Ein politisches Mandat Sozialer Arbeit?


Bachelorarbeit, 2016
40 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Grundverständnis Sozialer Arbeit
1.1 Historischer Abriss
1.2 Funktion und Gegenstandsbestimmung
1.3 Definition
1.4 Zusammenfassung

2 Mandate Sozialer Arbeit
2.1 Begriffsdefinition Mandat
2.2 Das doppelte Mandat
2.3 Das Tripelmandat
2.4 Zusammenfassung

3 Politik und Soziale Arbeit
3.1 Politikverständnis
3.2 Politisches Umfeld der Sozialen Arbeit
3.2.1 Die Demokratie
3.2.2 Das Rechtsstaatsprinzip
3.2.3 Das Sozialstaatsprinzip
3.3 Dimensionen und Formen von Politik in den Handlungsfeldern
der Sozialen Arbeit
3.4 Möglichkeiten der politischen Einflussnahme der Sozialen Arbeit
3.5 Zusammenfassung

4 Politisches Mandat der Sozialen Arbeit
4.1 Begriffsdefinition politisches Mandat
4.2 Pro-Positionen
4.2.1 Die Soziale Arbeit hat ein gesellschaftspolitisches Mandat
4.2.2 Das politische Mandat ist staatlich legitimiert
4.3 Contra-Positionen
4.3.1 Die Soziale Arbeit hat kein politisches Mandat
4.3.2 Politisches Mandat: Nein! Aber eine politische Aufgabe
4.4 Weitere Positionen
4.4.1 Die Frage nach dem politischen Mandat ist eine sekundäre Frage
4.4.2 Das Tripelmandat macht das politische Mandat überflüssig
4.5 Eigene Position
4.6 Zusammenfassung

5 Fazit und Bedeutung für die Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Frage nach dem politischen Mandat der Sozialen Arbeit ist ein in Fachkreisen kontrovers diskutiertes Thema. Die Meinungen darüber gehen stark auseinander. Roland Merten hat dazu in seinem Buch „Hat die Soziale Arbeit ein politisches Mandat?“ einige Positionen gesammelt veröffentlicht. Das erwähnte Buch legte den Grundstein für diese Arbeit, indem es mir die Frage nach dem politischen Mandat näherbrachte.

Während meines Studiums habe ich ein Interesse für politische Belange der Sozialen Arbeit entwickelt. Die Soziale Arbeit ist in hohem Maße von der Politik abhängig und wird von dieser beeinflusst, hat jedoch auch den professionellen Auftrag seinen Klienten zu helfen, wo diese Hilfe benötigen. Demnach liegt es nahe, dass die Soziale Arbeit sich für die Interessen der Klienten einsetzt. Darüber hinaus hat die Soziale Arbeit auch berufsbedingte Interessen, die sie berücksichtigt sehen möchte.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, eine eigene Position zur Frage des politischen Mandats zu entwickeln und somit einen weiteren Beitrag zum Diskurs über das politische Mandat der Sozialen Arbeit zu leisten.

In der vorliegenden Arbeit gehe ich der Frage nach, warum die Soziale Arbeit ein politisches Mandat braucht.

Dazu beschäftige ich mich im ersten Kapitel zunächst mit dem Grundverständnis der Sozialen Arbeit. Dies beinhaltet einen historischen Abriss, die Funktions- und Gegenstandbestimmung sowie die Definition der Sozialen Arbeit. Anschließend beschreibe ich im zweiten Kapitel die Mandate der Sozialen Arbeit.

In Kapitel 3 „Politik und Soziale Arbeit“ kläre ich zuerst das Politikverständnis, welches der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt. Danach gehe ich auf das politische Umfeld der Sozialen Arbeit ein und beschreibe die Formen und Dimensionen von Politik in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, sowie die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme der Soziale Arbeit.

In Kapitel 4 beschäftige ich mich schließlich mit dem politischen Mandat der Sozialen Arbeit. Dazu stelle ich die verschiedenen Positionen aus Fachkreisen zu dieser Thematik vor und positioniere mich schließlich selbst.

