Konfliktmanagement im Kosovo-Serbien-Konflikt. Die Rolle der Europäischen Union als Mediatorin


Seminararbeit, 2016
39 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Konflikt? Eine Übersicht
2.1. Eine Konfliktdefinition (Begriffserklärung)
2.2. Ursachen und Erklärungen von Konflikten

3. Konfliktmanagement als Verfahren mit dem Ziel der Konfliktbe-hebung
3.1. Ziele des Konfliktmanagements
3.2. Angewandte Mediation als Maßnahme im Rahmen des Konfliktmanagements zur Konfliktlösung in internationalen Beziehungen
3.2.1. Strategien im Rahmen der Mediation als Konfliktlösungsmaßnahmen

4. Hintergründe und Ereignisse des Kosovo-Serbien-Konflikts: Ein kurzer historischer Rückblick
4.1. Die Ära Milošević und die von ihm geprägte serbisch-nationalistische Ideologie
4.2. Die Entstehung der Republik Kosovo und der gewaltfreie Widerstand unter Ibrahim Rugova
4.3. Der Aufstieg der UÇK, die Eskalation des bewaffneten Konflikts und die NATO-Intervention

5. Die Europäische Union als fähige Mediatorin in diesem Konflikt?
5.1. KSZE-Langzeitmissionen nach Kosovo, Sandžak und Vojvodina
5.2. Ein erster Ansatz für eine Regionalstrategie: Das Daytoner Friedensab-kommen und der Royaumont-Prozess
5.3. Der Stabilitätspakt von 1999: „Friede durch Integration“
5.4. Der Ahtisaari-Plan und die Kosovo-Troika
5.5. Maßnahmen/Förderung des state-building im Kosovo - die EU als internationale Geber-Gemeinschaft: EULEX
5.6. Fortschrittliche Europäisierungsmaßnahmen als zentrales Element der Mediation

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Kriegerische Auseinandersetzungen zwischenstaatlicher Natur, aber auch innerhalb von Staatsgrenzen zwischen ethnischen Gruppen prägen seit jeher die Historie und endeten für alle beteiligten Parteien verlustreich, in personeller als auch materieller Hinsicht.

Die Erkenntnis über die fortlaufende Gefährdung von Kriegsführungen und ihrer Konsequenzen sowie die Akkumulation derselbigen, führte im 20. und 21. Jahrhundert dazu, dass eine Vielzahl multilateraler Allianzen und Bündnisse zwischen Staaten geschlossen und sich durch das gemeinsame Interesse am Erhalt der neu gewonnenen Konfliktbearbeitungsmöglichkeiten bis heute perpetuieren konnten. Durch ein dichtes Netz kontinuierlicher und institutionalisierter Kooperationen und der Integration, gelang es zunehmend, Sicherheit und Schutz zu gewährleisten.1

Das Fundament zur Gründung der Europäischen Union, legten der französische Politiker Jean Monnet und Robert Schuman, der seinerseits französischer Außenminister war. In dem Aufbau der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (kurz: EGKS) sahen ihre Initiatoren die Chance nach zwei Weltkriegen auf europäischen Boden, eine Friedensordnung mitunter durch die Schaffung von Interdependenzen zu etablieren. Im Fokus stand insbesondere die Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen. Somit wurde der Schaffungsprozess für die erste supranationale Organisation in Europa realisiert.2

Heute hat sich die Europäische Union mehrfach weiterentwickelt und vergrößert. Auch ihr Aufgabenspektrum erstreckt sich in viele politische, ökonomische sowie gesellschaftlich-kulturelle und kulturelle Felder. Verantwortlichkeiten, die einst vorwiegend die Vereinten Nationen übernommen haben, entfallen mittlerweile auf die Europäische Union aufgrund ihres Machtzuwachses und ihres positiv bewerteten Status in der Staatengemeinschaft.

Exemplarisch hierfür steht die EU-Mediation in den Kriegen nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawiens. Die Wirtschaftskrise der 1980er Jahre, aber auch die ethnischen Konflikte sowie nationalistische Leitgedanken nahmen zu, wodurch die Sezession Jugoslawiens vorangetrieben wurde. Die postjugoslawischen Staaten wurden abgesehen von einer Systemtransformation, welche nahezu alle postsozialistischen Länder nach dem Umbruch 1989 absolvieren mussten, mit den Folgen etlicher Kriege auf dem Territorium Ex-Jugoslawiens konfrontiert, die mit dem Prozess des „nation-building“ einhergingen. Besonders die Kosovo-Albaner litten unter der Apartheid-Politik des einstigen serbischen Präsidenten Slobodan Milošević, der 1989 in einer staatsstreichähnlichen Aktion den Autonomiestatus des Kosovo aufhob und eine Politik der Unterdrückung und Gewalt verfolgte.3

Spätestens nach dem Kosovo-Krieg von 1999, in dem sich UÇK-Kämpfer und serbische Militäreinheiten heftigste Gefechte lieferten und in Folge dessen hunderttausende Kosovaren die Flucht ergriffen, nahm die Europäische Union eine zentrale Vermittlungsrolle ein. Das Eingreifen der NATO mittels Luftangriffe führte zwar zu einer zweckmäßigen Interruption der Auseinandersetzungen, geriet jedoch international in die Kritik, da sie wiederum zur Flucht abermals tausender Kosovo-Albaner beitrug.4 Ursächlich für den Konflikt ist das symbolträchtige Territorium des Kosovo, auf dem die Schlacht auf dem Amselfeld (serbisch: Kosovo polje) im Juni 1389 zwischen den Osmanen und den Serben, die vom Fürsten Lazar angeführt wurden, stattgefunden haben soll. Die Schlacht endete mit einer Niederlage für die Serben und der nahezu ausnahmslosen Ausrottung des serbischen Adels, weshalb dies als eines der prägendsten Ereignisse der serbischen Historie gilt und das Interesse Serbiens am Kosovo erklären soll.5

Ziel dieser Arbeit soll eine Untersuchung des Kosovo-Serbien-Konflikts einhergehend mit einer Analyse der Mediatorinrolle der Europäischen Union sein. Hierzu ist zunächst eine Explikation des Konfliktbegriffes von Belang für das weitere Verständnis im Verlauf der Arbeit. Zusammenhängend mit der Konfliktdefinition findet eine simplifizierte, kurze Skizzierung von Konfliktursachen- und erklärungen statt, um darauf aufbauend, in einem zweiten Schritt, die Zielverfolgungen eines Konfliktmanagements konturiert zu präsentieren. Hieran ist wiederum die Illustrierung der vier Mediationsstrategien facilitation, die Verfahrensstrategie, die direktive Strategie sowie das power mediation angeknüpft, dessen Abhandlung zur Kategorisierung und Analyse der EU-Mediation im Kosovo-Serbien-Konflikt essentiell sind.

Anschließend und darauf aufbauend erfolgt der historische Rückblick auf Stadien des Kosovo-Serbien-Konflikts, um in einem vorletzten Schritt die Mediationsbemühungen der Europäischen Union zu illustrieren, damit schlussbetrachtend Rückschlüsse auf die Qualität der Mediation und die Erfolge respektive Misserfolge der Europäischen Union bei der Vermittlung im Kosovo-Serbien-Konflikt gezogen werden können.

2. Was ist ein Konflikt? Eine Übersicht

2.1. Eine Konfliktdefinition (Begriffserklärung)

Der sich über viele Jahre hinweg erstreckende Konflikt zwischen den sich herausformierten Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, in diesem Fall, Serbien und das Kosovo, erfordert in einer näheren Betrachtung und in einer ersten Instanz, die vorausgegangene Auseinandersetzung mit den anzuwendenden Begrifflichkeiten. Den Konflikt als solches zu definieren und klar von ähnlichen Konstellationen abzugrenzen, erweist sich aufgrund der Bandbreite an Konflikttheorien, der Pluralität an Begriffsauslegungen und Erklärungsansätzen als diffiziles Unterfangen.6

Bezugnehmend auf Konflikte in der Lehre der internationalen Beziehungen, kristallisiert sich jedoch ein Konsens im Hinblick auf die Frage heraus, welche Charakteristika ein Konflikt tragen muss, um als solcher klassifiziert zu werden. Ahlbrecht, Bendiek und Meyers greifen für die Explikation und Darstellung ihrer Konflikttypologie auf bereits vorhandene Ansätze des Wirtschaftswissenschaftlers Kenneth Ewart Bouldings und des Konfliktfortschers Morton Deutsch zurück.7

Der Rückgriff auf Bouldings gelingt trotz seines Schwerpunktes in ökonomischen Fragestellungen aufgrund der oftmals übertragbaren Theorieansätze und dem Wechselgeflecht von Wirtschaft und Politik. So erklärt dieser einen Konflikt als solchen erkennbar, sofern eine Wettbewerbssituation gegeben ist, innerhalb derer sich die Streitparteien durch unvereinbare, zumeist künftige Positionen, auszeichnen, keine der beteiligten Gruppen den Verzicht seiner eigenen Wünsche und Erwartungen zugunsten der Realisierung von Wünschen auf der jeweils anderen Seite akzeptiert und dieser Zustand wissentlich fortgetragen wird.8

Die Unvereinbarkeit zweier oder mehrerer Positionen als Kernelement von Konflikten erkennt auch Deutsch an, indem er das Aufeinandertreffen zweier nicht im Einklang zu bringender Positionen und Handlungsweisen und ihre wechselseitige Beeinträchtigung als primären Faktor zum Auslösen von Konflikten benennt.9

Eine in seinen Einzelheiten explizite Illustrierung von Konflikten, bietet Nicholson dar, welcher zudem darauf hinweist, dass Konfliktbeschreibungen- und konstellationen von individueller Ebene auf die staatliche Sphäre übertragen werden können, da ein Konflikt, welcher stets einen streitbaren Gegenstand zwischen zweier oder mehrerer Parteien enthält, in seinem Grundmuster gleichbleibend ist.10

„A conflict exists when two people wish to carry out acts which are mutually inconsistent. They may both want to do the same thing, such as eat the same apple or they may want to do differetn things where the different things are mutually incompatible, such as when they both want to stay together but one wants to go to the cinema and the other stay at home. A conflict is resolved when some mutually compatible set of actions is worked out. The definition of conflict can be extended from individuals to groups (such as states or nations), and more than two parties can be involved in the conflict. The principles remain the same .11

Ahlbrecht, Bendiek und Meyers erlangen schließlich folgende Definition von Konflikten, die universell anwendbar ist, jedoch ihren Schwerpunkt auf die Anwendung in politischen Konflikten, insbesondere den internationalen Beziehungen findet:

„Konflikte sind gekennzeichnet durch die Nichtvereinbarkeit der Ziele zweier oder mehrerer Konfliktparteien, wobei jede Konfliktpartei bestimmte Verhaltensweisen mobilisiert, um ihr Ziel zu erreichen. Elemente einer Konfliktsituation, ganz gleich, ob sie zwischen zwei oder mehreren Individuen, Interessengruppen oder Staaten besteht, sind im Allgemeinen durch diese Charakteristika geprägt: Entweder wollen die verschiedenen Parteien das Gleiche, oder eine bzw. mehrere Parteien wollen etwas, das mit dem Wunsch der anderen Partei(en) nicht vereinbar ist.“ [12]

Das Grundgerüst, aus welchem sich der Konflikt letztlich entwickelt, enthält die drei zentralen Komponenten Konfliktsituation, Konflikteinstellung beziehungsweise die Konfliktbewertung sowie das Konfliktverhalten, welche die jeweils anderen Komponenten bedingen und wechselseitigen Einfluss aufeinander haben.13

2.2. Ursachen und Erklärungen von Konflikten

Jede Definition des Terminus Konflikt impliziert zugleich die maßgebliche Ursache, auf die der Konfliktausbruch letztlich basiert. So sind inkompatible Interessenkalküle aller im Konflikt beteiligten Parteien sowie ihre vorsätzliche Kompromisslosigkeit universell ausschlaggebend zum Entstehen von Konflikten. Um ein schlichtendes, Stabilität aufbauendes und friedenförderndes Konfliktmanagement im Rahmen von Konflikten anzuwenden, ist die Ursachenidentifizierung von Konflikten essentiell.

Für eine detaillierte Erörterung von Konfliktursachen, gilt es die vier übergeordneten Konfliktursachen, die sogenannten „root causes“ einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Obwohl es sich hierbei um die vier am häufigsten Erscheinungsformen von Konfliktursachen handelt, gilt, dass jeder Konflikt in seinem Entstehen und seinem Verlauf differenziert von anderen zu beobachten ist und zumeist ein einzelnes „root cause“ nicht isoliert, sondern mit anderen Konfliktursachen in Erscheinung tritt.14

Im Falle des ersten „root causes“ resultiert ein darauffolgender Konflikt aus der ungleichen Chancenverteilung in der Gesellschaft, zumeist eine heterogene Gesellschaft, welche eine Vielzahl an Identitätsgruppen inkludiert. Der sich unter den Gruppen unterscheidende Zugang zu, beziehungsweise das Ungleichgewicht politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Chancen wirft hierbei nicht nur moralische Fragen auf, sondern insbesondere jene nach verteilter Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Der Konflikt keimt auf, wenn eine Identitätsgruppe die defizitären Zugänge auf ihrer Seite zu verzeichnen hat. In Anbetracht sozioökonomischer Ungleichheit, einer exklusiven Regierungselite, demographischen Druck, der Verletzung politischer Gruppenrechte sowie mögliche Destabilisierung durch Flüchtlinge aber auch intern Vertriebene, können diese Ereignisse den Nährboden für einen sich aufbauschenden Konflikt bilden.15

Der sekundäre „root cause“ betrachtet die Entwicklung und Gestaltung der Amtsausführung von Regierenden als Ausgangspunkt für Konflikte. Die Probabilität eines Auftretens von Konflikten, steigt indes in jenem Falle an, wenn die Regierungsführung mit Auftreten der drei wesentlichen Merkmale Illegitimität, undemokratische Handlungs- und Vorgehensweisen sowie Ineffizienz klassifiziert werden kann. Dies weist zugleich stets auf eine geringe Volksteilhabe sowie die Berücksichtigung desselbigen hin. Die Konfliktparteien sind somit die Regierung und das Volk eines Landes, der zwischenstaatliche Konflikt findet bei „root cause 2“ weniger Beachtung. Der Fokus richtet sich in erster Linie auf vorhandene Legitimitätsdefizite seitens der Regierung und öffentlicher Einrichtungen, der Zunahme von Strafdelikten, einer gleichzeitigen Steigerung sozialer und politischer Gewalt sowie der Mangelhaftigkeit öffentlicher Dienste, sofern diese zum Zeitpunkt des Konfliktausbruches noch gegeben sind und die Gesetzgebung des Staates von Justiz und Streitkräfte angewandt wird.16

Der dritte und vorletzte der vier „root causes“, die sich durch eine bedeutende Importanz in den internationalen Beziehungen auszeichnen, geht erneut von einer Diskrepanz im Hinblick auf unterschiedliche Identitätsgruppen aus. Die Aufhebung von Abgrenzungen zwischen multipler, sich regional jedoch kreuzender, aber misstrauender Identitätsgruppen als auch der friedfertige Einklang von Gruppeninteressen, können nur mittels vorhandener Mechanismen und Möglichkeiten erfolgen, die in diesem Fall jedoch nicht vorhanden sind. Die Erfordernisse zur Gestaltung der Problembehebung, bestehend aus effektiver Konfliktlösungsmechanismen, einer offenen Debattenkultur und gesellschaftlichen Pluralismus und einen vielfältigen Staatsapparat, entfallen vollständig bei dieser Konfliktursache, diese sind gänzlich nicht vorhanden. Externes Engagement erfolgt nur in geringem Maße und ist zumeist mit erheblichen Nachteilen verbunden.17

Die vierte Komponente der „root causes“ impliziert einen unzureichenden Aktivismus der Zivilgesellschaft. Weder weist diese organisatorische Strukturen zur Dialog- und Schlichtungsförderung auf noch ist diese in jeder Hinsicht aktiv tätig. Die Entwicklung zu Konflikten wird unter anderem durch abhängige und unprofessionalisierte Medien sowie dem Mangel an ökonomischen „peace interests“ stimuliert.18

3. Konfliktmanagement als Verfahren mit dem Ziel der Konfliktbe-hebung

3.1. Ziele des Konfliktmanagements

Im Zentrum eines erfolgreichen und optimierten Konfliktmanagements steht die Lösung eines Konflikts ohne dringlichst auf den Einsatz von Sanktionen und Abschreckung durch zumeist militärische Intervention zurückgreifen zu müssen. Erforderlich ist ein Konfliktmanagement, sofern präventive Maßnahmen zur Verhinderung von Konfliktausbrüchen nicht eingesetzt wurden oder mit Hinblick auf das angestrebte Ziel misslungen sind. Die Erweiterung und das Fortdauern von Konflikten soll hiermit eingehegt, begrenzt, geregelt, reguliert und institutionalisiert werden, um schwerwiegenden Folgen für die beteiligten Konfliktparteien langfristig einzudämmen.19

Ahlbrecht, Bendiek und Meyers sprechen ferner in Anlehnung an Czempiel von einer „Zivilisierung“ von Konflikten, in dem die Anwendung militärischer Gewalt eine Reduktion erlangt und friedensstiftende Maßnahmen einen erweiterten Gebrauch erfahren sollen.20

„Die Entwicklung der internationalen Beziehungen sollte langfristig von einer spezifischen Tendenz gekennzeichnet sein, nämlich der Einhegung und Verrechtlichung des Krieges, der Zivilisierung militärischer Gewaltanwendung und der Wandlung des Friedens von einem labilen Zustand ruhender Gewalttätigkeit zu einem historischen Prozess, in dem sich „Formen der internationalen Konfliktbearbeitung durchsetzen, die sich zunehmend von der Anwendung organisierter militärischer Gewalt befreien“.“ [21]

Die Zivilisierung von Konflikten und ihrer Austragung geht einher mit einer kontinuierlich voranschreitenden Verbesserung der Affektkontrolle und des Selbstzwanges in der Gesellschaft, welche zunehmend an Intellektualität hinzugewann und ein Management von Konflikten mit positiven Auswirkungen für die inkludierten Parteien dem gewalttätigen Austragen von Konflikten (stets unter dem Einfluss militärischer Gewalt zum Eingrenzen kollektiver Gewalt) vorzog.22

3.2. Angewandte Mediation als Maßnahme im Rahmen des Konfliktmanagements zur Konfliktlösung in internationalen Beziehungen

3.2.1. Strategien im Rahmen der Mediation als Konfliktlösungsmaßnahmen

3.2.1.1. Kommunikationsfördernde Strategie „facilitation“

Mediation findet in den internationalen Beziehungen zur Beilegung von oder Vermittlung in Konflikten immer mehr Anwendung, da der ihr zu Grunde liegende Pragmatismus zumeist Erfolge bei der Vermittlung bewirken kann. Politische Mediationsverfahren werden in der Regel als politisch-administrative Instrumente zur Vermittlung zwischen konträren politischen Zielen definiert. Der Mediator muss erstens unabhängig sein und zweitens von allen beteiligten Parteien akzeptiert werden, damit es ihm gelingen kann, über festgelegte Verfahrensschritte und offene Aushandlungsprozesse für die beteiligten Interessen(-gruppen) akzeptable Lösungen (Kompromisse) auszuhandeln.23

Das sogenannte „facilitation“, als welche die kommunikationsfördernde Strategie im Rahmen der Mediation auch genannt wird, ist eine Strategie geringen Aktionismus seitens des Mediators. Der Mediator zeichnet sich durch eine von Passivität geprägte Rolle im Vermittlungsprozess aus. So verfügt er über kaum bis hin zu wenigen Kontrollmechanismen, dessen Steuerung ihm beim facilitation ohnehin nicht obliegt. Im Fokus seins Agierens steht just die reine Vermittlungsaktion zwischen den beteiligten Medianden, die über den Prozessverlauf und die Substanz selbst ohne jeglichen Mediatoren-Einfluss hierauf entscheiden. Die Einleitung eines auf Eigeninitiative vorangebrachten Begegnens mit der jeweils anderen Konfliktpartei sowie die gemeinsame Erarbeitung der Perzeption des Konflikts, stellen sich angesichts der Anwendung dieser Mediationsstrategie als die Kernaufgaben des Mediators dar. Charakteristisch erweist sich in diesem Vermittlungsprozess die geringe Übernahme von Verantwortung und der eingeschränkte Einfluss des Mediators, wobei jedoch im Hinblick auf die Mediation in ethnopolitischen Konflikten, zu denen auch der Kosovo-Serbien-Konflikt gezählt werden kann, der separate Dialog mit den Konfliktparteien zur Vertrauensbündelung und der Anhebung der Konfliktbeendigungsbereitschaft erfolgsversprechender ist.24

3.2.1.2. Die Verfahrensstrategie / nicht-direktive Strategie

Besonders gewichtig bei der Verfahrensstrategie ist die vorhandene Neutralität auf Seiten des Mediators, welche insbesondere in ethnopolitischen Konflikten eine weitaus größere Importanz für den erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen aufweist. Der Mediator hat im Rahmen dieser Strategie das Monopol der formellen Kontrolle inne, sprich, er entscheidet über die Auswahl der Mediationsumgebung, der Anzahl und der Art der Treffen für die Durchführung der Mediation. Zudem verfügt er die Kontrolle über Umwelteinflüsse, die Struktur als auch den Inhalt der Tagesordnung. Sofern es die Umstände erfordern sollten, verfügt er ferner die Kontrolle über den Zugang der Beteiligten zu Ressourcen und Informationen.25

3.2.1.3. Direktive Strategie

Beim Anwenden der direktiven Strategie gelingt dem Mediator die nahezu vollständige Kontrolle über Inhalt, Prozess, Verlauf und Substanz des Mediationsverfahrens. Anders als es durchaus in der kommunikationsfördernden Strategie oder aber auch der Verfahrensstrategie der Fall sein kann, würde der Vermittlungs- und Verhandlungsprozess bei einer anhaltenden Passivität seitens des Mediators zum Erliegen kommen. Dieser übernimmt im Zuge der direktiven Strategie die sowohl wegweisende als auch lenkende Führung des gesamten Mediationsverlaufs und erhält somit eine den Medianden gegenüber dominierende Schlüsselfunktion. So gelingt mittels dieser Strategie eine erfolgreiche Vermittlung insbesondere durch das Stellen von Forderungen im Sinne von Ultimaten sowie das gleichzeitige Angebot, oftmals im Sinne wirtschaftlicher oder politischer Handels- und Partnerbeziehungen (Zuckerbrot und Peitsche).26

3.2.1.4. Power mediation

Die Power Mediation ist eine weitergeleitete und ausgebaute Mediationsvariante der direktiven Mediationsstrategie. Sie verfügt anders als es in der direktiven Strategie der Fall ist, eine im erhöhten Maße breitgefächerte Leitungs- und Kontrollinstanz, im Zuge dessen der Verwendung von Sanktionen eine elementare Rolle beigesteuert wird. Angewandt wird sie gleich der direktiven Strategie, jedoch ergänzt mit Mitteln der Androhung sowie der Anwendung von politischen, wirtschaftlichen als auch militärischen Mitteln.27

4. Hintergründe und Ereignisse des Kosovo-Serbien-Konflikts: Ein kurzer historischer Rückblick

4.1. Die Ära Milošević und die von ihm geprägte serbisch-nationalistische Ideologie

Fast zeitgleich mit dem Tod des damaligen jugoslawischen Staatschef Josip Broz Tito, begann sich die Lage im Vielvölkerstaat Jugoslawien zu verschärfen. Erste Unruhen, begleitet von einer Vielzahl an Demonstrationen, allem voran seitens der Kosovo-Albaner, schufen ein konfliktträchtiges Klima. Die kosovo-albanische Bevölkerung stellte die Forderung nach einer eigenständigen und unabhängigen Republik Kosovo statt des seit 1974 in der jugoslawischen Verfassung verankerten Autonomiestatus.28

Das Dilemma, welches der Status einer Autonomen Region aufwarf, resultierte aus dem Zwitterstatus und dem nicht eindeutig festgelegten Status des Kosovo: Die Unklarheiten warfen indes die Frage auf, inwiefern das Kosovo nun als Teil der serbischen Republik anerkannt werden sollte oder des Weiteren den jugoslawischen Republiken gleichrangig betrachtet werden konnte. Auf diesen zunächst zivilen Protest, antwortete die jugoslawische Armee mit einer gewaltsamen Zerschlagung, wodurch der Grad der Anspannung und die Verschärfung des Konflikts folgten.29

[...]


1 Brummer, Klaus, 2015: Konfliktbearbeitung durch internationale Organisationen, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 15 / 16 / 40 ff.

2 Woyke, Wichard, 2013: Europäische Gemeinschaft – Europäisches Parlament – Europawahl: Bilanz und Perspektiven, Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 22.

3 Sundhaussen, Holm, 2014: Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten 1943-2011: Eine ungewöhnliche Geschichte des Gewöhnlichen, 2. Aufl., Wien: Böhlau Verlag, S. 412 / Ther, Philipp,2011: Die dunkle Seite der Nationalstaaten: „Ethnische Säuberungen“ im modernen Europa, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 242 / Troebst, Stefan (1998): Conflict in Kosovo: Failure of Prevention? An Analytical Documentation, 1992-1998, European Centre for Minority Issues/ECMI, Working Paper 1, Schleswig., Seite 6 / Auerswald, Philip E./David P. Auerswald (Hrsg.) (2000): The Kosovo Conflict. A Diplomatic History through Documents, Cambridge/The Hague. S. 1 ff.

4 Ziegler, Clemens E., 2009: Kosovo-Krieg der Nato und Irak-Krieg 2003: Völkerrechtliche Untersuchung zum universellen Gewaltverbot und seinen Ausnahmen, Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH, S. 30 ff. / Augstein, Franziska, 2010: Kosovo-Krieg 1999: Als die Menschenrechte schießen lernten, online unter:

http://www.sueddeutsche.de/politik/kosovo-krieg-als-die-menschenrechte-schiessen-lernten-1.457678,

(letzter Stand: 11. 05. 2010; letzter Zugriff: 19.08.2016).

5 Mančić, Emilija, 2012: Umbruch und Identitätszerfall: Narrative Jugoslawiens im europäischen Kontext, Wien: francke Verlag, S. 85 / Beier, Brigitte / Birnstein, Uwe / Gehlhoff, Beatrix, et. al., 2007: Neue Chronik der Weltgeschichte, Gütersloh / München: Wissen Media Verlag GmbH, S. 274.

6 Ahlbrecht, Kathrin / Bendiek, Annegret/ Meyers, Reinhard / Wagner, Sabine: Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, in: Benz, Arthur (Hrsg.) / Döhler, Marion (Hrsg.) / Lauth, Hans Joachim (Hrsg.) et.al.: Grundwissen Politik, Band 32, VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 24.

7 Ahlbrecht /Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 24 (s. Anm. 6).

8 Boulding, Kenneth Ewart, 1963: Conflict and Defense: A General Theory, San Fransisco: Harper, S. 5 f. / Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 24 (s. Anm. 6).

9 Deutsch, Morton, 1973: The Resolution of Conflict: Constructive and Destructive Processes, New Haven, Connecticut: Yale University Press, S. 10 f.. / Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 24 (s. Anm. 6).

10 Nicholson, Michael, 1992: Rationality and the Analysis of International Conflict, Cambridge: Cambridge University Press, S. 11 / Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 24 (s. Anm. 6).

11 Nicholson, Rationality and the Analysis of International Conflict, S. 11 (s. Anm. 10) / Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 24 (s. Anm. 6).

12 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 25 (s. Anm. 6).

13 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 25 (s. Anm. 6).

14 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 28 (s. Anm. 6).

15 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 29 (s. Anm. 6).

16 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 29 (s. Anm. 6) / Mehler, Andreas, 2000: Alles Krise oder was? Zur Differenzierung von Gründen und Verlaufsformen gewaltsamer Konflikte als Voraussetzung ihrer zielgerichteten Bearbeitung, in: Fahrenhorst, Brigitte (Hrsg.), 2000: Die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit in gewalttätigen Konflikten, SID-Berlin-Berichte Nr. 11, Berlin: Society for International Development Berlin Chapter- SID, S. 32-44.

17 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 29 (s. Anm. 6) / Mehler, Alles Krise oder was? Zur Differenzierung von Gründen und Verlaufsformen gewaltsamer Konflikte als Voraussetzung ihrer zielgerichteten Bearbeitung, S. 32-44 (s. Anm. 16).

18 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 29 (s. Anm. 6) / Mehler, Alles Krise oder was? Zur Differenzierung von Gründen und Verlaufsformen gewaltsamer Konflikte als Voraussetzung ihrer zielgerichteten Bearbeitung, S. 32-44 (s. Anm. 16).

19 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 160/161 (s. Anm. 6)

20 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 160 (s. Anm. 6)

21 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 160 (s. Anm. 6) / Czempiel, Ernst-Otto, 1990: Internationale Beziehungen: Begriff, Gegenstand und Forschungsabsicht, in: Knapp, Manfred / Krell, Gert (Hrsg.): Einführung in die internationale Politik. Studienbuch, München: Oldenbourg Verlag, S. 2-25.

22 Ahlbrecht / Bendiek / Meyers, Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System, S. 161 (s. Anm. 6).

23 Schubert, Klaus/Martina Klein, 2016: Mediation, online unter:

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/17832/mediation, (letzter Zugriff: 18.08.2016), siehe auch: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 6., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

24 Dammann, Michael (2000): Internationale Bearbeitung des Kosovokonflikts 1990- 1999. In: Trier Arbeitspapiere zur Internationalen Politik, Nr. 3. S. 17 / Ropers, Norbert, 1995: Die friedliche Konfliktbearbeitung ethno-politischer Konflikte, in: Debiel, Tobias / Ropers, Norbert (Hrsg.): Friedliche Konfliktbearbeitung in der Staaten- und Gesellschaftswelt, Bonn: Stiftung Entwicklung und Frieden, S. 11-34 / Meyer, Berthold, 2013: Formen der Konfliktregelung: Eine Einführung mit Quellen, Opladen: Leske & Budrich, S. 198.

25 Bercovitch, Jacob, 1995: Mediation in der Staatenwelt: Bedingungen für Erfolg oder Scheitern internationaler Vermittlungsbemühungen, in: Debiel, Tobias / Ropers, Norbert (Hrsg.): Friedliche Konfliktbearbeitung in der Staaten- und Gesellschaftswelt, Bonn: Stiftung Entwicklung und Frieden, S. 89 - 111 / Ropers, Die friedliche Konfliktbearbeitung ethno-politischer Konflikte, S. 11-34 (s. Anm. 24) / Meyer, Formen der Konfliktregelung, S. 198 (s. Anm. 24).

26 Bercovitch, Mediation in der Staatenwelt, S. 89 – 111 (s. Anm. 25)/ Meyer, Formen der Konfliktregelung, S. 198 (s. Anm. 24).

27 Dammann, Internationale Bearbeitung des Kosovokonflikts, S. 18 (s. Anm. 24) / Smidoda, Iris, 2013: Instrumente ziviler Konfliktbearbeitung in internationalen Konflikte, in: Evers, Tilman (Hrsg.), Ziviler Friedensdienst – Fachleute für den Frieden: Idee – Erfahrungen – Ziele, Opladen: Leske & Budrich, S. 78 – 85.

28 Lange, Klaus (1999): Der Kosovo-Konflikt. Aspekte und Hintergründe, Aktuelle Analysen 14, München: Hans-Seidel-Stiftung e.V., Seite 15.

29 Lange, Der Kosovo-Konflikt, Seite 15 (s. Anm.) / Reuter, Jens (1999): Die Entstehung des Kosovo-Problems, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 34, S. 3-10.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Konfliktmanagement im Kosovo-Serbien-Konflikt. Die Rolle der Europäischen Union als Mediatorin
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Politische und strategische Entscheidungen in internationalen Krisen und Konflikten: Kriegsvermeidung, Konfliktmanagement und Kriegsbeendigung
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
39
Katalognummer
V490178
ISBN (eBook)
9783668974937
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konfliktmanagement, kosovo-serbien-konflikt, rolle, europäischen, union, mediatorin
Arbeit zitieren
Anya Delen (Autor), 2016, Konfliktmanagement im Kosovo-Serbien-Konflikt. Die Rolle der Europäischen Union als Mediatorin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490178

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