Der Versöhnungsprozess in Ruanda


Hausarbeit, 2005

31 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Genozid von 1994

3. Gespenster der Vergangenheit - Ethnisch-Rassische Grenzziehungen in der Kolonialzeit
3.1 Vorkoloniale Zeit
3.2 Kolonialzeit

4. Maßnahmen zur Förderung einer nationalen Versöhnung
4.1 Internationale Maßnahmen
4.2 Nationale Ebene
4.2.1 Gesetze und Gerichtsverfahren
4.2.2 Die ruandische Verfassung
4.2.3 Die Gacaca – Gerichte

5. Ruanda aktuell: „Die neuen Herren in Kigali“

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Bürgerkrieg in Ruanda war mehr als ein Stämmekonflikt zwischen Angehörigen verschiedener Volksgruppen, mehr als nur ein Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Er war vor allem ein politischer Konflikt, dessen Ursachen in der Kolonialisierung Ruandas durch deutsche und belgische Siedler am Ende des 19.Jh. wurzelten.“ (Stroh, 2002: 14)

Der Aufbau einer neuen Gesellschaft von Ruandern ist nach dem Genozid von 1994 nur über die Versöhnung zwischen den Tätern und den Opfern möglich. Die Voraussetzung dafür bildet die Überwindung des kolonialen Erbes - die Existenz verschiedener Ethnien – was lediglich die Ideologie zum Völkermord geliefert hat.

Nach einem Abriss zum Genozid von 1994 und einem Kapitel über die Entstehung und Festschreibung der ethnischen Kategorien, sollen deshalb die Maßnahmen vorgestellt und kurz bewertet werden, die von den verschiedenen politischen Akteuren bereits unternommen wurden, um eine Versöhnung in Ruanda einzuleiten. Der Fokus wird dabei auf den juristischen und nationalpolitischen Bemühungen bzw. Grundsätzen liegen.

Dieser Herangehensweise an das Thema liegt der Gedanke zugrunde, dass Gerechtigkeit die Grundvoraussetzung für eine Versöhnung nach einem solch erschütternden, gesellschaftlich und sozial so zerstörerischen und nachhaltig wirksamen Verbrechen darstellt. Doch muss klar sein, dass die juristische Aufarbeitung von 1994 allein nicht ausreichen wird, um wieder eine funktionierende Gesellschaft herstellen zu können. Wichtig ist es auch, das ethnische Bewusstsein und das damit verbundene Misstrauen hinter sich zu lassen, die beide im Kampf um politische Macht nur zu oft instrumentalisiert werden.

Abschließend soll ein Blick auf die gegenwärtigen Zustände in Ruanda geworfen werden. Konnte eine Versöhnung angestoßen werden?

2. Der Genozid

„Es hat Ende des 20.Jahrhunderts trotz vieler Grausamkeiten in der Welt kein Ereignis gegeben, bei dem so schnell so systematisch so viele Menschen ermordet wurden wie in Ruanda. Es gab nichts, das so klar und eindeutig ein Völkermord war wie in Ruanda.“[1]

Offiziell-juristisch bezeichnet „Völkermord“ eine Handlung, die mit Absicht begangen wird und darauf abzielt, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten, durch: a) die Tötung von Mitgliedern der Gruppe; b) die Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe; c) die Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Vernichtung ganz oder teilweise herbeizuführen; d) die Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind; e) die gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe. (Vgl.: Harding/Bley, 1998: 148)

Der sogenannte „Völkermord der 100 Tage“ (Hoering, 1997: 18) begann am 6.4.1994, kurz nach dem Flugzeugabsturz und Tod des ruandischen Präsidenten Habyarimana (MRND) und endete nach offiziellen Angaben[2] mit der Einnahme Ruandas durch die FPR im Juli 1994.

Wer für den Flugzeugabsturz verantwortlich ist, bleibt unklar. Von Seiten der Regierung wurde die Tutsi-dominierte FPR[3] zum Täter, und gleichzeitig alle Tutsi zu ihren Komplizen erklärt. In der Literatur wird eine extremistische Gruppierung aus dem engeren Umkreis des Präsidenten vermutet, da mit seinem Tod auch der Vertrag von Arusha, der Anfang der 90er Jahre einen Demokratisierungsprozess einleiten sollte, aufgehalten werden konnte. Er hätte die Regierung ihre Vormachtsstellung gekostet.[4]

Zum anderen hatte man dadurch, dass man der FPR die Tat zuschob, einen Rechtfertigungsgrund für die Bevölkerung gefunden, das von langer Hand geplante Vorgehen gegen die Tutsi, für das die Mithilfe aller nötig war, umzusetzen. Mit der endgültigen physischen Vernichtung der Tutsi sollten die Machtverhältnisse ein für alle mal entschieden, der Dauerkonflikt in der Region der großen Seen[5] beendet, und der Traum eines reinen Hutu-Staates in Ruanda verwirklicht werden. (Vgl.: Hasenclever 2001: 283-293)

In weniger als zwei Monaten starben daraufhin 500000 bis 1 Million Menschen[6], hauptsächlich Tutsi (1994 ca. 12% der Gesamtbevölkerung), aber auch politisch Oppositionelle, gemäßigte Hutu, Mitglieder verschiedener NGO’s, andere Helfer oder Hutu, die wie Tutsi aussahen. Die Massaker wurden durch die Eintragung der Ethnie im Personalausweis und die „Todeslisten“[7] erleichtert. Neben der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Gendarmerie und den Hutu-Milizen[8] beteiligten sich an den Morden vor allem die einfachen Bauern, die seit langer Zeit durch extremistische Propaganda „angeheizt“ worden waren. Besonders die Medien, hier die Zeitung „Kangura“ und das Radio RTLM, aber auch die Regierung selbst, trugen zur Eskalation der Situation bei. Das Radio hatte aufgrund der hohen Analphabetenquote beträchtlichen Einfluss in der Bevölkerung. RTLM gab die Aufenthaltsorte von Personen bekannt, die noch vernichtet werden sollten, feierte Massaker „on air“ und forderte die Bevölkerung explizit zum Mitmachen auf. „Die Gräber sind noch nicht voll.“ (Hoering 1997: 40) „Wir müssen handeln! Radiert sie alle aus!“ (Harding/ Bley 1998: 136ff) Die Angst vor den Tutsi wurde aber auch schon vor 1994 geschürt, was häufig zu Massakern an Zivilpersonen geführt hatte. Als Beweise für die feindlichen Absichten der Tutsi wurden der Angriff der FPR von 1990, und der Friedensvertrag von Arusha angeführt, der auf eine Machtteilung mit der FPR hinauslief. Die Tutsi versuchten also erneut, der Mehrheit der Hutu die Herrschaft über „ihren“ Staat zu entreißen und das, obwohl sie eigentlich nicht einmal Mitbürger seien, sondern lediglich Einwanderer[9].

So indoktriniert und oft angeleitet durch Armee, Milizen oder regionale Autoritäten (Bürgermeister) wurde innerhalb der folgenden Tage, in der sich die Massaker über das ganze Land ausbreiteten, ein Großteil der Bevölkerung[10] in das Morden involviert. Die Mörder betrachteten ihr Handeln als Selbstschutz, der einen Rückfall in Zeiten feudalistischer Abhängigkeitsverhältnisse von den Tutsi vermeiden sollte. „Das Töten wurde zu einem Akt der Selbstverteidigung, weil die Inkarnation des Bösen [FPR, also Tutsi; Anm. C.M.] jetzt damit drohte, die friedliche, ländliche, demokratische Hutu-Republik zu zerstören.“ (Harding/ Bley 1998: 140)

Fazit: Der Völkermord in Ruanda ist in der Beteiligung der Zivilbevölkerung unvergleichbar. Was erreicht werden sollte, war allseits bekannt und wurde seit Jahren offen ausgesprochen. Die Ausrottung der Tutsi wurde zum kollektiven Ziel und jeder sollte dazu beitragen, dies zu erreichen. Durch die Konzentration des Hasses versuchten die Anstifter ein Solidaritätsgefühl, eine kollektive Verantwortung für den Genozid herzustellen. Die Distanz zwischen Opfern und Mördern konnte dabei nicht kleiner sein. Die Säuberungsaktionen wurden regional organisiert, die verwendeten Waffen waren Macheten oder Knüppel und die meisten Täter kannten ihre Opfer persönlich: Es waren ihre Nachbarn, Freunde oder Familienangehörige. „Gerade dieser Punkt, sowie die Tatsache, dass die ´einfache Bevölkerung` weit mehr als bei vergleichbaren Ereignissen in das Töten mit einbezogen war, erschreckt und verstört am meisten am ruandischen Völkermord und ist ein Hauptgrund für seine Fehleinschätzung als primitiver Stammeskrieg.“ (Römmer/Grabinski, in: Harding/Bley 1998: 155ff)

3. Gespenster der Vergangenheit: Ethnisch-Rassische Grenzziehungen in der Kolonialzeit

„Die jüngere historisch-ethnologische Afrikaforschung, […], hat herausgearbeitet, dass Ethnizität[11] im modernen Afrika eine soziale Konstruktion der Kolonialperiode ist: das Ergebnis der Auseinandersetzung vorkolonialer Gesellschaften mit den sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Kräften des Kolonialismus.“ (Eckert 2000:4f)

Idealtypisch lassen sich vier Prozesse bei der kolonialen Ethnisierung beobachten: Ethnische Identitäten entstehen im Kontext sozialer Ungleichheit. Durch die Kooperation kolonialer Autoritäten und „kultureller Mittler“ vermischen sich importierte mit lokalen Identitätsmodellen, wodurch teils neue Traditionen geschaffen werden oder, bei Rückgriff auf ältere Elmente, diese durch Verschriftlichung etc. ihren Charakter verändern. Durch die alltägliche Reproduktion der neuen Identitäten in der Verwaltungspraxis, entsteht der Anschein ihrer Natürlichkeit.[12] (Vgl.: Eckert 2000: 27)

3.1 Vorkoloniale Zeit

Die Forschung ist sich einig, dass das vorkoloniale Afrika durch mobile, sich überlappende Netzwerke gekennzeichnet war, deren Grenzen kontextabhängig waren; ethnische Gemeinschaftsideologien also erst in Auseinadersetzung mit dem importierten Stammesdenken entstanden. Andererseits herrscht in Afrika selbst oft die Idee vor, die bekannten ethnischen Gruppen existierten schon seit Jahrhunderten. (Vgl.: Eckert 2000: 2)

Ruanda lebt noch heute mit der aus der Kolonialzeit[13] stammenden Hamitentheorie. Danach sind die Tutsi aus Äthiopien eingewanderte, nomadisierende Hirten, die zur nilotisch-hamitischen Rasse gehörten. Diese sei wiederum der kaukasischen Rasse, zu der sich auch die Angelsachsen und Germanen zählten, verwandt. Die angebliche körperliche Überlegenheit der Tutsi wurde vor dem Hintergrund rassischer Vorstellungen[14] auch auf die Intelligenz der Gruppe übertragen. Somit waren Tutsi quasi nur „schwarze“ Europäer und zum Herrschen geboren. (Vgl.: Harding/Bley 1998: 127, 21)

„Hutu“, „Tutsi“ und „Twa“, nach den Kolonialmächten die Bevölkerungsgruppen Ruandas, existierten als Begriffe aber auch schon vorher. Ihre Bedeutung und Verwendung unterschieden sich jedoch regional. Erst mit der Expansion des von Viehzüchtern beherrschten, feudalen Königreiches fanden sie Ausbreitung im gesamten Siedlungsgebiet. Zur Herrschaftslegitimation eignete sich der Mythos der „eingewanderten Herren“ (Eckert 2000: 17), der heute wissenschaftlich widerlegt ist. „Hutu“ und „Tutsi“ bezeichneten zu dieser Zeit also soziale Gegensätze. Tutsi war, wer Macht ausübte, Hutu bedeutete „Nichtadliger“ oder „Bauer“. Diese Zuschreibung, die zwar zunächst über die Abstammung vererbt wurde, war trotzdem keine feste und absolute. Durch Viehbesitz, Heirat oder Armut konnte man die Gruppenzugehörigkeit wechseln, auf- bzw. absteigen[15]. (Vgl.: Schürings 1994:140) Das ruandische Königreich war demnach keine statische Gesellschaft.

Fazit: Ruander identifizierten sich in der vorkolonialen Zeit stärker über die Region, die Zugehörigkeit zu Nachbarschafts- und Verwandtschaftsgruppen (Vgl.: Hoering 2001: 18), gehörten also mehreren „Wir-Gruppen“ an. Demnach kann man nicht von einem jahrhundertelangen, natürlich gewachsenen Konflikt, der dem Genozid häufig als ausschlaggebende Ursache zugrunde gelegt wird, sprechen. Denn Hutu, Tutsi und Twa haben und hatten die gleiche Kultur, Sprache und Religion, bewohnen das gleiche Gebiet (Zwischenseengebiet) und bilde(te)n zusammen das Volk der Banyarwanda (Ruander). Eine ethnische Gruppenidentität ist für Hutu und Tutsi, blickt man auf die Ursprünge der Bezeichnungen (Ackerbauern und Viehzüchter), die sich wandelten, erweiterten, regional unterschiedlich verbreitet waren, also nicht klar und eindeutig nachzuweisen.

3.2 Kolonialzeit

Die starke ethnische Anreicherung der Begriffe erfolgte erst durch die Kolonialherren, die aufgrund ihrer europäischen Rassevorstellungen die Tutsi beim Zugang zu Bildung und Macht gezielt bevorzugten. Dadurch, dass sie den Hamitenmythos in reale Verhältnisse übertrugen, trieben sie die Unterdrückung der Hutu voran. Die Institutionalisierung der Ungerechtigkeit erfolgte 1935 mit der Eintragung der Ethnie in den Personalpapieren. Das Zuordnungskriterium war der Viehbesitz[16]. Somit wurde die „ethnische Zugehörigkeit zur Grundlage des sozialen Gefüges und des politischen Lebens“ (Eckert 2000: 18). Das Fundament zur Herausbildung eines ethnischen Bewusstseins, bei den einen als „überlegene Rasse“ und bei den anderen als „Diskriminierte“, war gelegt. (Vgl.: Schürings 1994: 16ff)

Neben den Kolonialmächten trug auch die Kirche zur Zementierung dieser neuen Gesellschaftsordnung bei. Die Missionare spielten gerade im Bildungsbereich eine entscheidende Rolle, zu dem die Tutsi wiederum den größeren, zeitweise ausschließlichen Zugang hatten. Verstärkend wirkte auch der Alphabetisierungsprozess, der „afrikanische ´kulturelle Mittler[17] ´[Tutsi; Anm. C.M.] dazu [brachte], die europäischen Vorstellungen zu übernehmen.“ (Eckert 2000: 12) In die vorkoloniale Geschichte, die man derzeit erstmals schriftlich festhielt, flossen dadurch schon ethnische und tribale Kategorien und Denkweisen ein, die von außen in die afrikanischen Gesellschaften hineinprojiziert worden waren und die deren tatsächliche Geschichte verfälschten.

[...]


[1] Im Interview mit der Welthungerhilfe: Allison Des Forges, Leiterin des unabhängigen Ermittlungsprojektes von Human Rights Watch und der International Federation of Human Rights League, aus dessen Ergebnissen das „Standardwerk“ zum Genozid in Ruanda entstanden ist: Kein Zeuge darf überleben – der Genozid in Ruanda, 2002. http://www.welthungerhilfe.de/WHHDE/themen/ruanda/ruanda_interview_desforges.html

[2] der jetzigen Regierungspartei FPR (Front Patriotique Rwandais)

[3] Die FPR, eine militärische Gruppierung, die sich in Uganda formiert hatte und von der ugandischen Regierung unterstützt wurde, setzt sich zum größten Teil aus Exiltutsi oder der Nachkommen, aber auch einigen Hutu zusammen. Am 5.10.1990 fiel sie in Ruanda ein, um die Rückkehr der in den 60er Jahren vertriebenen Tutsi und einen Demokartisierungsprozess zu erzwingen. Mit diesem Angriff hat sie den Bürgerkrieg in Ruanda ausgelöst. Seit 1994 ist sie Ruandas Regierungspartei.

[4] Vgl.: Grabinski/Römmer, in: Harding/Bley 1998: 145f.

[5] Ruanda, Burundi und Demokratische Republik Kongo (DRK) – die Region der Großen Seen - leiden unter ähnlichen Konflikten. Besonders die Geschehnisse in Burundi beeinflussen immer auch die gesellschaftliche und politische Situation in Ruanda und umgekehrt.

[6] Die Zahlen differieren in der Literatur, meist wird jedoch von durchschnittlich 800000 Opfern gesprochen. Meistzitierte Quelle: Prunier, z.B. in: Harding/Bley 1998: 150ff.

[7] Sie enthielten genaue Adress- und Personenangaben und waren schon 1990 vom Geheimdienst, der Armee und Regierungsmitgliedern erstellt, und ständig erweitert worden.

[8] Die Hutu-Milizen waren bereits 1990 (offiziell erst 1992) von der extremistischen CDR (Koalition zur Verteidigung der Republik) und der MRND (Nationale Republikanische Bewegung für Demokratie und Entwicklung) ins Leben gerufen und bewaffnet worden. Die Begründung für die Verteidigungstrupps, die sich meist aus arbeits- und perspektivlosen Jugendlichen zusammensetzten, war der Einmarsch der FPR nach Ruanda gewesen. Ihre Aufgabe war der Schutz der jeweiligen Gründerpartei. Die interahamwe (der MRND) und impuza mugambi (der CDR) spielten beim Genozid eine führende Rolle, waren aber bereits in den Vorjahren für viele Massaker an Tutsi verantwortlich. (Vgl.: Harding/ Bley 1998: 88ff)

[9] Hier wurde auf die Hamitenthese zurückgegriffen, die mit den Kolonialherren Anfang des 20.Jh. Einzug in Ruanda gehalten hat und nach der die Tutsi ein aus Äthiopien eingewandertes Hirtenvolk seien.

[10] Wobei klargestellt werden muss, dass man keinen Generalverdacht gegen die Hutu aussprechen darf. Viele wurden zum Schiessen oder Vergewaltigen gezwungen. Andere halfen oder versteckten Tutsi, was sie oft selbst das Leben kostete. (Vgl.: Harding/ Bley 1998: 150)

Trotzdem brauchte es für den Genozid einen „Pöbel“, der empfänglich war für die Bestechung mit Macht und Gütern. Faktoren wie Sozialneid (Ohne Besitz kann ein Ruander nicht heiraten. [Vgl.: Koff 2004: 92]) oder Eifersucht auf die angeblich attraktiveren Tutsi-Frauen spielten also eine Rolle. (Vgl.: Hoering 1997: 42)

[11] Das gleiche gilt auch für das Tribalismuskonzept. Stämme sind keine natürlich gewachsenen Strukturen, sondern Ergebnis der „kolonialen Durchdringung“ afrikanischer Gesellschaften. Sie wurden zielgerichtet und bewusst konstruiert und gestaltet – immer in Anlehnung an das rassisch geprägte koloniale Menschenbild. (Vgl.: Eckert 2000: 11)

[12] Der Verfasser weist explizit darauf hin, dass es keine allgemeine Ethnizitätstheorie für Afrika gibt, sondern sich die Entwicklung, je nach historischen und regionalen Spezifika, unterscheidet.

[13] Ruanda wurde 1899 offiziell zur deutschen Kolonie erklärt. 1916 übernahmen die Belgier die Kolonialherrschaft, später nur noch Verwaltung, bis Ruanda 1962 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. (Vgl.: Harding/ Bley 1998: 23, 26)

[14] Die Theorie der Höherrassigkeit der Tutsi geht auf J.H. Speke, einen Briten, zurück. (Vgl. Heinemann-Gründer: Vorlesungsmaterial)

[15] Batutsi/Mututsi bzw. Bahutu/Muhutu und Batwa/Mutwa sind die Originalbezeichnungen aus dem Ikinyarwanda, dem Ruandischen, und entsprechen jeweils dem Plural bzw. Singular. Hutu stellen die Bevölkerungsmehrheit dar, mit ca. 85%, Tutsi, die Minderheit mit ca. 12-15% und als Ureinwohner des Landes gelten die Twa, die ca. 1-2% der Bevölkerung ausmachen. (Vgl.: Schürings 1994: 140)

[16] Wer mehr als zehn Kühe besaß, war Tutsi. (Vgl.: Hoering 1997: 18)

[17] Als „kulturelle Mittler“ bezeichnet Eckert Personen, die von den jeweiligen Autoritäten (hier: Kolonialherren) als Vermittler zwischen den Einheimischen und den Herrschenden genutzt werden. (Vgl.: Eckert 2000: 1-27)

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Versöhnungsprozess in Ruanda
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Deutsche Aussenpolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
31
Katalognummer
V46333
ISBN (eBook)
9783638435406
ISBN (Buch)
9783656246367
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versöhnungsprozess, Ruanda, Deutsche, Aussenpolitik
Arbeit zitieren
Claudia Meiling (Autor:in), 2005, Der Versöhnungsprozess in Ruanda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46333

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Versöhnungsprozess in Ruanda



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden