Iran im politisch-geographischen Diskurs der USA. Eine Analyse nach Saul Bernard Cohen's "Middle East Shatterbelt“


Essay, 2015
4 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Iran im US-amerikanischen politisch-geographischen Diskurs: Saul Bernard Cohen´s „Middle East Shatterbelt“

In dem folgenden Essay wird der Diskurs zwischen der westlichen Macht USA und dem Iran aus der Sicht der kritischen Geopolitik erläutert. Unter dem Begriff kritische Geopolitik wird das Zusammenspiel zwischen der Gesellschaft, Raum und Macht verstanden. Dies bedeutet näher betrachtet die topografische Strukturierung von Gebieten in Bezug auf deren Lage und natürliche Rohrstoffe. Betrachtet man Geopolitik aus dieser Perspektive, so sieht man, dass im Verlauf der Geschichte die Strukturierung und Gliederung der Gebiete sich mehrmals verändert haben. Gerade die kritische Geopolitik ist ein wichtiger Ausgangspunkt für den Diskurs zwischen USA und Iran. Der bekannteste Vertreter der kritischen Geopolitik O Tuathaail definierte den Begriff 1996 folgendermaßen : „ The geography of the world is not a product of nature but a product of histories of struggle between competing authorities over the power to organize, occupy and administer space“. Damit ist gemeint, dass die Strukturierung des Raumes und die Entstehung von Diversitäten in der Gesellschaft nicht als Folge natürlicher Prozesse entstehen, sondern durch spezifische räumliche Vorstellungen sowie politische Interessen und Zwecke bestimmt werden. Demgemäß beeinflusst der Raum auch den Verlauf und das Ausmaß der politischen Auseinandersetzungen zwischen den Akteuren. Von dieser Betrachtungsweise ausgehend wird die Konstruktion des Mittleren Ostens insbesondere des Iran nach Saul Bernard Cohen behandelt. Der US-amerikanischer Geograph Saul B. Cohen führte erstmals den Begriff Shatterbelt in die Geopolitik ein. Shatterbelt charakterisiert Regionen, die im Inneren aufgrund der vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen fragmentiert sind. Diese Gebiete sind von religiösen und kulturellen Unruhen geprägt und ohnehin instabil. Hinzu kommen noch westliche kulturelle und politische Einflüsse, welche die Intensität der Zersplitterung drastisch verstärken.

Neben dem Rohrstoffaufkommen spielt die Lage des Mittleren Ostens, die von fünf bedeutungsvollen Hauptgewässern umrandet ist, eine strategisch wichtige Bedeutung für externe Mächte. Dies führt dazu, dass sie des Öfteren in den Versuch eingehen, die Kontrolle dieser Gebiete zu übernehmen. Der Autor teilt den Raum Mittleren Osten nach seiner physischen Zusammensetzung und Rohrstoffaufkommen in drei Regionen ein.

Die erste Region ist die Northern Hihgland zone, die hauptsächlich aus Hochgebirgen besteht und weitverbreitete tektonische Aktivitäten aufweist, d.h. es ist ein sehr stark erdbebengefährdetes Gebiet. Der größte Teil der Türkei und Iran und die gesamte afghanische Landmasse liegen in dieser Zone. Ebenso liegt auch das irakische Nordosthochland in dieser Zone, welches das Hauptgebiet der kurdischen Bevölkerung ist. Etwa zehn Millionen Kurden leben in dem Hochland im südosten Anatoliens. Davon etwa fünf Millionen in Irak und fünf Millionen im Iran. Die Bevölkerung der nördlichen Hochlandzone beschäftigt sich hauptsächlich mit Ackerbau, Viehzucht und Handwerksarbeiten. Die politische Organisation in diesem Gebiet ist sehr stark durch ein System von Angst und Schrecken eingegrenzt. Neben den schweren Bedingungen, die naturgegeben sind, erschweren auch die mangelnde Beförderung und Kommunikation der Bevölkerung unter sich, die allgemeine Verbindung der unterschiedlichen Teile des Landes. Nach der Besetzung der amerikanischen Botschaft durch die iranischen Studenten sowie die Geiselnahme zur Zeit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 führten zum großen Aufsehen in den Vereinigten Staaten. Durch diesen Vorfall wurde die Stellung in Washington sehr stark Anti-iranisch. Dies führte dazu, dass Amerika das grausame Regime Saddam Hussains im Krieg gegen Ayatollahs Chomeinis Iran unterstütze. Die in der nördlichen Hochlandzone herrschende geopolitische Lage ist hauptsächlich durch die Konfliktsituation zwischen Irak und Iran und der terroristischen Aktivitäten bestimmt.

Des Weiteren wird von Cohen die intermediate Zone, welche zwischen dem Mittelmeer und Persischem Golf liegt, beschrieben. Die am östlichen Rand des Mittelmeeres liegende Länder, wie Israel, Libanon, Syrien und palästinensische Autonomiegebiete gehören zu dieser Zone. Diese Staaten, auch Levante genannt, liegen in einer sehr günstigen Lage hinsichtlich des Gütertransports nach Irak. Auch nördliche und westliche Teile des Mesopotamiens am Persischen Golf liegen in dieser Zone und sind von ihrem physischen Aufbau nahezu gleichartig und tragen eine große Bedeutung. In dieser Zone befinden sich nämlich die größten Erdölreserven der Welt. Der Iran hat auch ein hohes Erdölvorkommen, ist jedoch im Vergleich zu Irak, Syrien und der Türkei auf raffiniertem Ölimport angewiesen. Das Erdöl spielt nicht nur gegenwärtig, sondern auch zukünftig die bedeutende Rolle zwischen dem Mittleren Osten und der restlichen Welt. Diese Zone ist zwar reich an Erdöl, jedoch leidet sie sehr stark unter Wassermangel. Der geologische Aufbau des Bodens in dieser Zone, insbesondere in Syrien, weist ein hohes Potenzial für ertragreichen Feld- und Ackerbau auf. Aufgrund fehlender Bewässerung sind die Landwirte jedoch eingeschränkt und handlungsunfähig. Dieser Stillstand der ökonomischen Entwicklung ist eine bemerkenswerte Ursache für die Unruhen und bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb des Mittleren Ostens. Für eine angemessene Lösung ist die politische Verständigungsbereitschaft der Staaten am Euphrat Türkei, Syrien und Irak, erforderlich.

Die dritte definierte Zone im Mittleren Osten ist die südliche Wüstenzone. Diese erstreckt sich von Libyen und Ägypten südwärts bis Sudan und westliche Teile von Saudi-Arabien. Die Bevölkerung dieses Trockengebietes verteilt sich an Gebieten entlang des Nils und dem Roten Meer sowie der Mittelmeerküste und den in der Wüste vorhandenen Oasen. Die höchste Bevölkerungsdichte weist die Südwestküste Saudi- Arabiens und nördliche Teile Yemens auf. Klimabedingt ist es dort nämlich gebietsweise feuchter und folglich anbaufähiger als die restlichen Gebiete der Wüstenzone. Saudi- Arabien hat aufgrund des hohen Erdölaufkommens und durch den Besitz der heiligen muslimischen Städte die größte politische Achtung in dieser Zone. Somit können geopolitische Unstimmigkeiten in Saudi-Arabien zu vielschichtigen Problemen und Unruhen in diesen Regionen führen.

Meiner Meinung nach setzt sich der Mittlere Osten aus unzähligen heterogenen Staaten zusammen, die nicht homogenisiert werden können. Alle Länder haben sowohl in der Historie als auch in der Gegenwart ein voneinander abweichendes politisches System. Ebenso unterscheiden sich diese Regionen in physischer und geologischer Hinsicht. Zudem lässt sich die Vielfältigkeit der Bevölkerung diese Region nicht homogenisieren. Auch die nationale Wirtschaftssituation sowie die internationale Beziehung zu westlichen Ländern, insbesondere zu den Vereinigten Staaten, unterscheiden sich enorm. Zum Beispiel befindet sich das wirtschaftlich gut entwickelte Saudi-Arabien in der gleichen Zone wie die deutlich ärmere Republik Sudan. Es besteht keine Gemeinsamkeit in Hinsicht auf regionale geopolitische Merkmale innerhalb des Mittleren Ostens. Natürlich muss auch zur Betracht gezogen werden, dass diese Konstruktion von Cohen im Jahr 2003 entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich die Bevölkerungszahl, die Lebensbedienungen, die damals regierende Politiker und das politische System deutlich verändert.

Ein guter Rückschluss ist jedoch auf die kritische Geopolitik zu ziehen. Die herrschende politische Lage bestimmt die Konstruktion eines Gebietes eher als die naturgegebenen Bedienungen.

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Details

Titel
Iran im politisch-geographischen Diskurs der USA. Eine Analyse nach Saul Bernard Cohen's "Middle East Shatterbelt“
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
4
Katalognummer
V464232
ISBN (eBook)
9783668929197
Sprache
Deutsch
Schlagworte
iran, diskurs, eine, analyse, saul, bernard, cohen´s, middle, east, shatterbelt
Arbeit zitieren
Yasemin Kalkan (Autor), 2015, Iran im politisch-geographischen Diskurs der USA. Eine Analyse nach Saul Bernard Cohen's "Middle East Shatterbelt“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464232

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