Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken


Hausarbeit, 2018

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Das Liquiditätsrisiko
2.1 Marktliquiditätsrisiko
2.2 Refinanzierungsrisiko

3 Bankenregulierung
3.1 LCR
3.2 NSFR

4 Risikoidentifizierung
4.1 Gapanalyse
4.2 Stresstests
4.3 Weitere Indikatoren

5 Steuerung / Maßnahmen
5.1 Diversifikation
5.2 Liquiditätskrisenpläne
5.2.1 Auslöser
5.2.2 Maßnahmen
5.3 Risikoberichterstattung

6 Kritische Auseinandersetzung

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit stellt für Finanzinstitute eine strategische Notwendigkeit dar. Die Mitte 2007 einsetzende Finanzkrise hat das Liquiditätsrisiko von Banken verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit und der Aufsichtsbehörden gerückt. Viele Finanzinstitute verloren in dieser Zeit durch Liquiditätsengpässe das Vertrauen Ihrer Kunden und gerieten in Schieflage.[1]

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Durch Kontrollen und ein effizientes Liquiditätsrisikomanagement hätten diese Engpässe meist entdeckt und verhindert werden können. Diese Ereignisse veranlassten die Aufsichtsbehörden dazu die regulatorischen Anforderungen an das Liquiditätsmanagement der Finanzinstitute zu erhöhen.

Diese Seminararbeit beschäftigt sich neben den regulatorischen Anforderungen an das Liquiditätsmanagement von Finanzinstituten hauptsächlich mit der Frage, mit welchen Maßnahmen Liquiditätsrisiken effizient gesteuert werden können.

1.2 Gang der Untersuchung

In den folgenden Punkten wird das Liquiditätsrisiko definiert, anschließend werden die neuen regulatorischen Anforderungen nach Basel III beschrieben und im letzten Schritt werden die Indikatoren und die gängigen Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken untersucht.

2 Das Liquiditätsrisiko

Im 1. Schritt gilt es, die Begriffe Solvenz und Liquidität auseinanderzuhalten. Ein Finanzinstitut kann solvent sein, aber gleichzeitig durch Liquiditätsprobleme ausfallen. Solvenz bezieht sich darauf, dass ein Institut ein positives Eigenkapital aufweist (Aktiva > Passiva). Wenn die Aktiva aber langfristig gebunden sind und die Kunden, wie in der Finanzkrise geschehen, ihre kurzfristigen Gelder abziehen, dann gerät die Bank in Liquiditätsprobleme und ist ggf. zahlungsunfähig.[2] In diesem Fall, spricht man von dem Zahlungsunfähigkeitsrisiko, der Gefahr, dass die Bank ihren gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig oder fristgerecht nachkommen kann. Darüber hinaus umfasst das Liquiditätsrisiko das Refinanzierungsrisiko und das Marktliquiditätsrisiko.[3] Hinsichtlich der zeitlichen Dimension wird zwischen struktureller (mittel-/ langfristig) Liquidität und nicht- struktureller (kurzfristig) Liquidität unterschieden. Die zeitliche Grenze liegt, wie bei der klassischen Differenzierung von Kapital- und Geldmarkt, bei zwölf Monaten.[4]

2.1 Marktliquiditätsrisiko

Beim Marktliquiditätsrisiko sind Geschäfte, aufgrund von Marktstörungen, nicht auflösbar oder nur unter hohen Abschlägen. Der Preis eines Assets ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die ökonomischen Rahmenbedingungen und wie schnell das Asset zu Geld gemacht werden soll spielen eine große Rolle. Auf einem „Verkäufermarkt“ kann das Asset ggf. sehr schnell verkauft werden und auf einem „Käufermarkt“ kann der Verkauf länger dauern. Hat die Bank mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen, muss sie das Asset möglichst schnell verkaufen und kann dies nur zu einem geringeren Angebotspreis erreichen. In diesem Zusammenhang muss auch in der Art des Assets unterschieden werden. Aktien eines Unternehmens, welches im DAX gelistet ist, sind meist problemlos zum Marktpreis zu verkaufen. Große Volumina einer mittelständischen Unternehmensanleihe aber ggf. nicht.[5]

2.2 Refinanzierungsrisiko

Die größte Einnahmequelle vieler Banken ist der Zinsüberschuss. Dieser wird durch die Fristentransformation ermöglicht. Die Banken vergeben langfristige Darlehen und finanzieren diese mit kurzfristigen Verbindlichkeiten (z.B. Guthaben auf Giro- und Sparkonten). Aus dieser Geschäftstätigkeit ergibt sich das bereits in der Einleitung beschriebene Zahlungsunfähigkeitsrisiko, wenn zu viele kurzfristige Einlagen gekündigt werden und die Bank nicht genügend flüssige Mittel hat um die Abflüsse zu begleichen.[6] Neben den oben beschriebenen Firmen- und Privatkundeneinlagen haben Finanzinstitute noch die Möglichkeit sich Liquidität über die Geldaufnahme am Interbankenmarkt oder bei der Zentralbank zu beschaffen.[7] Im Risikofall (z.B. einer Ratingabstufung/ Bonitätsverschlechterung) kann es nun passieren, dass bei Bedarf nicht genügend Liquidität beschafft werden kann, oder dies nur unter höheren Konditionen möglich ist.[8]

3 Bankenregulierung

Nach dem Ende der Finanzkrise in 2009 wurden mit Basel III neue internationale Standards für die Liquiditätsregulierung bei Banken eingeführt. Denn in einem unregulierten Markt neigen Banken aus Profitgier zu einer übermäßigen Fristentransformation und damit zu einem steigenden Risiko. Im Wesentlichen, wurden hierfür zwei Bilanzkennzahlen definiert mit denen die Eigenkapitalunterlegung und die Liquiditätsbasis von Banken gestärkt sowie international harmonisiert werden: die Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) und die strukturelle Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio, NSFR).[9]

3.1 LCR (Liquidity Coverage Ratio)

Wie der Basler Ausschuss schreibt, soll mit der Mindestliquiditätsquote LCR „die Widerstandskraft gegenüber potenziellen Liquiditätsstörungen über einen 30-tägigen Zeithorizont gestärkt werden“.[10] Um die LCR zu berechnen werden die verfügbaren, liquiden Vermögenswerte ins Verhältnis zu den erwarteten kumulierten Nettozahlungsmittelabflüssen gesetzt. Ab 2018 muss die LCR über 100 % liegen.[11] Die hochliquiden Aktiva, die bei der LCR dem Zähler zugerechnet werden dürfen, werden in zwei Ebenen unterteilt und müssen lastenfrei sowie zentralbankfähig und auch in Stresszeiten marktliquide sein. Bei Ebene 1 werden keine Bewertungsabschläge gegenüber dem Marktwert vorgenommen. Barmittel, Zentralbankguthaben und Aktiva mit sehr hoher Bonität und Liquidierbarkeit können ihr angerechnet werden. Die Aktiva der Ebene 1 müssen mindestens 60 % der gesamten hochliquiden Aktiva ausmachen. Die restlichen 40 % können Aktiva der Ebene 2 enthalten. Zu ihnen zählen beispielsweise Pfandbriefe und Unternehmensanleihen, die einen Bewertungsabschlag (15 bis 50 %) gegenüber dem Marktwert enthalten.[12]

3.2 NSFR (Net Stable Funding Ratio)

Die NSFR verfolgt das Ziel, das Liquiditätsrisiko der Finanzinstitute auf längere Sicht zu regulieren und somit eine nachhaltige und stressresistente Finanzierung der Aktiva sicherzustellen.[13] Um die NSFR zu berechnen wird die verfügbare stabile Refinanzierung (Available Stable Funding, ASF) ins Verhältnis zum erforderlichen stabilen Refinanzierungsbetrag (Required Stable Funding, RSF) gesetzt.[14] Ab 2018 muss die NSFR über 100 % liegen.

Bei der verfügbaren stabilen Refinanzierung werden die Verbindlichkeiten und das regulatorische Kapital nach Ihrer geschätzten Stabilität eingeordnet. Das regulatorische Kapital erhält zum Beispiel einen Gewichtungsfaktor von 100 % und die Sichteinlagen von 95 %. Die ASF entspricht der Summe aus den Ergebnissen.

Bei dem erforderlichen stabilen Refinanzierungsbetrag werden die Aktiva danach gewichtet, wie liquide sie sind oder ob sie als Sicherheit für Darlehen dienen können. Zentralbankguthaben haben ein Risikogewicht von 0% und können somit voll angerechnet werden und Unternehmensanleihen mit einem Rating von AA- erhalten einen Abschlag von 15 %.[15]

4 Risikoidentifizierung

Um Liquiditätsrisiken festzustellen gibt es neben den Kennzahlen aus Basel III noch weitere Methoden, die in der Praxis angewendet werden.

4.1 Gapanalyse (Liquiditätsablaufbilanz)

Bei einer Gapanalyse werden die zukünftigen Zahlungsflüsse (Cash-Flows) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gegenübergestellt. Wenn die Abflüsse größer als die Zuflüsse sind, dann liegt ein Liquiditätsgap vor. Die potentiell zusätzlich generierbare Liquidität, um diesen Liquiditätsgap zu schließen, wird Liquiditätspotential genannt.[16] Die verwendeten Cash-Flows werden im ersten Schritt entsprechend der jeweiligen vertraglichen Restlaufzeit (sog. „Contractual Maturities“) abgebildet. Im zweiten Schritt werden die Cash-Flows zum Teil korrigiert. Die Korrekturen werden anhand von Expertenschätzungen, stochastischen Methoden und historischen Analysen vorgenommen. Insbesondere bei Spar- und Sichteinlagen, Sondertilgungen und möglichen Kreditausfällen ist eine „Modellierung“ der Cash-Flows sinnvoll.[17] Die Gapanalyse wird vorrangig verwendet um die nicht-strukturelle Liquidität zu messen und wird in unterschiedliche Laufzeitbänder unterteilt (Tag, Monat, Jahr).[18] Der Ablauf der Gapanalyse wird von Bank zu Bank unterschiedlich gehandhabt. Neben einem „Normalszenario“ werden oftmals noch Stresstests durchgeführt (s. Punkt 4.2 Stresstests).[19]

[...]


[1] Vgl. Deutsche Bundesbank, Liquiditätsrisikomanagement, 2008, S. 2.

[2] Vgl. Hull, J.C., Risikomanagement, 2016, S. 558.

[3] Vgl. Becker / Berndt / Klein Hrsg., Die neuen MaRisk, 2013, S. 455

[4] Vgl. Deutsche Bundesbank, Liquiditätsrisikomanagement, 2008, S. 5

[5] Vgl. Hull, J.C., Risikomanagement, 2016, S.558-559

[6] Vgl. König / Pothier, Die neue Basler Liquiditätsregulierung, 2016, S. 475

[7] Vgl. Hull, J.C., Risikomanagement, 2016, 568.

[8] Vgl. Becker / Berndt / Klein Hrsg., Die neuen MaRisk, 2013, S. 455.

[9] Vgl. König / Pothier, Die neue Basler Liquiditätsregulierung, 2016, S 477.

[10] Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht – Regulierungsrahmen, 2010, S. 10.

[11] Vgl. www.bundesbank.de, Liquiditätskennziffer.

[12] Vgl. König / Pothier, Die neue Basler Liquiditätsregulierung, 2016, S. 478.

[13] Vgl. www.bundesbank.de, strukturelle Liquiditätsquote.

[14] Vgl. König / Pothier, Die neue Basler Liquiditätsregulierung, 2016, S. 477 – 478.

[15] Vgl. König / Pothier, Die neue Basler Liquiditätsregulierung, 2016, S. 478 – 479.

[16] Vgl. Deutsche Bundesbank, Liquiditätsrisikomanagement, 2008, S. 12.

[17] Vgl. Becker / Berndt / Klein Hrsg., Die neuen MaRisk, 2013, S. 468-469.

[18] Vgl. Deutsche Bundesbank, Liquiditätsrisikomanagement, 2008, S. 12.

[19] Vgl. Deutsche Bundesbank, Liquiditätsrisikomanagement, 2008, S. 15.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V468443
ISBN (eBook)
9783668940994
ISBN (Buch)
9783668941007
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuerung Liquiditätsrisiken
Arbeit zitieren
Florian Thesing (Autor), 2018, Maßnahmen zur Steuerung von Liquiditätsrisiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468443

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