Der Übergang von Schule und Beruf bei Menschen mit Behinderung. Konzepte für einen erleichterten Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt


Hausarbeit, 2018
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen.

3. Inklusive Bildung.
3.1 Inklusive Bildung im schulischen Bereich.

4. Berufliche Inklusion.
4.1 Aktuelle Situation
4.2 Berufliche Möglichkeiten.

5. Konzepte.
5.1 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
5.2 Integrationsprojekte
5.3 Unterstützte Beschäftigung

6. Zusammenfassung und Fazit.

7. Quellenverzeichnis.

1. Einleitung

In der heutigen Zeit hat Erwerbsarbeit einen hohen Stellenwert für den Menschen: Zum einen ist er selbst in der Lage, seinen Lebensunterhalt zu sichern, zum anderen erfährt er durch Arbeit eine besondere gesellschaftliche Wertschätzung und Zugehörigkeit (vgl. Felder 2017, S. 99). Eine angemessen bezahlte Erwerbsarbeit ermöglicht durch das feste Einkommen eine hohe Autonomie und die Unabhängigkeit von staatlichen Leistungen. Zudem können im Arbeitsalltag soziale Kontakte hergestellt und gepflegt werden (vgl. Schoenberg 2013, S. 103). Mit der Absicht, das Wohlbefinden von Menschen mit Behinderung zu erhöhen, haben sich Arbeitsbereiche der beruflichen Inklusion deshalb zur Aufgabe gesetzt, ihnen eine langfristige Erwerbstätigkeit zu ermöglichen (vgl. Schoenberg 2013, S. 103).

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gehen die Arbeitslosenzahlen zwar tendenziell zurück, die allgemeine Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 6,2%, die Zahl der unbeschäftigten Menschen mit Behinderung ist jedoch mit 14% erheblich höher (vgl. Peiffer 2015, S.18). Der Einstieg ins Berufsleben gestaltet sich oft nicht einfach, bei vielen Menschen ist er durch befristete Beschäftigung, Arbeit im Niedriglohnsektor oder auch Arbeitslosigkeit gekennzeichnet (vgl. Rosenberger 2017, S. 104). Vor allem Menschen mit Behinderung haben häufig Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Dadurch lassen sich immer mehr Erwerbslose in Werkstätten oder Beschäftigungsmaßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes finden, die unter angepassten Arbeitsbedingungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein könnten, jedoch aus eigenem Vermögen keinen Zugang dazu finden können (vgl. Hohmeier 2001, S. 15).

Mögliche Gründe für die mühsame berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung können der Rückgang der Arbeitsplätze mit niedrigen Anforderungen, die Knappheit geeigneter Ausbildungsplätze (vgl. Hohmeier 2001, S. 15) und die Einstellungshemmnisse und negativen Vorannahmen vieler Arbeitgeber*innen sein (vgl. Felder 2017, S. 100). Auch verwehrt eine Separierung der Arbeitsmärkte in einen ersten und zweiten Arbeitsmarkt und die institutionelle Diskriminierung von Menschen mit Behinderung ihnen den Zugang zu bestimmten Tätigkeitsfeldern (vgl. Schoenberg 2013, S. 119f.). Desweiteren kann das Fehlen von eigenen sozialen Kompetenzen, sowie von persönlicher Unterstützung am Arbeitsplatz durch eine/n Ansprechpartner*in zum Scheitern am reibungslosen Übergang zwischen Schule und Beruf beitragen (vgl. Hohmeier 2001, S. 21).

Um dieser Dynamik entgegenzuwirken, wurden im Sinne der beruflichen Inklusion unterschiedliche Konzepte für einen erleichterten Einstieg in das Berufsleben des allgemeinen Arbeitsmarktes für Menschen mit Behinderung entwickelt. In dieser Arbeit sollen nach einer Hinführung zum Thema ausgewählte Beispiele dieser Konzepte vorgestellt werden. Therapeutische Beschäftigungsmaßnahmen wie Tagesförderstätten sollen dabei nicht weiter ausgeführt werden, da sie nicht Teil des allgemeinen Arbeitsmarktes sind.

