Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen


Ausarbeitung, 2019
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Pilotstudie Männliche Angie und weiblicher Gerd (2008)
2.1 Zentrale Aspekte der Pilotstudie
2.2 Bewertung der Pilotstudie

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Angela Merkel [war] zu Beginn ihrer Amtszeit noch die Exotin im männlich konnotierten Politikbetrieb.“1

Die von Ramona Weise im Jahr 2018 retrospektivische Betrachtung auf den Wandel der anhaftenden Geschlechterstereotypen von Männern und Frauen, zeigt die besondere Rollenzuschreibung, die Frauen in der Politik zukommt. Dies spiegelt sich auch in der medialen Berichterstattung über Politiker und Politikerinnen in den Medien wider. Angela Merkel zum Beispiel wird im Jahr 2000 noch als „Kohls Mädchen“2 betitelt, wohingegen sich die Bezeichnung über die Jahre änderte und sich 2005 zur „eisernen Angie“3 wandelte.

In der folgenden Ausarbeitung wird angelehnt an die Ausführung des Referats ‚Männliche Angie und weiblicher Gerd?‘, die Pilotstudie „ Männliche Angie und weiblicher Gerd? Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen4 von Susanne Kinnebrock und Thomas Knieper aus dem Jahr 2008, erschienen in Christina Holtz-Bachas Frauen, Politik und Medien untersucht. Zentral befasst sich der Text mit der empirischen Untersuchung der genderspezifischen Stereotypen in Bezug zur politischen Berichterstattung während der Bundestagswahl im Jahr 2005. Die Studie behandelt die Geschlechts- und Machtkonstruktionen auf den Covern der politischen Nachrichtenmagazine Spiegel und Focus. Konkret geht es um den Zusammenhang der Visualisierung von Männern und Frauen auf den Titelseiten politischer Nachrichtenmagazine, sowie der zentralen Titelgeschichten, die häufig im Kontext von bestehenden Stereotypen über die Rollenerwartungen der jeweiligen Geschlechter zugeschrieben werden.

Zunächst steht die Aufarbeitung der zentralen Aspekte der Pilotstudie von Kinnebrock & Knieper im Vordergrund, wobei sich mit den Zielen der empirischen Untersuchung, der theoretischen und methodischen Herangehensweise, sowie den Ergebnissen der Studie auseinandergesetzt wird. Abschließend erfolgt eine kritische Betrachtung der Ergebnisse der Studie.

2 PilotstudieMännliche Angie und weiblicher Gerd(2008)

2.1 Zentrale Aspekte der Pilotstudie

Die von Kinnebrock & Knieper vorgestellte Pilotstudie aus dem Jahr 2008 befasst sich mit der medialen Darstellung von visuellen Geschlechts- und Machtkonstruktionen auf den Titelseiten der politischen Nachrichtenmagazine Siegel und Focus aus dem Jahr 2005, „um körperliche Macht- und Geschlechterinszenierungen zu analysieren“5. Die Fokussierung auf das Jahr 2005 wurde gewählt, da das Jahr vom Bundestagswahlkampf zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder dominiert wurde.6

Die Wirkung der „Macht der Bilder“7, die mit einer ständigen Verbindung von Geschlechter- und Machtkonstruktionen einhergeht, unterstützt die Zuschreibung und Vorstellung des „Geschlechts […] [welche] immer mit[laufen]“8. Aus diesem Grund besteht die Notwendigkeit, die analytische Untersuchungsmethode entsprechend an die besondere Funktion von Bildern anzupassen und anders als bei der Interpretation von schriftlichen Kommunikationsarten vorzugehen.9

Die Analyse von Titelseiten wurde von den Autoren bewusst gewählt, da die Bilder, die auf diesen abgebildet sind, einen mehrstufigen Selektionsprozess durchlaufen haben. Bei der Erstellung solcher Titelseiten wird von den Herausgebern ein hohes Maß an Konstruktionsleistung verlangt, um die zentralen Themen der Ausgabe potenziellen Kunden zu vermitteln.10

Eine Erweiterung der Analyse der Magazin Cover durch die Untersuchung der Titelgeschichten ermöglicht eine Kombination von visueller Darstellung der Personen auf den Titelseiten mit den zentralen Themen, die sowohl durch das Geschlecht als auch durch die Machtkonstruktion vermittelt werden. Bereits in anderen Studien, wie von Eva Kohlrusch im Jahr 2005, wurde der Wandel der visuellen Darstellung von Angela Merkel als Politikerin untersucht. Anhand von rund 300 analysierte Presseartikel, ließ sich eine Veränderung in der medialen Wahrnehmung von Angela Merkel und anderen Politikerinnen aufzeigen.11

Die Art und Weise, wie Geschlecht und Macht visuell konstruiert werden, steht im Fokus der Studie von Kinnebrock & Knieper. Dies wird anhand des Beispiels Angela Merkel untersucht, da diese die vorherrschenden visuellen Geschlechterstereotypen durchbrochen hat, nachdem sie die Bundestagswahl im Jahr 2005 gewonnen und damit einen Wandel der Machtkonstruktion in der visuellen Darstellung der Medien erreicht hat.12 Ein weiterer Untersuchungsgegenstand ist die Möglichkeit, wie sich visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen in standardisierten Inhaltsanalysen erfassen lassen. Als Grundlage wird die zwischenmenschlichen Alltagskommunikationen von bestimmten Gesichtsausdrücken, Gesten und Körperhaltungen durch „relativ verbindliche Übereinkünfte“13 anhand von Stereotypen verwendet.14

Als Stichprobenumfang wurden Personendarstellungen (n =128) von Titelseiten der politischen Nachrichtenmagazine Focus und Spiegel ausgewählt, von denen 62 Illustrationen auf der Titelseite des Focus und 66 Illustrationen auf der Titelseite des Spiegels abgebildet wurden.15

Als Basis theoretischer und methodischer Verortung greifen Kinnebrock & Knieper auf die Grundlagen vorheriger Studien, beispielsweise von Petra Pfannes Powerfrau, Quotenfrau, Ausnahmefrau …? Die Darstellung von Politikerinnen in der deutschen Tagespresse aus dem Jahr 2004, der Kommunikationswissenschaft zurück. Anhand zweier theoretischer Forschungsrichtungen, einerseits der Stereotypenforschung, andererseits der Frauen- und Geschlechterforschung, wird eine Kombination verschiedener Ansätze verwendet, um die Stichprobe zu analysieren.16

Die Autoren betrachten zwei Arten von Stereotypen. Eine Variante von Stereotypen sind diejenigen, die durch individuelle Verarbeitungsprozesse entstehen. Eine weitere Art von Stereotypen sind kulturell geprägte Stereotypen. Bei Stereotypen, die zunächst wertneutral und für die Komplexitätsreduktion verwendet werden,17 „handelt es sich um Produkte individueller kognitiver Verarbeitungsprozesse und […] sind […] keineswegs kulturunabhängig, sondern in der Regel kulturell geprägt.“18 Der Fokus der Studie befasst sich mit kulturellen Stereotypen, die große Stabilitäten besitzen und alle Lebens- und Themenbereichen durchziehen.19

Die kommunikationswissenschaftliche Analyse von politischer Bildberichterstattung ist „den Kinderschuhen noch nicht entwachsen“20, bietet jedoch die Möglichkeit, trotz fehlender inhaltsanalytischer Instrumente und quantifizierter Untersuchungen als Grundlage zur Debatte neuer Forschungsansätze und Diskussionen, herangezogen zu werden.21

Unter dem Fokus der kommunikationswissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung wird der Einfluss zur Herausbildung von Geschlechterbildern untersucht. Besonders der „Repräsentanz- und Gleichheitsansatz“22, sowie der Dekonstruktivismus, die beide bereits im Jahr 2005 von Elisabeth Klaus in ihrem Werk Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus,[23] dienen in der Studie als theoretische Grundlage. Unter den Repräsentanz- und Gleichheitsansatz werden visuelle Indikatoren für bestimmte Personenattribute identifiziert und mithilfe der „Häufigkeitsverteilungen der medial dargestellten Attribute mit realen Sozialdaten“24 verglichen.

Der Konstruktivismus stellt den Prozess von Medienwirklichkeit ins Zentrum der Studie, indem das „doing gender“25 bei der (Re-)Produktion, Präsentation und Rezeption von Medieninhalten analysiert und interpretiert wird. Zentral steht die Annahme im Vordergrund, dass vermeintlich natürlich gegebene Rollenzuschreibungen der Geschlechter sozial konstruiert sind. Eine deutliche Abweichung der medialen Darstellung von der Realität kann als Diskriminierung einzelner Personen oder eines Geschlechts interpretiert werden. Dies wird beispielsweise an der Unterrepräsentation von Frauen, insbesondere Politikerinnen, in der Berichterstattung, sowie der überdurchschnittlichen Kontextualisierung dieser in thematischen Bereichen, wie „Bildung, Gesundheit, Kinder, Familie, Soziales und Unterhaltung“26 als typische „Frauen-Themen“27 deutlich.28 Durch die Kombination der theoretischen Ansätze des Gleichheitsansatzes und des Dekonstruktivismus wird eine dreistufige Inhaltsanalyse ermöglicht. Zunächst wird im ersten Schritt die personale Körperinszenierung und der Kontext analysiert, zweitens die Codierung der Machtdimensionen und drittens, ob die identifizierten Ergebnisse den visuellen Geschlechterstereotypen entsprechen oder von diesen abweichen.29

[...]


1 Weise, Ramona: Modern, mutig, muttihaft. Eine qualitative Bildtypenanalyse junger Politikerinnen, in: Margreth Lünenborg/ Saskia Sell (Hrsg.): Politischer Journalismus im Fokus der Journalistik, Wiesbaden 2018, . 1 S. 113 – 138, hier S. 113.

2 Kinnebrock, Susanne; Knieper, Thomas: Männliche Angie und weiblicher Gerd? Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen, in: Christina Holtz-Bacha (Hrsg.): Frauen, Politik und Medien, Wiesbaden 2008, S. 83 – 103, hier S. 83.

3 Ebd., S. 83.

4 Ebd., S. 83.

5 Ebd., S. 90.

6 Vgl. ebd., S. 83 f.

7 Ebd., S. 84.

8 Ebd., S. 83.

9 Vgl. Müller, Marion: »You cannot unsee a picture!« Der Visual-Framing-Ansatz in Theorie und Empirie, in: Stephanie Geise (Hrsg.): Visual Framing. Perspektiven und Herausforderungen der visuellen Kommunikationsforschung, Köln 2013, S. 19 – 41, hier S. 20 f.

10 Vgl. Kinnebrock, Susanne u. a.: Männliche Angie und weiblicher Gerd? Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen, S. 90.

11 Vgl. ebd., S. 83.

12 Vgl. ebd., S. 84.

13 Ebd., S. 85.

14 Vgl. ebd., S. 84.

15 Vgl. ebd., S. 91 f.

16 Vgl. ebd., S. 84.

17 Vgl. Herbers, Martin; Volpers, Anna-Maria: Visuelles Framing – Anforderungen an die empirische Forschung und methodologische Konsequenzen, in: Stephanie Geise (Hrsg.): Visual Framing. Perspektiven und Herausforderungen der visuellen Kommunikationsforschung, Köln 2013, S.77 - 94, hier S. 84.

18 Kinnebrock, Susanne u. a.: Männliche Angie und weiblicher Gerd? Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen, S. 85.

19 Vgl. ebd., S. 85 f.

20 Ebd., S. 84.

21 Vgl. ebd., S. 85 f.

22 Ebd., S. 87.

23 Vgl. Klaus, Elisabeth: Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus, Münster 2005.

24 Kinnebrock, Susanne u. a.: Männliche Angie und weiblicher Gerd? Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen, S. 87.

25 Ebd., S. 88.

26 Ebd., S. 87.

27 Ebd., S. 87.

28 Vgl. ebd., S. 87 f.

29 Vgl. ebd., S. 89 f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V468162
ISBN (eBook)
9783668943858
ISBN (Buch)
9783668943865
Sprache
Deutsch
Schlagworte
visuelle, geschlechter-, machtkonstruktionen, titelseiten, nachrichtenmagazinen
Arbeit zitieren
Moritz Wies (Autor), 2019, Visuelle Geschlechter- und Machtkonstruktionen auf Titelseiten von politischen Nachrichtenmagazinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468162

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