Sind Kinder mit Migrationshintergrund im Bildungssystem benachteiligt?


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Migrationsdefinition

3. Migranten in Deutschland - ein aktueller Überblick

4. Der Integrationsbegriff
4.1 Sozialintegration und Systemintegration
4.2 Warum Integration wichtig ist

5. Sprache und Integration

6. Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Zuwandererfamilien

7. Nachteile in der Bildungsbeteiligung

8. Schulische Leistung und Daten der PISA-Studie

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema Migration und soziale Integration ist ein sehr präsentes und immer wieder diskutiertes Thema in Deutschland. Somit ist es auch ein Bestandteil unserer Politik und unserer Gesellschaft. Immer wieder hören wir, dass Kinder mit Migrationshintergrund im Vergleich zu den anderen Kindern in dem deutschen Bindungssystem benachteiligt sind. Doch was sagen die empirischen Studien bzw. Experten dazu? Wie werden die Kompetenzen der Kinder überhaupt gemessen bzw. ermittelt?

Die PISA-Studien ermitteln in einem dreijährigen Zyklus Daten bezüglich der Kompetenzen von Schülern aus mehr als 56 Staaten. Anhand Multiple-Choice-Tests und offenen Testfragen werden die verschiedenen Kompetenzstufen ermittelt und durch einen Fragebogen soziale Hintergründe sowie familiäre Situationen der Schüler ebenfalls erfasst. Internationale Vergleiche des Bildungsstandards und ihrer Bindungsqualität ist anhand solcher Daten möglich. So können die teilnehmenden Länder die Defizite ihres Bildungssystems erkennen und diese, wenn möglich, minimieren. Die Ungleichheit hinsichtlich der Kompetenzen von Migranten z.B, wäre eines dieser Defizite was möglicherweise auf Chancenungleichheit zurückzuführen wäre. Daher sind Daten auf nationaler Ebene hinsichtlich dieses teilweise bestehenden Kompetenzdefizites von Nutzen, um Problematiken der Ungleichheit zu ermitteln und zu mindern. (vgl. Sälze 2012, Startseite der technischen Universität München). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Kinder mit Migrationshintergrund im Bildungssystem benachteiligt werden.

Die Hausarbeit gliedert sich in 10 Kapiteln. Damit sich die Thematik „Migration“ besser erklären lässt, kläre ich vorerst den Migrationsbegriff. Da Migration ein ständiges Thema auch in Deutschland ist, nenne ich im folgenden aktuelle Daten, bezüglich der Anzahl der Asylanten, aus dem ersten Halbjahr 2018. Die Integration der Migranten ist von primärer Bedeutung, weshalb ich daraufhin den Integrationsbegriff kläre und auf dessen Wichtigkeit eingehe. Zudem spielen die Sprache sowie die Bildung eine bedeutende Rolle bei der Integration, so gehe ich im nachfolgendem auch darauf ein. Anhand der Daten der PISA-Studie kann man die Leistung der Schüler mit und ohne Migrationshintergrund vergleichen und feststellen, inwiefern eine Bildungsbenachteiligung vorliegt. Letztere kommt dann das Fazit.

2. Migrationsdefinition

Als Migration werden räumliche Bewegungen von Menschen bezeichnet, die mit einer längerfristigen Verlagerung des Lebensmittelpunktes (von Individuen, Familien oder Kollektiven) über eine administrative Grenze hinweg einhergehen. Migrationen, die innerhalb eines Staates erfolgen, werden als Binnenwanderungen bzw. Binnenmigration bezeichnet. Werden Staatsgrenzen überschritten, spricht man von internationalen Wanderungen bzw. internationaler Migration. Einer Definition der UN zufolge gelten solche Wanderungen, die mit einem drei bis zwölf monatigem Aufenthalt am Zielort verbunden sind, als temporäre Migration. Von dauerhafter Migration wird hingegen gesprochen, wenn der Aufenthalt am Zielort mehr als ein Jahr beträgt. Migration kann dem Ziel folgen, Chancen auf Bildung und Arbeit zu verbessern. Migration kann aber auch Folge der Ausübung oder Androhung von Gewalt sein. ( vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, UN-Statistikkomission).

Migration ist ein uraltes Phänomen und es gibt verschiedene Gründe, warum es zu dieser kommt. Hierbei werden acht verschiedene Kategorien unterschieden. Die erste Kategorie stellen die zeitweiligen Arbeitsmigranten dar, die für kurze Zeit in ein anderes Land einwandern, um dort zu arbeiten. Die zweite Gruppe bilden hochqualifizierte Personen, welche aufgrund ihrer internationalen Tätigkeiten in anderen Ländern leben. Die dritte Kategorie stellen die unerlaubten Migranten dar, die ohne benötigte Dokumente in einem Land leben. Als vierte Gruppierung sind Flüchtlinge zu betrachten. Diese sind nach den Genfer Konventionen von 1951 Personen, welche aus begründeter Verfolgung in einem anderen Land sind. Asylsuchende sind ebenfalls eine Kategorie und stellen so die fünfte Gruppierung dar. Die sechste Gruppierung ist erzwungenen Migranten. Sie sind nicht mit Flüchtlingen oder Asylsuchenden zu vergleichen, da sie ihre Heimat oftmals aufgrund Umweltkatastrophe z.B verlassen mussten. Die siebte Kategorie stellen die Familienzusammenführungen dar, also Personen, welche sich Verwandten anschließen, die bereits in ein anderes Land ausgewandert sind. Zuletzt sind die Rückkehrmigranten zu nennen, die nachdem sie im Ausland gelebt haben, in ihr Herkunftsland zurückkehren. (vgl. Gayle/Petra 2006, S. 19f).

Durch die Definition von PISA ergeben sich vier Gruppen von Jugendlichen, die einen Migrationshintergrund besitzen: Die erste Gruppe sind Jugendliche, die ein im Ausland geborenes Elternteil haben, dennoch selbst in Deutschland geboren sind.

Die zweite Gruppe sind Jugendliche, die ebenfalls ein im Ausland geborenes Elternteil haben, selbst aber auch im Ausland geboren sind. Bei der dritten Gruppierung handelt es sich um Jugendliche, dessen Eltern im Ausland geborenen sind, sie aber selbst in Deutschland. Bei der vierten und letzten Gruppe handelt es sich um Jugendliche die selbst sowie deren Elternteile im Ausland geboren sind. (vgl. Hartmut 2006, S.152).

3. Migranten in Deutschland - ein aktueller Überblick

Seit dem Mikrozensus 2005 ist es statistisch nicht nur möglich, zwischen den in Deutschland lebenden deutschen und ausländischen Staatsangehörigen zu unterscheiden, darüber hinaus werden nun auch Personen erfasst, die einen Migrationshintergrund haben. (vgl. Hanewinkel/ Oltmer 2017, Einwandererbevölkerung Deutschlands, bpb.de). Auch von eingebürgerten Zugewanderten, können gesellschaftliche Integrationsprozesse beschrieben werden. Somit werden Benachteiligungen beobachtbar die z.B auf strukturelle Barrieren verweisen. Diese können den Zugang zu zentralen gesellschaftlichen Bereichen für bestimmte soziale Gruppen erschweren (z.B. zu Bildung oder bestimmten beruflichen Positionen), wodurch auch Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs verhindert werden. Migration war ein vorheriges Randthema der medialen Berichterstattung und politischen Debatte, entwickelte sich aber im Laufe des Jahres 2015 zu einem der Hauptnachrichtenthemen. Aufgrund des starken Anstiegs der Zahl von Menschen, die in Deutschland und einigen anderen EU-Mitgliedstaaten Schutz vor Krieg, Verfolgung und Not suche, kam es dazu.

Insgesamt wurden 93.316 Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im ersten Halbjahr 2018 gestellt. Das entspricht einem Rückgang um 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Jan-Juni 2017: 111.616 Asylanträge). Im Juni nahm BAMF 11.509 Erstanträge auf Asyl entgegen und die Zahl der Folgeanträge belief sich auf 1.745. Dies bedeutet einen Anstieg sowohl gegenüber dem Vormonat (um 6,1 Prozent) als auch gegenüber dem Vorjahresmonat (um 10,7 Prozent). Die meisten Asylantragsteller kamen aus Syrien. Insgesamt entschied das BAMF im Juni über 14.792 Asylanträge. Die Gesamtschutzquote lag bei 26,4 Prozent. (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge/ Aktuelle Zahlen) Vor allem weisen die Stadtstaate Hamburg, Bremen und Hessen z.B. einen hohen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund auf. Familienangehörige der Geflüchteten mit subsidiärem Schutzstatus dürfen seit dem 1.August nach Deutschland geholt werden. Jedoch ist die Zahl begrenzt: Pro Monat dürfen über den Weg des Familiennachzugs 1.000 Menschen nach Deutschland einreisen. Nachgeholt werden darf demnach die Kernfamilie,

also Ehepartner und minderjährige Kinder. Unbegleitete minderjährige Geflüchtete dürfen nur ihre Eltern nachholen. (vgl. Hanewinkel 2018, Gesetz zum Familiennachzug, bpb.de)

4. Der Integrationsbegriff

Das Wort Integration ist in Bezug auf das Thema sprachliche Kompetenz ein oftmals noch im selben Atemzug genannter Begriff. Das die Integration auch von der sprachlichen Fähigkeit einer Person abhängt ist möglich. Doch verlangt der Begriff der Integration vorerst eine kurze Definition.

Integration bedeutet allgemein die Existenz von systematischen Beziehungen von Teilen zueinander und in Abgrenzung zu einer Umgebung, woraus diese Beziehungen auch immer bestehen. Hierbei sind zwei Perspektiven zu unterscheiden und zwar, der Bezug auf die sozialen Beziehungen zu einem vorhandenen gesellschaftlichen Kontext und der Bezug auf ein soziales System und dessen Zusammenhalt. Diese beiden Aspekte werden als Sozialintegration und Systemintegration bezeichnet (vgl. Hartmut 2006, S. 23f.)

4.1 Sozialintegration und Systemintegration

Unter Sozialintegration versteht man die Beteiligung von individuellen Akteuren an bestehenden sozialen Systemen, aus denen sich wiederum Eigenschaften, Fertigkeiten und Ressourcen ergeben, die sich auf Inklusionen beziehen. Auch hier lassen sich zwei Unterpunkte unterscheiden: Die individuelle und kategoriale Sozialintegration. Die Inklusion einzelner Personen in bestimmte gesellschaftliche Gebiete und Institutionen und dessen Folgen in Sprache, Bildung oder Einkommen z.B., beschreibt die individuelle Sozialintegration. Bei der kategorialen Sozialintegration hingegen geht es um die Zusammenfassung aller Individuen hinsichtlich der sozialen Ungleichheit, welche ähnliche Eigenschaften der Inklusion aufweisen. (vgl. Hartmut 2006, S.24)

Kommen wir zur Systemintegration, in der es um den Zusammenhalt ganzer sozialer Systeme geht. Die soziale Differenzierung spielt hierbei eine entscheidende Rolle, die die Gesellschaft in Teil-Systeme unterteilt. Es werden zwei Arten der Differenzierungen unterschieden:

Die funktionalen Differenzierungen und die plural Differenzierung.

Bei funktionalen Differenzierungen spielt die Unterteilung der Gesellschaft in unterschiedliche Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Recht oder Religion eine Rolle, wobei die plural Differenzierung, ein Nebeneinander von selbstständigen Einheiten von abgrenzenden

Bevölkerungsteilen, mit eigener Funktionalität und institutioneller Vollständigkeit beschreibt.

(vgl. Hartmut 2006, S.30f) Die Mechanismen der Systemintegration sind die kollektiv geteilten Werte, die Hierarchie, die meist staatlich gestützt, ist sowie die Abhängigkeit der Akteure innerhalb dieses Systems (vgl. Hartmut 2006, S.32f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sind Kinder mit Migrationshintergrund im Bildungssystem benachteiligt?
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1.3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V459327
ISBN (eBook)
9783668899483
ISBN (Buch)
9783668899490
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sind, kinder, migrationshintergrund, bildungssystem
Arbeit zitieren
Sena Simsek (Autor), 2018, Sind Kinder mit Migrationshintergrund im Bildungssystem benachteiligt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459327

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