Case Management und Werteorientierung. Ein Widerspruch?

Vereinbarkeit beim Prozessschritt Ziel- und Hilfeplanung in der Arbeit mit suchtkranken Menschen


Hausarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Arbeitsaufbau

2 Case Management
2.1 Der Prozess-Schritt ‚Ziel- und Hilfeplanung‘ näher betrachtet

3 Die Werte der Sozialen Arbeit im Case Management
3.1 Ethik im Case Management
3.2 Vergleich Schweiz - Deutschland

4 Sucht
4.1 Was ist Abhängigkeit und was Sucht?
4.1.1 Definition nach ICD-10
4.2 Suchtbetroffene Menschen
4.2.1 Mehrfachbelastungen
4.2.3 Unfreiwilligkeit beim Annehmen von Hilfsangeboten

5 Verknüpfung der Themenbereiche mit der Fragestellung
5.1 Das Suchthilfesystem & Case Management
5.2 Die Besonderheiten der Arbeit mit Suchtkranken in der Ziel- und Hilfeplanung
5.2.1 Beziehungsarbeit & Motivational Interviewing

6 Schlussbemerkungen und Beantwortung der Fragestellung

7 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Wir haben uns als Gruppe vorgenommen, die Kooperation als intendierte Zusammenarbeit aus dem Blickwinkel des Case Managements (CM) und in Verbindung mit der Wertorientierung der Sozialen Arbeit näher zu untersuchen. Dabei haben wir die Fragestellung stetig eingegrenzt und uns damit beschäftigt, ob CM und Wertorientierung allenfalls sogar einen Widerspruch darstellen. Die Vereinbarkeit der beiden Themen möchten wir letztendlich im Prozess-Schritt Ziel- und Hilfeplanung und in der Arbeit mit suchtkranken Menschen prüfen.

Aus diesen Überlegungen hat sich folgende Fragestellung ergeben: Wie können die Werte der Sozialen Arbeit bei Menschen mit einem Suchtproblem in der Ziel- und Hilfeplanung des Case Management Prozesses berücksichtigt werden?

1.1 Arbeitsaufbau

Wir haben uns entschieden, erst die einzelnen Komponenten und Begriffe näher zu erläutern und beginnen darum damit, uns den Werten der Sozialen Arbeit, dem CM und der Sucht allgemein zu widmen.

Im darauffolgenden Abschnitt setzen wir die einzelnen Komponenten in Bezug zueinander und verknüpfen die Erkenntnisse daraus mit unserer Fragestellung.

Als Abschluss folgen unsere Schlussbemerkungen und die letztendliche Beantwortung der Fragestellung.

2 Case Management

Entstanden ist CM aus der Vereinigung von drei Ursprungsmethoden der Sozialen Arbeit: Der Einzelfallhilfe, welche auf Mary Richmond aus dem Jahre 1917 zurückzuführend ist, der Gruppenarbeit und der Gemeinwesenarbeit. Auslöser für die Entwicklung dieser neuen Profession war eine radikale Veränderung (Sparmaßnahmen) bei sozialen Organisationen und im Gesundheitswesen Anfang der 1990er in den vereinigten Staaten von Amerika, welches zu einer Vielzahl von kleinen unübersichtlichen Hilfsorganisationen führte. Die Profession entwickelte eine berufsständige Interessensvertretung, die „Case Management Society of America (CMSA)“. Nach deren Definition beschreibt CM einen „kollaborativen Prozess der Bewertung, Planung, Hilfestellung und Rechtsvertretung“ von Patienten mit dem Ziel, „die gesundheitlichen Bedürfnisse eines Individuums durch Kommunikation und Bereitstellung von Ressourcen zu erfüllen und qualitativ hochwertige, kostengünstige Behandlungserfolge zu sichern“ (http://www.monzer.de/downloads/definition-case-management.pdf). Das CM ist inzwischen in vielfältiger Form hierzulande vorzufinden: In der Sozialen Arbeit, im Gesundheitswesen und in der beruflichen Erst- und Wiedereingliederung (vgl. Amstutz 2015: 315). Das Bewusstsein der Sozialen Arbeit veränderte sich, und die Klientel wurde je länger je mehr als Kundschaft betrachtet, und das Ziel ist es heute, die Lebensqualität sowie die Autonomie derer zu fördern (vgl. Amstutz 2015: 316).

Kritische Stimmen zum Konzept des CM behaupten, dass man die Zielrichtung überwiegend unter den beiden Vorwürfen des „alten Weins in neuen Schläuchen“ oder den der Instrumentalisierung von Kostenreduzierungsbemühungen zusammenfassen kann (vgl. Amstutz 2015: 327). Staub-Bernasconi brachte CM sogar in die Nähe einer „Fast-Food“-Variante der Sozialen Arbeit (vgl. Fass 2009: 30). Jedoch sei an dieser Stelle auch gesagt, dass in den verschiedenen Ländern, in denen CM angewendet wird, ein großer Unterschied der Sozialpolitik herrscht und es daher schwierig ist, Vergleiche zu ziehen. Festzuhalten ist, dass es einen hohen Anteil von Standardisierung gibt (z.B. Checklisten, als Gedankenstütze oder Einengung) (vgl. Amstutz 2015: 327f).

CM orientiert sich bei seiner Anwendung an fünf Schritte, die im Folgenden auf die wichtigsten Merkmale kurz vorgestellt werden.

Vor-Phase

Die Vor-Phase beinhaltet drei verschiedene Vorgänge. In dem ersten Schritt wird die Zielgruppe definiert (z.B. Suchtbereich, Berufsbildung –Integration etc.). Dies wird als „Case finding“ deklariert. Der darauffolgende Schritt „Access“ bedeutet eine erste aktive Vernetzung mit Fachpersonen oder –stellen im regionalen Versorgungssystem. Als letzter Schritt in der Vor-Phase gilt das „Intake“. Hier findet ein erster Kontakt mit der Klientel statt. Dabei werden Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit definiert und ein Überblick des Verfahrens erstellt. Wichtig ist, dass die Rollen geklärt werden, der Aufgabenbereich definiert und gegenseitige Erwartungen angesprochen werden (vgl. Amstutz 2015: 321-322).

Assessment

In der Phase des Assessment steht eine vollumfängliche Situationserfassung und Beurteilung im Vordergrund. Eine systemische Sichtweise auf die Gesamtsituation und Lebenslage des Klienten sind Voraussetzung für das weitere Vorgehen (vgl. Amstutz 2015: 323).

Zielvereinbarung / Hilfeplanung

Die Erkenntnisse aus dem Assessment und die Lebensplanung (Lebensziele, Zukunftsvorstellungen, Visionen) der Klientel dienen diesem Schritt als Grundlage. Die Zielformulierung ist eng mit der Hilfeplanung verknüpft, zeitlich festgelegt und sollte in einer Konferenz mit allen Beteiligten entwickelt werden (vgl. Amstutz 2015: 324).

Umsetzung und Durchführung

Die Umsetzung der vereinbarten Ziele setzt sich aus drei Hauptelementen zusammen. Das erste ist die Koordination. Hier gilt es, die „Fäden in der Hand“ zu halten und zu behalten. Die Arbeit liegt jetzt bei den Fachstellen, der Klientel und dem sozialen Umfeld. Das zweite Element nennt sich Monitoring und soll sicherstellen, dass alle Beteiligten ihren Pflichten und den besprochenen Abmachungen nachkommen. Das letzte Element in diesem Schritt ist die Dokumentation, die die Aufgabe beinhaltet, gemachte Fortschritte festzuhalten und zu belegen. Sie dient besonders der Leistungsnachweisung und der Qualitätssicherung (vgl. Amstutz 2015: 325).

Evaluation

Dieser Schritt deutet das Ende des Modells CM an. Hierbei wird gemeinsam mit der Klientel eine Selbst- und Fremdeinschätzung der Prozesse unternommen. Ebenfalls werden weitere beteiligte Personen dazu beigezogen. Wenn die Ziele nicht erreicht wurden kann ein Re-Assessment stattfinden und dadurch erneut von vorne begonnen werden (vgl. Amstutz 2015: 326).

2.1 Der Prozess-Schritt ‚Ziel- und Hilfeplanung‘ näher betrachtet

Der gemeinsamen Erarbeitung einer Ziel- und Hilfeplanung geht bereits eine längere Auseinandersetzung des Falls voraus und dennoch ist sie der Grundstein für eine aktive Phase. Diesem Grundstein werden vermehrt weitere Bausteine zugefügt und so schreibt auch Mennemann: „integriertes, vernetztes Arbeiten bedeutet, dass sich jeder Dienst im Rahmen einer zu erbringenden Gesamtleistung als ein ‚Baustein‘ im Gefüge weiß …“ (Mennemann 2006:15). Dafür benötigt es als erstes einen „Bewusstseinswechsel“ aller Beteiligten mit dem Ziel, ein kooperatives „Hilfsgebäude“ (ebd.) darzustellen, welches nach dem Bedarf der Klientel ausgerichtet ist und den entwickelten Hilfeplan verwirklichen kann. Zunächst ist hierbei eine Verständigung über die zu erreichenden gemeinsamen Ziele als sinnvoll, bevor man die Regeln für die Zusammenarbeit festlegt (vgl. Fass 2009: 177).

Bei der Zieldefinierung wird meistens zwischen drei Ebenen unterschieden. Dies hilft auch beim Setzen von Prioritäten. Die Unterteilung beinhaltet Leit- oder Grundsatzziele, Rahmenziele und Handlungsziele, und sind der Reihe nach zu hierarchisieren. Handlungsziele können in der oben genannten Metapher als Bausteine angesehen werden, die jedoch nichts mit dem Bauplan zu tun haben. Hier werden die Maßnahmen festgehalten, welche für die Rahmenziele Voraussetzung sind. Das Leitziel steht dabei als Gesamtleistung und Hauptziel dar (vgl. ebd.: 178).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Case Management und Werteorientierung. Ein Widerspruch?
Untertitel
Vereinbarkeit beim Prozessschritt Ziel- und Hilfeplanung in der Arbeit mit suchtkranken Menschen
Hochschule
Fachhochschule Nordwestschweiz  (Hochschule für Soziale Arbeit)
Note
2.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V452175
ISBN (eBook)
9783668847262
ISBN (Buch)
9783668847279
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Case Management, Kooperation, Soziale Arbeit, Suchterkrankung, Werte, Zielplanung, Hilfeplanung
Arbeit zitieren
Chantal Burri (Autor), 2017, Case Management und Werteorientierung. Ein Widerspruch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452175

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Case Management und Werteorientierung. Ein Widerspruch?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden