Die Islamisierung der islamischen Republik Pakistan von der Teilung Indiens bis zu den Taliban


Hausarbeit, 2016
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Teilung Indiens und die Staatsgründung Pakistans
2.1 Ethnische Zusammensetzung
2.2 Wirtschaftliche Ausgangslage

3 Verfehlte Bemühungen um eine stabile Regierung (1947 – 1958)

4 Bangladesch: Der Weg in die Unabhängigkeit (1959 – 1971)

5 Sozialistische Bemühungen unter der Führung Butthos (1972 – 1977)

6 Der Beginn der radikalen Islamisierung unter Zia ul-Haq (1977 – 1988)

7 Instabile Demokratie (1988 – 1999)

8 Militärdiktatur unter Musharraff (1999-2008

9 Aktuelle Lage und Fazit

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Pakistan wird aktuell als eines der gefährlichsten Länder der Welt bezeichnet. Immer wieder ist in den Medien von Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund in Pakistan die Rede. Erst am 27. März 2016 ereignete sich ein von den radikalislamischen Taliban durchgeführter Selbstmordanschlag in der pakistanischen Stadt Lahore, bei dem mehr als 70 Menschen ums Leben kamen.

Eine Ursache für diese radikalislamischen Tendenzen liegt zweifelsohne in der innenpolitischen Instabilität des Landes, mit der Pakistan seit der Gründung im Jahre 1947 zu kämpfen hat. Die gemeinsame Grundlage, auf der die Staatsgründung beruht, ist der Islam. Betrachtet man nun die Entwicklungen des Landes von der Staatsgründung bis heute, so gelangt man zu der Annahme, dass eine gemeinsame Religion als Basis für einen stabilen und funktionsfähigen Staat nicht ausreicht.

Die folgende Ausarbeitung stellt die wichtigsten Aspekte der Geschichte Pakistans dar. Dabei wird immer wieder auf die Machtkämpfe zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen eingegangen, die eine signifikante Rolle bezüglich der politischen Instabilität spielen. Darüber hinaus wird auch Bangladesch, ehemals Ostpakistans, in die Ausarbeitung einbezogen, da das Beispiel der Bengalen besonders deutlich zeigt, dass ethnische und kulturelle Unterschiede zu gravierend sind, um von der gemeinsamen Religion des Islam überschattet zu werden.

Zum Schluss wird die aktuelle Situation Pakistans skizziert und in Verbindung zu der Geschichte des Landes gesetzt.

2 Die Teilung Indiens und die Staatsgründung Pakistans

Im Jahre 1947 wurde die britische Kolonie Indien in zwei souveräne Nationen geteilt: Indien und Pakistan. Pakistan bestand dabei aus zwei Teilen: West- und Ostpakistan.

Die Teilung lässt sich auf zunehmende Spannungen zwischen den in Indien lebenden Hindus und Muslimen zurückführen, die mit gewaltsamen Auseinandersetzungen einhergingen (vgl. Kahn 2007: 6).

Die Muslime stellten eine Minderheit in Indien dar und waren in der von Hindus dominierten Kongresspartei stark unterrepräsentiert. Um ihre Interessen wirkungsvoller zu vertreten, gründeten sie im Jahre 1906 die Muslimliga (vgl. Jaffrelot 2002: 11). Diese proklamierte in den 1930er Jahren unter der Führung von Muhammad Ali Jinnah die Gefährdung muslimischer Minderheitsrechte nach Abzug der Briten aus Indien (vgl. ebd.:.12). Immer wieder betonte er die Unterschiede zwischen Muslimen und Hindus, die seiner Meinung nach zwei verschiedenen Kulturen angehörten. Mit dieser Begründung forderte er letztendlich einen eigenständigen Staat für Muslime (vgl. ebd.: 13). Anfangs waren bei Weitem nicht alle Muslime überzeugt von dieser Theorie. Abdul Mansur Ahmad beispielsweise, der 1944 Anführer der Muslimliga in der Provinz Bengalen wurde, bemerkte, dass bengalische Muslime sich kulturell nicht nur von Hindus, sondern auch von Muslimen in anderen Provinzen unterschieden (vgl. ebd.: 15). Auch die Muslime aus den Provinzen, in denen sich die Muslime in der Mehrheit befanden (Pandschab, Sindh, Bengalen und die Nordwest-Grenzprovinz), wandten sich nur zögerlich der zwei-Nationen-Theorie zu. Ihr ursprüngliches Ziel war eine föderales System, in dem sie autonom in den jeweiligen Provinzen regieren konnten (vgl. ebd.: 12).

Bemerkenswert ist, dass Jinnah und der Großteil der Führung der Muslimliga selbst keine gläubigen Muslime waren, sondern „Islam“ trotz dieser Differenzen für sie eher eine ethnisch-kulturelle als im strengen Sinne religiöse Kategorie darstellt. Der Islam wurde bei der Teilung Indiens jedoch zum Zwecke der Mobilisierung eingesetzt (vgl. ebd.: 14f.). Dies lässt sich darauf zurückführen, dass den politischen Führern bewusst war, dass sich die zwei- Nationen-Theorie nur durchführen ließe, wenn alle muslimischen Regionen in einem neuen Staat vereint werden würden (vgl. ebd.: 16). Um das Konzept eines eigenständigen, auf dem Islam begründeten Staates auch für die Regionen mit muslimischer Mehrheit attraktiver zu gestalten, wurde Pakistan vorerst als Staat dargestellt, in dem die jeweiligen Provinzen weiterhin Autonomie und Souveränität genießen dürfen sollten (vgl. ebd.: 16), was schließlich zur Befürwortung der Staatsgründung seitens der Provinzen mit muslimischer Mehrheit führte.

Muhammad Ali Jinnah gilt als Gründer Pakistans. Seine Absicht war die Errichtung einer sprachlich und kulturell einheitlichen Nation, in der der Islam die Grundlage für das individuelle und kollektive Leben der Bürger darstellen sollte (vgl. ebd.: 9). Durch die islamische Religion als Gemeinsamkeit sollten regionale und ethnische Trennlinien überwunden werden (vgl. ebd.: 16f.). Wie der weitere Verlauf der Geschichte zeigen wird, hat sich dieser Wunsch jedoch nicht erfüllt. Dies lässt sich unter anderem auf die ethnische Zusammensetzung und die wirtschaftliche Ausgangslage zurückführen, die nun kurz dargelegt werden sollen.

2.1 Ethnische Zusammensetzung

Pakistan ist ein multiethnischer Staat. Die wichtigsten ethnischen Gruppen zum Zeitpunkt der Gründung waren die Pandschabi, die Belutschen, die Sindhi, die Paschtunen und die Bengalen. Eine Besonderheit Pakistans ist die hohe Anzahl an Flüchtlingen, genannt Muhajirs, die ihren ehemaligen Heimatort in Indien verlassen hatten, um in der islamischen Republik Pakistan zu leben. Im Jahre 1951 lebten 7 Millionen Muhajirs in Pakistan, der Großteil von ihnen in West-Pakistan, wo sie ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachten. Zum Zeitpunkt der Staatsgründung stellte die Muslimliga die Regierung, die demzufolge aus Muhajirs bestand. Auch im öffentlichen Sektor dominierten die Muhajirs (vgl. Jaffrelot 2002: 17).

Die eingesessenen Pandschabi verfügten ebenfalls über Privilegien. Sie dominierten die Armee und die Verwaltung und verfügten zudem über fruchtbares Land (vgl. ebd.: 18). Somit lag in den ersten Jahren nach der Gründung Pakistans eine Dominanz der eingesessenen Pandschabi und der Mujahirs vor. Im weiteren Verlauf der Geschichte setzten sich andere gesellschaftliche Gruppen gegen diese Vorherrschaft zur Wehr, was die Geschichte Pakistans bis heute bestimmt.

2.2 Wirtschaftliche Ausgangslage

Die sozioökonomische Situation Pakistans war von Provinz zu Provinz sehr unterschiedlich. Vor allem dem hauptsächlich von Bengalen bevölkerten Ost-Pakistan ging es ökonomisch schlecht; das Pro-Kopf-Einkommen und die Wachstumsrate lagen deutlich unter denen von West-Pakistan (vgl. Jaffrelot 2002: 23). Doch auch in West-Pakistan gab es beträchtliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Provinzen. Das durchschnittliche Pro-Kopf- Einkommen in der Provinz Sindh war zum Beispiel nahezu doppelt so hoch wie im Pandschab (vgl. ebd.: 20). Diese Unterschiede haben die Rivalitäten zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen noch verstärkt.

3 Verfehlte Bemühungen um eine stabile Regierung (1947 – 1958)

Die ersten Jahre nach der Staatsgründung waren vor allem von dem Versuch, eine Verfassung etablieren, gekennzeichnet.

Am 11. September 1948 starb Muhammad Ali Jinnah, Gründer und erstes Staatsoberhaupt Pakistans (vgl. Jaffrelot 2002: 296). Darauf folgten diverse, neue Staatsoberhäupter, von denen es jedoch niemandem gelang, politische Stabilität zu schaffen. De facto wurden die ersten sieben Staatsoberhäupter des Landes Opfer von politischen Intrigen (vgl. Timm 2013: 29).

Die Muslimliga, und somit die Muhajirs, haben während dieser Jahre stetig an Einfluss verloren (vgl. ebd.: 20). Dies hat sich in den Provinzen Ost-Pakistans besonders deutlich abgezeichnet. Schon früh wurde dort die Kritik geäußert, dass die Bengalen im Verhältnis zur immensen Größe dieser Bevölkerungsgruppe wenig politischen Einfluss hatten (vgl. ebd.: 43). So waren die Bengalen generell in wichtigen administrativen Bereichen sowie in der Armee stark unterrepräsentiert (vgl. ebd.: 23, 48).

Ein weiteres, besonders wichtiges Anliegen für die Bengalen war die Entscheidung über die Nationalsprache Pakistans, sodass sie sich gegen die 1952 erfolgten Anstrengungen der Muslimliga, ausschließlich Urdu als Nationalsprache einzuführen, aufgelehnt haben (vgl. ebd.: 21). Auch in anderen Bereichen zeichnete sich die unfaire Behandlung Ost-Pakistans schon in diesen frühen Jahren nach der Staatsgründung deutlich ab. So litt Ost-Pakistan stark unter der ökonomischen Ausbeutung durch den westlichen Teil: die Exporteinkommen Ost- Pakistans wurden in erheblichem Ausmaß für die Industrialisierung des Westens verwendet (vgl. ebd.: 23, 48).

All diese Kontroversen führten zu Unruhen, die sich vor allem in Bengalen ereigneten und die Unzufriedenheit der dortigen Bevölkerung mit der aktuellen Lage zum Ausdruck brachten. Eine weitere Folge bestand darin, dass der Muslimliga oppositionell eingestellte Parteien Zulauf bekamen. Die unter Fazlul Huq gegründete Krishak Sramik Partei und die Awami-Liga bildeten zusammen die Vereinigte Front, die viele Wahlsiege für sich beanspruchen konnte (vgl. ebd.: 23). Die Vereinigte Front forderte unter anderem, dass die zentrale Regierung ausschließlich für die Bereiche Verteidigung, Außenpolitik und das Finanzwesen zuständig sein sollte (vgl. ebd.: 48).

Im Jahre 1954 rief das derzeitige Staatsoberhaupt Ghulam Muhammad den Notstand aus und erwirkte 1955 eine Vereinigung aller west-pakistanischen Provinzen, um so ein Gegengewicht zu Ost-Pakistan zu bilden (vgl. ebd.: 21).

Im Jahre 1956, neun Jahre nach der Staatsgründung, wurde unter Iskander Mirza, dem ersten Präsidenten, die erste offizielle Verfassung verabschiedet und damit die islamische Republik Pakistan ausgerufen, die ein stark zentralisiertes Regierungssystem aufwies (vgl. ebd.: 297). Zwar erkannte diese Verfassung neben Urdu auch bengalisch als Nationalsprache an (vgl. ebd.: 49), doch die zunehmenden Unruhen in Ost-Pakistan ließen dadurch nicht nach. Aufgrund dessen trat die Verfassung im Oktober 1958 wieder außer Kraft; es wurde erneut der Ausnahmezustand ausgerufen. Im Zuge dessen wurden die Anführer der Awami-Liga inhaftiert, was die oppositionelle Haltung der Bengalen gegen die zentrale Regierung noch verstärkte (vgl. ebd.: 50).

Betrachtet man die Jahre 1947-1958, so ist bereits deutlich zu erkennen, dass die ethnische Zugehörigkeit und die damit verbundenen linguistischen und kulturellen Elemente die Linien vorgeben, an denen sich die internen Konflikte formieren. Die Signifikanz dieser Unterschiede ließ sich durch die gemeinsame Staatsreligion offensichtlich nicht herunterspielen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Islamisierung der islamischen Republik Pakistan von der Teilung Indiens bis zu den Taliban
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V454710
ISBN (eBook)
9783668877344
ISBN (Buch)
9783668877351
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islamisierung, republik, pakistan, teilung, indiens, taliban
Arbeit zitieren
Elisa Schulzki (Autor), 2016, Die Islamisierung der islamischen Republik Pakistan von der Teilung Indiens bis zu den Taliban, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454710

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