Die vorliegende Arbeit schließt mit einem Fazit und stellt die Bedeutung des Themas für die Soziale Arbeit dar.

1 Grundverständnis Sozialer Arbeit

Im folgenden Kapitel wird das Grundverständnis der Sozialen Arbeit im Rahmen dieser Arbeit geklärt. Dafür bedarf es neben einer Definition auch einen historischen Abriss sowie die Funktions- und Gegenstandsbestimmung.

1.1 Historischer Abriss

Die professionelle Soziale Arbeit ist noch jung. Sie hat sich aus „spontaner bzw. nachbarschaftlicher oder gemeindlicher Hilfstätigkeit“ (Kuhlmann, 2011, S. 8) zu einer Profession entwickelt. Profession bedeutet den Anspruch, ein Beruf zu sein, der für die Gesellschaft relevant ist und der auf einer akademischen Ausbildung, einem ethischen Code und einer eigenständigen Berufsvereinigung als Standesvertreter beruht (vgl. Wendt, 2008, S. 2).

Zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Soziale Arbeit durch unterschiedliche Einflüsse verschiedener Initiativen, Institutionen und Hilfstätigkeiten zu einem Handlungsfeld geworden, welches sich durch den Staat in Anspruch nehmen ließ und dadurch Hilf- und Kontrolltätigkeiten in sich vereinte (vgl. Kuhlmann, 2011, S. 59, i. V. m. Wendt, 2008, S. 41). In staatlich finanzierten Handlungsfeldern, wie z. B. der Armenpflege stand die Kontrolle und Disziplinierung der Klienten im Vordergrund. Die Hilfs- und Unterstützungsvereine der sozialen Bewegungen (z.B. Jugend-, Frauen-, und Arbeiterbewegung) agierten hingegen auf Ebene der konkreten Hilfeleistung bzw. sozialpolitischer Aktivitäten (vgl. Kuhlmann, 2011, S. 59).

Besonders der Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass sich die Soziale Arbeit zwischen 1890 und 1918 zusehends professionalisierte. Die engagierten Frauen vernetzten sich, organisierten Bildungsangebote und sorgten mit ihrem Engagement dafür, dass soziale Berufe entstehen und sich weiterentwickeln konnten. Gleichzeitig entwickelte sich das Deutsche Reich durch die Einführung der Sozialversicherungsgesetze zu einem Wohlfahrtstaat (vgl. ebd., S. 61 ff.).

„1883 war die Kranken-, ein Jahr später die Unfall- und 1889 schließlich die Invaliditäts- und Altersversicherung eingeführt worden. […]. Dieses bis heute im Wesentlichen geltende System entlastete die Armenpflege nach und nach von Fällen, in denen zuvor Alter, Krankheit oder Invalidität eine große Rolle gespielt hatten. […]. Vervollständigt wurde das System der Sozialversicherungen später durch die Aufnahme von Angestellten (1911), die Witwen- und Waisenrente (1911), die Arbeitslosenversicherung (1927)- und – erst kürzlich – durch die Pflegeversicherung (1994)“ (ebd,. S. 61 f.).

Im Zuge der Professionalisierung und Profilierung der Sozialen Arbeit in den 1920er Jahren entstanden auch die ersten Theorien „im Zusammenhang mit den Zentren der Lehre und Forschung zum Praxisbereich Sozialer Arbeit“ (ebd., S. 74).

Im anschließenden Nationalsozialismus wurde aus Sozialer Arbeit die Volkspflege und fungierte fortan als Mittel, Hitlers Vorstellungen zu dienen und umzusetzen (vgl. ebd., S. 85ff.).

„Alle Wohlfahrtspflege und Soziale Arbeit soll nicht individuellen Notlagen gewidmet sein, sondern der Gesunderhaltung des „Volkskörpers“, der Leistungsfähigkeit der Volksgemeinschaft und der Stärkung des reinen und gesunden Blutes dienen“ (Hering, 2014, S. 171).

Langfristig gesehen war das Ziel, ausgehend von der Ideologie des Nationalsozialismus, die Soziale Arbeit weitgehend überflüssig zu machen.

