Sozialraum Schule. Mobbing erkennen und vorbeugen


Seminararbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1,04

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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mobbing
2.1 Häufigkeit von Mobbing an Schulen
2.2 Begriffsdefinition
2.3 Mobbingstrukturen
2.4 Wissenswertes für Pädagogen

3 Mobbing vorbeugen – ein Präventionsworkshop von Dirk Bayer
3.1 Die Person Dirk Bayer
3.2 Präventionsworkshop – Mobbing

4 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 1: Broschüre „Dirk Bayer – Clownerie, Theater, Pädagogik & Coaching“

Anhang 2: Gedächtnisprotokoll des Elternabends am Johannes-Scharrer-Gymnasium Nürnberg am 09.01.2019

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mobbingstrukturen in einer Schulklasse (Vgl. Diezel 2012, S. 12–13)

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt. Nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige beiden Geschlechts.

1 Einleitung

Mobbing – ein Wort, das jeder schon einmal gehört hat. Ob der Lehrer, die eigenen Freunde oder die Familie davon erzählt haben oder in Nachrichten davon berichtet wurde, jeder kennt das Wort „Mobbing“. Aber was genau steckt eigentlich dahinter? Ab wann beginnt Mobbing? Ist ein hartes Wortgefecht nur eine schelmische Neckerei oder doch schon mehr? Und was ist eigentlich Gewalt? Diesen Fragen begegnen Eltern und Pädagogen tagtäglich.

Aber noch viel wichtiger für alle Pädagogen, ist die Frage danach, wie man Mobbing verhindern kann, denn die Zahl der Mobbingfälle scheint, besonders an Schulen, in den letzten Jahren angestiegen zu sein. Viele Lehrer sind deshalb mit dem Problem konfrontiert, Mobbing zu erkennen und schon im Vorhinein zu prävenieren. Eine Mobbingform, welcher ein besonderer Status zukommt, ist das sogenannte Cyber-Mobbing – Mobbing über das Internet. Diese Form des Mobbings wird in dieser Arbeit jedoch nicht berücksichtigt.

Diese Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Zum einen wird der Mobbingbegriff erklärt und zum anderen wird ein Präventionsworkshop von Dirk Bayer vorgestellt, mit welchem Mobbing vorgebeugt werden soll.

2 Mobbing

Wie Werner in seinem Buch deutlich macht, ist Mobbing eine „[…] oft unbemerkte[…] oder ignorierte[…] Form der Gewaltausübung[, welcher] Grenzen gesetzt werden [müssen], indem sie nicht geduldet [werden] und klar dagegen vorgegangen wird.“1 Einigen Lehrkräften fehlt jedoch das notwendige theoretische Wissen um den Mobbingbegriff, was es äußerst schwierig macht, explizit Mobbing zu erkennen und von anderer Gewalt zu unterscheiden. Anderen Lehrkräften hingegen mangelt es an fehlenden Interventionsmethoden oder sie trauen sich nicht einzugreifen, da immer öfter auch von Mobbing gegen Lehrern die Rede ist. Um beiden Tatsachen vorzubeugen, ist es ratsam Mobbingpräventionsmethoden zu kennen und bereits frühzeitig durchzuführen.

2.1 Häufigkeit von Mobbing an Schulen

Gewalt an Schulen ist nicht nur ein Problem in Deutschland, sondern in beinahe jeder fortschrittlichen Kultur vorhanden. Sie gibt es bereits seit vielen Jahren, jedoch herrscht durch die heutzutage veränderte Wahrnehmung von Gewalt eine höhere Aufmerksamkeit gegenüber dieser und Gewalt wird somit häufiger erkannt.2

Dass Gewalt und Mobbing an deutschen Schulen extrem zunimmt, scheint jedoch eine von vielen Menschen subjektiv wahrgenommene Tatsache zu sein, welche durch eine mediale Berichterstattung besonders spektakulärer Gewaltvorfälle noch verdeutlich wird. Denn wie Bilz und andere herausgefunden haben, hat „die Gewalt an […] Schulen nicht zu-, sondern abgenommen […]“3, jedoch nur in sehr geringem Maße.

