[14] vgl. online: GfK Verein (2015)

[15] vgl. Hacken/Rückert-John (2016), S.6

[16] vgl. Behrendt et al. (2011), S. 1 f.

[17] vgl. online: Schneider (2012), (eig. Übers.)

[18] vgl. online: GfK Verein (2015)

[19] vgl. Rifkin (2001), S. 12 f., S.34

[20] vgl. Botsman/Rogers (2011), S. 71 (eig. Übers.)

[21] vgl. Botsman/Rogers (2011), S. 72 f. (eig. Übers.)

[22] vgl. online: Kleiderkreisel, (o.J.)

[23] vgl. online: Kleiderkreisel, (o.J.) ; Scholl et al., (2015), S. 39ff. ; Niermann, (2013)

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Sharing Economy in der Modebranche. Des einen Müll ist des anderen Must Have
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
49
Katalognummer
V449700
ISBN (eBook)
9783668833593
ISBN (Buch)
9783668833609
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sharing Economy, Ökonomie des Teilens, Modebranche, Kleiderkreisel, Collaborative Consumption, Textiltechnik, Bekleidungstechnik, Marketing
Arbeit zitieren
Verena Bruletti (Autor), 2017, Sharing Economy in der Modebranche. Des einen Müll ist des anderen Must Have, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449700

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