„Die Volksgemeinschaft – so die Überzeugung – werde gesunden, sobald die schädlichen Elemente isoliert und ausgeschieden sein würden“ (ebd., S. 177).

Auch die Ausbildung der Volkspflegerinnen wurde an diese Ideologie angepasst – kritisches Denken war allgemein unerwünscht (vgl. ebd., S. 177 ff.).

„Nach dem zweiten Weltkrieg und seinen Verwüstungen setzte sich in den westlichen Ländern die Überzeugung durch, dass Demokratie soziale Verpflichtungen des Staates einschließt. Gefragt sind ein sozialer Ausgleich und eine Absicherung der Bürger gegen die Risiken des Lebens, für welche die öffentliche Hand eine angemessene Infrastruktur einzurichten und vorzuhalten hat“ (Wendt, 2008, S. 207).

In der Nachkriegszeit kehrten die Strukturen aus der Weimarer Zeit zurück. Die Bundesrepublik wurde zum sozialen Rechtsstaat, was auch im Grundgesetz verankert wurde. Auch die Soziale Arbeit war zunächst mit den Folgen des Krieges beschäftigt und kümmerte sich um die Notlagen der Bevölkerung wie Hunger, Kälte und der Integration von Vertriebenen (vgl. ebd. S 209 f.).

In den 50er Jahren befasste sich die Regierung mit einer Sozialreform. Diese Reform „bot den sozialen Berufen eine Perspektive für ihre durch Nazidiktatur und Krieg unterbrochenen Entwicklung“ (ebd. S. 210). Die Soziale Arbeit wollte sich verändern und nicht mehr nur Fürsorge in Folge von Notlagen leisten. Sie wollte „vorbeugen oder verhüten und die Selbsthilfekräfte von Menschen mobilisieren […]“ (ebd. S. 210 f.).

Mit dem Bundessozialhilfegesetz gelangt 1961 ein wichtiger Schritt für die Soziale Arbeit. Die Armenfürsorge bekam einen Rechtsanspruch. Ende der 60er Jahre entwickelten sich parallel zum Regierungswechsel einige soziale Bewegungen, u.a. Studenten-, Frauen-, und Umweltbewegung. In den 70er Jahren gewannen diese sozialen Bewegungen immer mehr an Bedeutung. Aus ihnen entwickelten sich Initiativen, die den Gegenstandsbereich der Sozialen Arbeit erweiterten und „das Gesicht der institutionalisierten Sozialen Arbeit nachhaltig (veränderten)“ (ebd., S. 237.). Die sozialen Bewegungen feuerten Diskurse an „über den politisch-gesellschaftlichen Stellenwert von Sozialer Arbeit“ (ebd.).

„Als notwendiges Gegengewicht zu der sozialpädagogischen Ausrichtung werden deshalb die sozialpolitischen Traditionen herausgestellt, die der Sozialen Arbeit ein gesellschaftspolitisches Mandat zur Durchsetzung sozial gerechter Lebensverhältnisse beimessen […]“ (ebd.).

Die Politik reagierte durch Reformen, die die Soziale Arbeit wiederrum vor eine große Herausforderung stellten (vgl. Hering, 2014, S. 240f.).

„Mehr als zuvor wird die Soziale Arbeit dazu in Anspruch genommen, die Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen bei verschiedensten Problemgruppen kompensatorisch zu bearbeiten […]. Sie nimmt seit den 1980er Jahren den Charakter einer sozialen Infrastruktur der Lebensbewältigung an und wird stärker sozialpolitischen (statt sozialpädagogischen) Steuerungen unterworfen“ (ebd., S. 240).

Diese Entwicklung bedingte eine Erweiterung des Professionsverständnisses, sodass alte Theorien und Methoden überarbeitet und Neue entwickelt wurden (vgl. ebd., S. 241f.).

„Blicken wir auf die Anfänge Sozialer Arbeit zurück, so wird deutlich, dass aus einer ethisch motivierten sozialen Bewegung zu mehr Gerechtigkeit hin, die sich als eine „soziale Mission“ (Salomon) verstand und die zur Verwirklichung der „Menschenrechte“ führen sollte (Staub-Bernasconi), heute mehr und mehr eine (scheinbar) marktgesteuerte „Dienstleistung“ geworden ist“ (Kuhlmann, 2011, S. 135).

In der Sozialen Arbeit gibt es heute keine leitende Theorievorstellung mehr. Das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit spaltet sich vielmehr in eine Vielzahl von Programmen, Projekten oder Therapien (vgl. ebd. S. 135f.).

1.2 Funktion und Gegenstandsbestimmung

Der Blick auf die Geschichte der Sozialen Arbeit zeigt, dass sich die Funktion und der Gegenstand der Sozialen Arbeit im Laufe der Zeit immer wieder verändert haben. Die Soziale Arbeit „entstand als praktische Antwort auf Probleme des Wohlfahrtswesens“ und nicht, „weil ein Gegenstand vorlag, der Untersuchung bedurfte“ (Pantucek, 2005). Das macht eine Bestimmung beider Aspekte, Gegenstand und Funktion schwierig.

Nichts desto trotz ist eine Gegenstandsbestimmung unerlässlich , „weil es ohne identifizierbaren Gegenstand weder eine Theorie noch eine Wissenschaft Sozialer Arbeit geben kann“ (Staub-Bernasconi, 2007, S. 134).

Darüber hinaus:

„Eine sich als Theorie und Wissenschaft verstehende Soziale Arbeit wird, wie jede andere normative Handlungswissenschaft […] ihren Gegenstand und die damit verbundenen Ausgangs- und Problemkonstellationen sowohl beschreiben, inter- und transdisziplinär erklären, ethisch bewerten als auch handlungstheoretisch begreifen wollen“ (ebd.).

Der Gegenstand Sozialer Arbeit ist nur schwer zu bestimmen und das nicht ohne Grund. Das Feld der Sozialen Arbeit ist nicht einheitlich oder systematisch strukturiert.

„Früher sprach man von Fürsorge oder Wohlfahrtspflege […]“ (Hering, 2014, S, 13).

Heute sind z. B. Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, soziale Dienste, psycho-soziale Hilfen, Fürsorge usw. verschiedene Begriffe die sich auf das Feld der Sozialen Arbeit beziehen; „sie sind aber nicht völlig kongruent, sondern betonen verschiedene Aspekte oder Bereiche“ (ebd.).

Arbeitsfelder, Selbstverständnis, Handlungsprofil und Organisation-struktur Sozialer Arbeit sind aus verschiedenen Wurzeln und Traditionslinien zusammengewachsen und im Laufe der Zeit so sehr ineinander verschmolzen, dass es gerechtfertigt erscheint soziale Tätigkeiten und Felder unter dem Oberbegriff Sozialer Arbeit zu behandeln (vgl. Hering, 2014, S 13ff.). Außerdem haben sich die meisten Gegenstandsbestimmungen der Sozialen Arbeit „in unterschiedlicher Gewichtung und höchst unterschiedlicher Einlösung des Wissenschaftlichkeitsanspruchs“ (Staub-Bernasconi, 2007, S. 135) aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart erhalten.

Nichts desto trotz:

„So kann und muß auch die Soziale Arbeit ihre spezifische Sichtweise auf die Welt und sich selbst einnehmen, beide unter dieser Perspektive betrachten und erforschen“ (Klüsche, 1999, S. 22).

Wilhelm Klüsche ist der Ansicht, dass man durchaus den Gegenstand Sozialer Arbeit bestimmen muss - und auch kann - und liefert folgende Definition:

„Der Gegenstand der Sozialen Arbeit ist die Bearbeitung von gesellschaftlich und professionell als relevant angesehenen Problemlagen“ (Klüsche, 1999, S. 23).

Die Funktionsbestimmung der Sozialen Arbeit gestaltet sich ähnlich schwierig, da sich die Funktion, wie auch der Gegenstand, im Laufe der Zeit mehrmals verändert haben. Die Funktion ist dabei durch den Gegenstand der Sozialen Arbeit bestimmt (vgl. Staub-Bernasconi, 2007, S. 134f.).

Funktion ist ein Grundbegriff aus der Soziologie, einer Bezugswissenschaft der Sozialarbeitswissenschaft und ist umgangssprachlich gleichbedeutend mit Aufgaben (vgl. Bango, 2005, S. 275).

Im Kommentar der Übersetzung der IFSW- Definition der Sozialen Arbeit wird die Funktion der Sozialen Arbeit wie folgt beschrieben:

„Die zentrale Funktion der Sozialen Arbeit ist die Förderung gesellschaftlicher Veränderungen und Entwicklungen, des sozialen Zusammenhalts sowie der Ermächtigung und Befreiung der Menschen. Diese Kernaufgabe erfüllt die Soziale Arbeit sowohl praktisch-tätig als auch forschend-wissenschaftlich“ (Schmocker, 2014, S. 1).

Wenn also der Gegenstand Sozialer Arbeit „ relevante Problemlagen“ sind, dann ist die Funktion der Sozialen Arbeit, die „Bearbeitung“ dieser Problemlagen (vgl. Klüsche, 1999, S. 23, i. V. m. Schmocker, 2014, S.1).

1.3 Definition

Um eine weltweit einheitliche Definition für die Soziale Arbeit zu erhalten, haben sich Fachkräfte aus aller Welt in der der IFSW (International Federation of Social Workers) zusammengeschlossen und sich bei der Generalversammlung im Juli 2014 auf eine einheitliche Definition für die Soziale Arbeit geeinigt:

“Social work is a practice-based profession and an academic discipline that promotes social change and development, social cohesion, and the empowerment and liberation of people. Principles of social justice, human rights, collective responsibility and respect for diversities are central to social work. Underpinned by theories of social work, social sciences, humanities and indigenous knowledge, social work engages people and structures to address life challenges and enhance wellbeing.

The above definition may be amplified at national and/or regional levels” (IFSW, 2014).

Beat Schmocker hat diese Definition der Sozialen Arbeit der IFSW aus dem Jahr 2014 wie folgt ins Deutsche übersetzt:

„Soziale Arbeit fördert als Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen, den sozialen Zusammenhalt und die Ermächtigung und Befreiung von Menschen. Dabei sind die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit, der Menschenrechte, der gemeinschaftlichen Verantwortung und der Anerkennung der Verschiedenheit richtungsweisend. Soziale Arbeit wirkt auf Sozialstrukturen und befähigt Menschen so, dass sie die Herausforderungen des Lebens angehen und Wohlbefinden erreichen können. Dabei stützt sie sich auf Theorien der eigenen Disziplin, der Human- und Sozialwissenschaften sowie auf das Erfahrungs-Wissen des beruflichen Kontextes.

Diese Definition kann auf nationaler und/oder regionaler Ebene weiter ausgeführt werden“ (Schmocker, 2014, S.1).

Im Kommentar, der sich an die Definition anschließt, werden u. a. Zentrale Aufgaben und Prinzipien der Sozialen Arbeit weiter ausgeführt, auf denen die Definition aufbaut.

Demnach geht die Soziale Arbeit davon aus, „dass sich die mehrfach überlappenden geschichtlichen, sozioökonomischen, kulturellen, sozial-räumlichen und politischen Verhältnisse, aber auch persönliche Möglichkeiten, sowohl als Chancen als auch als Hindernisse bezüglich der Erreichung von Wohlbefinden und der Entwicklung der Menschen darstellen können“ (Schmocker, 2014, S. 3).

Die soziale Arbeit zielt auf die Bekämpfung von Armut, Ausgrenzung und Benachteiligung. Strukturen, die diese Bedingungen schaffen, werden abgelehnt und bedürfen strukturverändernde Interventionen. Die sozialarbeiterischen Interventionen orientieren sich dabei an den Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit (vgl. ebd., S. 1ff.).

„Die zentralen Grundsätze der Sozialen Arbeit sind: die „Achtung des innewohnende Wertes“ und die „Anerkennung der Würde des Mensch-Seins“ und „keinem Menschen Schaden zufügen“, „die Anerkennung der Verschiedenheit und die „Verteidigung der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit“ (ebd.).

Die „Global Standards for Social Work Education and Training” verlangen sogar eine an den Menschenrechten orientierte Ausbildung für die Soziale Arbeit, wenn sie ausführt:

„Eine an den Prinzipien der Menschenrechte orientierte Ausbildung erleichtert die konstruktive Auseinandersetzung und die Lösungsfindung innerhalb der Community der Sozialen Arbeit, wenn die Verletzung von Menschenrechten durch bestimmte kulturelle Überzeugungen, Werte und Traditionen zur Debatte stehen. Kulturelle Fakten sind gesellschaftliche Konstrukte und unterliegen dynamischen Prozessen und stetigen Veränderungen. Eine konstruktive Auseinandersetzung mit solch wandelbaren Fakten, ein sich Beschäftigen mit spezifischen kulturellen Werten, Überzeugungen und Traditionen, eine Verständigung darüber durch einen kritischen und reflektierten Dialog mit Angehörigen der jeweiligen Kulturgruppe, kann durch die Orientierung an den Prinzipien der Menschenrechte erleichtert werden“ (ebd., S. 3).

Auch für die Praxis bietet der Kommentar eine Orientierung. Demnach legitimiert und konstituiert sich die Soziale Arbeit dadurch, dass sie da eingreift, wo Menschen miteinander und untereinander agieren, und folglich sozial handeln. Dabei wirkt sie begleitend und nicht stellvertretend (vgl. Schmocker, 2014, S. 3, i. V. m. Bernauer, 2015, S. 24.).

„Die Praxis der Sozialen Arbeit umfasst eine ganze Reihe von Arbeitsfeldern und schliesst verschiedene Arbeitsweisen ein, einschliesslich spezieller Formen der Therapie und Beratung, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit, Artikulation und Analyse der politischen Strategien, advokatorische und politische Interventionen“ (Schmocker, 2014, S. 3.).

Weiter zielt die Soziale Arbeit „auf die Stärkung der Hoffnung, des Selbstwertgefühls und des kreativen Potentials der Menschen“(ebd.), um sie zu befähigen, selbst für ihre Interessen einzutreten und Ungerechtigkeiten zu bekämpfen (vgl. ebd.).

Ihr Wissen schafft die Soziale Arbeit „sowohl interdisziplinär als auch transdisziplinär und schöpft aus einem breiten Spektrum an wissenschaftlichen Theorien und wissenschaftlicher Forschung“ (ebd., S. 3). Sie stützt sich auf ihre eigene Forschung und theoretische Grundlagen, bedient sich aber auch dem Wissen verwandter Disziplinen (vgl. ebd., S. 3f.).

„Die Einzigartigkeit von Forschung und Theorie der Sozialen Arbeit liegt darin, dass sie integriert, angewandt und emanzipatorisch ist. Zudem entwickelt sie sich zu weiten Teilen in einem interaktiven, auf Dialog beruhenden Prozess unter Mitwirkung der Klientel der Sozialen Arbeit, sodass auch spezifisches Erfahrungs-Wissen aus der Praxis mit einfließt“ (ebd., S. 4).

Abschließend wird in dem Kommentar zur Definition der Sozialen Arbeit des IFSW noch einmal deutlich gemacht, dass es in der Verantwortung eines/einer jeden Professionellen liegt, die Inhalte der Definition und des folgenden Kommentares zu verwirklichen, weiterzuentwickeln aber auch zu verteidigen, denn:

„Diese Bestimmung ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn sich die Mitglieder der Sozialen Arbeit aktiv für die Werte und Visionen ihrer Profession einsetzen“ (ebd.).

1.4 Zusammenfassung

Die Soziale Arbeit, bzw. das was man heute unter Sozialer Arbeit versteht, entstand aus einer freiwilligen Hilfstätigkeit. Der ursprüngliche Frauenberuf hat sich im Laufe der Zeit mehrfach gewandelt und weiterentwickelt. Diese Veränderungen waren bedingt durch den Wunsch der engagierten Frauen sich zu professionalisieren, durch Einflüsse aus der Arbeit selbst, durch die Umwelt, aber auch Politik und Staat, die dabei eine bedeutende Rolle spielten. Durch Gesetze und Verordnungen, aber auch durch die Bereitstellung von Ressourcen, wurden der Sozialen Arbeit Handlungsspielräume vorgegeben. Doch die Soziale Arbeit versuchte auch Einfluss auf die Politik zu nehmen: Soziale Bewegungen kämpften für einen politisch-gesellschaftlichen Stellenwert, engagierte Professionelle setzten sich für die Rechte der Klienten, aber auch für die Veränderungen der Handlungsspielräume und Rahmenbedingungen und auch ihre eigenen Interessen ein. Im Kern ging es jedoch immer um Hilfe für Bedürftige und die Bearbeitung von gesellschaftlichen Problemen.

Diese Aspekte bestimmen das gegenwärtige Selbstverständnis der Sozialen Arbeit. Sie zielt auf die Bekämpfung von gesellschaftlichen Problemen und bedient sich dabei verschiedener Handlungsmöglichkeiten und Methoden. Die Arbeitsweisen sind vielfältig und beschränken sich in ihrem Wirken nicht nur auf den Klienten, sondern auch auf das Umfeld sowie Gesellschaft und Politik.

2 Mandate Sozialer Arbeit

Nachdem bisher das Grundverständnis der Sozialen Arbeit geklärt wurde, folgt im nächsten Kapitel die Definition des Mandatsbegriffs. Dieser wird hier auf die Soziale Arbeit bezogen und die Mandate der Sozialen Arbeit beschrieben.

2.1 Begriffsdefinition Mandat

„Mandat

[lat.] Allg.: die (vertraglich festgelegte) Vollmacht zur Wahrnehmung bestimmter Interessen oder zur Erledigung bestimmter Aufgaben einer anderen Person, Organisation etc.“ (bpb, 2011).

„Der Begriff Mandat stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Auftrag, Weisung oder Vollmacht. Ein Mandat zum Handeln erhalten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen entweder durch eine rechtliche Bestimmung, durch einen Auftrag ihres Anstellungsträgers oder eines Klienten. Häufig werden sie aber auch aus der eigenen professionellen Verpflichtung heraus tätig (Kindeswohl, Vernachlässigung).

In der juristischen Fachsprache bezeichnet der Begriff Mandat das Amt des gewählten Abgeordneten, den Auftrag zur Vertretung an einen Rechtsanwalt oder den Auftrag an einen Staat zur Verwaltung eines Gebietes, zum Beispiel durch die Vereinten Nationen“ (Universität Hamburg, o.J.).

Mandat meint also die Übertragung von Rechten zur Erledigung bestimmter Aufgaben. Dazu benötigt man immer 2 Parteien – eine Partei, die die Rechte überträgt und eine zweite Partei, die diese Rechte erhält. Das typische Beispiel für eine Mandatsbeziehung ist die zwischen einem Rechtsanwalt und seinen Klienten. Die Klienten beauftragen den Rechtsanwalt, ihre Rechte in einer bestimmten Angelegenheit zu vertreten, der Anwalt vertritt seine Klienten dann rechtlich in Bezug auf diese bestimmte Angelegenheit.

Die Mandatsbeziehungen in der Sozialen Arbeit unterscheiden sich zum Teil von denen im juristischen Bereich. Die Soziale Arbeit erhält ihr Mandat nicht zwangsläufig direkt vom Klienten. Das Mandat kann sich auch durch eine rechtliche Bestimmung ergeben, die Einrichtung oder Organisation in welcher der/die Sozialarbeiter_in tätig ist kann das Mandat

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Ein politisches Mandat Sozialer Arbeit?
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
40
Katalognummer
V456760
ISBN (eBook)
9783668869714
ISBN (Buch)
9783668869721
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mandat, sozialer, arbeit
Arbeit zitieren
Sabrina van Houtum (Autor), 2016, Ein politisches Mandat Sozialer Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456760

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