Welche Rolle spielt die Fähigkeit "Kraft" beim Fußball? Überlegungen zu Definitions- und Trainingsmöglichkeiten


Referat / Aufsatz (Schule), 2018
16 Seiten, Note: 28 von 30

Leseprobe

Inhalt

1 Krafttraining als Bestandteil effektiven Fußballtrainings

2 Definition der konditionellen Fähigkeit Kraft

3 Arten der Kraft
3.1 Maximalkraft
3.2 Schnellkraft
3.3 Kraftausdauer

4 Darstellung der Kraftarten in Bezug auf ihren Einsatz beim Fußball
4.1 Schnellkraft
4.2 Maximalkraft
4.3 Kraftausdauer

5 Training der verschiedenen Kraftarten speziell im Fußball anhand des Beispiels der Kraftausdauer
5.1. Kraftausdauertraining mit dem Schwerpunkt der Rumpfmuskulaturstärkung
5.2. Kraftausdauertraining mit dem Schwerpunkt der Steigerung der Schnellkraft- ausdauer

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Krafttraining als Bestandteil effektiven Fußballtrainings

„Der Erfolg beim Fußball hängt stark vom Kopf ab. Du musst daran glauben, dass du der Beste bist, und dann dafür sorgen, dass es wirklich so ist.“ (Internetquelle 1, 2010)

Erfolg im Leistungssport basiert nach diesem ins Deutsche übersetzte Zitat von Bill Shankly, einem ehemaligen Trainer des FC Liverpools, auf zwei wesentlichen Kom- ponenten: Der mentalen Stärke, dem Glauben an den eigenen Erfolg, und der phy- sischen Stärke, die man durch intensives körperliches Training steigern kann.

Auch in diesem Jahr haben die Spieler der deutschen Nationalmannschaft anlässlich eines der größten Sportevents der Welt, der Weltmeisterschaft 2018 in Russland, versucht, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Ein wesentlicher Be- standteil dieses Vorhabens war das gezielte positions- bzw. spielsituationsabhän- gige Training der Kraft. Die Fähigkeit zu einem explosiven Antritt, zu einem ausdau- ernden Sprint oder zu einem kraftvollen Schuss können in einem Fußballspiel rasch über Sieg und Niederlage entscheiden. Die verschiedenen Arten der Kraft und das Wissen um die dazugehörigen Trainingsmöglichkeiten sind deshalb unabdingbar für den spielerischen Erfolg.

Was die konditionelle Fähigkeit Kraft überhaupt ist, welche Arten der Kraft es gibt, welche Rolle ihnen in Bezug auf Fußball beizumessen ist und wie diese anhand ei- nes Beispiels trainiert werden können, wird im Folgenden genauer erläutert.

2 Definition der konditionellen Fähigkeit Kraft

Unter Kondition versteht man einen komplexen körperlichen Zustand, welcher von dem Ausprägungsgrad verschiedener Fähigkeiten (siehe Abb. 1, folgende Seite) ab- hängt. Dazu gehören Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft, die als kon- ditionelle Fähigkeiten bezeichnet werden (Schnabel, Harre & Krug 2014). Martin, Carl und Lehnertz (1993, S.102) beschreiben die zu den konditionellen Fähigkeiten gehörende Kraft als „konditionelle Basis für Muskelleistungen mit Krafteinsätzen, de- ren Werte über ca. 30% der jeweils individuell realisierbaren Maxima liegen." Diese Kraftfähigkeit des Nerv-Muskel-Systems ermöglicht durch Stoffwechsel- und Inner- vationsprozesse mit Muskelkontraktionen nicht nur, Widerstände zu überwinden (konzentrische Arbeit), sondern ihnen auch nachgebend entgegenzuwirken (exzent- rische Arbeit) oder sie zu halten (statische Arbeit) (Grosser, Starischka & Zimmer- mann, 2015).

Dass ein explizites Training dieser Kraft Inhalt jedes Sporttrainings sein sollte, darauf weisen auch Weineck und Weineck (2009, S.125) hin:

„Da die Kraft in ihren verschiedenen Manifestationsformen – Maximalkraft, Schnellkraft und Kraft- ausdauer – in irgendeiner Form fast in jeder Sportart einen mehr oder weniger ausgeprägten leistungsbestimmenden Faktor darstellt, ist ihrer sportartspezifischen Entwicklung eine wichtige Rolle beizumessen.“

Die folgende Abbildung (Weineck, 2004, S.17) verdeutlicht nochmals die Posi- tion der Kraft neben Beweglichkeit, Ausdauer und Schnelligkeit als Bestandteil des Trainingsbereiches Kondition:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Komponenten der Kondition des Fußballers (nach Schmidtbleicher)

3 Arten der Kraft

Wie Abb. 2 (Philipp Seitz, 2018, verändert nach Weineck, 2004, S.133) zeigt, lässt sich die motorische Kraft beim derzeitigen Kenntnisstand sinnvoll in drei Hauptfor- men gliedern: Die Maximalkraft, die Kraftausdauer und die Schnellkraft, welche in Wechselbeziehung zueinanderstehen, sowie die dazugehörigen Subkategorien bzw. Mischformen, die Maximalkraftausdauer, die Schnellkraftausdauer, die Explosivkraft, Startkraft und die als Sonderform der Schnellkraft angesehene Reaktivkraft. Die di- versen Kraftfähigkeiten unterscheiden sich in Bezug auf Arbeitsbedingungen bzw. Arbeitsweise deutlich und kommen deshalb unterschiedlich zum Ausdruck.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Hauptformen und Subkategorien der motorischen Kraft

3.1 Maximalkraft

Die Maximalkraft wird bei einer Vielzahl sportlicher Leistungen abgerufen, bei denen über 30% der individuellen Kraftfähigkeit realisiert werden muss, und bildet somit als grundlegende konditionelle Fähigkeit die Basis für die anderen Krafteigenschaften (Schnabel et al., 2014). Die Maximalkraft tritt in zwei Formen auf, der dynamischen und der statischen Maximalkraft, und stellt nach Anka und Jürgen Weineck (2009, S. 134) die höchstmögliche Kraft dar, „die das Nerv-Muskel-System bei maximaler will- kürlicher Kontraktion auszuüben vermag.“

Die statische bzw. isometrische Maximalkraft wird definiert als die höchstmögliche Kraft, welche das Nerv-Muskel-System gegenüber einem unüberwindbaren Wider- stand ausüben kann. „Innere und äußere Kraft entsprechen [in diesem Fall] einan- der.“ (Schnabel et. al, 2014, S.159) Beispiele hierfür sind Halteübungen beim Gerä- teturnen, wie Winkelstütz am Barren oder der Kreuzhang an den Ringen.

Unter der dynamischen Form der Maximalkraft versteht man die höchste Kraft, wel- che bei willkürlichen Kontraktionen innerhalb eines Bewegungsablaufes mobilisiert werden kann. Wie Schnabel et al. (2014, S.160) darlegen, wird diese entweder „bei überwindender (konzentrischer) Beanspruchung oder bei nachgebender (exzentri- scher) Beanspruchung leistungswirksam.“

Kommt zum willkürlich aktivierbaren Teil des Kraftpotentials, der Maximalkraft, noch der nicht willkürlich aktivierbare Kraftanteil hinzu, der etwa durch elektrische Stimu- lation abrufbar ist, spricht man von der Absolutkraft. Diese beschreibt das höchst- mögliche Kraftpotenzial, welches ein Muskel aufgrund seines physiologischen Quer- schnitts und seiner Qualität zur Verfügung hat (Martin et al., 1993). Die Absolutkraft stellt folglich die Summe aus der willkürlich entwickelbaren Maximalkraft und den autonom geschützten Kraftreserven dar und kann ausschließlich unter äußeren Umständen wie massiven Stresssituationen, beziehungsweise äußere Einfluss- nahme durch Methoden wie elektrische Stimulation, Hypnose oder durch leistungs- steigernden Substanzen, mobilisiert werden. Die Differenz der willkürlichen Maximal- kraft und der Absolutkraft wird als Kraftdefizit bezeichnet. Dieses beträgt nach Schnabel et al. (2014) bei untrainierten Menschen 30% und kann durch intramusku- läres Koordinationstraining auf 10% verringert werden.

Eine zusätzliche Form ist die relative Maximalkraft, die das Verhältnis der Maximal- kraft zum Körpergewicht darlegt und welche in der Sportpraxis meist eine größere Rolle als die absolute Maximalkraft spielt (Grosser et al., 2015). Die Maximalkraftfä- higkeit wird sportmethodisch als „komplexe konditionelle Fähigkeit für die Entwick- lung maximaler Kräfte für die Überwindung sehr hoher äußerer Widerstände“ (Dar- gatz, 2008, S.81) sowie physiologisch als „gleichzeitige Rekrutierung möglichst vieler motorischer Einheiten (vorwiegend FT-Fasern)“ (Dargatz, 2008, S.81) definiert. Die Maximalkraft wird von internen und externen Faktoren bestimmt:

Zu den internen Faktoren zählt u.a. der physiologische Muskelquerschnitt. Umso hö- her jener ist, desto größer ist die Anzahl der kontraktilen Elemente Aktin und Myosin im Muskel. Auch die Muskelfaseranzahl und das Verhältnis der langsam zuckenden Typ-1 Fasern zu den schnell zuckenden Typ-2 Fasern beeinflusst die Maximalkraft. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die koordinative Leistung, dazu gehört die in- ter- und die intramuskuläre Koordination. Zudem spielen Alter, Trainings-, Ernäh- rungs- und Vorbereitungszustand eine wichtige Rolle.

Externe Faktoren, welche die Maximalkraft beeinflussen, sind etwa Motivation, Ta- geszeit, die zu bewegende Masse und die Umgebungstemperatur (Internetquelle 2, 2012).

Durch jede der aufgelisteten Faktoren kann eine geringe Steigerung der Maximalkraft erreicht werden, jedoch ist, um eine optimale Entwicklung zu erzielen, ein spezielles Training aller Teilkomponenten zu empfehlen (Weineck und Weineck, 2009).

3.2 Schnellkraft

Die Schnellkraft wird nach Weineck und Weineck (2009) definiert als die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, in der zur Verfügung stehenden Zeit einen möglichst großen Impuls zu erzeugen und somit Gegenstände, den Körper bzw. Teile des Kör- pers mit maximaler Geschwindigkeit zu bewegen. Somit „steht die Schnellkraft mit der Maximalkraft in einer Wechselbeziehung. Je höher die zu beschleunigende Last, desto größer ist die Bedeutung der Maximalkraft.“ (Weineck und Weineck 2009, S.134)

Die Schnellkraft äußert sich zum einen in zyklischen Bewegungen, d.h. bei Wieder- holungen gleichartiger Teilbewegungen, wie etwa während des Sprintens und Schwimmens. Zum anderen tritt sie auch bei azyklischen Bewegungsabläufen, in denen das Bewegungsziel durch eine einmalige Aktion erreicht wird, in Erscheinung, wie z.B. bei Ball- und Wurfsportarten. Ebenso ist eine Kombination beider Formen möglich, etwa bei Weitsprung, bei dem sowohl zyklische als auch azyklische Bewe- gungsstrukturen notwendig sind. (Internetquelle 3, 2011)

Nach Dargatz (2008, S. 81) lässt sich das Schnellkraftvermögen sportmethodisch als „komplexe konditionelle Fähigkeit für das maximale Beschleunigen des Körpers oder anderer Massen, wie etwa dem Ball bzw. das möglichst schnelle Entgegenwirken gegenüber äußeren Wiederständen“ sowie physiologisch als „Rekrutierung mög- lichst vieler motorischer Einheiten, vorwiegend FT-Fasern, zum gleichen Zeitpunkt“ definieren. Das Schnellkraftvermögen hängt vorwiegend von der Kontraktionskraft der eingesetzten Muskelfasern, sowie vom Typ der aktivierten Muskelfasern, „vor allem von den FT-Fasern und hier vor allem wieder von den schnellzuckenden und stärksten Fasern mit dem größten Querschnitt der Typologie FT-IIb ab“ (Weineck und Weineck, 2009, S.135) und wird nach Schnabel et al. (2014) durch den Schnell- kraftindex (SKI), welcher in Abb. 3 dargestellt ist, bestimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Schnellkraftindex (Schnabel et al., 2014, S.161)

Die Schnellkraft besitzt zwei Unterkategorien, die Startkraft und die Explosivkraft. Die Startkraft steht, wie in Abb. 4 zu sehen ist, für die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, von Beginn der Kontraktion an einen möglichst großen Kraftanstieg zu ent- wickeln. Zudem zeigt Abb. 4 die Explosivkraft, welche sich ähnlich wie die Startkraft verhält, jedoch nicht aus dem Stillstand erfolgt, sondern aus einer Bewegung heraus die ins Maximum gesteigert wird. Sie ist für einen nach Möglichkeit steilen und hohen Kraftanstieg zuständig (Weineck und Weineck, 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Komponenten der Schnellkraft (Internetquelle 4, 2018)

Neben den zwei Unterkategorien gibt es auch noch eine Sonderform, die Reaktiv- kraft. Diese beinhaltet die „Fähigkeit, bei kurzzeitiger Kopplung exzentrischer und konzentrischer Muskelkontraktion, d. h. im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus, schnell- kräftig zu agieren.“ (Schnabel et al., 2014, S.163)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Welche Rolle spielt die Fähigkeit "Kraft" beim Fußball? Überlegungen zu Definitions- und Trainingsmöglichkeiten
Note
28 von 30
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V461877
ISBN (eBook)
9783668917293
ISBN (Buch)
9783668917309
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Sport, Arten der Kraft, Kraftarten, Kraft
Arbeit zitieren
Philipp Seitz (Autor), 2018, Welche Rolle spielt die Fähigkeit "Kraft" beim Fußball? Überlegungen zu Definitions- und Trainingsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461877

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