Die Hirsauer und die Bursfelder Reform auf dem Kloster Michaelsberg


Seminararbeit, 2016

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Anfänge der Hirsauer und Bursfelder Reformbewegung
2.1 Die Hirsauer Reform
2.1.1 Der Kampf um die Freiheit von der Eigenklosterherrschaft mit dem ״Hirsauer Fomular“
2.1.2 Die Einführung der cluniazensischen Gewohnheiten und die ״Hirsauer Konstitutionen“
2.2 Die Bursfelder Reform
2.2.1 Die Gründung der Bursfelder Kongregation
2.2.2 Die Vereinheitlichung der Lebensführung im ״Liber Ordinarius“

3. Die Einführung der Hirsauer und Bursfelder Reform auf dem Kloster Michaelsberg
3.1 Die Hirsauer Reform
3.1.1 Die Durchsetzung der Hirsauer Reformbewegung durch Bischof Otto 1
3.1.2 Das reformierte Kloster Michaelsberg und ihre Blütezeit
3.2 Die Bursfelder Reform
3.2.1 Die Aufnahme des Klosters Michaelsberg in die Bursfelder Kongregation
3.2.2 Das reformierte Kloster Michaelsberg und ihre Blütezeit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Die Gründung des Benediktinerklosters St. Michael ist für das Erzbistum Bamberg ein wichtiges Ereignis. Schließlich diente St. Michael sowohl als Zentrum für die Lehre des christlichen Glaubens und Lebens als auch für Erziehung und Bildung sowie Kultur und Entwicklung. Damit war auch das Kloster Michaelsberg bedeutsam für die Ausbildung einer abendländischen Kultur.

Im Jahre 2015 hatte das Kloster seine 1000-Jahr-Feier und zu diesem Anlass haben Dr. Norbert Jung und Holger Kempkens das Buch 1000״ Jahre Kloster Michaelsberg Bamberg 1015-2015. Im Schutz des Engels.“ herausgegeben. Für interessierte Leser, Einheimische sowie Besucher der Stadt Bamberg bietet sich damit die Möglichkeit, einen tiefen, facettenreichen Einblick in die 1000-jährige Geschichte des Klosters St. Michael durch die Einzelbeiträge zu gewinnen. Die Motivation für die Anfertigung dieser Seminararbeit bildete auch vor allem der Beitrag von Ludwig Unger mit dem Titel ״Auf der Suche nach der rechten Lebensweise. Die Hirsauer und die Bursfelder Reform auf dem Michaelsberg.“ Da Reformprozesse herbeigeführte Ver­änderungen sowie Erneuerungen bestimmter Verhältnisse darstellen, welche die weitere Entwicklung einer Einrichtung beeinflussen, entstand damit das Interesse zu untersuchen, wie solche auflebenden Reformen eingeführt werden. Auch die Hirsauer Reform im 11. Jahrhundert sowie die Bursfelder Reform im 15. Jahrhundert auf dem Kloster Michaelsberg hatten Einfluss auf die Erziehung und Bildung sowie Kultur und Entwicklung. Damit haben diese Reformbewegungen auch die abendländische Kultur in der Stadt Bamberg geprägt.

Der Grund für die Notwendigkeit dieser Reformen war die starke Verweltlichung des Klosters. Zum Einen übte die weltliche Gewalt zu viel Macht auf das Kloster aus und zum Anderen hatten die Mönche eine weltliche Lebensweise und führten kein regelgetreues Leben nach der Regula Benedict!. Infolgedessen setzten sich Bischöfe und Äbte für die Einführung der oben genannten Reformen ein, um damit die Befreiung von der Eigenklosterherrschaft sowie auch die Rückbesinnung auf die Benediktsregel zu erreichen.

Die Frage, die in der vorliegenden Arbeit untersucht wird, lautet: ״Wie wurden die Hirsauer und Bursfelder Reform auf dem Kloster Michaelsberg eingeführt?“ Um dieser Frage nachzugehen, ist die Arbeit folgendermaßen gegliedert: Kapitel 2 befasst sich mit den Anfängen, mit der Historie der Hirsauer und Brusfelder Reformbewegung. Dieser Teil dient als Wissensgrundlage für den Hauptteil dieser Arbeit. Kapitel 3 (Hauptteil) setzt sich mit der reform eri sehen Umgestaltung des Klosters Michaelsberg nach Hirsauer und Bursfelder Vorbild auseinander. Neben den Reformprozessen sollen hier auch die Veränderungen in der Kloster­landschaft, die mit der Einführung der Reform einhergingen, aufgezeigt werden.

Diese Arbeit konzentriert sich lediglich auf die Einführung beider Reformen und nicht auf die Gründungsgeschichte des Klosters St. Michael. Vorgeschichtliche und parallel erfolgte kirchenpolitische Ereignisse (z.B. Investiturstreit) sowie die Säkularisation des Klosters werden ebenso nicht behandelt bzw. untersucht, da sie für die Beantwortung der Fragestellung nicht dienlich sind. Dennoch werden damit Kenntnisse zu kirchenpolitischen Geschehnissen im 11. bis 15. Jahrhundert sowie zu kirchenpolitischen Begrifflichkeiten vorausgesetzt, aber für das Verständnis dieser Arbeit nicht zwingend notwendig werden. Den Abschluss der Arbeit bilden zusammenfassende Ergebnisse.

Das Ziel dieser Arbeit ist es auch, den interessierten Lesern sowie Einheimischen und Besuchern der Stadt Bamberg einen Einblick in die Reformgeschichte des Klosters Michaelsberg zu verschaffen.

2. Die Anfänge der Hirsauer und Bursfelder Reformbewegung

2.1 Die Hirsauer Reform

2.1.1 Der Kampf um die Freiheit von der Eigenklosterherrschaft mit dem ״Hirsauer Fomular“

Der zweite Rapport des Codex Hirsaugiensis berichtet, dass das Mönchsleben im Kloster Hirsau im Schwarzwald nicht mehr dem regelgetreuen Klosterleben entspricht und somit das Kloster vom Niedergang bedroht ist. Papst Leo IX. beauftragte den Grafen Adalbert II. von Calw den Niedergang des Klosters Hirsau zu verhindern und das frühere regelgetreue Mönchsleben wiederherzustellen. Zudem forderte er ihn dazu auf, den Klosterbesitz freizugeben.1 Adalbert verfügte bekanntlich über die Eigenklosterherrschaft, ״d.h. er betrachtete diese ganze Institution als sein Eigentum. Er übernahm die Vogteirechte, d.h. die Schutzfunktion und die rechtliche Vertretung nach außen. Zu diesen Rechten gehörte auch der Einfluß auf die Abtswahl. Adalbert ließ sich diese Form der Herrschaft über das Kloster, über sein Eigenkloster, von Papst und Kaiser bestätigen. Er erhielt auch die Bestätigung. Damit hatte er als Laie einen bedeutenden Einfluß auf die Kirche.“2

Für die Wiederbelebung des regelgetreuen Klosterlebens berief Graf Adalbert II. von Calw im Jahre 1065 Mönche aus Einsiedeln in der Schweiz unter dem Abt Friedrich. Vier Jahre später setzte der Eigenklosterherr aus nicht mehr einsichtig erscheinenden Gründen Abt Friedrich ab.3 Sein Nachfolger war ein Mönch aus St. Emmeran in Regensburg, der die gorzisch-lothringische Tradition mitbrachte und seit seiner Berufung Abt Wilhelm von Hirsau hieß. ״Er verfolgte das Ziel, dem Kloster die volle ״libertas“ von der Eigenklosterherrschaft der Calwer Stifterfamilie zu erwerben.“4 Dies wollte Abt Wilhelm im Jahre 1075 mit dem als ״Hirsauer Formular“ (״in Selbstbezeichnung ״testamentum traditionis et libertatis““5 ) bekannt gewordenen Diplom erreichen. Dessen Bestimmungen hinsichtlich des Rechtsverhältnisses zwischen dem Kloster und seinem Stifter sind in Tab. 1 abgebildet:

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Rechtssetzung des Diploms ״Hirsauer Formular“, Jakobs 1961, 17-21. (eigene Darstellung)

Zu den letzten zwei Bestimmungen ist anzumerken, dass ״sich in den Augen des Hirsauer Abtes ... königliche Bannleihe und apostolischer Schutz nicht gegenseitig ausschlossen, obwohl die protectie» auch gegen etwaige Übergriffe des Königs hervorgehoben wurde. Außerdem ״... widersprachen sich libertas Romana und Selbstinvestitur im vorgregorianischen Rechtsdenken noch nicht...“.6

Mit dem Hirsauer Formular erreichte Abt Wilhelm im Jahre 1075 die Herrschaft des Grafen Adalbert II. von Calw zurückzuhalten und die freie Abtswahl zu wahren. Allerdings musste er die Vogtheitsrechte der Calwer Grafen akzeptieren.7

Kurz danach empfand Abt Wilhelm von Hirsau die gozisch-lothringische Tradition für ein strenges regelgetreues Klosterleben als ungeeignet und setzte sich für eine reformerische Umgestaltung des Klosters ein, auf die im Folgenden eingegangen wird.

2.1.2 Die Einführung der cluniazensischen Gewohnheiten und die ״Hirsauer Konstitutionen“

Auf der Suche nach der wahren monastischen Lebensform stieß Abt Wilhelm von Hirsau im Jahre 1077/78 auf das cluniazensische Gedankengut. Ausschlaggebend dafür war der Hinweis des Abtes Bernhard von St. Victor in Marseille. Er machte Abt Wilhelm auf Cluny und seine Gewohnheiten aufmerksam und betrachtete das cluniazensische Gedankengut als die un­erschöpfliche Quelle der wahren monastischen Lebensform. Alsdann führte Abt Wilhelm im Jahre 1079 die Gebräuche Clunys in Hirsau ein. Dies wurde gleich begünstigt durch den Besuch Ulrichs von Cluny, Wilhelms Freund aus der Regensburger Zeit.8 ״Ihn ersuchte Wilhelm, die cluniazensischen ״Gewohnheiten“ niederzuschreiben; schließlich entsandte er zur näheren Orientierung Hirsauer Mönche in die Reformzentrale, um die Kenntnisse der dortigen Satzungen zu vertiefen.“9

Die Hirsauer Konstitutionen (HK), die wie das Hirsauer Formular (HF) die Rechtsverhältnisse zwischen dem Kloster und seinem Stifter festlegten,10 waren nun vom cluniazensischem Gedankengut geprägt. Dennoch gab es viele Unterschiede zwischen dem Hirsauer Reformkreis und den Cluniazensem. ״In Hirsau findet sich keine Äußerungsform des cluniazensischen

[...]


1 Vgl. Lufen 1982, 13f.

2 Kohler 1991, 31.

3 Vgl. Ebd., 32.

4 Klueting 2005, 24.

5 Hartmann 2015, 2.

6 Jakobs 1961, 21.

7 Klueting 2005, 24.

8 Vgl. Jakobs 1961,27.

9 Lufen 1982, 21.

10 Eine Erklärung zu den unterschiedlichen Bestimmungen in EIK und E1F findet sich in Lufen 1981, 20. & 23.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Hirsauer und die Bursfelder Reform auf dem Kloster Michaelsberg
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Geschichte des Mönchtums in Franken
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V452973
ISBN (eBook)
9783668851689
ISBN (Buch)
9783668851696
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hirsauer, bursfelder, reform, kloster, michaelsberg
Arbeit zitieren
Aysel Yıldırım (Autor), 2016, Die Hirsauer und die Bursfelder Reform auf dem Kloster Michaelsberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452973

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