Relevanz des interpersonalen Aspekts und der wirtschaftsethischen Grundsätze für Modeunternehmen


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Grundlagen interpersonaler Verhältnisse

3. Interpersonale Verhältnisse im Spannungsdreieck zwischen Moral, Wirtschaft und Recht im Diskurs
3.1. Moral und Ethik
3.2. Wirtschaft
3.3. Recht

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Problemstellung

Heutzutage ist es im Wirtschaftsleben nicht mehr ausreichend, sich auf eine strikte Einhaltung von Gesetzen zu berufen. Vielmehr geht es auch darum, dass beispielsweise Manager ihr Handeln an bestimmten moralischen Ansprüchen ausrichten.

Entgegen dieser Ambitionen ist zu konstatieren, dass mittlerweile ein moralisch oder rechtlich verwerfliches Verhalten in allen Bereichen der Wirtschaft angekommen ist. Angefangen vom Handwerksbetrieb, der kostengünstige Schwarzarbeiter anstellt bis hin zum internationalen Konzern, der Arbeiter fernab der Hauptzentrale unter widrigsten Bedingungen beschäftigt und dabei die eigenen Mitarbeiter teilweise nur noch als bloßes Mittel zum Zweck betrachtet.

Exemplarisch sind hier beispielsweise Modeunternehmen zu nennen, welche teilweise Mitarbeiter fernab der Hauptzentrale unter den widrigsten Bedingungen beschäftigen. In diesem Zusammenhang titelte etwa die Welt: „Bangladesch ist zur Näherin der Welt geworden.“

Hierbei ist der monetäre Antrieb oftmals einiger weniger Personen so groß, dass bewusst Gesetze gebrochen werden und auf ein ethisch korrektes Verhalten schon längst keinen Wert mehr gelegt wird.

Inwieweit deshalb ein unternehmerisches Handeln von beispielweise Modeunternehmen wie H&M oder New Yorker möglich ist, welches sowohl wirtschaftlich als auch rechtlich und ökonomisch im Einklang zueinandersteht, soll als Gegenstand dieser Arbeit dienen. Dabei soll auch insbesondere die Rolle von interpersonale Beziehungen diskutiert werden. Dieses Zusammenspiel wird dabei wiederholt am aufgeführten Fallbeispiel erörtert.

Hierzu werden die nachfolgenden drei Ebenen genutzt:

1. Die Sphäre des Rechts, bestehend aus Vernunftrecht (Naturrecht) und positivem Recht
2. die Moral (Sittlichkeit)
3. die Wirtschaft (Ökonomie)

Bei allen drei genannten Sphären bilden interpersonale Verhältnisse ein wesentliches Fundament.

Vor diesem Hintergrund sollen in diesem Essay zunächst die Grundlagen interpersonaler Verhältnisse dargelegt werden. Anschließend werden die oben genannten Termini genauer definiert. Aufbauend darauf werden die Verbindungen und Verflechtungen der Sphären zueinander erörtert.

Insgesamt ist es das Ziel dieser Arbeit, die einzelnen Ebenen sowie die Ebenen im Wechselspiel zueinander zu verstehen und dabei auch explizit die Rolle des Menschen als Person beziehungsweise als endliches Vernunft- und Freiheitswesen zu beschreiben sowie den Einfluss interpersonaler Beziehungen darzustellen. Letztlich schließt das Essay mit einem Fazit, was die argumentierte Denkarbeit nochmals prägnant zusammenfasst.

2. Grundlagen interpersonaler Verhältnisse

Allgemeinhin sind für interpersonale Verhältnisse mindestens zwei Personen nötig, die miteinander in einem Austausch stehen. Damit Beziehungen zwischen Personen auch funktionieren, ist es essentiell, dass die Personen, welche in interpersonalen Verhältnissen zueinanderstehen, stets Personen bleiben können und auch als solche anerkannt werden. Problematisch kann es dagegen speziell dann werden, wenn Personen andere Personen nur als Mittel beziehungsweise Sache sehen.

Als fiktives Beispiel sind an dieser Stelle die Mitarbeiterinnen einer Näherei aus der Dritten Welt zu nennen, welche weit entfernt von der Zentrale eines Textilkonzerns rund um die Uhr arbeiten, fast nichts verdienen und auf deren Bedürfnisse keine Rücksicht genommen wird. Anhand dieses Sachverhalts ist zu erkennen, dass der Arbeitgeber respektive zuständige Unternehmensverantwortliche für die Produktion die Näherinnen und Näher als bloßes Mittel nutzt, um den angestrebten Zweck, nämlich die Gewinnmaximierung, zu erreichen.

Im Gegensatz dazu existieren zwei Verhaltensmuster, welche einen positiven Beitrag zum Funktionieren interpersonaler Verhältnisse leisten können. Zunächst ist es für eine Beziehung zwischen zwei Personen nicht schädlich, wenn mit Blick auf das Fallbeispiel der Produktionsverantwortliche die Angestellten in der Näherei sowohl als Mittel als auch als Selbstzweck sieht. Hinsichtlich des Fallbeispiels wäre dies dann gegeben, wenn etwa ein fairer Arbeitsvertrag zwischen Management und Produktionsmitarbeitern geschlossen wird, durch den beide Seiten profitieren würden. Weiterhin würde eine interpersonale Beziehung auch dann funktionieren, wenn eine Seite die andere Seite nur als Selbstzweck und somit nicht als Mittel betrachten würde. Anhand dieser Erläuterungen ist zu erkennen, dass das erfolgreiche Bestehen interpersonaler Verhältnisse vornehmlich von den Personen selbst abhängt. Gleichwohl mahnt Trautnitz (2009) diesbezüglich an, dass das eigene Leben generell durch Handlungen und Aktionen anderer Menschen gefährdet ist.

Bis hierhin ist deutlich zu erkennen, dass interpersonale Verhältnisse alle Sphären maßgeblich beeinflussen.

3. Interpersonale Verhältnisse im Spannungsdreieck zwischen Moral, Wirtschaft und Recht im Diskurs

3.1. Moral und Ethik

Unter Ethik ist die Sittenlehre beziehungsweise Moralwissenschaft zu verstehen. Dabei hat man sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob bestimmte Aktionen oder Tätigkeiten ethisch-moralisch vertretbar sind. Deshalb werden in der Ethik die Grundprinzipien der Moral durchleuchtet und kritisch reflektiert. Prinzipiell steht dabei der Mensch als endliches Vernunft- und Freiheitswesen im Zentrum der Diskussionen um ethisches Handeln.

In diesem Zusammenhang stellt die Moral den Kern einer Person dar. Dabei ordnet die Moral den inneren Willen. Weiterhin rekurriert die Morallehre sich auf die Moral von Personen. Konkret bedeutet dies auf den Willen beziehungsweise die innere Freiheit von Personen.

Im Weiteren soll jetzt dezidierter auf den Menschen als endliches Vernunft- und Freiheitswesen eingegangen werden. Unter „endlich“ ist in diesem Rahmen zu verstehen, dass der Mensch nicht göttlich und damit etwa allwissend ist. Das „Wollen“ respektive „Begehren“ hat im Vergleich zum Tier zwei Gestalten: Nach Kant und weiteren Philosophen ist die erste Ausprägung sinnlich bedingt, also nicht Vernunft bestimmt. Diese Form wird von Kant als „Neigung“ oder „Trieb“ bezeichnet. Konkret wird in diesem Fall lediglich der Verstand und nicht die Vernunft tangiert. Kurzum tragen diese Ausgestaltung des Begehrens sowohl Menschen als auch Tiere in sich.

Im Vergleich dazu kommt beim Menschen noch eine weitere Form des Begehrens dazu. Die Rede ist von der „Vernunft“, welche als sittliche Pflicht zu bezeichnen ist. Entgegen der ersten Form agiert der Mensch in diesem Fall nicht sinnlich bedingt, sondern vernünftig. Demzufolge unterliegt der Mensch nicht seinen Trieben. Daraus ergibt sich der Umstand, dass der Mensch durch die Abspaltung von seinen Trieben als freies Vernunftwesen zu sehen ist. Nach Kant (1797) macht den Menschen diese „moralische Anlage“ zu einem selbstbestimmten Wesen.

Um noch einmal auf das Tier zurückzukommen ist festzustellen, dass im Vergleich zum Menschen das Tier lediglich durch seinen Trieb bestimmt ist. Gleichwohl kann der Mensch stets und auch bei der größten Lust frei wählen, ob eine Aktion vernünftig ist beziehungsweise ob einer bestimmten Neigung nachgegangen werden soll.

Aufbauend auf dem vorangegangenen Absatz gilt es hier nun den Unterschied zwischen Natur- und Sittengesetz deutlich zu machen. Allgemein zwingt das Naturgesetz den Menschen beziehungsweise das Tier zu einer Neigung. Dabei wirkt das Naturgesetz „durch-determiniert“ und gilt als heteronom beziehungsweise fremdgesetzt. Im Gegensatz dazu bezieht das Sittengesetz die Freiheit mit ein und gilt als autonom beziehungsweise selbstgesetzt. Kurzum bezieht sich das Naturgesetz auf das „Müssen“, während das Sittengesetz sich auf das „Sollen“ rekurriert.

Um im Folgenden detaillierter darauf einzugehen, worin nun genau die Pflicht eines Menschen besteht, soll am bereits illustrierten Beispiel angeknüpft werden. Das Management des Textilunternehmens erkennt, dass die Mitarbeiterinnen der Näherei unter widrigsten Bedingungen zu arbeiten haben. Wenn das Unternehmen den Mitarbeiterinnen nicht zur Hilfe kommt, drohen diese auf Grund der harten Arbeit und des geringen Einkommens krank zu werden. Die erste Alternative liegt darin, dass das Management den Mitarbeitern hilft, indem es beispielsweise die Arbeitsbedingungen verbessert und den Lohn deutlich anhebt. Dieses Handeln wird als sittlich korrekt eingeschätzt. In der zweiten Alternative werden ebenfalls die Bedingungen für die Arbeiter verbessert und das Gehalt erhöht, aber nur deshalb, weil die Medien Druck auf das Textilunternehmen ausüben. Somit handelt das Unternehmen nur, um seinen Ruf zu retten. Hierbei folgen die Manager des Unternehmens nur ihrem Trieb, da ein Grund der Sittlichkeit nicht zu erkennen ist. Bei der dritten Alternative hat das Textilunternehmen auf Grund fehlender finanzieller Mittel überhaupt nicht die Möglichkeit, den Arbeitern zu helfen.

Aus diesen drei konstruierten Beispielen folgt, dass nicht bloß das Wirken oder die Handlung sittlich zu bewerten ist, sondern eher der innere Wille dafür als Maßstab heranzuziehen ist.

Im Hinblick darauf stellt nun Kant (1785) fest, dass, wenn es etwas geben würde, das einen absoluten Wert hätte und gleichzeitig als Zweck an sich selbst ein Anlass für bestimmte Gesetze sein könnte, so würde in dieser Tatsache der Grund eines möglichen kategorischen Imperativs liegen. Dabei gebietet der kategorische Imperativ jeglichen endlichen vernunftbegabten Personen und somit sämtlichen Menschen, ihr Handeln darauf zu kontrollieren, ob sie einer für alle, immer und ohne Ausnahme bestehenden Maxime folgen und ob dabei auch das Recht sämtlicher betroffener Personen, auch als Selbstzweck, also nicht nur als bloßes Mittel zu einem anderen Zweck behandelt zu werden, einbezogen wird (vgl. auch Kapitel 2).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Relevanz des interpersonalen Aspekts und der wirtschaftsethischen Grundsätze für Modeunternehmen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V494846
ISBN (eBook)
9783346004406
ISBN (Buch)
9783346004413
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Moral, Wirtschaft, Kant, H&M
Arbeit zitieren
Alexander Glöckle (Autor:in), 2017, Relevanz des interpersonalen Aspekts und der wirtschaftsethischen Grundsätze für Modeunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494846

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