2. Begriffsdefinitionen

Um ein einheitliches Verständnis der Begriffe zu gewährleisten, sollen diese hier definiert werden.

- Behinderung:

Im SGB IX wird der Begriff "Behinderung" folgendermaßen definiert:

"Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.“ (§ 2 Abs. 1 SGB IX).

In der UN-Behindertenrechtskonvention wurde bei der Definition von Behinderung zusätzlich berücksichtigt, dass diese in Interaktion mit anderen Menschen und anderen äußeren Einflüssen geschaffen wird und somit nicht allein dem Umstand der körperlichen, geistigen oder seelischen Normabweichung zugrundeliegt (vgl. Schreiner 2017, S. 23f.):

„[…] in der Erkenntnis, dass das Verständnis von Behinderung sich ständig weiterentwickelt und dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht” (Vereinte Nationen 2006).

- Inklusion:

Auch für den Begriff "Inklusion" lassen sich unterschiedliche Definitionen finden. Behrendt beschreibt eine erfolgreiche Inklusion mit den Worten: "Wenn ein Akteur effektiven Zugang zu allen Rollen einer Praxis besitzt, ist er vollständig inkludiert." (2017, S. 66). Inklusion betont das Verständnis, dass "Behinderung nur eine Dimension von gesellschaftlicher Heterogenität ist" (Doose 2007, S. 16) und lässt sich vom Begriff "Integration" abgrenzen. Dieser geht im Gegensatz dazu von unterschiedlichen Gruppen innerhalb einer Gesellschaft aus (Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. 2009, S. 4).

- Allgemeiner / Erster Arbeitsmarkt:

Im Duden für Wirtschaft von A bis Z wird der erste Arbeitsmarkt wie folgt definiert:

"Bezeichnung für den »normalen« Arbeitsmarkt, auf dem Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse bestehen, die im Unterschied zum zweiten Arbeitsmarkt ohne Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik zustande gekommen sind." (Duden 2016, S. 135).

3. Inklusive Bildung

Die Begriffe "Inklusion" und "inklusive Bildung" stehen schon seit längerer Zeit im Diskurs, deshalb lassen sich verschiedene Definitionen finden, welche wiederum Begriffe wie "Beeinträchtigung", "Behinderung" oder "Benachteiligung" mit unterschiedlichen Auffassungen verwenden (vgl. Zoyke, Vollmer 2016, S. 7f.). Häufig bezieht sich der Diskurs auf die schulische Facette der inklusiven Bildung, seltener auf die inklusive Berufsbildung (vgl. Euler 2016, S. 27). Auch wenn unterschiedliche Verständnisse von Inklusion vorherrschen, lässt sich zusammenfassen, dass jeder Mensch in seiner Individualität wertgeschätzt werden soll, ungeachtet von körperlichen oder geistigen Unterschieden (vgl. Zoyke, Vollmer 2016, S. 7f.). Inklusive Bildung meint eine Bildung für alle ohne Ausschluss Einzelner (vgl. Euler 2016, S. 29) und ist eines der Ziele der UNESCO (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V. 2014, S. 4). Sie "bezeichnet u.a. das Recht aller Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, gemeinsam mit Nicht-Behinderten lernen zu dürfen" (Euler 2016, S.29).

Dementsprechend wird die inklusive Berufsausbildung als Recht aller Menschen mit Behinderung verstanden, zusammen mit anderen, nichtbehinderten Menschen eine Berufsausbildung zu absolvieren (vgl. Euler 2016, S.29).

Der Übergang zwischen Schule und Beruf ist einer der häufig hürdenreichen Übergänge, die ein Mensch im Laufe seines Lebens bewältigen muss. Um Diskriminierung, Stigmatisierung sowie Selektion mancher Menschen beim Einstieg ins Berufsleben vorzubeugen, wird der inklusiven Bildung in Deutschland ein immer größerer Stellenwert beigemessen (vgl. Rosenberger 2017, S. 99f.).

Zwar zeichnete sich das bisherige Bildungssystem durch eine Spaltung von Allgemeinbildung und Berufsbildung und eine Aufteilung der Bildungsinstitutionen in Lernorte für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung aus, jedoch stellt Deutschland an sich selbst den Anspruch eines inklusiven Bildungssystems, das das Ziel einer bestmöglichen Förderung aller Kinder und Jugendlichen verfolgt (vgl. Baethge 2016, S. 43f.).

3.1 Inklusive Bildung im schulischen Bereich

Das bisherige Schulsystem, das durch eine Separierung von Regelschule und Sonderschule gekennzeichnet ist, wird zunehmend infrage gestellt. Schon zu Beginn der 1970er Jahre wurde die Sonderschule immer mehr kritisiert und es wurde auf mögliche negative Auswirkungen (wie z.B. Diskriminierung und Ausgrenzung) für Schüler*innen dieser Schulform aufmerksam gemacht. Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sollten nicht mehr von der alltäglichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden, außerdem sollte die Umgangsweise mit ihnen nicht mehr defizitorientiert sein. So wurden 1994 von der Kultusministerkonferenz neun Förderschwerpunkte definiert, die den Bereich der gewünschten Förderung eines Menschen benennen, statt den Fokus auf dessen Beeinträchtigung zu setzen, wie es die vorherigen zehn Sonderschultypen getan hatten. Dies beinhaltet auch die Idee, dass Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf nicht mehr nur Sonderschulen, sondern auch Regelschulen besuchen sollen. Im Zuge der Diskussion um den Begriff Inklusion rückte das Verständnis, dass alle Kinder und Jugendlichen gleichberechtigt und mit den gleichen Chancen auf das spätere (Berufs-)Leben vorbereitet werden sollen, immer mehr in den Fokus (vgl. Gudjons/Traub 2012, S. 311f.).

Es gibt verschiedene Ansätze der beruflichen Inklusion, die sich mit Kindern und Jugendlichen in der Schule beschäftigen, um sie auf das Erwerbsleben vorzubereiten. Als Beispiel sei hier die Unterstützung durch die Bundesagentur für Arbeit genannt. Lehrkräften wird die Möglichkeit gegeben, unterschiedliche Unterrichtsmaterialien und Anregungen zum Thema Berufsorientierung zu nutzen (Bundesagentur für Arbeit 2017a).

4. Berufliche Inklusion

4.1 Aktuelle rechtliche Situation

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland werden alle Menschen als gleichberechtigt definiert. Folglich sind die Grundrechte für alle Deutschen, so auch Menschen mit Behinderung, wirksam. Zusätzlich wurde 1994 hinzugefügt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ (Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG). Somit haben Menschen mit einer Behinderung das Recht auf Gleichberechtigung und Gleichbehandlung in allen Bereichen des Lebens inklusive des Berufslebens. Dies wird im Grundgesetz beschrieben mit den Worten: „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen“ (Art. 12 Abs. 1 GG) (vgl. Schreiner 2017, S. 26).

Auch die UN-Behindertenrechtskonvention beschreibt das Recht auf Chancengerechtigkeit und legt in Artikel 27 "Arbeit und Beschäftigung" das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderung dar. Es wird die Möglichkeit der freiwilligen und frei gewählten Erwerbsarbeit zur eigenständigen Finanzierung des Lebensunterhaltes gefordert. Ebenso soll eine Förderung und Sicherung des Zugangs und der Teilhabe gewährleistet werden (vgl. Schreiner 2017, S. 29 nach Vereinte Nationen 2006).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Übergang von Schule und Beruf bei Menschen mit Behinderung. Konzepte für einen erleichterten Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V450111
ISBN (eBook)
9783668839205
ISBN (Buch)
9783668839212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschen mit Behinderung, Allgemeiner Arbeitsmarkt, Inklusion, Beruf, inklusive Bildung, Menschen mit Beeinträchtigung
Arbeit zitieren
Ronja Stephenson (Autor), 2018, Der Übergang von Schule und Beruf bei Menschen mit Behinderung. Konzepte für einen erleichterten Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450111

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Übergang von Schule und Beruf bei Menschen mit Behinderung. Konzepte für einen erleichterten Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden