Crowdlending. Private Kreditnehmer auf Crowdlending-Plattformen vs. Kreditnehmer klassischer Banken


Fachbuch, 2019
81 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Kurzfassung / Abstract

1 Einleitung
1.1 Aktualität und Relevanz des Themas
1.2 Gegenstand und Aufbau der Arbeit
1.3 Problematiken während der Ausarbeitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Was ist Crowdfunding ?
2.2 Historie und Entwicklung
2.3 Crowdfunding Akteure
2.4 Crowdfunding Arten
2.5 Crowdlending Plattformen in Deutschland
2.6 Rechtliche Abgrenzung des Themas

3 Analyse privater Kreditnehmer klassischer Banken
3.1 Entwicklung des Kreditvolumens im Privatkreditgeschäft
3.2 Verwendungszweck von Konsumentenkrediten
3.3 Durchschnittliche Kredithöhe, Laufzeit und Zinssatz
3.4 Kapitaldienstfähigkeit
3.5 Rückzahlungsverhalten, Bonität und Regionalstruktur
3.6 Besonderheiten

4 Untersuchung privater Kreditnehmer auf Crowdlending Plattformen
4.1 Entwicklung des Kreditvolumens im Privatkreditgeschäft
4.2 Verwendungszweck von Konsumentenkrediten
4.3 Durchschnittliche Kredithöhe, Laufzeit und Zinssatz
4.4 Kapitaldienstfähigkeit
4.5 Rückzahlungsverhalten, Bonität und Regionalstruktur
4.6 Besonderheiten

5 Ergebnisse
5.1 Zusammenfassung der Erkenntnisse
5.2 Fazit
5.3 Ausblick

Anhang
Anhang A: Beispiel eines Kreditprojekts auf auxmoney
Anhang B: Datenerhebung

Quellenverzeichnis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

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Impressum:

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Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Crowdfunding Marktvolumen Deutschland 2015; Daten verschiedener Markterhebungen im Vergleich

Abbildung 2: The global Alternative Financing market is expected to exceed US$ 57 billion by 2022

Abbildung 3: Segmente der FinTech-Branche

Abbildung 4: Auszahlungsvolumen auxmoney in Mio. EUR in den Jahren 2012 bis 2018

Abbildung 5: Neugeschäftsvolumina Banken DE / Konsumentenkredite an private Haushalte in Mrd. EUR von 2008 bis 2017

Abbildung 6: Verwendungszweck für Konsumentenkredite in Deutschland

Abbildung 7: Anteil der Kredithöhen an neu abgeschlossenen Kreditverträgen im Jahr 2015 bis 2017 n Deutschland

Abbildung 8: Zinssätze für das Neugeschäft der deutschen Banken (MFIs) - Konsumentenkredite an private Haushalte von 01/2015 bis 09/2018

Abbildung 9: Anteil der mindestens 18-jährigen Personen, zu denen die SCHUFA 2017 (mindestens) ein hartes Negativmerkmal gespeichert hatte; nach Kreisen; in Prozent

Abbildung 10: Volumen der P2P Verbraucherkredite in Deutschland von 2013 bis 2018

Abbildung 11: Kreditprojekte auf auxmoney nach Verwendungszweck

Abbildung 12: Nominaler Zinssatz, Laufzeit und Kredithöhe der Finanzierungsvorhaben auf auxmoney

Abbildung 13: Zinssätze im Überblick in Abhängigkeit vom auxmoney Score

Abbildung 14: Übersicht der Einnahmen und Ausgaben der Kreditnehmer auf auxmoney

Abbildung 15: Bonitätsklassen der Kreditgesuche auf auxmoney

Abbildung 16: Entwicklung der Neugeschäftsvolumina klassischer Banken im Vergleich zum Auszahlungsvolumen auf auxmoney von 2012 bis 2017

Abbildung 17: Durchschnittlicher effektiver Zinssatz für Konsumentenkredite der Deutschen Bundesbank aus 2018 und durchschnittlicher nominaler Zinssatz auf auxmoney im Vergleich

Abbildung 18: Anteil der deutschen Bevölkerung in den Scoringklassen der Schufa im Vergleich zum Anteil der Kreditnehmer in den Scoringklassen von auxmoney

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bundesländer mit Einwohnerzahl, durchschnittlicher Kredithöhe und durchschnittlichem Nettoeinkommen 2016

Tabelle 2: Durchschnittliche Kredithöhe und durchschnittliche Einnahmen auf auxmoney nach Bundesländern

Tabelle 3: Vergleich der Einnahmen und Ausgaben eines privaten Haushalts laut Statistischem Bundesamt mit Kreditnehmern auf auxmoney

Kurzfassung / Abstract

Klassische Bankhäuser vergeben in Deutschland immer zögerlicher Kredite an Verbraucher. Aufgrund der meist niedrigen Kreditsummen dieser Kundengruppe ist eine kostendeckende Bearbeitung der Kreditanträge kaum möglich. Ferner sorgen deutlich gestiegene Eigenkapitalanforderungen zusätzlich für Zurückhaltung der Banken. Darüber hinaus suchen private und institutionelle Anleger anlässlich der anhaltenden Niedrigzinsphase nach alternativen Anlagemöglichkeiten. Crowdlending Plattformen bringen Kapitalsuchende und Anleger unmittelbar auf einem Kreditmarktplatz zusammen.

Diese Bachelorarbeit ist ein Versuch, die Kreditnehmer klassischer Banken und die Kapitalsuchenden auf Crowdlending Plattformen gegenüberzustellen. Dazu werden in Form einer eigenen Datenerhebung die peer-to-peer Kreditprojekte einer Online-Kreditplattform gesammelt und ausgewertet. Weiterhin werden mithilfe einschlägiger Fachliteratur und diversen Kreditstudien Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Kreditnehmergruppen ausgearbeitet. Die Erkenntnisse dieser Arbeit zeigen, dass sich Kreditnehmer klassischer Banken nur in Teilbereichen von Kreditnehmern auf Crowdlending Plattformen unterscheiden und sie gleichzeitig viele Gemeinsamkeiten aufweisen.

***

Classic banks are increasingly reluctant to lend private credit in Germany. Due to the low credit sums of this customer group, a cost-covering processing of loan applications is hardly possible. In addition, significantly higher capital requirements also make banks more restrained. Furthermore, private and institutional investors are looking for alternative investment opportunities based on the continuous low interest period. In a credit marketplace, crowdlending platforms bring capital seekers and investors together.

This bachelor thesis is an attempt to oppose borrowers of classic banks to borrowers on crowdlending platforms. For this purpose, the peer-to-peer credit projects of an online platform were collected and evaluated in the form of an own data acquisition. Besides, similarities and differences between the two groups of borrowers were developed, by means of relevant literature and various credit studies. The findings of this thesis show that borrowers of classic banks differ only in sub-areas from borrowers on crowdlending platforms. They also have a lot in common.

1 Einleitung

„Der Buchhandel wurde durch Amazon revolutioniert und nicht durch Hugendubel. Netflix hat den Filmverleih umgekrempelt und nicht etwa Blockbuster. Neue Marktteilnehmer wie Lendico ermöglichen neue und zugleich bessere Lösungen. Klassische Banken werden in Zukunft zunehmend durch solche Innovationen in Frage gestellt. Lendico sehe ich als Innovationstreiber und in 3 Jahren als sehr präsente und akzeptierte Alternative zum klassischen Bankgeschäft.“

[Dominik Steinkühler, 2013, ehemaliger Geschäftsführer Lendico und heutiger Commerzbank Manager]

Zwar hat es Commerzbank-Manager und Mitbegründer von Lendico, Dominik Steinkühler, nach einigen Jahren in der Geschäftsführung einer Online-Kreditplattform nun doch wieder zu einer klassischen Bank hingezogen, dennoch gibt es zahlreiche Anhänger der Crowdfinanzierung, die an den Erfolg dieser modernen Finanzierungsmethode glauben. Auch wenn es sich bislang im Vergleich zum klassischen Kreditgeschäft aktuell um eine Nische handelt, hat sich Crowdfunding weltweit zu einem möglichen Weg für viele Kapitalsuchende entwickelt. Inzwischen entstehen Online-Plattformen für Kredite an Privatpersonen, Selbstständige, kleine und mittelständische Unternehmen, Startups und Kommunen. Auch Kredite für Immobilienprojekte, die Film- und Theaterbranche, anderweitige Projektfinanzierungen oder Beträge für soziale und wohltätige Zwecke werden heutzutage online gesammelt.

Der Erfolg von Online-Kreditplattformen lässt sich heute nicht mehr leugnen. Portale wie Lending Club, Square oder On Deck sind bereits börsennotiert und verzeichnen Bewertungen in Milliardenhöhe (vgl. Toller, 2018). Die Vorreiter in der Crowdfinanzierung sind mit Abstand die USA, China und Großbritannien. Doch auch in Deutschland findet die moderne Finanzierungsmethode einen immer höheren Anklang.

Gerade bei Finanzierungen kleiner Beträge mit wenig Sicherheiten oder schwacher Bonität verhalten sich klassische Banken sehr zögerlich. Auch neue Startup Ideen und der Schritt in die Selbstständigkeit finden bei deutschen Banken aufgrund des hohen Ausfallrisikos nur wenig Anklang. Die Crowdfinanzierung hingegen folgt einem neuen Trend: Das vorhandene Risiko auf möglichst viele verschiedene Anleger zu verteilen, um somit das Risiko für den einzelnen Anleger zu verringern (vgl. Toller, 2018).

Crowdlending stellt zwar neben dem Crowdinvesting, dem Crowddonating und dem Crowdrewarding nur ein Teilsegment der Crowdfinanzierung dar, vereint jedoch Statistiken zufolge das größte Marktpotenzial auf sich. Eine anhaltende Niedrigzinsphase, ein hoher bürokratischer Kosten- und Zeitaufwand in Bezug auf die Überprüfung von Kreditanträgen sowie die generelle risikoscheue Haltung der Banken lassen neue Finanzierungswege auf dem Markt zu, die rasend schnell an Potenzial gewinnen.

Indessen stellt sich die Frage, was die Kreditnehmer einer traditionellen Bank von denjenigen unterscheidet, die ihr Vorhaben durch die Crowd finanzieren lassen. Warum nehmen private Haushalte Crowdlending Plattformen als Finanzvermittler in Anspruch? Sind die Zinsen der peer-to-peer Kredite in Deutschland höher als die der Banken? Oder spielt eventuell eine vergleichsweise günstigere Finanzierung über Kreditplattformen eine ausschlaggebende Rolle in der Entscheidungsfindung? Sind P2P-Kredite riskanter als Darlehen der Banken? Ungeklärt ist bislang auch, ob die Kreditnehmer ihr Vorhaben gezwungenermaßen auf Internet-Plattformen finanzieren, da sie vorher bei einer klassischen Bank abgelehnt wurden oder aus welchem sonstigen Grund die P2P-Kreditvergabe in den deutschen Kreditmarkt passt.

1.1 Aktualität und Relevanz des Themas

„Aufgrund des erheblichen Wachstums des Marktsegments des Peer-to-Peer Lending (P2P Lending) findet diese Form der Kreditvermittlung zwischen Verbraucherinnen beziehungsweise Verbrauchern als Kreditnehmern und wiederum Verbraucherinnen beziehungsweise Verbrauchern als Kreditgebern über eine Online-Plattform zunehmende Berücksichtigung sowohl im Finanzdienstleistungssektor als auch in der öffentlichen und politischen Diskussion“ (Wendt, 2016, S. 5). Bislang handelt es sich beim peer-to-peer Lending allerdings noch um ein Nischenprodukt. Vergleicht man das Volumen der Konsumentenkredite an private Haushalte deutscher Banken mit dem des Crowdlendings, so erreicht das Crowdlending einen Marktanteil von gerade einmal 0,19 Prozent im Jahr 2016 (vgl. Deutsche Bundesbank, 2018; Ziegler et al., 2018, S. 63). Eine Aussage über den Anteil im Jahr 2017 lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht treffen, da keine aussagekräftigen Daten über das Neugeschäftsvolumen im peer-to-peer Lending vorliegen (siehe auch Kapitel 1.3).

Betrachtet man allerdings die Entwicklung vom derzeitigen Marktführer im privaten Crowdlending Geschäft, auxmoney, so lässt sich eine blühende Zukunft für den Crowdlending Markt in Deutschland erahnen. Das deutsche Startup-Unternehmen konnte in den letzten vier Jahren sein Kreditvolumen von 33 Millionen Euro auf 316 Millionen Euro Neugeschäft in 2017 erhöhen (vgl. auxmoney, 2018a). Bereits im ersten Halbjahr 2018 hat auxmoney nach eigenen Angaben 255 Millionen Euro Kreditvolumen ausgezahlt und somit gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von rund 90 Prozent erzielt. Seit seinem mittlerweile elfjährigen Bestehen hat das Unternehmen Kredite mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro ausgezahlt und die zweite Milliarde soll laut Geschäftsführer Raffael Johnen noch bis Ende 2019 erreicht werden (vgl. auxmoney, 2018b).

Auch Prof. Dr. Gregor Dorfleitner, der im Auftrag des Bundesfinanzministeriums eine Studie über den FinTech Markt in Deutschland veröffentlicht hat, teilt diese durchaus positive Einstellung. Erstmals wurden über den Zeitraum von 2007 bis 2015 Marktdaten der FinTech-Branche gesammelt und eine Prognose über die zukünftige Marktentwicklung erstellt (vgl. Dorfleitner et al., 2016, S. i). Eine im Rahmen dieser Studie durchgeführte Befragung zweier Online-Portale führte zu dem Ergebnis, dass in den kommenden Jahren mit einer sehr hohen durchschnittlichen Wachstumsrate von bis zu 340 Prozent pro Jahr im Segment der Crowdfinanzierung gerechnet werden kann. Auch Dorfleitner sieht diese Prognosen aufgrund der sehr hohen Wachstumsraten der Vergangenheit für realistisch an (vgl. Dorfleitner et al., 2016, S. 73).

Kapitalmarktzinsen, die sich seit Jahren auf einem Tiefpunkt befinden, machen das Crowdlending Geschäft auch zusätzlich für Anleger attraktiv. Nicht nur private Anleger, wie es die ursprüngliche Definition von peer-to-peer Lending vorsieht, sondern auch institutionelle Anleger haben ihr Interesse für dieses Geschäftsfeld entdeckt. Der niederländische Versicherungskonzern Aegon hat beispielsweise Anfang 2017 zugesagt, innerhalb von drei Jahren 1,5 Milliarden Euro für Kredite auf auxmoney bereitzustellen (vgl. Schneider, 2018). Auch diverse weitere Institutionen, die jedoch anonym bleiben wollen, soll es geben.

Zudem haben sich bereits Partnerbanken den Crowdlending Plattformen angeschlossen. Dazu zählen bei auxmoney neben Genossenschaftsbanken auch Sparkassen und Privatbanken. Wird ein Kunde mit einer Kreditanfrage in seiner persönlichen Bankfiliale abgelehnt, kann er direkt im Anschluss gemeinsam mit seinem Berater den Kreditantrag auf auxmoney ausfüllen (vgl. Schneider, 2018).

Vor allem eine schnelle Kreditentscheidung, die hohe Auszahlungsgeschwindigkeit, eine erweiterte Möglichkeit der Kreditaufnahme sowie eine unkomplizierte und anonyme Bedienbarkeit über das Internet lassen den Markt für Crowdlending in Deutschland stetig wachsen.

1.2 Gegenstand und Aufbau der Arbeit

Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, durch Literaturrecherche sowie eine eigene Datenerhebung einen Einblick in das Crowdlending Geschäft in Deutschland zu geben und dabei herauszuarbeiten, ob es Unterschiede und/oder Gemeinsamkeiten zwischen Kreditnehmern klassischer Banken und Kreditnehmern auf Crowdlending Plattformen gibt. Dazu wird die Arbeit in fünf Kapitel gegliedert.

Im ersten Kapitel wird die Aktualität und Relevanz des Themas und der Gegenstand und Aufbau der Untersuchung beschrieben. Zusätzlich werden einige Problematiken während der Ausarbeitung erklärt.

Im zweiten Kapitel erfolgt ein Überblick über die theoretischen Grundlagen rund um den Begriff Crowdfunding. Dazu wird die Historie und die Entwicklung des Crowdfundings aufgezeigt, alle Akteure bei der Finanzierung vorgestellt, die verschiedenen Crowdfundingarten werden näher beleuchtet und abschließend die Crowdlending Plattformen in Deutschland dargestellt. Abgerundet wird das Kapitel mit einer rechtlichen Abgrenzung des Themas zu klassischen Bankdarlehen.

Im dritten Kapitel wird eine Analyse der Kreditnehmer klassischer Banken anhand verschiedener Faktoren durchgeführt. Dabei werden Merkmale wie das Kreditvolumen, der Verwendungszweck, die Kredithöhe, Laufzeit und der Zinssatz, die Kapitaldienstfähigkeit, das Rückzahlungsverhalten, die Bonität sowie die Regionalstruktur analysiert.

Das gleiche Schema wird im vierten Kapitel bezogen auf die Kreditnehmer von Crowdlending Plattformen angewendet. Dafür wurden im Zeitraum vom 29. November 2018 bis 31. Dezember 2018 alle online gestellten Kreditprojekte auf dem Online-Kreditportal auxmoney festgehalten und anhand der bereits genannten Merkmale ausgewertet.

Im fünften und letzten Kapitel werden die beiden Kreditnehmergruppen gegenübergestellt. Dazu werden die Erkenntnisse aus der Datenerhebung auf auxmoney mit der Analyse der Kreditnehmer klassischer Banken verglichen und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten identifiziert. Abschließend wird ein Ausblick auf die künftige Entwicklung des Themas gegeben.

1.2.1 Methodische Vorgehensweise

Durch die Untersuchung der Datenbanken WISO, Google Scholar und Springer Link sowie des Kataloges der Bibliothek der Hochschule Hannover wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Alle relevanten Bücher, Fachzeitschriften oder Internetquellen stammen aus dem Zeitraum 2010 bis 2018.

Vor allem für das Kapitel der theoretischen Grundlagen wurde einschlägige Fachliteratur herangezogen, um eine qualifizierte Grundlage über das Thema Crowdfunding zu erstellen.

Da es sich beim Thema dieser Bachelorarbeit allgemein um ein sehr junges Themengebiet handelt, fehlt es aktuell an wissenschaftlicher Literatur, was die Merkmale und Motive der Kreditnehmer auf Online-Kreditportalen betrifft. Aus diesem Grund wurde eine eigenständige Datenerhebung vorgenommen, um einen Vergleich der beiden Kreditnehmergruppen zu ermöglichen. Weiterhin wurde auf Statistiken und Veröffentlichungen der Online-Kreditplattformen, auf Kredit- und Marktstudien von check24, FinanceScout24 sowie der GfK und auf Erhebungen des Statistischen Bundesamts und der Deutschen Bundesbank zurückgegriffen.

1.3 Problematiken während der Ausarbeitung

Nach eingehender Recherche zu dieser Bachelorarbeit stellte sich heraus, dass sich große Schwierigkeiten ergeben, aktuelle ausschlaggebende Marktdaten und Statistiken über die Crowdfinanzierung in Deutschland zu erhalten. Je nach Quelle lassen sich bezüglich des finanzierten Volumens von Crowdfunding Projekten Abweichungen in zweistelliger Millionenhöhe feststellen. Viele Statistiken zum Thema Crowdfinanzierung in Deutschland basieren auf den Daten von für-gründer.de oder crowdfunding.de. Auch Statista.de nutzt diese Daten zur Ausarbeitung ihrer Analysen und Prognosen. Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass es sich bei den meisten Statistiken ausschließlich um Zahlen aus dem Firmenkunden Bereich handelt und der Kreditmarkt für Privatpersonen nicht in den Analysen enthalten ist. So kommt auch Abbildung 1, veröffentlicht vom Online-Portal crowdfunding.de, zustande. Sie zeigt, wie sich innerhalb eines Segmentes der Crowdfinanzierung, dem Crowdinvesting, vier unterschiedliche Volumina aus vier verschiedenen Quellen ergeben (vgl. crowdfunding.de, 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Crowdfunding Marktvolumen Deutschland 2015; Daten verschiedener Markterhebungen im Vergleich (crowdfunding.de, 2018)

Auch wird oft nicht deutlich, ob es sich beim vorhandenen Datenmaterial um das Neugeschäft innerhalb eines bestimmten Zeitraums oder um die gesamten Kreditbestände zu einem ermittelten Zeitpunkt handelt.

Eine weitere Schwierigkeit im Themenfeld der Schwarmfinanzierung liegt in der Definition der einzelnen Begrifflichkeiten. Für-gründer.de versteht unter dem Begriff Crowdfunding ausschließlich das spendenbasierte und gegenleistungsbasierte Crowdfunding. Die Begriffe Crowdinvesting und Crowdlending hingegen stehen für sich und gehören nicht in die Kategorie des Crowdfunding s (vgl. Für-Gründer, 2017, S. 1). Das Bundesfinanzministerium sieht indessen Crowdfunding als ein Oberbegriff, der sich in vier unterschiedliche Teilsegmente gliedert, Näheres dazu folgt in Kapitel 2.4 (vgl. Dorfleitner et al., 2016, S. 21). Folglich unterscheiden sich finanzierte Kreditsummen in Milliardenhöhe, da man eine klare Abgrenzung der Begrifflichkeiten sowie strikt definierte Erhebungszeiträume meist vergebens sucht.

Offen bleibt ebenso die Frage nach einer genauen Abgrenzung zwischen den Begriffen peer-to-peer und peer-to-company Geschäft. Professor Dorfleitner, im Auftrag des Bundesfinanzministeriums, spricht beispielsweise ausschließlich von Crowdlending. Auch seine Grafiken und vor allem die Prognosen für das zukünftige Marktvolumen sehen keine Trennung in Privatpersonen und Unternehmen vor (vgl. Abbildung 1). In den Veröffentlichungen der Cambridge Judge Business School und in diverser Fachliteratur findet hingegen stets eine Unterscheidung zwischen peer-to-peer und peer-to-company statt.

Ungeklärt bleibt allerdings auch dort, wo sich die Grenze zwischen Privatperson und Business befindet. Beispielsweise ist nicht eindeutig zu klären, ob Selbstständige und Freiberufler in das Segment des peer-to-peer Geschäfts oder peer-to-business zählen.

Diese unterschiedlichen Ansichten und Erhebungsformen sorgten anfangs für viel Unklarheit während der Recherchearbeit.

Als Grundlage für diese Abschlussarbeit wurden die in 2016 veröffentlichten Volumina des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 2015 gewählt. Aktuellere Daten liegen auf Bundesebene zum heutigen Zeitpunkt noch nicht vor. Aufgrund der Aussagefähigkeit der Daten des Bundesministeriums der Finanzen wurden folglich alle anderen Daten mit diesen verglichen. Da das Cambridge Centre for Alternative Finance bereits einen Report für das Jahr 2016 veröffentlicht hat und sich diese Daten nicht gravierend von denen des Bundesfinanzministeriums unterscheiden, wurden auch diese Volumina für die Ausarbeitung hinzugezogen.

2 Theoretische Grundlagen

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen sowie den Ausprägungsformen und Online-Plattformen des Crowdfundings. Des Weiteren wird eine rechtliche Abgrenzung zum klassischen Bankdarlehen vorgenommen. Nach einer systematischen Literaturrecherche wurde diverse Fachliteratur ausgewählt, um die Grundlage für diese Bachelorarbeit zu schaffen und einen Einblick in die Segmente der FinTech-Branche bis hin zum Crowdlending zu erlangen. Dazu dienen die Werke von Belleflamme (2010), Orthwein (2015), Sixt (2014), Dragonetti und Weiss (2016), Harzer (2013), Carstens und Schramm (2014), Assenmacher (2017), Sterblich (2015), Dorfleitner (2016) und Ziegler (2018) sowie Veröffentlichungen der BaFin zum Thema Crowdlending.

2.1 Was ist Crowdfunding ?

Eine in der Literatur häufig verwendete Definition von Crowdfunding stammt aus dem Jahr 2010:

„Crowdfunding involves an open call, essentially through the Internet, for the provision of financial resources either in form of donation or in exchange for some form of reward and / or voting rights.“ (Belleflamme et al., 2010, S. 5)

Der Beginn des Crowdfundings liegt in den USA und leitet sich aus der Idee des Crowdsourcings ab. Crowdsourcing beschreibt alle monetären und nichtmonetären Wertschöpfungsformen, bei denen die Crowd ihre vorhandenen Kenntnisse, Fähigkeiten und andere Ressourcen für Dritte zur Verfügung stellt (vgl. Orthwein, 2014, S. 13 f). Dabei kann es sich um das Bereitstellen einer Arbeitskraft oder um das Teilen von Gedankengut handeln. Der Begriff Crowdfunding, ein Teilbereich des Crowdsourcings, besteht aus dem englischen Wort „Crowd“ (deutsch: Schwarm) und steht für eine Vielzahl von Menschen. Das zweite Wort „Funding“ (deutsch: Finanzierung) steht für die Finanzierung eines Vorhabens. Crowdfunding beschreibt also die Finanzierung eines Vorhabens durch einen Appell an die Masse. Zusätzlich kommt noch die Zuhilfenahme des Internets, genauer gesagt, einer Crowdfunding Plattform hinzu, die den Ausgestaltungsort des Prozesses darstellt. Bei der Schwarmfinanzierung wird die Crowd als Quelle zur Finanzierung eines Projektes oder eines Unternehmens genutzt. Die Idee dahinter ist, dass mit vielen kleinen Beträgen ausreichend Kapital für die Umsetzung eines Vorhabens gesammelt werden kann. Als Marktplatz für Angebot und Nachfrage agieren dabei Online-Finanzierungsplattformen (vgl. Sixt, 2014, S. 28 f).

2.2 Historie und Entwicklung

Der Grundgedanke hinter dem Begriff Crowdfunding ist nicht neu. Laut Dragonetti und Weiss (2016) baut das Crowdfunding auf dem Leitbild des genossenschaftlichen Ansatzes auf. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Gemeinschaften, vor allem in Gemeinden, Geld gesammelt, um gemeinsame Projekte zu finanzieren, die oft nicht kommerzieller Natur waren (vgl. Dragonetti und Weiss, 2016, S. 152).

Bereits 1885 wurde in New York die Errichtung der Freiheitsstatue durch eine Art Crowdfunding finanziert. Die Statue of Liberty war ein Geschenk Frankreichs an die USA. Man einigte sich darauf, dass Frankreich die Statue produzierte und die Vereinigten Staaten den Bau des Sockels übernahmen. Der Gouverneur von New York stellte allerdings kein Geld zur Errichtung der Statue bereit. Der damalige Herausgeber der Zeitung „The New York World“ und Namensgeber des legendären Journalisten-Preises, Joseph Pulitzer, veröffentlichte einen Spendenaufruf und bot als Gegenleistung die Namensnennung eines jeden Spenders in seiner Zeitung an. So wurden innerhalb von fünf Monaten 102.000 US$ gesammelt und die Freiheitsstatue konnte errichtet werden (vgl. Sixt, 2014, S. 55 f).

Auch das Crowdfunding, wie es heutzutage auf Onlineplattformen praktiziert wird, hat seinen Ursprung in den USA Anfang des neuen Jahrtausends. Im Jahr 2000 wurde die erste US-amerikanische Onlineplattform ArtistShare aufgrund von Umsatzeinbußen im Musikgeschäft gegründet, die 2003 ihr erstes Projekt startete und heute noch aktiv ist. Künstler konnten ihre Alben vorfinanzieren und die Spender exklusiv am Entstehungsprozess des Albums teilhaben lassen.

Der damalige Begriff „Fanfunding“ entwickelte sich 2006 mit der Gründung der ersten europäischen Musikfinanzierungsplattform dann zu Crowdfunding. Der Gründer einer heute nicht mehr existierenden Crowdfunding Plattform, Michael Sullivan, nutzte den Begriff als Erster.

Seit 2008 wurden in den USA mit Indiegogo und Kickstarter die ersten Crowdfunding Plattformen gegründet, die sich nicht nur auf die Musikbranche konzentrierten (vgl. Harzer, 2013, S. 56-58). Auffällig ist, dass Social-Media Plattformen und Finanzierungs-Plattformen in etwa zur selben Zeit entstanden sind und einen unbestreitbaren Zusammenhang zeigen. Facebook als größtes soziales Netzwerk, gegründet 2004, dient Kapitalsuchenden bis heute als Sprungbrett, ihre Vorhaben publik zu machen (vgl. Sixt, 2014, S. 29).

Ausgehend von den USA haben sich bis heute weltweit zahlreiche, erfolgreiche Plattformen etabliert. Die heute populärste Crowdfunding Plattform ist das amerikanische Portal Kickstarter. Die 2009 gegründete Plattform hat bislang nach eigenen Angaben über vier Milliarden US$ von über 15 Millionen Investoren für über 154.000 erfolgreich finanzierte Projekte vermittelt (vgl. Kickstarter, 2018).

Vertraut man einer Veröffentlichung über digitale Marktanalysen von Statista im FinTech Report 2018, so wurden im Jahr 2017 weltweit 14,45 Milliarden US$ per Crowdfunding finanziert.

Wie Abbildung 2 verdeutlicht, soll sich das Transaktionsvolumen des gesamten alternativen Finanzmarkts bis 2022 weltweit auf über 56,81 Milliarden US$ erhöhen und somit eine bedeutende Alternative zum klassischen Bankgeschäft darstellen (vgl. Striapunina, 2018, S. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: The global Alternative Financing market is expected to exceed US$ 57 billion1 by 2022 (eigene Darstellung in Anlehnung an Striapunina, 2018, S. 4)

2.3 Crowdfunding Akteure

Beim Crowdfunding Prozess werden drei wesentliche Beteiligte unterschieden: der Kapitalsuchende, die Crowd und die Crowdfunding Plattform.

2.3.1 Der Kapitalsuchende

Der Kapitalsuchende hat nicht genügend eigene finanzielle Mittel zur Verfügung, um sein Vorhaben eigenständig zu finanzieren. Er agiert im Crowdfunding Prozess als Initiator und verfolgt dabei das Ziel, sein Projekt von möglichst vielen verschiedenen Geldgebern finanzieren zu lassen. Dazu stellt er seine Idee auf einer Onlineplattform vor, erklärt, wofür er das Geld benötigt und bittet um Unterstützung. Indem er sein Vorhaben auf zusätzlichen Kanälen verbreitet, steigert er den Bekanntheitsgrad seiner Geschäftsidee.

Je nach Art des Crowdfundings wird der Kapitalsuchende auch Kreditnehmer, Initiator, Gründer, Unternehmen oder Kommune genannt (vgl. Carstens und Schramm, 2014, S. 6; Assenmacher, 2017, S. 9 f).

2.3.2 Die Crowd

Die sogenannte Crowd stellt den wichtigsten Akteur beim Crowdfunding dar. Der Begriff Crowd (deutsch: Menge, Ansammlung, Schwarm oder Menschenmasse) stellt jedoch keine beliebige Ansammlung von Menschen dar, sondern eine Gruppe von Menschen, die etwas gemeinsam haben und einen gemeinsamen Zweck verfolgen, nämlich die erfolgreiche Realisierung eines Projekts. Diese Gruppe von Menschen unterstützt aus den unterschiedlichsten Gründen die Idee des Gründers. Beispielsweise weil sie den Gründer persönlich kennen oder ein moralisches oder finanzielles Interesse verfolgen. Bei der Crowd handelt es sich entweder um Privatpersonen oder um Unternehmen, die in andere Projekte, Unternehmen oder Kommunen investieren. Auch für die Crowd gibt es je nach Art des Crowdfundings unterschiedliche Begrifflichkeiten wie Investor, Kapitalgeber, Kreditgeber, Geldgeber, Unterstützer oder auch Spender (vgl. Carstens und Schramm, 2014, S. 6; Assenmacher, 2017, S. 9 f).

2.3.3 Die Crowdfunding Plattform

Angebot und Nachfrage treffen online auf einem digitalen Marktplatz aufeinander. Dabei handelt es sich um eine Internetplattform, die den Kapitalsuchenden und die Crowd miteinander verbindet. Die sogenannte Crowdfunding Plattform ist das Fundament des Crowdfundings und der dritte Beteiligte am Crowdfunding Prozess (vgl. Carstens und Schramm, 2014, S. 6).

Auf der Plattform können die Kapitalsuchenden ihr zu finanzierendes Projekt der Öffentlichkeit vorstellen und die Unterstützer können ihre favorisierten Projekte auswählen und das entsprechende Kapital mit einem Mausklick zur Verfügung stellen.

2.4 Crowdfunding Arten

Crowdfunding ist nur ein Teilbereich der FinTech-Branche2, die an dieser Stelle nicht näher beleuchtet wird. Wie Abbildung 3 verdeutlicht, werden laut Bundesfinanzministerium vorrangig vier verschiedene Arten des Crowdfundings unterschieden: spendenbasiertes Crowdfunding (donation-based Crowdfunding oder auch Crowddonating), gegenleistungsbasiertes Crowdfunding (reward-based Crowdfunding oder auch Crowdrewarding), eigenkapitalbasiertes Crowdfunding (equity-based Crowdfunding oder auch Crowdinvesting) und kreditbasiertes Crowdfunding (lending-based Crowdfunding oder auch Crowdlending). Der Unterschied zwischen den verschiedenen Formen liegt in der Verwendung ihrer zugeflossenen Gelder sowie in der Erbringung einer Gegenleistung, die in finanzielle und nichtfinanzielle Gegenleistung unterteilt werden kann (vgl. Sixt, 2014, S. 56-58). Diese vier Arten des Crowdfundings werden im Folgenden näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Segmente der FinTech-Branche (Dorfleitner et al., 2016, S. 11)

2.4.1 Crowddonating

Crowddonating wird auch als donation-based Crowdfunding (deutsch: spendenbasierte Schwarmfinanzierung) bezeichnet. Der Unterschied zwischen klassischer Spendensammlung und Crowddonating liegt in erster Linie am Kanal über das Internet. Die Beiträge werden von den Geldgebern eingesammelt, ohne dass der Unterstützer dafür eine Gegenleistung erhält. Gelegentlich erfolgt ein symbolisches Dankeschön in Form von Erwähnungen auf Websites, Zeitungen und Imagefilmen oder Danksagungen per Email. Im Gegensatz zu klassischen Spendenaktionen wird beim Crowddonating ein einzelnes, ganz bestimmtes Projekt beworben, das finanziert werden soll. Der Spender weiß demnach genau, wem seine Spende zu Gute kommt bzw. wozu das Geld genutzt wird. Bei herkömmlichen Spendenaufrufen hingegen wird das gesammelte Geld meist für unterschiedliche Projekte und Zwecke genutzt (vgl. Sterblich et al., 2015, S. 12).

Crowddonating Projekte finden meist im sozialen und politischen Bereich Anwendung. Vorreiter für ein erfolgreiches spendenbasiertes Crowdfunding ist der ehemalige US-amerikanische Präsident Barack Obama. 2008 sammelte er insgesamt 770 Millionen US$ für seinen Wahlkampf ein. 2012 kam sogar über eine Milliarde US$ von zehn Millionen Spendern zusammen (vgl. Sixt, 2014, S. 101).

2.4.2 Crowdinvesting

Crowdinvesting wird auch als equity-based Crowdfunding (deutsch: eigenkapitalbasierte Schwarmfinanzierung) bezeichnet. Ziel der Crowd ist es, durch das eingesetzte Kapital eine finanzielle Rendite zu erlangen. Dabei erhält der Kreditgeber beim Crowdinvesting als Gegenleistung eine Beteiligung am Unternehmen. Die Beteiligung erfolgt nicht in Form von Gesellschafteranteilen, sondern in Form einer Beteiligung am Gewinn. Nach Ablauf der festgelegten Laufzeit erhalten die Investoren ihr Kapital zuzüglich der erwirtschafteten Rendite zurück. Die Höhe der Rendite hängt dabei von der Entwicklung und dem Erfolg des finanzierten Projekts ab.

Diese Finanzierungsmethode wird vorrangig von jungen Unternehmen verwendet, die kein, beziehungsweise nicht genügend Kapital für eine Gründungs- oder Wachstumsfinanzierung von ihrer Bank erhalten. Zusätzlich zum Startkapital hat Crowdinvesting einen sehr positiven Effekt auf den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens. Durch das Teilen einer Geschäftsidee seitens der Gründer und der Crowd erhöht sich der Bekanntheitsgrad im Web und der Unternehmer erhält ferner wertvolles Feedback zu seiner Geschäftsidee. Auch Kleininvestoren bietet sich durch das Crowdinvesting die Möglichkeit von einer hohen Rendite durch Gründungs- und Wachstumsinvestments zu profitieren und somit eine Alternative zu klassischen Anlagemethoden (vgl. Carstens und Schramm, 2014, S.7; Sixt, 2014, S. 129 f).

2.4.3 Crowdlending

Crowdlending wird auch als lending-based Crowdfunding (deutsch: kreditbasierte Schwarmfinanzierung) bezeichnet. Auch der Begriff peer-to-peer (deutsch: von Privatperson zu Privatperson) wird häufig verwendet, wobei beim P2P Lending Privatpersonen Kredite für private Zwecke und beim P2C Lending Privatpersonen Kredite an Unternehmen gewähren.

Das Prinzip ist ähnlich dem der anderen Crowdfunding Arten. Der Kapitalsuchende tritt mit seinem Kreditwunsch an eine Crowdlending Plattform heran und beschreibt den entsprechenden Verwendungszweck. Die Plattform führt anschließend eine eigene Bonitätsprüfung des potenziellen Kreditnehmers durch. Dabei nutzt sie zum einen Daten von externen Anbietern und zum anderen die zur Verfügung gestellten Daten der Kapitalsuchenden. In Abhängigkeit von der Bonität und der Laufzeit des Darlehens wird durch die Plattform ein Zinssatz festgelegt und das Kreditprojekt auf einem digitalen Marktplatz online gestellt. Die potenziellen Geldgeber entscheiden nun, ob sie den Umzug, das neue Auto oder die Umschuldung eines Kapitalsuchenden finanzieren wollen und in wie viele unterschiedliche Projekte sie ihr Kapital streuen. Kommen nicht ausreichend finanzielle Mittel seitens der Anleger zusammen, wird das Projekt abgebrochen und der Kredit nicht ausgezahlt.

Die Investoren erhalten zum einen eine Guthabenverzinsung, die eine Verzinsung von klassischen Sparprodukten bei weitem übersteigt und müssen zum anderen eine Gebühr je nach Höhe des Kapitaleinsatzes an die Crowdlending Plattform bezahlen. Die Geldnehmer zahlen in Abhängigkeit von ihrer Bonität und Laufzeit des Darlehens Kreditzinsen zuzüglich einer Bearbeitungs- und Kontoführungsgebühr an die Plattform.

Aufgrund geringerer administrativer Kosten, beispielsweise durch ein fehlendes Filialnetz, können Crowdlending Plattformen auch Kredite mit deutlich geringeren Summen vermitteln, die sich für klassische Banken nicht lohnen würden (vgl. Sixt, 2014, S. 147-149).

Alle weiterführenden Ausführungen dieser Bachelorarbeit befassen sich mit der Finanzierungsform Crowdlending im privaten peer-to-peer Geschäft.

2.5 Crowdlending Plattformen in Deutschland

Seit der Gründung der ersten Crowdlending Plattform im Jahr 2005 hat sich weltweit eine unübersichtliche Menge an Online-Kreditplattformen entwickelt. Größter und ältester Anbieter in Europa ist die Plattform Zopa aus Großbritannien. Seit ihrer Gründung hat Zopa über 3,81 Milliarden Pfund (rund 4,3 Mrd. EUR) an Krediten vermittelt (Stand: November 2018; vgl. Zopa, 2018). Die weltweit größten Anbieter im Crowdlending Geschäft sind die amerikanischen Plattformen Prosper und Lending Club. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 hat Prosper mehr als 13 Milliarden US$ (rund 11,5 Mrd. EUR) finanziert (Stand: November 2018; vgl. Prosper, 2018). Im Lending Club steigt die Zahl mittlerweile auf 42 Milliarden US$ (rund 37 Mrd. EUR; vgl. Lendingclub, 2018).

Der Crowdlending Markt in Deutschland entwickelte sich langsamer als die entsprechenden Märkte in den USA und in Großbritannien. In Deutschland wurde im Jahr 2007 die erste Plattform eLolly gegründet, die mittlerweile ihren Betrieb eingestellt hat. Mit auxmoney und Smava kamen im gleichen Jahr ebenfalls zwei neue deutsche Online-Kreditplattformen auf den Markt. Nachdem Smava anfangs ein schnelles Wachstum und die deutliche Marktführung auf sich vereinen konnte, haben die Geschäftsführer festgestellt, dass mit P2P-Krediten nur ein kleiner Teil des Marktes erreicht wird: Selbstständige, Rentner und Personen, die es bei der Bank schwer haben. Das reichte den Gründern von Smava nicht aus. Inzwischen hat Smava sein Geschäftsmodell geändert und konzentriert sich heute vorrangig auf einen Kreditvergleich von klassischen Bankkrediten, ähnlich dem Geschäftsmodell von check24 (vgl. Dorfleitner et al., 2016, S. 32 f).

Erst 2013 stieß mit Lendico die erste Plattform auf den deutschen Markt, die sich auf Unternehmenskredite spezialisiert hatte. Gefolgt von Zencap, Crosslend, Kapilendo sowie Bergfürst. Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung wurde die Plattform Zencap wiederum vom britischen Riesen Funding Circle übernommen (vgl. Dorfleitner et al., 2016, S. 32).

Zudem sind in Deutschland zahlreiche ausländische Plattformen aktiv, die zwar außerhalb Deutschlands sehr erfolgreich sind, jedoch innerhalb Deutschlands nie richtig Fuß gefasst haben.

Auch die Social Lending App Lendstar wird unter dem Geschäftszweig Crowdlending geführt. Mit Lendstar ist es möglich, Geld an Freunde zu überweisen und einzufordern, sich von Freunden und Bekannten Geld zu leihen oder auch gemeinsam für einen bestimmten Zweck Geld zu sammeln (vgl. Lendstar, 2018).

Beim kreditbasierten privaten Crowdfunding hat sich folglich in den vergangenen Jahren aufgrund hoher Fluktuation ein eindeutiger Marktführer entwickelt: auxmoney ist nach eigenen Angaben Marktführer in Kontinentaleuropa im peer-to-peer Geschäftsfeld. Zusätzlich zu den Privatpersonen investieren mittlerweile auch institutionelle Anleger auf auxmoney (vgl. Schneider, 2018). „auxmoney leistet einen immer größeren Beitrag zur Kreditversorgung in Deutschland. Mit einer Milliarde Euro haben wir Kredite für über hunderttausend Menschen ermöglicht. Die zweite Milliarde haben wir bereits fest im Visier, wir planen diese bis Ende nächsten Jahres erreicht zu haben“, berichtet auxmoney CEO Raffael Johnen im August 2018.

[...]


1 Die US-amerikanische Billion entspricht einer deutschen Milliarde.

2 „Als Kombination aus den Worten „Financial Services“ und „Technology“ versteht man unter Fintechs gemeinhin junge Unternehmen, die mit Hilfe technologiebasierter Systeme spezialisierte und besonders kundenorientierte Finanzdienstleistungen anbieten.“ (BaFin, 2018a) Die derzeit am häufigsten auftretenden Geschäftsmodelle sind bspw. alternative Bezahlverfahren, automatisierte Finanzportfolioverwaltung und Anlageberatung, Blockchain-Technologie, Crowdfunding und virtuelle Währung (vgl. BaFin, 2018a)

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Crowdlending. Private Kreditnehmer auf Crowdlending-Plattformen vs. Kreditnehmer klassischer Banken
Autor
Jahr
2019
Seiten
81
Katalognummer
V469349
ISBN (eBook)
9783964870667
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdlending, Crowdfunding, Kreditnehmer, Darlehensnehmer, klassische Banken, Crowdlending-Plattformen, Crowdfunding-Plattformen, Banken, Betriebswirtschaft, peer-to-peer, P2P, Kreditplattform, auxmoney, peer-to-business, P2B
Arbeit zitieren
Luisa Poelzl (Autor), 2019, Crowdlending. Private Kreditnehmer auf Crowdlending-Plattformen vs. Kreditnehmer klassischer Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469349

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