Erfolgs- und Vermögensabgrenzung bei Betriebsstätten


Hausarbeit, 2019
40 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Gewinnabgrenzung
2.2 Definition der Betriebsstätte nach § 12 AO und § 13 AO
2.3 Definition der Betriebsstätte nach Art. 5 OECD-MA

3 Rechtsgrundlagen

4 Betriebsstättenbuchführung

5 Gewinnabgrenzung
5.1 Notwendigkeit der Gewinnabgrenzung
5.2 Direkte und indirekte Methode

6 Gewinnabgrenzung nach dem zweistufigen Verfahren
6.1 Funktionszuordnung
6.1.1 Zuordnung von Personalfunktionen
6.1.2 Zuordnung materieller Wirtschaftsgüter
6.1.3 Zuordnung immaterieller Wirtschaftsgüter
6.1.4 Zuordnung von Beteiligungen, Finanzanlagen und ähnlichen
Vermögenswerten
6.1.5 Zuordnung von sonstigen Vermögenswerten
6.1.6 Zuordnung von Geschäftsvorfällen
6.1.7 Zuordnung von Chancen und Risiken
6.1.8 Zuordnung von Sicherungsgeschäften
6.1.9 Zuordnung von Dotationskapital
6.1.10 Zuordnung übriger Passivposten
6.1.11 Zuordnung von Finanzierungsaufwendungen

7 Anzunehmende schuldrechtliche Beziehungen
7.1 Bewertung der anzunehmenden schuldrechtlichen Beziehungen

8 Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Zuge der Globalisierung erlangt die grenzüberschreitende Arbeitsteilung immer größere Bedeutung.1 Unternehmen beschränken ihre Aktivitäten nicht mehr nur auf den Heimatmarkt, sondern sind über die Landesgrenzen hinaus aktiv. Um kostengünstig international tätig zu sein, ist für viele Unternehmen die Eröffnung einer ausländischen Betriebsstätte ein wichtiger Schritt. Dadurch können Transportkosten gesenkt und Kommunikationsbarrieren und -kosten vermieden werden. Dies kann für Unternehmen einerseits einen deutlichen Wettbewerbsvorteil schaffen2 und ist andererseits einer der Gründe dafür, dass deutsche Unternehmen in ausländische Märkte expandieren und umgekehrt ausländische Unternehmen in Deutschland aktiv werden.

Das oberste Ziel von Unternehmen ist die Gewinnmaximierung. Die Erreichung dieses Ziels hängt dabei unter anderem von steuerlichen Faktoren ab, da der Steueraufwand eine negative Wirkung auf den Gewinn hat. Für international tätige Unternehmen, die beispielsweise eine Betriebsstätte besitzen, ist ein wichtiger Punkt die Betrachtung der Doppelbesteuerung und die Minimierung der Steuerbelastung.3 Die Unternehmen sind in beiden Staaten aktiv und nutzen die Ressourcen des jeweiligen Staates. Dies führt dazu, dass beide Staaten ein Recht auf die Besteuerung eines Teils des Unternehmensgewinns haben. Für die Bestimmung der Höhe des jeweiligen Besteuerungsanteils ist die Betriebsstättengewinnabgrenzung notwendig.4

Die Steuerhoheiten wollen die Doppelbesteuerung vermeiden, um ihrem Ziel, die Wettbewerbsverzerrung zu mindern, näher zu kommen. Aus diesem Grund müssen sich Unternehmen mit häufigen Gesetzesänderungen, Verwaltungserlassen und Gerichtsentscheidungen auseinandersetzen.5 Im Rahmen dieser Arbeit wird erläutert, wie die Zuordnung des Unternehmensgewinns zwischen Stammhaus und Betriebsstätte nach dem innerstaatlichen Recht vorgenommen wird.

Im folgenden Kapitel 2 werden die Begriffe Gewinnabgrenzung und Betriebsstätte definiert. Darauf folgt die Erläuterung der Rechtsgrundlagen (Kap. 3) und der Be-triebsstättenbuchführung (Kap. 4). In Kapitel 5 wird die Notwendigkeit der Gewinnabgrenzung erläutert und die direkte und indirekte Methode der Gewinnermittlung vorgestellt. Kapitel 6 beinhaltet die Ausführungen zur Zuordnung der Personalfunktion, den materiellen und immateriellen Wirtschaftsgütern, Beteiligungen, Finanzanlagen, ähnlichen Vermögenswerten, sonstigen Vermögenswerten, Geschäftsvorfällen, Chancen und Risiken, Sicherungsgeschäften, Dotationskapital, übrigen Passivposten und Finanzaufwendungen. Danach folgt in Kapitel 7 die Definition der anzunehmenden schuldrechtlichen Beziehungen. In Kapitel 8 wird abschließend eine Schlussbemerkung eingebracht.

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Gewinnabgrenzung

Bei der Gewinnabgrenzung werden das nationale Steuerrecht und das Doppelbesteuerungsrecht angewendet, um eine Abgrenzung des Vermögens und des Gewinns aus inund ausländischen Betriebsstätten unter Berücksichtigung des Fremdvergleichsgrundsatzes zu erzielen. Die erstellte Bilanz und die GuV für das Einheitsunternehmen werden bei der Gewinnabgrenzung zwischen der Betriebsstätte und dem Stammhaus aufgeteilt. Die Zuweisung des Gewinns und Vermögens kann ebenfalls durch eine Bilanz der Betriebsstätten und eine GuV vorgenommen werden. Rücksicht muss dabei auf die Fragen in Verbindung mit der Gewinnabgrenzung genommen werden, welche die Zuordnung der Wirtschaftsgüter und Schulden und die Zurechnung von Erträgen und Aufwendungen beinhalten.6

2.2 Definition der Betriebsstätte nach § 12 AO und § 13 AO

Generell lässt sich festhalten, dass es sich bei einer Betriebsstätte um eine steuerlich teilselbständige Einheit handelt. Die Betriebsstätte hat Anknüpfungspunkte an ein international tätiges Unternehmen.7 Durch die Betriebsstätte werden Ressourcen wie Kapital und Personal im Ausland gebunden.8 Der Betriebsstättenbegriff ist im nationalen Steuerrecht in § 12 AO definiert. Gemäß § 12 S. 1 AO ist eine Betriebsstätte „jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient".9 Weitere zu betrachtende Merkmale sind die Dauer10 der Geschäftseinrichtung, die Tatsache, ob diese betriebseigen ist oder nicht, und die dauerhafte Verfügungsmacht des Unternehmers.

Unter § 12 S. 2 AO ist ein Positivkatalog aufgeführt, in dem aufgelistet wird, bei welcher Geschäftseinrichtung es sich um eine Betriebsstätte handelt.11 Zu beachten ist, dass der Katalog nur beispielhaft ist und eine Einzelfallbetrachtung stattfinden sollte.12 § 12 S. 2 Nr. 8 AO veranschaulicht, dass nicht alle Tatbestandsmerkmale des S. 1 erfüllt werden müssen. Bei einer Bauausführung und Montage wird keine feste Anlage oder Geschäftseinrichtung vorausgesetzt.13 Sie sind meist nur für einen begrenzten Zeitraum vorhanden. Bauausführungen und Montagetätigkeiten begründen nach 6 Monaten eine Betriebsstätte.14 Hintergrund ist, dass eine Betriebsstätte erst mit Erreichung einer bestimmten Höhe der wirtschaftlichen Aktivität entsteht und damit auch erst das Besteuerungsrecht des Quellenstaates greift.

Der Begriff des ständigen Vertreters ist in § 13 AO definiert und wird i. d. R. im Zusammenhang mit § 12 AO genannt: „Ständiger Vertreter ist eine Person, die nachhaltig die Geschäfte eines Unternehmens besorgt und dabei dessen Sachweisungen unterliegt“.15 In S. 2 werden nochmal die Nachhaltigkeit herausgestellt und Beispiele genannt, wie z. B. der Abschluss von Verträgen oder die Vermittlung und Einholung von Aufträgen. Damit die Einrichtung den Status der Nachhaltigkeit erreicht, muss die Unternehmung langfristig angelegt sein.16

2.3 Definition der Betriebsstätte nach Art. 5 OECD-MA

Der im OECD-Musterabkommen definierte Betriebsstättenbegriff dient dazu, festzulegen, ob das Besteuerungsrecht beim Quellenoder Wohnsitzstaat liegt. In Art. 5 des OECD-MA wird der Betriebsstättenbegriff ebenfalls definiert. Die Definition im OECD-MA unterscheidet sich dabei zum Teil von der Definition in § 12 AO.17 Eine Betriebsstätte wird darin als „eine feste Geschäftseinrichtung, durch die die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird“ bestimmt.18 Das heißt, dass es für die Geschäftseinrichtung mit Ausübung von betrieblichen Handlungen nicht ausreichend ist, nur eine Vermietung oder Verpachtung zu betreiben, um eine Betriebsstätte zu errichten.19

