Grundzüge von David Humes Moralphilosophie und Ablehnung des moralischen Rationalismus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

12 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie des ,moral sense’
2.1 Grundzüge der Moralphilosophie
2.1.1 Mechanismus der Affekte
2.2 Humes Moralphilosophie und der moralische Rationalismus

3. Fazit und Stellungnahme

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frage „Inwiefern stehen die Gefühle und Affekte im Zentrum des menschlichen Wesens und welchen Einfluss haben sie auf deren Handlungen?“ beschäftigt viele Philosophen.

David Hume (1711-­1776) beschäftigt sich in seiner Moralphilosophie mit dieser Grundlage. Betrachtet man den Aspekt auf der allgemeinen Ebene, so ist für Hume die Moralität nicht aus der Vernunft her leitbar. Man könnte zwei wichtige Thesen aufstellen, die die Betonung der Affektivität des Menschen darstellen. Die erste These wäre, dass die Vernunft alleine nicht den Willen anregen kann. Die zweite These wäre das Humesche Gesetz. Diese besagt, dass aus einem sein kein sollen entnommen werden kann.

Hierbei werde ich mich jedoch hauptsächlich mit der ersten These beschäftigen, welches natürlich unterschiedliche Aspekte hervorruft. Zunächst ist herauszuschließen, dass in der Moralphilosophie Humes die Bedeutung der Gefühle des menschlichen Wesens eine wichtige Rolle spielt. Der Mensch handelt nach den Gefühlen, die schließlich dazu beitragen wie die Handlung moralisch zu beurteilen ist. Im Anschluss werden die Mechanismen der Affekte gedeutet, die schließlich dann zum weiteren Verlauf eine wichtige Bedeutung beitragen. Im weiteren Verlauf wird die Rolle der Vernunft im Bezug zu Humes Moralphilosophie dargestellt. Hierbei wird Humes Betrachtung im Vordergrund dargestellt, welcher mit Gegenthesen die Behauptungen der moralisch Rationalisten widerlegt. Dabei werden auch Gründe aufkommen, wieso Hume den moralischen Rationalismus ablehnt und verneint. Mit der Erklärung der Affekte und Gefühle wird schließlich dann auch dessen Deutung besser verstanden und es wird aufgezeigt, welche Auswirkungen bzw. Einflüsse sie jeweils auf den Menschen und deren Handlungen haben. Zum Schluss kommt meine eigene Stellungnahme, die sich letztlich auf die vorherige Analyse bezieht. Stichpunktartig werden jeweils nochmals im Schluss die Hauptaspekte zusammengefasst ausgeführt. Ob nun der Mensch in der Lage ist durch die Moralphilosophie Humes also durch das Prinzip der „moral sense“ eine Handlung für sittlich gut oder schlecht urteilt wird durch die Analyse aufgeklärt. Auch kann man sich nun die Frage stellen, ob der Egoismus eine Funktion in der Handlung des Menschen darstellt. Diese Fragen werden schließlich im Fazit aufgeklärt.

2. Die Theorie des ,moral sense’

2.1 Grundzüge der Moralphilosophie

Laut David Hume ist die Vernunft nicht in der Lage, eine Handlung hervorzurufen. In seinem Traktat behauptet Hume, dass „die Vernunft nur der Sklave der Affekte ist und es sein soll;; sie darf niemals eine andere Funktion beanspruchen als die, denselben zu dienen und zu gehorchen“1. Er lehnt die Erklärung, dass menschliche Handlungen mit dem Verstand fundiert, ab. Hume ist gegen den moralischen Rationalismus, welcher der Meinung ist, dass die Handlungen dann moralisch sind, wenn sie von der Vernunft geleitet wird. Dies wird dann im weiteren Verlauf des Textes belegt. Er ist Non-­Kognitivist und behauptet, dass die Vernunft keinen Einfluss auf unsere Handlungen hat, sondern nur die Affekte und etwas ist moralisch gut, wenn wir eine Handlung als gut empfinden. Ursprünglich liegt es im inneren des Menschen, welches Gefühl der Mensch für eine Handlung empfindet. Je nach Billigung oder Missbilligung ist die Handlung gut oder schlecht beurteilbar. Also wenn wir das Gefühl haben etwas ist gut, dann ist es moralisch gut. Es kommt letztendlich nur auf das Gefühl an. Die Vernunft kann zwischen Wahrheit und Irrtum differenzieren, jedoch nicht die Affekte für wahr oder falsch deuten. Somit kann man herausschließen, dass die Vernunft nicht aus Moral her leitbar ist, da sie nicht niemals alleine Einfluss auf das menschliche Handeln hat. Bei Hume wird Moral vielmehr gefühlt als beurteilt. Für Hume gibt das moralische Gefühl genau genommen derjenige Anschein, der uns möglich macht, moralische Unterscheidungen auszuführen.

2.1.1 Mechanismus der Affekte

Hume will in seinem Traktat aus dem zweiten Buch die „Natur, den Ursprung, die Ursache und die Wirkung“2 der Affekte („passion“) analysieren. „Passion“ kann je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen haben. Es könnte einen Affekt, eine Leidenschaft, ein Gefühl oder ein Instinkt besagen. Ein Affekt ist ein „originales Etwas“. Dies bedeutet, dass es keine würdige Eigenschaft hat, sodass es mit nichts vergleichbar ist oder vergleicht werden kann. Letztendlich sind Affekte Eindrücke der Reflexionen, die bei Humeim Mittelpunkt des Augenmerks stehen. Für Hume gibt es zwei Bereiche, die sich dann jeweils nochmal aufteilen. Zunächst gibt es die Einteilung in ursprüngliche (primär) und nicht ursprüngliche (sekundär). Liebe zum Leben, Freunde bestraft oder glücklich sehen oder verschiedene körperliche Verlangen wären Beispiele für ursprüngliche Affekte. Sie werden nicht infolge unsere Sinneseindrücke von gut und schlecht herbeigebracht, hingegen diese werden ihrerseits erzeugt. Die nicht ursprünglichen Affekte werden hingegen durch die Wahrnehmung oder durch die Vermittlung ihrer Leitmotive in uns aktiviert. Die nicht ursprünglichen Affekte werden jeweils in direkte und indirekte Affekte eingeteilt. Die direkten Affekte werden aus unseren Wahrnehmungen von Gutem oder Üblem bzw. von Lust und Unlust hervorgerufen. Somit bildet sich in unserem Geist eine positive oder eine negative Idee, die je nach Lust-­ und Schmerzempfinden hervortritt. Ein Bespiel für einen direkten Affekt wäre das Begehren oder die Abneigung.

Die indirekten Affekte werden demgegenüber unter komplizierten Zuständen durch die Eigenschaft in uns hervorgerufen, die mit unseren Sinneneindrücken von Gutem und Schlechten abhängig sind. Im Mittelpunkt dieser Kondition steht die „doppelte Relation zwischen Ideen und Eindrücke“3. Die indirekten Affekte bringen eine Relation zwischen dem Selbst, andere Personen und einer Qualität dieser Person zu Stande. Ein Bespiel für indirekte Affekte wäre Billigung und Missbilligung. Die Einteilung der Affekte erfolgt schließlich auch nach ihrer Intensität. Je nach Ausmaß gehören sie zu den ruhigen oder zu den heftigen Affekten und beeinflussen folglich die Handlung und lässt sie annähernd stark oder schwach ausführen. Hume bezieht sich auf die Differenzierung zwischen ruhigen und heftigen Affekten zurück auf die Erklärung der Differenzen zwischen Affekt und Vernunft. Oft gehören die direkten Affekte zu Klasse der heftigen und die indirekten Affekte sind entweder heftig oder ruhig. Sofern es die z.B. um einen Affekt des Stolzes oder der Liebe handelt, gehört es zu Gruppe der Heftigen. Sofern es jedoch um einen Affekt der moralischen Gefühle handelt oder das allgemeine Verlangen nach Gutem z.B. im Alltag wohltätig gegenüber anderen sein, gehört es zu Gruppe der Ruhigen. In reinster Ausprägung des Begriffes vernehmen wir unter Affekt „ein heftiges und spürbares Gefühl des Geistes, wenn ihm irgendein Gutes oder Schlechtes präsentiert wird oder irgendein Gegenstand, der, aufgrund der ursprünglichen Formation unserer Vermögen, geeignet ist, in uns ein Verlangen zu verursachen“4. Sieht man beispielsweise eine Eis-­Theke (Gegenstand), so weckt dies das Verlangen nach Eis, sodass man das Gefühl bekommt Eis zu essen. Jedoch will man auf der anderen Seite nicht zunehmen oder man ist Diabetiker und darf kein Eis verzehren. Somit wäre der Affekt das Verlangen nicht zuzunehmen oder nicht krank zu werden. Je nachdem welches Verlangen, Gefühl also Affekt größer ist entscheidet man sich dafür. Schließlich kommt es letztendlich auf das Gefühl an, welches sich davor in der Handlung erweckt. Ob nun Affekte irrational sein können geht nur von zwei Gründen heraus. Entweder muss ein Denkfehler oder ein Irrtum vorhanden sein, dass die Affekte auf falschen Annahmen beruhen oder es muss durch eine falsche Verknüpfung von Ursache oder Wirkung muss es zu einem Missverständnis geführt haben, welches zur der falschen Wahl der Mittel leitet. Hume sagt jedoch „Kurz ein Affekt muss von einem falschen Urteil begleitet sein, um unvernünftig zu werden;; und dann ist, genau genommen, nicht der Affekt, sondern nur das Urteil vernunftwidrig“5. Beispielsweise wäre der Wunsch eines Diabetikers Eis zu essen nicht unvernünftig, bis er diesen Wunsch durch den Kauf eines Eis erfüllt. Solch ein falscher Urteil würde für den Diabetiker mit dem Tod enden. Durch die negative Wirkung kann jedoch nicht gesagt werden, dass der Affekt irrational ist. Es heißt letztendlich, dass man Gefühle nicht rational beurteilen kann. beruhen Die Affekte besagen eher als eine Art Impuls, welche aus den Eindrücken und den Vorstellungen entstehen. Das moralische Gefühl wird hierbei aus den affektiven Bedingungen der Vorstellung erzeugt.

2.2 Humes Moralphilosophie und der moralische Rationalismus

Der moralische Rationalismus besagt, dass Handlungen nur dann moralisch sind, wenn sie von der Vernunft geleitet werden. Es wird behauptet, dass es einen Kampf zwischen Affekt und Vernunft existiert. Hume dagegen wiederlegt diese Behauptung und behauptet, dass die Vernunft keinerlei in der Lage ist, eine Handlung hervorzurufen. Somit ist er der Meinung, dass es keinen Kampf zwischen Affekt und Vernunft geben kann. Diese Behauptungen belegt Hume mit zwei Gegenthesen.

[...]


1 David Hume, Traktat, II/3,3, S.153

2 David Hume, Traktat, II/4,3, S.276

3 Hume, David: Über die Affekte. (S.16)

4 Hume, David: Über die Affekte. (S.176)

5 Hume, David: Über die Affekte. (S.154)

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Grundzüge von David Humes Moralphilosophie und Ablehnung des moralischen Rationalismus
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V462474
ISBN (eBook)
9783668901827
ISBN (Buch)
9783668901834
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hume, Moralphilosophie
Arbeit zitieren
Büsra Dogan (Autor), 2016, Grundzüge von David Humes Moralphilosophie und Ablehnung des moralischen Rationalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/462474

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