Über die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf die Wirtschaft des Empfängerlandes

Eine Analyse am Beispiel der russischen Wirtschaft in Bezug auf die Sanktionen infolge der "Ukraine-Krise"


Bachelorarbeit, 2015

64 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition und Kategorisierung von Sanktionen
2.1 Arten von Sanktionen
2.1.1 Ökonomische Sanktionen
2.1.2 „Smart sanctions“
2.1.3 Diplomatische Sanktionen
2.2 Ausprägungen von Sanktionen

3 Modelle zur Untersuchung der Effekte von Sanktionen
3.1 Wirkungsweise von ökonomischen Sanktionen und „smart sanctions“
3.2 Untersuchung der Auswirkungen von Handelssanktionen auf Basis der Angebotskurven nach Kaemepfer u. Lowenberg
3.3 Untersuchung der Auswirkungen von Investmentsanktionen (Desinvestment) auf Basis der „balance of payment equation“
3.4 Empirische Untersuchungen zu den Effekten von Sanktionen

4 Ausarbeitung der konkreten Sanktionen gegen die RF infolge der „Ukraine-Krise“
4.1 Konkrete Sanktionen der EU gegen die RF infolge der „Ukraine-Krise“
4.2 Konkrete Sanktionen der USA gegen die RF infolge der „Ukraine-Krise“

5 Effekte der Sanktionen auf die Wirtschaft der RF
5.1 Verhalten der Investoren, Entwicklung russischer Kapitalpreise und öffentlicher Finanzen
5.2 Wirtschaftswachstum und Außenhandel der RF
5.3 Politische Wirkung der Sanktionen und der wirtschaftliche Druck auf die Bevölkerung
5.4 Entwicklung des Öl- und Gassektors der RF

6 Resultate

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung der Angebotskurven nach Kaemepfer u. Lowenberg

Abbildung 2: Netto-Kapitalabwanderung aus der RF (net capital outflow) in Milliarden USD

Abbildung 3: Zinsverlauf der russischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren

Abbildung 4: Verlauf des Micex 10 Index von Januar 2014 bis Juni

Abbildung 5: BIP-Wachstum der RF in Prozent

Abbildung 6: Außenhandel der RF in Milliarden EUR

Abbildung 7: Die wichtigsten Exportgüter der RF in 2014 in Milliarden EUR

Abbildung 8: Erdölförderung der RF in Millionen Tonnen

Abbildung 9: Erdgasförderung der RF in Milliarden Kubikmeter

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Internationale Sanktionen stellen im Interessenskonflikt von Nationen einen Mittelweg zwischen bloßen diplomatischen Beschwichtigungen und offenen Kampfhandlungen dar. Im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts, insbesondere in den Jahren nach dem Fall der Berliner Mauer, haben sie sich zu einem wichtigen außenpolitischen Instrument einzelner Staaten (z.B. USA) und internationaler Organisationen (z.B. UN) entwickelt. Aktuell gewinnt die Thematik der Sanktionen zudem im Zu- sammenhang mit der sogenannten „Ukraine-Krise“ an Bedeutung und rückt in den Fokus der Öffent- lichkeit. Seitdem Aufstände in der Ukraine im Februar 2014 zum Sturz der Regierung und Neuwahlen führten, kommt es regelmäßig zu Kampfhandlungen zwischen Separatisten und Truppen der ukraini- schen Regierung. Aufgrund dessen bestehen zwischen der RF und versch. westlichen Ländern politi- sche Spannungen. EU und USA werfen der RF vor, ukrainische Separatisten zu unterstützen, aktiv an Kampfhandlungen teilzunehmen und einen Teil der Ukraine unrechtmäßig annektiert zu haben. Ab März 2014 reagierten sie daher mit einer Vielzahl von Sanktionen, die sich gegen die RF richten.

Im Hinblick auf die Bedeutung von Sanktionen in einer zunehmend integrierten, globalisierten Wirt- schaft und die aktuelle politische Situation in der Ukraine, scheint es unerlässlich die Auswirkungen von Sanktionen abschätzen zu können. Dies gilt für Sender- und Empfängerländer gleichermaßen.

Im Falle der Sanktionen gegen Russland muss, neben der RF, insbesondere die EU an derartigen Er- kenntnissen interessiert sein, da einige Mitgliedsstaaten mit der RF wirtschaftlich eng verbunden sind. Die Mehrzahl der bisherigen Untersuchungen im Bereich der Sanktionen beschränkt sich jedoch auf einzelne Aspekte der wirtschaftlichen Folgen, die Berechnung von Erfolgsquoten oder die Schät- zung von Kosten der Sanktionen aus Sicht der USA.

Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Auswirkungen von Sanktionen auf die Wirtschaft des Emp- fängerlandes anhand des Beispiels der RF und der europäischen sowie US-amerikanischen Sanktio- nen. Es soll eine Aussage darüber getroffen werden, inwiefern westliche Sanktionen die russische Wirtschaft beeinflusst haben. Hierzu ist es zunächst nötig, die Begrifflichkeiten zu klären. Kapitel 2 definiert den Begriff der Sanktionen und gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten und Aus- prägungen. Anschließend werden Modelle und Theorien aus der Fachliteratur sowie Erkenntnisse empirischer Untersuchungen genutzt, um allgemeine Effekte von Sanktionen zu beschreiben (Kapitel 3). In Kapitel 4 werden die konkreten Sanktionen im Falle der „Ukraine-Krise“ vorgestellt und so der Bezug zum konkreten Beispiel hergestellt. Die Aussagen der Modelle und Theorien werden anschließend am Beispiel der russischen Wirtschaft überprüft (Kapitel 5).

2 Definition und Kategorisierung von Sanktionen

Um die Effekte von Sanktionen untersuchen zu können, ist es zunächst notwendig, den Begriff der Sanktionen zu definieren und von anderen Maßnahmen abzugrenzen. Dies gestaltet sich als schwierig, da in der Fachliteratur diesbezüglich kein allgemeiner Konsens besteht. Abhängig vom Fokus der Arbeit und den Ansichten der Autoren werden unterschiedliche Definitionen formuliert und Abgrenzungen getroffen. Ich möchte Sanktionen an dieser Stelle in Anlehnung an die Definitio- nen von Galtung (1967) und Haass (1998) wie folgt definieren:

S an ktionen sind ökonomische oder politische Maßnahmen, eingeleitet durch einen oder mehrere Staaten (Sender), die sich gegen einen oder mehrere Staaten (Empfänger) richten und diesem/diesen bestimmte Werte entziehen. Ziel ist es, den/die Empfänger zur Befolgung bestimmter politischer Normen zu bewegen.

Im Gegensatz zu den Vorlagen schließt diese Definition eine Bestrafung des Empfängerlandes als alleinigen Zweck der Sanktionierung aus. Zudem werden Maßnahmen als Sanktionen disqualifiziert, die der Verfolgung wirtschaftlicher Ziele des Senderlandes oder der Schwächung des militärischen Potentials des Empfängers dienen. Diese Ansicht ist nicht unumstritten. An den entsprechenden Stel- len werde ich daher auf diese Aspekte eingehen.

2.1 Arten von Sanktionen

Bei der Unterteilung in verschiedene Arten von Sanktionen wird danach unterschieden welcher Wert dem Empfänger vorenthalten werden soll und welche Gruppen bzw. Teile der Wirtschaft betroffen sind.

2.1.1 Ökonomische Sanktionen

Eine gängige Art der Sanktionierung ist die ökonomische Sanktionierung1. Lektzian u. Souva (2003) definieren diese als wirtschaftliche Maßnahmen, die genutzt werden, um politischen Wandel im Empfängerland zu erwirken. Andere Ökonomen haben ein weiteres Verständnis.

So ist Baldwin der Ansicht, dass ökonomische Sanktionen nicht ausschließlich politisch motiviert sein müssen, sondern zur Umsetzung einer Vielzahl von Zielen dienen können. Hierzu gehören beispiels- weise die Realisierung wirtschaftlicher Ziele des Senderlandes sowie die simple Bestrafung oder mili- tärische Schwächung des Empfängers2.

Hufbauer et al. (1990) schließen rein ökonomische Motive zwar aus und beschreiben Sanktionen als Alternative zu Militäraktionen, die sich am politischen Wandel des Empfängerlandes messen lassen muss. Dennoch akzeptieren sie Maßnahmen, die auf die Minderung des militärischen Potentiales des Empfängers abzielen als eine Teilmenge der ökonomischen Sanktionen. Zudem lassen sie auch die simple Bestrafung des Empfängerlandes als alleinigen Zweck der Sanktionierung zu.

Überzeugender sind meiner Meinung nach die Ausführungen von Pape (1997):

Pape widerspricht den genannten Ansichten und grenzt bestimmte Maßnahmen von den Sanktionen ab. Er ist der Meinung, dass die Ausweitung der Definition ökonomischer Sanktion auf Maßnahmen mit wirtschaftlichen Intentionen, den Begriff Sanktion zu sehr abschwäche. In diesem Falle sei jede Maßnahme in wirtschaftlichen Verhandlungen mit ausländischen Konkurrenten als ökonomische Sanktion zu bezeichnen, so dass die Grenze hier verschwimmen würde. Pape bezeichnet Maßnah- men, die der Beeinflussung von Handelsbeziehungen oder Handelsgrundsätzen gelten und somit ökonomischen Zielen des Senders dienen hingegen als Handelskriege (trade wars). Auch Maßnah- men, die ausschließlich die simple Bestrafung bezwecken, könnten nicht Teil einer Sanktion sein. In diesem Fall sei nahezu jede Sanktionen per Definition und unabhängig von der Umsetzung der Forde- rungen des Senders als erfolgreich zu betrachten3. Als ökonomische Kriegsführung (economic warfare) bezeichnet Pape Maßnahmen, die auf eine Schwächung der aggregierten Wirtschaft des Empfängerlandes abzielen, um dessen militärischen Möglichkeiten (z.B. in einem Krieg oder Wettrüs- ten) zu beeinträchtigen. Die angestrebte militärische Unterlegenheit soll das Empfängerland davon überzeugen, dass bestimmte politische Ziele nicht umsetzbar sind. Diese Strategie basiert laut Pape auf der versteckten Androhung von Gewalt und sei daher nicht mit ökonomischen Sanktionen als Alternative zu Kampfhandlungen vereinbar. Tatsächlich werden Sanktionen im Allgemeinen als Alter- native zu militärischen Handlungen betrachtet (Neuenkirch u. Neumeier 2014, Kamepfer u. Lowen- berg 2007).

Ich halte die Ansichten Papes im Grunde für richtig. Ob eine Schwächung des militärischen Potentials des Empfängers in jedem Fall jedoch einen Akt der Aggression darstellt und nicht zur friedlichen Lö- sung beiträgt, ist aus meiner Sicht fraglich. Ist es beispielweise dem Empfängerland aufgrund von Sanktionen nicht möglich für einen Krieg zu rüsten, den es plant, so trägt in diesem Fall die Sanktio- nierung zu einer friedlichen Lösung eines Konfliktes bei. Dennoch sollten politische Intentionen aus- drücklich im Vordergrund stehen, so dass dieser Teilaspekt in der Definition keine explizite Erwäh- nung findet.

Pape ergänzt zudem, dass sich ökonomische Sanktionen auf eine Schädigung der aggregierten Wirt- schaft des Empfängerlandes abzielten, um den Wohlstand des Empfängerlandes zu senken. Dies ist eine allgemein anerkannte Ansicht (Neuenkirch u. Neumeier 2014, Caruso 2003). Auf Basis der Defi- nition nach Lektzian u. Souva (2003) möchte ich ökonomische Sanktionen demnach wie folgt definie- ren:

Ökonomische Sanktionen sind wirtschaftliche Maßnahmen, die genutzt werden, um durch die allge- meine Schädigung der Wirtschaft des Empfängerlandes, einen politischen Wandel zu erwirken.

Ökonomische Sanktionen werden in Finanzsanktionen und Handelssanktionen unterteilt (Pape 1997, Lektzian u. Souva 2003).

Handelssanktionen

Kaemepfer u. Lowenberg (2007) definieren Handelssanktionen als Restriktionen bzgl. der Importe aus dem Empfängerland oder der Exporte zum Empfängerland4. Diese können sich direkt auf Güter und Dienstleistungen (z.B. die Wartung von Maschinen) beziehen (Galtung 1967). Denkbar ist aber auch die Änderung von Handelsbedingungen (z.B. Aberkennung des MFN-Handelsstatus5 ) (Haass 1998). Handelssanktionen treten in unterschiedlichen Schärfen, Umfängen und Ausprägungen auf. Sie reichen von einer Erhöhung der Zölle über eine teilweise Blockierung des Warenhandels in be- stimmten Sektoren bis hin zu einem totalen Verbot aller Handelsströme (Pape 1997). Handelssankti- onen werden unterteilt in Maßnahmen, die den Import betreffen und Maßnahmen, die den Export betreffen (Lektzian u. Souva 2003). Populäre Vertreter sind Embargos und Boycotts:

Ein Boykott ist eine Einschränkung der Importe eines oder mehrerer Güter aus dem Empfängerland. Der Zweck eines Boykottes ist es, die Nachfrage eines Produktes aus dem Empfängerland zu senken und somit das Einkommen des Empfängers in Fremdwährungen zu mindern (Caruso 2003).

Ein Embargo beinhaltet Einschränkungen des Exportes eines oder mehrerer Güter zum Empfänger- land. Es wird im Allgemeinen durch die Vergabe von Exportlizenzen kontrolliert (Caruso 2003).

In der Praxis sind bestimmte Technologien (z.B. Güter mit doppeltem Verwendungszweck „dual-use goods“), primäre Verbrauchsgüter (primary commodities) und Treibstoffe häufig Ziel von Import- bzw. Exportrestriktionen (Hufbauer et al. 2003, Hufbauer et al. 1997, Neuenkirch u. Neumeier 2014, Haass 1998).

Finanzsanktionen

Finanzsanktionen richten sich gegen den Kapitalfluss in das Empfängerland. Lektzian u. Souva (2003) definieren diese als Maßnahmen, die sich gegen das Finanzwesen, die Währung und Vermögensanla- gen des Empfängerstaates richten oder Entwicklungshilfen beeinträchtigen. Finanzsanktionen umfas- sen beispielsweise das Verbot von Investitionen und Kreditvergaben zugunsten des Empfängerlan- des. Internationale Investitionen und Kreditvergaben können durch Einflussnahme auf Organisatio- nen (wie der Weltbank oder dem IWF) aufgehoben oder verhindert werden. Auch die Einfrierung von Wertanlangen des Empfängerlandes und die Einstellung bzw. Reduzieren von Entwicklungshilfen und Subventionen ist möglich (Hufbauer et al. 2003, Hufbauer et al. 1997, Neuenkirch u. Neumeier 2014, Haass 1998, Caruso 2003, Kaemepfer u. Lowenberg 2007, Kholodilin et al. 2014).

2.1.2 „Smart sanctions“

Im Gegensatz zu ökonomischen Sanktionen sind sogenannte „smart sanctions“ (schlaue Sanktionen) gezielte Maßnahmen, die sich individuell gegen politisch einflussreiche, juristische oder natürliche Personen richten. Dies können Mitglieder der politischen Elite, staatliche Offizielle oder Parteispitzen des Empfängerlandes sein (Kaemepfer u. Lowenberg 2007, Kholodilin et al. 2014, Lektzian u. Souva 2003). Konkrete Beispiele für smart sanctions sind:

-das Einfrieren ausländischer Wertanlangen einzelner Personen, Firmen oder Gruppen
-die Verhängung von Einreiseverboten gegen einzelne Personen, Firmen oder Gruppen.

2.1.3 Diplomatische Sanktionen

Diplomatische Sanktionen sind Gesten auf internationaler Ebene, die primär eine Haltung demonstrieren, Signalwirkung haben sollen oder den Empfänger international stigmatisieren (Neuenkirch u. Neumeier 2014, Galtung 1967, Kaemepfer u. Lowenberg 2007).

Konkrete Beispiele hierfür sind:

-der Abbruch internationaler Verhandlungen oder Ausschluss des Empfängerlandes (Kholodilin et al. 2014)
-die Nicht-Anerkennung (z.B. Nicht-Anerkennung der politischen Zugehörigkeit der Krim zu Russland)
-die Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen bzw. Abzug oder Ausweisung von Botschaftern
-der Abbruch des direkten Kontaktes mit politischen Führern des Empfängerlandes
-der Abbruch der Kooperation im Rahmen internationaler Organisationen (Galtung 1967)

2.2 Ausprägungen von Sanktionen

Neben der Bestimmung der Art der Sanktionen, basierend auf dem Wert, der dem Empfängerland entzogen wird, können Sanktionen auch in verschiedenen Ausprägungen auftreten. Diese ergeben sich wie folgt (Galtung 1967, Caruso 2003):

Negative und positive Sanktionen

Die fundamentalste Unterteilung in Bezug auf Sanktionen ist jene in positive und negative Sanktio- nen. Negative Sanktionen beruhen auf dem Prinzip, dem Empfängerland zu schaden und somit zur Kooperation zu zwingen. Zumindest auf theoretischer Ebene existiert auch das Prinzip der Belohnung des Empfängerlandes für gewünschtes Verhalten (positive Sanktionierung). Positive Sanktionen ba- sieren auf dem In Aussicht stellen möglicher Zuwendungen, um die Kooperation zu fördern. Sie nehmen im konkreten Fall z.B. die Form von verbesserten Handelskonditionen oder Krediten an6 (Galtung 1967, Caruso 2003).

Unilaterale und multilaterale Sanktionen

Sofern Sanktionen von einem einzelnen Senderland ausgehen, werden sie als unilateral bezeichnet. Handelt es sich um mehrere Senderländer, so werden die Sanktionen als multilateral bezeichnen7 (Caruso 2003).

Individuelle und kollektive Sanktionen

Kollektive Sanktionen richten sich gegen die Empfängernation als Ganzes. Eingeschlossen sind hierbei auch Gruppen und Personen, die nicht explizit politisch verantwortlich sind8. Individuelle Sanktionen richten sich dagegen gezielt gegen einzelne verantwortliche Personen oder Gruppen innerhalb der Empfängernation.

Interne und externe Sanktionen

Als interne Sanktionen werden solche bezeichnet, die durch auftretende Veränderungen innerhalb der Empfängernation ausgelöst wurden. Externe Sanktionen entstehen in Zusammenhang mit dem Verhaltensmuster des Empfängerlandes bei Interaktionen mit anderen Nationen.

Generelle und selektive Sanktionen

Generelle Sanktionen sind jene, die alle möglichen Maßnahmen der Sanktionierung umfassen. (Alle dem Senderland zur Verfügung stehenden Möglichkeiten werden ausgeschöpft.) Selektive Sank- tionen hingegen beschränken sich nur auf bestimmte Maßnahmen der Sanktionierung.

Totale und partielle Sanktionen

Werden alle Maßnahmen einer bestimmten Art/ eines bestimmten Bereiches von Sanktionen ausge- schöpft, so spricht man von totalen Sanktionen (z.B. totales Waffenembargo).

3 Modelle zur Untersuchung der Effekte von Sanktionen

Dieses Kapitel widmet sich der Untersuchung der im Allgemeinen zu erwartenden Effekte von Sank- tionen auf die Wirtschaft des Empfängerlandes. Diese basieren auf verschiedenen Modellen bzw. Theorien der Fachliteratur sowie Erkenntnissen empirischer Untersuchungen. Einleitend sollen je- doch die Wirkungsmechanismen von ökonomischen Sanktionen und smart sanctions erläutert wer- den.

3.1 Wirkungsweise von ökonomischen Sanktionen und „smart sanctions“

Wie bereits angesprochen, ist es das Grundprinzip ökonomischer Sanktionen, politischen Wandel durch breiten ökonomischen Druck zu erwirken (Pape 1997, Caruso 2003, Galtung 1967). Sanktionen können diesbezüglich direkt wirken, indem sie hohe Kosten für das Empfängerland verursachen und die Regierung so zwingen, den politischen Kurs im Sinne des Senders zu ändern. In diesem Fall muss die Regierung des Empfängerlandes davon überzeugt werden, dass der erlittene ökonomische Scha- den ein Fortführen der umstrittenen Politik nicht rechtfertigt. Die indirekte Wirkungsweise der Sank- tionen basiert auf der Annahme, dass sich die Senkung des Wohlstandes infolge der Schädigung der Wirtschaft in öffentlichem Druck auf die Regierung niederschlägt. Dies könnte beispielsweise in Form der Abwahl der Regierung oder einer Revolte geschehen9. Inwiefern Sanktionen für die Bevölkerung des Empfängerlandes spürbar sind, wird besonders anhand von sozialen Kennzahlen deutlich (Pape 1997).

Es ist eine weit verbreitete Annahme der Sanktionstheorie, dass sich der Erfolg der Sanktionen und der, dem Empfängerland zugefügte Schaden, proportional zueinander verhalten. D.h. je mehr öko- nomische Kosten dem Empfängerland entstehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit das politi- sche Handeln des Empfängerlandes im Sinne des Senderlandes verändern zu können. Tatsächlich wird die allgemeine Gültigkeit dieses Zusammenhanges oft bestritten und auf die Notwendigkeit verwiesen einflussreichen Gruppen im Empfängerland zu schaden. Dies ist besonders ausschlagge- bend, wenn es sich beim Empfängerstaat um eine Autokratie handeln sollte, so dass nur kleine Grup- pen der Bevölkerung über politischen Einfluss verfügen. Auf diesem Prinzip basieren die smart sanctions. Diese haben, im Gegensatz zu ökonomischen Sanktionen, jedoch nur geringen Einfluss auf die aggregierte Wirtschaft und werden im Folgenden daher vernachlässigt (Kaemepfer u. Lowenberg 2007, Lektzian et al. 2003, Galtung 1967).

3.2 Untersuchung der Auswirkungen von Handelssanktionen auf Basis der Angebotskurven nach Kaemepfer u. Lowenberg

Ein hilfreiches Instrument bei der Untersuchung von ökonomischen Sanktionen ist das Modell der Angebotskurven nach Kaemepfer u. Lowenberg. Es beschreibt auf theoretischer Ebene grundlegende Effekte von Handelssanktionen. Bei dieser Untersuchung stehen das Verhältnis der Importe zu den Exporten des Empfängerlandes sowie der Einfluss des Handelsvolumens vor der Sanktionierung (presanction trade) im Vordergrund (Kaemepfer u. Lowenberg 2007).

Einführung und Marktgleichgewicht ohne Sanktionen

Wir betrachten zunächst das Empfängerland der Sanktionen T. Im Modell existieren zwei Arten von Gütern. Auf der horizontalen Achse des Koordinatensystems in Abb. 1 ist die Menge der Exporte des Empfängerlandes Xt dargestellt. Die vertikale Achse misst die Menge der Importe des Empfängerlan- des. Diese werden mit Mt bezeichnet. Zur Vereinfachung wird angenommen, dass T der einzige Ex- porteur des Gutes der horizontalen Achse (Xt) ist. Alle anderen Länder sind potentielle Importeure dieses Gutes und Exporteure des Gutes der vertikalen Achse (Mt). Die Angebotskurve von T zeigt in welchen Mengen der Exporte (Xt) und Importe (Mt ) das Empfängerland T bereit bzw. fähig ist, Han- del mit anderen Ländern zu betreiben. Die Menge der Exporte (Xt) stellt hier die Leistung dar, die T im Handel mit anderen Ländern für die Menger der Importe (Mt ) erbringt. Mit anderen Worten: T erwirbt die Importe (Mt ) zum Preis der Exporte (Xt). Das Verhältnis von Exporten zu Importen wird daher als Relativpreis (terms of trade) bezeichnet. Jedem Punkt auf der Angebotskurve von T ist demnach neben den Mengen der Importe (Mt ) und Exporte (Xt) auch der Relativpreis von T zuge- ordnet. Diese entspricht dem Kehrwert der Steigung einer Gerade durch den Koordinatenursprung und dem betrachteten Punkt.10 Wenn sich das Land T vom Ursprung weg auf seiner Angebotskurve bewegt, sinkt das Verhältnis der Exporte (Xt) zu den Importen (Mt ), denn die angesprochene Gerade wird stetig steiler. Es können also mehr Importe (Mt ) zum selben Preis an Exporte(Xt) erworben werden11. Da sich das Empfängerland wohlstandsmaximierend verhält, ist es bestrebt, sich auf der Kurve weg vom Koordinatenursprung zu bewegen.

Preiselastizität

Wie stark die Exporte mit den Importen variieren zeigt sich im Grad der Krümmung einer Angebots- kurve. Diese hängt von der Preiselastizität bzw. der Größe des entsprechenden Landes ab. Große Länder sind tendenziell autarker. Sie sind von ausbleibendem Handel nicht substantiell bedroht. Schwankungen des Exportes oder Importes machen sich daher wenig bemerkbar. Ihre Angebotskur- ve ist daher eher gerade. Kleine Länder sind dagegen abhängiger vom Handel. Angebot (Export) und Nachfrage (Import) ist preisunelastisch und daher anfälliger für Sanktionen. Der Import variiert stark mit dem Export. Die dazugehörige Angebotskurve ist gekrümmt.

Das Marktgleichgewicht ohne Sanktionen

Zunächst sind keine Sanktionen in Kraft. Neben der Kurve T ist in Abb. 1 ebenfalls die Angebotskurve W dargestellt. Diese repräsentiert das Verhalten aller Länder der Welt mit Ausnahme von T (restliche Welt). An jedem Punkt dieser Angebotskurve W sind wiederum die möglichen Importe und Exporte von W ablesbar. Im Vergleich zu der Darstellung der Kurve T wurden hier jedoch die Achsen mitei- nander vertauscht. Dies kommt einer Spiegelung an der Winkelhalbierenden gleich. In Bezug auf W ist nun also die Menge der Exporte der restlichen Welt (Xw) auf der vertikalen Achse und die ent- sprechenden Importe (Mw ) auf der horizontalen Achse abgetragen. Aus diesem Grund entspricht der Relativpreis von W der Steigung der Gerade durch den Ursprung und den entsprechenden Punkt (Exporte (Xw)/ Importe (Mw )). Im Marktgleichgewicht zwischen T und W müssen die Exporte und Importe von T und W einander entsprechen, da es keine weiteren Akteure auf dem Markt gibt. Im Marktgleichgewicht für beide Güter (E) schneiden sich die beiden Angebotskurven von W und T und es gilt: Xt=Mw ^ Mt= Xw (Konsistenzbedingung12 )

Hier zeigt sich, warum die Achsen bei der Darstellung von W vertauscht wurden. Um den Punkt zu finden, bei dem sich Importe und Exporte entsprechen, bietet sich eine Vertauschung der Achsen an. Zudem sind sich entsprechende Mengen auf gleichen Achsen eingezeichnet. Die Steigung der Gerade t0 repräsentiert zugleich die Relativpreise für T und W im Marktgleichgewicht E.

Abbildung 1: Darstellung der Angebotskurven nach Kaemepfer u. Lowenberg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unilaterale Sanktionen

Um den Effekt von Sanktionen in diesem Modell zu untersuchen, wird zunächst davon ausgegangen, dass ein Senderland S unilaterale Handelssanktionen gegen das Empfängerland T verhängt.

Die Angebotskurve W muss nun in jedem Punkt um das Handelsvolumen des Senderlandes reduziert werden, da S und T keinen Handel mehr betreiben. Die nun aus W entstehende Angebotskurve wird als R bezeichnet. Diese verfügt durch das Wegfallen des Handelsvolumens von S über eine reduzierte Preiselastizität und demzufolge über einen höheren Grad der Krümmung. R liegt unterhalb von W. Ein neues Marktgleichgewicht entsteht nun zwischen R und T am Schnittpunkt der entsprechenden Angebotskurven. Kaemepfer u. Lowenberg (2007) deuten an, dass S unter den übrigen Ländern von R u.U. keinen passenden Handelspartner finden könne und sich daher durch die eigenen Sanktionen zur Autarkie zwänge. Sofern T, wie angenommen, jedoch der einzige Exporteur des Gutes der hori- zontalen Achse ist, kann R keine Importe von S beziehen und wird daher auch keine Güter nach S exportieren. S zwingt sich daher durch die Sanktionen selbst zur Autarkie13. Im neuen Marktgleich- gewicht (N) gilt für die Importe bzw. Exporte von T und R:

Xt=Mr und Mt=Xr (Konsistenzbedingung)

Es ist zu beobachten, dass die die totalen Mengen der Exporte (Xt) und Importe (Mt ) des Landes T gegenüber dem Marktgleichgewicht E zurückgegangen sind. Die Steigung der Gerade t* durch den Ursprung und das neue Marktgleichgewicht (N) ist nun sichtbar kleiner als die Steigung von t0 im Fall ohne Sanktionen.

Die reduzierte der Steigung der Gerade t* repräsentiert eine Verschlechterung der Relativpreise für T und dementsprechend eine Verbesserung der Relativpreise von R14. Das Ausmaß dieses Effektes hängt neben der Preiselastizität von T vom Anteil des Handelsvolumens ab, das durch Sanktionen wegfällt (presanction trade zwischen S und T). Je höher der Anteil des sanktionierten Handels am Handel zwischen W und T, desto größer ist der Sprung von E zum neuen Marktgleichgewicht (N). Je mehr Länder sich an den Sanktionen beteiligen (hoher Anteil S an W), desto eher entspricht diese Betrachtung dem Fall der multilateralen Sanktionen.

Der Übergang zwischen unilateralen und multilateralen Sanktionen

Wie bereits erwähnt, ergibt sich der Fall der multilateralen Sanktionen aus der Betrachtung zu den unilateralen Sanktionen, indem man den Anteil der Senderländer S an W erhöht15. Je mehr Länder an den Sanktionen beteiligt sind, desto höher ist der Anteil des „wegfallenden Handelsvolumens“ am ursprünglichen Handelsvolumen zwischen W und T (vor den Sanktionen). Mit der Annäherung an den Fall der multilateralen Sanktionierung wird die Gerade t* immer flacher. Die Relativpreise von T ver- schlechtern sich dementsprechend. Im selben Maß verbessern sich die Relativpreise von R.

Multilaterale Sanktionen

Gilt S=W (R=0) so handelt es sich um totale Handelssanktionen. Jede Möglichkeit des Handels zwi- schen T und S bzw. W ist somit ausgeschlossen. T wird auf seiner Angebotskurve zur Autarkie im Ur- sprung des Koordinatensystems gezwungen. Die Relativpreise von T sind im Falle der Autarkie nicht definiert. Dargestellt werden sie jedoch für den Fall der fast vollständigen Autarkie durch die Gerade tr. Ihre Steigung entspricht theoretisch den Relativpreisen von R. Dies ist nun jedoch irrelevant, da die Anzahl der Länder R Null ist. Kaempfer u. Lowenberg (2007) geben an dieser Stelle an, dass sich die Relativpreise für S im Prozess der Annäherung an den Fall der multilateralen Sanktionen ver- schlechtern und berufen sich dabei auf die Steigung der Gerade tt. Wie bereits angesprochen ent- spricht die Steigung der Gerade tr den Relativpreisen von R und dem Kehrwert der Relativpreise von T, denn es gilt:

Relativpreise R=Exporte(Xr)/ Importe (Mr)= Importe(Mt )/ Exporte(Xt)=(Relativpreise T)−1.

Um die Gerade zu erhalten, deren Steigung den Relativpreisen von T entspricht, müsste tr demnach an der Winkelhalbierenden gespiegelt werden. Das Produkt dieser Spiegelung ist die Gerade tt .

Zwar haben sich die Relativpreise von S gegenüber der Ausgangssituation verschlechtert, da S und T keinen Handel mehr betreiben. Es muss allerdings klargestellt werden, dass dies nicht direkt durch eine Gerade in der Zeichnung darstellt wird16.

Der „3rd country“-Effekt

Durch die Sanktionen von S bieten sich Möglichkeiten für Drittländer (R), die an den Sanktionen nicht beteiligt sind. Aufgrund der Verschlechterung der Relativpreise des Empfängerlandes T sinkt der Preis der Exporte von T bzw. steigt der Preis für Importe von T. Drittländer, die T nicht sanktionieren, kön- nen hiervon profitieren. Sie erhalten nun Güter zu einem niedrigeren Preis oder können zu einem höheren Preis an T verkaufen. (Sie könnten auch Exporte von T zu einem niedrigen Preis kaufen und an S zu einem höheren Preis verkaufen.) In jedem Fall wird es für Drittländer einfacher den Handel mit T zu verstärken und ihren Marktanteil in T zu erweitern. Dieser Effekt wird als „3rd country- Effekt“ (Drittlandeffekt) oder auch als „Sanction-Busting“ (Umgehen der Sanktionen) bezeichnet, da hier die Sanktionen ausgehebelt werden. Der zu erwirtschaftende Gewinn steigt mit der Strenge der Sanktionen und ist daher bei multilateralen Sanktionen höher als bei unilateralen Sanktionen.

Die Bedeutung der „non-competitive goods“

Im Modell der Angebotskurven hat die Preiselastizität (Krümmung der Angebotskurve) einen hohen Einfluss auf den Effekt der Sanktionen. Die Preiselastizität ist hingegen ein Maß für das Verhältnis der relativen Nachfrage- und Preisveränderungen. Im obigen Modell gibt es nur zwei Arten von Gütern. Jedes Land fragt nur ein Gut nach. In der Realität ist die Preiselastizität des Empfängerlandes jedoch auch von der Art des sanktionierten Produktes abhängig. Gray betont die Notwendigkeit der Sanktio- nierung sogenannter „non-competitive goods“ (Güter außer Konkurrenz), um den Effekt der Sanktio- nen zu erhöhen17. Nach Gray gibt es vier Kategorien dieser Güter:

a) Güter, die nicht in T erzeugt werden können, da benötigte natürliche Ressourcen als grundlegende Produktionsfaktoren fehlen.
b) Güter, die nicht in T erzeugt werden können, da bestimmte Grundvoraussetzungen (mit Ausnahme der natürlichen Ressourcen) nicht gegeben sind. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Technolo- gie, Kapital oder Fachwissen
c) Güter, deren Produktionsfaktoren nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen. Das Angebot dieser Güter ist positiv aber fix.
d) Güter, die auf dem heimischen Markt nicht existieren, da der heimische Markt zu klein ist, um den Skaleneffekt angemessen ausnutzen zu können.

Die Resultate von Greys zeigen, dass der Profit des Importes einer Einheit der „non-competitive goods“ voraussichtlich höher ist als der Profit des Importes anderer Güter. Fehlende Importe der non-competitive goods haben, laut Gray, einen stärkeren negativen Einfluss auf die Wirtschaft des Empfängerlandes. Grey folgert, dass ein ausschlaggebender Faktor bzgl. der Effekte von Sanktionen auf der Möglichkeit basiert dem Empfängerland den Zugang zu obigen Gütern verwehren zu können. Inwiefern dies möglich ist hängt u.a. von der Angreifbarkeit des Empfängers ab. Es zeigt sich, dass vor allem kleine Länder, die nur über begrenzte Heimatmärkte, über wenig Auswahl an Exportprodukten bzw. Exportpartnern verfügen oder deren BIP sehr abhängig vom Export ist, in diesem Sinne ver- wundbar sind. Die allgemeine Angreifbarkeit eines Empfängerlandes in Bezug auf Sanktionen wird als „vulnerability“ (Verwundbarkeit) bezeichnet (Caruso 2003, Galtung 1967).

3.3 Untersuchung der Auswirkungen von Investmentsanktionen (Desinvestment) auf Basis der „balance of payment equation“

Einführung

Auf Basis der „balance of payments equation“ (außenwirtschaftliche Erfolgsrechnung) untersuchen Kampfer u. Lowenberg (2007) die Folgen ausländischem Desinvestments auf die Nettokapitalabwan- derung (net capital outflow) und Kapitalpreise des Empfängerlandes. Betrachtet wird das Empfänger- land der Sanktionen (T), das über eine Art von Erzeugnissen (X) verfügt. Diese können zu einem be- stimmten Preis (Px) und in einer bestimmten Menge (Nx=Nettoexportmenge von X) exportiert wer- den. Der Wert aller Nettoexporte18 entspricht demnach Px ∙ Nx. Das Grundkonzept der balance of payments equation ist es, dass dieser Wert der Nettoexporte den Nettokapitalabwanderung (F) des Empfängerlandes entspricht. Die Nettokapitalabwanderung (F) ist definiert als der Wert aller Investi- tionen, die T verlassen bzw. die T im Ausland tätigt, reduziert um den Wert aller ausländischen Inves- titionen, die in T getätigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fist keine feste Größe, sondern seinerseits abhängig von versch. Kenngrößen.

In diesem Modell ist F abhängig von q, Px und MPk .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Insbesondere empirische Untersuchungen beschränken sich häufig auf diese, so dass der Begriff Sanktion hier fälschlicherweise oft mit ökonomischen Sanktionen gleichgesetzt wird.

2 Aussagen über Baldwin, David A. (1985). Economic Statecraft. Princeton, NJ: Princeton University Press basieren auf einer Zusammenfassung von Pape (1997).

3 Diese Ansicht ist insbesondere bei der Berechnung der Erfolgsquoten von Sanktionen im Rahmen empirischer Untersu- chungen von Belang.

4 Diese Maßnahmen sind nicht auf zivile Güter beschränkt wie Kholodilin et al. (2014) betonen. Waffenrestriktionen zielen nicht auf eine Schädigung der aggregierten Wirtschaft ab und stellen somit eine Ausnahme dar.

5 Most Favoured Nation (Status für bevorteilte Handelspartner)

6 Negative Sanktionen sind die bekanntesten Werkzeuge der Sanktionspolitik und werden aufgrund mangelnder Relevanz der positiven Sanktionen üblicherweise mit dem Begriff Sanktion gleichgesetzt (Caruso 2003). Auch obige Definition ist auf negative Sanktionen begrenzt. Auf theoretischer Ebene wird das Prinzip der positiven Sanktionen jedoch stark diskutiert (Galtung 1967, Baldwin 1971).

7 Diese Unterteilung ist nicht allgemein gültig. Sanktionen an denen sich alle Länder der Welt, mit Ausnahme des Empfän- gerlandes beteiligen, werden in einigen Arbeiten als universal bezeichnet.

8 Der Begriff kollektiv wird in diesem Zusammenhang auch benutzt, wenn Sanktionen von mehr als einem Senderland d.h. im Kollektiv verhängt werden.

9 Galtung (1967) untersucht den gegenteiligen „rally-around-the-flag-Effekt“ (Versammlung um die Flagge-Effekt). Dieser basiert auf der Beobachtung, dass bei der Bevölkerung ein Gefühl des nationalen Zusammenhaltes und der Entschlossen- heit hervorgerufen wird. Dieses resultiert häufig in einer zunehmenden Unterstützung der Regierung.

10 Die Steigung der Gerade entspricht dem Verhältnis der Importe (Mt ) zu den Exporte (Xt) im angesprochenen Punkt.

11 Genauere Informationen über den Verlauf der Angebots- bzw. Tauschkurve sind in Bezug auf das ähnliche Modell der Marshall-Mill-Tauschkurven zu finden (Siebert und Lorz 2006, S. 133-134).

12 Diese Bezeichnung stammt aus dem ähnlichen Modell der Marshall-Mill-Tauschkurven (Siebert und Lorz 2006. S. 135).

13 Gilt diese Annahme an dieser Stelle nicht mehr, so müssten Xt, Xr, Mr, und Mt nun ausschließlich auf das Handelsvolu- men zwischen R und T bezogen sein, da über den Handel zwischen R und S keine Aussagen getroffen werden kann.

14 Infolgedessen werden die Preise auf dem Markt von T steigen (Caruso 2003).

15 R tendiert gegen Null

16 Dies gilt sofern S und R Handel betreiben und die Relativpreise von S somit definiert sind.

17 Die Aussagen über Gray, P. H. (1986). Non Competitive Goods and Gains of Trade. The International Trade Journal 1 (2), 107-128 basieren auf einer Zusammenfassung von Caruso (2003).

18 Dies entspricht dem nominalen Wert aller Exporte reduziert um den nominalen Wert aller Importe.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Über die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf die Wirtschaft des Empfängerlandes
Untertitel
Eine Analyse am Beispiel der russischen Wirtschaft in Bezug auf die Sanktionen infolge der "Ukraine-Krise"
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für internationale Wirtschaftsforschung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
64
Katalognummer
V492572
ISBN (eBook)
9783668993327
ISBN (Buch)
9783668993334
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sanktionen, Auswirkungen, russische Föderation, Ukraine-Krise, Empfängerland
Arbeit zitieren
Christoph Pötting (Autor), 2015, Über die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf die Wirtschaft des Empfängerlandes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492572

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