Eine Betriebsstätte besteht erst dann, wenn Räumlichkeiten errichtet oder maschinelle Anlagen oder Ausrüstungen in Betrieb genommen werden. Zu den Voraussetzungen für eine Betriebsstätte gehört außerdem, dass sie fest ist. Dies impliziert, dass sie sich für einen bestimmten Zeitraum an einem bestimmten Ort befindet.20 Abs. 2 umfasst ebenfalls eine exemplarische Nennung von Betriebsstätten, welche die Tatbestandsmerkmale des Abs. 1 erfüllen. Aufgezählt werden:

„a) ein[…] Ort der Leitung,
b) eine Zweigniederlassung,
c) eine Geschäftsstelle,
d) eine Fabrikationsstätte,
e) eine Werkstätte,
f) ein Bergwerk, ein Öloder Gasvorkommen, ein […] Steinbruch oder eine andere Stätte der Ausbeutung von Bodenschätzen“.21

Bei der Definition im Bereich der Bauausführung oder Montage liegt der erste Unterschied zu § 12 AO. Laut Art. 5 Abs. 3 wird eine Betriebsstätte in diesem Bereich erst dann begründet, wenn der Zeitraum 12 Monate überschreitet. Die Betriebsstätte besteht auch, wenn die Merkmale des Abs. 1 nicht erfüllt sind. Abweichungen zum Musterabkommen sind regelmäßig bei Entwicklungsund Schwellenländern vorhanden. Durch eine kürzere Frist, die i. d. R. bei sechs oder neun Monaten liegt, können diese Länder die Betriebsstätten früher besteuern. Deutschland hat beispielsweise eine sechsmonatige Frist mit Zypern, Singapur oder Bangladesch vereinbart.22

Unter Art. 5 Abs. 4 OECD-MA sind Geschäftseinrichtungen aufgeführt, die keine Betriebsstätte begründen. Dazu zählen beispielsweise Einrichtungen und Bestände, „die ausschließlich zur Lagerung, Ausstellung oder Auslieferung von Gütern oder Waren des Unternehmens benutzt werden“23. Art. 5 Abs. 4 OECD-MA fasst Tätigkeiten zusammen, bei denen es schwerfällt, einen Gewinn zu ermitteln. Darunter fallen Geschäftseinrichtungen, die nur Material einkaufen, Informationen beschaffen oder ausschließlich für andere Unternehmen tätig sind.24

Hier lässt sich ein weiterer Unterschied zu § 12 S. 2 AO erkennen, da dort Warenlager und Einoder Verkaufsstellen als Betriebsstätte verstanden werden. In Art. 5 Abs. 5 OECD-MA ist geregelt, dass ein abhängiger Vertreter eine fiktive Betriebsstätte darstellt. Dies ist der Fall, wenn der Vertreter eine Vollmacht besitzt und im Namen des Unternehmens Verträge abschließen kann. Voraussetzung dafür ist, dass die Vollmacht gewöhnlich im anderen Staat ausgeübt wird. Davon kann nur abgewichen werden, wenn sich die Tätigkeiten des Vertreters auf Hilfsund Nebentätigkeiten beschränken, welche nach Art. 5 Abs. 4 OECD-MA keine Betriebsstätte begründen.25

Laut Abs. 6 wird von unabhängigen Vertretern keine Betriebsstätte begründet. Ein Vertreter ist unabhängig, wenn er rechtlich und wirtschaftlich selbständig ist und keinen Weisungen des Geschäftsherrn unterliegt. Außerdem sollten die Tätigkeiten im Zusammenhang mit der ordentlichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens stehen. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird Abs. 5 angewandt.26 In Art. 5 Abs. 7 OECD-MA ist eine Anti-Organ-Klausel enthalten, welche besagt, dass bei einem Beherrschungsverhältnis gegenüber einer Gesellschaft keine der beiden Gesellschaften des Beherrschungsverhältnisses eine Betriebsstätte begründet.

Zur generellen Prüfreihenfolge ist zu sagen, dass erst die Abs. 1 bis 4 und danach erst die Abs. 5 und 6 zu prüfen sind.

3 Rechtsgrundlagen

Die Umsetzung des „Authorized OECD Approach“ hat im deutschen Recht zur Einführung des Fremdvergleichs in Bezug auf Betriebsstätten geführt.27 Bis zur Einführung des Fremdvergleichs wurde die Gewinnabgrenzung mithilfe des Veranlassungsprinzips durchgeführt. Die Verwendung des Fremdvergleichsgrundsatzes verlangt eine angemessene Zuordnung der Personalfunktionen, der Vermögenswerte, der Chancen und der Risiken des Unternehmens zum Stammhaus sowie zusätzlich ein angemessenes Dotationskapital.

Wie dies zugeordnet wird, ist in der Betriebsstättengewinnaufteilungsverordnung (BsGaV) erläutert. Zu den Inhalten der BsGaV gehören allgemeine Lösungen für das produzierende Gewerbe, den Handel und Dienstleistungen. Außerdem sind Besonderheiten für Bankbetriebsstätten, Versicherungsbetriebsstätten, Bauund Montagebetriebsstätten, Förderbetriebsstätten und ständige Vertreter enthalten. Wichtig für den Fremdvergleichsgrundsatz ist die Erläuterung über die anzunehmenden schuldrechtlichen Beziehungen. Bei der Gewinnabgrenzung inbegriffen ist zudem die Ausführung über die Aufstellung einer Hilfsund Nebenrechnung.28

Regelungen in einem Abkommen, die dem BsGaV widersprechen, werden nur dann angewendet, wenn der Steuerpflichtige nachweisen kann, dass die Regelungen des anderen Staates angewendet werden und es zu einer Doppelbesteuerung käme, wenn die BsGaV angewendet würde.29 Angewendet wird die BsGaV nicht, wenn die Gewinnabgrenzung von rein nationalen Betriebsstätten durchgeführt werden soll.30

4 Betriebsstättenbuchführung

Nach dem Abkommensrecht ist die Ermittlung der Einkünfte i. d. R. dem innerstaatlichen Recht vorbehalten.31 Die Vorschriften des jeweiligen nationalen Rechts sind zu befolgen. Im ersten Schritt bestimmt dies, ob eine Buchführung erstellt werden muss und welchen Umfang sie hat. Einzelkaufleute, Personengesellschaften und Kapitalgesellschafften haben ihre Einkünfte auch für ausländische Betriebsstätten zu ermitteln.32

Die Betriebsstätte hat normalerweise eine eigene Buchführung zu führen.33 Die Bücher und Aufzeichnungen für die ausländischen Betriebsstätten müssen nach § 146 Abs. 2 S. 1 AO im Inland geführt werden. Dies kann eingeschränkt werden, wenn das ausländische Recht vorschreibt, dass die Bücher und Aufzeichnungen im Ausland geführt werden müssen. Wenn dies der Fall ist, müssen die Bücher und Aufzeichnungen auf Anfrage der inländischen Finanzbehörde vorgelegt werden. Allerdings kann dies vom ausländischen Recht verboten werden. § 146 Abs. 2 AO besagt, dass es für das Stammhaus ausreicht, wenn die Betriebsstätte ihre Buchführung nach den Vorschriften des Betriebsstättenstaates erstellt und das Ergebnis in die Buchführung des Stammhauses übernommen wird. Wenn die Vorschriften von den deutschen Vorschriften abweichen, wird das Buchführungsergebnis übernommen und an die Vorschriften des deutschen Steuerrechts angepasst.

Eine Betriebsstätte hat mit Beginn des Wirtschaftsjahres eine Hilfsund Nebenrechnung zu erstellen, welche für die Einkünftekorrektur zuständig ist.34 Im Laufe des Jahres muss diese fortgeschrieben und mit Ende des Wirtschaftsjahres abgeschlossen werden.35 Spätestens ist sie zur Abgabe der Steuererklärung fertigzustellen. Die Hilfsund Nebenrechnung wird bei einer Außenprüfung als Verrechnungspreisdokumentation verwendet. Zum ersten Mal wird die Hilfsund Nebenrechnung erstellt, wenn eine Betriebsstätte gegründet wird.36

Wenn sich erst im Nachhinein zeigt, dass eine Betriebsstätte gegründet wurde, muss die Hilfsund Nebenrechnung nachträglich erstellt werden. Hierbei kann auch eine Schätzung vorgenommen werden.37 Bei der ersten Erstellung sind die Vermögenswerte und Passivposten auszuweisen, die nun der Betriebsstätte zuzuordnen sind. Der Vorgang kann bei einem inländischen Stammhaus zu einer Gewinnrealisierung durch die ausländische Betriebsstätte führen. Wenn es zur Beendigung der Betriebsstätte kommt, wird von einer fiktiven Veräußerung der Vermögenswerte und Passivposten nach § 16 Abs. 1 Nr. 1 BsGaV ausgegangen.38 Diese Auflage müssen inländische Unternehmen für jede ausländische Betriebsstätte und ausländische Unternehmen für inländische Betriebsstätten erfüllen. Alle für die Gewinnabgrenzung notwendigen Faktoren müssen in der Hilfsund Nebenrechnung enthalten sein.

Die Hilfsund Nebenrechnung ist nicht in der Buchführung enthalten. Allerdings kann sie die Buchführung übernehmen oder die Buchführung kann aus der Hilfsund Nebenrechnung abgeleitet werden. Die Hilfsund Nebenrechnung ist nur aus steuerlichen Gründen zu führen und dient der Besteuerungsgrundlage, weshalb sie Informationen über die Vermögenswerte, das Dotationskapital und die übrigen Passiva enthalten muss.39 Außerdem sind Angaben über die zuzuordnenden Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen samt der fiktiven Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen infolge der anzunehmenden schuldrechtlichen Beziehungen enthalten. Zudem sollte die Dokumentation nach § 9 Abs. 3 AO die Gründe beinhalten, warum die Wirtschaftsgüter, Geschäftsvorfälle, Chancen und Risiken der Sicherungsgeschäfte und anzunehmende schuldrechtliche Beziehungen der Betriebsstätte so zugeordnet wurden.40

Stammhaus und Betriebsstätte haben oftmals unterschiedliche Währungen. Nach § 244 HGB und § 5 Abs. 1 EStG muss der Bilanzausweis in Euro erfolgen.41 Es gibt dabei zwei Verfahren um das Betriebsstättenergebnis umzurechnen.42 Beim Zeitbezugsverfahren wird die gesamte Betriebsstättenbuchführung in die inländische Währung umgerechnet. Der Vorteil ist hierbei, dass das Ergebnis sehr genau ist. Allerdings muss für dieses Verfahren noch eine zweite Buchführung erstellt werden, was wiederum zeitund kostenintensiv ist. Neben dem Zeitbezugsverfahren existiert auch noch das Stichtagsverfahren. Hierbei werden die einzelnen Positionen zum Kurs des Bilanzstichtags oder zum Jahresdurchschnittskurs in die inländische Währung umgerechnet. Der Vorteil ist hier der geringere Arbeitsaufwand. Da der Kurs zum Bilanzstichtag vom Kurs abweichen kann, zu dem der Geschäftsvorfall stattfand, ist das Ergebnis jedoch ungenauer. Das Stichtagsverfahren wird nur zugelassen, wenn keine immensen Abweichungen entstehen. Demnach darf die ausländische Währung gegenüber der inländischen Währung quasi keine Schwankungen aufweisen.43

[...]


1 Vgl. Watrin, C.: Internationales Steuerrecht, 2016, S. 24.

2 Vgl. B roemel, K.: Steuerplanung bei internationaler Forschung und Entwicklung, 2016, S. 1.

3 Vgl. Lühn, A.: Quantitative internationale Konzernsteuerplanung, 2009, S. 17.

4 Vgl. Mödinger, J.: Internationale Erfolgsund Vermögensabgrenzung zwischen Stammhaus und Betriebsstätte nach der Neufassung des Art. 7 OECD-MA, 2012, S. 52.

5 Vgl. Höhn, N; Höring, J.: Das Steuerrecht international agierender Unternehmen, 2010, S. 25.

6 Vgl. Andresen, U. in Wassermeyer, F; Andresen U.; Ditz X.: Betriebsstätten Handbuch, 2018, 4.4–4.5.

7 Vgl. Jacobs, O. H.: Internationale Unternehmensbesteuerung, 2016, S. 865–868.

8 Vgl. Brähler, G.: Internationales Steuerrecht, 2014, S. 221.

9 § 12 S. 1 AO; BFH v. 10.02.1988, BStBl. II 1988.

10 BFH v. 13.09.2000, BStBl II 2001, 734; BFH v. 16.05.2001, BStBl II 2002,846.

11 Vgl. Kruse, H. in Tipke, K.; Kruse H.: Abgabenordnung – Finanzgerichtsordnung: AO, FGO, 2018, § 12 AO, Rn. 32.

12 Vgl. Höhn, N; Höring, J.: Das Steuerrecht international agierender Unternehmen, 2010, S. 86.

13 Vgl. § 12 S. 1 AO.

14 Vgl. B rähler, G.: Internationales Steuerrecht, 2014, S. 221.

15 § 13 AO.

16 Vgl. Hübschmann, W. in Hübschmann, W.; Hepp, E.; Spitaler, A.: Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, 1981, Rn. 9.

17 Vgl. Grotherr, S., Endert, V. in Lüdicke, J.;Mössner, J.; Hummel, l.: Das Steuerrecht der Unternehmen – Festschrift für Gerrit Frotscher zum 70. Geburtstag.

18 Art. 5 OECD-MA.

19 Vgl. Looks, C; Heinsen, O.: Betriebsstättenbesteuerung, 2017, Rn. 141.

20 Vgl. Brähler, G.: Internationales Steuerrecht, 2014, S. 147.

21 Vgl. Art. 5 Abs. 2 OECD-MA.

22 Vgl. Brähler, G.: Internationales Steuerrecht, 2014, S. 148.

23 Art. 5 Abs. 4 OECD-MA.

24 Art. 5 Abs. 4 OECD-MA.

25 Vgl. Frotscher, G.: Internationales Steuerrecht, 2015, Rn.417.

26 Vgl. B rähler, G.: Internationales Steuerrecht, 2014, S. 147–150.

27 Vgl. Ditz, X; Qilitzsch, C.: Die Änderungen im AStG durch das AmtshilfeRLUmsG – Quo vadis Außensteuergesetz?, in: Internationale Steuer-Rundschau, Heft 37, 2013, S. 1917.

28 Vgl. Jacobs, O. H.: Internationale Unternehmensbesteuerung, 2016, S. 780.

29 Vgl. Andresen, U; Busch, O.: Betriebsstätteneinkünfteabgrenzung, in: Die Unternehmensbesteuerung, Heft 5, 2012, S. 451–458; § 1 Abs. 5 AStG.

30 Vgl. Jacobs, O. H.: Internationale Unternehmensbesteuerung, 2016, S. 780.

31 BFH v. 09.11.1988 – IR 335/83, BStBl. II 1989, 510; BFH v. 22.05.1991 – IR 32/90 BStBl. II 1992, 94; BFH v. 17.07.2008 – IR 77/06 BStBlII 2009, 464.

32 Vgl. Schaumburg, H.: Internationales Steuerrecht, 2017, Rn. 21.25.

33 Vgl. Frotscher, G.: Internationales Steuerrecht, 2015, Rn. 529–533.

34 Vgl. Schaumburg, H.: Internationales Steuerrecht, 2017, Rn. 21.26–21.31.

35 Vgl. § 3 BsGaV.

36 Vgl. § 3 Abs. 4 S. 1 BsGaV.

37 Vgl. § 162 AO.

38 Vgl. S chaumburg, H.: Internationales Steuerrecht, 2017, Rn. 21.33–21.34.

39 BMF v. 22.12.2016 IV B 5 S 1341/12/10001-03 BStBl 2017 I S. 182.

40 Vgl. Frotscher, G.: Internationales Steuerrecht, 2015, Rn. 529–533.

41 Vgl. S chaumburg, H.: Internationales Steuerrecht, 2017, Rn. 21.27.

42 Vgl. § 244 HGB.

43 Vgl. Frotscher, G.: Internationales Steuerrecht, 2015, Rn. 534.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Erfolgs- und Vermögensabgrenzung bei Betriebsstätten
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
40
Katalognummer
V484040
ISBN (eBook)
9783668966086
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuern, Betriebsstätte, Master Taxation, Erfolgs- und Vermögensabgrenzung, Gewinnabgrenzung
Arbeit zitieren
Anna Schönknecht (Autor), 2019, Erfolgs- und Vermögensabgrenzung bei Betriebsstätten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/484040

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erfolgs- und Vermögensabgrenzung bei Betriebsstätten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden