Einfluss des Einkommens auf die Wahlbeteiligung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
26 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

0. Einleitung

1. Literaturstand

2. Theoretische Grundlagen und Hypothese

3. Operationalisierung

4. Empirische Analyse

5. Fazit

6. Abstract und Zusammenfassung

i Literaturverzeichnis

a) Monographien

b) Aufsatz aus Journals und Buchreihen

c) Aufsatz aus einem Sammelband

d) Internetquellen

ii Abkürzungsverzeichnis

iii Grafikverzeichnis

Kapitel 0: Einleitung

Seit Jahrzehnten sinkt die Wahlbeteiligung in vielen Ländern Europas, auch in Deutschland. Vielfältige Faktoren können die Wahlbeteiligung beeinflussen. In seinem Buch über Nichtwähler in Europa und Deutschland beschreibt Kaeding im Rahmen einer quantitativen Analyse die Einflussfaktoren der Wahlbeteiligung heruntergebrochen auf die lokale Ebene treffend (Kaeding 2016,32-42). So seien die wichtigsten Einflussfaktoren die Arbeitslosigkeit, der Bildungsstand der jeweiligen Person und das Einkommen. Meist seien die reicheren Bürger mehrheitlicher von der jeweiligen Politik betroffen, als die ärmeren Bürger. Daher, so die Annahme von Kaeding, würden reichere Bürger eher partizipieren. Neben dem Einkommen als einer der entscheidenden sozidemographischen Einflussfaktoren sieht Blais in seiner auf Kanada bezogenen Studie die Faktoren, ob derjenige verheiratet, religiös oder in Kanada geboren ist, als entscheidend an (Blais et al.2004, 232).

Ziel dieser Ausarbeitung ist es, herauszufinden ob der Einfluss des Einkommens auf die Wahlbeteiligung wirklich so stark ist, wie von Kaeding, Blais und Schattschneider behauptet (Schattschneider 1960).

Die Forschungsfrage lautet daher: „Welchen Einfluss hat das Einkommen auf die Wahlbeteiligung“.

Zunächst wird sich diese Arbeit im Rahmen des Literaturstandes auf den bisherigen Forschungsstand, zunächst zu den Einflussfaktoren auf die Wahlbeteiligung einerseits, später dem Einflussfaktor Einkommen im Speziellen, widmen. Methodologisch werden im Rahmen einer quantitativen Analyse logistische Regressionsanalysen genutzt.

Die Forschungsfrage ist vor allem für Politologen, die sich mit vergleichender Wahlforschung beschäftigen, besonders von Interesse. Jedoch sind Einflussfaktoren der Wahlbeteiligung auch für Parteien und Politiker relevant, da diese dadurch ihre jeweilige Zielgruppe genauer ansprechen können. Hat eine Partei bspw. eher reichere Bürger als Wählerklientel, so könnte es sich nach Blais, Kaeding und Schattschneider lohnen diese in Werbemaßnahmen besonders anzusprechen und dadurch die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

Die Ausarbeitung gliedert sich klassisch durch Literaturstand, Theoretische Herleitung, Operationalisierung, empirische Analyse und Fazit. Die Datenlage stellt sich für einen Teil der Analyse als herausfordernd dar, die Quellenlage ist gut.

Kapitel 1: Literaturstand

Wie in der Einleitung beschrieben gibt es viele verschiedene Einflussfaktoren, die darüber entscheiden, ob jemand an einer Wahl partizipiert oder sich am Wahltag anderen Dingen seines täglichen Lebens widmet. Eine große Rolle spielen sozioökonomische Faktoren. Spätestens seit Schattschneiders Buch „The Semisvereign People“, ein Klassiker der Wahlforschung, über die Wahlbeteiligung in den USA wird in der Politikwissenschaft der Einfluss von sozioökonomischen und soziodemographischen Faktoren kontrovers diskutiert (Schattschneider 1960). Dieser Literaturstand wird Schattschneiders sozioökonomische und soziodemographische Thesen darlegen und sein Werk in den heute aktuellen Forschungskontext einordnen. Zunächst gilt es herauszufinden, welchen Einflussfaktoren aus den beiden genannten Bereichen tatsächlich ein signifikanter Einfluss in einigen politikwissenschaftlichen Studien zugeschrieben wird.

Schattschneider fällt bereits in seinem 1960 veröffentlichten Buch zur realistischen Sicht auf die Demokratie in Amerika auf, das ein Teil der Bevölkerung nicht wählen geht (Schattschneider 1960, 95-97). Rund 40 Mio. Amerikaner würden den Wahlurnen fern bleiben und nicht an den Wahlen partizipieren. Sehr kritisch geht Schattschneider mit Nichtwählern um. So sei Wählen zwar keine anstrengende Tätigkeit, aber es läge anscheinend über dem Leistungsniveau bei 4 von 10 Wahlberechtigten, erwachsenen Amerikanern. Er fordert daher aufgrund dieses „Blackouts“, den rund 40 Mio. Amerikaner produzieren würden, indem diese der Wahl fernbleiben, eine erneute Überprüfung des gesamten politischen Systems (Schattschneider 1960, 98-105). Besonders schwierig sieht es Schattschneider an, dass außerhalb des Südens von Amerika keine Bestrebungen gäbe mit „Barrieren“ gegen eine „ Invasion der Nichtwähler in das politische System“ vorzugehen. Wählen bliebe freiwillig. Welche Art von System sei es, wenn lediglich ein wenig mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten Bürger partizipieren.

Diese massive Art des Nichtwählens ergäbe jedoch Sinn, wenn man die amerikanische Regierung als ein politisches System betrachte, in dem der Kampf um die Demokratie noch andauern würde, so Schattschneider weiter (Schattschneider 1960,98-110). Es gehe schon lange nicht mehr um Stimmrechte, sondern vielmehr um die Organisation von Politik im Generellen.

Der Grund des Nichtwählens sei zweidimensional: So verankere das politische System den Widerspruch, einerseits eine Bewegung zur Universalisierung des Wahlrechts anzustoßen und andererseits zu versuchen, die Abstimmung bedeutungslos zu machen.

Schattschneider behauptet, dass derjenige, der herausfindet, wie man die vierzig Millionen Nichtwähler mit in die amerikanische Politik einbezieht, wird die USA für eine Generation regieren (Schattschneider 1960, 98-110). Es stehe in keinem Zweifel, dass diese vierzig Millionen zusätzlichen Wähler einen großen Einfluss auf das Wahlergebnis nehmen könnten.

Insbesondere sozioökonomische und soziodemographische Einflussmerkmale sind von Bedeutung auf der Suche nach dem Grund. So unterstütze jede Studie zu diesem Thema die Schlussfolgerung, dass das nicht wählen ein Merkmal der ärmsten, am wenigsten etablierten, am wenigsten Gebildeten Schicht der Gemeinschaft sei (Schattschneider 1960, 98-110).

Doch durch welche weiteren Merkmale unterscheiden sich Nichtwähler von Wählern?

Nach Schattschneider ist es relativ leicht zu zeigen, dass die Wähler stärker in die Gemeinschaft eingebunden sind als die Nichtwähler. Wähler seien in der Regel besser ausgebildet, gesundheitlich besser gestellt und in mehr Organisationen (bspw. Vereine, Parteien, Gewerkschaften, etc.) vertreten als Nichtwähler. Vielleicht sei aber eine signifikante Trennung zwischen Arm und Reich und einer damit einhergehenden anderen Wahlbeteiligung etwas zu kurz greifend. Vielleicht müsse man eher zwischen Menschen unterscheiden, die durch das wirtschaftliche System mehr oder weniger motiviert werden, so Schattschneider weiter (Schattschneider 1960, 105). Nach Schattschneider könnte ein unbezahlter Bankangestellter eher dazu erregt sein sich eine andere mit einem wirtschaftlichen Aufstieg einhergehende Tätigkeit zu suchen, als eine Putzfrau in derselben Bank. Es handelt sich hierbei sicherlich um eine provokante These, die jedoch durchaus einleuchtend ist. Für die Reinigungsgebäudefachkraft ist es sicherlich schwieriger die Position bei ausbleibender Bezahlung in eine wirtschaftlich besser gestellte zu wechseln, als für den gut ausgebildeten Bankangestellten, der bei Nichtbezahlung viel leichter aufgrund seiner Ausbildung eine neue Stelle erhalten kann. Auch werden in der Regel Putzfrauen deutlich schlechter bezahlt, als Bankangestellte. Nach Schattschneider reicht es eben nicht aus, den Hunger und die Kälte den Armen zu nehmen, sondern man müsse diesen auch das Erleiden von Erniedrigung nehmen (Schattschneider 1960, 105-106). Armut sei immer relativ.

Diese ausführliche Darlegung des Klassikers von Schattschneider zeigt die Vielfältigkeit der Einflussfaktoren die darüber entscheiden können, ob eine Person nun an der Wahl partizipiert oder nicht. Das Einkommen der jeweiligen Person oder des jeweiligen dahinter stehenden Haushaltes hat folglich einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung, jedoch nur einen begrenzten, was diese ersten Seiten aufzeigen. Es gilt nun diese Annahme durch andere Studien zu fundieren.

1960 stellt Schattschneider die Hypothese auf, dass Einkommensungleichheit zu einer niedrigeren Wahlbeteiligung führt (Solt 2010, 285). 60 Jahre später wird diese von Frederick Solt in einem Journalartikel überprüft. Für seine mehrstufige Analyse nutzt dieser eine Multilevelanalyse basierend auf Individualdaten. Die Analyse umfasst sowohl den staatlichen Kontext, wie auch Einzelbefragungen, die in 144 Gouvernementwahlen erhoben worden sind. Seine Ergebnisse zeigen, dass die Hypothese von Schattschneider auch 60 Jahre später noch aktuell sind und folglich in US-Staaten, in denen eine höhere Einkommensungleichheit der Bürger vorliegt, die Wahlbeteiligung geringer ausfällt, als in anderen Staaten. Eine Ungleichheit der Einkommensverteilung senkt folglich auch heute noch die Partizipationsrate.

Einkommensungleichheit wird in der Regel über den sogenannten Gini-Koeffizienten auf Makroebene gemessen. Für die USA gibt es jedoch noch weitere Gini-Koeffizienten die explizit Haushaltseinkommen der verschiedenen US-Mitgliedsstaaten messen (Solt 2010, 290). Die Daten basieren auf den US-Volkszählungen aus den Jahren 1980,1990 und 2000. Solt nutzt diesen Koeffizienten.

Seine beiden Regressionsmodelle zeigen eindeutige signifikante Ergebnisse. Steigt die Einkommensungleichheit, so sinkt die Wahlbeteiligung um den Koeffizienten -6,38 (Solt 2010, 295). Die Irrtumswahrscheinlichkeit beträgt 5%. Für die spätere empirische Analyse ist es sinnvoll auch nach Kontrollvariablen Ausschau zu halten. Solt nutzt zur besseren Qualität seiner Regressionsanalyse unter anderem die Kontrollvariablen Bildung und Alter. Beide Koeffizienten sind in beiden Modellen positiv und signifikant. Steigt der Bildungsstand, so steigt die Wahlbeteiligung um den Wert des Koeffizienten 0,202. Steigt das Alter, so steigt die Wahlbeteiligung um den Koeffizientenwert 0,077. Auch das von Solt aufgestellte zweidimensionale Koordinatensystem zur graphischen Erläuterung des Zusammenhangs zwischen der Wahlwahrscheinlichkeit und der Einkommensungleichheit zeigt eindeutig: Steigt die Ungleichheit so sinkt die Wahrscheinlichkeit zu wählen (Solt 2010, 296). Es handelt sich nahezu um einen linearen negativen und damit eindeutigen Zusammenhang.

Mehr Einkommensungleichheit bedeutet, dass die Spannweite der Einkommensbezieher größer wird. Im umgangssprachlichen politischen Jargon würde man von einer größeren Schere zwischen Arm und Reich sprechen. Entsprechend gibt es bei höherer Einkommensungleichheit auch eine höhere Anzahl von armen wahlberechtigten Mitbürgern, die ein geringes Einkommen zur täglichen Verfügung stehen haben.