Jannan schreibt in seinem „Anti-Mobbing-Buch“, dass „Mobbing […] die häufigste Gewaltform an deutschen Schulen [ist].“4 Schubarth und Jannan kommen beide zu dem Schluss, dass Mobbing besonders häufig an Grundschulen (13,3%), vor allem in Form von verbalen Aggressionen, vorkommt; dicht gefolgt von Gesamtschulen (12%) und Hauptschulen (11,3%). Am geringsten ist die erfasste Mobbinganzahl bei Realschulen (8,9%); an Gymnasien (4,9%) ist die Zahl der Mobbingfälle besonders gering. Die prozentuale Mobbingzahl an weiterführenden Schulen ist geringer als in Grundschulen, jedoch nimmt bei diesen Schularten die Schwere der Gewalt zu, besonders von der 7. bis zur 9. Jahrgangsstufe ist der Anteil der schweren Gewalt besonders hoch. „Jungen sind [hier] nicht nur häufiger Täter, sondern auch häufiger Opfer. [Demnach scheint Mobbing vor allem] ein männliches Phänomen [zu sein]“5, wobei die Differenz gegenüber den Mädchen seit einiger Zeit sinkt. Einen regionalen und sozioökonomischen Unterschied bei Mobbingfällen, wie es einige Vorurteile darstellen, ist empirischen Forschungen nach zu urteilen, nicht zu erkennen. Jannan macht schließlich noch einmal besonders deutlich, dass Mobbing bereits im Grundschulalter beginnt und es deshalb wichtig ist, dort zu intervenieren und prävenieren, um Mobbing in seiner frühesten Form vorzubeugen.6,7

2.2 Begriffsdefinition

Um zwischen Mobbing und Gewalt unterscheiden zu können, ist es nötig beide Begriffe näher zu kennen, da sie sich in vielen Punkten ähnlich sind, aber dennoch auch in wenigen Nuancen unterscheiden.

Schwierig bei der Begriffsbestimmung ist jedoch, dass es „[…] keine einheitliche Auffassung von „Gewalt“ […]“8 gibt; viele Autoren gehen jedoch von Gewalt aus, wenn es zu einer absichtlichen, körperlichen oder psychischen – sowohl verbalen, als auch nonverbalen – Schädigung von anderen Personen kommt. Dieser Gewaltbegriff wird zusätzlich ergänzt, indem sich die Gewalt nicht nur gegen andere Personen richtet, sondern auch gegen sich selbst oder Gegenstände.9

Der Begriff „Mobbing“ kommt aus dem Englischen von „to mob“, was „fertigmachen“ und „anpöbeln“ bedeutet. Mobbing wird durch mediale Berichterstattung oftmals nur mit physischer Gewalt, wie Schlagen und Treten, assoziiert, jedoch beginnt es schon mit kleineren Dingen, wie beispielsweise Beschimpfungen, Drohungen, Unwahrheiten-Verbreiten, Sachbeschädigung und erst am Ende dieser Aufzählung steht die physische Gewalteinwirkung – Schlagen und Treten – gegenüber einer anderen Person.10 Jannan spricht von vier Kennzeichen von Mobbing, die immer gleichzeitig und vollständig vorliegen müssen. Diese sind ein „Kräfteungleichgewicht: Das Opfer steht einem bis mehreren Tätern und deren Mitläufern allein gegenüber. [...] Häufigkeit: Die [physischen und/oder psychischen] Übergriffe kommen mindestens einmal pro Woche oder häufiger vor. [...] Dauer: Die Übergriffe erfolgen über einen längeren Zeitraum (Wochen oder Monate). Ein Konflikt, der erst seit einer Woche besteht, ist also kein Mobbing; [und] Konfliktlösung: Das Opfer ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, das Mobbing zu beenden.“11 Werner erweitert diese Kennzeichen noch dadurch, dass Mobbing gezielt gegen eine oder mehrere Personen gerichtet ist, wobei eine Wiederholung der gewalttätigen Handlungen erfolgt, um somit das soziale Ansehen der betroffenen Person zu schädigen.12 Mobbing ist ein über einen längeren Zeitraum auftretender Prozess, welcher mehrmals zeitlich aufeinander folgt und sich gezielt gegen eine Person richtet. Das Opfer besitzt nicht die Möglichkeiten, diesen Prozess zu beenden, da es dem Täter meist allein gegenübersteht.

Im Schulalltag treten laut Schubarth physische (Schlagen, Treten, etc.), verbale (Drohen, Verspotten, etc.), nonverbale (Mittelfinger, Zunge hervorstrecken, etc.) und indirekte (Ausgrenzen, Gerüchte verbreiten, etc.) Mobbingformen auf und gehen fließend ineinander über.13 Der wichtigste Unterschied zwischen Mobbing und Gewalt ist somit, dass Mobbing bereits im Kleinen beginnt, ein „systematisches Vorgehen“14 ist und über einen längeren Zeitraum wiederholt vorkommt, aus dem sich das Opfer nicht allein befreien kann.

Außerdem gilt immer, dass „[d]as Opfer entscheidet, wann es [Mobbing] erlebt hat und wie schwerwiegend es [dies] empfunden hat – nicht der Täter oder das Umfeld!“15, da nur das Opfer in der Lage ist, die Gewalt als solche festzustellen und zu bewerten.

Jannan trifft eine zutreffende Einordnung von Mobbing in den Gewaltbegriff, indem er schreibt, dass „[n]icht jede Gewalt Mobbing [ist], aber Mobbing ist immer Gewalt.“16 Mobbing ist ein Teil von Gewalt, welcher schon bei ganz kleinen psychischen Schädigungen beginnt und bis hin zur physischen Körperverletzung reicht. Es ist ein Prozess, der immer wieder auftritt, mit dem Ziel, das soziale Ansehen des Opfers zu schädigen. Dieses ist nicht in der Lage den Mobbingprozess allein zu unterbrechen.

2.3 Mobbingstrukturen

Mobbing spielt sich jedoch nicht nur zwischen vereinzelten Personen ab, sondern ist immer ein Prozess, in den die gesamte Klasse involviert ist und bei dem jedes Mitglied einer Rollengruppe angehört.

In einer Klasse, in welcher es einen oder mehrere Mobbingfälle gibt, kann man deutliche Strukturen und Rollenverteilungen erkennen. Die Mobbingstrukturen in einer Klasse können allgemein in einen aktiven (Mobber und Verstärker), einen passiven (Opfer und Verteidiger) und einen neutralen Part (Außenstehende) unterschieden werden.

Mobber (9%) sind die gesetzgebende Gewalt, besitzen Macht und führen das Mobbing durch. Es sind meistens ein bis maximal drei Personen; sie setzen andere unter Druck, um ihre eigene, unangefochtene Position zu festigen. Unterstützt werden sie durch die Verstärker (23%), welche ihre Taten steigern, indem sie darüber lachen. Opfer (12%) sind oftmals Einzelpersonen, haben selten Kontakt nach außen und wehren sich nicht gegen die Angriffe. Sie sind unsicher, ängstlich und haben häufig äußere Auffälligkeiten in Sprache, Verhalten oder Kleidung. Die Verteidiger der Opfer (20%) versuchen diese zu beschützen, haben allerdings nicht genug Kraft, um wirkungsvoll gegen Mobbing zu agieren. Sie werden oftmals auch selbst zum Mobbingopfer. Der Mobbingprozess wird von den Außenstehenden (36%) wahrgenommen, jedoch unternehmen diese nichts dagegen, da auch bei ihnen die Angst besteht, selbst Opfer zu werden.17 18 19

Außenstehende stellen die größte Gruppe in einem Mobbingprozess dar und bilden somit „ein großes, ungenutztes Potential für die Intervention“20, aber auch ein sehr hohes Potential für Präventionsmaßnahmen, um Mobbing schon in den Anfangsphasen zu verhindern.

Jannan geht noch näher auf die Persönlichkeiten von Mobber und Opfer ein, indem er sagt, dass der typische Täter in seinem Verhalten impulsiv ist, seine eigenen Ziele aggressiv durchsetzt, keine Empathie gegenüber dem Opfer hegt und sich seiner eigenen Stärken bewusst ist. Außerdem fehlt es ihm an geeigneten Konfliktlösestrategien und er hat ein geringes Selbstwertgefühl.21 Schubarth ergänzt dieses Konstrukt, indem er dem oftmals männlichen Täter, welcher älter als das Opfer ist, Dominanz, Leistungsschwäche, sowie eine niedrige Frustrationstoleranz und Beliebtheit in der Klasse zuschreibt.22 Laut Jannan liegen die Gründe hierfür oftmals bei einem gewalttätigen Elternhaus, in dem es an Wärme und Anteilnahme fehlt. Auch ein dominanter Erziehungsstil, keine klaren Grenzen und aggressive Vorbilder können Gründe sein.23 Für Dirk Bayer ist das geringe Selbstwertgefühl der Schlüsselbegriff zum Täter-Werden. Dies entsteht häufig durch Konflikte zwischen der eigenen Integrität (den persönlichen Werten) und der Kooperation mit der Umwelt, welche damit nicht vereinbar ist; sowie durch Vorbildverhalten, sowohl realer, als auch fiktiver Modelle.24

Opfer hingegen können in passive und provozierende Opfertypen eingeteilt werden. Das passive Opfer ist körperlich schwach, unsicher und ängstlich, somit still und unauffällig. Auf Angriffe seitens des Täters reagiert es mit Weinen und Rückzug, auch das Opfer hat ein schwaches Selbstwertgefühl. Ursache hierfür sieht Jannan unter anderem in einer überbehütenden Familie.25 Schubarth merkt noch an, dass passive Opfer meist Außenseiter innerhalb der Klasse sind, sie ein negatives Selbstbild haben und es ihnen an sozialen Kompetenzen mangelt.26 Provozierende Opfer hingegen sind sowohl schüchtern, als auch aggressiv, sie wirken hyperaktiv, sind leicht reizbar und werden von einem Großteil der Klassengemeinschaft abgelehnt.27 Schubarth merkt erneut an, dass auch der provozierende Opfertyp nur mangelnde soziale Kompetenzen besitzt und somit auch einen geringen Sozialstatus innerhalb der Klasse besitzt.28

Sowohl das passive, als auch das provozierende Opfer haben eines immer gemeinsam, sie haben sich nicht dafür entschieden, Opfer zu werden. Jannan schreibt: „Opfer haben grundsätzlich keine Schuld“29, denn es kann jeder zum Opfer werden. Niemand sucht sich die Opferrolle freiwillig aus, man wird zum Opfer deklassiert.

2.4 Wissenswertes für Pädagogen

Ein klares Bewusstsein über den eigenen Gewaltbegriff ist für Pädagogen und Lehrer unumgänglich, um Mobbing zu erkennen, Hilfe bieten hierbei Erkennungsmerkmale, welche unter dem Punkt „2.2 Begriffsdefinition“ dargestellt werden. Außerdem ist es besonders wichtig Empathie zu zeigen und sich in das Opfer hineinversetzen zu können, um somit eine sofortige bedürfnis- und opferorientierte Hilfe anbieten zu können. Außerdem kann das eigene Mobbingfachwissen ständig durch Fachzeitschriften, Internetrecherchen und Fortbildungen, aber vor allem auch durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Pädagogen erweitert werden.30 Nicht nur das Gewaltverständnis jeder einzelnen Person ist subjektiv, sondern auch zwischen Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen gibt es prägnante Unterschiede. „[So haben] Kinder und Jugendliche […] ein eher enges Gewaltverständnis, das oft nur Formen physischer Gewalt einschließt[, wobei] psychische und verbale Gewalt oder Handgreiflichkeiten eher als normale Umgangsformen oder als „Spaßkampf“ angesehen [werden].“31 Für Kinder ist es erst „richtige“ Gewalt, wenn andere Personen geschlagen oder anderweitig körperlich verletzt werden. Beschimpfungen, Drohungen, sowie andere nonverbale Handlungen fallen für Kinder nicht unter den typischen Gewaltbegriff.

Pädagogische Fachkräfte müssen besonders auf Verhaltensänderungen der Mobbing-Opfer achten, da diese sich oftmals nicht von selbst einem Erwachsenen zuwenden, weil sie fürchten, nicht ernst genommen zu werden und sich ihrer Situation schämen. Ebenso ändert sich die Selbsteinschätzung der Opfer und sie glauben, selbst am Mobbing Schuld zu sein, wodurch das Problem nicht mithilfe von Erwachsenen gelöst werden könne.32 Wichtig ist somit, dass durch genaue Beobachtung von Verhaltensänderungen und Handlungen, wie beispielsweise Niedergeschlagenheit, Isolation, Ausreden für kaputte Gegenstände, schulischer Leistungsabfall, unspezifische körperliche Beschwerden und damit verbundene Schulunlust bzw. -verweigerung, Albträume und Stottern, Anzeichen für einen möglichen Mobbingbeginn erkannt werden, worauf dann genauere Beobachtungen, Präventionsmaßnahmen oder eine erste Intervention folgen müssen.33 Für ein anschließendes Gespräch mit allen Beteiligten ist es wichtig, in eine echte, ehrliche und offene Beziehung mit den Schülern zu treten, welche respektvoll und auf gegenseitiger Augenhöhe stattfindet.34

3 Mobbing vorbeugen – ein Präventionsworkshop von Dirk Bayer

Um Mobbing gar nicht erst zustande kommen zu lassen, wird im Folgenden ein Präventionsworkshop von Dirk Bayer vorgestellt, welcher die Schüler für Mobbingsituationen sensibilisieren soll und ihnen richtiges Verhalten näherbringen soll.

„[Mobbingprävention versteht] in Anlehnung an den Präventionsbegriff alle Maßnahmen zur zukünftigen Verhinderung oder Minderung von aggressiven und gewaltförmigen Handlungen [...]. [Man kann] zwischen drei Formen der Prävention unterscheiden: Primäre Gewaltprävention besteht darin, diejenigen gesellschaftlichen Bedingungen zu entwickeln, die die Lebenskompetenzen und Konfliktlösungsfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen stärken. Sekundäre Prävention dient der Verhinderung gewalttätigen Verhalten, z.B. durch besondere Präventionsprogramme, tertiäre Prävention der Verhinderung von Rückfall und der Resozialisierung, wobei in der Praxis die drei Formen ineinander übergehen können.“35

Der Präventionsworkshop von Dirk Bayer bezieht sich auf die primäre und sekundäre Gewaltprävention, er soll Mobbing verhindern, bevor es entstehen kann und einen positiven Umgang innerhalb der Klasse schaffen. Dies geschieht besonders dadurch, dass die Schüler auf typische Mobbingsituationen aufmerksam gemacht werden. Laut Jannan sind besonders Übungen zur besseren Selbstkontrolle, Empathiestärkung und alternative Konfliktlösestrategien für ein positives soziales Miteinander und ein angenehmes Klassenklima förderlich.36

3.1 Die Person Dirk Bayer

Dirk Bayer ist ein in Bamberg ansässiger Diplom Sozialpädagoge (FH), Theaterpädagoge (BUT) und Präventionspädagoge.

Er ist an diversen deutschen Theatern freiberuflich als Schauspieler, Clown, Kabarettist und Regisseur tätig und arbeitet als Seminarleiter, Familienberater und Coach. Dirk Bayer bietet durch seine zahlreichen Fortbildungen, wie beispielsweise in den Bereichen Konfliktmanagement, Körpertheater, Clownstheater und Sprechtechnik diverse Workshops und Lehrgänge für Firmen, Einrichtungen, Eltern, Lehrer und Schüler an. Er referiert seit etwa 24 Jahren über Kommunikations- und Beziehungsschwierigkeiten und bekam 2003 für seinen Workshop „HAU AB!“ den Präventionspreis der fränkischen Polizei.37,38

3.2 Präventionsworkshop – Mobbing

Der Präventionsworkshop „Mobbing“ dauert circa 90 Minuten und ist in den Grundzügen des Ablaufes identisch. Eine Theaterszene mit Mobbinginhalten wird angespielt, wobei Dirk Bayer immer in die Rolle des Täters schlüpft. Anschließend wird die Szene in der Klasse reflektiert und es werden Lösungsvorschläge gesammelt, welche aktiv beim erneuten Theaterspiel der gleichen Szene ausprobiert werden. Hierbei erleben die Schüler den Effekt, welchen ihre Lösungsvorschläge hervorrufen, und reflektieren diesen erneut. Dirk Bayer bricht jede Szene ab, bevor sie in der Realität eskalieren würde. Insgesamt werden bei einem Workshop drei verschiedene Szenen angespielt.39

Der genaue Ablauf gestaltet sich folgendermaßen: Dirk Bayer stellt sich der Klasse vor und anschließend wird gesammelt, was für die Schüler unter den Begriff Gewalt fällt. Daraufhin wird die erste Szene angespielt, in welcher ein Schüler ein Freund des coolen Svens werden möchte, dieser bindet seine Freundschaft an immer erniedrigende Mutproben. Es werden verschiedene Konfliktlösevorschläge der Schüler ausprobiert und die jeweiligen Effekte erörtert. Anschließend wird darüber diskutiert, was Freundschaft ist und wie echte Freunde sein sollen. Dirk Bayer erklärt das Spiel zwischen Täter und Opfer, wobei er besonders auf die Bedürfnisse des Täters eingeht; zusammen werden nun Täter-Opfer Vorbilder aus der Realität, wie sie auch im Fernsehen vorkommen, gesammelt. Die zweite Szene handelt von einem Kartenspiel, welches in einem Streit eskaliert, sie wird analog zur ersten Szene aufbereitet und somit das frisch erlernte Wissen der Schüler über Täter und Opfer erprobt.

Schlüsselszene ist die letzte Szene, in welcher ein neuer Mitschüler von Markus – einem anderen Schüler – immer wieder verbal beleidigt wird und die ganze Klasse mitmacht und darüber lacht. Auch hier wird erneut das Bedürfnis des Täters aufgedeckt und Lösungsvorschläge der Klasse interaktiv im Theaterstück erprobt und erlebt. In dieser dritten Szene wird den Schülern der Unterschied zwischen Mobbing und Ärgern deutlich gemacht, denn Mobbing ist ein dauerhafter Gruppenprozess, in welchen die komplette Klasse involviert ist. Das Opfer steht in seinem sozialen Ansehen weit unterhalb des Täters. Ärgern hingegen geschieht kurzzeitig und auf Augenhöhe.

Kurz vor Ende des Workshops möchte Dirk Bayer noch von den Schülern wissen, wer schon einmal alles gemobbt wurde und erzählt von seiner eigenen Mobbingerfahrung, welche während seiner Schulzeit ähnlich wie in Szene drei geschehen ist. Abschließend gibt es eine allgemeine Diskussion, was zu einem guten Umgang in der Klasse gehört und der Präventionsworkshop ist nach etwa 90 Minuten beendet.40

4 Zusammenfassung und Fazit

Gegenüber Mobbing herrscht eine erhöhte Sensibilität und Aufmerksamkeit, trotz der statistischen Abnahme von Mobbingfällen an Schulen. Es beginnt bereits bei kleinen Taten, beispielsweise nonverbale, verbale und indirekte Attacken gegenüber Anderen, aber natürlich auch physische Angriffe gehören zu Mobbing. Mobbing dauert über einen längeren Zeitraum an und die Taten wiederholen sich immer wieder. Das Opfer ist nicht dazu in der Lage, allein aus dem Mobbingprozess auszubrechen, da ein starkes Kräfteungleichgewicht zwischen Opfer und Mobber besteht. Mit diesen geplanten Attacken möchte der Täter das soziale Ansehen des Opfers ruinieren. In einer Schulklasse sind drei Mobbinglager vertreten; der aktive Part besteht aus dem Täter und seinen Unterstützern und macht etwa 30% der Klasse aus, der passive Teil besteht aus dem Opfer und seinen Helfern und liegt ebenfalls bei circa 30%. Der größte Anteil innerhalb einer Klasse besteht jedoch aus den Außenstehenden, welche ein großes Potential an Mobbingintervention und -präventionsmaßnahmen darstellen. Damit Lehrer und Pädagogen Mobbing frühzeitig erkennen, ist es wichtig durch andauernde Fortbildungen und Erfahrungsaustausch den Mobbingbegriff zu kennen und die Strukturen zu bemerken. Eine genaue Beobachtung ist nötig und eine frühzeitige Intervention und Prävention erforderlich. Dirk Bayer liefert diese Präventionsmöglichkeit, indem er an Schulen interaktive Theaterstücke aufführt und die Schüler somit auf verschiedene Mobbingsituationen aufmerksam macht. Es werden dabei aktiv Lösungsvorschläge der Schüler beim Theaterspiel ausprobiert und anschließend reflektiert; auch werden Grundsätze von Freundschaft gesammelt und die Bedürfnisse des Täters erörtert. Für Dirk Bayer ist es wichtig, die Schüler für Mobbingsituationen zu sensibilisieren, denn so wird Mobbing bereits in den Anfängen verhindert.

Um Schüler wirkungsvoll vor Mobbing in der Schule zu schützen, ist es am besten, sie werden auf das Thema aufmerksam gemacht. Frühzeitige Prävention schon in der Grundschule kann helfen, Mobbingfällen vorzubeugen. Durch interaktives Lernen, hält das erlernte Wissen länger an; mit Hilfe seines Präventionsworkshops „Mobbing“ hat Dirk Bayer einen hervorragenden Weg gefunden, um die Schüler interaktiv auf das Thema Mobbing aufmerksam zu machen und für solche Situationen zu sensibilisieren.

Vor allem für die Mobbingopfer ist es wichtig, dass diese Gewalt nicht mehr zugelassen wird, da sie die Leidtragenden sind und sich nicht allein dagegen wehren können. Denn nur zusammen als Klasse ist man stark gegen Mobbing!

Literaturverzeichnis

Bayer, Dirk: Dirk Bayer. Clownerie, Theater, Pädagogik & Coaching.

Bayer, Dirk (2019): Elternabend zum Thema "Mobbing". Johannes-Scharrer-Gymnasium. Nürnberg, 09.01.2019.

Bilz, Ludwig; Schubarth, Wilfried; Dudziak, Ines; Fischer, Saskia M.; Niproschke, Saskia; Ulbricht, Juliane (Hg.) (2017): Gewalt und Mobbing an Schulen. Wie sich Gewalt und Mobbing entwickelt haben, wie Lehrer intervenieren und welche Kompetenzen sie brauchen. Lehrerintervention bei Gewalt und Mobbing. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt (Klinkhardt forschung).

Diezel, Alexander (2012): Mobbing in der Schule - ein Konstrukt im alltäglichen Leben eines Schülers. Vechta: Grin Verlag.

Jannan, Mustafa (2010): Das Anti-Mobbing-Elternheft. Schüler als Mobbing-Opfer - Was Ihrem Kind wirklich hilft; mit Zusatzmaterialien im Internet. 2., neu ausgestattete Aufl. Weinheim: Beltz (Das Anti-Mobbing-Buch, Elternheft).

Jannan, Mustafa (2015): Das Anti-Mobbing-Buch. Gewalt an der Schule - vorbeugen, erkennen, handeln. 4. Auflage. Weinheim, Basel: Beltz (Pädagogik Praxis).

Schubarth, Wilfried (2013): Gewalt und Mobbing an Schulen. Möglichkeiten der Prävention und Intervention. 2., aktualisierte und erw. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer.

Werner, Stefan (Hg.) (2015): Mobbing - opferorientierte Hilfen für Kinder und Jugendliche. Grundlagen und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Mobbingopfern. 2. Auflage. Weinheim, Basel: Beltz Juventa (Pädagogisches Training).

Anhang

Anhang 1: Broschüre „Dirk Bayer – Clownerie, Theater, Pädagogik & Coaching“

Siehe: http://www.dirk-bayer.de/

Anhang 2: Gedächtnisprotokoll des Elternabends am Johannes-Scharrer-Gymnasium Nürnberg am 09.01.2019

Gedächtnisprotokoll

Elternabend am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg, 09. Januar 2019 Thema: „Mobbing“, präsentiert von Dirk Bayer Er referiert seit etwa 24 Jahren über Kommunikations- und Beziehungsschwierigkeiten

Ablauf des Workshops „Mobbing“ in einer Schulklasse

Vorstellung & heutiges Thema: Gewalt Frage an Schüler: Was ist Gewalt? Antworten: erst nur körperliche Gewalt, viel später auch Mobben, Dissen, etc.

Szene 1.1: „Svens neuer Freund“ Bindet Freundschaft an Mutprobe, er soll würdig sein Schüler traut sich nicht, wird von Sven fertig gemacht (Feigling) Reflektieren der Szene Szene 1.2: Schüler macht die Mutprobe (interaktiv, gespielt wird Schüler und Lehrer, Dirk als Sven) Schüler bekommt ärger, Sven lacht ihn aus und fordert neue, härtere Probe Ist Sven sein Freund? Was ist Freundschaft? Ideen der Schüler Wie können Freunde ihm gegen Sven helfen? Wird interaktiv am Fallbeispiel ausprobiert und erfahren

Täter vs. Opfer Spiel wird aufgezeigt Täter zeigt Verhalten, welches auf Bedürfnis begründet ist (Sven will Akzeptanz) Sammeln von Täter-Opfer Vorbildern aus der Realität (hauptsächlich Fernsehen)

Szene 2: „Kartenspiel“ und ein Streit analog zu Szene 1

Szene 3: Schlüsselszene, „Markus und der Neue“ Markus wirkt hyperaktiv, verbale Beleidigungen gegen Neuen fäkaler Rap, in den alle miteinstimmen Auch hier werden verschiedene Lösungen interaktiv ausprobiert und reflektiert Bedürfnis von Markus (Aufmerksamkeit) Erneute Lösungen ausprobieren und reflektieren

Deutlichkeit bei Szene 3: Unterschied von Ärgern zu Mobbing hin und her (1:1) immer derselbe (Opfer ist allein) Mobbing ist Gruppenprozess und jeder aus der Klasse spielt eine Rolle darin, dessen muss man sich bewusst sein

Frage: Wer wurde schon mal gemobbt? Dirk meldet sich, dann trauen sich auch Schüler Er erzählt von der Geschichte, als er gemobbt wurde (Szene 3)

Man wird schneller zum Opfer, als man denkt; jeder kann Opfer werden Täter meint es als Spaß, für Opfer ist es Mobbing

Schlussrunde: allgemeine Diskussion über Umgang in der Klasse untereinander

Grundsätzlicher Ablauf: Situation wird angespielt (Dirk ausschließlich in Täterrolle) Diskussion Lösungsvorschläge ausprobieren und Effekt erleben und erörtern Dauer etwa 1h 30min.

Auch Lehrer kommen in den Szenen vor und werden von Schülern gespielt

Dirk Bayer bricht jede Szene ab, bevor sie in der Realität eskalieren würde.

è Über allem steht sehr offenes und ehrliches Reden

Täterprofil

Geringes Selbstwertgefühl ist Schlüsselbegriff bei den Tätern

Entsteht häufig durch Spannungsfeld/Konflikt Integrität (Selbst) vs. Kooperation (Anpassung) oder durch Vorbilder (Eltern)

Um Konflikt zu lösen, ist es wichtig in eine echte Beziehung mit Schüler zu treten

1 Werner 2015, S. 21.

2 Vgl. Schubarth 2013, S. 20.

3 Bilz et al. 2017, S. 278.

4 Jannan 2015, S. 25.

5 Jannan 2015, S. 31–32.

6 Vgl. Jannan 2015, S. 24–28.

7 Vgl. Schubarth 2013, S. 69–72.

8 Schubarth 2013, S. 16.

9 Vgl. Schubarth 2013, S. 16–18.

10 Vgl. Jannan 2015, S. 22.

11 Jannan 2015, S. 22.

12 Vgl. Werner 2015, S. 20–21.

13 Vgl. Schubarth 2013, S. 79–80.

14 Diezel 2012, S. 9.

15 Jannan 2015, S. 16.

16 Jannan 2015, S. 23.

17 Vgl. Diezel 2012, S. 12–13.

18 Vgl. Jannan 2015, S. 28–31.

19 Vgl. Werner 2015, S. 22–24.

20 Schubarth 2013, S. 58.

21 Vgl. Jannan 2015, S. 32–35.

22 Vgl. Schubarth 2013, S. 82–83.

23 Vgl. Jannan 2015, S. 32–35.

24 Vgl. Bayer 2019.

25 Vgl. Jannan 2015, S. 35–36.

26 Vgl. Schubarth 2013, S. 82–83.

27 Vgl. Jannan 2015, S. 35–36.

28 Vgl. Schubarth 2013, S. 82–83.

29 Jannan 2015, S. 36.

30 Vgl. Bilz et al. 2017, S. 281–282.

31 Schubarth 2013, S. 18.

32 Vgl. Jannan 2010, S. 13.

33 Vgl. Jannan 2015, S. 23–24.

34 Vgl. Bayer 2019.

35 Schubarth 2013, S. 102–103.

36 Vgl. Jannan 2015, S. 33–38.

37 Vgl. Bayer.

38 Vgl. Bayer 2019.

39 Vgl. Bayer 2019.

40 Vgl. Bayer 2019.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sozialraum Schule. Mobbing erkennen und vorbeugen
Note
1,04
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V461249
ISBN (eBook)
9783668926837
ISBN (Buch)
9783668926844
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbin, Schule, Prävention, Dirk Bayer
Arbeit zitieren
Matthias Dulisch (Autor), 2019, Sozialraum Schule. Mobbing erkennen und vorbeugen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461249

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