Der von Schattschneider aufgestellte und von Solt überprüfte Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und der Wahlbeteiligung gilt natürlich nicht nur für die USA. So kommt Scervini in einem Journalartikel über den Zusammenhang zwischen Bildung, Einkommensungleichheit und Wahlbeteiligung für Italien zu ähnlichen Ergebnissen (Scervini 2012, 403).

Italien verfügt laut Scervini über eine vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung. Dennoch ist die Partizipationsrate bei Wahlen im Laufe der Jahrzehnte auch in Italien deutlich gesunken. Allein im Zeitraum 1992-2008 ist die Wahlbeteiligung um 8% gesunken. Scervinis Analysen zeigen, dass auch in Italien soziale Ungleichheiten als Schlüsselfaktoren für den Rückgang der Partizipationsrate darstellen. Der Einfluss von sozialer Ungleichheit sei stärker bei Bürgern mit einem geringeren Bildungsgrad. So seien hochgebildete Personen von diesem Rückgang in der Partizipationsrate nicht betroffen. Scervini verweist auch auf Studien, die durch die Interaktion zwischen sozialer Einkommensungleichheit und dem persönlichen Einkommen einen weiteren Einflussfaktor sehen, der die Wahlbeteiligung senken kann (Scervini 2012, 404). Scervinis Forschungsziel ist es vor allem, die Verbindung zwischen individueller Ungleichheit und dem sozialen Kontext zu ermitteln (Scervini 2012,409). In Bezug auf den Einfluss von Einkommen auf die Wahlbeteiligung findet Scervini heraus, dass das regionale Durchschnittseinkommen nichts am Einfluss der individuellen Ungleichheit auf die Partizipationsrate ändert. Dies hänge aber stark vom Kontext ab. Die Auswirkungen des Bildungsgrads würden sich jedoch stark signifikant ändern, je nachdem welche Ebene die Einkommensungleichheit auf regionaler Ebene einnimmt.

Zusammenfassend lässt sich nach Scervinis robusten empirischen Analyseergebnissen auf einen Rückgang der Beteiligungsquoten durch Bildungslücken auf Individualebene schließen (Scervini 2012, 412). Dieser Effekt wird wiederum beeinflusst und verstärkt durch eine höhere Einkommensungleichheit. Auf regionaler Ebene ist der Effekt der Einkommensungleichheit auf die Wahlbeteiligung stärker, wenn dort viele Menschen mit niedrigem Bildungsgrad leben.

Eine etwas andere Herangehensweise nutzt Arawatari in seinem Journalartikel über Informationen, Wahlbeteiligung und Einkommensungleichheit (Arawatari 2009, 29). Er dreht den Zusammenhang um und stellt die Hypothese auf, dass eine sinkende Wahlbeteiligung Auswirkungen auf das Einkommen und das BIP Wachstum haben könnte. Laut Arawatari bleiben in den meisten Industrieländern immer mehr Leute der Wahlurne fern. Dies belaufe sich auf rund 40% aller Wahlberechtigten. Seine Ergebnisse bestätigen seine Vermutungen. Zudem habe die Informationsflut ebenfalls einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung. Auch stellt Arawatari fest, dass Personen mit niedrigerem Einkommen sich eher der Stimmabgabe enthalten, als Personen mit höherem Einkommen (Arawatari 2009, 50). Methodisch werden komplizierte Gleichungen aufgestellt, um den Zusammenhang zu erklären, zudem sollen Diagramme diesen Zusammenhang erläutern (Arawatari 2009,29-54). Leider erfolgt keine Regressionsanalyse und trotzdem dieser Beitrag aus einem Journal stammt, fehlen zur Validierung der Ergebnisse wichtige Regressionsmodelle, die in Tabellenform dargestellt werden.

Einkommensungleichheit kann aber auch noch weitere Einflüsse auf die Wahlbeteiligung und vor allem auf die letztlich getroffene Wahlentscheidung derjenigen, die partizipieren, haben. So zeigt Han in einer Studie, dass Einkommensungleichheit dazu führen kann, dass rechtsradikale Parteien neue Wähler finden können (Han 2016, 54). Als Ländersample dienen Han die westeuropäischen Länder. Der Einkommensungleichheitseffekt, den Han analysiert, ermutige arme Menschen dazu für rechtsradikale Parteien zu stimmen. Reiche Menschen werden hingegen durch eine höhere Einkommensungleichheit entmutigt für Rechtsradikale Parteien zu stimmen. Einkommensungleichheit hat hierbei zudem einen unterschiedlichen Einfluss zwischen den Hauptanhängern rechtsradikaler Parteien mit unterschiedlichen Berufen, da diese durch ihre unterschiedlichen Berufe in der Regel auch unterschiedlichen Einkommensgruppen angehören. Zudem ermittelt Han unterschiedliche Stärken des Effektes auf Länderebene. Seine fünf Regressionsmodelle zeigen auf, dass Einkommen, mit Ausnahme des Modell 3, wo als abhängige Variable Anti-Immigrations Parteien dienen, einen negativen Einfluss auf die Wahl rechtsradikaler Parteien hat (Han 2016, 59). Der Koeffizient der unabhängigen Variable Einkommen ist in Modell 3 positiv und nicht signifikant, in allen anderen Modellen negativ und signifikant. Für die Variable Einkommensungleichheit auf Länderebene kann Han leider keine signifikanten Ergebnisse durch seine Regressionsmodelle erreichen. Han nutzt neben dem Einkommen zahlreiche weitere Kontrollvariablen, so auch die Variable „tertiäre Bildung“. Menschen mit einem Hochschulabschluss wählen mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit Rechtsradikale Parteien. Seine Ergebnisse für diese Variable sind hochgradig signifikant.

Geht es um einen anhaltenden Anstieg der Einkommensungleichheit, so liegt schnell der Verdacht nahe, dass auch damit einhergehende wirtschaftliche Faktoren einen Einfluss haben können. Filetti analysiert in seiner Studie, ob der Anstieg der Einkommensungleichheit und der gleichzeitige Ausbruch der Wirtschaftskrise seit 2008 Auswirkungen auf die Partizipationsrate bei Wahlen in Europa hat (Filetti 2017, 327). Er geht unter anderem der Frage nach, ob der mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise einhergehende wirtschaftliche Abschwung einen Einfluss auf die politische Teilhabe in Form der Wahlbeteiligung hat. Hierzu analysiert dieser sechs Befragungsrunden des European Social Survey. Filetti findet heraus, dass Einkommensungleichheit zur einer Verringerung der Wahlbeteiligung führt, der wirtschaftliche Abschwung jedoch keinen Einfluss auf das Gesamtniveau der politischen Partizipation hat. Seine empirischen Analysen zeigen, dass das Einkommen einen hochgradig signifikanten positiven Einfluss auf die Partizipationsrate hat (Filetti 2017, 335). Damit unterstützt auch Filetti die bisher vorgestellten Studienergebnisse.

Die meisten vorgestellten Studien eint folglich, dass deren Resultat ist, das Einkommen habe einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung. Einige Studien analysieren über die Einkommensungleichheit, welche bei einer Verstärkung gleichzeitig mehr Arme, wie Reiche Menschen zur Folge hat. Steigt die Einkommensungleichheit so ist es die logische Folge, dass die Mittelschicht schrumpft und folglich auf der einen Seite mehr Armut und auf der anderen Seite mehr Reichtum innerhalb dieser Gesellschaft vorliegt, dies ist allgemein bekannt. Entsprechend kann festgehalten werden, dass das Einkommen an sich einen großen Einfluss auf die Einkommensungleichheit hat. Dies wiederum führt dazu, dass das Einkommen als gute Variable für eine spätere Analyse dienen kann.

Auf Basis der vorgestellten Studien wird diese Ausarbeitung nachfolgend die Forschungsfrage, welchen Einfluss das Einkommen auf die Wahlbeteiligung besitzt, durch quantitative Methoden, beantworten.

Die Forschungsfrage ist sowohl für Politologen, als auch für Parteien von großer Relevanz, Sie ist abzugrenzen von anderen Einflussfaktoren der Wahlbeteiligung, wie Alter und Bildung. Diese Faktoren können jedoch durchaus als Kontrollvariable für eine spätere Analyse dienen. Dies wird im Bereich der Operationalisierung festgelegt werden.

Nachfolgend gilt es jedoch zunächst im Rahmen der Theoriebildung herauszufinden, wie sich theoretisch ein höheres oder niedrigeres Einkommen auf die Wahlbeteiligung auswirken kann.

Kapitel 2: Theoriebildung und Hypothesen

Bereits der Literaturstand (Kapitel 1) lässt einen Einfluss des Einkommens auf die Wahlbeteiligung sehr wahrscheinlich erscheinen. Schattschneiders Werk ist nicht nur ein Klassiker der Wahlforschung, sondern auch theoriebildend nutzbar. Aufgrund der bereits getätigten Ausführungen werden nachfolgend jedoch nur die theoriebildenden Aspekte nochmals aufgegriffen.

Wenn Personen durch ein wirtschaftliches System mehr oder weniger motiviert werden, dadurch bspw. unter Armut leiden. Zudem Menschen die nicht wählen gehen, weniger stark am politischen System partizipieren, dann besteht die Herausforderung darin diese Nichtwähler zu motivieren an den kommenden Wahlen zu partizipieren (vgl. Schattschneider 1960). Auch Schattschneiders These, dass mehr Einkommensungleichheit zu weniger Wahlbeteiligung führen kann zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Einkommen und Wahlbeteiligung auf.

Es ist annehmbar, dass bestimmte Faktoren Anreize schaffen an einer Wahl zu partizipieren und andere Faktoren wiederum dazu führen, dass der größtmögliche Nutzen des Wahlberechtigten Bürgers darin besteht nicht zur Wahl zu gehen (nach Arzheimer 2014, 331-404). Es stellt sich folglich die Frage, ob der durch die Wahl geschaffene Nutzen größer den Opportunitätskosten ist. Jenen Kosten, die dadurch entstehen, dass der Wähler seine Zeit auch hätte für andere Dinge benutzen können. Es ist weiterhin vermutbar, dass Bürger mit einem geringeren Einkommen aus ökonomischen Gründen einen schwächeren Anreiz haben zur Wahl zu gehen, als Menschen mit hohem Einkommen. Denn für Einkommensschwache Menschen ist der Zeitaufwand vielleicht dafür verantwortlich, dass am Ende die monetären Mittel zur Befriedigung des Grundnutzens fehlen. Ein Anreiz könnte jedoch besonders für Einkommensschwache Personen gegeben sein, wenn eine oder mehrere Parteien oder Kandidaten sich besonders für die eigene Einkommensschwache Gesellschaft bemühen.

Diese Überlegungen basieren im Groben auf dem Rational-Choice-Ansatz nach Anthony Downs (Arzheimer 2014, 338-343). Freilich handelt es sich bei seinem Ansatz um ein Idealmodell, nachdem jegliche Akteure rational handeln, die vorhandenen Informationen vollkommen sind (keine Informationsasymetrien bestehen) und der Markt einigen simplen demokratischen Regeln entspricht. Daher benötigt Downs einige Regeln, nachdem jegliche politischen Akteure handeln:

Die Regierung wird entweder alleinig durch eine Partei oder als Koalition durch mehrere Parteien gestellt. Die Wahlen müssen regelmäßig in festgelegten Zeitabschnitten stattfinden und die Regierungsparteien, bzw. die Regierungspartei bleibt stets bis zur kommenden Wahl im Amt. Es darf keine verfassungswidrigen Versuche von jeglichen Akteuren geben diese Regeln zu verändern. Zudem muss es mindestens zwei Parteien geben, damit überhaupt eine Art Markt entstehen kann. Marktgeschehen wird durch Konkurrenz geprägt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Einfluss des Einkommens auf die Wahlbeteiligung
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
3,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V465550
ISBN (eBook)
9783668938373
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde im Masterstudiengang Politikwissenschaften im Modul "Vergleichende Politikwissenschaft" geschrieben.
Schlagworte
Einkommen, Universität Greifswald, Wahlbeteiligung, Vergleichende Politikwissenschaft
Arbeit zitieren
Fabian René Fischer (Autor), 2019, Einfluss des Einkommens auf die Wahlbeteiligung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465550

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